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#1 LG Aachen - Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 03.09.2019 10:27

Vor dem Landgericht Aachen hat am 13.08 der Prozess gegen einen 38 jährigen Mann begonnen dem vorgeworfen wird seinen 6 Monate alten Sohn erschlagen zu haben

#2 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 03.09.2019 11:18

3 Hauptverhandlungstag 28.08.2019

Da der Bericht vom 1 Verhandlungstag leider dem Systemupdate zum Opfer gefallen ist, fasse ich nocheinmal kurz den Sachstand zusammen

Dem Angeklagten wird vorgeworfen Anfang März diesen Jahres seinen 6 Monate alten Sohn, der ein absolutes Wunschkind gewesen sein soll, durch unbekannte Gewaltanwendung gegen den Schädel getötet zu haben. Der Angeklagte war in dieser Nacht erstmalig mit dem Kind alleine, weil die Mutter sich im Krankenhaus zu einer Gewebeentnahme befand. Das Kind war bis Nachmittags bei den Großeltern mütterlicherseits gewesen, dort gegen 16 Uhr vom Angeklagten abgeholt worden, woraufhin Vater und Sohn die Mutter im Krankenhaus besucht hätten. Bei dem Besuch wurde der kleine immer quengeliger weil er auch Fieber hatte und gezahnt hat. Deshalb haben Vater und Sohn das Krankenhaus gegen 19:15 verlassen.

In der Folgezeit gibt es regen Whatsapp Kontakt zwischen Vater und Mutter. Um 22:06 schickt der Vater ein Video des Kleinen, der zu diesem Zeitpunkt wohl Fieber gehabt haben soll, sich erbrochen und erheblichen Durchfall gehabt haben soll. Um 01.06 schickt der Vater der Mutter dann erneut ein Video auf dem ein völlig verändertes Kind zu sehen ist. Die Atmung ist komplett auffällig die Rechtsmediziner sprechen von einem Lebensbedrohlichen Zustand der auf jeden Fall behandlungsbedürftig gewesen sei. Auf seine Frage an die Mutter was er tun soll bekommt der Vater aber keine Antwort

Gegen kurz vor 10 fährt der Vater mit dem Kind Richtung Krankenhaus weil der kleine kaum noch Atme, die Mutter weißt ihn jedoch via Telefon an nach Hause zu fahren und den Notruf zu wählen was der Vater auch tut, allerdings kommt für den kleinen Ben jede Hilfe zu spät. Die eintreffenden Notärzte können bereits um 10:17 keine Lebenszeichen mehr feststellen und brechen die Reanimation nach 43 Minuten ab

Nun zum heutigen Hauptverhandlungstag

Zur Überrasschung aller hat das Gericht zur Vernehmung der Kinderärztin noch einmal die beiden Sachverständigen vorgeladen. Dies überrascht deshalb, weil das Gericht noch am vergangenen Hauptverhandlungstag einen Antrag von Verteidiger Thomas Ohm, der an dem entsprechenden Tag Rechtsanwalt Krechel vertreten hat, eine Entlassung der Sachverständigen bis nach der Vernehmung der behandelnden Kinderärztin zurückzustellen, abgelehnt hat.

Neu ist nunmehr auch dass der Angeklagte auch von Rechtsanwalt Yanik Börter, einem hervorragenden Juristen, verteidigt wird, der erst 1 Woche zuvor seine Zulassung als Rechtsanwalt bekommen hat, und seitdem festes Mitglied der Kanzlei Krechel Ohm in Bonn ist


Die Befragung der Kinderärztin bringt zunächst 2 interessante Aspekte zum Vorschein

1) Die Ärztin bestreitet, dass die Mutter noch im Februar 2019 mit dem kleinen Ben in ihrer Sprechstunde gewesen sein soll. Dies hatte die Mutter am 1 Hauptverhandlungstermin berichtet. Laut der Zeugin aber habe es den letzten Kontakt aber schon im Oktober vergangenen Jahres gegeben
2) Eine von sämtlichen Gutachtern der Verteidigung Deformierung des Schädels die laut Aussage der Gutachter der Verteidigung von Geburt an vorgelegen haben muss, und nicht ausschliesbar ursächlich für den Tot des Kindes gewesen sein könnte, bestreitet die Gutachterin komplett, genau wie die Rechtsmedizinerin, Während die Päbstin der Kinderneurochirugie Martina Messing Jünger von einer Ping Pong Fraktur spricht, redet die Zeugin nur von einer optischen Defamierung


Die Zeugin wird entlassen und es sollen die als Gutachter geladenen Rechtsmedizinerin und der Sachverständige aus einer Kinderklinik ergänzend vernommen werden.
Inzwischen hat sich aber rausgestellt, dass von Vater nicht nur wie bislang angenommen 1 Notruf abgesetzt wurde ( der auch bereits vor Gericht abgespielt wurde )
sondern die weiteren, im Auftrage der Kammer durchgeführten Ermittlungen, haben vielmehr feststellen lassen, dass der Vater 3 Minuten nach dem ersten Notruf noch einen zweiten abgesetzt hat.

Beide Notrufe werden vor Gericht noch einmal abgespielt

auf dem Ersten um 10:04 schildert der Vater seelenruhig dass sein Kind kaum noch Atme und bekommt Anweisungen vom Disponenten der Leitstelle .


Der 2 Notruf um 10:10 ist wesentlich dramatischer

Der Vater ist völlig aufgelöst, weil die Atmung seines Kindes nunmehr komplett ausgesetzt hat. Der Disponent der Leitstelle leitet eine Laienreanimation an, während der Vater sein Kind regelrecht anfleht zu atmen

Zitat
Komm kleiner Mann nicht schlapp machen



Der Notruf endet mit dem eintreffen der Tante des kleinen Ben, die parallel mit den Rettungskräften eintrifft.


Die Verteidigung hat dann die Gelegenheit die Sachverständigen ergänzend zu befragen, was jedoch keine wesentlich neuen Erkenntnisse bringt, außer die Erkenntniss dass Rechtsanwalt Fritz Kampmann aus , der dem Angeklagten als Pflichtverteidiger beigeordnet wurde, ein mieser Drecksack ist. Während die richtigen Verteidiger Rechtsanwalt Krechel und Rechtsanwalt Börter mit den Gutachtern sämtliche denkbaren Varianten durchgehen ( was die Aufgabe der Verteidigung ist ) schüttelt Kampmann immer wieder den Kopf, flüstert den Pressevertretern hinten immer wieder ein Schwachsinn zu und ist sichtlich mit der Befragung seiner Kollegen unzufrieden. Wann immer die Gutachter etwas sagen, was den Angeklagten vermeindlich belastet, kann sich Kampmann offensichtlich nur schwer zurückhalten in Freudentänze auszubrechen. Offenbar ist die Enttäuschung dass er mehr oder weniger von Rechtsanwalt Krechel ausgebotet worden ist derart tiefsitzend, dass er sich nicht nur damit abfindet fürs nichtstun ( er hat in diesem Verfahren bis auf seinen Entpflichtungsantrag nach Verlesung der Anklage noch kein Wort gesagt ) Kohle zu kassieren, nein er muss den Angeklagten auch noch max. gegenüber der Kammer bloßstellen.


