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#301 RE: Presseartikel von Tumbleweed 06.10.2020 18:03

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06.10.2020, 16:33 Uhr

Mordfall Maria Baumer: Lebenslange Haftstrafe für Verlobten

Lebenslänglich! Mit diesem Urteil ist nach drei Monaten der Indizienprozess im Mordfall Maria Baumer zu Ende gegangen. Angeklagt war der Verlobte des Opfers. Er verfolgte das Urteil vor dem Regensburger Landgericht regungslos.

Im Prozess um den Tod von Maria Baumer ist der Angeklagte am Landgericht Regensburg am Dienstag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.
Angeklagter zeigt keine Regung beim Urteilsspruch

Ruhig und fast regungslos hörte sich der Angeklagte den Richterspruch an. Mit seinem Urteil folgte das Regensburger Schwurgericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Einer der Verteidiger kündigte an, in Revision gehen zu wollen.

Der heute 36-Jährige soll seine Verlobte im Jahr 2012 mit Medikamenten getötet und ihre Leiche dann in einem Wald im Landkreis Regensburg vergraben haben. Der Angeklagte habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Damit seien zwei Mordmerkmale erfüllt, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Der Krankenpfleger habe seine Verlobte beseitigen wollte, um frei zu sein für eine neue Beziehung mit einer Patientin
Baumer war KLJB-Vorsitzende und wollte heiraten

Maria Baumer aus Muschenried im Landkreis Schwandorf war im Mai 2012 verschwunden. Kurz zuvor war die damals 26-Jährige zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugend (KLJB), einem der größten Jugendverbände Bayerns gewählt worden. Und sie stand kurz vor der Hochzeit mit dem Angeklagten. Ihre Eltern und Geschwister traten in dem Prozess als Nebenkläger auf.
Angeklagter bestritt Tötung seiner Verlobten

Im Laufe des Indizienprozesses hatte der Angeklagte zuletzt zwar eingeräumt, die Leiche beseitigt zu haben. Die Tötung der Frau stritt er aber ab. Er behauptete vielmehr, Baumer habe die Medikamente selbst eingenommen. Aus Panik habe er dann die Leiche verschwinden lassen und seine Verlobte als vermisst gemeldet.
Viele offene Fragen

Das Gericht hingegen sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine Verlobte gewaltsam getötet hat. Der Mann habe seine Verlobte mit Medikamenten betäubt, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Sollte Maria Baumer zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben, sei es sogar möglich, dass der Angeklagte sie erwürgt habe. Das sei aber nicht mehr nachweisbar.

Bundesweites Aufsehen

Der Fall Baumer hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Er war vor acht Jahren auch in der TV-Sendung "Aktenzeichen xy ... ungelöst" Thema. Damals galt er noch als Vermisstenfall. Der Verlobte trat bei Moderator Rudi Cerne auf und bat um Hinweise auf den Aufenthaltsort seiner Verlobten - die er selbst bereits im Wald vergraben hatte.

BR

#302 RE: Presseartikel von Kalliope 06.10.2020 19:42

https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deu...r-2020-100.html


CF ab 6:30 min

#303 RE: Presseartikel von MissMill 06.10.2020 23:08

"Überzeugt von der Schuld"

Der Angeklagte Christian F. wird wegen Mordes an seiner Verlobten Maria Baumer schuldig gesprochen. Viele Indizien hätten am Ende ein Gesamtbild ergeben, das keine Zweifel lasse, sagt der Vorsitzende Richter.

Im Mordprozess Maria Baumer ist der Angeklagte Christian F. am Dienstag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wie der Vorsitzende Richter Michael Hammer am Nachmittag verkündete, hat F. seine Verlobte "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln getötet, die Leiche im Wald vergraben und ihr Verschwinden inszeniert. Wie die Plädoyers kürzlich zutreffend beschrieben hätten, handele es sich um einen "Indizienprozess" - mit der Gefahr, einzelne Beweisanzeichen falsch zu bewerten. Maßgeblich sei allerdings die "Gesamtschau aller be- und entlastenden Indizien". Und demnach sei die Kammer am Landgericht Regensburg "überzeugt von der Schuld".

Damit geht einer der spektakulärsten Kriminal- und Justizfälle des vergangenen Jahrzehnts in Bayern zu Ende - nach gut drei Monaten Prozess mit detailreicher Beweisaufnahme; mit starkem Interesse von Zuschauern, am Urteilstag kreisen Schlangen für Besucherkarten bereits Stunden zuvor um das Gericht; vor allem aber mit einer enormen zeitlichen Dimension: Das Urteil fällt mehr als acht Jahre nach dem Verschwinden der Frau aus dem oberpfälzischen Muschenried an Pfingsten 2012.

Ein Mensch ist plötzlich nicht mehr da. Das ist Alltag in Deutschland, von bis zu 300 Vermisstenmeldungen täglich spricht das Bundeskriminalamt. Sie werden erfasst und meist rasch wieder gelöscht. Die "Erledigungsquote" liegt erfahrungsgemäß bei 80 Prozent in den ersten Wochen. Es klärt sich auf, es lassen sich Gründe finden für ein Abtauchen. Bei Maria Baumer, 26 Jahre alt und in Startposition ins etablierte Erwachsenenleben, fiel das den Angehörigen schwer. Sie hatte gerade den ersten Job nach ihrem Studium angetreten. Bald sollte geheiratet werden, die Einladungen waren gedruckt, eine große Landhochzeit - mit jenem Mann, mit dem sie seit 2008 liiert war und der später auf der Anklagebank sitzen sollte. Und da war ihr Ehrenamt in der Katholischen Landjugendbewegung, im Glauben vereint, sozial engagiert. Seit Kurzem war sie die Landesvorsitzende. Akkurat wurde über die Monate vor Gericht das Leben der Toten und des Angeklagten aufgearbeitet, das des Paares.

