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 Betreff des Beitrags: Re: Suche nach Pascal Zimmer
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. April 2016, 10:48:36 
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08.04.2016 - 10:44 Uhr

Weil er eine 87-Jährige sexuell bedrängt haben soll

Haupt-Angeklagter aus
Pascal-Prozess in U-Haft!

07.04.2016 - 17:59 Uhr

Von Steffen Meyer

Saar­brü­cken – Das Ge­räusch kli­cken­der Hand­schel­len ist für ihn nicht neu...

Der mehr­fach vor­be­straf­te (u. a. Kör­per­ver­let­zung, Tot­schlag) Mar­tin R. (53) sitzt wie­der in U-Haft. Das be­rich­tet der SR. R. war einer der Haupt­an­ge­klag­ten im Pas­cal Pro­zess. Der Mann, der zu­letzt am Meck­len­burg­ring lebte, wurde al­ler­dings wie alle an­de­ren im Sep­tem­ber 2007 frei­ge­spro­chen.

Grün­de für die Fest­nah­me am Wo­chen­en­de: Zwi­schen Fe­bru­ar und An­fang April 2016 soll Mar­tin R. eine 87-jäh­ri­ge Nach­ba­rin se­xu­ell be­drängt haben. Au­ßer­dem soll er einen Mit­be­woh­ner (55) ver­prü­gelt haben. Einer wei­te­ren Frau und deren Kind soll er mit dem Tode ge­droht haben.

Skru­pel­los, dem Al­ko­hol ver­fal­len und bru­tal. So brach­te es Mar­tin R. zu trau­ri­ger Be­rühmt­heit. Wenn er von der Po­li­zei mal wie­der auf die Wache mit­ge­nom­men wurde, pö­bel­te er rum: „Ihr wisst gar nicht, mit wem ihr es hier zu tun habt.“

Ende 2009 wurde der Saar­brü­cker zu 6 Jah­ren Haft wegen Tot­schlags ver­ur­teilt. Er hatte be­trun­ken (ca. 2 Pro­mil­le) sei­nen Kum­pel Achim F. († 41) er­sto­chen.

Der Rich­ter da­mals zu Mar­tin R.: „Sie sind ein no­to­ri­scher Schlä­ger und Be­lei­di­ger.“ Erst im Juli 2015 war Mar­tin R. aus der Haft ent­las­sen wor­den.

Der Fall Pascal – die Chronik

Von STEFFEN MEYER

► 30. September 2001: An diesem Sonntag wird der kleine Pascal Zimmer (5) gegen 16 Uhr zum letzten Mal in Saarbrücken-Burbach gesehen. Mit seinem blau-gelben Kinderfahrrad will er zu einem Freund fahren. Doch dort kommt er nie an.

► 1. – 7. Oktober 2001: Das Landeskriminalamt richtet die Sonderkommission "Hütte" ein (benannt nach dem Kirmesgelände „Burbacher Hütte“). 140 Polizisten mit Spürhunden durchkämmen die nähere Umgebung, den Güterbahnhof. 30 Taucher suchen einen Weiher in der Nähe ab. Besonders der Kirmesplatz wird immer wieder abgegangen. Dort findet zu diesem Zeitpunkt das Oktoberfest statt. Doch die Soko findet keinen brauchbaren Hinweise.

► 5. Oktober 2001: Pascals Vater Karl-Heinz C. († 50, Gerüstbauer) appelliert öffentlich an einen möglichen Entführer. Bricht weinend zusammen. Pascals Mutter Sonja († 46) muss in einer Psycho-Klinik betreut werden. Verwandte setzen eine Belohnung von umgerechnet 10 000 Euro aus.

► 14. Oktober 2001: Pascals Stiefschwester (damals 18) wird festgenommen. Ihre jüngere Schwester (damals 15) behauptet: „Sie hat ihn im Streit erschlagen.“

►18. Oktober 2001: Das Mädchen zieht ihre Aussage zurück. Der Haftbefehl wird fallengelassen. Auch die 400 eingegangenen Hinweise bringen bis zu diesem Zeitpunkt keine heiße Spur.

► Oktober 2002: Ein Freund und Spielgefährte Pascals vertraut sich seinen Pflegeeltern an, spricht von einem angeblichen Missbrauch in der Kneipe "Tosa-Klause" und in einem Haus in Riegelsberg.

► 19. November 2002: Nach wochenlangen Ermittlungen verhaftet die zusätzlich eingesetzte Soko „Riegel“ (wegen Riegelsberg) zwei Männer und zwei Frauen. Unter ihnen auch die Wirtin der ehemaligen "Tosa-Klause", Christa W. (damals 53).

► Februar 2003: Weitere sechs Verdächtige werden verhaftet. Es kommt zu ersten Geständnissen. Ein Mann und drei Frauen berichten, dass Pascal am Tag seines Verschwindens in die „Tosa-Klause“ gelockt und missbraucht worden sei. Im Verhör behauptet Kneipenbesucherin Andrea M. (damals 41): „Wir haben Pascal umgebracht. Er liegt in einer Kiesgrube.“

► 21. Februar 2003: Die Polizei beginnt ihre Suche in der französischen Kiesgrube, drei Kilometer hinter der deutschen Grenze.

► 23. Februar 2003: Weitere sechs Tatverdächtige werden festgenommen.

► 26. Februar 2003: In einer Pressekonferenz zum Fall Pascal erklärt der Ermittlungsleiter: „Der Junge wurde Opfer von Kinderschändern.“

► Februar 2004: Die Staatsanwaltschaft klagt insgesamt 13 Frauen und Männer an. Sie alle waren an jenem Kirmessonntag in der "Tosa-Klause". Vorwurf: Sie waren am sexuellen Missbrauch, der Vergewaltigung bzw. dem Mord an Pascal beteiligt.

► 20. September 2004: Prozessauftakt vor dem Saarbrücker Landgericht. Immer wieder werden Vorwürfe an der Polizeiarbeit laut. So hätten Beamte die Beschuldigten in Verhören angeblich unter Druck gesetzt.

► Sommer 2005: Im Juni stirbt Pascals Mutter (vermutlich Hirnblutung), im Juli sein Vater (Herzinfarkt nach Schlägerei).

► 10. Oktober 2005 bis 12. Juni 2006: Nach und nach werden sämtliche Haftbefehle gegen die Angeklagten aufgehoben. Es gibt immer mehr Zweifel an den angeblichen Geständnissen. Die Richter sehen keinen dringenden Tatverdacht mehr.

► 7. September 2007: Entscheidung nach 147 Verhandlungstagen. Die Richter sprechen ihr Urteil: Freispruch für alle Angeklagten. Die Männer in den schwarzen Roben lassen den Grundsatz gelten: „Im Zweifel für den Angeklagten“.

Von Pascal fehlt bis heute jede Spur. Der Junge wäre heute 18 Jahre alt.
Die meisten der ehemaligen Angeklagten leben noch immer im Saarland. Die meisten von Hartz IV.

Ein Angeklagter sitzt mittlerweile wegen Totschlags im Gefängnis. Er hatte einen Nachbarn mit einem Messer getötet.

Der Leiter der Polizei-Soko wurde durch den Fall psychisch so sehr mitgenommen, dass er zunächst krank geschrieben wurde und mittlerweile aus dem Dienst ausgeschieden ist.

http://www.bild.de/regional/saarland/sa ... .bild.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. April 2016, 13:05:02 
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Kriminalität
Vater des vermißten Pascal stirbt bei Schlägerei

Der Vater des 2001 verschwundenen fünfjährigen Pascal aus Saarbrücken ist bei einer Schlägerei ums Leben gekommen. Erst Mitte Mai war die Mutter des wahrscheinlich mißbrauchten und ermordeten kleinen Jungen gestorben.
02.07.2005

Der Vater des wahrscheinlich ermordeten fünfjährigen Pascal ist tot. Wie die saarländische Polizei am Samstag mitteilte, kam der 50jährige bei einer Schlägerei am späten Freitag abend in einer Kneipe in Püttlingen ums Leben. Todesursache sei ein Herzinfarkt gewesen, den der 50jährige bereits vor dem Streit erlitten habe, berichtete die Polizei am Samstag in Saarbrücken nach der Obduktion.