Es bleibt allerdings dabei, dass die Gutachter nicht genau festsstellen können wann dem kleinen Ben die letztendlich tödlichen Verletzungen beigebracht worden sind. Eine Beibringung am Nachmittag als der Kleine noch bei Tante und Großeltern war ( davon geht der Gutachter der Verteidigung Prof Dr med Gernot Kernbach Wrighten aus Bonn aus ) können sie nicht ausschließen halten sie jedoch für unwahrscheinlich

Auch eine Verletzungsbeibringung bei der Krankengymnastik 3 Tage vor der Tat ( die Mutter hatte im Zeugenstand berichtet dass dort erstmals neue Grifftechniken am Kopf des Jungen angewandt worden seien, und der kleine danach völlig wesensverändert gewesen sein soll ) , die dann aufgrund irgendeines anderen Ereignisses 3 Tage später ausbricht halten Sie für unwahrscheinlich

Nach eigenen Angaben hat die Rechtsmedizinerin aus Köln Dr Banascheck nur etwa 3-4 Kinder mit Kopfverletzungen in den vergangenen 10 Jahren untersucht. Wenn man bedenkt dass Martina Messing Jünger täglich Kinder mit Kopferverletzungen sieht, wundert es warum das Gericht sich hier mit einer Laiendarstellerin abgibt anstatt das Original zu hören


Zum Abschluss der Beweisaufnahme wird noch die Exfrau des Angeklagten gehört, Sie schildert ihn als ruhigen Menschen der sich immer vorbildlich um seine Kinder gekümmert habe.

Das Gericht gab sodann noch den rechtlichen Hinweis dass anstelle einer Verurteilung wegen Totschlags auch eine solche wegen Körpverletzung mit Todesfolge in Betracht komme. Das liegenlassen des Kindes über 9 Stunden ( die Kammer geht wohl von einer Tat zwischen 22:06 und 01:06 aus ) seie jedoch als versuchter Mord durch unterlassen zu werten

Rechtsanwalt Krechel meldet weiteren Beratungsbedarf mit seinem Mandanten an, den er eigentlich am Dienstag durchführen wollte, da aber dort der Angeklagte vom Tot des Vaters erfahren habe, hielt Krechel diesen Zeitpunkt für nicht passend

Da beide Wahlverteidiger ( Rechtsanwalt Krechel und Rechtsanwalt Börter ) ihr kommen an den beiden weiteren Hauptverhandlungstagen zusichern, wird dem Entpflichtungsantrag von RA Kampmann vom 1 Hauptverhandlungstag entsprochen. Er darf sich endlich aus dem Verfahren verabschieden

Es geht also am 30.08 mit den Plädoyers weiter, die Beweisaufnahme ist bereits geschlossen

#3 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 03.09.2019 11:46

4 Hauptverhandlungstag 30.08.2019

Vor Beginn der Plädoyers beantragte Rechtsanwalt Krechel nocheinmal in die Beweisaufnahme einzusteigen was jedoch vom Gericht abgelehnt wurde

Der Staatsanwalt begann sodann sein Plädoyer. Für ihn gibt es nach der Durchführung der Beweisaufnahme keinen Zweifel dass der Angeklagte seinen Sohn Ben W. getötet habe. Als Motiv nimmt der Staatsanwalt Überforderung an, weil der kleine gezahnt auf den Teppich gestuhlt, sich erbrochen und ununterbrochen geschrien habe. Der Angeklagte, so der Staatsanwalt, habe ein vorbildlicher Vater sein wollen, und aus Wut dass er das nicht geschafft habe habe er seinen Sohn getötet. Am Tötungsvorsatz könne es , so der Staatsanwalt, keinen Zweifel geben, der Angeklagte habe den Tot des Kindes zumindest billigend in Kauf genommen. Damit komme nur eine Verurteilung wegen Totschlags mit einem Strafrahmen von 5-15 Jahren in Betracht. Einige Zeit lang diskutiert der Staatsanwalt auch einen besonders schweren Fall des Totschlags mit dem Ergebnis, dass ( wie bei Mord) zwingend eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen sei. In diesem Moment kann man die Schockstarre im Zuschauerraum ( wo wie an jedem Tag die Familie des Angeklagten und der Kindsmutter die alle nach wie vor von der unschuld des Angeklagten überzeugt sind ) förmlich greifen. Zwar gäbe es einige gravierende Strafschärfungsgründe, so der Staatsanwalt allerdings sei letztendlich doch nur von einem " normalen " Totschlag" auszugehen. Der Ankläger fordert deshalb den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren zu verurteilen und die Haftfortdauer anzuordnen


Bevor Rechtsanwalt Krechel sodann mit seinem Plädoyer beginnt beantragt er zu Protokoll festzustellen, dass er am heutigen Vormittag beantragt habe, die BEweisaufnahme erneut zu eröffnen, um weitere Anträge zu stellen

Die Vorsitzende diktiert aber nur ins Protokoll dass Rechtsanwalt Krechel ums Wort gebeten habe, Es kommt dann zu einem kurzen heftigen Disskurs zwischen Krechel und der Vorsitzenden

Zitat
Krechel: Natürlich nicht um zu Weihnachten zu gratulieren, sondern um weitere Anträge zur Beweisaufnahme zu stellen
Sandner. Ich habe es so protokolliert wie ich es protokolliert habe
Krechel Sie sind also nicht bereit aufzunehmen dass ich den Widereintritt in die Beweisaufnahme gefordert habe um weitere Anträge zu stellen?
Sandner:Ich habe es so protokolliert wie ich es protokolliert habe




Erläuterung: Zwar können Beweisanträge natürlich noch im Plädoyer gestellt werden. Diese müssen jedoch, im Gegensatz zu in der Hauptverhandlung gestellten ANträgen, erst mit Urteil beschieden werden, was dazu führt dass man auf das Ergebniss der Kammer im Zweifel überhaupt keinen Einfluss mehr hat


Krechel stellt dann weitere Beweisanträge. Zum einen soll ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten einzuholen. Zum anderen beantragt er de Sachverständige Martina Messing Jünger zu vernehmen

In seinem Plädoyer wendet er sich hauptsächlich an die Schöffinnen ( dass er zumindest bei einer damit keinen Erfolg haben wird, zeigt bereits, dass diese während des gesammten Plädoyers ein Dauernickerchen hält ) . Er erklärt ihnen was im juristischen Sinne Überzeugungsbildung heißt, und wann man jemanden verurteilen kann und wann nicht. Auch kommt er auf den wesentlichen Kern dieses Verfahrens zu sprechen

Zitat
Was müsste das eigentlich für ein Schweinehund sein, der zuerst sein Kind gegen de Wand wirft und anschliesend der Mutter noch Videos schickt um zu fragen wie man dem Kind helfen kann.



