#1 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von 13.08.2017 16:51

22:15 Uhr Notruf
Dokumentarfilm Deutschland/Finnland/Frankreich 2014 | arte

Am 1. Dezember 2006 rief Anneli Auer, Hausfrau und Mutter von drei minderjährigen Kindern, bei der örtlichen Polizei in der westfinnischen Kleinstadt Ulvila an und bat dringend um Hilfe. Ein Unbekannter sei in ihr Haus eingedrungen und habe ihren Mann umgebracht. Die Polizei traf nach wenigen Minuten ein und fand den toten Ehemann und die mutmaßliche Tatwaffe. Die Suche nach dem unbekannten Täter beginnt und endet mit der Verurteilung der Mutter nach einer regelrechten Hexenjagd. Ist Anneli Auer wirklich eine "Horror-Mutter" oder Opfer eines Justizirrtums?


Am 1. Dezember 2006 rief Anneli Auer bei der örtlichen Polizei in der westfinnischen Kleinstadt Ulvila an und bat um Hilfe. Ein Unbekannter sei in ihr Haus eingedrungen und habe ihren Mann umgebracht. Die Polizei fand den toten Ehemann und die mutmaßliche Tatwaffe. Auch Anneli Auer hatte Messerstiche erlitten. Die sofort eingeleiteten Ermittlungen ergaben keine Hinweise für eine Schuld der Ehefrau am Tod ihres Mannes. Ein Motiv für die Tat war nicht erkennbar. Der Fall weist viele Merkwürdigkeiten auf. Dazu zählt die Tatsache, dass die Polizei einen ihrer Kollegen "undercover" in die Familie einschleuste, um den Verdacht zu erhärten, Auer sei die Täterin. Dieser Polizeibeamte wurde dann für mehr als sieben Monate der Geliebte der jungen Witwe. Trotzdem wurde sie verhaftet und in einem Indizienprozess zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Während der Ermittlungen und des Prozesses befanden sich die Kinder von Anneli Auer in der Obhut ihres Bruders Ari. Das von Auers Anwalt angestrengte Berufungsverfahren endete mit einem sensationellen Urteil. Fünf Jahre nach dem Mordfall wurde sie freigesprochen. Der Freispruch basierte auf genau derselben Beweislage, derentwegen sie vorher zur lebenslangen Haft verurteilt wurde. Nach einigen Monaten in Freiheit wurde Anneli Auer erneut verhaftet. Diesmal wurde sie wegen angeblicher Kindesmisshandlung sowie der Tierquälerei und der Ausübung satanistischer Rituale angeklagt. Die Vorwürfe basierten auf den Aussagen von Annelis Kindern, die ihr Bruder mit einer Videokamera aufgezeichnet und der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Ist Anneli Auer wirklich "Horror-Mutter" oder Opfer eines Justizirrtums?

Der Dokumentarfilm zeigt das schockierende Drama eines Mordfalls, der wegen zahlloser Ermittlungsfehler und Manipulation von Beweisen im Laufe der Jahre immer verworrener wurde und schließlich in eine Familientragödie mündete, bei der alle Beteiligten gleichermaßen Opfer wurden. Pekka Lehto begibt sich mit seiner investigativen Story nicht auf die Suche nach dem wahren Mörder. Sein Film ist vielmehr ein Plädoyer für den Grundsatz, jeden Beschuldigten zunächst als unschuldig anzusehen.

"Mord in Finnland" basiert auf Filmmaterial, das während der verschiedenen Prozesse gedreht wurde, auf Interviews mit Anneli Auer im Gefängnis und nach ihrer Freilassung. Lehto interviewte auch ihre älteste Tochter Amanda, Vertreter der Anklage und der Polizei. Außerdem enthält der Film Auszüge aus Polizeivideos von den Vernehmungen der Kinder. Einige Szenen der Ermittlung von Staatsanwaltschaft und Polizei wurden nachgestellt.

http://programm.ard.de/TV/Programm/Sende...872413735874226

#2 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von 13.08.2017 16:52

“Notruf” Horror Mutter oder Justizopfer? Doku (2015)
Der Fall Anneli Auer


https://www.youtube.com/watch?v=40o5lQToiTI

#3 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von 13.08.2017 17:14

Der Anruf

Aufgezeichnet Freitagmorgen, 1. Dezember 2006, um 2.43 Uhr. Eine Frau meldet sich aus Ulvila, einer Kleinstadt in West?nnland.
„Notrufzentrale.“ „Jemand will uns umbringen, er kam durchs Fenster!“„Beruhigen Sie sich bitte. Was ist denn los?“ „Ein Einbrecher sticht auf meinen Mann ein. Ich blute auch. Bitte, schnell!“„Ich schicke Ihnen Hilfe. Wie viele sind Sie?“ „Hier sind vier Kinder.“
Dieser Anruf wird der Frau das Leben retten. Und es bald darauf zerstören.

VON NICOLAS BÜCHSE FOTOS AAPO HUHTA

Mit ihm beginnt einer der mysteriösesten Kriminalfälle Finnlands. Eine Tragödie, die eine Frau jahrelang ins Gefängnis bringt, von ihren Kindern trennt und Geschwister zu Feinden macht. Die heute Finnland vor die Frage stellt, ob im Namen des Rechtsstaates ein fürchterliches Unrecht geschehen ist.
Mit ihm beginnt eine Ermittlung, die die Karriere des Kommissars Juha Joutsenlahti ruiniert.
Der Polizist lotst heute, fast zehn Jahre nach dem Anruf, den Wagen an einem Birkenwald vorbei. Sein Mobiltelefon, erzählt er, klingelte bald nach dem Notruf. Schon als er auf dem Display den Namen des Kollegen sah, ahnte er, dass sein Urlaub nun vorbei war.