Nach ersten Erkenntnissen hatte ein 39jähriger Mann den 50jährigen beleidigt, worauf dieser die Schlägerei begann. Beide Männer gingen im Gerangel zu Boden. Die umstehenden Gäste hatten versucht, den Streit zu schlichten, gerieten dabei aber selbst in ein Handgemenge. Insgesamt hielten sich nach Polizeiangaben zur Tatzeit etwa 15 Gäste in der Kneipe auf. Alle Beteiligten seien betrunken gewesen, sagte der Sprecher.


Als die Situation sich wieder beruhigte, blieb der 50jährige auf dem Boden liegen und verstarb kurz darauf. Ein Zusammenhang zwischen der Schlägerei und dem Todesfall bestehen nicht. Der Herzinfarkt hätte auch ohne den Streit zum Tod geführt, sagte ein Sprecher. Die Polizei ließ den 39jährigen, der zunächst festgenommen worden war, wieder frei.

Erst Mitte Juni war bereits die Mutter des verschwundenen Pascal gestorben. Die 46jährige erlag einer Hirnblutung.

Leiche des Jungen nie gefunden

Seit September 2004 läuft vor dem Landgericht Saarbrücken ein Prozeß gegen 13 Angeklagte. Laut Staatsanwaltschaft sollen Pascal und ein weiteres Kind in der „Tosa-Klause“ in Saarbrücken-Burbach mehrfach mißbraucht worden sein. Dabei soll Pascal ums Leben gekommen sein. Der Junge wird seit September 2001 vermißt. Seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

In Saarbrücken stehen seit September 2004 neun Männer und vier Frauen vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, den fünfjährigen Pascal im September 2001 mißbraucht und getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte auch gegen den 50jährigen Ermittlungen aufgenommen wegen des Verdachts der Beihilfe zum Kindesmißbrauch, die aber ohne Ergebnis blieben. Der Vater von Pascal war nach eigenen Angaben wiederholt Gast in der Kneipe „Tosa-Klause“, in der sein Sohn später verschwand. Nach dem Verschwinden des kleinen Jungen hatte der Vater unter Tränen die Bevölkerung gebeten, bei der Suche zu helfen.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 53114.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. April 2016, 13:06:15 
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Die gespielte Unschuld der Rechten
Die Rechten faseln und hetzen und kommen damit durch.
10. JULI 2008
FALL PASCAL
Rücktritt im Saarland
Von BURKHARD VON PAPPENHEIM


Der Skandal im Saarland hat personelle Folgen: Peter Steffes, Chef der Inspektion der Saarbrücker Kriminalpolizei, gibt nach Vorwürfen im Fall Pascal auf. Von Burkhard von Pappenheim.


Der Polizeiskandal im Saarland hat personelle Folgen: Peter Steffes, Chef der Saarbrücker Kriminalpolizeiinspektion, bat Innenminister Klaus Meiser, ihn von seinem Posten zu entbinden.

Ein Ministeriumssprecher sagte der Frankfurter Rundschau am Donnerstag, Steffes werde am Montag in das Innenministerium versetzt und dort "eine neue verantwortungsvolle Tätigkeit übernehmen". Steffes war im Zusammenhang mit dem Fall des spurlos verschwundenen Jungen Pascal Zimmer in einen Skandal verwickelt, über den die Frankfurter Rundschau als erste Zeitung berichtete.

Der Fall Pascal
Pascal ist fünf Jahre alt, als er am Nachmittag des 30. September 2001 in Saarbrücken-Burbach zuletzt gesehen wird. Bis heute fehlt jede Spur von dem Jungen. Eine mögliche Spur: ein solches gelb-blaues Kinderfahrrad, das Pascal bei sich hatte, als er das elterliche Haus verließ.
Bildergalerie (11 Bilder)

Ein Kriminalkommissar hatte berichtet, Steffes sei 2003 an der Vernichtung von Unterlagen beteiligt gewesen, die Hinweise auf sexuellen Missbrauch in der Tosa-Klause bereits kurz nach dem Verschwinden des Jungen enthalten hatten. Die Polizei war diesen Informationen nicht nachgegangen und hatte sie nach den Aussagen des Zeugen vernichtet, um den Skandal zu vertuschen. Steffes habe sich gebrüstet, der damaligen Innenministern Annegret Kramp-Karrenbauer "den Kopf gerettet" zu haben.

Später hatte Steffes mit fragwürdigen Methoden Landtagsabgeordneten nachgeschnüffelt, um herauszufinden, wie ein Ausschuss-Protokoll an die Presse geraten konnte. Steffes erklärte nun, die Presseberichte über die Fälle hätten das Vertrauen in sein Amt und die Arbeit der Kriminalpolizeiinspektion erschüttert. Darum wolle er abtreten.

http://www.fr-online.de/home/fall-pasca ... 13398.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. April 2016, 13:46:33 
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Saarland / Saarbrücken: Pascal zimmer (5), vermisst seit 30.09.2001

20. Mai 2015

Zehn Jahre ist es her, dass der damals fünfjährige Pascal aus Saarbrücken spurlos verschwand. Und immer noch gibt es keine Gewissheit: Der Fall konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. All die Jahre gab es weder ein Lebenszeichen des Jungen noch wurde seine Leiche gefunden. Geblieben sind nur ein paar Fotos. Sie zeigen den kleinen, schmächtigen Pascal, mal strahlend vor einem großen Fahrrad, mal schüchtern auf einer Schaukel, meist in Jogginganzug und mit Turnschuhen. Dieses Outfit trug der damals Fünfjährige auch, als er am letzten September-Sonntag vor zehn Jahren, am 30. September 2001, im Saarbrücker Problemstadtteil Burbach verschwand. Seither fehlt jede Spur von Pascal. “Was den Fall so besonders macht, ist das langwierige Strafverfahren mit Geständnissen und Widerrufen von Personen, die nicht voll durchschauten, was vor sich ging”, resümiert der Kriminalpsychologe Professor Rudolf Egg. Was damals wirklich passiert ist, lässt sich bis heute nicht rekonstruieren. Fest steht nur eins: Um 16.50 Uhr an jenem Kirmes-Sonntag wurde Pascal zum letzten Mal gesehen, nahe der ‘Tosa-Klause’, einer Kneipe unweit der Wohnung seiner Eltern. Angehörige rufen die Polizei, als der kleine Junge nicht nach Hause kommt, und machen sich am Abend mit Unterstützung von Nachbarn auf die Suche nach ihm – vergeblich. Dutzende Beamte mit Spürhunden durchkämmen in den folgenden Tagen die Gegend, Taucher suchen in der Saar und im Burbacher Waldweiher, Tornado-Flugzeuge mit Wärmebildkameras überfliegen den Stadtteil. Doch nicht einmal Pascals Fahrrad wird gefunden. Monatelang tappen die Fahnder im Dunkeln. Knapp anderthalb Jahre nach Pascals Verschwinden gelingt dann scheinbar der Durchbruch: Ende Februar 2003 meldet die Polizei, der Junge sei vermutlich in der ‘Tosa-Klause’ Opfer eines Kinderschänderrings geworden, mehrere Verdächtige werden gefasst, einige legen Geständnisse ab. Auf die Spur brachte die Polizei eine Aussage von Pascals Freund Kevin, der seiner Pflegemutter erzählte, ebenfalls von Männern vergewaltigt worden zu sein. Danach rekonstruieren die Fahnder eine schier unfassbare Tat: Mit einem Lutscher soll Pascal in die ‘Tosa-Klause’ gelockt, dort von vier Männern im Hinterzimmer brutal vergewaltigt und, als er sich zu stark wehrte, mit einem Kissen erstickt worden sein. Der Fall scheint plötzlich klar. Die Staatsanwaltschaft erhebt eine erste Anklage gegen einen Tosa-Stammgast. Er wird im Oktober wegen sexuellen Missbrauchs, nicht aber wegen Mordes zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Knapp ein Jahr später beginnt dann einer der längsten Kindermord-Prozesse der deutschen Rechtsgeschichte. Verhandelt wird gegen die Wirtin der Kneipe, ihren Lebensgefährten und elf weitere Gäste der Spelunke.