Viele Puzzleteile waren es, die das Gericht zu sortieren hatte. Davon spricht jetzt auch der Richter. Das Verfahren sei "wie ein Puzzlespiel, in dem zunächst unklar ist, wo jedes einzelne Teil hingehört, wo sich aber am Ende ein Gesamtbild ergibt, das keine Zweifel lässt, wo jedes einzelne Teilchen seinen Platz hat".

Baumers Verschwinden war auch eine Geschichte des Vertuschens. F. hat sie, wie er im August vor Gericht zugab, nicht nur in einem Wald nördlich von Regensburg vergraben und versucht, mit Löschkalk die Spuren zu verwischen; sondern er hat auch mit erfundenen Telefonaten die Story konstruiert, wonach sie eine "Auszeit" genommen habe. Laut Plädoyer der Verteidigung will F. jedoch Baumer tot im Bett gefunden haben. Schon länger habe sie Medikamente genommen, auf eigenen Wunsch hin: wegen Regel- und Rückenschmerzen und Depressionen. Weil er ihr diese Tabletten besorgt habe, geklaut in der Psychiatrie, in der er als Pfleger arbeitete, sei ihm die Idee mit der Inszenierung und dem Vergraben gekommen. "Kurzschlussreaktionen", aus denen es dann "kein Zurück mehr" gegeben habe. "Ein Unfalltod" - Freispruch.

Dem folgte die Kammer nicht, sondern ziemlich exakt der Anklage. Die Staatsanwaltschaft hatte im Sommer Mord zur Last gelegt. Hauptmotiv sei die Liebe zu einer anderen Frau, F.s Patientin Valerie S. - er wollte seine Verlobung über Baumers Tod lösen und soll ihr in der gemeinsamen Wohnung aufgelöst in Kakao hohe Dosen des Beruhigungsmittels Lorazepam und eines Opioids verabreicht haben. "Sie war arglos, wie ein Mensch nur sein kann", sagt Hammer. Die Indizien betrafen zuvorderst das Vergraben, dies hatte F. ja eingeräumt. Wichtig blieben seine Google-Suchen kurz vor Baumers Verschwinden: nach "der perfekte Mord" und "Lorazepam letale Dosis". Jenes Mittel konnte an der Leiche festgestellt werden, was zur Wiederaufnahme des Verfahren 2019 führte. Ob dies Baumer tatsächlich tötete, war nicht zu klären.

Dies räumt auch Hammer ein. Für die Kammer stehe aber fest, dass sich der Tod der gesunden Frau nur über den Tatvorwurf "plausibel erklären" lasse und dass alles andere als eine "heimliche Beibringung fernliegend" sei. Zentral sei eben die Google-Suche, die sich als "gedankliche Vorwegnahme des Giftmordes" sehen lasse. Ein "stimmiges Gesamtbild" ergebe sich über die Motivlage, Valerie S. sei "zum Zentrum seiner Tagesgestaltung" geworden.

Die Mordakte Baumer hat über all die Jahre unzählige Kapitel angehäuft: ihre Bekanntheit durch das Ehrenamt, die akribische Vermisstensuche auch in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" (laut Hammer "makabrer Höhepunkt" der Inszenierung), dann der Fund der Leiche 2013 und eine vorübergehende Verhaftung des Verlobten; später ein weiterer Prozess gegen F. wegen des sexuellen Missbrauchs zweier Schulbuben; Ende 2018 schließlich die Einstellung der Ermittlungen - danach neue technische Möglichkeiten, mit denen die Arzneispuren an der Leiche festgestellt wurden. Am Ende die erneute Verhaftung F.s sowie die Anklage mit einem Motiv, das für alle kaum fassbar ist in seiner augenscheinlichen Belanglosigkeit. Es ist ein Fall voller Wendungen, unzweifelhaft belastend für die Familie der Ermordeten.

F., der den Prozess meist mit regungslosem Blick verfolgte, wirkt angefasst beim Urteilsspruch, sucht jedoch nicht den Blick zur Nebenklagebank. Dort sitzt die Familie Baumer, die Zwillingsschwester mit Tränen kämpfend, die Mutter und der Vater zittern. Sie haben endlich Gewissheit.

https://www.sueddeutsche.de/bayern/fall-...rteil-1.5056164

#304 RE: Presseartikel von MissMill 06.10.2020 23:21

„Nüchternes Kalkül“: Lebenslänglich für den Mörder von Maria Baumer

Die 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg verurteilt Christian F. wegen Mordes an seiner früheren Verlobten Maria Baumer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Gericht sieht niedrige Beweggründe und Heimtücke als Mordmerkmale und stellt zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Die Fassade hält bis zum Schluss. Als die Polizeibeamten Christian F. um kurz vor 17 Uhr wieder die Handschellen anlegen, um ihn zurück in die JVA zu bringen, wechselt er noch kurz ein paar Worte mit einem seiner Brüder. Der hat heute neben dem 36jährigen Platz genommen, um ihm bei der Urteilsverkündung beizustehen. Doch dass die 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg ihn soeben wegen Mordes an seiner früheren Verlobten Maria Baumer verurteilt und zudem die besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, scheint Christian F. – zumindest äußerlich – nicht zu berühren. Wie schon in den zurückliegenden 18 Verhandlungstagen verzieht er kaum eine Miene und bei dem letzten Wortwechsel wirkt er beinahe locker, so als ob weiter nichts passiert wäre.

Die Kammer unter Vorsitz von Dr. Michael Hammer ist nach dem aufwändigen Indizienprozess davon überzeugt, dass Christian F. seine Verlobte heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordet hat. „Ähnlich wie bei einem Puzzlespiel“ habe sich am Ende ein Gesamtbild ergeben, „bei dem es keinen Zweifel mehr gibt“.