Ein Familienvater, Personalentwickler im Kupferwerk, war ermordet worden, nachts im Schlafzimmer seines Hauses. Vor den Augen seiner Frau und seiner ältesten Tochter.
Juha Joutsenlahti dachte: Wer bricht in ein Haus ein und massakriert einen Familienvater in Gegenwart seiner Familie?

Es ist weiß Gott nicht außergewöhnlich, dass in Joutsenlahtis Revier jemand eines gewaltsamen Todes stirbt. Die Region um die west?nnische Stadt Pori verzeichnet die meisten Gewalttaten und Mordfälle in Finnland, seit der Ermittler denken kann. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Pori eine Hafen- und Arbeiterstadt ist, in der zu einem Streit neben bösen Worten auch Fäuste gehören. Sicherlich aber hängt es mit dem Alkohol zusammen.

Joutsenlahti hat auf den Straßen viele Menschen getro?en, die trinken, weil sie traurig sind. Und andere, die traurig sind, weil sie trinken. Und leider viel zu viele, die das Trinken gewalttätig macht. „Der typische Mordfall in Finnland hat drei Zutaten“, sagt Joutsenlahti, „viel Alkohol, zwei Freunde und ein Messer.“ Dieser Fall, sagt Joutsenlahti, war anders als alle anderen seiner Karriere. Und er blieb rätselhaft, egal, was er anstellte. Allein, wie oft er sich das Tonband mit dem Notruf angehört hat.

„Vier Kinder?“ „ Ja.“ Jaulende Männerstimme aus dem Hintergrund: „ Annu, Hilfe, komm! “ „ Ich muss jetzt … Amanda!“ Kinderstimme aus dem Hintergrund: „ Ja?“

„Kommst du bitte ans Telefon?“ Aus dem Hintergrund: Schreie, Stöhnen, Schluchzen. Dann eine Kinderstimme am Telefonhörer, hektisch: „Ist da jemand? Kommen Sie schnell! Meinem Papa geht es schlecht. Kommen Sie schnell! Papa, nicht sterben!“

Juha Joutsenlahti, 52 Jahre, 30 davon Polizist in Pori, hochgewachsen, Kreuz wie ein Eishockeyspieler, Bauch wie ein Passbeamter, kommt heute wieder an den Tatort zurück. Er erinnert sich an die Strecke sehr gut. Auch nach all den Jahren. An die Adresse sowieso. Tähtisentie 54, Ulvila.

Er hat sich freigenommen für die Fahrt zum Tatort. Vielleicht, um der Welt zu zeigen, dass er alles richtig gemacht hat. Vielleicht auch, um sich selbst zu vergewissern, dass er keinen Fehler begangen hat. Dass der Fall zu Unrecht seine Karriere aus der Bahn warf.

Der Wagen biegt in eine Neubausiedlung. „Die Streife brauchte damals für den Weg zum Tatort knapp acht Minuten“, sagt Joutsenlahti. „Eigentlich hatte ich Urlaub und zwei Mordfälle auf dem Tisch. Ich sollte aber trotzdem die Ermittlungen leiten.“ Joutsenlahti blickt sich um, er ist am Ziel. Ulvila, die kleine Schlafstadt zehn Minuten vor Pori. Die Straßen werden enger, die kleinen Einfamilienhäuser sind kaum zu unterscheiden. Roter Backstein, Holzverkleidung, weiß gestrichene Fensterrahmen.

Hier und da Trampoline in den Vorgärten, manchmal scheußliche Plastikstühle auf den Terrassen und häu?g Hecken, so zurechtgestutzt, als tobe hier ein Wettstreit der Nachbarn um die Gartenp?ege. Joutsenlahti blickt auf die Nummer 54 und erzählt. Die Kollegen riefen ihn damals ins Schlafzimmer. Sie berichteten: Das Opfer heiße Jukka Lahti, seine Frau Anneli Auer liege schwer verletzt im Krankenhaus. Joutsenlahti sah sich um. Eine eingeschlagene Scheibe in der Terrassentür, Scherben auf dem Boden. Die Blutspritzer waren nicht zu übersehen, sie reichten bis zur Decke. „Schnell, hören Sie, wie mein Mann schreit?“ „Ist er weg?“ „Ist jemand unterwegs?“

Anneli Auer kennt heute jedes Geräusch auf dem Tonband des Notrufs. Sie weiß, dass er vier Minuten und 18 Sekunden dauerte, wie viele Sekunden lang ihre Stimme darauf zu hören ist und wie lange ihre damals neunjährige Tochter Amanda mit der Frau von der Notrufzentrale sprach. Sie weiß, welche Gutachten das Knirschen von Scherben heraushörten und in welcher Sequenz die letzten Worte ihres Mannes zu hören sind.

Das sind Fakten, sie geben Anneli Auer Halt. Anders ist es mit Erinnerungen. Erinnerungen verblassen, sind manipulierbar, können sich gegen einen wenden. Sie sorgten dafür, dass sie nicht nur ihren Mann verlor, sondern in den Jahren danach ihren Ruf und fast alles, was ihr im Leben lieb ist. Deshalb redet Anneli lieber über Fakten, nicht darüber, woran sie sich erinnern kann.
Anneli Auer wollte erst genauer wissen, worüber man mit ihr sprechen wolle.

Sie bestand dann auf ein Tre?en an einem diskreten Ort. Jahrelang verschanzte sie sich hinter einer Sonnenbrille, die Leute kennen ihr Gesicht aus den Zeitungen, die ihr Foto druckten und darunter schrieben, sie sei vermutlich eine Satanistin, eine Hexe, ein Teufelsweib. Viele Finnen trauen ihr nun alles zu. Erzählen von ihren kalten blauen Augen, als wären sie ein Beweismittel.
Im Café des Scandic-Hotels in Turku sitzt nun eine schlanke, gep?egte Frau Anfang 50, ihr Rücken ist durchgedrückt, ihre Augen fokussieren ihr Gegenüber, sie wirkt erst nervös, dann zerbrechlich.
Und immer ein wenig entrückt, als hinge zwischen ihr und der Welt ein unsichtbarer Schleier.

