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Foren-Übersicht » V ...................................... Ungelöste Mord- und Kriminalfälle » Volke Jürgen † - Hanau




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 Betreff des Beitrags: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 08. August 2014, 14:07:48 
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Registriert: Dienstag, 13. November 2012, 14:49:09
Beiträge: 13306
Schüsse an der Haustür - Familienvater eiskalt ermordet

(XY-Sendung vom 6. August 2014)
Jürgen Volke lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern in einem Reihenhaus in Hanau. Er betreibt eine kleine Spedition. Am 7. September 2013 besucht er mit seiner jüngsten Tochter ein Schlauchbootrennen in Kassel.

Den Abend verbringt er zu Hause. Gegen 23.30 Uhr klingelt es an der Haustür. Jürgen Volke, der vor dem Fernseher eingeschlafen war, geht in den Flur. Noch bevor er die Haustür öffnen kann, eröffnet ein Unbekannter von draußen das Feuer. Vier Kugeln durchdringen das Gitterglas der Tür. Jürgen Volke wird schwer verletzt.

Wurde der Täter beobachtet?
Die Familie versorgt das Opfer bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. Doch Jürgen Volke stirbt kurz nach der Tat, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Unmittelbar nach den Schüssen will ein Zeuge gesehen haben, dass ein junger Mann aus Richtung Tatort weggelaufen ist. Ob er etwas mit dem Verbrechen zu tun hat, ist unklar.

Frage nach Zeugen:
- Wer hat am Abend des 7. September 2013 im Bereich des Tatorts - Gallienstraße in der Hanauer Innenstadt - verdächtige Beobachtungen gemacht, Personen oder fremde Autos gesehen? An diesem Wochenende fand in Hanau das Bürgerfest statt.
- Wer kannte Jürgen Volke und hat eine Idee, was hinter den Verbrechen stecken könnte?

Zuständig: Kripo Hanau, Telefon 06181 / 100 123



http://e110.de/index.cfm?event=page.det ... 8&id=75681

_________________
Admin und Foren Moderatorin
Hinweise zu den eingestellten Fällen bitte an die zuständige Polizeidienststelle


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 05. Dezember 2014, 09:31:55 
 
Sendung „Kriminalreport“
Rätselhafter Mordfall aus Hanau im TV

Hanau - Noch immer beschäftigt der Mordfall Jürgen V. aus Hanau die Ermittler des Polizeipräsidiums Südosthessen. Deswegen bittet die Polizei nochmal via TV um Hinweise.

Am 7. September 2013 wird der 53-Jährige abends an seiner Haustür in der Gallienstraße erschossen, der oder die Täter flüchten unerkannt. Die Sendung „Kriminalreport“ des hessischen Rundfunks greift den Fall in ihrem Jahresrückblick am Sonntag, 4. Januar, um 19 Uhr erneut auf.

Dort wendet sich die Ehefrau des Opfers noch einmal an die Öffentlichkeit. Sowohl die Witwe als auch die Polizei hoffen weiterhin auf Zeugenhinweise. Der Fall war auch schon in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“.

http://www.op-online.de/lokales/nachric ... cmp=defrss


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 10. Mai 2016, 20:41:17 
 
Endlich verhaftet
Mord-Verdächtiger lebte 2,5 Jahre unerkannt in Kärnten


Die Kärntner Polizei verhaftete am Dienstag einen Mann, der in Deutschland wegen Mordes gesucht wird. Der 52-Jährige hat im September 2013 einen vierfachen Familienvater durch die geschlossene Wohnungstür vor den Augen seiner Familie erschossen. Er wurde sogar im TV gesucht.

"Aktenzeichen XY ungelöst": Auch die berühmte TV-Sendung suchte im August 2014 nach jenem Mann, der ein Jahr zuvor einen brutalen Mord verübt haben soll. Der Verdächtige blieb verschwunden, am Dienstag - zweieinhalb Jahren nach der Tat - wurde er nun in Spittal an der Drau festgenommen.

Der 52-jährige Deutsche soll im September 2013 einen 53-jährigen Spediteur ermordet haben. Der vierfache Familienvater hatte keine Chance, der Täter schoss viermal durch die geschlossene Wohnungstüre aus Glas. Die Familie des Opfers befand sich zu diesem Zeitpunk ebenfalls im Haus, der Mann starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Zweitwohnsitz in Kärnten
Nachdem die deutsche Polizei den mutmaßlichen Mörder mangels Beweise laufen lassen musste, setzte er sich nach Österreich ab. Er hat einen Zweitwohnsitz in Kärnten und lebte zum Zeitpunkt seiner Verhaftung bereits zweieinhalb Jahre unerkannt in Spittal an der Drau.

Am Dienstag kam es zur groß angelegten Verhaftung. Seit längerem geplant, war auch ein massives Polizeiaufgebot aus Deutschland mit Zivilbeamten, vor Ort. Der Verdächtige wurde am Nachmittag in einem Lokal verhaftet, als er gerade auf sein Mittagessen wartete. Auch die mutmaßliche Tatwaffe, eine Pistole, konnte sichergestellt werden.

http://www.heute.at/news/oesterreich/Mo ... 55,1286918


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 03. Juni 2016, 10:33:33 
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http://m.kleinezeitung.at/k/kaernten/ob ... 0/index.do




Erbe als Motiv für brutalen Mord?

Ein ungeklärter Mord in Hessen. Ein Verdächtiger in Kärnten. Steirische Spezialeinheiten, die sich zwei Jahre lang an seine Fersen heften: Eine unfassbare Tat steht vor der Aufklärung. Von Hans Breitegger

Kleine Zeitung | 03. Juni 2016, 10:33 Uhr


Ein ungeklärter Mord in Hessen. Ein Verdächtiger in Kärnten. Steirische Spezialeinheiten, die sich zwei Jahre lang an seine Fersen heften: Eine unfassbare Tat steht vor der Aufklärung. Von Hans Breitegger

Die verdeckten Ermittler des Bundeskriminalamtes werden üblicherweise gegen die organisierte Kriminalität eingesetzt, als Unterstützung für die zuständigen Polizei-Kräfte. Dass die Grazer BK-Außenstelle Süd für verdeckte Ermittlungen zwei Jahre lang in einem Mordfall mit familiärem Motiv ermittelt hat, ist einzigartig. Die Staatsanwaltschaft in Hanau, im deutschen Hessen, sah keine andere Möglichkeit mehr, als die österreichischen Behörden über den Rechtshilfeweg um verdeckte Ermittlungen zu ersuchen.

Der Einsatz führte zum Erfolg. Denn der Tatverdächtige Lutz H. (52) wurde Anfang Mai in Oberkärnten festgenommen – nachdem er die beim Mord in Hanau verwendete Tatwaffe an einen verdeckten Ermittler aus Graz verkauft hatte. Zuvor hatten sich die „Verdeckten“ gemeinsam mit einer Oberservationstruppe aus Graz und Experten des Landeskriminalamtes Kärnten zwei Jahre lang an die Fersen des Verdächtigen geheftet.

Schüsse durch die Tür

Luz H. soll am 7. September 2013, um 23.40 Uhr in Hanau, seinen Schwager Jürgen Volke (53) mit einer Faustfeuerwaffe durch die Haustür niedergeschossen haben. Der vierfache Familienvater starb. Polizei und Staatsanwaltschaft vermuteten zunächst einen „eiskalt und professionell durchgezogen“ Auftragsmord. Doch dafür fand sich kein Motiv. Schließlich führte die Spur in das familiäre Umfeld, zum Schwager des Opfers. Er wurde kurzfristig sogar in Haft genommen, aber die Beweise reichten für ein Gerichtsverfahren nicht aus.

Mittlerweile glaubt man das Mordmotiv zu kennen: Auslöser dürfte ein Erbschaftsstreit gewesen sein. Lutz H. wurde von seiner Schwester verklagt, weil er ihr 40.000 Euro aus der Erbschaft der Mutter schuldig geblieben war. Für diese Klage machte er seinen Schwager Jürgen Volke verantwortlich. Die Verhandlung war für 12. September 2013 anberaumt. Fünf Tage vorher wurde Volke erschossen. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich der Verdächtige im Raum Hanau aus.

Großwildjäger

Lutz H. stammt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Er kam schon vor Jahren nach Österreich, studierte in Innsbruck. Als sich herausstellte, dass er bei der Inskription das Zeugnis des Bruders vorgelegt hatte, wurde ihm der Doktor-Titel aberkannt. Seit Herbst 2013 lebte H., der nach wie vor einer schlagenden Burschenschaft in Innsbruck angehört, mit seiner 30-jährigen Lebensgefährtin und deren Söhnen (neun und vier Jahre) in einem geerbten Haus in Gmünd.

Dort wurden nach seiner Verhaftung auch zahlreiche Waffen sichergestellt. Eine nicht genehmigte Jagd- und Faustfeuerwaffe versteckte er bei seinem aus der Steiermark stammenden Nachbarn. Jetzt sitzt H., der bei Hanau eine Eigenjagd gepachtet hat und der leidenschaftlicher Großwildjäger war, in Auslieferungshaft.


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 07. Februar 2017, 08:38:39 
 
Startseite » Mordprozess Volke: Lügen, Geld und Waffenliebe
Mordprozess Volke: Lügen, Geld und Waffenliebe

Gespeichert von GRABER am 8. November 2016 - 17:14


Von Dieter A. Graber

Die Anklage (wird von Staatsanwalt Mathias Pleuser vertreten): Danach begab sich Lutz H. am 7. September 2013 zur Wohnung der Volkes in der Hanauer Gallienstraße 18. Er wollte seinen Schwager „aus Rache“ töten. Hintergrund war eine erbrechtliche Zivilklage. Er klingelte. Als er die Gestalt seines Schwagers schemenhaft hinter der Glastür sah, schoss er vier Mal. Die Waffe: Eine Pistole Browning Kal. 7.65. Volke wurde im Arm und zweimal im Bauch getroffen. Er verstarb um 0.31 Uhr. Am Nachmittag hatte Volke mit seiner jüngsten Tochter noch ein Schlauchbootrennen besucht.

Im August 2014 wurde in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst über den Fall berichtet. Zu der Zeit aber hatten Polizei und Staatsanwaltschaft längst einen Mann im Visier: Lutz A. (heute 52), der Schwager Volkes. Sein mögliches Motiv: Rache. Zu einem Haftbefehl reichte es jedoch nicht. Aber es wurde weiter ermittelt.

Nach der Tat war Lutz A. mit seiner Lebensgefährtin (30) nach Gmünd in Kärnten verzogen. Im April dieses Jahres konnte er in Österreich verhaftet werden, nachdem die in Hanau verwendete Tatwaffe bei ihm aufgetaucht war. Er hatte sie einem verdeckten Ermittler zum Kauf angeboten. „Wir gingen davon aus, dass er sich inzwischen relativ sicher vor den Ermittlungsbehörden glaubte“, so Oberstaatsanwalt Heinze.