Bereits als Anklage erhoben wurde, habe alles dafür gesprochen, dass Christian F. die Leiche von Maria Baumer selbst im Wald vergraben habe. Dieser habe etwas völlig anderes behauptet und einigen Aufwand betrieben, um etwas anderes zu suggerieren „bis hin zu einem makabren Auftritt bei Aktenzeichen XY ungelöst“, so Hammer. Allerdings lasse sich allein daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass F. seine Verlobte vorsätzlich getötet habe. „Dafür kann es auch andere Gründe geben.“ Und so habe sich die Kammer seit Beginn des Prozesses mit der Frage beschäftigt, ob ein solcher Grund vorliege und man vorsätzliche Tötung ausschließen könne.

Die Erklärung, die der Angeklagte am elften Verhandlungstag abgegeben hatte, zu einem Zeitpunkt als seine früheren Behauptungen „längst widerlegt“ gewesen seien, habe dafür nicht den Ausschlag gegeben. Überhaupt habe man sich an keiner Stelle ausschließlich auf die Einlassung des Angeklagten gestützt, so Hammer. Dessen Aussageverhalten in diesem und dem Missbrauchsprozess 2016 sei „irritierend“. Christian F. räume stets nur das ein, was zu beweisen sei. Er nutzte die Lüge nicht nur als Notlüge, sondern „fast schon lustvoll“ und schrecke auch nicht davor zurück, Personen, die ihm nahestehen, „systematisch hinters Licht zu führen“.

Unfall, Suizid oder natürlicher Tod ausgeschlossen

Sechs Überzeugungen, die die Kammer gewonnen hat, stellt Hammer der ausführlichen Begründung voran:

Maria Baumer ist keines natürlichen Todes verstorben. Dafür spreche insbesondere auch das Nachtatverhalten von Christian F.

Die Todesursache lässt sich zwar nicht mehr feststellen, aber Baumers Tod ist mit den nachgewiesenen Rückständen des Opiats Tramadol und des Beruhigungsmittels Lorazepam plausibel zu erklären.

Maria Baumer hat diese Medikamente nicht selbst aus eigenem Antrieb eingenommen.

Nur der Angeklagte kommt als derjenige in Betracht, der ihr die Medikamente verabreicht haben kann.

Christian F. gab seiner Verlobten diese Medikamente heimlich ohne deren Wissen.

Er hatte dabei nicht die Absicht, sie lediglich zu sedieren, sondern wollte sie gezielt damit töten. Ein Versehen – Körperverletzung mit Todesfolge – schließt die Kammer aus.

Wie sich die Rollen in der Beziehung veränderten
Bei der Vorgeschichte des Mordes setzt das Gericht im Januar 2007 an. Ein enger Freund Maria Baumers, Beni, kam damals bei einem Unfall ums Leben. Sie habe sich für dessen Tod mitverantwortlich gefühlt und habe sich in einer tiefen Krise befunden. Das gehe aus Briefen hervor, die sie während dieser Zeit an (den verstorbenen) Beni geschrieben habe. Christian F., mit dem Maria Baumer zu dieser Zeit lediglich eine Freundschaft verband, habe an Bedeutung gewonnen. Damals sei sie nicht die starke und selbstbewusste Frau gewesen, die später in der Beziehung die Dominantere von beiden gewesen sei, sondern von Trauer und Selbstzweifeln gequält. Christian F. sei damals „der Retter in der Not“ gewesen, eine Rolle, in der er sich wohlgefühlt habe. Im Januar 2008 wurden die beiden ein Paar.

Bis 2011 führten die beiden dann weitgehend eine Fernbeziehung. Maria Baumer ging zum Studium nach Bayreuth, Christian F. arbeitete am Bezirksklinikum Regensburg als Krankenpfleger und begann hier ein Medizinstudium. Als die beiden Ende 2011 in einer gemeinsamen Wohnung in Regensburg zusammenzogen, haben sich die Rollen in der Beziehung nach Überzeugung der Kammer zunehmend verändert.

Maria Baumer schloss ihr Studium erfolgreich ab, fand rasch einen Job, man plante die gemeinsame Hochzeit. Ernsthafte Krisen habe es nicht gegeben. Bei Christian F. habe sich hingegen zunehmend abgezeichnet, dass er in seinem Medizinstudium am „Siebfach“ Chemie scheitern würde. Mehrere Facebook-Chats belegen, dass er darüber sowohl seine Brüder als auch seine Verlobte belog. Er schrieb von Prüfungen, die er quasi schon „in der Tasche“ habe. Tatsächlich scheiterte er entweder deutlich oder erschien erst gar nicht zum Termin. Ob er es noch theoretisch hätte schaffen können, spiele dabei keine Rolle, so Hammer. Er habe sein Umfeld systematisch belogen.

Die anfänglichen Rollen der beiden – hier die hilfsbedürftige Maria, dort der Retter Christian – hätten sich umgekehrt. Maria Baumer sei zunehmend über den Tod von Beni hinweg gekommen, wie auch ein letzter Brief an ihn 2011 zeige. Sie habe eine aussichtsreiche Stelle angetreten und sei zur Landesvorsitzenden der KLJB gewählt worden. Auf der anderen Seite sei Christian F. vor seinem drohenden Scheitern im Studium gestanden, das er durch systematische Lügen zu verheimlichen suchte.

Spätestens im April 2012 sei dann Valerie S. „zum Mittelpunkt seines Denkens und Handelns“ geworden. Die junge Frau, die F. als Patientin am Bezirksklinikum kennengelernt hatte, sei angesichts ihrer Depressionen schwach und hilfsbedürftig gewesen – damit das, was F. angesichts seines fragilen Selbstbildes gebraucht habe. Anfang Mai begann er Erkundigungen über Valerie S. einzuholen, er freundete sich mit ihr auf Facebook an, recherchierte fast täglich auf ihrem Facebook-Profil, Tumblr-Blog und bei Google über sie und ihre Familie. Immer wieder schrieb er ihr längere Nachrichten.