Vor ihr liegen die Fotos der Spurensicherung. Dokumente des Schreckens, der in der Nacht zum 1. Dezember 2006 über ihr Leben hereinbrach. Sie zeigen ein blutverschmiertes Bettlaken, Blut auf einem Holzscheit und einen Mann, der neben dem Bett liegt. Einige Bilder lassen Fürchterliches erahnen, andere zeigen das Fürchterliche so drastisch, dass man sich wünscht, es nie gesehen zu haben. Wie die Bilder vom zertrümmerten Gesicht ihres Mannes, besonders das Foto von der rechten Gesichtshälfte.

Das Auge hängt aus der Augenhöhle, die Schläge müssen enthemmt, barbarisch gewesen sein. Anneli Auer schiebt die Fotos ungerührt in die Mitte des Tisches. Das Grauen kann ihr keinen Schrecken mehr einjagen. Sie hat es zu oft gesehen. „Ich ho?e, es kommt der Tag, an dem alles vorbei ist. An dem ich wieder leben kann. So lange muss ich kämpfen. Damit herauskommt, was wirklich passiert ist.“

Der 30. November 2006 war verhältnismäßig mild für diese Zeit in West?nnland, die Temperaturen blieben über dem Gefrierpunkt, nur der Wind blies stark. Gegen 21 Uhr machte sich der Personalentwickler des Luvata-Werkes auf den Heimweg von einer Dienstreise, die ihn nach Turku geführt hatte. Jukka Lahti trug ein dunkles Jackett und eine passende Hose, jedenfalls erinnert sich Anneli Auer heute so. Sein Äußeres war ihm wichtig, einmal im Monat ließ er seine dunklen Haare schneiden. Lahti hatte ein einprägsames Gesicht.

Kantiger Kiefer, dicke Lippen, buschige Augenbrauen.
Er war 51 Jahre alt, vier Jahre zuvor hatte er die Stelle in der Personalabteilung des großen Kupferwerks in Pori angetreten. Ein Karrieresprung. Er war deshalb mit seiner Familie aus Raisio in den Norden nach Ulvila gezogen.

Wer im Kupferwerk arbeitete, gehörte zu den stolzesten Männern der Region, so war es über Jahrzehnte. Und wer gewieft war, brachte auch seine Kinder und Kindeskinder in der Fabrik unter. Weil das Werk Generationen in dieser dünn besiedelten Gegend ernährte, war es den Arbeitern selbst wie ein Familienmitglied. Doch nun verstieß Mutter Fabrik ihre Kinder.

Das Unternehmen war dabei, mehr als 150 Arbeiter zu entlassen, und als Personalentwickler musste Lahti mit den gefeuerten Mitarbeitern ihre Entlassung abwickeln. Solch ein Job steigert nicht die Beliebtheit. Jemand hatte ihn bedroht. Er glaubte auch, dass die Kratzer an seinem Opel Za?ra kein Versehen gewesen waren. Aber Jukka Lahti war kein Mann, der sich deswegen Sorgen machte.

An diesem Tag hatte er das Haus um sechs Uhr verlassen.
Das Seminar des Arbeitsamtes in Turku dauerte den ganzen Tag. Lahti kannte das Amt gut, er hatte in den 90er Jahren dort gearbeitet. 1996 leitete er eine Gruppe für arbeitslose Akademiker, als er eine 31-jährige Frau mit einem Magister in Wirtschaftswissenschaften kennenlernte.
Sie stellte sich vor: Anneli Auer. Bald fand auch sie einen Job im Arbeitsamt. Lahti war verheiratet, Anneli hatte einen festen Freund, doch das hielt die beiden nicht davon ab, sich zu tre?en. Als Anneli schwanger wurde, ließ Jukka sich scheiden. Sie heirateten und bekamen drei weitere Kinder.
Ihr Haus in Ulvila hatte fünf Zimmer, Sauna und Garage.

Ein gewöhnliches Haus in diesem gewöhnlichen ?nnischen Wohngebiet. Mit den Nachbarn hatten sie nicht viel zu tun, Jukka und Anneli kamen von außerhalb und blieben wohl auch deshalb immer ein wenig außen vor. Das lag weniger an Jukka. Eher an Anneli, die den Nachbarn gegenüber so wortkarg war, dass man nicht auf die Idee kam, sie zum Ka?eeklatsch einzuladen.

Dabei verstand Anneli etwas vom Backen. Sie betrieb die Website perhekerho.net, dort verö?entlichte sie Rezepte, Geschenkideen, Einrichtungsvorschläge. Unter der Rubrik „Basteltipps“ erklärte sie zum Beispiel, wie man zu Halloween ein Gespenstermobile bauen kann. Auf ihrer anderen Seite, mammadieetti.net, gab sie Schlankheitstipps für Mütter.

Sie stellte dort Bilder von sich und ihrer nun wieder dünnen Taille ins Netz. Auf einer anderen Seite kämpfte sie für das Image der Hausfrauen, die sie in der ?nnischen Gesellschaft für diskriminiert hielt. Die Werbung auf ihren Internetseiten gab der Familie ein kleines Zusatzeinkommen. Die Zeit der Familie in diesem Haus in Ulvila sollte bald vorbei sein, Jukka sah sich nach einem Job in der Nähe von Helsinki um. Gegen elf Uhr abends steuerte er seinen Wagen in den Tähtisentie und parkte ihn in der Einfahrt.

Es war die Nacht von Donnerstag auf Freitag, in den meisten Häusern des Wohngebiets brannte kein Licht mehr.