Hintergrund sollen langjährige familiäre Zerwürfnisse gewesen sein, in deren Verlauf das Opfer seine Ehefrau – die Schwester von Lutz A. – zu einer erbrechtlichen Zivilklage gegen ihn veranlasste, wodurch seine wirtschaftliche Existenz gefährdet worden wäre.

Der Ohrenzeuge: In der Tatnacht hörte Manuel N. (21), der bei seinen Eltern in der Gallienstraße neben den Volkes wohnt, „mehrere Schüsse. Vier bis fünf, direkt hintereinander. Ich öffnete das Badezimmerfenster. Auf der Straße sah ich jemanden weglaufen. Ein blonder junger Mann. Er trug eine helle Kapuzenjacke.“ Das Gesicht habe er jedoch nicht zu erkennen vermocht. Richter Peter Graßmück: „Woran machen Sie fest, dass er jung war?“ – „Weil er so flott unterwegs war.“ In seiner Tasche habe er „irgendetwas Schwarzes“ gehabt. Näheres vermag der Zeuge heute nicht mehr zu sagen.

Verteidiger Andreas von Dahlen: „Sind Sie sicher, dass es eine männliche Person war?“ – „Ja, das habe ich erkannt.“ – „Woran?“ – An den Haaren, dem Körperbau.“ Verteidiger von Dahlen regt an, mit Manuel N. einen Ortstermin – „bei gleichen Lichtverhältnissen“ – anzuberaumen.

Der Angeklagte: Lutz H. (52) trägt einen hellgrünen Trachtenjanker. Er ist groß und schlank, hat blaue Augen, ein ernstes, kantiges Gesicht und lockiges, kurzes, graues Haar. Gelegentlich schiebt er eine Lesebrille auf die Nasenspitze. Aufmerksam verfolgt er das Prozessgeschehen. Zur Sache will er keine Angaben machen. Zuletzt lebte er, getrennt von seiner Ehefrau, in Österreich (wo er auch festgenommen wurde). Sie verfolgt den Prozess im Zuschauerraum.

Lutz H. kam als jüngstes von vier Kindern zur Welt. Schon als kleiner Junge nahm ihn der Großvater mit auf die Pirsch in die Wälder um Klein-Auheim und Hainstadt. Eine jagdbegeisterte Familie, in der Waffen allgegenwärtig waren. „Als er in die Schule kam, hatte er schon seinen ersten Fasan geschossen“, erinnert sich die Schwester. Die Jagd wurde sein großes Hobby. Vor allem das Schießen … Ein Waffennarr. In Österreich, wohin er mit seinen Eltern in den frühen 80er Jahren gezogen war, habe er sich einen Spaß daraus gemacht, auf Straßenschilder zu ballern, berichtet die Schwester.

Er jobbte später als Pharmavertreter (Blutdrucksenker, Anti-Baby-Pillen, sein ganzer Keller sei voll Medikamente gewesen, erinnert sich die Schwester), verdiente zunächst gut, lebte aber stets auf großem Fuß: Da war schon mal ein Trip mit der Gattin nach Rio drin. Er unternahm Jagdausflüge nach Ungarn, Schweden. Und es gab Alkoholexzesse – und zumindest einen Verkehrsunfall im Rausch. Er pachtete eine Luxusjagd im Westerwald, fuhr gern große Autos. Später war er arbeitslos. 2012 brannte sein Anwesen in Österreich ab.

Das Opfer: Jürgen Volke hatte seine spätere Frau Ulrike 1981 kennengelernt; aus Freundschaft war damals Liebe geworden. Zunächst hatte Volke als Fahrer bei einer Spedition gearbeitet, sich dann in der Firma hochgearbeitet bis zum Prokuristen und das kleine Unternehmen im Jahr 2010 sogar übernommen. Finanziell ging es der Familie gut. Das Ehepaar engagierte sich im Elternbeirat. Volke gehörte, ebenso wie sein Schwiegervater, einer schlagenden Verbindung (Frankonia) an.

Die Ehefrau: Ulrike Volke (57) entstammt einer wohlhabenden Familie. „Es war immer Geld da“, erinnert sie sich. Der Vater besaß dereinst eine Maschinenfabrik, die er 1980 verkaufte, um fortan als Privatier ein sorgenfreies Leben zu führen. Den Erlös legte er in Österreich an, wo er auch eine Immobilie erwarb. Im Zeugenstand belastet sie ihren Bruder schwer. Die gelernte Arzthelferin ist Nebenklägerin, ebenso wie ihre vier Kinder Björn (24), Lars (22), Nils (20) und Kim (16). Zunächst habe sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Bruder Lutz gehabt, berichtet sie im Zeugenstand, das sich jedoch nach dem Tod des Vaters rapide verschlechterte.

Frau Volke nennt ihren Bruder „einen aggressiven Choleriker“. Sie berichtet von seinem Hang zum Alkohol. Sein Leben sei auf Lügen aufgebaut. So habe er sich zum Beispiel als Arzt ausgegeben und auch sein Abiturzeugnis gefälscht, angeblich erworben auf der Otto-Hahn-Schule in Hanau.

– Dieses Zeugnis könnte in dem Fall noch eine Rolle spielen. Ist es der „Beweis“, den Jürgen Volke im Erbstreitprozess gegen seinen Schwager verwenden wollte? –

Auch sein Studium in Insbruck – angeblich frei erfunden, so die Schwester. Obwohl er lange Zeit arbeitslos gewesen sei, habe er sich jedes Jahr in Afrika auf Großwildjagd begeben. Von Schreiereien berichtet sie, von „Gemeinheiten“: Einmal habe er aus Spaß seine Hunde auf die Hasen ihrer Kinder gehetzt, wegen Kleinigkeiten sei er ausgerastet. Damals wohnten die Familien noch in Hanau unter einem Dach. Am Schluss, berichtet sie, habe sie Angst vor ihm gehabt, vor seiner Gewalt.

Der Erbstreit: Unklar ist, wieviel aus dem Vermögen der Eltern am Ende noch übrig war. Von mindestens 240.000 Euro ist die Rede: Schmuck, Immobilien, Antiquitäten, Jagdwaffen, ein Nummernkonto, Goldbarren. In Österreich besaß die Familie ein Haus. Es dürfte, wenn das so zutrifft, um weitaus mehr gehen. Nach dem Tod der Mutter soll Lutz H., der Kontovollmacht besaß, das Vermögen beiseite geschafft haben. Es gab mehrere einander widersprechende Testamente. Die Zwistigkeiten zwischen ihm und seiner Schwester spitzten sich zu und mündeten in einen langjährigen Zivilstreit. „Ich machte meinen Pflichtteil geltend“, erzählt sie. Das Oberlandesgericht Frankfurt schlug einen Vergleich vor – 40.000 Euro –, den Lutz H. aber ablehnte. Kurz vor seinem Tod habe Jürgen Volke angekündigt, die „Lügen und Machenschaften“ seines Schwagers in dem Verfahren aufzudecken. Seine Frau berichtet nun, sie habe Angst gehabt, ihr Bruder könne etwas gegen sie unternehmen. Einbrechen etwa (um das verräterische Zeugnis zu stehlen?).

Am 12. September 2013 fand die Verhandlung, in der es womöglich von Bedeutung hätte sein können, vor dem OLG statt. Da war Jürgen Volke bereits tot.

Der Prozess wird fortgesetzt.

http://graber-justice.de/content/mordprozess-volke-lügen-geld-und-waffenliebe


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 07. Februar 2017, 08:39:25 
 
Neuansetzung von Hanauer Mordprozess: Frau auf Anklagebank
07.02.2017

Hanau.
Ein Mordprozess wird heute am Landgericht Hanau neu aufgerollt. Angeklagt war zunächst nur ein 52-jähriger Mann unter dem Vorwurf, seinen Schwager im September 2013 in Hanau durch eine geschlossene Wohnungstür wegen Erb- und Familienstreitigkeiten erschossen zu haben.

Doch im Verlauf des im November 2016 gestarteten Prozesses rückte zunehmend auch die Lebensgefährtin des Angeklagten in den Fokus der Staatsanwaltschaft. Sie wurde während des Prozesses als Zeugin im Gerichtssaal festgenommen.

Nun muss sie sich wegen gemeinschaftlichen Mordes an der Seite des 52-Jährigen verantworten.

Der 52-Jährige Mann wird in der Prozess-Vorschau des Gerichts als „planender und tatprofitierender Hintermann” beschrieben. Er soll die Waffe besorgt und verwahrt haben.

Die 30-jährige Frau soll zum Wohnhaus des Opfers gefahren sein und den Mann am späten Abend des 7. Septembers 2013 erschossen haben.

Vier Schüsse wurden durch die verglaste Eingangstür abgefeuert, zwei davon trafen das Opfer im Bauch. Der Mann verblutete.

Die Auswertung von Handydaten führte die Ermittler auf die Spur der Frau. Der 52-Jährige bestreitet, die Schüsse abgefeuert zu haben.

http://www.fnp.de/rhein-main/Neuansetzu ... 91,2463612


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 08. Februar 2017, 09:05:55 
 
Tödliche Schüsse in der Gallienstraße:
Mord auf über 10.000 Seiten
08.02.17 03:01
Hanau - Neu aufgenommen und gleich wieder um drei Wochen verschoben wurde gestern der Prozess um die tödlichen Schüsse, die am 7. September 2013 in der Hanauer Gallienstraße gefallen sind. Von Laura Hombach

Unter Mordanklage stehen der 52-jährige Schwager des Opfers und nun auch seine Lebensgefährtin (30). Voll war es gestern Morgen im Saal A 215 des Hanauer Landgerichts, nicht nur auf den Zuschauer- und Presseplätzen, sondern auch auf der Anklagebank. Neben dem 52-jährigen Angeklagten, gegen den bereits seit dem 8. November 2016 verhandelt wird, und seinen beiden Verteidigern musste seine Lebensgefährtin mit einem weiteren Anwaltsduo Platz nehmen.

Aus der Sicht des Schützen
Die Staatsanwaltschaft hatte am 13. Dezember des vergangenen Jahres Anklage gegen die junge Frau erhoben, nachdem sich aufgrund neuer Ermittlungsergebnisse und im Laufe des Gerichtsverfahrens gewonnener Erkenntnisse ein dringender Tatverdacht gegen die junge Frau ergeben hatte. War die Anklage zunächst davon ausgegangen, dass der 52-Jährige die tödlichen Schüsse selbst abgefeuert hat, spricht nach Ansicht der Staatsanwaltschaft inzwischen vieles dafür, dass die Lebensgefährtin die Schützin war.