Am 10. Mai, 15 Tage vor Maria Baumers Tod, nahm er über ein Pseudonym Kontakt zu Valerie S. auf, mimte einen Amerikaner, der selbst wegen Depressionen in Behandlung war, horchte sie aus und versuchte, sie zu manipulieren. Allein das Löschprotokoll von diesem Tag, das Datenforensiker auf dem Computer von F. rekonstruieren konnten, dokumentiert 200 Seiten an Suchen, Nachrichten etc., in denen F. sich mit Valerie S. beschäftigt. Dasselbe Bild ergibt sich auch in den Folgetagen. Stundenlange Recherchen über Valerie S., Downloads von Fotos und Texten von und über sie, Nachrichten – mal unter Klarnamen, mal unter Pseudonym. Valerie S. sei „zum Zentrum seiner Tagesgestaltung geworden“, so Hammer. Von seinem Studium habe er sich – einen anderen Schluss ließen die vorliegenden Beweise nicht zu – schon lange verabschiedet. Hammer bezeichnet es vor diesem Hintergrund als „befremdlich“, wenn Christian F. in seiner Erklärung vor Gericht behaupte, dass Sorge um seine ärztliche Zulassung ein Motiv für das Vergraben von Maria Baumers Leichnam gewesen sei.

Am 14. Mai, jenem Tag, an dem seine Verlobte einen Gedächtnisaussetzer hatte und sich sorgte, was die Gründe dafür sein könnten, saß Christian F. bereits um 7 Uhr morgens an seinem Computer, recherchierte nach Begriffen wie „Würgegriff“ und verschiedenen Medikamenten. Mehrfach rief er die Facebook-Seite von Valerie S. auf, bereitete Posts und Nachrichten an diese vor, suchte nach aufbauenden Sprüchen, die er dann Valerie S. schickte. „Nicht seiner Verlobten, die doch nach seiner Schilderung einen Zusammenbruch gehabt haben soll“, wie Hammer anmerkt.

Auch am nächsten Tag, Maria Baumer hat noch immer mit dem Gedächtnisaussetzer zu kämpfen, schreibt er mehrfach an Valerie S. In einer längeren Nachricht bezeichnet er Maria Baumer als „Liebe seines Lebens“. Deren Amnesie scheint ihn „nicht zu beeindrucken“, so Hammer.

16. Mai. Christian F. sitzt nach Erkenntnis der Datenforensiker fast durchgehend am Computer. Immer wieder ruft er Seiten von Valerie S. auf, bereitet Nachrichten vor. Recherchiert daneben nach „Lorazepam letale Dosis“, tags darauf sucht er nach „perfekter Mord“, „perfektes Mordgift“. Am 18. Mai, Maria Baumer lässt sich wegen ihrem Gedächtnisaussetzer untersuchen, unterzieht sich einem MRT, muss Christian F. arbeiten, dazwischen widmet er sich weiter Valerie S. und seinen „Recherchen“. Die folgenden Tage arbeitet er an einem Blog, mit dem er später versucht, Valerie S. zu beeindrucken. Während er mit Valerie S. chattet, schickt er seiner Verlobten SMS, lügt ihr vor, er müsse Überstunden machen.

23. Mai. F. arbeitet weiter an seinem Blog, beschäftigt sich weiter mit Valerie S. Dazwischen fährt er zum Baumarkt und kauft jenen Spaten, mit dem er wenige Tage später den Leichnam seiner Verlobten im Wald verscharrt.

25. Mai. Morgens schreibt Christian F. eine fröhliche Nachricht an Valerie S. Maria Baumer ist während dieser Zeit arbeiten. Facebook-Nachrichten von ihr an ihre damalige Schwägerin lesen sich fröhlich, gut gelaunt. Am Abend fährt das Paar zum Reiterhof des Bruders. Maria Baumer reitet mit der Schwägerin aus, später wird gegrillt. Hier wird Maria Baumer das letzte Mal von Dritten lebend gesehen. Etwa gegen 23 Uhr fahren die beiden nachhause. Als Todeszeitpunkt sieht das Gericht einen Zeitraum zwischen kurz vor Mitternacht und 8.53 Uhr morgens, als Christian F. sich an Maria Baumers Laptop setzt und von ihrem Facebook-Account eine kryptische Nachricht an sich selbst schreibt: „Mein Schatz es tut mir weh, aber ich kann nicht anders. Du weißt, was ich dir gesagt habe. Ich liebe dich.”

Maria Baumer ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Nach Überzeugung des Gerichts hat Christian F. ihr wahrscheinlich über ein Kakaogetränk heimlich „erhebliche Dosen“ Lorazepam und Tramadol verabreicht. Dies sei wahrscheinlich bereits tödlich gewesen, habe aber auf jeden Fall zu einer tiefen Bewusstlosigkeit Baumers geführt. Diese sei zu dem Zeitpunkt „so wehrlos und so ahnungslos“ gewesen „wie ein Mensch nur sein kann“. Möglicherweise habe Christian F. sie anschließend auch erwürgt oder erstickt – das aber ließe sich nicht mehr rekonstruieren.

Primäres Ziel von F. bei dieser Tat sei es gewesen, weiter Zeit für Valerie S. aufwenden zu können, die in den vergangenen vier Wochen zum „Mittelpunkt seines Lebens“ geworden sei. Er habe bei der jungen Frau Anerkennung gesucht und das Ziel verfolgt, eine zentrale Rolle in deren Leben einzunehmen. Gegenüber seiner Verlobten, deren Familie und seiner habe er dies nicht offenlegen wollen. Er habe Angst vor Gesichtsverlust und Konflikten gehabt, zu denen er – das ergibt sich aus seiner psychiatrischen Begutachtung – nicht fähig war.

