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#76 RE: Presseartikel von Christine 27.06.2013 18:10

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Erläuterung zu "besondere Schwere der Schuld"


Schwere der Schuld/ Besondere
Zwingende Zusatzentscheidung des Strafgerichts bei Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Die lebenslange Haft ist die härteste Strafe im deutschen Strafrecht.
Erkennt ein Gericht bei einem erwachsenen und voll schuldfähigen Angeklagten, dass er einen Mord begangen hat, kann es keine andere Strafe verhängen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts darf die lebenslange Haftstrafe aber nicht automatisch für das ganze Leben des Verurteilten gelten. Aus dem Gebot des menschenwürdigen Strafvollzuges und dem Rechtsstaatsprinzip wurde abgeleitet, dass auch der lebenslänglich Verurteilte die gesetzlich geregelte Chance haben müsse, die Freiheit wiederzuerlangen.

Aus diesem Grund sieht der nachträglich eingefügte Paragraf 57a des Strafgesetzbuches (StGB) vor, dass nach 15 Jahren Haft durch das Vollstreckungsgericht entschieden wird, ob der Rest der Strafe auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Dabei sind eine günstige Sozialprognose des Verurteilten und keine weitere Gefährdung der Allgemeinheit die Kriterien.

Diese Automatik nach 15 Jahren wird außer Kraft gesetzt, wenn mit der Verurteilung die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden ist.

Die Feststellung verlangt vom verurteilenden Gericht in einer zusammenfassenden Würdigung von Tat und Täterpersönlichkeit die Schuld daraufhin zu bewerten, ob sie nach seiner Auffassung besonders schwer ist.
Maßgebend sind hierfür beispielsweise:

die besondere Verwerflichkeit der Tat
die Art der Tatausführung
die Täterpersönlichkeit
die Motive
die Zahl der ermordeten Menschen
mehrere Mordtaten
ohne Zusammenhang mit dem Mord begangene weitere schwere Straftaten
Soweit eine solche Feststellung erfolgt, ist sie im Urteilstenor zu treffen ("Schuldschwereklausel").
An die Feststellung im Urteil ist das Vollstreckungsgericht gebunden.
Es entscheidet in diesem Fall nach 15 Jahren, wie viele Jahre der Gefangene noch zu verbüßen hat, bevor eine Entlassung möglich ist.

Praxistipp:
Die besondere Schwere der Schuld kann nicht nachträglich nach der Urteilsverkündung festgestellt werden.


http://www.anwalt.de/rechtstipps/lexikon...-besondere.html

#77 RE: Presseartikel von Christine 28.06.2013 09:58

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Koblenzer Doppelmord-Prozess: So begründet die Anklage ihre Lebenslang-Forderung

Koblenz - Plädoyer im spektakulären Koblenzer Doppelmordprozess: Henrike Schemmer (47) hat ihre Schwiegereltern ermordet, weil sie an deren Erbe wollte - Geld und Immobilien im Wert von 1,7 Millionen Euro. Davon ist Staatsanwältin Andrea Maier überzeugt.


Sie hat am 22. Prozesstag eine lebenslange Haftstrafe für die Angeklagte gefordert. Und: Sie beantragte, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Wenn das Gericht dies tut, kann sich die Haftentlassung der Angeklagten nach 15 Jahren um mehrere Jahre verzögern.
Staatsanwältin Andrea Maier hielt ein ungewöhnlich detailliertes Plädoyer. Sie stand Henrike Schemmer gegenüber, blickte in deren blasses Gesicht und schilderte 4,5 Stunden lang, wie diese die grauenvolle Tat wohl verübte. Die Angeklagte saß zwischen ihren Anwälten, hörte aufmerksam zu, machte sich Notizen, schüttelte mit dem Kopf. Sie bestreitet, die Tat begangen zu haben.
Warum soll die Angeklagte zur Doppelmörderin geworden sein? Nach Ansicht der Staatsanwältin und ihres Kollegen Oliver Dumstrey ging es um Geld: Henrike Schemmer lebte mit ihrem Mann (48) und ihren drei Töchtern (18, 16, 16) über ihren Verhältnissen. Das Familienkonto war regelmäßig um 7000 Euro überzogen. Darum ließen die Getöteten der Familie der Angeklagten seit 2007 rund 170 000 Euro an Zuwendungen zukommen, etwa für Heizöllieferungen oder Nachhilfe für die Töchter.
Doch diese komfortable Situation drohte sich laut der Staatsanwälte zu ändern. Denn es gab Streit. Die Angeklagte musste befürchten, dass die Schwiegereltern ihre finanzielle Hilfe stark reduzieren. Außerdem planten sie möglicherweise, ihr einziges Kind - den Ehemann der Angeklagten - zu enterben. Somit drohten der Familie drastische Geldprobleme. Doch die Angeklagte wollte ihr Haus renovieren und sich eine Schönheitsoperation gönnen. In dieser Lage wurde sie zur Doppelmörderin, so die Staatsanwälte. Sie habe heimtückisch und aus Habgier getötet.
So verübte die 47-Jährige laut der Staatsanwälte die Tat: Sie fuhr in der Nacht zum 8. Juli 2011 mit ihrem BMW von ihrem Wohnort Haren (Niedersachsen) rund 350 Kilometer nach Koblenz. Sie drang mit ihrem Schlüssel ins Haus von Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer ein - und erstach beide. Ihn tötete sie im Bad, sie im Schlafzimmer. Sie hatten insgesamt 20 Stich- oder Schnittwunden. Da die Tat nicht geräuschlos verlief, geriet die Angeklagte in Panik und wollte schnell weg. Darum legte sie fast keine falschen Spuren, die auf einen Raubmord eines Unbekannten schließen lassen. Sie deponierte nur vor dem Hauseingang einen Hausschlüssel.

Laut der Staatsanwälte gab es keine Spuren am Tatort, welche die Täterschaft von Henrike Schemmer beweisen. Aber es gebe viele Indizien, sodass feststehe: Sie war die Doppelmörderin. Beispiele: Die 47-Jährige hat kein Alibi, wollte sich aber eines beschaffen, indem sie versuchte, ihre Nachbarin und ihre Tochter zu Falschaussagen bei der Polizei zu überreden. Sie änderte mehrfach ihre Aussage zur Tatnacht, passte sie an die Ermittlungsergebnisse der Polizei an. Ihre Aussagen wurden zudem von glaubwürdigen Zeugen widerlegt - etwa von einem Mann, der ihren BMW in jener Nacht in Tatortnähe gesehen haben will. Der Prozess geht am 2. Juli weiter. Dann plädieren die Anwälte der Angeklagten.


http://www.rhein-zeitung.de/region/koble...html#articletop

#78 RE: Presseartikel von Christine 02.07.2013 12:27

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Verteidung plädiert auf Freispruch

Da sich der Text nicht kopieren lässt, bitte den folgenden Link anklicken:


http://www.focus.de/regional/koblenz/pro...id_1032060.html

#79 RE: Presseartikel von Christine 02.07.2013 13:16

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Prozess um Doppelmord

"Ich habe die Tat nicht begangen"
Hat eine Frau aus dem Emsland ihre Schwiegereltern ermordet? Nein, beteuert die Angeklagte und ihre Verteidigung fordert daher Freispruch. Ja, meint die Staatsanwaltschaft und plädiert auf lebenslange Haft. Mit Spannung wird nun in dem Koblenzer Prozess das Urteil erwartet.