Laut der Anklageschrift gegen die 30-Jährige, die Staatsanwalt Mathias Pleuser gestern verlas, soll das Paar gemeinsam beschlossen haben, den Schwager aus Rache zu töten. Hintergrund dafür soll gewesen sein, dass das Opfer seine Frau - die Schwester des Angeklagten - dazu veranlasst hatte, eine erbrechtliche Klage gegen ihren Bruder zu führen, welche die Existenzgrundlage des 52-jährigen und damit auch die seiner 30-jährigen Lebensgefährtin gefährdet hätte. Der Angeklagte soll dabei als planender Hintermann agiert haben. Am Tatabend in die Gallienstraße gefahren und den Plan umgesetzt haben soll indes die 30-Jährige. Gegen 23.30 Uhr soll sie an der Haustür geklingelt, das Opfer damit an die verglaste Haustür gelockt und vier gezielte Schüsse abgegeben haben. Zwei der abgefeuerten Projektile trafen das Opfer im Bauch, wovon eines die Aorta durchtrennte, so dass der Niedergeschossene an innerer Blutungen starb.

Ein ganz ähnliches Szenario war bei der Prozesseröffnung am 8. November 2016 bereits in der Anklageschrift gegen den 52-Jährigen geschildert worden, die Pleuser gestern erneut vortrug. Bei gleichem Tatmotiv und Tathergang ist es hier indes der 52-Jährige, der die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll.

Erste neue Zeugenhinweise zu möglichem Serienmord


So standen nach Verlesung der beiden Anklageschriften gestern quasi gleich zwei potenzielle Schützen im Raum. Ein Umstand, den Verteidiger Andreas von Dahlen nutzte, um auf die Widersprüchlichkeit der beiden Verdachtssachverhalte hinzuweisen, von unzureichenden Beweismitteln gegen seinen 52-jährigen Mandanten zu sprechen und seine Forderung vom ersten Prozesstag zu erneuern, dass der Angeklagte freizusprechen sei. Das blieb nicht ohne Widerspruch von Staatsanwalt Pleuser, der von ausreichenden Beweismitteln sprach. Der Vorsitzende Richter Dr. Peter Graßmück gab den rechtlichen Hinweis, dass auch eine Verurteilung des Angeklagten wegen Anstiftung oder Mittäterschaft in Frage komme.

Bis es zu einer Urteilsfindung kommt, kann aber noch einige Zeit ins Land gehen. Gestern wurde die Verhandlung gegen die beiden Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Mordes zunächst einmal für knapp drei Wochen aufgeschoben. Beantragt hatten das die beiden Verteidiger der Angeklagten. Zur Begründung führten sie die kurze Zeitspanne seit Anklageerhebung, die über 10.000 Seiten Prozessakten, fehlende Teile in den der Verteidigung vom Gericht zugestellten Unterlagen, die Zusendung von weiteren Akten erst kurz vor Prozessbeginn sowie noch ausstehende Protokolle mit Telefonaten der Angeklagten an.

Die Verhandlung wird am Dienstag, 21. Februar, um 9 Uhr in Saal A 215 des Hanauer Landgerichts fortgesetzt.

https://www.op-online.de/region/hanau/p ... 74343.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 22. März 2017, 09:31:12 
 
Prozess in Hanau
Mord in der Gallienstraße: Angeklagte in Finanznot?
21.03.17 19:16
Hanau - Ein Erbschaftsstreit zwischen Bruder und Schwester soll der Grund dafür gewesen sein, dass am 7. September 2013 in der Gallienstraße tödliche Schüsse fielen. Von Laura Hombach

Hätte eine juristische Niederlage in der Auseinandersetzung die wirtschaftliche Existenz der Angeklagten bedroht? Darum ging es am gestrigen Verhandlungstag. Wegen gemeinschaftlichen Mordes müssen sich ein 52-Jähriger und seine 31-jährige Lebensgefährtin vor dem Landgericht Hanau verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, den Schwager des 52-Jährigen am 7. September 2013 mit Schüssen durch die Wohnungstür seines Hauses in der Gallienstraße getötet zu haben.

Ihr Bruder habe stets auf großem Fuß gelebt, habe viel Geld für sein Jagd-Hobby ausgegeben, sei gleichzeitig aber keiner geregelten Arbeit nachgegangen, hatte die Schwester des Angeklagten und Frau des Opfers im ersten Verfahren ihren Bruder beschrieben. Ein Bild, das sich auch bei den Ermittlungen zu dessen Finanzen bestätigte, für die seine deutschen Konten für den Zeitraum von September 2011 bis September 2013 und die Konten in Österreich, wo der Angeklagte zuletzt wohnte, von April 2009 bis April 2014 ausgewertet wurden.

Auf keinem der Konten hatten die beiden Ermittlerinnen, die gestern ihre Aussage machten, regelmäßige Einkünfte aus Gehaltszahlungen oder Mieteinnahmen finden können. Stattdessen ging auf einem der deutschen Konten 2012 eine erhebliche Summe ein, die eine Versicherung dem jetzigen Angeklagten nach dem Brand seines Wohnhauses ausbezahlte. Das österreichische Konto speiste sich indes hauptsächlich aus diversen Bareinzahlungen sowie Überweisungen durch die Frau und den Sohn des Angeklagten.

Dem standen erhebliche Ausgaben des jetzigen Angeklagten - unter anderem für Einkäufe bei einem Jagd-Handel und eine Jagdreise nach Afrika - von bis zu 4000 Euro monatlich sowie Kredite für den Kauf eines teuren Autos und zur Baufinanzierung gegenüber. Hätte der Angeklagte nach der Niederlage in dem juristischen Erbstreitsverfahren mit seiner Schwester dieser tatsächlich ihren Anteil auszahlen müssen, die Rede ist von rund 40.000 Euro, dann wäre am Ende auf den Konten nichts übrig geblieben, so das Ergebnis der Ermittlungen.

Die Verteidigung des Angeklagten meldete indes Zweifel daran an, dass die Ermittler tatsächlich die Vermögensverhältnisse ihres Mandanten überblickt hätten. Sie spielten auf die Existenz weiterer Konten und auf die erheblichen Summen an, die der Angeklagte durch den Verkauf von Immobilien aus dem Familienbesitz eingenommen haben müsse, für deren Verbleib die Ermittler aber keine Spur hatten finden können.

Auf finanzielle Unterstützung seitens seiner mitangeklagten Lebensgefährtin hätte der 52-Jährige indes wohl kaum setzten können. Wie die Recherchen der Ermittler ergeben haben, reichten bei ihr die regelmäßigen Eingänge aus Unterhaltszahlungen ihres geschiedenen Mannes, der Familienkasse und der Bundesagentur für Arbeit gerade einmal aus, um die Ausgaben zu decken. Morgen soll der Prozess mit der audio-visuellen Vernehmung eines verdeckten Ermittlers, der in das persönliche Umfeld des Angeklagten eingeschleust worden war, fortgesetzt werden. Der Ermittler wird dabei per Monitor zugeschaltet und sein Aussehen verfremdet.

https://www.op-online.de/region/hanau/m ... 44732.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 24. März 2017, 09:16:14 
 
Schutzvorkehrungen für Zeugen obsolet?
Mord in Gallienstraße: Video zeigt verdeckten Ermittler
24.03.17 03:01

Hanau - Eigentlich hätte gestern im Prozess um die tödlichen Schüsse, die am 7. September 2013 in der Gallienstraße fielen, ein verdeckter Ermittler aussagen sollen. Stattdessen brachte neu vorgelegtes Videomaterial das ohnehin langwierige Verfahren erneut ins Stocken. Von Laura Hombach

In dem Verfahren am Hanauer Landgericht müssen sich ein 52-Jähriger und seine 31-jährige Lebensgefährtin wegen gemeinschaftlichen Mordes am Schwager des Angeklagten verantworten. Der 52-Jährige war bereits kurz nach der Tat unter Verdacht geraten, allerdings reichte die Beweislage damals nicht aus. Fast drei Jahre hatte die Polizei ermittelt, bis es zur Festnahme kam. Dabei wurden auch zwei verdeckte Ermittler eingesetzt, die in das enge Umfeld der Angeklagten eingeschleust wurden. Einem der beiden Ermittler soll der Angeklagte gar die Tatwaffe verkauft haben.


Mit Spannung wurde deshalb gestern auch die Aussage des Ermittlers erwartet. Laut Beschluss des Bundesinnenministeriums sollen er und seine Kollegin zu ihrem Schutz indes nicht persönlich im Gerichtssaal erscheinen. Das Ministerium begründete das mit der Gefahr von Racheaktionen seitens der Angeklagten. Eine Gefahr, die das Ministerium aufgrund der Persönlichkeitsstrukturen des 52-Jährigen und seiner Lebensgefährtin als gegeben sieht.

Im Falle des Angeklagten führt das Ministerium dabei seine Zugehörigkeit zu einer schlagenden Verbindung, stark narzisstische Züge, einen gefälschten Studienabschluss als Doktor der Medizin, deutlich übersteigerten Alkoholkonsum und keine wirklichen Freundschaftsbeziehungen an. Bei dem 52-Jährigen sei deshalb zu befürchten, dass er das Vorgehen des Ermittlers, das sein sorgsam auf Lügen aufgebautes Bild seiner selbst zerstört habe, als Ehrverletzung empfinde, und deshalb auf Rache sinne. Zumal der Angeklagte gegenüber dem Ermittler auch davon gesprochen habe, keine Probleme damit zu haben, Waffen gegen Menschen einzusetzen, wenn er meine, dass sie dies verdient hätten.

Auch im Falle der 31-Jährigen seien Rachegefühle nicht auszuschließen. Bei ihr handle es sich um eine sehr impulsive Persönlichkeit mit der Neigung zu Gewalt gegenüber Tieren und Menschen.

Aufgrund dessen müsse davon ausgegangen werden, dass die Angeklagten und ihr Umfeld gewaltbereit seien, so das Bundesinnenministerium in der Begründung seiner Entscheidung, dass die Zeugen nicht direkt im Gerichtssaal vernommen werden dürfen. Vielmehr solle durch die Befragung der Zeugen per Videoschaltung sowie deren optische Verfremdung verhindert werden, dass sich die Angeklagten ein Bild von der aktuellen Erscheinung der Ermittler machen könnten.

Eine Vorgehensweise, gegen die die Verteidigung Einwände erhob und deren Sinn Verteidiger Andreas von Dahlen für obsolet erklärte. Er verwies auf Videos, auf denen der Ermittler deutlich zu erkennen sei, deren Existenz das Bundesinnenministerium bei seiner Entscheidung aber wohl nicht berücksichtigt habe. Eines der Videos konnte die Verteidigung der Kammer gestern vorlegen, weitere sollen existieren. Aufgrund der neuen Umstände wird das Ministerium seine Entscheidung neu erwägen. Der Prozess soll mit der Vernehmung anderer Zeugen fortgesetzt werden.

https://www.op-online.de/region/hanau/m ... 02914.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Montag, 24. April 2017, 09:57:29 
 
Mordprozess: Verwertbarkeit verdeckter Ermittlungen ist Thema

Am Landgericht in Hanau soll in der kommenden Woche erörtert werden, ob und inwieweit Erkenntnisse eines verdeckten Ermittlers in das Verfahren des Mordprozesses um einen Erbschafts- und Familienstreit einfließen können. Symbolfoto: dpa
Von dpa

HANAU - Der Hanauer Mordprozess um einen Erbschafts- und Familienstreit steht in der kommenden Woche vor einer wichtigen Entscheidung: Am Landgericht soll erörtert werden, ob und inwieweit Erkenntnisse eines verdeckten Ermittlers in das Verfahren einfließen können. "Diese Frage müssen wir klären", sagte der Vorsitzende Richter Peter Graßmück. Das Gericht gab weitere Fortsetzungstermine zu dem Aufsehen erregenden Fall bekannt.