Jukka Lahti ö?nete die Haustür und legte wie üblich sein Mobiltelefon auf die Kommode. Die Türen der Kinderzimmer waren geschlossen, die älteste Tochter schlief in ihrem Zimmer, die drei jüngeren, sieben, vier und zwei Jahre alt, teilten sich das andere. Am Morgen würden sie die erste Tür ihrer Adventskalender ö?nen.

Das jüngste Kind lag wach bei Anneli Auer im Bett. Sie hatten das Elternbett in das Zimmer mit dem Kamin gerückt, weil Jukka das dritte Schlafzimmer als Büro nutzte. Viel Platz war nicht in dem Raum, sie mussten das Bett an die Wand schieben, obwohl es nur 125 Zentimeter breit war. Die roten Laken hätten schon vor Wochen mal wieder gewechselt werden müssen, überhaupt kam Anneli nicht mehr richtig zum Aufräumen, seit das vierte Kind auf der Welt war.

Sie lag wie immer auf der Wandseite des Bettes. Jukka war als junger Mann bei einem Verkehrsunfall verletzt worden, ging gelegentlich am Stock, es wäre zu beschwerlich für ihn gewesen, jede Nacht auf die Wandseite zu kriechen.

Als das jüngste Kind Jukka kommen hörte, lief es auf ihn zu. Er umarmte es, brachte es zurück zu Anneli und räumte noch den Geschirrspüler ein, das war seine Aufgabe im Haushalt. Als das Kind schließlich zwischen den Eltern eingeschlafen war, trug Jukka es ins Kinderzimmer.

Es war gegen Mitternacht, als auch bei den Eltern im Kaminzimmer das Licht ausging. Kurz darauf schliefen auch sie, so erzählt es Anneli Auer.

Bis ihnen der Schlaf gewaltsam geraubt wurde. Und sie zum Telefon rannte.

„ Kommt jetzt jemand?“ „Ich brauche weitere Informationen. Wie ist die Lage jetzt? Hilfe kommt.“ „Er will meinen Mann umbringen.

Eben hat er noch gelebt.“ „Wie geht es Ihrem Mann jetzt?“ „Er liegt am Boden. Er hat um Hilfe gerufen.

Jetzt ist es ganz still.“ „Hilfe ist unterwegs. Hat Ihr Mann das Bewusstsein verloren?“ „Das weiß ich nicht. Ich bin in der Küche.
Soll ich nachsehen?“

Auf Kommissar Joutsenlahti traf Anneli Auer zum ersten Mal im Krankenhaus am Nachmittag des 1. Dezember 2006, gut zwölf Stunden nach der Tat. Anneli hatte regungslos im Wohnzimmer gestanden, als Polizei und Rettungskräfte eintrafen. Kurz darauf war sie zusammengebrochen, als sie in der Küche ein Glas Wasser trinken wollte. Zwei Messerstiche hatten ihre Lunge lebensgefährlich verletzt. Im Krankenhaus war sie versorgt worden und lag nun, blass, aber gefasst, im Bett.

Sie sagte aus: „Es war ziemlich dunkel, aber mir war klar, dass jemand ins Zimmer eingedrungen war und Jukka angreift. Es kam zu einer Rangelei. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich eine Wa?e gesehen habe. Ich weiß nicht, ob ich den Täter gestoßen habe oder versucht habe, ihn wegzuzerren. Er stach mit dem Messer auf mich ein. Es tat sehr weh. Dann ?ng es an zu bluten. Ich glaube, ich bin über die Truhe neben dem Bett gesprungen und weggerannt.“

Joutsenlahtis Kollege fragte: „Seine Arbeit hatte mit Umstrukturierungen des Personals zu tun. Wissen Sie, ob er deshalb bedroht wurde?“ „Möglich, dass er mir gegenüber erwähnt hatte, dass er bedroht wurde. Ich hab das wohl nicht so ernst genommen, weil er gern dramatisierte. Ich kann mir schon vorstellen, dass es viele Leute gab, die wütend auf ihn waren.

Ich weiß nicht, wie ernst das war.“ Joutsenlahti wollte wissen, ob sie sich erinnern könne, wie der Täter aussah. Auer antwortete, sie habe nur kurz einen Blick auf ihn erhascht. In den Sekunden, in denen sie ihrer Tochter den Hörer in die Hand gedrückt habe und zurück zum Kaminzimmer gelaufen sei.

Da habe sie das Licht eingeschaltet, und er sei auf sie zugestürmt. Er trug einen Hut oder eine dunkle Kapuzenjacke, von seinem Gesicht habe sie nicht viel gesehen, sie erinnere sich aber an rötliche Wangen. Sie schätze sein Alter auf 40 bis 50 Jahre, seine Größe auf etwa 1,80 Meter. Was ihr noch au?el: Der Mann sprach die ganze Zeit kein Wort.

Joutsenlahti nickte. Auf der Aufzeichnung des Notrufes waren nur die Stimmen von Anneli Auer, Jukka Lahti und der ältesten Tochter Amanda zu hören. Am Ende dieser ersten Zeugenvernehmung tat dem Kommissar die Frau leid. Als er gehen wollte, fragte sie ihn: „Können die Kinder ihren Vater noch einmal sehen?“ Er versuchte ihr schonend zu beschreiben, wie das Gesicht ihres Mannes aussah. Sie weinte.

„Sie antwortete damals sehr logisch, und alles, was sie erzählte, stimmte mit den bisherigen Ermittlungen überein“, sagt Joutsenlahti. Er steht jetzt vor der Einfahrt des ehemaligen Hauses der Lahtis, längst wohnt eine andere Familie darin. Ein Nachbar fährt in seine Garage, Joutsenlahti sagt, man solle lieber ein paar Schritte gehen, den Nachbarn habe er so oft befragt, er wolle keine neue Aufregung. „Meine Aufgabe als Ermittlungsleiter war zu prüfen: Ist die Geschichte möglich, die die Zeugin erzählt?“, sagt Joutsenlahti.