Es gebe keinerlei Sachbeweise für die Täterschaft der 47-Jährigen, sagte Verteidiger Johann Schwenn vor dem Landgericht Koblenz.
Die Anklage hatte am vergangenen Donnerstag eine lebenslange Haft gefordert und zudem beantragt, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. Dies würde eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren ausschließen. Am Freitag könnte das Urteil verkündet werden.
Der Angeklagten wird vorgeworfen, im Juli 2011 von ihrem Wohnort Haren im Emsland nach Koblenz gefahren zu sein. Dort soll sie im Stadtteil Horchheim nachts ihren 75-jährigen Schwiegervater und dessen 68 Jahre alte Frau in deren Haus erstochen haben. Die 47-Jährige bestreitet dies und hatte in dem seit Dezember 2012 laufenden Verfahren bislang geschwiegen. Am Dienstag nun sagte sie im Anschluss an das Plädoyer der Verteidigung: "Ich habe die Tat nicht begangen."
Staatsanwaltschaft sieht Habgier als Motiv
Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von Habgier als Motiv aus. Die Frau habe an das Vermögen der wohlhabenden Schwiegereltern gelangen wollen, hatte Staatsanwältin Andrea Maier gesagt. Deren Geld- und Immobilienvermögen soll bei rund 1,7 Millionen Euro gelegen haben.
Die Finanzlage der 47-Jährigen und ihres Mannes sei indes angespannt gewesen. Die Schwiegereltern hätten sie finanziell unterstützt, vor der Tat sollen sie Zeugen zufolge aber darüber nachgedacht haben, das Testament mit dem Sohn als Alleinerben zu ändern und Zahlungen einzustellen. Insgesamt gebe es zwar keine objektiven Spuren am Tatort, die die Täterschaft belegten, dafür liege aber eine Vielzahl an Indizien vor.
Verteidigung: Zeugen in Widersprüche verstrickt
Das sehen Verteidiger Schwenn und die zweite Anwältin der 47-Jährigen, Julia von Dreden, völlig anders. Es sei kein Motiv zutage gefördert worden. Eine Enterbung des Sohnes sei gar nicht möglich gewesen. Die Schwiegereltern hätten das Erbe nur auf den Pflichtteil - die Hälfte des Vermögens - beschränken können. Aber auch diese Summe hätte die wirtschaftlichen Sorgen beseitigt.
Das Argument der Staatsanwaltschaft, die Angeklagte habe ihre Schwiegermutter gehasst, greife ebenfalls nicht, sagte Schwenn. "Das ist ja keine ganz ungewöhnliche Konstellation." Ihren Schwiegervater habe sie zudem gemocht. Darüber hinaus hätten sich Zeugen, die das Auto der Angeklagten in der Tatnacht gesehen haben wollen, in Widersprüche verstrickt.


http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp...1675898/mw7yto/

#80 RE: Presseartikel von 03.07.2013 12:24

03.07.2013, 10:59 Uhr
» Region » RZ Koblenz

Doppelmord-Prozess: Verteidigung plädiert auf Freispruch

Koblenz - Hat Henrike Schemmer ihre Schwiegereltern ermordet? Nein, sagt die Verteidigung und fordert Freispruch. Ja, meint die Staatsanwaltschaft und plädiert auf lebenslange Haft. Mit Spannung wird nun im spektakulären Koblenzer Doppelmordprozess das Urteil erwartet.


Im Prozess um den Doppelmord an einem Koblenzer Rentnerpaar hat die Verteidigung der angeklagten Schwiegertochter einen Freispruch gefordert.

Es gebe keinerlei Sachbeweise für die Täterschaft der 47-Jährigen,
sagte Verteidiger Johann Schwenn am Dienstag vor dem Landgericht Koblenz.

Die Anklage hatte am vergangenen Donnerstag eine lebenslange Haft gefordert und zudem beantragt, eine besondere Schwere der Schuld festzustellen. Dies würde eine Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren ausschließen.

Am Freitag könnte das Urteil verkündet werden.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, im Juli 2011 von ihrem Wohnort Haren im Emsland nach Koblenz gefahren zu sein. Dort soll sie im Stadtteil Horchheim nachts ihren 75-jährigen Schwiegervater und dessen 68 Jahre alte Frau in deren Haus erstochen haben.

Die 47-Jährige bestreitet dies und hatte in dem seit Dezember 2012 laufenden Verfahren bislang geschwiegen. Am Dienstag nun sagte sie im Anschluss an das Plädoyer der Verteidigung: „Ich habe die Tat nicht begangen."

Die Staatsanwaltschaft geht dagegen von Habgier als Motiv aus. Die Frau habe an das Vermögen der wohlhabenden Schwiegereltern gelangen wollen, hatte Staatsanwältin Andrea Maier gesagt. Deren Geld- und Immobilienvermögen soll bei rund 1,7 Millionen Euro gelegen haben.

Die Finanzlage der 47-Jährigen und ihres Mannes sei indes angespannt gewesen. Die Schwiegereltern hätten sie finanziell unterstützt, vor der Tat sollen sie Zeugen zufolge aber darüber nachgedacht haben, das Testament mit dem Sohn als Alleinerben zu ändern und Zahlungen einzustellen.

Insgesamt gebe es zwar keine objektiven Spuren am Tatort, die die Täterschaft belegten, dafür liege aber eine Vielzahl an Indizien vor.

Das sehen Verteidiger Schwenn und die zweite Anwältin der 47-Jährigen, Julia von Dreden, völlig anders. Es sei kein Motiv zutage gefördert worden. Eine Enterbung des Sohnes sei gar nicht möglich gewesen. Die Schwiegereltern hätten das Erbe nur auf den Pflichtteil - die Hälfte des Vermögens - beschränken können. Aber auch diese Summe hätte die wirtschaftlichen Sorgen beseitigt.

Das Argument der Staatsanwaltschaft, die Angeklagte habe ihre Schwiegermutter gehasst, greife ebenfalls nicht, sagte Schwenn. „Das ist ja keine ganz ungewöhnliche Konstellation." Ihren Schwiegervater habe sie zudem gemocht. Darüber hinaus hätten sich Zeugen, die das Auto der Angeklagten in der Tatnacht gesehen haben wollen, in Widersprüche verstrickt.

http://www.rhein-zeitung.de/region/koble...rid,617620.html

#81 RE: Presseartikel von Christine 03.07.2013 13:11

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03.07.2013, 10:59 Uhr

Koblenzer Bluttat: Anwälte fordern Freispruch

Koblenz - Kurz vor Ende des spektakulären Koblenzer Doppelmordprozesses brach die Angeklagte Henrike Schemmer (47) ihr Schweigen. Sie blickte den Richtern am Landgericht Koblenz ins Gesicht und erklärte mit flehendem Unterton: „Ich habe die Tat nicht begangen.“


Von unserem Redakteur Hartmut Wagner
Mehr sagte sie nicht, nur diesen Satz. Das Reden überließ sie auch an diesem 23. Prozesstag in erster Linie Staranwalt Johann Schwenn. Der forderte für die 47-Jährige: Freispruch. Es gebe „keinen einzigen Sachbeweis“, der für ihre Täterschaft spricht. Sie müsse aus dem Gefängnis entlassen und für ihre 13-monatige Untersuchungshaft entschädigt werden.
Hat Henrike Schemmer ihre Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer in Koblenz erstochen? Nein, argumentierten Johann Schwenn und seine Kollegin Julia von Dreden in ihrem einstündigen Plädoyer. Ganz anders die Staatsanwälte. Sie plädierten vergangene Woche viereinhalb Stunden und kamen zu dem Schluss: Die Angeklagte ist eine Doppelmörderin. Sie forderten eine lebenslange Haftstrafe und das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld.
So verübte die 47-Jährige laut den Staatsanwälten die Tat: Sie fuhr in der Nacht zum 8. Juli 2011 mit ihrem BMW von ihrem Wohnort Haren (Niedersachsen) 350 Kilometer nach Koblenz, drang ins Haus der Schwiegereltern ein und erstach beide. Sie tötete aus Habgier, weil sie an das Erbe des Paares im Wert von 1,7 Millionen Euro wollte.
Die Angeklagte schwieg im Prozess, aber nach ihrer Festnahme verstrickte sie sich bei der Polizei in heftige Widersprüche. Sie sagte gut sieben Stunden lang aus, von 18.25 Uhr bis 1.40 Uhr – ohne Anwalt.
Schwenn, der 2011 Wettermoderator Jörg Kachelmann bei dessen Freispruch im Vergewaltigungsprozess vertrat, wählte dieses Verhör zum Ausgangspunkt seines Plädoyers. Es sei unverwertbar, weil die Polizisten die verbotene Vernehmungsmethode der Ermüdung einsetzten. Weil sie der Angeklagten nicht ernsthaft halfen, einen Anwalt zu kontaktieren. Und weil sie diese mit suggestiver Gesprächsführung sogar dazu brachten, auf einen Anwalt zu verzichten.
Schwenn erklärte zur widersprüchlichen Aussage der Angeklagten bei der Polizei: Wenn sich das Alibi eines Tatverdächtigen als falsch herausstellt, beweist dies nicht dessen Täterschaft. Zudem habe die Angeklagte kein Tatmotiv. Ob ihr Mann von den Opfern tatsächlich enterbt werden sollte, sei nicht belegt – eine völlige Enterbung rechtlich unmöglich.
Die Staatsanwälte stützten ihr Plädoyer vor allem auf zwei Zeugen. Einen Koblenzer (47), der in der Tatnacht in Tatortnähe mit seinem Motorrad unterwegs gewesen, den BMW der Angeklagten gesehen haben und mit diesem fast kollidiert sein will. Und eine Nachbarin (46) der Angeklagten, die von dieser um ein Alibi für die Tatnacht gebeten worden sein soll.