Angeklagt ist eine heute 31-jährige Frau. Ihr wird vorgeworfen, am 7. September 2013 in Hanau den Schwager des heute 53 Jahre alten Mitangeklagten, ihres Lebensgefährten, durch die Haustür erschossen zu haben. Der 53-Jährige soll laut Anklage als planender und von der Tat profitierender Hintermann agiert haben und die Waffe bereitgestellt und verwahrt haben. Beide sind angeklagt wegen gemeinschaftlichen Mordes aus Rache und niedrigen Beweggründen. Sie haben sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Nach Gerichtsangaben steht an diesem Dienstag (25. April) der elfte Verhandlungstag auf dem Programm. Bis Ende Juni sind weitere Termine angesetzt. "Wir stecken noch mitten in der Beweisaufnahme", sagte Graßmück. Das Gericht bezweifelt, dass der Fall bis zu den Sommerferien beendet werden kann. Ein Sprecher sagte, ein Ende sei derzeit nicht absehbar. Das Verfahren habe eine "hohe Dynamik".

Nach Planung des Gerichts soll die Staatsanwältin am Dienstag zur Prozess-Fortsetzung das Wort haben, wenn es um die Frage der Verwertbarkeit des verdeckten Ermittlers geht. Er war mit Wanzen ausgestattet und hatte Gespräche mit dem Angeklagten aufgezeichnet. Am Donnerstag soll der Vernehmungsbeamte von der Festnahme des Mannes berichten. Am Freitag könnte der verdeckte Vermittler zu Wort kommen.

http://www.echo-online.de/lokales/rhein ... 839850.htm


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 12. Mai 2017, 08:58:47 
 
Mord in der Gallienstraße: Verdeckter Ermittler schildert Treffen mit Angeklagtem
Töten als Gesprächsstoff
12.05.17 03:00
Hanau - Lange war sie im Mordprozess um die tödlichen Schüsse, die am 7. September 2013 in der Gallienstraße fielen, erwartet worden: Die Zeugenaussage des verdeckten Ermittlers mit Tarnnamen Errol. Von Laura Hombach

Seit Donnerstag letzter Woche ist es nun endlich soweit: Per Videoschaltung in den Gerichtssaal übertragen und hinter einer Plastikplane als Sichtschutz verborgen, berichtet Errol von seinen Erkenntnissen. Der verdeckte Ermittler war auf den heute 53-jährigen Angeklagten angesetzt worden, nachdem dieser bereits kurz nach der Tat in das Visier der Polizei geraten war, die Beweise gegen ihn aber nicht ausgereicht hatten. Vor dem Hanauer Landgericht wird gegen den 53-Jährigen sowie eine heute 31-Jährige, die bis vor Kurzem die Lebensgefährtin des Angeklagten war, wegen gemeinschaftlichen Mordes am Schwager des Angeklagten verhandelt (wir berichteten).

Während man bereits am ersten Tag von Errols Aussage nicht über die Schilderung des ersten Treffens des verdeckten Ermittlers mit der Angeklagten hinauskam, verlief auch der zweite Teil von Errols Aussage am gestrigen Verhandlungstag nur schleppend. Denn kaum hatte Errol mit seiner Aussage begonnen, hieß es auch schon wieder Sitzungsunterbrechung.

Und so zeigten die Zeiger der Uhr im Gerichtssaal A 215 bereits auf 15 Uhr, als man sich endlich der ersten Begegnung des verdeckten Ermittlers mit dem Angeklagten zuwenden konnte. Errol, der sich unter dem Vorwand, Interesse am Jagen zu haben, in die Gunst des Angeklagten - einem passionierten Jäger - eingeschlichen hatte, schilderte, dass der Angeklagte ihm zunächst sehr sachlich begegnet sei. Die anfängliche Zurückhaltung habe sich aber schnell gelegt: Bereits am zweiten Tag erzählte der Angeklagte dem verdeckten Ermittler vom Mord an seinem Schwager und davon, dass er der Tat verdächtigt worden sei.

Der Angeklagte habe viel zu dem Mord zu sagen gehabt. Etwa, dass er perfekt geplant gewesen sei, weil der Täter von niemandem gesehen und auch von einer in der Nähe befindlichen Kamera nicht aufgezeichnet worden sei. Zudem seien die Schüsse genau zu dem Zeitpunkt abgegeben worden, als in Hanau ein Feuerwerk gezündet wurde. Das alles habe der Angeklagte in sehr sachlichem Ton erzählt. Genauso wie er auch die Aussage, er sei nicht traurig über den Tod des Schwagers, der ein „Arschloch“ gewesen sei, ganz nüchtern und ohne Empathie getroffen habe.

Überhaupt ging es an jenem zweiten Tag zwischen Errol und dem Angeklagten viel und lange um Waffen und das Töten. Nicht nur um das Töten von Tieren - wie es beim Zusammentreffen von Jagdinteressierten ja nicht weiter verwunderlich wäre - sondern auch um das Töten von Menschen. Der Angeklagte habe dabei erklärt, dass er kein Problem damit haben würde, jemanden zu töten, wenn derjenige das verdient habe. Thema sei aber auch gewesen, an welchen Körperstellen man einen Menschen mit einem Messer treffen muss, damit er am schnellsten verblutet.

https://www.op-online.de/region/hanau/m ... 94790.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 11. Oktober 2017, 22:31:09 
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11. Juni 2017

Geschichten vom „umgelegten“ Schwager

Von Dieter A. Graber

HANAU. Es ist eine gewisse Juristen­routine eingezogen in diesen Prozess, der sich alle unterworfen zu haben scheinen, die Strafkammer, Staats­an­walt Pleuser, die Angeklagten Banu D. und Lutz H. und ihre Verteidiger, die tapfere Frau Volke, ja sogar das Publi­kum, welches, zumindest stun­den­weise, noch nimmer wacker aus­hält da hinter der gläsernen Wand. Heute hat Ayse wieder ihren anony­men Auftritt. Diesmal sitzt sie in ei­nem Wiener BKA-Büro, 582 Kilometer Luftlinie von Saal 215 entfernt, ver­borgen von einer halbtransparenten Plane, hinter der sie in ihrem roten T-Shirt schemenhaft aussieht wie ein Ei­sen­bahnhaltesignal im Nebel. Etwa so muss der Mörder sein Opfer, den Spe­ditionsun­ternehmer Jürgen Volke, ge­se­hen haben, ehe er ihn durch die Rif­felglasscheibe der Tür des kleinen Rei­hen­hauses in der Gallienstraße er­schoss. Und irgendwie verschwimmt auch zunehmend der Blick auf das We­sentliche in diesem Verfahren, näm­lich Beweise für die Schuld der Angeklagten.

Ein gutes Jahr lang hatten die Ver­deckten Ermittler Ayse und Errol das Paar bespitzelt. Jede Bemerkung der beiden wurde notiert, jede Lebens­äu­ßerung … Wirklich jede? Und zu wel­chem Zweck? Im Rückblick scheint es, als hätten VE1 und VE3, so die dienst­interne Bezeichnung, vor allem das zu Papier gebracht, was ihnen be­lastend erschien. Da erhält jede Ba­na­lität ei­nen tieferen Sinn, den Ayse (VE1) in ihren Protokollen mit typo­grafischen Gestaltungsmitteln akzen­tuiert, mal in kursiver Schrift, mal fett gedruckt oder als Zitat kenntlich ge­macht. Zwischendurch sagte Banu D., durch die ständige Fragerei misstrauisch geworden, ihrer „falschen Freundin“ Ayse einmal auf den Kopf zu: „Du bist doch von der Polizei!“ Sie ließ sich dann aber wieder von deren angeblicher Aufrichtigkeit überzeugen. Lutz H. hingegen scheint weniger skeptisch gewesen zu sein.

Es war der 9. September 2015, als sich Ayse und Errol nach neunmona­tiger erfolgloser Ermittlung am Ziel sahen. Lutz H. kam auf den Mord an Jürgen Volke zu sprechen, seinen „umgeleg­ten“ Schwager (von Ayse hervorgeho­ben). Und zwar unaufgefor­dert. Aus freien Stücken. Er habe „ein Mittei­lungsbedürfnis“ gehabt, sagt Ayse. Das darf mit Fug be­zweifelt werden, wie die forsche Art der „Befragung“ des Lutz H. durch ih­ren Kollegen na­helegt. Man hatte sich in seiner Jagd­hütte im Hintertaunus getroffen. Lutz H. zeigte sich angeb­lich „sehr zufrie­den“ über die Präzision der Tat, einem Fuß­ballsachverständigen ähnlich, der kenntnisreich den Laufweg eines Stürmers vor dem Torabschluss ana­lysiert: „Perfekt! Niemand sah den Täter. Er muss draußen gewartet ha­ben. Es wurden keine Zigarettenkip­pen gefunden. Normalerweise sind die Leute ja so blöd und werfen die ein­fach weg.“ Lutz H. und Banu D. sind starke Raucher.

Und dann ist da noch nebulös von ei­nem „gestohlenen Fluchtfahrzeug“ die Rede, das hinterher nicht mehr auf­getaucht sei. Tatsächlich war der Re­nault Twingo von Banu D. zu die­sem Zeitpunkt, also Anfang September 2013, für mehrere Tage verschwun­den – in einer Werkstatt wegen eines Blechschadens, was die Polizei aber seinerzeit zu ermitteln unterließ.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Pleuser hat Banu D. nicht nur den Tatort ausbaldowert, sondern die Schüsse auch selbst abgegeben. Eine ambitionierte Anklage. Sie gründet sich auf angebliche Handydaten, die ihren Aufenthalt mehrere Tage vor dem Mord in Hanau belegen. Oder besser: zu belegen scheinen. Die Pro­tokolle der Verdeckten Ermittler las­sen derartige Schlüsse nicht zu.

Errol und Ayse waren angetreten, „Täterwissen“ aus Lutz H. herauszu­holen. Gelungen ist ihnen das zumin­dest an jenem feuchtfröhlichen Sep­tem­berabend zwei Jahre nach den Todesschüssen nicht. Was die Zielper­son da über den Mord in der Gallien­straße dozierte, war samt und sonders den Medien zu ent­nehmen gewesen. Dass Lutz H. auf die kleinbürgerliche Existenz seines Schwagers herab sah, mag dem Neid des Lebensversagers auf den Erfolg des Tüchtigen aus ein­fachen Verhältnissen geschuldet sein, einen Hehl daraus gemacht hat er je­doch nie. Missgünstig unterstellt er Volke dubiose Geschäfte. Etwas mit Drogen viel­leicht. Höhnisch zitiert er Schiller (Wallensteins Tod 1,3), ver­mutlich, ohne die Quelle zu kennen: [Verflucht,] „… wer mit dem Teufel spielt!“ Ayse hielt das für bemerkens­wert, und so findet es, wie viele an­dere bierselige Sprüche, Eingang in die Beweisaufnahme.