Bereits um 8.30 Uhr an diesem Morgen ruft Christian F. wieder Seiten von Valerie S. auf. Zwanzig Minuten später beginnt er damit, falsche Spuren zu legen: die Facebook-Nachricht, ein gefakter Brief Baumers an Beni, er verschiebt Dateien über Valerie S. in andere Ordner, lädt eine Musik-CD für sie auf einen Datenstick. Dazwischen Anrufe bei Baumers Eltern und Schwester, denen er die Geschichte vom Verschwinden seiner Verlobten vorlügt und davon, dass diese eine Auszeit brauche.

Irgendwann zwischen dem 26. und 27. Mai 2012 verscharrt er die Leiche Maria Baumers im Kreuther Forst, überschüttet sie mit Branntkalk, um die Verwesung zu beschleunigen. Am 27. Mai schreibt er bereits wieder unter Pseudonym an Valerie S. und intensiviert in den folgenden Tagen zunehmend den Kontakt zu ihr. Er besorgt sich ihre Patientenakte und beginnt die junge Frau zunehmend zu stalken. An manchen Tagen unternimmt er über 70 Kontaktversuche. Valerie S. antwortet irgendwann nur noch sporadisch. Sie will den Kontakt vermeiden. Am Abend des 22. April 2014 kommt es zur Eskalation. Gegen den Willen von Valerie S. kommt Christian F. mit zu ihr in die Wohnung und betäubt sie mit Lorazepam, demselben Medikament, an dem seine Verlobte starb, um, wie es Richter Hammer ausdrückt, „ihren Widerstand auszuschalten“.

Gestanden hat Christian F. diese Tat in einem Prozess 2016 erst im Rahmen eines „Deals“ zwischen Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Im Plädoyer seiner Verteidiger wiederum ließ F. dieses Geständnis dann als lediglich taktisch motiviert darstellen und nun – im Mordprozess – habe Christian F. das Betäuben von Valerie S. erst nach deren Aussage eingeräumt, zeichnet Richter Hammer den Ablauf im Rahmen der Beweiswürdigung nach. Mehrfach bezeichnet Hammer dabei die Aussage von Valerie S. als „beeindruckend“. Es bestünden „keinerlei Zweifel“ an deren Schilderungen. Diese seien „in seltener Weise geprägt“ gewesen von Selbstreflexion und Differenziertheit. „Diese Zeugin hat uns sehr beeindruckt.“ Doch zurück zur Beweiswürdigung.

Für einen natürlichen Tod Maria Baumers sieht die Kammer „keinerlei Anhaltspunkte“. Kurz vor ihrem Tod habe es ein Blutbild, ein MRT und ein EKG ohne irgendwelche Befunde gegeben. Auch das Nachtatverhalten von Christian F. spreche gegen eine natürliche Todesursache. In Baumers sterblichen Überresten seien sowohl Tramadol als auch Lorazepam nachgewiesen worden. Ihr Tod lasse sich damit plausibel erklären. Andere Todesursachen seien zwar nicht auszuschließen, aber nicht naheliegend.

Auch dafür, dass Maria Baumer die Medikamente selbst eingenommen habe, gebe es keine Hinweise. Haare aus einer Bürste im Badezimmer des Paares hätten keine entsprechenden Rückstände gezeigt. Keiner der behandelnden Ärzte von Maria Baumer habe ihr je ein solches Medikament verschrieben. Sie selbst habe sich mehrfach gegenüber Ärzten und Verwandten dazu geäußert, dass sie wegen ihrer Regelbeschwerden hohe Dosen Ibuprofen einnehme, aber nie sei das Opiat Tramadol genannt worden. Angesichts der Regelmäßigkeit von Baumers Periode und ihrer vorherigen Regel, die in Arztunterlagen dokumentiert ist, sei es auch unwahrscheinlich, dass sie am 25. Mai überhaupt unter diesen Beschwerden gelitten habe.

Möglicherweise habe Baumer nach dem Reiten zwar unter Rückenbeschwerden gelitten, aber es fänden sich auch Rückstände von Diclofenac und Ibuprofen in ihren sterblichen Überresten – Medikamente, die in so einem Fall, als Tabletten und Salbe, weitaus naheliegender seien als Tramadol. Ähnlich beurteilt die Kammer F.s Behauptung, Baumer habe Lorazepam wegen depressiver Stimmung an jenem Abend genommen. Dafür gebe es keinerlei Anhaltspunkte, keine weiteren Zeugen abseits von F.s Behauptung. Ein weiteres Indiz, das dagegen spreche, sei auch Baumers skeptische Haltung gegenüber stärkeren Medikamenten, die auch aus Gesprächen mit Ärzten dokumentiert ist. Sowohl einen von Baumer selbstverschuldeten Unfall durch unvorsichtige Medikamenteneinnahme als auch einen Suizid, den die Erklärung von Christian F. nahelege, hält die Kammer für ausgeschlossen.

„Die Beweisaufnahme vermittelt den Eindruck, dass Maria Baumer ihre wesentlichen Lebensziele erreicht hatte“, so Hammer. Ihre weitere Lebensplanung sei allenfalls durch die Studienprobleme ihres Verlobten gefährdet gewesen. Insofern seien Unfall oder Suizid allenfalls „denktheoretisch möglich, praktisch aber auszuschließen“. Gegen die Möglichkeit, dass Christian F. Baumer mit Lorazepam habe betäuben wollen, um so eine sexuelle Phantasie zu befriedigen und sie damit unabsichtlich getötet habe, spreche schließlich das nachgewiesene Tramadol.