Krechel betont dass keinerlei Spuren gefunden worden seien, die auf eine Tatbegehung innerhalb der Wohnung hindeuten würden. Er betont nochmals dass FRau Wangerschack von der Rechtsmedizin keine geeignete Gutachterin seie. So habe sie in ihrer Vernehmung davon berichtet etwa 3-4 Kinder in den letzten 10 Jahren in der Rechtsmedizin untersucht zu haben. Die Sachverständige Messing Jünger aber schreibe selbst in ihrem Gutachten

Zitat
Gemeinsam mit meinem Team sehe ich täglich Kinder mit Schädelverletzungen




Krechel fordert für den Angeklagten einen Freispruch


Der Angeklagte nutz sein letztes Wort nocheinmal um seine juristische Unschuld zu beteuern und sich Vorwürfe zu machen dass er nicht früher den Krankenwagen geholt hab.

Die Vorsitzende setzt die Urteilsverkündung auf den 10.09 08:30 .

#4 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 03.09.2019 14:24

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@erroriuis

Nach meinem Rechtsverständnis hätte man der erneuten Beweisaufnahme stattgeben müssen, wenn man einen fairen Prozess ohne Vorverurteilung führen möchte, gewollt hätte. Eine wirklich gründliche Untersuchung hat mMn (nach deinen Ausführungen) nicht stattgefunden und man ist weder daran interessiert, noch räumt man die Möglichkeit ein, zumal die Anwälte gewechselt haben.

Es wird einem Angst und Bange wenn man liest, dass in Gerichtsprotokollen nur aufgenommen wird was "passend/zweckdienlich" ist. Nach deinen Ausführungen ist mit einem Urteil im Namen der Richter und nicht des Volkes zu rechnen. Der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" ist in diesem Falle wohl auch ausgebelt?

Ehem. Pflichtverteidiger: Auch hier lernt man das Fürchten. Unverantwortlich.

#5 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 03.09.2019 15:32

@ Tumbleweed

Bitte versteh mich nicht falsch dass ist KEIN persönlicher Angriff gegen dich, aber ich finde dass man es so formulieren muss . Mit dem guten alten "indubio pro reo " kannst du dir in Deutschland maximal den Hintern abputzen.

Zitat
Tumbleweed
Zitat von Tumbleweed im Beitrag #4


Es wird einem Angst und Bange wenn man liest, dass in Gerichtsprotokollen nur aufgenommen wird was "passend/zweckdienlich" ist. Nach deinen Ausführungen ist mit einem Urteil im Namen der Richter und nicht des Volkes zu rechnen.

.



Wenn man Sie lässt ( da ist allerdings auch noch was im Köcher zu mehr möchte ich mich aktuell nicht äußern) wird das Gericht am nächsten Dienstag eine Verurteilung des Angeklagten verkünden und ich habe so meine Zweifel dass es bei den von der Anklage geforderten 12 Jahren bleibt. Die Vorsitzende, die nur deshalb Vorsitzende ist weil der eigentliche Vorsitzende in Urlaub ist ( nicht dass der besser wäre ) war diesem Verfahren absolut nicht gewachsen das hat man mit jeder Sekunde Prozessführung gemerkt. Auch welche persönliche Fehde sie gegen die richtigen Verteidiger hatte weiß ich auch nicht. Bleibt nur zu hoffen dass seine Familie und insbesondere die Kindsmutter weiter zu ihm halten werden.

#6 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 03.09.2019 15:42

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Zitat von erroriuris im Beitrag #5
@ Tumbleweed

Bitte versteh mich nicht falsch dass ist KEIN persönlicher Angriff gegen dich, aber ich finde dass man es so formulieren muss . Mit dem guten alten "indubio pro reo " kannst du dir in Deutschland maximal den Hintern abputzen.

Bleibt nur zu hoffen dass seine Familie und insbesondere die Kindsmutter weiter zu ihm halten werden.


@erroriuris

So direkt wollte ich das nicht sagen.

Es darf ja wohl nicht sein, dass irgendwelche Privatfehden auf dem Rücken des Angeklagten ausgetragen werden und leichtfällig ein Urteil gefällt wird. Die Angehörigen werden sich nicht beeinflussen lassen, davon gehe ich einfach mal aus.

#7 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 03.09.2019 16:29

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Zitat von erroriuris im Beitrag #5
@ Tumbleweed

Wenn man Sie lässt ( da ist allerdings auch noch was im Köcher zu mehr möchte ich mich aktuell nicht äußern)


Das ist interessant.

#8 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 04.09.2019 15:59

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Presseartikel zu diesem Fall
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Der „liebevollste Vater“ vor Gericht
Baby starb an Schädelbruch Baby 13. August 2019 um 18:53 Uhr



43 Minuten jedenfalls kämpften die Rettungskräfte an jenem Tag im März in Alsdorf-Mariadorf um das Leben des Säuglings – vergeblich, wie der Notarzt am Dienstag vor dem Landgericht Aachen aussagte.Der verzweifelt wirkende Vater, die Geschwister der Kindsmutter und deren Eltern – „in der ganzen Wohnung war tiefe Trauer“, schilderte ein Polizist die damalige Situation beim Prozessauftakt.

Angeklagt ist der 37-jährige Vater. Er wird beschuldigt, sein Kind getötet zu haben, als die Kindsmutter wegen eines Eingriffs im Krankenhaus war: entweder mit massiven Schlägen gegen den Schädel des Kindes – oder er habe den Säugling gegen die Wand oder einen Gegenstand geschlagen, heißt es in der Anklage. Der Säugling starb demnach an den Folgen eines Schädelbruchs. Der Vater steht wegen Totschlags vor Gericht. Er habe den Tod des Jungen billigend in Kauf genommen, lautet die Anklage.