Julia von Dreden betonte, die Aussage des Motorradfahrers, der sich gut ein Jahr nach der Tatnacht bei der Polizei meldete, sei nicht glaubhaft und sehr widersprüchlich. Sein Verhalten sei ohne die Suggestion in Medienberichten zu dem Fall nicht erklärbar – etwa in der Sendung „Aktenzeichen XY“. Schwenn versuchte die Nachbarin als unglaubwürdig darzustellen, weil sie im Internetforum Allmystery über die Angeklagte herziehe.

Am Ende des Prozesstages erklärte der Vorsitzende Richter Ralf Bock: „Wir werden beraten und am Freitag das Urteil verkünden.“

http://www.rhein-zeitung.de/region/koble...html#articletop

#82 RE: Presseartikel von Christine 04.07.2013 17:48

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Termin ist verschoben


Landgericht Koblenz
Pressemeldung Landgericht Koblenz

Strafverfahren wegen Doppelmordes in Koblenz

In dem Strafverfahren wegen Mordes in zwei Fällen gegen Henrike S. wurde der auf den 05.07.2013 bestimmte Hauptverhandlungstermin aufgrund der Erkrankung eines Schöffen aufgehoben. Als neuer Fortsetzungstermin wurde den Verfahrensbeteiligten der 23.07.2013, 9.00 Uhr vorgeschlagen. Sobald der neue Termin feststeht, werde ich hierüber durch eine Pressemitteilung informieren. Im nächsten Hauptverhandlungstermin soll – veranlasst durch die Ausführungen des Verteidigers in seinem Plädoyer – nochmals in die Beweisaufnahme eingetreten und eine Zeugin gehört werden; möglicherweise werden anschließend die Plädoyers wiederholt und ein Urteil verkündet.
Pressevertreter benötigen für den Besuch der Hauptverhandlungstermine keine gesonderte Akkreditierung. Die bereits für das Strafverfahren erteilten Foto- und Drehgenehmigungen gelten auch für diesen Hauptverhandlungstermin. Medienvertreter, die noch eine entsprechende Genehmigung benötigen, werden gebeten, diese rechtzeitig zu beantragen

#83 RE: Presseartikel von Christine 08.07.2013 19:19

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08.07.2013, 18:14 Uhr

Koblenzer Doppelmord-Prozess geht erst im August weiter

Koblenz - Der spektakuläre Koblenzer Doppelmordprozess gegen Henrike Schemmer geht frühestens in rund einem Monat zu Ende: Das Landgericht Koblenz hat den nächsten Termin auf den 5. August festgesetzt.



Es wird der 24. Prozesstag sein. Nach Informationen unserer Zeitung soll dann erneut eine Nachbarin (46) der Angeklagten aussagen – sie ist eine der wichtigsten Zeugen in dem Verfahren. Der Prozesstag soll um 9 Uhr in Saal 128 beginnen.

Henrike Schemmer aus Haren (Niedersachsen) soll im Juli 2011 mit ihrem BMW nach Koblenz gefahren und ihre Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer erstochen haben. Die Staatsanwaltschaft hält es für erwiesen, dass die Angeklagte tötete, weil sie an das Erbe des Paares im Wert von 1,7 Millionen Euro wollte. Sie beantragte eine lebenslange Haftstrafe und das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld.

Die Anwälte der Angeklagten forderten Freispruch. Sie gaben in ihrem Plädoyer zu bedenken, dass die Nachbarin ein auffallend großes Interesse am Prozessausgang habe und mehrfach als Zuhörerin im Gerichtssaal saß. Überdies ziehe sie im Internetforum Allmystery unter dem Pseudonym @paulaner über die Angeklagte her. Die Anwälte zitierten einen Forumseintrag vom 28. Juni: „Möchte auch anwesend sein, wenn man die ,Nachbarin' zerfleischt... "

Die Anwälte gehen offenbar davon aus, dass die Zeugin mit „Nachbarin" die Angeklagte meinte. Die aber beteuerte sofort nach dem Plädoyer auf dem Gerichtsflur, sie habe sich selbst gemeint. Ihr sei klar gewesen, dass die Anwälte sie in ihrem Schlussvortrag am 2. Juli niedermachen würden – und da wollte sie dabei sein.

Das Gericht will die Nachbarin infolge des Plädoyers der Anwälte noch einmal als Zeugin vernehmen. Die sagte bereits im Januar im Prozess aus – und belastete Henrike Schemmer. Sie schilderte, dass „Rike" ihre Schwiegermutter nicht ausstehen konnte. Dass ihr BMW am Tatabend weg war. Und dass die Angeklagte sie bat, ihr für die Tatnacht ein falsches Alibi zu geben. haw


http://www.rhein-zeitung.de/region/lokal...id,1008516.html

#84 RE: Presseartikel von 11.07.2013 13:53

nich viel neues, nur wegen vollständigkeit...

http://www.rhein-zeitung.de/region_artik...id,1008561.html

#85 RE: Presseartikel von 17.07.2013 10:12

es bleibt spannend. jetzt hat die RZ sogar nen anwalt befragt

http://www.rhein-zeitung.de/startseite_a...id,1011939.html

#86 RE: Presseartikel von Christine 17.07.2013 13:17

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17.07.2013, 07:10 Uhr
Koblenzer Bluttat: So tratschte die Nachbarin im Netz
Koblenz - Sie machte das Internetforum Allmystery zu ihrem Stammtisch – und veröffentlichte rund 500 Diskussionsbeiträge zum Koblenzer Doppelmordprozess.


So hat sich die Nachbarin von Henrike Schemmer in Diskussionsrunden des Internetforums Allmystery geäußert. Wir geben die Beiträge in der Originalorthografie wieder. Illustration: Svenja Wolf
Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

Sie behauptete, die Angeklagte Henrike Schemmer (47) war in der Tatnacht nicht zu Hause, sie mutmaßte über deren mögliche Tatmotive und bezeichnete das Herzstück von deren Aussage als Schmarrn. Sie vertrat damit eine Meinung, die auch andere vertreten. Nur: Die 46-Jährige ist nicht irgendjemand. Sie ist die Nachbarin von Henrike Schemmer und einer der wichtigsten Zeugen im Prozess. Durch ihre Internetaktivitäten verlässt sie ihre Position als neutrale Zeugin und stellt ihre Glaubwürdigkeit infrage.

Kommentare im Internetforum

Landgericht Koblenz, 23. Prozesstag. Johann Schwenn, Henrike Schemmers Staranwalt, ist kurz vor dem Ende seines Plädoyers. Er blickt von seinem Skript auf und fixiert die Nachbarin, die sich einen Platz in der ersten Reihe des Saals gesichert hat. Dann macht er öffentlich, was sie halbherzig geheim hielt. Dass sie bei Allmystery den Prozess kommentiert, dass sie sich Paulaner nennt und sogar als Diskussionsleiter auftritt. Schließlich zitiert er einen ihrer Internetbeiträge vom 28. Juni: „Möchte auch anwesend sein, wenn man die ,Nachbarin‘ zerfleischt...

Schwenn geht offenbar davon aus, dass die 46-Jährige mit „Nachbarin“ die Angeklagte meinte. Doch wer den Beitrag bei Allmystery in seinen Gesprächsverlauf einordnet, muss zu dem Schluss kommen: Die Nachbarin meinte sich selbst. Sie wollte dabei sein, wenn Schwenn sie in seinem Schlussvortrag niedermacht.

Manche Prozessbeobachter vermuten, der Anwalt wusste seit Langem vom Treiben Paulaners und verzögerte den Prozess hier und da, damit sie Zeit für möglichst viele verfängliche Kommentare hatte. Nach seinem Plädoyer übergab er dem Gericht einen Stapel mit Ausdrucken ihrer Forumsbeiträge. Und: Die Richter haben inzwischen reagiert. Eigentlich wollten sie bereits am 5. Juli ihr Urteil verkünden, jetzt aber vernehmen sie die Nachbarin am 5. August erneut als Zeugin – wohl um sie zu ihren Internetaktivitäten zu befragen.