Quelle:
http://www.welt.de/vermischtes/weltgesc ... lause.html

http://www.die-vermisstensuche.com/2015 ... 0-09-2001/


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. April 2016, 14:10:36 
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Der Fall Pascal: Gisela Friedrichsen verurteilt

Die Gerichtsreporterin des Spiegel ist seit langem eine umstrittene Journalistin. Manche Juristen werfen ihr vor, dass sie „Noten verteilt“ (Müller-Luckmann) und immer wieder versuche, Urteile zu beeinflussen. Und LeserInnen wundern sich seit langem, wie häufig die Opfer in der Berichterstattung der Spiegel-Reporterin dastehen, als seien sie die Täter – vor allem, wenn sie Frauen sind und es um Sexualverbrechen geht, um Missbrauch oder Sexualmord.

So wusste Friedrichsen als Einzige immer schon, dass Monika Weimar die Mörderin ihrer Kinder war! Den Ehrenmord an der Afghanin Morsal, die 2009 von ihrem Bruder mit 23 Messerstichen niedergemetzelt wurde, nannte sie einen „Geschwisterkonflikt“. Und sie beeinflusste zahllose Prozesse, in denen nicht zuletzt dank ihrer Berichterstattung die Opfer als unglaubwürdig hingestellt wurden. Stichwort Montessori-Prozess (1994), Worms-Prozess (2007) oder Pascal-Prozess (2007).

Über den so genannten Pascal-Prozess, in dem es um das spurlose Verschwinden des kleinen Jungen und den Verdacht auf massenhaften Kindesmissbrauch ging, berichtete EMMA in der März-Ausgabe 2009. Wir sprachen mit der Pflegemutter des Hauptzeugen, der betroffene kleine Kevin, der heute schwer traumatisiert bei Esther Fehrer lebt.

Friedrichsen, die von Anbeginn an davon überzeugt war, dass die Angeklagten aus der Tosa-Klause unschuldig sind, hatte im Spiegel sehr parteiisch über den Prozess berichtet. Und sie veröffentlichte anschließend auch gleich noch ein ganzes Buch über den Fall: „Im Zweifel gegen die Angeklagten – die Geschichte eines Skandals“.

In diesem Buch hatte die Gerichtsreporterin – die überhaupt nur an etwa 30 von 148 Verhandlungstagen in dem Saarbrücker Gerichtssaal gesessen hatte – die Pflegemutter des kleinen Zeugen so dargestellt, als habe da eine selbst traumatisierte Frau einen Stellvertreterkrieg geführt: als habe die Pflegemutter den kindlichen Zeugen manipuliert und so den ganzen Prozess überhaupt erst angezettelt. Wodurch das eh schon nicht leichte Leben von Frau Fehrer noch schwerer wurde. Denn nun guckten sie auch noch die Leute und Ämter scheel an.

Doch Esther Fehrer ließ sich nicht einschüchtern. Sie wehrte sich. Mit Erfolg. Das Kammergericht Berlin sah die weitere Verbreitung der Behauptung, Frau Fehrer habe den Pascal-Prozess mit ihren Unterstellungen überhaupt erst angestoßen, als unzulässig an. Der Berliner Medienanwalt Schertz teilte mit, dass das Buch nur noch bis Anfang Juli ausgeliefert werden darf und der Verlag Random House verbleibende Exemplare vernichten muss. Dass es eine zweite Auflage des Buches gibt, erscheint nach der klaren Einschätzung des Gerichts zu einer der Kernaussagen des Buches sehr unwahrscheinlich.

Für die als „renommiert“ geltende Journalistin Gisela Friedrichsen, die sich immer wieder zur „Richterin der Richter“ aufschwingt, ist dieses Urteil eine schwere Niederlage. Und hoffentlich eine Warnung – in Zukunft verantwortungsbewusster mit Menschen umzugehen und sich vor Vorverurteilungen in Millionenauflage zu hüten.

http://www.emma.de/artikel/der-fall-pas ... ilt-265133


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 17. Juli 2016, 18:47:49 
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Artikel vom 17.07.2016

http://www.bild.de/regional/saarland/sa ... .bild.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 29. September 2016, 10:28:55 
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Vor 15 Jahren verschwand Pascal (5) spurlos

http://www.bild.de/regional/saarland/ki ... .bild.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 29. September 2016, 20:12:00 
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29.09.2016 - 20:06 Uhr

Vermisster Pascal

Gedenkfeier in Burbach

http://www.bild.de/regional/saarland/sa ... .bild.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 30. September 2016, 08:15:39 
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Pascal seit 15 Jahren spurlos verschwunden
Weiterhin ungelöster Vermisstenfall – Polizei hat Ermittlungen mittlerweile eingestellt: „Alle Spuren abgearbeitet“

Von Johannes Schleuning, 30. September 2016, 02:00 Uhr

Vor 15 Jahren verschwand der fünfjährige Pascal aus Saarbrücken-Burbach spurlos. Der Fall entwickelte sich zu einem der spektakulärsten der deutschen Kriminal- und Rechtsgeschichte. Und er bleibt ungelöst.

Es war ein Fall, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte – und ein unvorstellbares Schicksal beschrieb: Heute vor 15 Jahren, am 30. September 2001, verschwand der kleine Pascal aus Saarbrücken-Burbach spurlos. Der Junge war damals fünf Jahre alt. Was mit ihm passiert ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Angeblich soll er in der Bierkneipe „Tosa-Klause“ an der Hochstraße (das Lokal existiert heute nicht mehr) missbraucht und umgebracht worden sein. Beweisen ließ sich das allerdings nicht. Sicher ist nur eines: Um 16.50 Uhr an jenem Sonntag wurde Pascal zum letzten Mal gesehen, nahe der „Tosa-Klause“. Die anschließende groß angelegte Suche nach dem Jungen bleibt erfolglos.


2003 berichtet die Polizei von Hinweisen, wonach der Junge vermutlich Opfer eines Kinderschänderrings geworden sei, mehrere Verdächtige werden gefasst, einige legen Geständnisse ab. Noch im selben Jahr beginnt ein Gerichtsverfahren. Doch nach 147 Verhandlungstagen, mehreren hundert Zeugenvernehmungen und knapp drei Jahren Prozessdauer werden die Angeklagten am 7. September 2007 freigesprochen. Es ist ein Freispruch „dritter Klasse“, wie einer der Verteidiger meint. Denn es erscheint dem Gericht durchaus als möglich, dass sich die grausige Tat so abgespielt hat, wie Staatsanwaltschaft und Polizei glauben. Doch: „Es gibt keine zweifelsfreie Überzeugung. Daher gilt: Im Zweifel für den Angeklagten“, wie der Vorsitzende Richter betont.


Die Polizei hat die Ermittlungen im Fall des bis heute als vermisst gemeldeten Pascal mittlerweile eingestellt, wie ein Sprecher der SZ mitteilte. Es sei „alles abgearbeitet worden, was an Spuren vorlag“. Erst wenn es neue Hinweise gebe, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Somit wird der Fall Pascal als ein nicht nur unvorstellbares, sondern auch weiterhin ungelöstes Schicksal in Erinnerung bleiben müssen.

http://www.saarbruecker-zeitung.de/saar ... 98,6264278


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Montag, 03. Oktober 2016, 10:19:14 
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Panorama Saarbrücken
29.09.11

Der kleine Pascal und die Hölle in der Tosa-Klause

Missbraucht und getötet? Seit genau zehn Jahren fehlt von Pascal aus Saarbrücken jede Spur. Trotz eines Prozesses ist bis heute unklar, was in der Tosa-Klause geschah.


Wenn Kinder verschwinden oder ihnen Gewalt angetan wird, bleibt oft nur ein Name. Es bleibt Maddie, es bleibt Mirco , es bleibt Dennis. Auch Pascal ist so ein Name. Er steht für einen jahrelangen Prozess mit unauffindbaren Beweismitteln und erzwungenen Geständnissen; für fehlerhafte Ermittlungen mit nicht verfolgten Spuren; für gescheiterte Existenzen und versehrte Leben. Für alles, was Angst macht.