Er wirft Fragen auf, dieser Ver­deckte Einsatz. VE1 und VE3 haben ihre Ge­spräche mit Lutz H. und Banu D. heimlich mitgeschnitten, auch in ge­schlossenen Räumen. Dies ist nach Polizeirecht zu Ermittlungszwecken untersagt. Das Hessische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ord­nung (HSOG) ist ein kompliziertes Konvolut mit 115 Paragraphen. Die österreichische BKA-Fahnderin wird es nicht kennen. Sie räumt ein, die Tonaufnahmen hinterher für ihre „Amtsvermer­ke“ verwendet zu haben. „Damit es inhaltlich stimmt!“ Eine „vernehmungsähnliche Situ­ation“ habe es aber zu keiner Zeit gegeben. Verteidiger Andreas von Dahlen be­zweifelt das. Ver­deckte Ermittler dürfen Zielpersonen, in deren Ver­trauen sie sich einge­schlichen haben, nicht zu sich selbst belastenden Aus­sagen drängen.

Die 1. Große Strafkammer unter Vor­sitz des erfahrenen Richters Peter Graßmück, der den Prozess souverän leitet, hat sich auf das mühselige Un­terfangen eingelassen, die Verdeckte Ermittlung chronologisch, quasi Wort für Wort, abzuarbeiten. Das dauert. Im Kriechgang nähert sich die Beweis­aufnahme der FN Browning Kal. 7.65, die Lutz H. dem Errol verkaufte. Die Spannung steigt langsam, aber stetig.

Wenn es knifflig wird, zieht sich Ayse bisweilen gern hinter die Grenzen ih­rer Aussagegenehmigung zurück, die ihr untersagten, ermitt­lungstakti­sche Einzelheiten preiszu­geben. Dies und Übertragungsmängel – die Verbin­dung bricht regelmäßig zusammen – erschweren ihre Ver­nehmung. In dem BKA-Büro, aus dem sie in den Ge­richtssaal zugeschaltet ist, steht doch tatsächlich ein Sofa. Es ist mit einer hellen Decke überzogen. „Oan Diwan“ sagt man auf Weanerisch. Gemütlichkeit in Donau-Chic. Aber nächstes Mal soll Ayse doch wieder beim BKA Wiesba­den sitzen, ordnet die Kammer an. Aus techni­schen Gründen. Und ohne Sofa.

http://graber-justice.de/content/geschi ... C-schwager


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 23. November 2017, 22:18:28 
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Vom Es und dem Dings

19. November 2017 - 15:06

Von Dieter A. Graber

HANAU. Am Nachmittag des 9. Sep­tember 2013, knapp zwei Tage nach dem Tod von Jürgen Volke, führten Banu D. und Cengiz G. ein Telefonge­spräch. Es dauerte 24 Minuten. Es bein­haltet nach Ansicht der Staatsanwalt­schaft einige Indizien dafür, dass die Angeklagte den Mord in der Gallien­straße begangen hat. Es wurde seiner­zeit im Rahmen einer Telefon­überwa­chung mitgeschnitten und kommt heute in Saal 215 zu Gehör. Bisher haben sich alle Versuche der Anklage, Banu D. der Tat zu überfüh­ren, als untauglich erwie­sen. Nun also die Wende?

Es ist schwierig, dem Wortgeplätscher der Banu D. zu folgen. Herr G. bekennt, während solcher Monologe manchmal „gar nicht hingehört“ zu haben. Viel­leicht legte er dann nur deshalb nicht auf, weil er noch die Hoffnung hegte, sein amouröses Abenteuer mit dieser attraktiven, deutlich jüngeren Frau zu einem erfolgreichen Ende bringen zu können. Banu D. aber ließ ihn zappeln. So nahm sie zwar seine Einladung zu einem Abendessen mit anschließendem Barbesuch an, ohne ihm auf die Nase zu binden, dass sie bereits in „festen Hän­den“ war. Von Lutz H. als ihrem „Chef“ sprach sie damals nur nebulös. Zu mehr als Unterhaltung und Tanz aber sei es nicht gekommen, räumt Cengiz G., der Frauenheld, ohne Umschweife ein. „Leider.“ Er ist da ganz ehrlich. Wie gerne hätte er Banu D. unter seine Jagdtrophäen eingereiht. Viel investiert hat er an Zeit, Mühen und Geduld. Den Renault Twingo, der eigentlich Lutz H. gehörte und mit dem sie in der (Tat-)Nacht einen Blechschaden verursacht hatte, ließ er anderntags in eine Werk­statt bringen und reparieren. Am Tele­fon dankt sie ihm überschwänglich. Dass er zumindest geahnt haben muss, es könnte hier eine Unfallflucht vorlie­gen, ist evident. Diesen Eindruck zu widerlegen bemüht er sich in seiner Zeugenvernehmung. „Um bei ihr zu landen, habe ich zugesagt, ihr zu helfen. Ich wollte nur eine Sexbeziehung, alles andere hat mich nicht interessiert.“

Der Begriff des Anakoluths bezeichnet in der Linguistik einen Bruch des Satz­baus oder auch den Abbruch eines be­gonnenen Satzes. Banu D. wird das nicht wissen. Gleichwohl ist sie die Meisterin des Anakoluths. Manche ihrer Sätze sind eine Aneinanderreihung von Unverständlichkeiten, Wortgefüge, die sich logischer Rezeption widersetzen. Das mag auch daran liegen, das sie ständig vom Türkischen ins Deutsche wechselt und wieder zurück. Der Dol­metscher, der als Experte für die türki­sche Sprache auch Sachverständiger ist, gerät ins Schwitzen. Einmal sagt sie zu Cengiz G.: „Mit dir hat Dings nichts zu tun. Das Dings an sich. Was sie damit wohl gemeint haben könnte, will Rich­ter Graßmück von dem Zeugen wissen. Herr G. hebt die Schultern. Das Ge­spräch liegt vier Jahre zurück. Es han­delte von Krankheiten, bettelnden Hun­den, dem NSU-Prozess, dem an Kurden in der Türkei begangenen Unrecht und vielem mehr. Unter diesen Umständen von einem Zeugen die Bedeutung ein­zelner Worte zu erfragen, könnte man zumindest als sehr ambitioniert be­zeichnen.

„Heute kam die Polizei zu mir, aber die denken, dass jemand anderes es ge­macht hat …“ sagt Banu D. am Anfang des Gespräch. Es, das Dings – vieles lässt sich hinein interpretieren in derart kryptische Äußerungen. Auch ein Mord? Cengiz G. bleibt dabei. Er sei nicht in Hanau gewesen mit Frau D., und es gibt nichts, was diese Aussage erschüttern könnte.

Es sind zwei zeitgleiche Ereignisse, die sich überlappen, eine Unfallflucht in Bad Schwalbach und ein Mord in Ha­nau, und die nun, im Rückblick, das Geheimnis von Es und Dings so verwir­rend machen. Sprach Banu D. von dem einen, während die Ermittler das andere meinten? Geschuldet ist diese Irritation auch jenen Nachlässigkeiten, die sich Polizei und Staatsanwaltschaft gleich zu Anfang leisteten. So gab Herr G. in sei­ner ersten Vernehmung am 11. Septem­ber 2013 bereits an, sie hätten auf dem Weg zur Zurna Bar in Mainz-Kastel eine Begegnung mit einer Polizeistreife gehabt. Er hatte auf der Standspur ge­halten und war von den Beamten zum Weiterfahren aufgefordert worden. Es soll gegen halb zwölf gewesen sein. Die Tatzeit. Wenn dies zuträfe, wäre die Angeklagte aus dem Schneider. Ent­sprechende Ermittlungen unterblieben damals allerdings. Die 1. Große Straf­kammer versucht nun, das Versäumte nachzuholen. Sie hat acht Beamte der Autobahnpolizei aus der Nachtschicht vom 7. zum 8. September 2013 geladen. Eine ganze Dienstgruppe. Aber wie sollen die Zeugen sich an einen Vor­gang erinnern, der nur Minuten dauerte und sich, seiner banalen Alltäglichkeit wegen, nicht im Dienstbuch nieder­schlug? Nein, da ist nichts zu machen.

Es ist es nicht die Wende in diesem Verfahren, und überhaupt war all das schon lange bekannt und in den Er­mittlungsakten abgeheftet, ohne dass Banu D. deswegen in den Status einer Tatverdächtigen erhoben worden wäre. Und so gewinnt dieser Prozess den schalen Beigeschmack dessen, was man einen Sündenbock nennt. Aber viel­leicht hat die Staatsanwaltschaft ja noch einen Trumpf in der Tasche. Es müsste sich dann, was Banu D. angeht, um den ersten und allerletzten handeln.

http://graber-justice.de/content/vom-es-und-dem-dings


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 02. März 2018, 23:00:00 
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Mein Bruder, das Biest

Gespeichert von GRABER am 25. November 2017 - 18:20

Mörder im Janker? Obschon er 2016 im Besitz der Waffe war, wurde es im Verlauf der Beweisaufnahme immer unwahrscheinlicher, dass Lutz H. selbst die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Es ist sogar fraglich, ob er überhaupt an der Tat beteiligt war. ©D. Graber

Von Dieter A. Graber

HANAU. Ulrike Volke spricht über ih­ren Bruder Lutz. An nahezu jedem Verhandlungstag sitzt sie ihm gegen­über, doch ihre Blicke begegnen sich nie. Sie ist achtundfünfzig, fünf Jahre älter als er. Es gibt noch einen älteren Bruder. Der Vater war eine Respekts­per­son: Stabsarzt im Zweiten Weltkrieg, später Fabrikant, Präsident des Lan­des­jagd­verbandes Hessen, Alter Herr in der Akademischen Landsmann­schaft Nibelungia. Auf den Gerichts­monitoren scheint kurz ein Foto von ihm auf: Eine bolzengerade Erschei­nung in Wehr­machtsuniform, nach­denklich der Blick, streng und gütig gleichermaßen. Ulrike Volke erinnert sich: „Er war ein guter Vater, aber ich glaube schon, dass er die Söhne be­vor­zugt hat.“

Es ist des Guten wenig, was sie über den Lutz zu erzählen weiß. Seine Schulschwänzereien, die von der Mutter gütig gedeckt wurden, später seine Es­kapaden in Österreich, wohin die Eltern ihn, das Nesthäkchen, nach dem Ver­kauf ihrer Hanauer Fabrik im Jahr 1980 mitge­nommen hatten: Verkehrsdelikte, Amtsanmaßung; und dann sein ge­fälschtes Abizeugnis, seine unehren­hafte Ent­lassung aus der Bundeswehr, sein be­rufliches Scheitern als Pharma­vertre­ter, das wohl seinem Desinteresse an einem geregelten Broterwerb ge­schuldet war. Aber das sind, man muss es betonen, nichts als Kolporta­gen. Auf der Einladung zu seiner Hochzeit, der zweiten, der mit Silke, die ihn bisweilen im Gerichtssaal be­sucht, setzt er seinem Namen ein „Dr. med. Lutz-Wilhelm“ voran, und wenn einer unbe­rechtigt den Doktortitel führt, dann ist es ihm nicht wesensfremd, ein Tes­tament zu fälschen. Nun, jedenfalls ist Ulrike Volke davon überzeugt.