Viel gaben die Spuren nicht her. Seine Kollegen fanden auf den Fliesen des Kaminzimmers ein verbogenes Filetiermesser, die Spitze abgebrochen. 70 Wunden hatte jemand mit diesem Messer Jukka Lahti zugefügt. Der hatte mit aller Kraft um sein Leben gekämpft, in seiner Not gri? er zu den Holzscheiten neben dem Kamin.

Joutsenlahti glaubt, dass es eine Axt war, mit der Jukka Lahti tödlich am Kopf verletzt wurde. Oder etwas Ähnliches. Die zweite Tatwa?e fand man nicht. Obwohl Spürhunde schon im Morgengrauen im Einsatz waren, obwohl das Wohngebiet, die angrenzenden Wälder, alle Mülleimer nach der Tatwa?e durchsucht, alle denkbaren Fluchtwege durchkämmt wurden. Joutsenlahti geht ein paar Schritte und lugt zwischen den Büschen hindurch in den Garten des Hauses.

„Auf der Terrasse war jemand auf den Plastikstuhl getreten, wir fanden Fußspuren. Und Blutspuren neben der Fensterbank, neben der Terrassentür, die direkt in das Kaminzimmer führte, in dem die Eltern schliefen. Ein großer Mensch musste das Fenster in der Tür eingeschlagen haben und dann durch diese Fensterö?nung eingestiegen sein.“ Die wichtigste Spur fand sich an einem Holzscheit, mit dem sich Jukka Lahti verteidigt hatte. Fremdes Blut.

Man konnte es niemandem zuordnen. Noch nicht. Dutzende Hinweise aus der Bevölkerung gingen bei Joutsenlahtis Ermittlungskommission ein, die meisten Hinweisgeber vermuteten Arbeitskollegen hinter der Tat. Und Joutsenlahti staunte, wie viel Hass man sich bei der Arbeit zuziehen kann. Kollegen schilderten Jukka Lahti als intelligent, aber von aggressivem Ehrgeiz getrieben. Einen der gefeuerten Mitarbeiter soll er beispielsweise verspottet haben: „Du kriegst keine andere Arbeit, weil du ein Scheißtyp bist!“

Der Kreis der Verdächtigen war somit groß. Allein 700 Männer aus dem Kollegenkreis und ihre Angehörigen ließ Joutsenlahti DNA-Proben abgeben. Sie wurden mit der DNA des Blutes vom Holzscheit verglichen, kein Tre?er. Erst 2013, erzählt Joutsenlahti, sei herausgekommen, dass das Blut auf dem Holzscheit von einem Tatortermittler stammte, der sich wohl bei der Arbeit verletzt hatte.

Den Durchbruch aber schien im Sommer 2007 der Verdacht eines Nachbarn zu bringen. „Mir kam das erst komisch vor. Der Nachbar sagte: ‚Der Mörder wollte eigentlich mich umbringen‘“, erzählt Joutsenlahti. Er sei Schauspieldozent, erzählte der Nachbar, und habe in einer Zeitungsrezension einen ehemaligen Schüler für seine Leistung in einem Theaterstück scharf kritisiert. Und diesem jähzornigen Mann traue er alles zu. Der habe sich wohl damals im Haus geirrt, als er sich an ihm rächen wollte.

In der Ermittlungsgruppe prüften sie die Geschichte. Der Nachbar war von ähnlicher Statur wie Jukka Lahti, und die Häuser in der Straße sehen sich in der Tat sehr ähnlich. Die Geschichte schien unglaublich, aber plausibel.

Joutsenlahti schickte per E-Mail ein Foto des Mannes an Anneli Auer, die inzwischen in Turku lebte. Er ermittelte in diesen Tagen so viele Verdächtige, dass er nicht für jedes Foto zwei Stunden nach Turku fahren konnte, um es Anneli Auer vorzulegen.

Anneli Auer antwortete, der Mann könnte es gewesen sein.
Später, bei einer Gegenüberstellung, zeigte sie auf den Schauspieler. Joutsenlahti ließ den Mann festnehmen.

Und ein paar Tage darauf wieder auf freien Fuß setzen.
Keine der am Tatort gefundenen Spuren und auch nicht der Geruchstest mit einem Polizeihund gaben einen Hinweis darauf, dass er der Täter sein konnte.

Die Ermittler mussten weiter suchen. Sie stützten sich auf das Täterbild eines Pro?lers: Der Mann will nicht von Anfang an töten. Er will sich an Jukka Lahti rächen. Ihn quälen. Er hat es nicht auf Anneli Auer abgesehen. Der Täter hat einen kriminellen Hintergrund, ist gewalttätig, impulsiv, nicht professionell. Und athletisch, es gelingt ihm schließlich, sich durch das schmale Fenster der Terrassentür zu zwängen.

Joutsenlahti befragte einen Gefängnispsychiater. Dessen Urteil: Hier sollte ein Vater im Beisein seiner Familie bestraft werden. Der Zeitpunkt der Tat war deshalb sorgfältig ausgewählt. Die Suche nach potenziellen Tätern unter ehemaligen Gefangenen blieb erfolglos.

Den Ermittlern blieb nichts anderes übrig, als weiterhin das Umfeld zu befragen. Verwandte, Bekannte, Studienfreunde. Nach weiteren Motivlagen zu suchen. Untreue, Sex, Homosexualität.
Joutsenlahti ließ von einem der angesehensten Ermittler aus Helsinki auch Anneli Auer durchleuchten.

Der Experte kam zu dem Urteil, das auch Joutsenlahti teilte: Sie habe mit dem Fall nichts zu tun. „Das war die Lage am Ende meiner Ermittlungen“, sagt Joutsenlahti und geht vom damaligen Tatort zurück zum Wagen. „Am 1. August 2008 musste ich den Fall abgeben.