Pascal Zimmer aus Saarbrücken-Burbach, geboren am 11. Dezember 1995. Ein hübscher, etwas schmächtiger Junge, 1,20 Meter groß, 18 Kilogramm schwer, mit blonden Haaren, braunen Augen und einer Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen. Pascal gilt seit zehn Jahren, seit dem 30. September 2001, als vermisst.

Als der Junge an jenem Kirmestag abends nicht nach Hause kommt, ist Sigrid Hübner eine der ersten, die davon erfährt. Pascals Tante sitzt mit ihrem Mann und Freunden zusammen, als gegen 20 Uhr das Handy klingelt. Es ist ihre ältere Schwester, Sonja Zimmer. "Du, Pascal ist immer noch nicht nach Hause gekommen. Kannst Du nicht kommen?"

Pascal stammt aus einem schwierigen sozialen Umfeld

Der Fall Pascal aus Saarbrücken

30. September 2001:
Der fünfjährige Pascal verlässt gegen 16 Uhr die elterliche Wohnung. Vermutlich wollte er zum nahe gelegenen Oktoberfest gehen. Gegen 16.20 Uhr wird er von einem Spielkameraden zum letzten Mal lebend gesehen. Gegen 21 Uhr erstatten die Eltern Vermisstenanzeige bei der Polizei.

1. Oktober 2001:
Eine Sonderkommission sucht zeitweise mit mehr als 150 Beamten nach dem Kind. Taucher, Hubschrauber, Feuerwehr beteiligen sich. Selbst ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera findet keinerlei Hinweise. Die Beobachtung eines Anwohners, der den Jungen am Abend in einem Hinterhof in Burbach gesehen haben will, führt nicht weiter.

7. Oktober 2001:
Eine Woche nach dem Verschwinden hat sie Polizei zwar 220 Hinweise erhalten, doch von Pascal fehlt weiter jede Spur. Die großangelegte Suche wird eingestellt, dafür eine Belohnung von rund 15.000 Euro ausgesetzt.

14. Oktober 2001:
Festnahme der damals 18-jährigen Stiefschwester Pascals. Der Verdacht: Sie soll den Jungen ,,mit einem schweren Gegenstand" erschlagen haben. Dies will ihre damals 17-jährige Schwester beobachtet haben.

18. Oktober 2001:
Der Haftbefehl gegen Pascals Stiefschwester wird aufgehoben, als die Vernehmungen nicht weiterführen. Die 17-jährige Schwester nimmt ihre Beschuldigungen zurück.

März 2002:
Ein Rückhaltebecken bei der Gersweiler Brücke mit 18.000 Litern wird auf ausgepumpt, weil Pascals Leiche dort vermutet wird. Die Suche bleibt ergebnislos.

30. März 2002:
Die Sonderkommission wird auf ein Mindestmaß an Beamten verkleinert.

19. November 2002:
Festnahme von vier mutmaßlichen Kinderschändern im Großraum Saarbrücken. Sie sollen Kevin, einen Spielkameraden von Pascal, über mehrere Jahre sexuell missbraucht zu haben. Kevin berichtet in der Pflegefamilie erstmals von den Vorkommnissen. Ermittlungen führen zur Tosa-Klause. Er ist der leibliche Sohn von Andrea M., für die die Betreiberin der Tosa-Klose die Pflegschaft übernommen hatte.

23. Februar 2003:
Es wird bekannt, dass Pascals Vater mit dem Jungen in der Tosa-Klause verkehrte.

21. Oktober 2003:
Urteil im Prozess gegen einen Besucher der Tosa-Klause. Peter Sch. gesteht den Missbrauch von Pascal und wird zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Februar 2004:
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 13 Personen im Fall Pascal wegen schweren sexuellen Missbrauchs: zwölf Besucher der Tosa-Klause sowie deren Betreiberin. Andrea M. soll Pascal auf eine Matratze gedrückt haben, um so bei einer Vergewaltigung die Schreie des Jungen zu unterdrücken. Dabei sei der Fünfjährige gestorben.

20. September 2004:
Der Prozess beginnt.

10. November 2004:
Einer der Angeklagten versucht, sich in der Untersuchungshaft das Leben zu nehmen. Im laufenden Prozess hatten sich die Angeklagten gegenseitig schwer belastet.

Mai 2005:
Eine der Angeklagten, Erika K., zieht ihre Aussage vor Gericht zurück. Damit wird es für die Staatsanwaltschaft noch schwieriger, den Missbrauch und Mord nachzuweisen. Der Prozess drohte ohnehin zu platzen, weil ein Pflichtverteidiger kein Geld erhalten hatte.

14. Juni 2005:
Pascals Mutter Sonja Zimmer stirbt im Alter von 46 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung.

1. Juli 2005:
Pascals Vater Heinz Coen stirbt an einem Herzschlag während einer Kneipen-Schlägerei. Ein Gast hatte ihn als "Kinderficker" beschimpft.

7. Oktober 2005:
Die Verhandlung gegen einen der Angeklagten wird aufgrund seiner schweren Krankheit eingestellt.

10. Oktober 2005:
Einige der Haftbefehle gegen die Beschuldigten werden aufgehoben, weil kein "dringender Tatverdacht" mehr besteht. Gleichzeitig widerrufen immer mehr Angeklagte ihre Aussagen.

30. Januar 2006:
Der zuständige Richter Chudoba erkrankt. Der Prozess wird auf unbestimmte Zeit vertagt.

31. August 2006:
Die Hauptbelastungszeugin Andrea M. widerruft ihre Aussage komplett. Damit kann die Staatsanwaltschaft ihre Anklage kaum noch aufrecht halten.

November/Dezember 2006:
Die Pflegemutter von Kevin, der Spielkamerad von Pascal und leiblicher Sohn der Hauptbelastungszeugin Andrea M., berichtet, wie sich Kevin ihr anvertraut habe. Eine Gutachterin kommt 2007 allerdings zu dem Ergebnis, dass Kevin vermutlich wirklich missbraucht wurde, allerdings ließe sich der Missbrauch weder Ort noch Zeit zuordnen.

7. September 2007:
Die Angeklagten werden in allen Punkten freigesprochen.

30. April 2008:
Die Staatsanwaltschaft reicht eine Revision gegen das Urteil ein.

12. Januar 2009:
Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verwirft die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Saarbrücken vom September 2007. Nach den Feststellungen des Gerichts gebe es keine objektiven Beweise für eine Täterschaft der Angeklagten.

Mai 2011:
Es wird bekannt, dass eine Spur von der Polizei nicht weiterverfolgt wurde, derzufolge Pascals Leiche in Luxemburg verscharrt ist.

Sigrid Hübner hat diesen Anruf seither unzählige Male geschildert: der Familie, Freunden, Fernsehteams. Trotzdem wirkt es, als habe sie die aufgelöste Stimme ihrer Schwester noch immer Ohr – bis heute, zehn Jahre später, samstagmorgens an ihrem Frühstückstisch. Über den Fall Pascal wurden Dokumentationen gedreht und Bücher geschrieben, und immer war Sigrid Hübner die Ansprechpartnerin, sie schilderte, was es für eine Familie bedeutet, wenn plötzlich ein kleines Kind verschwindet. Auch deshalb, weil sie die nächste noch lebende Verwandte ist.

Eine Frage wird ihr seit jenem Abend immer wieder gestellt: Was für ein Junge war Pascal? "Ein ruhiges, schüchternes Kind", sagt sie. "Natürlich auch geprägt von seinem sozialen Umfeld in Burbach." Ein Saarbrücker Stadtteil zwischen Saarufer und Bahngleisen, mit verrotteten Industriebauten und sterilem Gewerbegebiet. Grau verwaschene Reihenhäuser, viele Arbeitslose – "nicht gerade das, was man sich für ein Kind wünscht", sagt Sigrid Hübner, selbst Mutter von zwei Kindern.