Als weiteres belastendes Indiz stuft das Gericht die Internetrecherchen des Angeklagten ein – „Würgegriff“, „perfekter Mord“, „perfektes Mordgift“ etc. Die Hypothese der Verteidigung, dass es sich dabei lediglich um kriminalistisches Interesse gehandelt habe, sei fernliegend, zumal die Recherchen genau zu der Tötungsart durchgeführt worden seien, die bei Maria Baumer angewendet wurde.

Beim Motiv gebe es zwar ein krasses Missverhältnis zur Tat, „aber hier kommen die Persönlichkeitsmerkmale des Angeklagten zum Tragen“, führt Hammer aus. Ein deutliches Auseinanderklaffen zwischen dem Selbstbild des Angeklagten als selbstbewusst, als selbstloser und fürsorglicher Helfer und der Realität. Dazu seine ausgeprägte Konfliktscheue. Auch weise die Tat deutliche Merkmale eines „Itimizids“ (Mord innerhalb einer intimen Beziehung) auf, wie er auch in der Fachliteratur beschrieben werde. Die Kammer messe dem zwar keine zentrale Bedeutung zu, es zeige aber, „dass das, was uns eigentlich undenkbar erscheint, immer wieder vorkommt“.

Leitendes Motiv von Christian F. sei es gewesen, den Kontakt mit Valerie S. aufrechtzuerhalten und zu vertiefen. Dabei sei ihm Maria Baumer im Weg gestanden. Eine offene Trennung hätten zu viele Konflikte und Gesichtsverlust für ihn bedeutet. Schließlich habe er nach außen und gegenüber seiner Verlobten das Bild einer intakten Beziehung aufrechterhalten. Die Tötung habe der Verwirklichung seiner eigenen Ziele gedient. „Er wollte sich den erwünschten Freiraum schaffen – ohne Gesichtsverlust.“

Eine klinisch relevante Persönlichkeitsstörung habe die psychiatrische Gutachterin trotz seiner narzisstischen Strömung und trotz seiner Hebephilie nicht feststellen können. Seine Tat sei von „nüchternem Kalkül“ getragen gewesen. Christian F. sei sich voll bewusst gewesen, dass Maria Baumer für die Situation nichts konnte und von einem Konflikt nichts ahnte. Auch Hinweise auf eine Affekthandlung sieht die Kammer nicht.

Weil es sich um keine Spontantat handelte, weil es sich bei dem Opfer von Christian F. um einen Menschen handelte, der ihm in besonderer Weise vertraute und weil es ihm beim Inszenieren von Maria Baumers angeblichen Verschwinden nicht allein darum gegangen sei, die Tat zu verschleiern, sondern auch, sich selbst als Opfer zu inszenieren, sich in Szene zu setzen und damit interessant für Valerie S. zu machen, stellt das Gericht zusätzlich die besondere Schwere der Schuld fest.

Letzte Chance: Revision

Christian F. bleibt nun noch als letzte Möglichkeit, Revision gegen das Urteil einzulegen. Seine Pflichtverteidiger Michael Haizmann und Johannes Büttner äußerten sich dazu am Dienstag nicht. Wahlverteidiger Michael Euler war wegen eines anderen Verfahrens bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.

https://www.regensburg-digital.de/nuecht...aumer/06102020/

#305 RE: Presseartikel von Tumbleweed 07.10.2020 16:04

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Urteil im Mordprozess Maria Baumer: Das TVA Journal vom 6. Oktober 2020

6. Oktober 2020 19:24

Urteil im Mordprozess Maria Baumer: Das TVA Journal vom 6. Oktober 2020 mit Rick Prokein.

Video TV-Aktuell

#306 RE: Presseartikel von Tumbleweed 08.10.2020 15:09

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Regensburg: Verteidigung geht nach Baumer-Urteil in Revision

7. Oktober 2020

Die zweite große Strafkammer hat den Verlobten der 2012 getöteten Maria Baumer gestern zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Die Verteidigung geht in Revision.

Die Leiche der im Mai 2012 getöteten Maria Baumer aus dem Landkreis Schwandorf ist im September 2013 in einem Wald gefunden worden. Vergraben von ihrem Verlobten, der sie nach ihrem Tod als vermisst gemeldet hat und sich öffentlich als der arme besorgte Freund präsentiert hat. Er galt zwar damals schon als verdächtig, kam in U-Haft, doch nachweisen ließ sich ihm nichts. Dann neue Ermittlungstechniken und eine neue Anklage.

Gestern ist der Prozess gegen ihn mit einem Schuldspruch geschlossen worden. Vorerst!

Denn die Verteidigung wird Revision gegen das Urteil einlegen. Das hat einer der drei Anwälte, Michael Haizmann aus Regensburg, gegenüber OTV bestätigt. Da die höchste der Höchststrafen ausgesprochen wurde, durch die eine vorzeitige Haftentlassung ausgeschlossen wäre, habe die Verteidigung „nun nichts mehr zu verlieren“, so Haizmann.

Wie gestern berichtet ist der 36-jährige Angeklagte zu Lebenslang wegen heimtückischen Mordes und aus niedrigen Beweggründen verurteilt worden. Zudem wurde die Schwere der Schuld festgestellt, so dass eine vorzeitige Haftentlassung nach üblicher Weise 15 Jahren ausgeschlossen ist.