Die 46-Jährige bestätigte nach dem Plädoyer auf dem Gerichtsflur, dass sie sich bei Allmystery Paulaner nennt. Sie schrieb dort kurz später: „Hm, jetzt wissen selbst die letzten wer ich bin. Ich wurde als Forumbetreiberin öffentlich genannt

Laut Anklage ermordete Henrike Schemmer ihre Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer, um an deren Millionenerbe zu gelangen. Sie fuhr demnach in der Nacht zum 8. Juli 2011 mit ihrem BMW von ihrem Wohnort Haren (Niedersachsen) 350 Kilometer nach Koblenz, drang mit einem Schlüssel ins Haus der Eheleute ein und erstach sie. Die Nachbarin sagte im Prozess, dass die Angeklagte ihre Schwiegermutter nicht ausstehen konnte. Dass ihr BMW am Tatabend weg war. Und dass die Angeklagte sie bat, ihr für die Tatnacht ein falsches Alibi zu geben.

Verteidiger stellt Glaubwürdigkeit der Nachbarin infrage

Staatsanwältin Andrea Maier forderte lebenslange Haft für die Angeklagte. Sie hält die Nachbarin für eine wichtige Zeugin, deren Aussage absolut glaubhaft ist. Ganz anders Verteidiger Schwenn. Er stellte die Nachbarin wegen ihrer Forumsbeiträge als unglaubwürdig dar. Sie ist einer seiner Lieblingsfeinde im Prozess. In seinem Plädoyer lästerte er über ihr pinkes Halstuch. Bei ihrer Zeugenaussage ließ er ihren Reisekoffer vom Gericht durchsuchen – auf Unterlagen, die sie zur Vorbereitung genutzt haben könnte.

Die Nachbarin und Henrike Schemmer waren früher gut befreundet. Sie lebten in Haren Tür an Tür, trafen sich zum Kaffee, besuchten Trödelmärkte und Schützenfeste. Doch am 21. Mai 2012 kam es zum Bruch. Die Nachbarin ließ sich von der Polizei verwanzen, traf sich mit Henrike Schemmer in einer Eisdiele – und sprach mit ihr über die Tatnacht. Das Gericht ließ im Prozess gut 70 Gespräche abspielen, die von der Polizei heimlich aufgezeichnet wurden – nur den Plausch in der Eisdiele nicht. Warum? Darüber schweigt das Gericht.

Dutzende debattieren im Internet über den Fall

Einen Tag nach dem Eisdielentreffen wurde die Angeklagte festgenommen. Gut einen Monat später schrieb die Nachbarin ihren ersten Beitrag bei Allmystery – einem der größten deutschen Internetforen. Dort debattierten Dutzende Menschen über die Koblenzer Bluttat. Sie nannten sich Willy, Wurstscheibe oder Armleuchter, verfassten gut 25 000 Beiträge. Die Nachbarin alias Paulaner gab bei ihren Beiträgen oft keinen konkreten Empfänger an. Als stünde für sie nicht das Kommunizieren im Vordergrund, sondern das Mitteilen. Ihre Beiträge und alle anderen sind für jeden einsehbar. Die Diskussionen wurden aber beendet.

Henrike Schemmer beteuerte bei der Polizei ihre Unschuld. Sie habe in der Tatnacht Suizid verüben wollen, sei mit ihrem BMW umhergefahren, dann nach Hause zurückgekehrt. Doch ihre Nachbarin schreibt: „Sie wollte sich NIEMALS umbringen!!! So ein Schmarrn!!!“

Die Angeklagte gab sich bei der Polizei genügsam, sie sei „kein geldgeiles Luder“, ihr Mann, ihre drei Töchter und sie hätten doch alles. Aber die Nachbarin behauptet im Internet, die Angeklagte heiratete ihren Mann wegen dessen vermögenden Eltern und befürchtete vor der Tat, dass diese ihn enterben: „Meiner Meinung nach, hat sie das ganze Leben danach ausgerichtet ,Reich‘ zu werden. Und so kurz davor sollte alles um sonst gewesen sein, Enterbung. Da ist sie einfach nur durchgedreht. (…) Das sind für mich ganz klare Tatmotive.“

Im Dezember 2012, kurz nach dem zweiten Prozesstag, lässt die Nachbarin wissen, dass sie mit einem Geständnis der Angeklagten rechnet und wie dieses aussehen könnte: „Das Ende sehe ich in etwa so: ‚Ich habe das alles nur für Euch getan, damit es Euch besser geht und wir einen gesellschaftlichen Status haben auf den die Mädels stolz sein können. (…) Ich bin nicht schuldig sondern einfach nur nachhaltig gerecht und selbstlos.‘“

Manchmal bemüht die Nachbarin auch die Unschuldsvermutung für die Angeklagte. „Wer hat den hier behauptet sie sei schuldig, NIEMAND“, schreibt sie im Januar und ergänzt: „hier ist nur festgestellt worden das sie bei ihrer Vernehmung nicht die Wahrheit gesagt hat...“ Doch an anderer Stelle klingen ihre Beiträge wie Spott.

Etwa wenn sie das Buch „Mein letzter Tampon“ empfiehlt, um die Aussagen der Angeklagten einordnen zu können – schließlich sei diese ja in den Wechseljahren. Oder wenn sie im Mai, ein Jahr nach der Festnahme der Angeklagten, erst übers Wetter plaudert, dann in die Runde fragt: „Habt ihr heute schon ein Kerzchen angemacht?“



Die Nachbarin saß auch im Gerichtssaal, als die Staatsanwältin ihr Plädoyer vortrug. Und sie berichtete später sehr ausführlich darüber im Netz: „Da es keine Einwirkung auf das Verfahren mehr hat, kann ich das jetzt mit ruhigem Gewissen posten.“ Am 5. August wird sich zeigen, ob sie recht hatte.

http://www.rhein-zeitung.de/region_artik...id,1011883.html

#87 RE: Presseartikel von 18.07.2013 19:57

@Gast

Danke!!

Interview mit Anwalt Udo Vetter: Zeugen sollten sich zurückhalten

Henrike Schemmers Nachbarin äußerte sich im Internet immer wieder zur Koblenzer Bluttat - vor und nach ihrer Aussage am Landgericht Koblenz. Der Düsseldorfer Strafverteidiger Udo Vetter (48), der im Internet den viel beachteten law blog betreibt, analysiert im Gespräch mit unserer Zeitung mögliche Folgen solcher Meinungsäußerungen.
Anwalt Udo Vetter.

Ist es problematisch, wenn sich der Zeuge eines Strafverfahrens öffentlich über den Gegenstand des Prozesses äußert?

Ein Zeuge unterliegt keiner besonderen Schweige- oder Zurückhaltungspflicht, wenn er seine Meinung äußert. Er muss sich nur an das Gesetz halten, darf zum Beispiel nicht verleumden. Trotzdem würde ich zur Zurückhaltung raten.

Warum?

Ein wichtiger Zeuge steht im Fokus des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung - besonders wenn es um Doppelmord und lebenslange Haft geht. Wenn der Zeuge im Netz den Prozess kommentiert, macht er sich und seine Aussage angreifbar.

Welche Folgen kann das haben?

Je häufiger und ausführlicher sich ein Zeuge zu einer Sache äußert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Widersprüche in seiner Aussage auftauchen. Also werden ihn die Prozessbeteiligten vor Gericht schärfer befragen. Bei einem geschwätzigen Zeugen steht auch immer die Frage nach dem Warum im Raum. Warum äußert er sich im Netz? Warum interessiert ihn der Fall so stark? Hat er Angst, dass man ihm nicht glaubt? Verfolgt er gar persönliche Interessen?

Reduziert es die Glaubwürdigkeit eines Zeugen, wenn er öffentlich andeutet, dass er den Angeklagten für schuldig hält?

Wenn er dabei emotional wird, auf jeden Fall. Ein Zeuge, der einen Angeklagten nicht leiden kann, entwickelt oft eine Belastungstendenz - das heißt, er übertreibt bei seiner Aussage bewusst oder unbewusst, um den Angeklagten möglichst stark zu belasten.