Als der Anruf kommt, setzt die damals 38-Jährige sich ins Auto und fährt ins benachbarte Burbach. An jenem Sonntag steigt dort das jährliche Oktoberfest, nur wenige hundert Meter von der mehrspurigen Straße entfernt, an der Pascal mit seinen Eltern wohnt.

Der Junge war am Nachmittag, wie so oft, mit seinem gelb-blauen Kinderrad unterwegs; seinen Helm findet Mutter Sonja abends im Hof. Sigrid Hübners erster Gedanke: Der Junge ist mit jemandem zu dem Volksfest gegangen und hat die Zeit vergessen. "Ich hab' mir also ein Foto von Pascal geben lassen und bin zuerst zur Kirmes, um die Schausteller zu fragen, ob sie ihn vielleicht gesehen haben." Die Polizei kann später den Tag des Jungen rekonstruieren. Demnach wurde er zuletzt auf der Kirmes gesehen, wo ihm eine Budenbesitzerin einen Luftballon schenkte. Danach verschwand er in Richtung eines weniger belebten Nebenausgangs.

Bis in die Nacht suchen die Angehörigen und die Polizei die Burbacher Straßen ab, durchkämmen das Gestrüpp der nahen Bahngleise. Vergebens. In den folgenden Tagen streifen Hundertschaften mit Spürhunden durch Waldgebiete. Taucher suchen die Saar ab, Hubschrauber kreisen mit Wärmebildkameras über Burbach. Ergebnislos. "Sie fragen sich ständig: Was ist passiert? Ist er entführt worden, hat ihn jemand mitgenommen, verschleppt? Wo könnte ich suchen?", sagt Sigrid Hübner. "Bei jedem Spaziergang gucken Sie in jede Ecke. Aber das ist total idiotisch." Sie nimmt Pascals Eltern bei sich auf, übernimmt die Koordination mit Polizei und Presse.

Ein erschüttertes Menschenbild

Was diese Zeit mit Sigrid Hübner selbst gemacht hat, darüber redet sie nicht viel. Pascals Verschwinden schildert sie oft unpersönlich. So, als wolle sie die Worte auf Distanz halten. "So was kann man nicht greifen", sagt sie etwa, oder: "Sie werden einfach nicht gefragt". "Man" und "Sie", anstelle von "Ich". Einmal sagt sie: "Ich war eigentlich immer Optimist, aber das alles hat mein Menschenbild doch arg erschüttert. Aber irgendwann leben Sie damit. Wie wenn Sie wissen, dass da in der Ecke eine Spinne sitzt."

Bei der Polizei will heute niemand mehr über die Ermittlungen reden. Dazu hat der Fall die Kriminalbeamten zu stark mitgenommen. Einige können nicht mehr in diesem Bereich arbeiten, andere wollen sich aus Rücksicht auf ihre Gesundheit nicht äußern, weil sie seither berufsunfähig sind.

Im Herbst 2001 beginnen die Ermittler damit, Pascals familiären Hintergrund zu durchleuchten. Die Mutter: Sonja Zimmer, ausgebildete Hauswirtschafterin mit Hauptschulabschluss, übergewichtig und schwer krank, arbeitslos. Pascal war ihr einziges Kind.

Der Vater: Heinz Coen, Sonja Zimmers Lebensgefährte, Hilfsarbeiter, vorbestraft, ebenfalls gesundheitlich angeschlagen und alkoholabhängig. Aus einer zerbrochenen Ehe hat er zwei Töchter, die oft mit Pascal spielten. Gegen die beiden Mädchen richtet sich Mitte Oktober 2001 der erste Verdacht. Eines Samstags stehen Polizeibeamte vor Sigrid Hübners Tür; sie eröffnen der Familie, dass die damals 18 Jahre alte Stiefschwester Pascal nach einem heftigen Streit mit einer Eisenstange erschlagen habe. Ihre Schwester und eine gemeinsame Freundin, damals 17 und 15 Jahre alt, hätten dies bezeugt.

Falsche Geständnisse und regelmäßiger Missbrauch

Tatsächlich sind die Mädchen geständig, verstricken sich dann aber in Widersprüche und ziehen ihre Aussagen schließlich zurück. Die Polizei wird für ihre Verhörmethoden scharf kritisiert, denn der Druck seitens der Ermittler muss so groß gewesen sein, dass die Teenager irgendwann sogar den Mord zugaben, nur um den Vernehmungen ein Ende zu setzen. Noch ahnt niemand, wie richtungweisend diese falschen Geständnisse für den Fall Pascal werden sollen.

Im Herbst 2002 kommt zum ersten Mal der Name Christa W. ins Spiel. Die ehemalige Jugendschöffin und Wirtin der Burbacher Tosa-Klause beherbergt in ihrem Haus Sozialhilfeempfänger, darunter auch die 38-jährige, geistig minderbemittelte Andrea M., deren Pflegschaft Christa W. übernommen hat. Andrea M.s Sohn, von den Medien Kevin getauft, lebt seit einiger Zeit bei einer Pflegefamilie, nachdem er im Haus von Christa W. verwahrlost sein soll. Der siebenjährige Kevin berichtet seiner neuen Pflegemutter, dass er sexuell missbraucht worden sei – auch in der Tosa-Klause, wo er öfters mit Pascal gespielt habe.

Kevins Schilderungen sind die lange gesuchte Spur. Christa W., Andrea M. und andere Tosa-Gäste kommen in Untersuchungshaft. Im Januar 2003 gesteht ein Verdächtiger, dass er Kevin und Pascal in der Tosa-Klause missbraucht habe – Pascal zuletzt am Tag seines Verschwindens. Was danach mit dem Jungen geschehen sei, wisse er nicht. Der geistig stark eingeschränkte Mann wird im Schnellverfahren angeklagt und zu sieben Jahren Haft verurteilt, wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung in vier Fällen.

Der Mordprozess ohne Leiche

Und plötzlich reden auch die anderen Verdächtigen. Sie gestehen, Pascal missbraucht und getötet zu haben. Andrea M. gibt an, den Oberkörper des Jungen auf die Matratze gepresst zu haben, bis er nicht mehr atmete. Die Leiche hätten sie in einen blauen Müllsack gesteckt und einer französischen Kiesgrube kurz hinter der Grenze vergraben. Die Polizei findet keine Hinweise auf das Verbrechen. Anklage wird trotzdem erhoben – in einem Mordprozess ohne Leiche.

20. September 2004, 10 Uhr morgens, Landgericht Saarbrücken, Saal 38. Vor dem Schwurgericht sind 13 Verdächtige angeklagt, sechs von ihnen wegen Mordes, sieben weitere wegen sexuellen Missbrauchs – Anstifter, Täter, Helfer. Vorsitz führt Richter Ulrich Chudoba. Die Verlesung der Anklageschrift dauert eine Dreiviertelstunde. Der Bundesgerichtshof wird später daraus zitieren:

"[…] Pascal habe zunächst Süßigkeiten erhalten. Danach habe die Angeklagte M. den sich heftig sträubenden Pascal in ein zu der ,Tosa-Klause' gehörendes Kämmerchen geschleppt, um es Sch. , den Angeklagten S. und R. sowie weiteren Mitangeklagten, die dafür an die Angeklagte W. jeweils 20 DM hätten zahlen müssen, zu ermöglichen, das Kind sexuell zu missbrauchen. […] Die Angeklagte M. habe sie dabei unterstützt und ebenfalls sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen. Während des gewaltsamen Missbrauchs durch den Angeklagten R. habe Pascal begonnen, noch lauter zu schreien. Die Angeklagte W. , die das Gesamtgeschehen foto- oder videografiert habe, und der Angeklagte R. hätten sodann die Angeklagte M. aufgefordert, das Kind ruhig zu stellen. M. habe daraufhin den Kopf von Pascal gewaltsam nach unten in ein Kissen gedrückt."

Mehr als 400 Zeugen sind zuvor befragt, 60.000 Seiten Gerichtsunterlagen zusammengetragen worden. Ursprünglich auf 29 Verhandlungstermine angesetzt, verläuft der Prozess von Beginn an sehr zäh und verschleppt sich immer mehr. Einer der Angeklagten versucht, sich in Haft umzubringen.