Der Angeklagte bestreitet die Tat. Sein Bonner Anwalt Uwe Krechel, bekannt aus einer RTL-Gerichtsshow, verlas eine entsprechende Mitteilung. Er verwies auf ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten. Demnach hätte das Kind schon mehrere Stunden zuvor verletzt worden sein können und die tödlichen Folgen erst mit Zeitverzögerung eingetreten sein. Der Angeklagte selbst betonte, er könne sich nicht erklären, wie es zu dem Schädelbruch gekommen sei. Der Schlosser und Maschinenführer schilderte, wie er bereits zwei Söhne aus erster Ehe groß gezogen habe. Noch heute – nach der Trennung – gebe es einen guten Zusammenhalt.

Die 29-jährige Mutter des Jungen hatte für ihren Lebensgefährten nur gute Worte. Zur Kammer gerichtet zeigte sie auf den Angeklagten und sagte unter Tränen: „Das ist der liebevollste Vater, den ich kenne. Der macht das nicht.“ Dem Mann auf der Anklagebank war in dem Moment anzusehen, wie schwer für ihn der Schmerz seiner Freundin zu ertragen war. Das Paar hatte sich 2016 kennengelernt. Er war für sie 2017 von Neuwied nach Alsdorf gezogen. Die junge Frau schilderte vor Gericht, dass sie zwei Mal schwanger geworden sei, zwei Mal habe sie ihr Kind verloren. Dann kam Ben zur Welt, „ein Wunschkind“.

Ein zum Teil deformierter Kopf

Der Junge habe allerdings einen zum Teil deformierten Kopf und eine Schiefhaltung. Um das zu behandeln, seien sie zur Physiotherapie gegangen – auch am Dienstag in der Todeswoche. Die Therapeutin habe bei dieser Behandlung stark den Halsbereich des Kindes gedehnt, berichtete die Mutter. „Seit da an hat Ben nicht mehr gelacht“, sagte die 29-Jährige.

Als sie am Freitag in die Klinik musste, brachten die beiden den Jungen erst einmal zur Schwiegermutter. Dort leben auch noch die Schwestern und der Bruder der 29-Jährigen. Die 22-jährige Schwester schilderte vor Gericht, dass Ben schon zu diesem Zeitpunkt sehr unruhig gewesen sei.

Der Vater blieb bis zur Narkose bei seiner Freundin in der Klinik. Dann habe er Einkäufe erledigt, die Wohnung aufgeräumt und das Kind abgeholt. Ben sei es nicht so gut gegangen. Am Nachmittag fuhren Vater und Sohn zur Mutter ins Krankenhaus. Dann war der Vater die erste Nacht allein mit dem Kind.
Fieberschübe und Brechdurchfall

Das Kind war unruhig, litt unter Fieberschüben und Brechdurchfall, wie der Angeklagte vor Gericht angab. Erstaunen klingt aus der Stimme des Mannes, als er in einer vorgespielten Sprachnachricht an die Freundin über die Mengen von Erbrochenem und Darminhalt spricht. Er habe den Sohn sauber gemacht, eingepackt, aber jetzt suche er das Fieberthermometer, sagte der 37-Jährige in der Nachricht. Nach Mitternacht schickte er ihr nach eigenen Angaben ein Video, wegen der Schnappatmung des Jungen: Im Gerichtssaal ist die unterbrochene Atmung des Säuglings zu hören. Der Junge sei dann aber eingeschlafen, schilderte der Vater.

Am Samstag habe er auf der Fahrt in die Klinik mit der Mutter telefoniert, als es dem Kleinen immer schlechter ging. Das Baby habe plötzlich begonnen, schwer zu atmen; noch schwerer, als am Tag zuvor. Sie habe ihn unverzüglich über das Handy angewiesen, sofort umzudrehen, nach Hause zu fahren und den Notarzt zu alarmieren.

Der Vater tat, wie ihm geheißen. Keine acht Minuten später sei der Notarzt eingetroffen, hieß es übereinstimmend, doch er konnte Ben nicht mehr helfen. Die Mutter erhielt die Todesnachricht noch im Krankenhaus, machte sich auf den Weg zu ihrem Sohn. In einer bewegenden Aussage schilderte sie tränenüberströmt: „Da waren so viele Leute, ich durfte Ben noch nicht einmal auf dem Arm halten, das durfte ich nicht“, schluchzte sie.

Der Prozess wird am morgigen Donnerstag ab 9 Uhr im Saal A.009 des Aachener Landgerichts fortgesetzt.

https://www.aachener-nachrichten.de/nrw-...ht_aid-45036571

#9 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 04.09.2019 16:02

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Weitere Berichte:

13.08.2019 Süddeutsche
https://www.sueddeutsche.de/panorama/pro...90813-99-446725

13.08.2019 WDR Video zum Prozessauftakt
https://www1.wdr.de/mediathek/video/send...-haben-100.html

#10 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.09.2019 11:46

Nach Angaben der Verteidigung hat das Landgericht am heutigen Tage neue Hauptverhandlungstermine bestimmt. Offenbar hat entweder das Plädoyer der Verteidigung oder die nach dem letzten Hauptverhandlungstag neu gestellten Beweisanträge ein Umdenken bei der Kammer bewirkt. Leider liege ich im Moment aus gesundheitlichen Gründen flach sodass ich am heutigen Tage nicht an der Hauptverhandlung teilnehmen konnte Sobald mir die neuen Termine vorliegen werde ich diese hier mitteilen

#11 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 10.09.2019 12:35

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Danke für die Info. Das wäre ja wirklich ein Erfolg!

Dir gute Besserung @erroriuris

#12 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.09.2019 12:42

Zitat von Tumbleweed im Beitrag #11
Danke für die Info. Das wäre ja wirklich ein Erfolg!

Dir gute Besserung @erroriuris


Danke @Thumbleweed . Es geht am 26.09 um 13:00 Uhr weiter, Bis dahin bin ich auch auf jeden Fall wieder fit . Man darf gespannt sein was kommt b

#13 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 10.09.2019 12:50

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Kuriere dich erst mal aus.

Bin schon sehr gespannt auf deine Ausführungen.

Wie gerade zu lesen ist, soll ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden?

#14 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Christine 10.09.2019 13:39

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Gute Besserung @erroriuris

Mach schön langsam. Bin auch mal sehr gespannt, wie es weitergeht.

#15 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.09.2019 15:46

Zitat von Tumbleweed im Beitrag #13
Kuriere dich erst mal aus.

Bin schon sehr gespannt auf deine Ausführungen.

Wie gerade zu lesen ist, soll ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden?