Meine Art zu arbeiten wurde nicht geduldet. Ich hatte den Fall an die Bundespolizei abgeben wollen, weil wir nicht weiterkamen. Doch die Chefs der Lokalpolizei wollten das nicht. Sie wollten einen Durchbruch, einen eigenen Erfolg.

Um jeden Preis.“

Ein Jahr später hörte Joutsenlahti auf dem Polizei?ur eine Nachricht. Sie fegte wie ein Sturm alle Überzeugungen hinweg, zu denen er und seine Kollegen in all den Monaten ihrer Ermittlungen gelangt waren. Ein Kollege erzählte ihm: Auer hat den Mord an ihrem Mann gestanden.

„Ich konnte nicht glauben, was ich hörte. Ich war doch der Polizist, der am meisten über den Fall wusste. Und wenn ich etwas sicher zu wissen glaubte, dann dass Anneli Auer unschuldig war“, sagt Joutsenlahti. Er schrieb sofort eine SMS an den Ermittler aus Helsinki, der Anneli Auer überprüft hatte. „Was ist hier bitte passiert?“ „Das ist unglaublich“, antwortete der Ermittler.

Fragt man Anneli Auer heute, was es mit dem Geständnis auf sich hatte, trüben sich für einen Moment ihre Augen, es ist, als kämpfe sie mit den Tränen, als lüfte sich für einen kurzen Augenblick der Schleier, mit dem sie sich vor der Welt zu schützen scheint. „Es war eine schreckliche Situation“, sagt sie dann wieder fast tonlos. „Ich hatte in dieser Zeit Angst, verrückt zu werden.“ Der neue Ermittlungsleiter hatte sich schon früh auf Anneli Auer konzentriert. Er war so eifrig, dass er sogar einen Hellseher engagierte, um den Fall zu lösen. Und er zweifelte genau wie die Staatsanwaltschaft an Auers Schilderungen. Wie zum Beispiel sollte der Täter durch die Terrassentür gekommen sein?

Das eingeschlagene Fenster der Tür befand sich in einer Höhe von 1,03 Meter über dem Boden, die Ö?nung maß 58 mal 120 Zentimeter. Aus ihr ragten Scherben. Nur die sportlichsten Kollegen scheiterten nicht beim Versuch, sich durch das Fenster zu wuchten. Sie brauchten dafür allerdings viel Zeit, wollten sie nicht riskieren, sich zu verletzen. Ein Überraschungsangri? schien dem Ermittlungsleiter unter diesen Umständen nur schwer vorstellbar. Die Polizei überwachte nun Anneli Auers Haus, zapfte das Telefon an und drängte sie zu einem Lügendetektortest.

„Haben Sie Jukka Lahti ermordet?“, fragte der Polizist. „Nein!“, sagte Anneli Auer mit fester Stimme. Die Kurve des Graphen schlug bei dieser Antwort aus. Die Polizei erklärte, dass mehrere Antworten des Tests darauf hindeuteten, dass Anneli Auer mehr wusste, als sie aussagte. Später stellte sich heraus, dass der Test falsch angelegt war und nicht verwendet werden durfte. Doch die ständigen Polizeiverhöre brachten sie ins Straucheln. Was hatte sie an jenem Abend erlebt? Was bildete sie sich ein? Hatte der Schock der Nacht ihre Erinnerungen durcheinandergebracht?
Die Polizei stellte immer wieder dieselbe Frage: Haben Sie Jukka Lahti am 1. Dezember 2006 getötet?

Anneli Auers Antwort lautete auch immer gleich: Nein. Doch je weniger sie schlief und je öfter sie verhört wurde: Konnte sie sich da so sicher sein? „Die Polizisten erklärten mir, es sei unmöglich, dass ein Unbekannter im Haus gewesen sei. Ich würde an einer Gedächtnisstörung leiden. Ich solle versuchen, mich zu erinnern, es könne sein, dass ich mit Jukka gestritten hätte und der Streit eskaliert sei. Am Ende wusste ich nicht mehr, was wahr ist und was nicht“, erzählt Auer.

„In einem Verhör sagte ich schließlich, dass ich wahrscheinlich die Täterin bin, weil es keine andere Erklärung gibt.“ Auer blickt sich im Café um. „Ich sagte nicht, dass ich es war, nur dass ich es gewesen sein könnte.“ Die Polizei wertete die Aussage als Geständnis. Die Ermittlungsgruppe feierte den Durchbruch auf einer Schwedenfähre.

Eine Polizeipsychologin erklärte Anneli Auer, sie solle mit ihrer Tochter Amanda reden. Die fühle sich wahrscheinlich mitschuldig, weil sie Zeugin der Tat geworden sei. Ihre Tochter wurde zu ihr in einen Verhörraum geführt.

Anneli stand auf und rückte an ihre Seite. „Die Polizei hat mir erzählt, dass es so gewesen sein muss. Und ich glaube ihnen, dass ich mit Papa allein gewesen bin. Also war es Papa, der mich verletzt hat, und ich habe Papa das angetan, Amanda.“ Amanda schluchzte. „Aber ich habe den Mann doch gesehen. Warum habe ich das alles falsch gesehen?“ Dann brach das Mädchen unter Tränen zusammen. Sie war damals zwölf.

Sieben Jahre ist das nun her, und doch erinnert sich Amanda sehr genau an diese Situation. Für sie war dieser Moment fast so schlimm wie der Tod des Vaters, erzählt sie. Amanda ist nun 19 Jahre alt, eine schüchterne junge Frau, man erahnt in ihren Gesichtszügen mehr den Vater als die Mutter, sie will Wirtschaftswissenschaften studieren und kommt gerade vom Praktikum im Supermarkt. Sie hat noch nie mit Reportern über ihr Schicksal gesprochen, sie sagt, sie wolle ausprobieren, ob das Reden ihr hilft. Vor ihr auf dem Tisch in der Bar steht eine Cola, doch sie ist während des Gesprächs zu nervös, um sie zu trinken.