Der Fall Pacsal ist auch ein Polizeiskandal

Dann die Nebenschauplätze: Der "Spiegel" veröffentlicht Protokolle, wonach die Polizei schon vor dem Fall Pascal über einen Informanten von Kindesmissbrauch in der Tosa-Klause erfahren haben soll. Schnell ist von der "V-Mann-Affäre" die Rede. Ein leitender Kriminalbeamter tritt zurück; ein Kollege hatte ihn der Vertuschung bezichtigt und angezeigt. Auch die Leiterin des Saarbrücker Jugendamts verzichtet auf ihr Amt, nachdem bekannt wird, dass Polizei und Kindergärtnerinnen schon mehrfach auf Missstände in Kevins Pflegefamilie hingewiesen hatten – denen aber nie nachgegangen wurde.

Vor Gericht belasten sich die Angeklagten von Beginn an schwer; etliche wiederholen ihre Geständnisse. Die Biografien ähneln sich: Armut, Alkohol, Gewalt und Prostitution. Nach außen hin erfüllen die Tosa-Stammgäste das Bild der asozialen Kinderschänder, mit der intelligenten Christa W. als Strippenzieherin in ihrer Mitte, der "Spinne im Netz", wie es die Staatsanwaltschaft formuliert, die ihre Opfer erst finanziell und emotional von sich abhängig und dann zu Tätern macht.

Doch bei Nachfragen verstricken sich die Geständigen in Widersprüche. Auch werden wieder Vorwürfe laut, die Polizei habe bei den Verhören so viel Druck ausgeübt, bis die geistig minderbemittelten Verdächtigen schließlich alles zugaben – wie schon zuvor bei Pascals Stiefschwestern. Im Sommer 2005 sterben Pascals Eltern innerhalb von 17 Tagen. Die Mutter an einer Hirnblutung, der Vater an einem Herzinfarkt. Bis zum Frühsommer 2006 werden schließlich alle verbliebenen Angeklagten, mangels dringenden Tatverdachts und objektiver Beweise, aus der Untersuchungshaft entlassen.

Dann kommt der 28. August 2006. Christa W. ruft ihren Pflichtverteidiger Walter Teusch in seiner Kanzlei in Alt-Saarbrücken an. Sie sagt, dass Frau M. ihr Geständnis widerrufen wolle. Der Tathergang, die Details, überhaupt das ganze Verbrechen: All das ist laut Andrea M. nun plötzlich frei erfunden.

Unfassbare Abgründe der Angeklagten

Bis heute gibt es Ermittler und Prozessbeobachter, die sagen: Die menschliche Fantasie ist zu klein für solche Abgründe. Zudem waren die Verdächtigen in Gefängnissen verschiedener Bundesländer inhaftiert – wie hätten sie da ein solches Lügenkonstrukt untereinander absprechen sollen? Wieso verschwinden plötzlich, während des Prozesses, auf dem Weg vom Jugendamt zum Gericht Tonbänder – Gespräche zwischen Kevin und seiner Pflegemutter, bei denen sich der Junge offenbarte und über seine angeblichen Vergewaltigungen sprach?

Manche glauben, dass die Aufnahmen verschwinden mussten, weil Kevin darauf die Wahrheit sagte. Seine Pflegemutter hatte begonnen, ihre Unterhaltungen mit dem Kind aufzuzeichnen, nachdem sie ein atypisches Sexualverhalten bemerkt hatte und Kindesmissbrauch vermutete.

Die Tonbänder dokumentieren, wie der Junge über die Vergewaltigungen in der Tosa-Klause spricht, schreit, heult. Sie könnten vor Gericht belegen, dass Kevins Pflegemutter ihn nicht durch ihre Fragen manipulierte und dass seine Erinnerungen authentisch sind. Schließlich gibt es ja auch schon ein rechtskräftiges Urteil, das besagt, dass Kevin und Pascal von einem Tosa-Stammgast missbraucht worden sind. Die Bänder tauchen nie wieder auf.

Die Verteidiger weisen ihrerseits auf die Widersprüche des Falles hin. Warum etwa sollte Christa W., die laut Gutachten über einen IQ von 138 verfügt, ausgerechnet an jenem Sonntagnachmittag einen Kindesmissbrauch zulassen? An einer viel befahrenen Straße und in der Nähe des Kirmesplatzes, wo doch jeden Moment ungebetener Besuch in der Tür stehen oder Passanten die Schreie des Kindes hören könnten? Wo sind die Aufnahmen geblieben, die sie während der Tat gemacht haben soll?

Die akribische DNA-Spurensuche in der Tosa-Klause, bei der sogar die gesamte Holzverkleidung ausgebaut wurde, und die dennoch ergebnislos blieb – ist sie nicht der Beweis dafür, dass Pascal dort nie gewesen ist? Und wo ist das verschwundene Fahrrad? Kein Angeklagter konnte eine Aussage dazu machen, auch Andrea M. nicht. Welchen Grund sollte sie haben, über das Wegschaffen der Kinderleiche zu berichten und über den Verbleib des Rads zu schweigen?

"Krankhafter Zwang zur lügenhaften Übertreibung"

Schließlich wird die größte Schwäche der Angeklagten zu ihrem stärksten Trumpf: Ihre mangelnde Glaubwürdigkeit. Mit Ausnahme von Christa W., stellen psychiatrische Sachverständige fest, handele es sich bei der Tosa-Klientel um Menschen, die "empfänglich gegenüber situativen Einflüssen" sind oder zu einem "krankhaften Zwang zur lügenhaften Übertreibung" neigen. Andrea M. bescheinigen die Experten eine "erhöhte Suggestibilität". Mit anderen Worten: Ihre Aussage kann wahr sein – oder aber das Ergebnis stundenlanger Verhöre, bei denen lange und eindringlich genug in sie hineingefragt wurde. So lange, bis sie die gewünschten Antworten gab.

Mit Andrea M.s Widerruf vor Gericht am 31. August 2006 ist auch das letzte Geständnis hinfällig. Die Staatsanwaltschaft, die sich in diesem Indizienprozess an die Aussagen geklammert hatte, steht nun ohne Täter, ohne Beweise, ohne Leiche und ohne Verbrechen da. Auch an den Angaben des kleinen Kevin kommen immer mehr Zweifel auf; es ist nicht klar, ob er wirklich missbraucht oder von seiner Pflegemutter durch Suggestivfragen beeinflusst wurde – und ob er Pascal überhaupt kannte. Kurz vor Ende des Prozesses zieht die psychiatrische Gutachterin schließlich ihr Fazit: Sie halte es für möglich, dass Kevin missbraucht worden sei. Allerdings lasse sich das weder belegen, noch mit der Tosa-Klause oder einem der Angeklagten in Verbindung bringen.

Am 7. September 2007 verkündet das Schwurgericht das Urteil: Alle Angeklagten werden freigesprochen. Drei Stunden lang liest Richter Chudoba die Begründung vor. Chudoba weiß um die Probleme. Er sagt, es sei "höchstwahrscheinlich, dass die Angeklagten die Taten begangen haben." Vieles spreche dafür, dass im Umfeld der Angeklagten Kinder sexuell missbraucht worden seien – und dass die Tat in der Tosa-Klause genau so begangen wurde, wie von der Anklage behauptet. Allein: "Auf Verdacht darf niemand verurteilt werden."

Es bleibt nur die Ungewissheit

Sigrid Hübner sitzt an diesem Tag im Gerichtssaal, sie sieht zu, wie Christa W. lächelt. Der Freispruch überrascht Hübner nicht; gegen Ende, sagt sie heute, sei das absehbar gewesen. Was bleibt, ist die Ungewissheit.