(gb)

OTV

#307 RE: Presseartikel von Tumbleweed 09.10.2020 14:45

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Regensburg: Verteidigung geht nach Baumer-Urteil in Revision

7. Oktober 2020 14:10

Die Leiche der im Mai 2012 getöteten Maria Baumer aus dem Landkreis Schwandorf ist im September 2013 in einem Wald gefunden worden. Vergraben von ihrem Verlobten, der sie nach ihrem Tod als vermisst gemeldet hat und sich öffentlich als der arme besorgte Freund präsentiert hat. Er galt zwar damals schon als verdächtig, kam in U-Haft, doch nachweisen ließ sich ihm nichts. Dann neue Ermittlungstechniken und eine neue Anklage.
Gestern ist der Prozess gegen ihn mit einem Schuldspruch geschlossen worden. Vorerst! (gb)

OTV

#308 RE: Presseartikel von Tumbleweed 12.10.2020 17:40

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Regensburg
Fall Maria Baumer erneut Thema bei "Aktenzeichen xy" im ZDF
12.10.2020 | Stand 12.10.2020, 14:05 Uhr

Gut eine Woche nach dem Mordurteil gegen den Verlobten von Maria Baumer aus der Oberpfalz greift die ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy ... ungelöst" das Thema erneut auf.

Moderator Rudi Cerne befasst sich in der Folge am Mittwoch (14. Oktober, um 20.15 Uhr) mit der Frage: "Hatten wir im xy-Studio tatsächlich einen Mörder sitzen?", wie eine Sprecherin am Montag mitteilte. Baumer war im Mai 2012 von ihrem Verlobten als vermisst gemeldet worden. Der Mann trat damals in der Sendung auf und bat um die Unterstützung des Publikums.

Alle Hintergründe zum Fall Maria Baumer finden Sie auf unserer Sonderseite.

Ende 2019 folgte die Wende: Der Verlobte wurde als Tatverdächtiger angeklagt. Vergangene Woche ist er vor dem Landgericht Regensburg nach einem Aufsehen erregenden Indizienprozess wegen des Mordes an der 26 Jahre alten Frau für schuldig befunden und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der heute 36-Jährige seine Verlobte mit Medikamenten vergiftete, um für eine neue Beziehung frei zu sein. Die Tote vergrub er im Wald und erzählte den Angehörigen, die Frau sei verschwunden. Im Herbst 2013 fanden Pilzsammler ihre Leiche. Im Laufe des Prozesses gab der Mann zu, die Leiche verscharrt zu haben. Die Schuld am Tod der Frau wies er von sich. Sie habe die Tabletten wohl selber genommen.

Wenige Tage vor dem Urteil hatte Cerne die Entwicklungen im Fall Baumer als einzigartig bezeichnet. "Das gab es in der Geschichte von "Aktenzeichen xy" noch nie", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der 62-Jährige führt seit 2002 im ZDF durch die Sendung "Aktenzeichen xy ... ungelöst", in der die Zuschauer den Ermittlern mit ihren Hinweisen helfen können, Verbrechen aufzuklären. Die erste Folge des Dauerbrenners wurde 1967 ausgestrahlt. − dpa

PNP

#309 RE: Presseartikel von Christine 13.10.2020 14:27

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12. Oktober 2020 16:30 Uh


Justiz Baumer-Mörder geht in Revision

Der ehemalige Verlobte lässt das Urteil vor dem Bundesgerichtshof überprüfen. Noch ist offen, wer ihn anwaltlich vertritt.
Von Isolde Stöcker-Gietl


Regensburg.Es hat sich bereits unmittelbar nach dem Urteilsspruch abgezeichnet: Christian F., der ehemalige Verlobte von Maria Baumer, wird die Entscheidung des Landgerichts Regensburg anfechten.

PLUS ARTIKEL

https://www.mittelbayerische.de/region/r...art1947688.html

#310 RE: Presseartikel von Christine 15.10.2020 13:47

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Revision im Fall Maria Baumer

Eine Woche nach dem Mordurteil gegen den Verlobten von Maria Baumer aus der Oberpfalz hat sein Verteidiger Revision eingelegt. Diese sei am Dienstag beim Landgericht Regensburg eingegangen, sagte ein Sprecher. Die schriftliche Begründung des Urteils könne sich noch einige Wochen hinziehen. Liege diese vor, dann habe der Verteidiger einen Monat Zeit, die Revision zu begründen. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Der Verlobte war am vergangenen Dienstag in einem Aufsehen erregenden Indizienprozess wegen des Mordes an der 26 Jahre alten Frau zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Baumer war im Mai 2012 von ihrem Verlobten als vermisst gemeldet worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der heute 36-Jährige die Frau mit Medikamenten vergiftete, um für eine neue Beziehung frei zu sein. Die Tote vergrub er im Wald und erzählte den Angehörigen, die Frau sei verschwunden. Im Herbst 2013 fanden Pilzsammler ihre Leiche. Im Laufe des Prozesses gab der Mann zu, die Leiche verscharrt zu haben. Die Schuld am Tod der Frau wies er von sich. Sie habe die Tabletten wohl selber genommen.

Am Mittwoch (20.15 Uhr) wird der Fall Baumer nochmals Thema in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen xy … ungelöst». Denn der nun verurteilte Mann trat vor einigen Jahren in der Sendung auf und bat um die Unterstützung des Publikums. Zuvor hatte er Baumer als vermisst gemeldet.


Quelle

#311 RE: Presseartikel von Christine 22.12.2020 09:38

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Von André Baumgarten, Isolde Stöcker-Gietl 21. Dezember 2020 04:45 Uhr

Video-Doku Baumer-Prozess beendet eine Hängepartie

Über acht Jahre bleibt Maria Baumers Familie unklar, was 2012 passiert ist. In unserer MZ-Video-Doku sprechen Sie ganz offen.
Von André Baumgarten und Isolde Stöcker-Gietl


Regensburg.Es war ohne jeden Zweifel der Prozess des Jahres 2020 – und ein vorläufiger Schlussstrich unter einer jahrelangen Hängepartie für die Familie von Maria Baumer. Der Ex-Verlobte von Maria Baumer wurde am 6. Oktober nach einem Aufsehen erregenden Indizienprozess am Landgericht Regensburg wegen Mordes schuldig gesprochen. Die zweite Strafkammer stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Für die Eltern, die Zwillingsschwester und die drei Brüder endeten mit dem Urteil mehr als acht Jahre Ungewissheit, was ihrer Tochter und Schwester im Mai 2012 wirklich zugestoßen ist.