Da weißt du mehr als ich. Hatte nur heute Morgen kurz mit RA Börter bei facebook Kontakt der mir gesagt hat dass es neue Termine gibt und dass es am 26.09 um 13 Uhr weitergeht. Vielleicht sehe ich RA Krechel nächste Woche in Duisburg dann werde ich auf jeden Fall mal nachfragen wie es aussieht,

Aber wenn die das ganze nur wegen einem psychiatrischen Gutachten gemacht haben dann war meine Hoffnung heute morgen, dass es ein Umdenken bei der KAmmer gegeben hat doch wohl etwas früh. Auf der anderen Seite wird dadurch nunmehr wieder in die Beweisaufnahme eingestiegen was der Verteidigung die Möglichkeit gibt weitere Beweisanträge zu stellen, die das Gericht dann in der Hauptverhandlung bescheiden muss, sodass die Verteidigung ihre Arbeitsweise darauf einstellen kann
Auch ich bin gespannt wie es weitergeht

#16 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.09.2019 15:46

Zitat von Christine im Beitrag #14
Gute Besserung @erroriuris

Mach schön langsam. Bin auch mal sehr gespannt, wie es weitergeht.



Ich gebe mir Mühe und danke dir

#17 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.09.2019 16:03

Okay habe gerade noch erfahren dass die Gutachterin Dr Banaschack endlich von der Verteidigung wegen der Besorgnis der Befangenheit abgelehnt wurde. Nun muss die Kammer über den Antrag entscheiden. Jedenfalls zieht auch ein neues Gutachten dass die Verteidigung bei dem renomierten Münsteraner Gerichtsmediziner Professor Dr Bernd Brinkmann in Auftrag gegeben hat das Gutachten in den Dreck.

Ich habe echt selten einen so spannenden Prozess erlebt

#18 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 10.09.2019 16:36

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von: BIRGIT BEGASS veröffentlicht am
10.09.2019 - 11:56 Uhr

Aachen – Das eigentlich für Dienstagmorgen geplante Urteil gegen Familienvater Stefan P. (37) aus Alsdorf ist ausgesetzt worden.

https://www.bild.de/regional/koeln/koeln...38666.bild.html

#19 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 10.09.2019 16:39

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Zitat von erroriuris im Beitrag #15
Zitat von Tumbleweed im Beitrag #13
Kuriere dich erst mal aus.

Bin schon sehr gespannt auf deine Ausführungen.

Wie gerade zu lesen ist, soll ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden?



Da weißt du mehr als ich. Hatte nur heute Morgen kurz mit RA Börter bei facebook Kontakt der mir gesagt hat dass es neue Termine gibt und dass es am 26.09 um 13 Uhr weitergeht. Vielleicht sehe ich RA Krechel nächste Woche in Duisburg dann werde ich auf jeden Fall mal nachfragen wie es aussieht


Nur das, was man einem bekannten Blatt entnehmen kann. https://www.bild.de/regional/koeln/koeln...38666.bild.html

#20 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 10.09.2019 17:00

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Prozess in Aachen um Kindstötung wird fortgesetzt

10. September 2019

Säugling totgeschlagen?
Vater wird psychiatrisch untersucht
Weitere Prozesstage bis Mitte Oktober
Verteidigung fordert neues Gutachten der Rechtsmedizin



Vor dem Aachener Landgericht sollte am Dienstag (10.09.2019) der Prozess um den Tod eines Säuglings zu Ende gehen. Doch statt des geplanten Urteils wird nun weiterverhandelt. Auf Antrag der Verteidigung soll der angeklagte Vater psychiatrisch untersucht werden.
Fall sorgte bundesweit für Bestürzung

Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen und Bestürzung gesorgt. Ein Vater soll im März seinen sechs Monate alten Sohn in Alsdorf so massiv geschlagen oder gegen einen Gegenstand geschleudert haben, dass der kleine Ben einen Schädelbruch erlitt. Als der Vater später den Notarzt rief, war das Kind tot.

Zwölf Jahre Haft gefordert

Die Staatsanwaltschaft geht von Totschlag aus und hat vor Gericht bereits zwölf Jahre Gefängnis für den angeklagten Vater gefordert. Nur er habe dem Säugling die schwere Kopfverletzung zufügen können, denn er sei damals mit dem Jungen allein in der Wohnung gewesen.

Liebevoller Vater gewesen

Ein schwerer Tatvorwurf, der laut Verteidiger gar nicht zu seinem Mandanten passe. Viele Zeugen im Prozess beschrieben den Angeklagten als fürsorglichen, liebevollen Vater, der nie aggressiv geworden sei. Auch die Beziehung zur Mutter seines Sohnes sei harmonisch gewesen. Sie und der Angeklagte machten auf andere einen verliebten Eindruck, der kleine Ben war ein „Wunschkind“. Alkohol- oder Drogenprobleme gab es nicht, scheinbar auch keine finanziellen Sorgen.

Angeklagter psychisch krank?

Nun soll ein psychiatrisches Gutachten klären, ob der 37 Jahre alte Vater möglicherweise unter einer bislang nicht erkannten psychischen Störung leidet. Dabei geht es auch um die Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten, der die Tat vehement bestreitet. Er habe „den Kleinen“ nie geschlagen.

Neues Gutachten der Rechtsmedizin gefordert

Die Verteidigung stellte am Dienstag (10.09.2019) einen weiteren Antrag, der vom Gericht aber erst noch entschieden werden muss. Der Anwalt fordert darin ein neues rechtsmedizinisches Gutachten. Sein Mandant lehne die im Prozess gehörte Sachverständige wegen der Besorgnis der Befangenheit ab. Die Frau sei nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft.

Andere Todesursache möglich?

Ein Säugling könne sich einen Schädelbruch durchaus auch nach einem Sturz vom Wickeltisch zuziehen, zitierte der Anwalt einen Medizinprofessor. Demnach könnte es ein Unfall gewesen sein.

Der Prozess wird am 26. September 2019 fortgesetzt. Bislang hat das Landgericht weitere Prozesstage bis Mitte Oktober terminiert.

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinlan...achten-100.html

#21 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 08.10.2019 20:24

Nach Krankheit und massiven Terminkollisionen hatte ich heute endlich mal wieder Gelegenheit an der Verhandlung teilzunehmen.

