Ungelöste Mord- und Kriminalfälle
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A u s l a n d - Ungelöste- und aufgeklärte Mord- und Kriminalfälle
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Niederlande-Lelystad: 28.05.2024 | Ryan Al Najjar († 18) vermutlich von ihrem Vater (53) getötet | Ehrenmord | Auch ihre beiden Brüder (23 und 25) sollen an der Tat beteiligt gewesen sein | Vater nach Syrien geflohen | Prozess
Mit Klebeband gefesselt und ins Wasser geworfen Vater gesteht Mord an Tochter (18)! Doch wird er jemals dafür in Haft sitzen?
28. November 2025 um 17:05 Uhr von Philipp Baumhöfner Kurz vorher schreibt er ihr eine SMS!
Am 24. Mai 2024 wird bei Lelystad in den Niederlanden eine Leiche im Wasser gefunden. Mund und Nase sind mit Klebeband zugeklebt, Arme und Beine gefesselt.
Schnell wird klar, dass es sich bei der Leiche um die erst 18 Jahre alte Ryan handelt. Nun gesteht ihr Vater den Mord vor Gericht.
Vater flüchtet nach Syrien Bereits am zweiten Prozesstag verkündet der Anwalt des 53-Jährigen am Donnerstag die schockierende Nachricht. Sein Mandant Khaled, Vater der toten Ryan, gesteht den Mord an seiner eigenen Tochter.
Wie das niederländische Magazin AD berichtet, hatte der Vater laut Aussage des Anwalts keine Absicht, sie zu töten, sondern wollte lediglich am Tag des Mordes „mit ihr sprechen”. Eine Bemerkung von Ryan habe jedoch dazu geführt, dass er die Beherrschung verlor. Besonders grausam: kurz vorher schreibt er ihr noch in einer SMS, er habe „Klebeband für Hände und Mund” und sei „in einer halben Stunde da”.
Nach der Tat flüchtet er nach Syrien, gegen ihn wird ein internationaler Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft stuft den Fall unterdessen laut Kosmo als sogenannten Ehrenmord ein. Ryan hatte einen Freund und habe nach westlichen Werten gelebt, was ihre Familie als Schande betrachtet habe.
Die Polizei wusste offenbar um die prekäre Situation des Teenagers. Denn Ryan erhielt wohl polizeilichen Schutz. Wieso dieser kurz vor ihrem Tod eingestellt wurde, ist bislang unklar.
Auch Ryans Brüder sollen an der Tat beteiligt sein Vor Gericht stehen auch Ryans Brüder Mohamed und Muhanad Al Najjar. Die Polizei nimmt sie kurz nach dem Fund der Leiche fest und steckt sie in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, an dem Mord ihrer Schwester beteiligt zu sein.
Ihr Vater habe ihnen befohlen, sie abzuholen und ins Wasser zu werfen. Die erst 23 und 25 Jahre alten Brüder bestreiten dies bislang und betonen, nichts davon gewusst haben. Textnachrichten, von denen das Magazin AD weiß, zeigen jedoch, dass sie mehr wussten als sie behaupten.
Demnach haben sie Ryan gemeinsam mit ihrem Vater als „das Schwein” bezeichnet. „Lasst die Fische sie fressen”, sollen sie außerdem geschrieben haben.
Telefonaufzeichnungen belegen zudem, dass Ryan am Tag ihres Todes auf und um Knardijk 138 Schritte zurückgelegt hat. Dieselbe Anzahl wie ihr 25-jähriger Bruder am selben Ort.
Es wird daher nun geklärt, ob die Tötung des Mädchens vorsätzlich geplant wurde oder ob es sich um Totschlag handelt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt, ein Urteil wird am 5. Januar erwartet. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, ist die Wahrscheinlichkeit jedoch gering, dass der Vater an die Niederlande ausgeliefert wird, da kein entsprechendes Abkommen mit Syrien besteht.
Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen von bis zu 25 Jahren wegen des Ehrenmordes an dem 18-jährigen Ryan. ANP •Heute, 17:47 Uhr• Lelystad Diesen Artikel teilen
Die Staatsanwaltschaft forderte am Freitag vor dem Gericht in Lelystad Haftstrafen von bis zu 25 Jahren für die drei Verdächtigen im Mordfall der 18-jährigen Ryan Al Najjar. Es handelt sich um ihren Vater (53) und ihre beiden Brüder (23 und 25).