„Ich habe damals geglaubt, die Polizei hat immer recht. Es hat mich zerrissen“, sagt sie. „Ich glaube bis heute fest daran, dass ich in dieser Nacht einen fremden Mann gesehen habe.“ Doch mit einem Schlag war damals, an diesem Tag im Verhörzimmer, alles, was sie gesehen hatte, falsch. War ihre liebe Mutter eine böse Mörderin. War ihre Erinnerung eine Lüge und sie die Lügnerin, der niemand mehr glaubte. „Ich habe heute kaum noch Erinnerungen an diese Zeit und die Jahre davor. Alles ist durcheinandergeraten.

Die Polizei hat mir zu viele Dinge gesagt, die ich gesehen oder nicht gesehen haben soll. Es ist, als hätte jemand in meinem Kopf herumgerührt.“ Es gibt ein Video aus dieser Zeit, zwei Polizistinnen befragen Amanda. Eine sagt: „Wir haben noch immer das Problem, wie du mich überzeugen kannst, dass du einen Fremden gesehen haben kannst, der aus eurem Haus gegangen ist.“ Amanda sinkt zusammen und stützt ihr Gesicht in die Hände.

„Ich weiß doch, dass man durch die Tür gar nicht so einfach durchkann“, hakt die Polizistin nach. „Vielleicht sollten wir uns gemeinsam überlegen, wie wir das Problem lösen können.“ Amanda weint, trocknet sich die Tränen mit einem Taschentuch. „Erzählst du mir bitte, warum du weinst, Amanda?“ „Ich weiß nicht. Sie verstehen nicht, wie das ist, weil Sie das nicht gesehen haben. Ich weiß, dass der Mann da durch ist.“

Ihre Mutter durfte Amanda in dieser Zeit nicht sehen. Anneli Auer saß in Untersuchungshaft und wartete auf den Prozess. Der begann im Frühsommer 2010 im Bezirksgericht von Satakunta. Nach Ansicht des Staatsanwaltes war die Nacht des 1. Dezember 2006 anders verlaufen, als Anneli Auer geschildert hatte. Er schilderte, wie es seiner Meinung nach gewesen sein muss.

Er stützte sich dabei auf einige Zeugenaussagen, auf Angaben der Kinder, zog aber aus Fakten und Aussagen weitreichende Schlussfolgerungen. Demnach konnte Anneli Auer nicht schlafen, lag wach neben ihrem Mann im Kaminzimmer. Schließlich stand sie auf, räumte einige Schränke in der Küche auf und dachte nach. Sie war wütend, dass Jukka sie nicht mehr genügend wertschätzte, ihre Websites für eine Spinnerei hielt.

Es hatte Streit gegeben wegen einiger Bücher aus der Bibliothek. Sie hatte Jukka gebeten, die Ausleihfrist für sie zu verlängern. Der hatte nur gesagt: „Du liest die ja eh nicht.“ Daraufhin hatte sie die Bücher auf den Boden geworfen und geschrien: „Ich habe nie Zeit für mich! Nimm du doch mal die Kinder für zwei Stunden die Woche!“ Ihr Mann hatte nur geantwortet: „Wozu brauchst du Zeit? Ich habe auch nie Zeit für mich!“

Bald kam Jukka Lahti in die Küche, um seine Frau schlafen zu holen. Ein Streit begann. Anneli Auer rief, sie wolle sich scheiden lassen und die Kinder mitnehmen. Ging ins Wohnzimmer, wo noch die Ko?er standen vom Teneri?a-Urlaub im Oktober. Der Streit geriet außer Kontrolle. Sie gingen aufeinander los. Annelie Auer fühlte sich bedroht. Sie ging in die Küche und nahm aus dem Schrank über der Spüle ein Messer.

Amanda wachte vom Geschrei ihrer Eltern auf. Die Eltern stritten nun im Kaminzimmer. Ihr Vater stand neben dem Bett. Das Fenster der Terrassentür war zerborsten. Ein Vorhang hing vor dem Fenster, sodass nie eindeutig geklärt werden konnte, ob es von innen oder außen zerschlagen worden war. Nach Version der Staatsanwaltschaft hatte Anneli Auer versucht, mit einem schweren Gegenstand nach ihrem Mann zu werfen, und die Tür getro?en.

Jukka Lahti schickte seine Tochter wieder auf ihr Zimmer. „Beruhige dich, Annu“, versuchte er es mit dem Kosenamen seiner Frau. Die hielt das Messer in der Hand. Irgendwann begann Anneli Auer auf ihren Mann einzustechen, traf ihn nur leicht, doch auch zweimal tief in die Seite und einmal in die Achselbereich. Er verlor viel Blut und verlor das Bewusstsein.

Anneli dachte, sie habe ihn getötet. Nach einiger Zeit kam Jukka wieder zu Bewusstsein. Sie rief vom Küchentelefon die Notrufzentrale an. Im Laufe des Telefonats gab sie den Hörer in die Hand ihrer Tochter Amanda und lief ins Kaminzimmer. Amanda schrie aus der Küche: „Mama, komm!“ Mit einem schweren Gegenstand schlug Anneli Auer kurz darauf ihrem Mann zweimal auf den Kopf, er war sofort tot.

Als sie den Hörer wieder in die Hand nahm, waren 59 Sekunden vergangen. Nach dem Anruf zog Anneli Auer ihren blutigen Bademantel aus und versteckte die Mordwa?e wahrscheinlich im Gefrierschrank. Den hatte die Polizei nicht untersucht, und als man sie später ins Haus ließ, hatte sie einige Plastiktüten aus ihm herausgenommen.

Sie streifte sich dann ein rotes T-Shirt über und stach sich zweimal in die Brust, damit es so aussah, als habe sie der Täter auch verwundet. Sie wusch ihre blutigen Hände. Die Polizei kam schon drei Minuten und 20 Sekunden nach dem Ende des Notrufs.