Zum aktuellen Stand

Die Verteidigung hatte den Godfather der Rechtsmedizin Prof Dr Bernd Brinkmann ( der als Vorlage für Tatort Rechtsmediziner Professor Boerne gilt ) mit der Erstattung eines weiteren Gutachtens zu den von Rechtsmedizinerin Banerschak ( Kö.ln ) festgestellten Ergebnissen beauftragt. Brinkmann zerreist in seiner Expoertise das Gutachten ( seiner Schülerin ) Banerschak förmlich und kommt zu ganz anderen Schlüssen. Geht Banerschak von massiven Gewaltanwendungen gegen den Kopf des Kindes aus ist Prof Brinkamann der Auffassung dass die gezeigte Verletzungen mit einer massiven Gewaltanwendung gegen den Kopf nicht in Einklang zu bringen sind, und eher auf ein sogenanntes Low Fall Ereigniss ( Sturz aus geringer Höhe sprechen ) . Die Asymetrie des Schädels, so Brinkmann, nehme dabei eine wichtige Rolle ein. Brinkmann zitiert in seinem Gutachten ein ganze Reihe wissenschaftlicher Studien. Auch spricht sich Brinkmann für eine Exhumierung der Leiche aus, um weitere relevante Untersuchungen vornehmen zu können die bislang von der Rechtsmedizin Köln unterlassen worden sind


Auf Grundlage dessen hat die Verteidigung, am vorletzten Hauptverhandlungstag die Sachverständige Dr Banaschack wegen der Besorgnis der Befangenheit abgelehnt. Das Gericht hat den Befangenheitsantrag inzwischen durch Beschluss abgelehnt

Heute sollte dann Frau Dr Banaschak Stellung zum Gutachten des Dr Brinkmann nehmen. Leider konnte dieser aufgrund eines Termins beim OLG Hamm nicht anwesend sein, er wurde von der Verteidigung ( nicht der Kammer !!!! ) nunmehr auf den 10.10.2019 09:00 Uhr geladen.


Frau Dr Banaschak zerreist das Gutachten des Dr Brinkmann völlig attestiert ihm gar eine unwissenschaftliche Vorangehensweise bei der Erstattung des Gutachten. Alle von Brinkmann zitierten Studien ließen keine Rückschlüsse auf diesen Fall zu.


Dieses Verhalten mündet auch später in der Eingangsfrage des Verteidigers Rechtsanwalt Börter, ob alle anderen Gutachter ( die who is who ihres jeweiligen Fachgebietes sind ) die den Erkenntnissen von Frau Dr Bannaschak widersprechen Blödsinn reden würden.

Auffallend ist bei der näheren Befragung durch RA Börter kann Frau Dr Bannasckak ganz häufig Begriffe aus dem Guachten Dr Brinkmann nicht erklären, und macht einen immer unsichererern Eindruck.
Ganz krass fällt das auf, als immer wieder das Thema auf eine mögliche Exhumierung der Leiche fällt ganz so als hätte sie davor regelrecht Angst

Erst als Rechtsanwalt Börter ihr ein Stern Interview mit Brinkmann vorhält:

Zitat
ZEIT: Die Expertise von Gutachtern entscheidet viele Gerichtsverfahren. Müssten nicht gerade sie auf die Bremse steigen, sobald Zweifel auftauchen?Brinkmann: Darüber habe ich lange nachgedacht. Wenn Gegenargumente großes Gewicht haben, müsste bei denkenden Menschen die Eigenkritik auch im Verhältnis zu dem Fall eine Wende einleiten. Wenn sich Zweifel erhärten, brauchte man allerdings auch einen gewissen Mut, um zu sagen: Kommando zurück. Wenn ich Sachverständiger war und jemand wegen Mordes verurteilt wurde, hatte ich immer ein, zwei schlaflose Nächte. Einfach weil ich mich immer wieder fragte, hast du alles richtig gemacht. Wie muss es erst denen gehen, die sich über alle Zweifel hinwegsetzen?



Quelle : https://www.zeit.de/2015/45/interview-be...gerichtsmedizin

und diesen Vorhalt mit der Frage verbindet, dass ja 3 Gutachter ihr Gutachten völlig zerreisen würden, ob sie denn nicht mal darüber nachgedacht hätte dass sie denn möglicherweise falsche Schlüsse ziehen würde kann sie wieder süfissant lächeln und anmerken dass sie dazu keinen Grund hätte. Selbstherrlichkeit lässt grüßen


Die Kammer ist natürlich nicht bereit Frau Dr Bannaschack am Donnerstag, wenn Brinkmann kommt, von sich aus nochmal zu laden, sichert aber natürlich zu falls es noch weitere Fragen gäbe würde sie nochmal kommen.

Am Donnerstag wird dann also endlich mal ein Sachverständiger gehört der diesen Namen auch verdient. Ich erwarte dies mit massiver Spannung und werde berichten

#22 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Tumbleweed 08.10.2019 20:57

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Hallo erroriuris,

danke für deinen ausführlichen Bericht.

Prof. Dr. B. Brinkmann bestätitgt also die Deformierung des Schädels (Asymmetrie)?



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Nachtrag

Habe nochmal nachgelesen:

Zitat
2) Eine von sämtlichen Gutachtern der Verteidigung Deformierung des Schädels die laut Aussage der Gutachter der Verteidigung von Geburt an vorgelegen haben muss, und nicht ausschliesbar ursächlich für den Tot des Kindes gewesen sein könnte, bestreitet die Gutachterin komplett, genau wie die Rechtsmedizinerin, Während die Päbstin der Kinderneurochirugie Martina Messing Jünger von einer Ping Pong Fraktur spricht, redet die Zeugin nur von einer optischen Defamierung

#23 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 10.10.2019 15:56

8 Haiuptverhandlungstag 10.10.2019 09:00 bis 14:30

Heute war ein sowohl wichtiger wie auch entscheidender Tag im Verfahren gegen Stephan P

Die Verteidigung hatte im Selbstladeverfahren den Sachvertsändigen Dr med Bernd Brinkmann, der als lebendes Vorbild für Tatort Rechtsmediziner Boerne gilt geladen.
Zunächst stellt die Verteidigung den Beweisantrag den Sachverständigen zu hören, und die Kammer kommt dem auch nach..

Im Zeugenstand dementiert Brinkamann dann das von der Sachverständigen Dr Banerschak festgestellte Ergebniss, die bei dem Säugling Ben W festgestellte Nahtsprengung der Coronarnath könne nur durch massive Gewaltanwendung hervorgerufen worden sein. Dazu, so Brinkmann, würden wären weitere Verletzungen erforderlich gewesen, die er aber anhand des Sektionsprotokolls nicht feststellen konnte. Brinkmann geht anhand der festgestellten Verletzungen vielmehr von einem Sturz aus geringer Höhe ( sogenannter Low Fall) aus.