Nach des übermächtigen Patriarchen Tod im Januar 1989 schlüpft er in die Rolle eines engsten Vertrauten der Mutter. Er hat alle Vollmachten, von ihr blanko unterschrieben. Es wird wohl so gewesen sein, dass er endlich die ihm zustehende Stelle des Fami­lien­ober­hauptes eingenommen zu haben glaubte. Seine herrische Art ist Ulrike Volke im Gedächtnis geblieben, die, man mag es kaum glauben, darin gip­felte, dass er ihr, der Schwester, kurzer­hand die Wohnung im Eltern­haus, dem Anwesen Friedrichstraße 40 in Hanau, kündigte, weil sie einer Mieterhöhung nicht zustimmen mochte.

Und da gibt es noch so eine Ge­schichte, eine Mischung aus Bizarre­rie und An­maßung: Kurz vor der Hochzeit seiner Schwester mit Jürgen Volke be­stellt Lutz H. den künf­tigen Schwa­ger in das Jagdhaus bei Klein-Auheim ein, um ihn einer „Be­fragung“ auf seine Ehetaug­lichkeit hin zu unterziehen. Wohlge­merkt: Volke ist bereits achtundreißig, ein studierter Inge­nieur, Lutz H. elf Jahre jünger, ar­beitslos. Er soll ihm bedeutet haben, nicht in die Familie zu passen, die Verbindung sei nicht erwünscht …

Lutz H. pflegt einen rückwärtsge­wand­ten Lebensstil, und zwar den des Vaters, dessen Fußstapfen er aber nicht ausfül­len kann, von dessen Erbe er zehrt, in dessen Charisma er hineinzuwachsen versucht wie in ei­nen übergroßen Man­tel. Das Haus im Kärntner Dörfchen Ei­sentratten wird zu einer Art Museum der Familien­tradition mit Antiquitäten und Jagd­trophäen. Es wurden Fotos ge­zeigt in diesem Prozess. Am Ende lässt sich die Persönlichkeit des Lutz H. auf seine Jagdleidenschaft und Waffen­be­geisterung reduzieren, also nicht mehr als die Fortset­zung des väterlichen Zeit­ver­treibs.

Die Browning, mit der Jürgen Volke er­schossen wurde, stammte vermut­lich aus dem Besitz des Vaters. Er sammelte ballistische Geräte: Eine Smith & Wes­sen, eine silberbeschla­gene Flinte, Kipplaufwaffen, einen „Damenrevol­ver“ mit Perlmuttgriff … „Ein ganzer Schrank voll“, sagt Ulrike Volke, die auch besagte Browning einmal bei ihm gesehen haben will. Sie hat sie später unter acht verschiedenen Schusswaffen heraus gedeutet, die ihr von Kommissar Bernd Fischer nach der Verhaftung des Lutz H. vorge­legt worden waren. „Ich erkannte sie an dem schmalen Lauf“, sagt sie jetzt. Man darf getrost daran zwei­feln, dass diese „Identifizierung“ viel wert sei, waren doch alle anderen Pis­tolen von modernem, klobigem Aus­se­hen. Ver­teidiger Andreas von Dahlen bemän­gelt das folglich zu Recht, doch was än­dert es an der Tatsache, dass Lutz H. eben diese Mordwaffe in seinem Besitz hatte?

Der Umfang des Nachlasses, den er nach dem Tod der Mutter im Jahr 2009 in die Hand bekam, lässt sich ge­nau nicht mehr bestimmen. Von einem „Nummernkonto“ ist die Rede, von Immobilien. Aber mit großen Vermögen ist es wie mit großen Schiffen – sie sinken schnell. Ulrike Volke gibt an, nichts geerbt zu haben. Keinen Cent. Im Testa­ment taucht sie nicht auf, obwohl ihr doch der Vater zu Lebzeiten einiges versprochen habe. Wurde es „fri­siert“? Wie ge­sagt: Sie traut ihm vie­les zu, die­sem jüngeren Bruder, der ihren Sohn mal ge­schlagen und seine Jagdhunde auf die Hasen ihrer Kinder gehetzt ha­ben soll. Auch einen Mord?

Man kann Zweifel heraushören aus ih­rer Antwort. Sie hört sich an, als habe sie inständig gehofft, es sei nicht die Tat ihres Bruders, sondern die eines Fremden gewesen. „Natürlich weiß ich nicht, ob er’s war“, sagt sie. „Aber dass er dort sitzt, ist schon schlimm.“

Der Prozess ist bis ins nächste Jahr hin­ein termi­niert.

http://graber-justice.de/content/mein-bruder-das-biest


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 02. März 2018, 23:01:54 
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Wenig Hoffnung für Frau D.

Gespeichert von GRABER am 7. Januar 2018 - 11:40

Lebenslänglich aufgrund eines am Telefon dahin genuschelten Satzes? Banu D. mit ihren Verteidigern Torsten Fuchs und Axel Küster in einer Verhandlungspause. Foto: Graber

Von Dieter A. Graber

HANAU. Im Volkeprozess hat die 1. Große Strafkammer über­raschend Haftfortdauer für Banu D. angeordnet. In ihrer elfseiti­gen Begründung führen die Richter aus, es bestünde weiter­hin dringender Tatverdacht ge­gen die Angeklagte. Sie stützen sich dabei unter anderem auf ne­bulöse Aussagen ihres ehemali­gen Lebensgefährten gegenüber dem Verdeckten Ermittler Errol. Ihm hatte Lutz H. erzählt, er wis­se, wer Jürgen Volke erschossen habe, sei er doch selbst „instru­mentativ“ an der „Party“ beteiligt gewesen. Der Begriff „Party“ war seinerzeit spaßeshalber im Zusammenhang mit angeblichen Straftaten von Banu D. verwen­det worden. Zu vermuten ist al­lerdings eher, dass damit ihr da­maliger gelegentlicher Drogen­konsum gemeint war.

Als weiteres Indiz für ihre mög­liche Tatbeteiligung wertet die Kammer einen kurzen Aufenthalt von Banu D. in Hanau etwa sechs Wochen vor den tödlichen Schüssen. Ihr mit Hilfe der Handy­daten erstelltes Bewegungsprofil ergab, dass sie damals auch die Gallien-, bzw. Friedrichstraße aufsuchte. Hat sie dabei den späteren Tatort, das Reihenhaus Gallienstraße 18, ausgekund­schaftet? Einer (allerdings durch nichts bewiesenen) Theorie der Polizei zufolge habe der Mord bereits am nächsten Wochen­ende verübt werden sollen, je­doch seien die Volkes da im Ur­laub gewesen. Nebenbei: Banu D. war an jenem Tag im Juli 2013 auch in Steinheim unter­wegs.

Den entlastenden Aussagen des Zeugen Cengiz G. schenkt das Gericht offenbar keinen Glauben. Er will mit Banu D. zuerst im Wiesbadener Restaurant Harput zum Essen, später in der Zurna Bar in Mainz-Kastel beim Auf­tritt eines türkischen Sängers ge­wesen sein. Ein verschwiegenes Rendezvous, von dem ihr dama­liger Lebensgefährte nichts er­fahren sollte. Vielmehr geht die Kammer davon aus, dass Cengiz G. sie in der Nacht zum 8. Sep­tember 2013 nach Hanau gefah­ren habe. Tatsächlich räumte er im Zeugenstand freimütig ein, auf ein erotisches Aben­teuer mit Frau D., die er erst we­nige Tage zuvor kennenge­lernt hatte, aus gewesen zu sein. Dazu sei es je­doch nicht gekom­men.

Zu was es zweifellos kam, war ein Unfall: Auf dem Weg zum Treffpunkt in Bad Schwalbach rammte Banu D. mit ihrem – auf Lutz H. zugelassenen – Renault Twingo einen abgestellten Peu­geot und machte sich aus dem Staub. Notgedrungen habe sie, um ihren perfiden Plan in dieser Nacht doch noch ausführen zu können, einen Fahrer benötigt, glauben die Ermittler. Hier komme Cen­giz G. ins Spiel. Aber würde sich eine Mörderin für die Zeit, in der sie ihre Tat begehen will, parallel auch noch mit einem Mann verabreden – und den dann kurzerhand als Komplizen anheuern? Eine derart waghalsige Konstruktion würde man einem Krimiautor nicht mal im TV-Tatort durchgehen las­sen.

Vor Gericht versuchte Cengiz G. den Eindruck zu vermeiden, von ihrer Unfallflucht gewusst zu ha­ben. Das ist tatsächlich wenig glaubhaft. Hatte er doch andern­tags ihr beschädigtes Fahrzeug in eine Werkstatt bringen lassen und sich um eine preisgünstige Repa­ratur gekümmert. Es ist denkbar, dass der Bauunterneh­mer mit dieser Straftat, dem un­erlaubten Entfernen vom Unfall­ort, jetzt nicht in Verbindung ge­bracht werden will. Aber darf dies zum Nachteil der An­ge­klagten ausgelegt werden?

Eine besondere Rolle spielt in diesem Zusammenhang ein Tele­fonat, das die beiden wenige Tage später führten. „Da wollten wir mal was heim­lich machen, und dann geht das bis Hanau …“ sagte Herr G. damals. Die Rich­ter Graßmück, Fuchs und Zeyß wollen aber herausge­hört haben: „…und dann fahren wir nach Hanau.“ Kann ein ein­zelner, akustisch nur schwer ver­ständ­lich Satz eine lebenslange Frei­heitsstrafe begründen?

Die jetzige Entscheidung der Kammer ist ein Präjudiz. Denn die Würdigung der Beweise, und seien sie noch so mager, ist letzt­lich dem Gericht vorbehalten. Auch wenn es nun schreibt: „Eine abschließende Bewertung kann erst nach Abschluss der Beweisaufnahme erfolgen.“

http://graber-justice.de/content/wenig- ... BCr-frau-d


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 02. März 2018, 23:03:51 
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Noch mehr Befangenheit

Gespeichert von GRABER am 4. Februar 2018 - 14:54

Von Dieter A. Graber

HANAU. In Saal 215 liegen die Nerven blank. Die Verteidiger hätten nun „über das Ziel hinaus­ge­schossen“, grummelt der Vor­sit­zende sichtlich verärgert; die Kammer müsse sich nicht alles gefallen lassen. Irgendwo um den 50. Ver­handlungstag herum und kurz vor Ende der Beweisauf­nahme sind die Fronten im Vol­ke­mordprozess verhärtetet.