Wie viel Freiheit hat ein Gericht beim Beurteilen der Glaubwürdigkeit eines Zeugen?

Eine sehr große. Und das hat große Auswirkungen auf das Urteil. Zeugenaussagen sind der knetbarste Teil der Beweisaufnahme im Prozess. Weil dabei kein Wortprotokoll geführt wird. Und weil die Prozessbeteiligten die Aussagen von Zeugen oft interpretieren.

Das Interview führte Hartmut Wagner

http://www.rhein-zeitung.de/startseite_a...id,1011939.html

#88 RE: Presseartikel von Christine 05.08.2013 18:05

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05.08.2013, 14:41 Uhr
Doppelmord: Lebenslange Haft für Schwiegertochter
Koblenz - Henrike Schemmer ist wegen Doppelmordes an ihren Schwiegereltern zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.


Henrike Schemmer im Gespräch mit ihren Anwälten Johann Schwenn und Julia von Dreden. Sie trug eine luftige Bluse, folgte dem Prozess aufmerksam ohne erkennbare Regung. Als sie einmal von ihrer Nachbarin und früheren Freundin direkt angesprochen wurde, schritt ihr Verteidiger ein.
Sascha Ditscher
Die heute 47-Jährige hat daher auch nach 15 Jahren Haft bei guter Führung keine Chance auf eine frühzeitige Entlassung.

Die Frau soll nach Angaben des Gerichts im Juli 2011 von Haren im Emsland rund 350 Kilometer nach Koblenz gefahren sein, dort habe sie ihren 75 Jahre alten Schwiegervater und dessen 68-jährige Frau in deren Haus erstochen. Dagegen beteuerte die Angeklagte vor der Urteilsverkündung ihre Unschuld: „Ich habe die Tat nicht begangen.“ Nach Verhandlungsende brach sie in Tränen aus.

Mit dem Urteil folgte die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Ob die Angeklagte in Revision geht, war zunächst offen.

„Letztlich war es nicht die Vielzahl von Indizien, sondern ein Zeuge, der uns glaubhaft von der Schuld der Angeklagten überzeugt hat“, sagte der Richter. Ein Motorradfahrer hatte das Auto, in dem die Frau nach Koblenz gefahren sein soll, über das Kennzeichen identifiziert. Richter Ralf Bock sagte, die Angeklagte und ihr Mann seien zwar finanziell von den Schwiegereltern unterstützt worden, das habe ihr aber nicht gereicht.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft lag das Geld- und Immobilienvermögen der Opfer bei rund 1,7 Millionen Euro, der Mann der Verurteilten war der Alleinerbe. Die Finanzlage der Familie der 47-Jährigen war dagegen angespannt gewesen.


http://www.rhein-zeitung.de/region_artik...id,1019719.html

#89 RE: Presseartikel von 05.08.2013 20:13

RZ - Ticker

http://www.rhein-zeitung.de/region_artik...id,1018793.html

#90 RE: Presseartikel von luna 06.08.2013 10:36

Koblenzer Doppelmord: Nach dem Urteil weint Henrike Schemmer

Koblenz - Eine Stecknadel hätte man fallen hören können (wenn denn eine gefallen wäre), als die Richter um kurz nach 14 Uhr Saal 128 betreten und der Vorsitzende Ralf Bock ans Mikro tritt. "Im Namen des Volkes verkünde ich folgendes Urteil ..."

"Bingo!", ruft einer im Zuschauerraum halblaut, als Bock das Urteil ausspricht: Henrike Schemmer wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, außerdem wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt, was sich auf die Dauer der Haft auswirken wird. Zustimmendes Gemurmel braust einen winzigen Moment auf. Dann ist es sofort wieder still, als Bock eine gute Stunde lang alle Facetten zusammenträgt, die das Gericht von der Schuld der 47-Jährigen überzeugt haben.

Viele hier im Zuschauersaal sind quasi "Wiederholungstäter", einige haben gar alle 24 Prozesstage besucht, ihre Urlaube danach geplant, sind manchmal mitten in der Nacht aufgestanden, um eins der begehrten nummerierten Zuschauerkärtchen zu bekommen. Die Farbe hat zu (fast) jedem Prozesstag gewechselt; wenn die Termine früh genug bekannt waren, stand auch das Datum drauf, um zu verhindern, dass jemand mit einem alten Kärtchen Einlass bekam.

So begehrt waren die Plätze, dass es immer wieder auch fast zu Rangeleien kam, wenn sich jemand vordrängelte oder versuchte, in einer der vorderen Reihen Plätze für seine Bekannten freizuhalten. Auch an diesem Tag reichen die 92 Plätze im größten Saal bei Weitem nicht aus. "Man hätte die Karten unten am Eingang nach Ankunftsreihenfolge ausgeben müssen, nicht erst oben, wenn sich andere, die später waren, vorbeigeschoben haben", regt ein Mann an. Eine Zuschauerin, die draußen bleiben muss, findet, dass man ruhig auch Stehplätze hätte zulassen können. Und ein Dritter meint mehr oder weniger scherzhaft, in Zeiten leerer Kassen wären ein paar Euro Eintritt doch nachvollziehbar gewesen.

Doch diese Diskussionen sind vergessen, als Richter Bock das Urteil erklärt. Die Blicke gehen hinüber zur nun verurteilten Doppelmörderin, die noch immer versucht, sich keine Gefühlsregung anmerken zu lassen, wie schon während des ganzen Prozesses. Doch immer häufiger wendet sie sich ab, während der Richter spricht, und putzt sich die Nase. Und am Ende weint sie ganz offen, während ihre Anwälte Johann Schwenn und Julia von Dreden wortlos zur Seite gucken.

Die meisten Zuschauer sind zufrieden mit dem Urteil. "Obwohl ich letztens von ihr geträumt habe, und im Traum war sie total nett", sagt eine 29-Jährige. "Aber für eine solche Tat muss man ja bestraft werden!" Dass eine Frau überhaupt zu einer solchen Tat fähig ist, vor allem mental, können einige Zuschauerinnen kaum glauben. "Wie kann man nur so kaltblütig sein ..."

Dann aber drehen sie sich um, winken den zum Teil lieb gewordenen Bekannten zu, mit denen sie viele, viele Tage im Gericht verbracht haben, und verschwinden zurück in ihr eigenes Leben. Henrike Schemmer sitzt noch immer auf ihrem Platz im Gerichtssaal.

Doris Schneider

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/koblenz.html

#91 RE: Presseartikel von 06.08.2013 12:11

Urteil im Doppelmordprozess in Koblenz Lebenslang für Schwiegertochter

Die Angeklagte im Doppelmordprozess von Koblenz-Horchheim ist am Montag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Sie soll es auf das Vermögen der Verwandten abgesehen haben. Dagegen beteuerte die Frau bis zuletzt ihre Unschuld.


SWR Landesschau aktuell Rheinland-Pfalz mit Wetter, 5.8.2013 | 2:39 min

Das Landgericht in Koblenz wies auch auf die besondere Schwere der Schuld hin, so dass die heute 47-Jährige aus Niedersachsen auch nicht nach 15 Jahren entlassen werden kann.

Die Frau soll im Juli 2011 nach Angaben des Gerichts von ihrem Wohnort Haren im Emsland aus rund 350 Kilometer nach Koblenz gefahren sein, um ihren 75-jährigen Schwiegervater und dessen 68 Jahre alte Frau in deren Haus zu erstechen. Die Staatsanwaltschaft hatte der Frau vorgeworfen, sie habe durch die Bluttat an das Vermögen der wohlhabenden Schwiegereltern gelangen wollen. Deren Geld- und Immobilienvermögen soll bei rund 1,7 Millionen Euro gelegen haben. Die Finanzlage der Familie der 47-Jährigen war dagegen angespannt gewesen. Der Mann der Verurteilten war der Alleinerbe.
"Ich habe die Tat nicht begangen"

Die Angeklagte beteuerte kurz vor der Urteilsverkündung erneut ihre Unschuld: "Ich habe die Tat nicht begangen." Nach Verhandlungsende brach sie in Tränen aus. Mit dem Urteil folgte die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hatte dagegen auf Freispruch plädiert. Ob die Angeklagte in Revision geht, war zunächst offen.