Einige Wochen nach dem Urteilsspruch waren Alois und Maria Baumer sen. sowie die Schwester des Opfers bereit, sich für eine Video-Dokumentation auch vor der Kamera zu äußern. Aus diesen sehr offenen und hochemotionalen Gesprächen mit den Angehörigen von Maria Baumer sowie den Interviews mit einer Ermittlerin, dem Staatsanwalt sowie dem Pflichtverteidiger von Christian F. entstand ein einzigartiges Zeitdokument, das tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Hinterbliebenen nach einem solchen Verbrechen – und den Aufsehen erregenden Fall selbst gewährt. Mehr noch: Es werden einige bislang unbekannte Details bekannt, was die Familie ertragen musste.
Fast 64 Minuten, die tief berühren

Die mehr als einstündige Video-Dokumentation von André Baumgarten ist ein bislang beispielloses Projekt unseres Medienhauses und entstand gemeinsam mit MZ-Autorin Isolde Stöcker-Gietl, die die wichtigsten Aspekte des Falles für die Zuschauer einordnet. Sie kennt diesen Kriminalfall besser als jeder andere und hat ihn auch in ihrem kürzlich erschienenen Buch ausführlich behandelt. Gemeinsam betreuten die beiden Redakteure während des Prozesses, den die Mittelbayerische mit einem Live-Newsblog, Hintergrundberichten und Videos nahezu in Echtzeit dokumentierte, auch einem eigenen Podcast zu diesem außergewöhnlichen Kriminalfall.



Im ersten Teil der Video-Doku spricht die Familie dabei über das Hoffen, die verzweifelte Suche nach dem plötzlichen Verschwinden von Maria Baumer im Mai 2012 und ihre Gefühle, als es traurige Gewissheit wurde, dass die Tochter und Schwester nie wieder nach Hause kommt.



Von der jahrelangen, quälenden Ungewissheit und ihren Zweifel am Ex-Verlobten der damals 26-Jährigen erzählen die Eltern Alois und Maria Baumer sowie die Zwillingsschwester Barbara im zweiten Teil der Doku. Eine Ermittlerin, Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher und Michael Haizmann, der Strafverteidiger von Christian F., verteidigen ihre Arbeit.



In Teil 3 gewährt die Familie von Maria Baumer Einblick in ihre Gefühlswelt während des Mord-Prozesses gegen den Schwiegersohn in spe und sprechen offen darüber, ob lebenslang und die besondere Schwere der Schuld gerecht sind. Und: Sie rechnen ab mit Menschen ohne Feingefühl, die sie viel Kraft gekostet haben.



Alles Wissenswerte über den „Fall Maria Baumer“ finden Sie in unserem umfangreichen Mittelbayerische-Dossier und in dieser Zusammenfassung der Ereignisses des Jahres 2020. Die Sondersendung des Videoteams zum Urteil am 6. Oktober können Sie ebenfalls hier nochmals sehen.

Quelle

#312 RE: Presseartikel von Christine 01.01.2021 13:37

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30.12.2020


Regensburg
:
Urteil im Fall Maria Baumer
Verlobter erhält wegen Mordes lebenslange Freiheitsstrafe

Von Johann Osel, Regensburg

Ein Satz des Staatsanwalts brachte es auf den Punkt: "Wenn man das alles verfilmen wollte, würde man wohl sagen, das war etwas too much, was passiert ist." Etwas zu viel also an spektakulären Wendungen über fast ein Jahrzehnt, an zuweilen schier unglaublichen Details, die in diesem Jahr am Landgericht Regensburg erörtert wurden - im Fall Maria Baumer. Christian F. wurde im Oktober wegen Mordes an seiner Verlobten zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, bei Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Viele Indizien hätten am Ende ein Gesamtbild ergeben, das keine Zweifel lasse, hieß es.

Einer der wohl aufsehenerregendsten Kriminalfälle der jüngeren Zeit ging damit zu Ende - nach aufwendiger Beweisaufnahme und mit starkem Interesse der Öffentlichkeit, an einigen Verhandlungstagen kreisten Schlangen für rare Besucherplätze um das Gerichtsgebäude. Vor allem aber mit enormer zeitlichen Dimension: Das Urteil fiel mehr als acht Jahre nach Maria Baumers Verschwinden um Pfingsten 2012. Ihre Leiche wurde ein Jahr später gefunden. Die Vorsitzende der Katholischen Landjugend in Bayern wurde 26 Jahre alt.

F. hat ihr laut Rekonstruktion des Gerichts arglistig in einem Getränk tödliche Dosen Beruhigungs- und Schmerzmittel wie Lorazepam verabreicht, die Leiche im Wald vergraben und ihr Verschwinden als angebliche Auszeit inszeniert. Hauptmotiv: Er liebte eine andere und wollte diesen Zwiespalt kurz vor der Hochzeit grausam auflösen. Wichtigste Indizien: der Spaten, der im Wald gefunden wurde, sowie verdächtige Suchen bei Google ("der perfekte Mord", "Lorazepam letale Dosis"). Das Vergraben hatte F. schließlich zugegeben, sie sei aber versehentlich an Arzneien verstorben. Brisant waren in dem Fall die üppige Vertuschungsaktion oder die Lügengebilde und Psychospiele, die F. mit seinem Umfeld trieb (auch mit jener Frau, die als Motiv gilt); oder eine Missbrauchsgeschichte von Teenagerbuben, die quasi als Nebenfall den Prozess begleitete. Die Verteidigung legte Revision ein.

Quelle

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