Hauptrolle für den Vater Laut Staatsanwaltschaft spielte Vater Khaled Al N. eine Schlüsselrolle bei dem Mordkomplott. Er erhielt die Höchststrafe. Die beiden Brüder wurden zu jeweils zwanzig Jahren Haft verurteilt. Khaled habe die Initiative ergriffen, die Tat angeleitet und seine Söhne instruiert, so die Staatsanwaltschaft.
Unmittelbar nach dem Mord sei er in seine Heimat Syrien geflohen und habe seine Söhne die Konsequenzen tragen lassen. „Feige“, sagte die Staatsanwaltschaft. „Khaled hat seine Familie völlig zerstört.“
Handgelenke und Beine gefesselt Ryans Leiche wurde am 28. Mai des vergangenen Jahres im Wasser nahe des Knardijk in Lelystad gefunden. Ihre Handgelenke und Beine waren mit Klebeband gefesselt. Auch ihr Kopf war damit umwickelt. Die junge Frau ertrank. Ryan soll die Familienehre durch ihr angeblich zu westliches Verhalten beschädigt haben. Laut Staatsanwaltschaft bezahlte sie dies mit ihrem Leben.
Wie verängstigt sie gewesen sein muss! In der Nacht vor dem Mord wurde Ryan von ihren beiden Brüdern Mohamed und Muhanad in Rotterdam abgeholt; sie hatte angeblich nicht vor, jemals wieder nach Hause zurückzukehren.
Die Brüder brachten sie nach Knardijk bei Lelystad. Dort trafen sie ihren Vater. Kurz nach Mitternacht wurde Ryan laut Staatsanwaltschaft „grausam ermordet“. „Sie muss furchtbare Angst gehabt haben. Mitten in der Nacht, in stockfinsterer Nacht, an einem völlig abgelegenen Ort.“
Laut Staatsanwaltschaft ist noch nicht geklärt, welcher der Verdächtigen welche Tat begangen hat, aber umfangreiche forensische Untersuchungen haben ergeben, dass alle drei am Tatort waren.
Ryans Vater, der in Lelystad ermordet wurde, ist in Syrien freigelassen worden: Was können die Niederlande tun? Egbert Voerman •Gestern, 11:12 Uhr• Lelystad Diesen Artikel teilen
Der Vater der 18-jährigen Ryan Al Najjar aus Joure, die letztes Jahr in Lelystad getötet wurde, Khaled al-N., lebt unbehelligt in Syrien, während er in den Niederlanden im Verdacht steht, in ihren Tod verwickelt zu sein.
Recherchen der Zeitung Nieuwsuur zufolge lebt er im konservativen Bezirk Taftanaz in der Provinz Idlib und hat sogar wieder geheiratet. Familienangehörige bestätigen, ihn seit seiner Rückkehr gesehen zu haben, sein aktueller Aufenthaltsort ist jedoch unbekannt.
Heute findet die Hauptverhandlung im Fall gegen Ryans Brüder und ihren Vater statt. Ihre Leiche wurde im Mai letzten Jahres im Wasser des Knardijk bei Lelystad gefunden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Ehrenmord als Motiv aus. Die Brüder befinden sich in Untersuchungshaft, der Vater ist nach Syrien geflohen.
Das niederländische Justizministerium erklärt, eine strafrechtliche Zusammenarbeit mit Syrien sei derzeit unmöglich, da die zuständigen Behörden dort nicht funktionsfähig seien. Das syrische Justizministerium bestreitet dies jedoch.
Minister Mazhar al-Wais versichert, das Justizsystem habe sich vollständig erholt und sei bereit, Rechtshilfe zu leisten. Er habe bereits drei Anfragen aus europäischen Ländern erhalten, jedoch keine aus den Niederlanden.
Da al-N. syrischer Staatsbürger ist, gestaltet sich die Auslieferung kompliziert. Eine Alternative wäre ein Prozess in Syrien oder der Verbüßung einer dortigen Haftstrafe. Laut Göran Sluiter, Professor für internationales Strafrecht, ist dies zwar rechtlich möglich, aber aufgrund der Menschenrechtslage problematisch.
Die Niederlande ziehen es vor, nicht mit Ländern zusammenzuarbeiten, in denen ein faires Verfahren nicht gewährleistet ist.
Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit müssen die Niederlande die diplomatischen Beziehungen zu Syrien weiter wiederherstellen. Sollte Syrien kooperieren, wird es wahrscheinlich Gegenleistungen fordern, etwa die Auslieferung von Assad-Anhängern. Laut Sluiter ist dies mit der Europäischen Menschenrechtskonvention unvereinbar.
Der Fall von Khaled al-N. wird in Abwesenheit in den Niederlanden verhandelt.