Interessant wird es als das um 01.03 in der vermeintlichen Tatnacht von dem Angeklagten aufgenommene Video welches ein Kind mit Schnappatmung zeigt, zur Sprache kommt. Sowohl die Sachverständige Frau Dr Banaschak als auch der als weitere Sachverständige geladene Kinderarzt hatten im Rahmen Ihrer Gutachtenerstattung davon gesprochen die auf dem Video festgestellten Symptome würden auf eine Störung des zentralen Nervensystems hindeuten, die unbedingt behandlungspflichtig gewesen sei. Die Version des Angeklagten er hätte deshalb keinen Arzt gerufen weil das Kind nach einigen Minuten wieder eine normale Atmung gehabt hätte, hielten die Sachverständigen für ausgeschlossen, da eine Verbesserung des Zustands des Kinds hier medizinisch ausgeschlossen sei. Daraufhin hatte die Kammer einen rechtlichen Hinweis erteilt, dass für das liegen ( und sterbenlassen ) des Kindes zwischen 01:03 und 10 Uhr ( dem vermuteten Todeszeitpunkt ) eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht komme, um zuvor von dem Angeklagten begangene Misshandlungen des Kindes zu vertuschen

Brinkmann kommt aber zu ganz anderen Ergebnissen. Als er das Video zum Ersten mal gesehen habe, habe er sofort an einen epileptischen Anfall denken müssen. Es seie ferner, so der Sachverständige durchaus vorstellbar, dass wenn es ein epileptischer Anfall des Kindes ( das im Übrigen durch die festgestellte Schädelasymetrie dafür besonders anfällig gewesen wäre ) gewesen wäre, quasi eine „Autoreanimation“ des Körpers stattgefunden haben könnte, die dazu geführt hätte, dass das Kind nach wenigen Minuten wieder unauffällig und ruhig geatmet hätte. Dass das Kind sich zu diesem Zeitpunkt trotzdem in einem lebensbedrohlichen Zustand befunden hätte, hätte der Angeklagte als medizinischer Laie nicht erkennen können.

Eine Besserung des Gesundheitszustandes des Kindes seie übrigens nicht nur wahrscheinlich sondern auch positiv festzustellen, denn den Zustand den die Atmung des Kindes um 01.03 hätte, ist ,mit einem Eintritt des Todes erst um 10 Uhr absolut unvereinbar, denn diesen um 01:03 festgestellten Zustand hätte das Kind nicht länger als 1 Stunde überlebt.
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Auch die von der Staatsanwaltschaft alternativ angenommenen Verletzungsmethoden des Kindes, nämlich dass das Kind einmal mit dem Kopf gegen die Wand geschleudert wurde, oder ein schwerer Gegenstand auf den Kopf des Kindes geschlagen worden wäre, hält Brinkmann mit den festgestellten Verletzungen für unvereinbar.

Der epileptische Anfall allerdings kann durchaus durch die Kopfverletungen des Kindes ausgelöst worden sein
Die Verteidigung versucht dann den Gutachter auf ein alternatives Tatgeschehen festzunageln. Die These der Verteidigung dass das Kind in einem unbeobachteten Moment in sitzender Position umgefallen und sich dabei die Schädelverletzungen zugezogen haben könnte, hält Brinkmann allerdings ebenfalls für ausgeschlossen.

Am wahrscheinlichsten hält Brinkmann ein Sturz des Kindes von einer 60-120 cm hohen Fläche beispielsweise einer Couch.


Allerdings geht auch Brinkmann davon aus, dass die im Kopf des Kindes festgestellten Blutungen nicht älter gewesen sein können als 12 h, das heißt die Schädelverletzungen müssen in einer Zeit passiert sein, in denen das Kind mit dem Vater zusammen gewesen ist, Dass er dies jedoch zwangsläufig mitbekommen haben muss hält Brinkmann für nicht sicher feststellbar.

Zum ersten Mal sieht sich die Kammer nach dem Gutachten von Brinkmann zu einem offenen Wort veranlasst. Die Widersprüche in den Gutachten der beiden Sachverständigen Brinkmann und Wanerschack liesen sich wohl nicht auflösen so die Vorsitzende, Allerdings werde die Kammer einem möglichen eppileptischen Anfall weiter nachgehen und zu dieser Frage das Gutachten eines Kinderneurologen einholen.
Ein neuer Hauptverhandlungstermin wurde nicht festgesetzt, aus Gesprächen mitd er Verteidigung nach der Sitzung weiß ich dass derzeit der 23.10 als Fortsetzungstermin angedacht aber noch nicht bestimmt ist.

Der heutige Hauptverhandlungstermin hat damit 3 neue Erkenntnisse erbacht

1) Eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Mordes dürfte damit wahrscheinlich ausscheiden, denn dass der Angeklagte seinen Sohn über Stunden hat liegenlassen kann nunmehr nicht mehr festgestellt werden
2) Auch eine Verurteilung wegen eines vorsätzlichen Totschlags dürfte sich, folgt die Kammer dem Gutachten Brinkmanns, erledigt haben, denn ein Sturz/ Unfallgeschehe n auszuschliesen dürfte ziemlich schwierig sein.
3) Es muss etwas in der Wohung des Vaters passiert sein was zu den Schädelverletzungen geführt hat, was das war kann aber genauso wenig festgestellt werden, wie dass der Vater bewusst und gewollt sein Kind geschädigt hat

#24 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von erroriuris 29.11.2019 17:45

Leider konnte ich dank der Deutschen Bahn am vergangenen Hauptverhandlungstag nicht am Prozess teilnehmen ( sprich ich war zu spät und der Verhandlungstag bei meiner Ankunft schon beendet).
Wie ich heute erfahren habe, haben sich an diesem Tage wohl 2 wichtige Dinge ereignet:
1) Auch der von der Kammer nunmehr beauftragte Kinderneurologe der Uniklinik Bonn hält die Aussage, die Schädelverletzung des Ben W seie durch massive Gewaltanwendung verursacht worden, so wie es die Sachverständige Dr Banaschack in ihrem Gutachten festgestellt hatte, für nicht haltbar. Auch er ist der Auffassung dass die bei dem kleinen Ben festgestellten Verletzungen durchaus mit einem sog. Low Fall in Einklang zu bringen sind.
2) Aufgrund dieser Ausführungen hat die Kammer sich veranlasst gesehen einen rechtlichen Hinweis zu erteilen, wonach anstelle einer Verurteilung wegen Totschlags, auch eine solche wegen fahrlässiger Tötung in Betracht komme.

Heute hatte dann die Staatsanwaltschaft zum 2 mal das Wort. Für Sie hat sich an der Beweissituation offensichtlich nichte geändert, denn 90 Prozent des Plädoyers sind wörtlich identisch mit dem Plädoyer, dass Ihr Sitzungsvertreter bereits vor 2 Monaten gehalten hat. Für ihn sind die Schädelverletzungen des kleinen Ben entweder die Folge eines gezielten Schlagen des kleinen Kopfes gegen eine Mauer, oder aber eines Schlagens auf den Kopf mit einem schweren Gegenstand ( er spricht hier von einer Bratpfanne)
Ein Indiz für die Täterschaft des Angeklagten seie dass der Angeklagte nur eine Teileinlassung abgegeben habe ( zu diesem Thema meine Stellungnahme vom heutigen Tage ) sprich, dass der Angeklagte nicht sagt dass er Ben absichtlich getötet hat, beweist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dass er Ben getötet hat .
Auch dass er Ben über mehrere Stunden habe liegenlassen, beweise dass er Ben habe töten wollen, denn jeder vernünftige Mensch der den Zustand des Kindes um 01:03 gesehen hätte, hätte nach seiner Auffassung sofort einen Rettungswagen geholt.