"Letztlich war es nicht die Vielzahl von Indizien, sondern ein Zeuge, der uns glaubhaft von der Schuld der Angeklagten überzeugt hat", sagte Richter Ralf Bock. Ein Motorradfahrer hatte das Auto, in dem die Frau nach Koblenz gefahren sein soll, über das Kennzeichen identifiziert. Bock fügte an, die Angeklagte und ihr Mann seien zwar finanziell von den Schwiegereltern unterstützt worden, das habe ihr aber nicht gereicht.



http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp...rqhp/index.html

#92 RE: Presseartikel von 06.08.2013 12:36

Mord an Schwiegereltern: Lebenslänglich Mo. 5.08.2013, 14:56


Koblenz (Rheinland-Pfalz) – Eine Frau (47) ist wegen Doppelmordes aus Habgier an ihren Schwiegereltern zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
Sie erstach die beiden 2011. Das Landgericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Sie hat daher auch nach 15 Jahren keine Chance auf Entlassung.

http://www.bild.de/news/startseite/news/...04530.bild.html

#93 RE: Presseartikel von 06.08.2013 17:53

06.08.2013, 06:00 Uhr
Urteil: Doppelmord war eiskalt geplant

Koblenz - Wird Henrike Schemmer (47) als kaltblütige Mörderin ihrer Koblenzer Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer verurteilt? Die Frage trieb einige Koblenzer so emotional um, dass sie schon vor Sonnenaufgang auf Klappstühlen darauf warten, dass das Koblenzer Landgericht die Türen öffnet.
„Ich habe die Tat nicht begangen.“ Sagt die Angeklagte Henrike Schemmer leise.

Von unserer Redakteurin Ursula Samary

Nur wer eine Platzkarte ergattert, kann kurz nach 14 Uhr hören: Wegen Mordes aus Habgier in zwei Fällen wird die Frau aus dem Emsland zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur ein leises Raunen geht durch den Saal – dann ist es so still, dass nur die Worte des Vorsitzenden Richters Ralf Bock und das Kratzen der Stifte von Journalisten zu hören sind. Das Gericht stellt auch die besondere Schwere der Schuld fest. Hat das Urteil Bestand, hätte Henrike Schemmer auch nach 15 Jahren Haft und guter Führung noch keine Chance, wieder auf freien Fuß zu kommen.
Die Opfer Waltraud und Heinrich Schemmer

Die meisten Zuhörer im Schwurgerichtssaal verfolgen schon seit dem ersten Prozesstag kurz vor Weihnachten den Fall, tauschen sich in Internetforen aus und sind trotz der schwierigen Beweislage in diesem spektakulären Indizienprozess mehrheitlich vor dem Urteilsspruch überzeugt: „Sie war es.“ Dabei wirkt die Angeklagte morgens noch recht gelassen, als noch einmal die Glaubwürdigkeit ihrer Nachbarin und Belastungszeugin auf dem Prüfstand steht. Nüchtern klingt ihr letztes Wort: „Ich kann nur wiederholen: Ich habe die Tat nicht begangen.“

Später müssen ihr Staranwalt Johann Schwenn und Anwältin Julia von Dreden aber beistehen, als sie in Tränen ausbricht und ihr die Folgen des Urteils bewusst werden. Denn: Von ihrer schweren Schuld ist die Strafkammer fest überzeugt, die in nahezu allen Punkten der Staatsanwaltschaft folgt. Danach ist die Mutter dreier Töchter in der Nacht vom 7./8. Juli 2011 von Haren im Emsland 350 Kilometer nach Koblenz-Hochheim gefahren und hat ihre Schwiegereltern mit 20 Messerstichen getötet.

Dem im Bad überraschten Schwiegervater, der – so Bock – finanziell „immer geholfen hat, wo er nur konnte“, fügte sie „einen Kehlschnitt“ zu. In diesem Fall geht das Gericht deshalb auch von Heimtücke aus.

„Sie hatten es satt, jeden
Euro zweimal herumzudrehen.“

Vorsitzender Richter Ralf Bock sieht den
Doppelmord aus Habgier bewiesen.



Die Schwiegermutter tötete sie im Schlafzimmer. Danach fuhr sie wieder nach Haren. Die Opfer wurden entdeckt, als Henrike Schemmer mit Mann und Töchtern am Samstag nach der Tat zu einem Besuch nach Koblenz fuhr. Geld war das Motiv, so Vorsitzender Richter Bock. Henrike Schemmer wollte ans Erbe der Schwiegereltern, deren Vermögen auf etwa 1,7 Millionen Euro geschätzt wurde.

Der Richter geht auch fest davon aus, dass sie deshalb den Mordplan „schon länger“ hegte – und in die Tat umsetzte, als der Ehemann auf Dienstreise war. Das schließt Bock daraus, dass die Familie finanziell „am Tropf“ der Eltern hing und daraus, dass Henrike Schemmer schon zuvor für die Tatwoche über eine Freundin einen Wagen besorgen wollte, mit dem sie nicht in Verbindung gebracht worden wäre. Wie Bock schildert, hat die Kammer mühsam einzelne Steine zu einem Bild gefügt und durchaus angreifbare Zeugenaussagen mit anderen Beweisen hinterlegt – auch vom Tatort und aus abgehörten Gesprächen.

„Die Zeugin ist eine Wichtigtuerin.“
So beurteilt Staranwalt
Johann Schwenn eine Belastungszeugin.

Und da ist zum einen die Nachbarin aus Haren, deren Glaubwürdigkeit als „Wichtigtuerin“ Anwalt Schwenn wegen ihrer Tratscherei im Internet anzweifelt. Als verräterisch gelten aber auch die unterschiedlichen Versionen der Angeklagten bei einem Sieben-Stunden- Verhör zur Tatnacht, ihr Verhalten am Tatort und ihre später vor einem Gutachter wiederholte Aussage: „Ich war nicht zu Hause“, als der Doppelmord geschah. Dass sie sich ein Alibi bei der Nachbarin beschaffen wollte, passe dazu ebenso wie die Darstellung der Tochter: Danach war Henrike Schemmer erst gegen 6 Uhr morgens nach Hause gekommen.

Vor allem wertet Bock die Aussage eines Motorradfahrers als glaubwürdig, der mit Schemmers BMW in der Tatnacht in Tatortnähe beinahe zusammengestoßen war und sich das Nummernschild bis auf eine Ziffer merkte. Der, so Bock, wollte sich aber nicht wichtig machen, auch nicht an die hohe Belohnung kommen.

Auf die habe er direkt verzichtet. Der Richter schließt auch aus, dass ihn die bundesweite Fahndung im ZDF oder Flugblätter beeinflusst haben. Die Aussage des Mannes habe das Gericht von der Schuld der Angeklagten überzeugt. „Das ist Ihr Urteil, Frau Schemmer.“ In erster Instanz, fügt er hinzu. Die sich bestätigt sehende Staatsanwältin Andrea Maier rechnet damit, dass die Anwälte aber zur Revision beim Bundesgerichtshof raten werden.

Die Zuhörer diskutieren danach. Sie haben kein anderes Urteil als dieses erwartet. Viele haben sich über die Zeit sogar untereinander angefreundet, haben ihre Urlaube nach dem Kalender der Prozesstage ausgerichtet. Nun kehrt auf den Fluren des Koblenzer Landgerichts wieder mehr Ruhe ein.


http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten/...id,1019871.html

#94 RE: Presseartikel von 06.08.2013 17:54

Die Journalisten scheinen ihre Hausaufgaben jedenfalls nicht gemacht zu haben!

#95 RE: Presseartikel von Christine 09.08.2013 09:01

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08.08.2013, 18:14 Uhr
Doppelmord-Urteil: Schemmer-Anwalt legt Revision ein
Koblenz - Muss der Prozess neu aufgerollt werden? Der Anwalt Henrike Schemmers, die wegen Mordes an ihren Schwiegereltern zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, hat Revision eingelegt.

Das hat das Landgericht Koblenz unserer Zeitung bestätigt. Schemmers Hamburger Rechtsanwalt Johann Schwenn hat demnach Revision gegen das Urteil eingelegt. Über die muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden.

Die Koblenzer Strafkammer hält es für erwiesen, dass die 47-Jährige aus Habgier ihre Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer in der Nacht vom 7./8.Juli 2011 mit 20 Messerstichen getötet hat. Auch die besondere Schwere der Schuld wurde festgestellt. Als Motiv galt das erwartete Erbe, das auf 1,7 Millionen Euro geschätzt wurde. Der Anwalt muss die Revision vier Wochen nach Eingang des schriftlichen Urteils begründen.