Es geht Schlag auf Schlag: Mor­gens lehnt die 1. Große Straf­kammer den Befangenheits­antrag gegen Beisitzerin Andrea Zeyß in Bausch und Bogen ab – nach­mittags fängt sie sich einen neuen ein, diesmal alle drei Be­rufs­richter betreffend. Die Ge­schich­te entbehrt nicht ei­ner ge­wissen Pikanterie. Zwar teilte Zeyß in einer dienstlichen Stel­lung­nah­me, die sie allerdings erst unter dem Druck des Befan­gen­heitsan­trags abgab, lapidar mit, während der Verhandlung am vergange­nen Freitag „kam­merin­terne, ver­fahrensbezogene Noti­zen“ ange­fertigt zu ha­ben: „Eine in jahre­langer Praxis ein­geübte Verfah­rensweise.“ Vorsitzender Graßmück fand denn auch: „Das Mitschrei­ben hindert das Zuhö­ren nicht.“ Und damit sollte das Thema Be­fangenheit sein Be­wenden haben. Was es aber mit dem ominösen Dokument auf sich hat, an dem sie arbeitete, wäh­rend ein mitge­schnittenes Tele­fonat zwischen Lutz H. und Banu D. abgespielt wurde, und das sie dann, mit der Schrift nach unten unter ihren Laptop schob und schließlich ins Richterzim­mer mitnahm, wollte sie nicht of­fenba­ren. Alles nur Mutmaßun­gen, so Graßmück, die keinen Befangen­heitsverdacht rechtfer­tigten.

Damit wollten sich die Verteidi­ger indes nicht zufrieden geben. Und so weitet sich der „Fall Zeyß“ zu einem juristischen Spektakel aus, das den die­sen Prozess bisher charakterisie­ren­den respektvollen Umgang mit­einander aufhebt. In einer brillant dargelegten Begründung führt Rechtsanwalt Edgar Gärt­ner (Mannheim) aus, warum sei­ner Ansicht nach die Besorgnis der Befangenheit nunmehr nicht nur Richterin Zeyß, son­dern der Kammer insgesamt gegenüber ge­rechtfertigt sei. Laut Paragraph 24 StPO „findet die Ablehnung [wegen Besorgnis der Befangen­heit] statt, wenn ein Grund vor­liegt, der geeignet ist, Miss­trauen gegen die Unparteilichkeit eines Richters zu rechtfertigen“. Es kommt dabei nicht auf tatsäch­li­che Befangenheit an, sondern nur auf einen begründeten Ver­dacht.

Ist der in diesem Prozess gege­ben? Ja, meinen die Verteidiger. „Die Kammer hat nichts zur Aufklärung der Angelegenheit [mit dem Schriftstück auf dem Tisch von Richterin Zeyß, d. Red.] unternommen“, moniert etwa Strafrechtler Torsten Fuchs (Frankfurt). Zwar habe sie noch am selben Verhandlungstag achtundvierzig Minuten lang hinter verschlossener Tür bera­ten, sich aber nicht bemüht, den tatsächlichen Inhalt des Doku­ments, das dem äußeren An­schein nach ein Urteil gewe­sen sei, zu ermitteln. Es sei da­durch auch die Möglichkeit nicht mehr auszuschließen, dass die Beisit­zerin in ihrer Stellung­nahme „nicht die ganze Wahrheit ge­sagt“ habe. Sein Kollege Gärtner: „Möglicherweise waren es ja auch mehrere Schriftstücke, die sie mit in das Richterzimmer nahm.“ Über den neuen Befan­genheitsantrag muss eine andere Kammer ent­scheiden.

Sonst noch was? Es wurden zwi­schendurch weitere Telefonate abgespielt. Zur Tat, dem Mord an Jürgen Volke, ergab sich raus nichts Neues. Nur so viel: Dass zwei Menschen, die Wochen zu­vor einen kaltblütiges Verbre­chen geplant und ausgeführt ha­ben sollen, derart harmlose Ge­spräche führen, ist unwahr­scheinlich.

ANMERKUNG: Der Volkeprozess ist auf dem besten Wege, in juristischen Grabenkämpfen zu enden. Aus dem spürbaren Respekt von Richtern und Verteidigern, aus Hochachtung voreinander wurde nun Misstrauen und Verärge­rung. Nicht wenig Schuld daran hat die Kammer selbst, die mit Peter Graßmück, Kolja Fuchs und An­drea Zeyß hochka­rätig besetzt ist. Schon früh hat sie die Tendenz erkennen las­sen, an die Schuld der Ange­klagten zu glauben, oder besser: fest glauben zu wollen. Eine Haltung, die sich auch nicht än­derte, als die „Be­weise“ der Staatsanwaltschaft zunehmend abdrifteten ins Reich der Mutma­ßungen und skurrilen Interpreta­tionen.

Nun ist ein Gericht frei in der Beweiswürdigung. Die Graßmück-Kammer gilt diesbe­züglich, auch wegen der Lebens­erfahrung und Klugheit ihres Vorsitzenden, als bewährt in großen Strafverfahren. Umso mehr verwundert ihre laxe Hand­habung der „Angelegenheit Zeyß“. Wie einfach wäre es ge­wesen, den Verdacht, die Beisit­zerin habe sich während der Be­weisaufnahme einer anderen Ar­beit zugewandt, unverzüglich zu überprüfen. Es wurde versäumt. Da bleiben Fragen. Da wächst der Verdacht, es sei womöglich etwas vertuscht worden. Da wird auch das Ansehen einer Juristin beschädigt, die als untadelige, profunde Straf- und Zivilrecht­lerin einen Ruf genießt. Ob das Verfahren unter diesen Umstän­den noch zu retten ist?

http://graber-justice.de/content/noch-mehr-befangenheit


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 02. März 2018, 23:05:57 
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Der König und sein Mord

Gespeichert von GRABER am 10. Februar 2018 - 19:24

Von Dieter A. Graber

HANAU. Zu den außergewöhn­lichen Vertretern des nicht im­mer seriösen Gutachtergewerbes, wie es sich in Gerichtssälen biswei­len zu präsentieren pflegt, gehört der Psychiater Dieter Marquetand aus dem südhessischen Airlen­bach. Der 72-jährige Psy­chiater zeichnet sich durch Be­harrlich­keit aus, ja nachge­rade durch Detailbesessenheit bei der Ar­beit an jedem einzel­nen Fall. Nun legte er sein Gutach­ten über die beiden Ange­klagten im Volke­mordverfahren vor.

Marquetand kommt zu dem Schluss, Lutz H. und Banu D. seien „voll schuldfähig“, wenn – man beachte den Konditional­satz! – sie die Tat denn begangen hätten: „Unterstellt, der Ange­klagte war der Schütze und es spielte sich so ab wie angeklagt ...“ Für beide gelte dann, dass sie weder unter einer Persönlich­keitsstörung litten, noch Wahn­vorstellungen oder eine seelische Abartigkeit bei ihnen vorliege. Dieses Ergebnis bildet einen selt­samen Kontrast zu dem Ein­druck, den die Aussagen der Verdeckten BKA-Ermittler (Tarnnamen: Ayse und Errol) zu suggerieren versuchten: Lutz H. ist laut Gutachten eben nicht der gefühlskalte Egoist, der auf der Jagd im Töten seine Befriedigung findet; Banu D. nicht die leicht schräge, raffi­nierte, ihm bedingungslos erge­bene Frau an seiner Seite. Zwar verfüge Lutz H., dem Marque­tand im übrigen Hilfsbe­reitschaft und Empathie attestiert, über eine „be­sonders ich-bezogene Wesens­art“, was aber nicht als anormal gelten könne. „Und dass er sich mit seiner Schwester nicht ver­steht, ist auch nichts Unge­wöhn­liches.“

Marquetands fast zweistündiger Vortrag mag als eine Art Anker dienen für diesen Prozess, in dem viel vermeintlich Belastendes aus küchenpsychologischen Versatz­stücken zusammengesetzt wurde. Kaum waren seinerzeit die tödli­chen Schüsse in der Gallienstraße verhallt, stand Lutz H. für die Ermittler schon als Täter fest. Systema­tisch zeichneten sie das Bild ei­nes verschlagenden Hochstaplers: ein falscher Arzt ohne geregeltes Einkom­men, ein schießwütiger Weidmann, so abgebrüht, dass er sogar der ihn vernehmenden Staatsanwältin zynisch seine Mithilfe bei der Aufklärung anbietet. Zudem ist er Mitglied in einer schlagenden Verbindung, der Landsmann­schaft Tyrolia, was offenbar nicht nur auf eine unedle Gesinnung, sondern auf einen Hang zu blutigem Zeit­vertreib schließen lässt. Banu D. hatten Polizeipsycho­lo­gen via Ferndiagnose „hohe Im­pulsivität und Destruktivität“ sowie „eine dependente Beziehung zu ihrem Lebenspartner“ attes­tiert. Zwei „Natural Born Killers“, wie sie Oliver Stone in seinem gleichnamigen Film von 1994 vorführt. Nichts davon mag der Gutach­ter so stehen lassen.

„Instrumentativ“ habe er an der Tat mitgewirkt, hatte Lutz H. den Verdeckten Ermittler Errol wis­sen lassen. Ein seltsames Wort. Der Duden kennt es als Terminus für ein Verb des Benutzens, das eine durch ein be­stimmtes Mittel be­wirkte Tätig­keit bezeichnet. Hämmern. Schrauben. Sägen. Kann man „instru­mentativ“ einen Mord begehen? Er habe Fluchtwege bezeichnet, vertraut er Errol an, Standorte von Kameras und so fort. Er „schwört“ aber, nicht der Schütze gewesen zu sein: „Wenn ich es gewesen wäre, hätte ich es pro­fessioneller gemacht.“ Die Kammer hat daraus die Möglich­keit einer Mittäterschaft abgelei­tet. Denkbar, aber nicht zwingend.

Der Täter, schlussfolgert der Gutachter, müsse „das Opfer von seinem Erscheinungsbild her“ gekannt haben, in der Lage ge­wesen sein, sich einen derart per­fiden Plan auszudenken und ihn „motorisch“ in die Tat umzuset­zen. Da ist nichts „Instrumenta­tives“ mehr. Es beschreibt die Arbeit eines Be­rufskillers, der mit der Perfektion des Routiniers tötet. Wel­che Rolle mag Lutz H. dabei tatsächlich gespielt haben? Er hatte die Tatwaffe in seinem Besitz, zumindest zweieinhalb Jahre später. Dies ist ein schwerwiegendes Indiz. Mehr aber nicht.

