Niederlande 17-jährige Lisa auf dem Heimweg erstochen – Sie rief noch mit dem Handy um Hilfe Stand: 24.08.2025Lesedauer: 3 Minuten
Gerade mal 16 Kilometer trennten eine 17 Jahre alte Niederländerin von ihrem Zuhause. Doch dort kam Lisa nicht an. Sie wurde in Amsterdam auf ihrem Fahrrad von einem Fremden erst attackiert und dann getötet. Ein 22-jähriger Asylbewerber steht unter Verdacht.
Noch immer kommen Menschen, um Blumen am Tatort nahe dem Holterbergweg in Amsterdam niederzulegen: Der Mord an einer erst 17 Jahre alten Schülerin hat in den Niederlanden große Betroffenheit ausgelöst.
Das junge Mädchen, das von niederländischen Medien als Lisa benannt wird, war in der Nacht vom vergangenen Mittwoch mit ihrem E-Bike auf dem Heimweg in das 16 Kilometer entfernte Örtchen Abcoude (knapp 8000 Einwohner). Zuvor hatte sie in Amsterdam eine Party besucht. Beim Radeln bemerkte sie offenbar, dass sie von einem ihr Unbekannten verfolgt wurde.
Lisa griff zum Telefon und alarmierte die Polizei. Doch zu spät, die Beamten hörten die junge Frau in den letzten Sekunden des Anrufs bereits schreien.
Als die Beamten um 4.15 Uhr am Holterbergweg (liegt in der Nähe vom Stadion von Ajax Amsterdam) eintrafen, war das Mädchen tot, sie wurde erstochen. Tatverdächtig ist ein Asylbewerber.
Der Mann wurde am Donnerstagabend in einem nahe gelegenen Hotel festgenommen, das aktuell für die Flüchtlingsunterbringung genutzt wird.
Zeugen hatten der Polizei nach Medienberichten erste Hinweise gegeben. Der junge Mann soll 22 Jahre alt sein und womöglich hat er auch bereits weitere Straftaten begangen. Niederländische Medien, die breit über den Fall berichten, nennen zwei mutmaßliche Delikte: die Vergewaltigung einer Frau und ein weiteres versuchtes Sexualdelikt, diesmal an einer Minderjährigen. Die Straftaten ereigneten sich offenbar erst kürzlich. Warum der Verdächtige nicht in U-Haft saß, ist noch offen.
„Dies ist ein Schandfleck für unsere Gesellschaft“, sagt die Bürgermeisterin Der Fall löste auch in den sozialen Medien eine Welle der Empörung aus, in den zahlreichen Wortmeldungen wurde mehr Sicherheit im öffentlichen Raum verlangt. Bei einer Pressekonferenz, aus der unter anderem „Bild“ zitiert, nahm Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema (von der Partei GroenLinks) die Besorgnis auf: „Tausende Frauen fordern zu Recht ihre Nacht zurück. Mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren, auszugehen, um die Stadt zu genießen, sollte ohne Angst möglich sein. Dies ist ein Schandfleck für unsere Gesellschaft.“ Sie kündigte zudem härtere Maßnahmen an, um „alle Formen der Frauenfeindlichkeit“ zu bekämpfen.
Der zuständige Oberstaatsanwalt René de Beukelaer sprach in dem Fall von „unbeschreiblichem Verlust und Leid“. Die Aufklärung des Verbrechens müsse rasch erfolgen, „weil wir es täglich sehen und hören, wie betroffen und verängstigt die Menschen sind“. Der Tatverdächtige, dessen Nationalität noch nicht benannt wurde, soll am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Offiziellen Erhebungen zufolge erlebt jede zweite Frau in den Niederlanden irgendwann Gewalt durch Männer – 41 Prozent berichten laut einer Eurostat-Erhebung über physische oder sexuelle Übergriffe. Diese Zahl liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt (31 Prozent). Im Jahr 2024 wurden fast 3.400 Vergewaltigungen offiziell angezeigt – ein Anstieg, der aber wohl auch mit dem Inkrafttreten eines neuen Gesetzes zusammenhängt, dass das Einverständnis von Frauen bei sexuellen Handlungen stärker gewichtet und auch mehr Verhaltensweisen als strafbar definiert, wie die „NL Times“ berichtet.
Im vergangenen Jahr starben in den Niederlanden zudem 41 Frauen durch Mord oder Totschlag – die Täter waren jedoch meist ihre (ehemaligen) Lebenspartner.
26.08.2025 11:20 Uhr – 02:28 min Lisa in Amsterdam brutal getötet
Nach Mord an 17-Jähriger boomt Kauf von Schlumpf-Spray Eine Gewalttat in Amsterdam erschüttert ein ganzes Land: Die 17-jährige Lisa war in der Nacht auf Mittwoch auf dem Heimweg von einer Party, als sie brutal ermordet wurde. Der Schock in den Niederlanden sitzt tief. Viele Frauen fühlen sich hier nicht mehr wohl, wenn sie nachts unterwegs sind und greifen zu radikalen Maßnahmen.
Amsterdam: Kampagne nach Mord an 17-Jähriger gestartet Katharina Pittack —
26. August 2025 In der vergangenen Woche wurde in Amsterdam ein 17-jähriges Mädchen auf dem Heimweg von einer Party erstochen. Nun fordert ein Zusammenschluss von Amsterdamer Clubs Veränderungen für ein sicheres Nachtleben.
Unter dem Hashtag #rechtopdenacht („Recht auf die Nacht”) fordern Locations wie Chin Chin Club, Radio Radio oder Garage Noord eine „sichere Nacht” für alle Besucher:innen – „von der Tanzfläche bis ins Bett zu Hause!” heißt es dazu auf Instagram.
Außerdem riefen der Amsterdamer Nachtbürgermeister Freek Wallagh und die Amsterdam Clubs Consultation (OAC) die Awareness-Kampagne „Claim the Night” ins Leben. Diese Initiative soll ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen. Am Dienstagabend werden ab 22 Uhr Clubs und Bars in Orange beleuchtet – die Farbe der UN-Kampagne „Orange the World” für eine gewaltfreie Zukunft und klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.
Plakate mit der Botschaft „Wir beanspruchen die Nacht – lasst Frauen sicher nach Hause kommen” sind zudem in vielen Städten in den Niederlanden zu sehen. Sie sind Teil einer Crowdfunding-Kampagne, die mehr Sicherheit für Frauen fordert. Bislang wurden über 470.000 Euro gesammelt; das Spendenziel von 530.000 Euro ist damit aber noch nicht erreicht.
Das breite Bündnis aus Clubs unter dem Hashtag #rechtopdenacht entstand nach dem Mord an einer 17-Jährigen am 20. August. Das Mädchen befand sich auf dem Heimweg nach einer Party im beliebten Amsterdamer Bezirk Leidseplein. Der mutmaßliche Täter, ein 22-Jähriger, befindet sich in Polizeigewahrsam.