Das Urteil mag rechtens sein, was fehlt, ist die Gerechtigkeit: So werten Medien und Öffentlichkeit das Urteil. Zustimmung und Empörung halten sich die Waage. Auch Verteidiger Walter Teusch ist unzufrieden, mehr noch: wütend – wegen des "Freispruchs dritter Klasse", wie er es nennt. "Wenn ich nach zweieinhalb Jahren als Richter merke: Wir haben nichts, überhaupt nichts mehr, um euch zu verurteilen – dann sage ich auch deutlich, dass ihr es nicht wart." Stattdessen habe der Richter erhebliche Zweifel an der Unschuld der Angeklagten durchblicken lassen – und sie damit "raus auf die Schlachtbank geschickt. Dass die Selbstjustiz der Bevölkerung die noch nicht umgebracht hat, ist reines Glück", sagt Teusch.

Auch der Bundesgerichtshof erklärt die Freisprüche für rechtskräftig. Der Antrag auf Revision wird deshalb am 13. Januar 2009 abgelehnt; der Pascal-Prozess ist damit endgültig beendet.

Ruhe herrscht nicht. Erst im Mai dieses Jahres wird bekannt, dass es einen weiteren Hinweis darauf gab, wo der Leichnam sein könnte. Spur 677 führt nach Luxemburg, wo der tote Junge nach Aussage einer Zeugin vergraben worden sein soll – und zwar auf dem Grundstück eines Freundes von Tosa-Wirtin Christa W. Zu Ende verfolgt worden ist diese Spur aber nie.

Die Tosa-Klause in Burbach gibt es noch. Der jetzige Pächter hat einen Pizza-Service darin untergebracht. Viel hat sich seit 2001 hier nicht geändert, nur der Schriftzug "Tosa-Klause" wurde entfernt und ein Zaun aufgestellt. Das Hinterzimmer, in dem alles oder nichts geschah, ist fensterlos.

"Du Kinderfickerin kommst hier nicht rein"

Christa W. ist seit dem Freispruch arbeitslos. Ihr Anwalt erzählt, dass sie nach dem Urteil bedroht und verprügelt wurde; wegziehen wolle sie aber trotz der Anfeindungen nicht, sie sei zu heimatverbunden. Christa W. nehme stattdessen bis heute in Kauf, dass sie manchmal nicht mit der Saarbahn fahren oder in einem Geschäft einkaufen könne, weil es dann hieße: "Du Kinderfickerin kommst hier nicht rein". Den anderen Angeklagten, sagt Teusch, gehe es genauso. Ein normales Leben könne niemand mehr führen.

Der Anwalt berichtet auch von den Demütigungen und Bedrohungen bei den Verhören, dem Spießrutenlauf in der Justizvollzuganstalt; psychischer Folter, die die Betroffenen bis heute nicht loslasse. Und er erzählt, dass Christa W. nach dem Urteil eine neue Gaststätte in Riegelsberg führen wollte, als wenige Tage vor der Eröffnung drei Männer mit Baseballschlägern im Schankraum standen und die Wirtin fragten, ob sie sich das auch gut überlegt habe. Sie hätten nichts zertrümmert und auch nicht zugeschlagen, sagt Walter Teusch. Aber das Lokal hätte seine Mandantin nicht eröffnen können.

Für die Öffentlichkeit oder die Medien ist Christa W. nicht mehr zu sprechen. Sie wolle mit der Sache endlich abschließen, heißt es.

Schweigemarsch für Pascal

Kevin ist inzwischen 16 Jahre alt; der Schüler lebt immer noch bei seiner Pflegefamilie. Das Zusammenleben liefe sehr gut, sagt seine Pflegemutter, aber er leide an den Folgeschäden, sei unruhig, unkonzentriert, unselbstständig. Trotz intensiver Trauma-Therapie werde er lebenslange Betreuung benötigen.

Sigrid Hübner wird am 30. September bei einem Schweigemarsch durch Burbach mitlaufen, den sie zusammen mit Kevins Pflegemutter organisiert hat, in Erinnerung an ihren Neffen. Sie kann auf keine Kirmes mehr gehen – es werfe sie direkt wieder in das Geschehen von damals, sagt sie. Sie trage auch immer noch dieses Gefühl mit sich, diese Idee, die sie nicht loslässt. Dass die Polizei jeden Moment anrufen und sagen könnte: "Wir haben ihn gefunden." Oder dass Pascal plötzlich vor der Tür steht. Einfach so.

In Sigrid Hübners Keller steht eine Kiste mit Habseligkeiten ihrer Schwester: Ein Umschlag mit Bildern, die Pascal gemalt hat. Das Armbändchen, das er nach seiner Geburt trug. Und Fotos, die wenigen, die es von Pascal noch gibt. Sie zeigen einen fünfjährigen Jungen im Jogginganzug, der Fußball, Eier mit weißer Soße und seinen grünen Stoffbären mochte, und der an einem Sonntagnachmittag vor zehn Jahren verschwand.

Einfach so.

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Endlich! Vermisster Pascal bekommt Gedenkstätte im Saarland

27/05/2017 15:30

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands: Am 30. September 2001 verschwindet im Saarbrücker Stadtteil Burbach der damals fünf Jahre alte Pascal Zimmer - in der Saarbrücker Kaschemme "Tosa-Klause" missbraucht, alle wegen Mordes Angeklagten 2007 freigesprochen. Keine Leiche, bis heute keine Spur von dem Jungen. Obwohl die Polizei nach wie vor von einem Gewaltverbrechen ausgeht, hat der Bundesgerichtshof 2009 die Akten endgültig geschlossen.

2011 schuf der Bildhauer Bruno Harich aus Siegburg (NRW) für die "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" den "Gedenkstein gegen das Vergessen". Der Stein soll nicht nur an Pascal erinnern, sondern an die Schicksale aller missbrauchten Kinder. "Mir ist es wichtig, dass der Gedenkstein im Saarland, der Heimat Pascals, steht", sagt Johannes Heibel, der Vorsitzende der Initiative (2. von links). Doch die Stadt Saarbrücken und andere saarländische Gemeinden lehnten den Gedenkstein bislang ab, wollten keinen Platz dafür zur Verfügung stellen.

"Lieber Pascal, wir beide waren noch so klein, als wir das Allerschlimmste, den Missbrauch an uns Kindern, erleben mussten. Jetzt lebe ich mit diesen schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen - und du bist nicht mehr da. Ich bewahre dich in meinem Herzen, Dein Freund B. M.", steht auf der schlichten Stele aus afrikanischem Quarzit. Unter fachkundiger Anleitung durch den Bildhauer meisselte B. den berührenden Satz in den Stein. Er war damals Pascals Freund und wurde ebenfalls in der Saarbrücker Kneipe missbraucht. Bis heute hat er mit den Folgen des unglaublichen Martyriums zu kämpfen.

Nachdem der Gedenkstein ein paar Jahre lang in einigen Städten außerhalb des Saarlandes - jeweils auf Zeit - gestanden war, erklärte sich nun der katholische Pfarrer der saarländischen Gemeinde Schwalbach bereit, einen Platz zur Verfügung zu stellen - für immer. Und der Geistliche macht es offenbar gerne. Pfarrer Hans-Georg Müller (auf dem Foto in der Mitte): "Es ist traurig, dass die Errichtung des Steines in Saarbrücken und an anderen Orten stets abgelehnt wurde", sagt er. Dieser Gedenkstein sei ein Mahnmal für alle missbrauchten Kinder und lade zukünftig neben dem Gedenken auch zum Gebet ein, so der Pfarrer. Er verstehe nicht, wie man gegen so etwas sein kann, sagt der Geistliche. Er wolle damit auch ein Zeichen gegen das Image der Kirche und gegen die Vorkommnisse setzen. Am Rand des Friedhofs wird für den Stein extra eine kleine Wiese adaptiert. Pascals Tante, Sigrid Hübner (auf dem Foto ganz rechts): "Endich ein Ort, an dem man dauerhaft Pascal gedenken kann." Pascals Eltern sind noch während der Zeit des langen Prozesses kurz hintereinander gestorben.

Die Einweihung der Gedenkstätte findet am 24. Juni 2017 um 14.30 Uhr auf dem Friedhof in Schwalbach statt. Unter anderem wird die Sopranistin Martina Veit ihren Song zum Thema, "Sei stärker als die Angst", singen.