Könnte „instrumentativ“ auch bedeuten, dass die Tat von Lutz H. ausgelöst, aber gar nicht ge­wollt wurde? Marquetand schweift gern in die Welt der Philosophie und Historie ab. Diesmal zurück ins England des 12. Jahrhunderts, zu Heinrich II., der aus Ärger über den unbotmä­ßigen Bischof von Canterbury ausgerufen haben soll: „Will no one rid me of this turbulent priest!“ Vier seiner Vasallen nahmen das angeblich als Auf­forderung und erschlugen den „aufrührerischen Priester“. Mord durch Gedankenübertra­gung also. Aber das ist nur eine Anekdote, die sich in die Ge­schichtsbücher und Welt der Dramen geschli­chen hat. Jean Anouilh hat daraus ein Stück gemacht. Es heißt: Becket oder die Ehre Gottes.

http://graber-justice.de/content/der-k% ... -sein-mord


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 13. Mai 2018, 22:34:19 
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Die Geschichte vom heiligen Zorn

Gespeichert von GRABER am 10. Mai 2018 - 13:34

Hat da so einen Verdacht: Lutz H. (zur Prozesseröffnung noch im Fokus der Kameras) bricht sein Schweigen.

Von Dieter A. Graber

HANAU. Lutz H. trägt einen schwarzen Trachtenjanker, ein hellblaues Hemd und eine rot­gestreifte Krawatte. Wie aus dem Ei gepellt, dieser Ange­klagte. Heute erzählt er aus seinem Leben. Von seiner Be­ziehung zu Banu D. erzählt er, dem Tod seiner Mutter und warum er sich mit der Schwes­ter – nein, „nicht zerstritten“, nur: – „auseinan­dergelebt“ habe.

Es geht um den Nachlassstreit. Er soll laut Staatsanwalt Ma­thias Pleuser das Mordmotiv gewe­sen sein. Das juristische Ge­plänkel, welches immerhin drei Jahre lang vor mehre­ren Gerichten gegeben wurde, spielt Lutz H. heute ein wenig herun­ter: Es habe sich doch nur um einen kleinen Betrag gedreht, 25.000 Euro oder so. Nun gut, am Anfang, kurz nach dem Tod der Mutter im Jahr 2009, sei noch von einem Millionenvermögen, resultierend aus dem Verkauf der väterlichen Maschinenfab­rik und versteckt auf einem Nummernkonto, fabuliert worden. Tatsächlich habe es mal einen Bargeldtransfer nach Ös­terreich gegeben. Das habe aber nichts mit ihm zu tun.

„War Herr Volke aus Ihrer Sicht derjenige, der den Erbschafts­streit befeuert hat?“ fragt Rich­ter Peter Graßmück. Lutz H.: „Ich hatte mit ihm seit dem Jahr 2000, als ich von der Fried­richstraße wegzog, kein Wort mehr gesprochen.“ – „Warum einigten Sie sich nicht mit Ihrer Schwester, wenn es nur um so wenig ging?“ Die Antwort – ir­gendwo ver­schwimmt sie zwi­schen Nicht­wissen und Achselzucken. War halt so!

Natürlich, mit Banu D. habe er über die Sache gesprochen. Gele­gentlich. Eher am Rande. In groben Zügen. „Sie fand es unverschämt, über­haupt For­derungen zu stellen.“ Aber sie fälschte doch für ihn ein ärztli­ches Attest, damit er im August 2013 nicht zur Ver­handlung musste. Er beteuert: „Davon wusste ich nichts.“ Handelte sie also auf eigene Initiative? Ohne Auftrag? Und wenn ja – wa­rum? Richter Graßmück nimmt ihm das nicht ab, man hört es aus seinen Fragen. Es hätte Lutz H. an jenem Tag womög­lich eine Niederlage erwartet vorm OLG.

Gleich eingangs sagt er: „Ich glaube nicht, dass sie die Tat begangen hat. Das erscheint mir absurd.“ Was dann folgt, ist aber eine Form subtilen Belastungs­eifers, der als ungläubiges Staunen getarnt daher kommt. Da gäbe es „Merkwürdigkei­ten“, die ihm erst später, also eigentlich beim Studium der Akten, aufgefallen seien. So sei sie am Tatabend (zum angebli­chen Treffen mit einer Freun­din, tatsächlich aber mit Cengiz G.) in Jeans und Pulli losgezo­gen, morgens jedoch im kurzen Schwarzen zurückgekehrt. Er weiß noch Details, die Farbe der Nieten­hosen etwa, ein verwaschenes dunkles Blau – obgleich er dem doch damals keine Beachtung geschenkt ha­ben will.

Manchmal beginnt er Sätze mit: „Ich sage es ungern, aber …“ Dann erwähnt Prahlereien mit ihren „Par­tys“, was immer sie damit ge­meint haben mag, oder ihr be­sonde­res Interesse an Morden in TV-Krimis … Er sagt auch: „Sie stei­gerte sich in einen heiligen Zorn auf Jürgen Volke hinein.“ So einer müsse „bluten“. In einem Fotoalbum habe sie mal ein Bild von ihm gesehen und es „stark fokus­siert“. An dieser Stelle schwingt da irgendwie Komik mit.

Nach der Ankündi­gung von Banu D., sich am 16. März zur Sa­che zu äußern, fühle er sich nicht mehr an sein Schweige­versprechen gebunden, sagt er. Gerade so, als sei eine Last von ihm genommen. Möglich aber auch, dass sich Lutz H. um Kopf und Kragen redet. Zu durchsichtig ist vieles. Seine An­gaben geben Angriffs­punkte – der Kammer, dem Staatsan­walt, der Nebenklage, die jetzt endlich mal zeigen könnte, was sie drauf hat.

Am 30. Juli 2013, also gut fünf Wochen vor den Todesschüs­sen, war Banu D. ausweislich der Geodaten ihres Mobiltele­fons in Hanau. Sie hielt sich damals vermutlich auch in der Friedrich- und der Gallienstraße auf. Lutz H. sagt, er habe davon erst hin­terher erfahren. Tage später. Oder Wochen. Aber per WhatsApp hatte sie ihn nach­mittags in­formiert: Es hat län­ger gedau­ert. Komme später. Nun sagt er, sie habe sich auf seinen Wunsch hin um das Grab seiner Großeltern auf dem Haupt­friedhof ge­kümmert. Graßmück: „Wie konnte sie das finden, auf dem riesigen Ge­lände?“ – „Ich hatte es ihr ge­nau beschrie­ben.“ Und zwar hin­term ers­ten Gießkannenhal­ter rechts.

http://graber-justice.de/content/die-ge ... ligen-zorn


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseartikel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 19. Juli 2018, 09:54:02 
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Hanau

Lebenslange Haftstrafen gefordert

Im September 2013 wurde Jürgen V. mit Schüssen durch die eigene Haustür getötet. Jetzt steht der mutmaßliche Mörder vor Gericht.

Vor 11 Stunden

FR Frankfurter Rundschau Kommentatorenfotos 2017 Von Gregor Haschnik

Ein „Fels in der Brandung“ sei Jürgen V. für seine Familie gewesen, fürsorglich, beschützend. Seine Ehefrau und seine Tochter haben Tränen in den Augen, als ihre Rechtsanwältin Angela Gräf-Bösch dies im Plädoyer der Nebenklage vor dem Landgericht Hanau sagt.

Der 2013 begangene Mord an dem 53-Jährigen sei eine einschneidende Zäsur für Ulrike V. und die vier Kinder gewesen. Detailliert schildert Gräf-Bösch die gravierenden Folgen: die Trauer, die Ängste im eigenen Haus, die finanziellen Schwierigkeiten. Ulrike V. musste ihre Arbeit als Tagesmutter aufgeben, und weil das Gehalt des Vaters weggefallen ist, verzichten die Kinder auf Hobbys und arbeiten, statt zu studieren.

Bei ihrem Antrag schließt Gräf-Bösch sich, wie die anderen Nebenklagevertreterinnen, Staatsanwalt Mathias Pleuser an: Sie fordern lebenslange Haft für die Angeklagten Banu D. und Lutz H., Ulrike V.s Bruder, wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen. D. und H. sowie ihre Verteidiger weisen die Vorwürfe zurück und sehen viele Fehler bei den Ermittlungen.

Am 7. September 2013 ging Jürgen V. gegen 23.30 Uhr an die Tür seines Hauses in der Hanauer Innenstadt, weil es klingelte. Als seine Umrisse durch die Glastür zu sehen waren, schoss jemand vier Mal auf ihn und flüchtete unerkannt. Zwei Schüsse trafen seinen Bauch, er verblutete im Flur.

Nachdem eineinhalb Jahre verhandelt wurde, sind Pleuser und die Nebenklage von der Schuld H.s und dessen ehemaliger Lebensgefährtin überzeugt. Der Staatsanwalt spricht von einem „Indiziennetz“ und sagt wie Gräf-Bösch, es gebe keine Zweifel. Lutz H. habe die Waffe zur Verfügung gestellt und die Tat geplant, Banu D. sie ausgeführt. In ihren Plädoyers nannten Pleuser und die Anwältinnen der Nebenklage eine Fülle von Indizien: Da wäre etwa die Tatwaffe, die H. dem verdeckten Ermittler Erol verkaufte.

In den aufgezeichneten Gesprächen mit Erol habe H. faktisch ein Geständnis abgelegt – als er über die Tat gesagt habe, er sei „instrumentativ beteiligt“ gewesen und habe erklärt, „wie er es zu tun hat, was er zu machen hat, welche Richtung er zu gehen hat, wo die Kameras sind und wo keine sind“. H. habe Jürgen V. ermordet, um sich für dessen Engagement in einem Erbstreit zwischen H. und Ulrike V. zu rächen.

Ein Gerichtstermin in der Sache stand bevor. Dabei drohte H. nicht nur Zehntausende von Euro und damit womöglich sein Haus in Österreich zu verlieren, sondern auch seinen Ruf, weil Lügen aufgeflogen wären. Nach den Worten von Pleuser ist H. ein Hochstapler, der unter anderem ein Abiturzeugnis fälschte. Gegenüber Erol soll H. seinen Schwager 2015 als „Arschloch“ bezeichnet und hinzugefügt haben, er habe vergessen, den Todestag von V. zu feiern.

Banu D. fürchtete nach Auffassung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage um die Existenz, die sie sich mit H. aufgebaut hatte. Deshalb habe sie sich von einem Verehrer in die Nähe des Tatortes fahren lassen, um Jürgen V. zu töten. Handydaten belegen, dass D. einige Wochen zuvor schon dort war - um auszukundschaften, so Gräf-Bösch. Nach der Tat hat sie laut Pleuser mit ihrem Fahrer Mainz angesteuert, um auszugehen. Unterwegs hielten sie demnach an einem Standstreifen, wo D. ihre sportliche Kleidung aus- und Abendgarderobe anzog. Dabei gerieten sie in eine Polizeikontrolle. Im März 2016 soll D. dem verdeckten Ermittler anvertraut haben: Hätte die Polizei richtig nachgesehen, wäre die „ganze Geschichte aufgepoppt“ und sie wäre „nur noch unter Frauen“. Auch das wertet die Staatsanwaltschaft als Geständnis.

Der Prozess wird fortgesetzt; die Verteidiger halten ihre Plädoyers im August.

http://www.fr.de/rhein-main/kriminalita ... -a-1547105


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