Henrike Schemmer bleibt bis zum Ausgang dieses Verfahrens in der Koblenzer Untersuchungshaft. Das gilt als üblich, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass der spektakuläre Indizienprozess hier erneut aufgerollt werden muss. us


http://www.rhein-zeitung.de/region_artik...id,1021220.html

#96 RE: Presseartikel von populous 02.01.2014 14:00

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31.12.2013, 11:57 Uhr | aktualisiert: 31.12.2013, 12:02 Uhr

Schemmer-Prozess: Doppelmord an Schwiegereltern
Koblenz - Am 5. August herrscht Ausnahmezustand am Landgericht Koblenz: Noch vor Sonnenaufgang sitzen Menschen in Klappstühlen vor dem Eingang und warten. Als sie hinein dürfen, laufen sie zum Saal 128 und stellen sich an. Es werden immer mehr Menschen, schließlich sind es gut 100.

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner


Das Landgericht Koblenz verurteilte ihre Schwiegertochter Henrike Schemmer im August wegen Doppelmordes zu lebenslanger Haft. Sie bestreitet, die Bluttat begangen zu haben.

Da öffnet ein Wachtmeister die Tür zum Saal - und sie strömen hinein, viele drängeln, manche streiten und schimpfen. Nicht alle bekommen einen Platz, einige müssen draußen bleiben.

Es ist der letzte Tag im spektakulären Doppelmordprozess gegen Henrike Schemmer. Jeder will dabei sein, wenn das Urteil fällt. Um 14 Uhr ist es soweit. Der Vorsitzende Richter Ralf Bock tritt am Kopf des prall gefüllten Saales ans Mikrofon und verkündet: Henrike Schemmer ist eine Doppelmörderin, sie hat ihre Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer erstochen. Der Richter stellt die besondere Schwere der Schuld fest. Darum hat Henrike Schemmer, wenn das Urteil rechtskräftig wird, auch nach 15 Jahren Haft keine Chance, frei zu kommen.

Der Prozess dauerte gut ein halbes Jahr, hatte 24 Verhandlungstage. Aber die Angeklagte sagte nur drei Sätze. Am ersten Prozesstag: "Ich werde schweigen." Am 23. und 24. Prozesstag: "Ich habe die Tat nicht begangen." Im Videoverhör bei der Polizei war sie gesprächiger - und erzählte sieben Stunden lang über sich, ihre Familie und die Tatnacht. Einige Prozessbeobachter sagen: Hätte sie bei der Polizei die Aussage verweigert, wäre sie wohl nicht verurteilt worden.

Die Koblenzer Bluttat beschäftigte sehr viele Menschen. Vor allem weil Henrike Schemmer laut Anklage eiskalt tötete, weil sie mit beiden Opfern verwandt war, dreifache Mutter ist und die Tat vehement bestritt. Der Gerichtssaal war fast immer voll. Manche Zuhörer reisten regelmäßig viele Kilometer an, nahmen eigens Urlaub. "Der Fall lässt mich überhaupt nicht mehr los", erzählte eine besonders passionierte Prozessbeobachterin (70) unserer Zeitung. "Mit meinem Mann debattiere ich oft bis spät in die Nacht."

Der Doppelmord wurde durch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" bundesweit bekannt. Im Internetforum Allmystery diskutierten Dutzende Menschen über die Tat. Sie nannten sich Willy, Wurstscheibe oder Armleuchter, verfassten gut 25.000 Beiträge.

Als Richter Bock am letzten Prozesstag das Urteil begründet, bricht Henrike Schemmer in Tränen aus. Nach Ansicht des Gerichts ermordete sie ihre Schwiegereltern aus Habgier. Sie wollte, dass ihr Mann (48) umgehend deren Vermögen im Wert von 1,7 Millionen Euro erbt und seiner Familie zukommen lässt.

Laut dem Urteil führte Henrike Schemmer die Tat gnadenlos durch: Sie fuhr am Abend des 7. Juli 2011 mit ihrem BMW von ihrem Wohnort Haren (Niedersachsen) 350 Kilometer nach Koblenz, drang ins Haus ihrer Schwiegereltern ein - und erstach beide. Dann kehrte sie sofort zurück nach Haren. Am 9. Juli fuhr sie mit ihrem Mann und zwei ihrer Töchter zu einem "Überraschungsbesuch" zum Haus ihrer Schwiegereltern. Sie "entdeckten" die Leichen und riefen die Polizei.

Nach der Tat überwachten die Ermittler die Telefonate von Henrike Schemmer - und nahmen sie im Mai 2012 fest. Im Videoverhör verstrickte sie sich in Widersprüche und gab schließlich zu, für die Tatzeit kein Alibi zu haben. Sie schilderte nacheinander drei Versionen der Mordnacht. Erstens: Am 7. Juli war sie bis 21.30 Uhr bei ihrer Nachbarin beim Kaffeetrinken. Dann fuhr sie ihren BMW zu einer Werkstatt, da er am nächsten Morgen repariert werden sollte. Um 21.45 Uhr ging sie wohl zu Bett. Dort wurde sie um 23.45 Uhr von einer ihrer Töchter gesehen. Um 6.30 Uhr wurde sie wach und führte ihre Hunde aus.

Zweitens: Sie war bis etwa 21 Uhr bei ihrer Nachbarin. Dann fuhr sie mit ihrem BMW zu einem Netto-Markt, um Zigaretten zu kaufen. Doch der Laden war geschlossen - und plötzlich sprang ihr BMW nicht mehr an. Sie lief nach Hause, ging schlafen. Am Morgen lief sie wohl zurück, holte den BMW und brachte ihn zur Werkstatt. Drittens: Sie wollte sich in jener Nacht selbst töten, mit dem BMW gegen einen Brückenpfeiler rasen. Sie fuhr zu Hause los - wohin, wisse sie nicht mehr. Jedenfalls Richtung Norden, nicht Richtung Süden, nicht Richtung Koblenz.

Es gab am Tatort keine Spuren, welche die Täterschaft von Henrike Schemmer belegen. Darum begründete das Gericht sein Urteil vor allem mit Zeugenaussagen: Etwa derjenigen eines Motorradfahrers, der den BMW der Angeklagten in der Tatnacht in Koblenz gesehen haben will. Oder derjenigen einer Nachbarin der Angeklagten, die berichtete, dass sie von dieser um ein falsches Alibi gebeten wurde. Doch die Nachbarin geriet selbst ins Zwielicht, da sie im Allmysteryforum über den Doppelmord tratschte.

Die Anwälte von Henrike Schemmer forderten Freispruch für ihre Mandantin. Sie haben gegen das Urteil Revision eingelegt. Bis darüber entschieden ist, werden wohl noch Monate vergehen. Henrike Schemmer sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokal...id,1087507.html

#97 RE: Presseartikel von eugene1975 23.01.2014 16:19

Landkreis Giessen 08.06.2012
Kripo erhofft Hinweise von Mitwissen im Fall Klingelhöfer

Reinhold Humburg (Kripo Gießen) bei Rudi Cerne im Studio. Foto: Wißner

KREIS GIESSEN - (ee). „Es gibt Dinge im Leben die sind einfach nicht planbar, das ist Schicksal und manche trifft es besonders hart. In unserem Fall geht es um eine Familie, die von eben jenem Schicksal besonders schwer getroffen wurde und für die es im Spätsommer 2011 kaum noch schlimmer hätte kommen können. Dachten sie. Doch wie befürchtet kam‘s tatsächlich noch schlimmer.“ Mit diesen Worten leitete Moderator Rudi Cerne den fast elfminütigen Filmbeitrag „Eine Leiche im Keller“ zum Mordfall des 80-jährigen Gerhard Klingelhöfer aus Watzenborn-Steinberg ein.

In der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ am Mittwoch im ZDF wurde er gezeigt. Im Studio stand nach dem Film Kriminalhauptkommissar Reinhold Humburg von der Kripo Gießen Cerne Rede und Antwort, wobei dieser von einem Verbrechen „wirklich jenseits aller Vorstellungskraft“ sprach.