Hintergrund:
Seit 30. September 2001 wird der aus Saarbrücken stammende Pascal Zimmer, damals 5 Jahre alt, vermisst. Missbraucht im Hinterzimmer der schäbigen Kneipe „Tosa-Klause" in dem sozial schwachen Stadtteil Burbach - inzwischen abgerissen. Die Leiche wurde bis heute nicht gefunden, alle zwölf Angeklagten, Stammgäste und die Wirtin der Kaschemme, wurden 2007 nach einem bundesweit aufsehenerregenden Prozess freigesprochen. Nur der als geistig zurückgeblieben geltende Peter S. wurde in einem abgetrennten Prozess wegen Missbrauchs verurteilt, sitzt bis heute in der Klinik für Forensische Psychiatrie im saarländischen Merzig.

Zum Autor:
www.standl.eu oder Michi Jo Standl auf Facebook.

Fotos: Initiative, Michi Jo Standl (©); Composing

http://www.huffingtonpost.de/michi-jo-s ... 34958.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 24. Juni 2017, 19:41:55 
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Gedenkstein für Pascal eingeweiht

24.06.2017 - 16:56 Uhr

Schwalbach – Der seit fast 16 Jahren vermisste kleine Pascal hat endlich einen Gedenkstein.

http://www.bild.de/regional/saarland/ve ... .bild.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 24. Juni 2017, 19:42:25 
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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 24. Juni 2017, 23:59:00 
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Enthüllung des "Pascal-Gedenksteins"

24.06.2017 | 10:31 Uhr

Auf dem Friedhof in Schwalbach ist am Samstag ein Gedenkstein für den vor fast 16 Jahren verschwundenen Pascal enthüllt worden. Organisiert hat das eine bundesweite Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Der Gedenkstein steht demnach für alle Opfer.

Die säulenförmige Stele prägt eine eingemeißelte Botschaft eines damaligen Freundes von Pascal. Der heute 22-Jährige war nach eigenen Angaben als Kind zusammen mit Pascal sexuell missbraucht worden. Der junge Mann hatte sein Schicksal erst jetzt öffentlich gemacht.

Saarbrücken wollte Gedenkstein nicht

Pascal war im September 2001 im Alter von fünf Jahren spurlos verschwunden. Zwölf Männer und Frauen mussten sich in einem langen Prozess verantworten. Sie sollen den Jungen in einem Nebenzimmer der Burbacher Tosa-Klause sexuell missbraucht haben. Die Angeklagten wurden nach vier Jahren aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Aufstellung des Gedenksteins war lange umstritten. Die Stadt Saarbrücken hatte ihn abgelehnt - Zitat "aus rechtlichen und inhaltlichen Gründen". Denn: das Schicksal von Pascal sei nie aufgeklärt worden.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 24.06.2017 berichtet.

http://www.sr.de/sr/home/nachrichten/pa ... ng100.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 25. Juni 2017, 00:00:05 
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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Montag, 24. Juli 2017, 19:16:03 
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Gequält, misshandelt, missbraucht So geht es dem Jungen aus dem Sex-Verlies heute
Von
Joachim Ortmann
24.07.17, 11:03 Uhr

Saarbrücken -
Er wurde gequält, misshandelt, immer wieder missbraucht. Was Bernhard Müller vor 16 Jahren als kleiner Junge im Hinterzimmer der „Tosa-Klause“ in Saarbrücken erlitt, ist unvorstellbar.

Und dass er das Grauen überlebte, grenzt an ein Wunder. Sein Freund Pascal, mit dem Bernhard durch diese Hölle ging, ist ermordet worden.

Pascal wurde nie gefunden

Die Leiche des damals fünf Jahre alten Jungen wurde nie gefunden. Bernhard Müller aber hat überlebt. Nur: Wie lebt ein Mann, dem als kleines Kind Derartiges angetan wurde?

Wir möchten mit ihm reden. Nach einigem Zögern ist Bernhard Müller, inzwischen 22 Jahre alt, dazu bereit. Wir begegnen einem jungen, freundlichen Mann.


Kleiner Kinnbart, leicht gegelte Haare, ein offener Blick hinter einer modischen Brille. Eine Sprachbehinderung macht ihm zu schaffen. Er sagt: „Einschränkungen, die mit dem zu tun haben, was ich erlebt habe.“

Er und Pascal haben Entsetzliches erlebt. Und Bernhard Müller leidet bis heute unter den Folgen des Martyriums. Eine Trauma-Therapie habe ihm sehr geholfen. „Das war sehr intensiv, das war nicht leicht. Und es hat lange gedauert, sehr lange – von 2004 bis 2012.“

Noch immer kann er nicht über alle Taten sprechen

Heute lebt er allein in einer kleinen Wohnung. „Mit Unterstützung, damit ich nicht wieder ins Bodenlose falle“. Die Gefahr bestehe weiterhin. Es gebe da immer noch Dinge, über die er nicht sprechen könne.

Inzwischen tritt der 22-Jährige auch in der Öffentlichkeit auf. Zuletzt in Schwalbach, wo am Rande des Friedhofs ein Gedenkstein an das Leiden Pascals, die anderen Opfer sexueller Gewalt und die vermissten Kinder erinnert. Die Idee dazu kam von der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“.

Bernhard war gerade 15 Jahre alt, als er gefragt wurde, ob er nicht etwas zum Gedenken an Pascal schreiben wolle. Er wollte. Aber er ahnte da wohl nicht, wie schwer ihm das fallen würde. „Das hat unglaublich lange gedauert, bis ich das auf Papier gebracht hatte. Ich musste immer wieder heulen.“

Schmerzhafte Erinnerungen

Mit der Hilfe des Steinbildhauers Bruno Johannes Harich meißelte er dann eigenhändig mehrere Buchstaben in folgende Sätze:

„Lieber Pascal, wir beide waren noch so klein, als wir das Allerschlimmste, den Missbrauch an uns Kindern, erleben mussten. Jetzt lebe ich mit diesen schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen – und du bist nicht mehr da. Ich bewahre dich in meinem Herzen, Dein Freund B.M.“

Während der Enthüllungsfeier in Schwalbach sprach eine Tante Pascals von der „Ohnmacht über einen Freispruch aus Mangel an Beweisen“ für die zwölf Angeklagten, die wegen Missbrauchs und mutmaßlicher Tötung vor Gericht standen. Auch an Bernhard ging das nicht spurlos vorüber. „Für mich brach damals eine Welt zusammen“.

Auftritte machen Mut

Und heute? „Ich frage mich immer noch, wie es sein kann, dass da ein Kind verschwindet und nicht gefunden wird“. Das sei ja kein Einzelfall: Mit dem Gedenkstein und seinem öffentlichen Auftritt will er Opfern ähnlicher Taten „Mut machen, die Täter anzuzeigen“.

Aber auf dem Gedenkstein ist auch von „schmerzhaften Erinnerungen, die mich nicht loslassen wollen“ die Rede. Wie geht er heute mit dem Erlittenen um?

„Ich habe mühsam gelernt, vieles zu vergessen. Ein Therapeut hat mir dabei sehr geholfen.“ Dass er sich tatsächlich kaum noch erinnere, wollen viele nicht glauben. „Es ist aber so!“


Er sei ein Mensch, dem etwas Schreckliches passiert sei. „Dass ich beeinträchtigt bin, das ist nicht zu ändern. Ich bin wie ich bin mit meinem Päckchen – das ist einfach so.“ Aber er will sich nicht länger „in diese Opferrolle pressen lassen“.

Und fügt fast flehend hinzu: „Ja, ich bin Opfer. Aber es muss doch auch für mich möglich sein, ein geregeltes Leben zu führen!“ Und er will nicht dauernd beschützt werden.

Das sind seine Zukunftspläne

Und seine beruflichen Pläne? Er will Helfer im Gartenbau werden, Spezialgebiet Blumen und Zierpflanzen. Eine Imker-Ausbildung hat er schon. „Mit Zertifikat“, wie er stolz hinzufügt.

Schritt für Schritt zurück in eine normale Zukunft. Das wird mit der düsteren Vergangenheit nicht einfach. Er weiß das. Und lächelt doch.

– Quelle: http://www.express.de/28017882 ©2017


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