Dass Ben um 01:15 wieder normal gewesen seie, so wie es der Angeklagte vor Gericht geschildert hatte, hält der Staatsanwalt für genauso widerlegt, wie dass er Ben um ca 08:30 noch ein Saft-Wasser Gemisch verabreicht habe, denn dies hätten die Sachverständigen allesamt für mit den Verletzungen nicht vereinbar gehalten

Alles in allem hält er an seinem ersten Antrag den Angeklagten wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren zu verurteilen, und die Fortdauer der Untersuchungshaft anzuordnen fest.

Engegen seiner sonstigen Gewohnheiten beantragt Rechtsanwalt Krechel zunächst ein Pause von 10 Minuten bevor er auf das Plädoyer der Staatsanwaltschaft antworten möchte

Nachdem die Kammer eine Pause von 30 Minuten angeordnet hatte, ist dann RA Krechel mit seinem Plädoyer an der Reihe.

Es folgen knapp 40 Minuten astreiner Anklage gegen die Staatsanwaltschaft.

Wie schon in seinem ersten Plädoyer stellt Krechel ausführlich die Frage was in diesem Angeklagten, der sonst ein liebevoller und fürsorglicher Vater gewesen seie, vorgegangen sein müsste, damit er diese Tat begangen haben könnte. Die gehörte psychiatrische Sachverständige habe die Persönlichkeiten von Tätern beschrieben, die ihr Kind töten, diese Beschreibungen würden allesamt nicht auf den Angeklagten passen.

Der von der Staatsanwaltschaft angenommene Auslöser ( denn ein Motiv hat sich wie auch die Staatsanwaltschaft betont nicht finden lassen), eine kurzfristige Überforderung des Vaters , bezeichnet Krechel als Schwachsinn
„Der ist also mit der Sitútaion überfordert , und schlägt dann zur Heilung des Fiebers seinem Kind den Schädel mit der Bratpfanne ein „

Heute, so Krechel seie es einfach klugzuscheißen, dass jeder nach dem Zustand des Kindes um 01:03 den Notarzt geholt hätte. Heute wo es ein totes Kind zu beklagen gibt.
Der Angeklagte jedenfalls habe ausgesagt, dass sich der Zustand seines Kindes um 01:15 wieder gebessert gehabt hätte. Auch die Mutter habe es offensichtlich bei Anblick des Videos nicht für erforderlich gehalten sofort den Rettungsdienst zu alarmieren. Außerdem werde die Aussage des Angeklagten belegt durch die Angaben des Sachverständigen Prof Dr Brinkmann, der gesagt hat, der Zustand des Kindes hätte sich für einen medizinischen Laien durchaus innerhalb weniger Minuten als stabilisiert ansehen lassen können. Dass der kleine Ben jedenfalls solche Auffälligkeiten wie auf dem Video um 01:03 während der Dauer der ganzen Nacht gezeigt habe, schließt Brinkmann aus.


Jeder der selber kleine Kinder hat oder gehabt habe, wisse, dass Zustände der Kinder die alamierend seien sich oft als falscher Alarm herausstellen würden.
Wäre die Staatsanwaltschaft, so Krechel, nicht auf eine offensichtlich uninformierte Gutachterin hereingefallen, die den neuesten Stand der Forschung nicht kenne, so wäre wahrscheinlich wenn überhaupt schon eine ganz andere Anklage erhoben worden.

Dass der Angeklagte nicht erzählt was mit seinem Kind passiert seie, könne auch ganz einfach daran liegen dass er es schlicht und ergreifend nicht wisse. So könne es durchaus sein, dass der Angeklagte sein Kind aufs Sofa gelegt habe das Kind runter auf die Krabbeldecke gefallen sei und der Angeklagte bei seiner Rückkehr einfach gedacht habe dass er das Kind auf die Krabbeldecke gelegt habe.

Ob der Angeklagte nun wegen fahrlässiger Tötung ( weil er nicht genug auf sein Kind aufgepasst habe )zu verurteilen oder aber gänzlich freizusprechen sei, spielt laut Krechel keine Rolle, denn der Haftbefehl sei in jedem Falle aufzuheben.
Er bittet das Gericht auch noch zu bedenken, egal zu welcher Entscheidung man komme, und selbst wenn es eine Verurteilung wegen Totschlags wie von der Staatsanwaltschaft beantragt wäre, dürfe man nicht vergessen dass auch der Angeklagte seinen Sohn verlohren hätte, und sich ein Leben lang dafür verantwortlich wird fühlen müssen, dass er den Tot des Kindes verschuldet hat ( selbst wenn er einfach nur nicht genügend aufgepasst hat). Das StGB kenne dafür sogar eine besondere Vorschrift-

(Anmerkung der Redaktion: Hier meint Krechel, obwohl er es nicht offen anspricht, offensichtlich § 60 StGB der besagt dass das Gericht von einer Bestrafung des Täters absehen kann wenn die Folgen der Tat, die den Täter getroffen haben, so schwer sind, daß die Verhängung einer Strafe offensichtlich verfehlt wäre. Dies wäre im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung ein Seiten des Gerichts durchaus gangbarer Weg )

Rechtsanwalt Börter sowie der Angeklagte schlossen sich jeweils den Worten von RA Krechel an.

Das Gericht unterbrach daraufhin die Sitzung bis Montag den 02.12.2019 09:00 Uhr

( Anmerkung der Redaktion: Leider habe ich an diesem Tag einen seit mehreren Monaten geplanten Termin in der Justizvollzugsanstalt Vechta den ich so schnell nicht verschieben kann. Es wird daher leider keinen (ausführlichen ) Bericht von der Urteilsverkündung geben. Ich werde jedoch versuchen ( Gott sei dank verfüge ich über Alternativkanäle ) zeitnah das Ergebnis mitzuteilen

#25 RE: LG Aaachen Hat Vorzeigevater Kind erschlagen ? von Christine 29.11.2019 18:13

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Ich bin sehr gespannt, welches Urteil gefällt wird.

Diesen Paragraphen 60 StGB kenne ich. Eigentlich wäre er hier bei diesem Fall angebracht.

Wenn dem Vater egal gewesen wäre, wie es dem Kind geht, hätte er der Mutter sicher kein Video geschickt und sie um eine Einschätzung gebeten.

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