Im Film gezeigt wurden die Schwierigkeiten, die der Ermordete seit jeher mit der Öffnung des Tresors hatte, „was sonst immer seien Frau besorgte“, und wie in der gezeigten Filmsequenz der Sohn den Tresor öffnete, um Dokumente für die bevorstehende Beerdigung seiner Mutter zu erhalten. Diese Schwierigkeiten wurden wohl Gerhard Klingelhöfer zum Verhängnis, weil er den Tresor im Beisein der Täter nicht öffnen konnte. Gezeigt wurde, wie die Täter über ein gekipptes Fenster in den ersten Stock eindrangen, den vor seinem Fernseher im Erdgeschoss sitzenden Klingelhöfer hinterrücks überfallen und gewaltsam die Kellertreppe zum Tresor hinabstießen und dieser Schwierigkeiten bei der Öffnung der Tresortür hatte.

Am Samstag 10. September fand die Schwiegertochter Ines den Ermordeten vor dem Tresor. „Gerhard Klingelhöfer wurde so brutal misshandelt, dass er starb. Beute haben die Täter nicht gemacht, der Safe ließ sich nicht öffnen.“ Humburg mutmaßte bei Cerne, dass die einzige Zielrichtung im Haus des Ermordeten der Tresor war. Die Tat war offensichtlich nicht so geplant, zumindest der Tod nicht. Zentrale Frage ist: Wie konnten die Täter von dem Tresor im Keller wissen? Zumal dieser versteckt war. Darauf konzentriert sich die Kripo. „Die Anwohner haben von der Tat nichts mitbekommen. Wir hoffen auf Hinweise von Mitwissern. Tatzeitpunkt war der 9. September 2011 nach 20 Uhr“, so Humburg während Cerne auf die hohe Belohnung von 11 000 Euro verwies. Wie die Kripo auf Anzeiger-Anfrage mitteilte, hielten sich die Anrufe zur Fernsehfahndung „im einstelligen Bereich“. „Es war recht dürftig“, so die Auskunft. Weiter wird um Hinweise unter 0641/70062555 gebeten.

Zur Übersicht Landkreis Giessen

Wieviele ähnliche Fälle finden sich noch?

lg eugene

#98 RE: Presseartikel von Christine 25.07.2014 08:37

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Koblenz
Urteil im Doppelmord-Prozess rechtskräftig

Das Urteil im Prozess um den Doppelmord an einem Rentnerpaar aus Koblenz-Horchheim ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof hat die Revision der Schwiegertochter gegen das Urteil des Koblenzer Landgerichts verworfen. Das hatte sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Mit der Entscheidung des BGH ist auch die besondere Schwere der Schuld rechtskräftig festgestellt. Damit kann die Angeklagte nicht schon nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden. Sie hatte die Tat bis zuletzt bestritten. Ihr Verteidiger hatte deshalb Freispruch gefordert.
Stand: 24.07.2014, 17.01 Uhr


http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp...854320/1p25b9k/

#99 RE: Presseartikel von Christine 25.07.2014 14:01

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24.07.2014, 17:07 Uhr | zuletzt aktualisiert: 17:37 Uhr
Schwiegertochter scheitert: Revision im Mordfall Schemmer abgewiesen

Koblenz – Der Prozess um den Mord an dem Koblenzer Ehepaar Schemmer wird nicht neu aufgerollt, die verurteilte Schwiegertochter und ihr Anwalt sind erfolglos gegen das Urteil vorgegangen.


Kaum ein Prozess hatte in Koblenz so viel Wirbel ausgelöst, der 92 Zuschauerplätze bietende größten Saal des Landgerichts war regelmäßig voll besetzt. Es war ein Indizienprozess, der mit der Verurteilung der Angeklagten endete: Lebensklange Freiheitsstrafe, besondere Schwere der Schuld. Und dieses Urteil hat Bestand. Der Bundesgerichtshof hat die Revision verworfen, wie das Landgericht Koblenz am Donnerstag mitteilte.

Anklage und Gericht waren zur Überzeugung gekommen, dass die Angeklagte im Juli 2011 von ihrem Wohnort im Emsland nach Koblenz gefahren ist, um ihren 75-jährigen Schwiegervater und dessen 68 Jahre alte Frau zu erstechen. So habe sie an das Vermögen der wohlhabenden Schwiegereltern kommen wollen - vom Gericht auf rund 1,7 Millionen Euro geschätzt. Henrike Schemmers letzte Worte waren gewesen: "Ich kann mich nur wiederholen. Ich habe die Tat nicht begangen." Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.


http://www.rhein-zeitung.de/region/lokal...ml#.U9JFnERNMTo

#100 RE: Presseartikel von Bulli 10.10.2015 00:54

Rhein-Zeitung
12.9.2015
Der Schemmer-Mord: Die Tat, der Prozess, das Urteil

Es war einer der aufsehenerregendsten Prozesse der vergangenen Jahre: das Verfahren gegen Henrike Schemmer nach der Ermordung von Waltraud und Heinrich Schemmer aus Koblenz. Jetzt, gut zwei Jahre nachdem das Gericht die Schwiegertochter zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, liegt das rechtskräftige Urteil vor.

Koblenz. Die Menschen im Großraum Koblenz waren in Aufruhr, Zuhörer standen Schlange vor dem Gerichtssaal, Hobbyermittler diskutierten im Internet: Selten hat ein Verfahren am Landgericht Koblenz für derart viel Aufsehen gesorgt wie der Doppelmordprozess gegen Henrike Schemmer (49). Er begann am 18. Dezember 2012 und lief bis zum 5. August 2013, unsere Zeitung berichtete über alle 24 Prozesstage. Das Gericht hat die Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Sie fuhr demnach am Abend des 7. Juli 2011 von ihrem Wohnort 350 Kilometer nach Koblenz, drang ins Haus ihrer Schwiegereltern Waltraud (68) und Heinrich (75) Schemmer ein - und tötete beide. Eiskalt, mit großer Brutalität.

Jetzt liegt das rechtskräftige Urteil vor. Darin heißt es: Das Gericht ist „davon überzeugt, dass die Angeklagte ihre Schwiegereltern tötete, damit ihr Ehemann erben und mit dem Erbe ihre Wünsche nach einer Verbesserung und Sicherung ihres Lebensstandards erfüllen konnte. Das darin liegende rücksichtslose Streben nach Gewinn um jeden Preis erfüllt das Mordmerkmal der Habgier, das bei der Angeklagten auch tatbeherrschend war.“

Henrike Schemmer sagte zu Prozessende: „Ich habe die Tat nicht begangen.“ Mehr sagte sie nicht, nur diesen Satz. Ihr Anwalt forderte Freispruch. Es gebe „keinen einzigen Sachbeweis“, der für ihre Täterschaft spricht. Sie müsse aus dem Gefängnis entlassen, für ihre 13-monatige Untersuchungshaft entschädigt werden.

Das Urteil umfasst im Original 140 Seiten: Drei Seiten befassen sich mit den persönlichen Verhältnissen Henrike Schemmers, 16 Seiten mit ihrer Schuldfähigkeit, der rechtlichen Würdigung und der Strafzumessung, 119 Seiten mit der Beweiswürdigung. Auf mehr als 30 Seiten werden von der Polizei abgehörte Telefonate dokumentiert, die Henrike Schemmer mit Polizisten oder ihrem Mann führte.

Im Urteil heißt es: „Die Angeklagte ist der Tat überführt, weil sie als einzige Person die Gelegenheit zur Tatausführung hatte und durch weitere Indizien belastet wird.“ Das Urteil nennt unter anderem folgende vier Indizien: Henrike Schemmer hatte erstens Zugang zu einem Schlüssel zum Haus der Opfer. Zweitens wurde der BMW, welcher ihr zur Verfügung stand, zur Tatzeit von einem Motorradfahrer in Koblenz gesehen. Drittens versuchte sie, für Juli 2011 über Dritte ein Auto zu mieten. Viertens verhielt sie sich nach der Tat verdächtig - unter anderem fasste sie am Tatort mindestens eine Leiche an und versuchte später, sich ein falsches Alibi zu beschaffen.

Das Gericht ist „aufgrund einer Gesamtschau aller Beweisergebnisse“ davon überzeugt, dass Henrike Schemmer den Doppelmord an ihren Schwiegereltern verübte. Sie „hatte die Gelegenheit, in der Tatnacht unbemerkt von ihrer Familie mit dem BMW“ nach Koblenz und zurückzufahren. Und: „Entlastende Indizien sind nicht zutage getreten (...).“

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokal...id,1367945.html

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