Dennoch war die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass diese kurze Zeitspanne für Anneli Auer ausreichte, um alle Beweise verschwinden zu lassen. Sie stützte diese Version der Mordnacht vor allem auf den Notruf.

Eine Tonspezialistin der Kriminalpolizei sagte vor Gericht aus, man könne auf der Tonspur des Notrufs keine Stimme einer fremden Person, kein Laufen über Glasscherben, keine Flucht aus dem Fenster hören. Somit sei bewiesen, dass sich während des Notrufs kein Unbekannter in der Wohnung aufgehalten habe.

Im Juni 2010 gelangte das Gericht zu dem Schluss, dass Anneli Auer ihren Mann ermordet hatte. Das Urteil: lebenslängliche Haft.

Der Urteilsspruch war unter den Richtern umstritten. Während zwei von Auers Schuld überzeugt waren, forderte einer einen Freispruch. Auch wenn keine Geräusche auf dem Notruf zu hören seien, dürfe nicht ausgeschlossen werden, dass ein Unbekannter in das Haus eingedrungen sei. Er habe begründete Zweifel an Auers Schuld.

„An das Gefängnis habe ich mich irgendwann gewöhnt“, sagt Anneli Auer heute und senkt die Stimme, als eine Frau vom Nachtbartisch des Cafés herüberschielt. „Nur meine Kinder fehlten mir. Die Besuchstermine im Gefängnis konnten den Alltag nicht ersetzen. Irgendwann war ich nicht mehr die Mutter, sondern eine Tante für sie.“ Die Kinder lebten inzwischen bei ihrem Bruder Ari und seiner Frau, die kinderlos geblieben waren.

Anneli vertraute Ari. Er hatte gesagt, er würde immer zu ihr halten, sie bleibe ja schließlich immer seine Schwester. Im Frühjahr 2011 begann die Berufungsverhandlung. Anneli Auer widerrief ihre Aussage. Sie legte dar: „Mein Mann und ich hatten nie Streit, wir hatten eine gute Beziehung. Natürlich hatte jeder von uns mal schlechte Laune.

Ich schnauzte Jukka manchmal an. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass Jukka mich mal angeschnauzt hätte.“ Während der Verhandlung erfuhr sie, dass die Polizei für einige Monate einen Undercover-Agenten auf sie angesetzt hatte. Sie hatte niemals damit gerechnet, dass das Misstrauen der Polizei gegen sie so weit gehen würde, dass sie ihre Privatsphäre so verletzen würde. Der Undercover-Ermittler hatte sich ihr als Seppo vorgestellt.

Er war 2009 für ein paar Monate in ihr Leben getreten, sie begannen eine Liebelei, er war gut zu den Kindern, sie gingen zusammen ins Schwimmbad oder fuhren ans Meer. Er sagte, er sei seit fünf Jahren geschieden, sie sei die Erste, für die er Gefühle habe.

Sie hatten sogar darüber gesprochen, zusammenzuziehen. Nun ?elen ihr einige Ungereimtheiten auf: Lieh er sich damals wirklich die Axt von ihr, weil er damit seine klemmende Tür bearbeiten wollte? Hat er später wirklich eine Brechstange gebraucht, um die Tür anzuheben?

Die Polizei musste einräumen, dass ihr damals jedes Mittel recht schien, um Anneli Auer zu überführen. Man ho?te, Auer würde dem Undercover-Ermittler die Tatwa?e bringen. Die Aktion habe allerdings keine Schuldbeweise zutage gebracht. Aber auch keine Entlastung.
Die Staatsanwaltschaft blieb bei ihrer Version vom Streit der Eheleute. Doch das Berufungsgericht kam zu dem Urteil, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Unbekannter am Tatort gewesen ist. Das Urteil ?el diesmal einstimmig: Freispruch.

Vor dem Gerichtssaal warteten Reporter auf Anneli Auer. „Wann sehen Sie Ihre Kinder? Heute vielleicht?“ „Ja, vielleicht sehe ich sie noch heute!“ „Wie wird das Wiedersehen sein?“ „Wunderbar.“ Es gab kein Wiedersehen. Stattdessen eine bizarre Wende.

Anneli Auer wirkt noch immer fassungslos, wenn sie von dem Ungeheuerlichen erzählt, das damals geschah. „Ich erhielt ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft, und als ich darin von den Geschichten meiner drei kleineren Kinder las, dachte ich nur, das ist doch komplett verrückt.“ Ihr Bruder war mit den Kindern im Sommer auf eine dreimonatige Bootsreise gegangen. An Bord erzählten die Kinder Abscheuliches.

Von Tierquälereien. Sadismus. Sexuellen Perversionen. Der Bruder ?lmte die Erzählungen der Kinder und übergab die Videos der Staatsanwaltschaft.

Eines der Kinder erzählte, Anneli Auer und ihr damaliger Freund, mit dem sie zwei Jahre nach dem Mord eine kurze Beziehung hatte, seien nackt auf dem Hinterhof herumgelaufen, mit Dildos wie Hörnern auf den Kopf geschnallt und Messern in der Hand, um Vögel für ein Tieropfer zu fangen.
Ein anderes, der Exfreund habe unter der Dusche ein Kind vergewaltigt, die große Schwester Amanda habe ihm geholfen. Außerdem berichteten die Kinder von Totenmessen, und Amanda sei dabei gewesen.

Amanda lebte damals in einem Heim und nicht mehr mit ihren Geschwistern beim Onkel. Sie hatte es bei ihm und seiner Frau nicht lange ausgehalten, sich eingeengt gefühlt, kontrolliert, wie im Gefängnis. Sie erinnert sich noch heute daran, wie im Herbst 2011 uniformierte Polizisten in die Schule kamen, mitten in der Spanischstunde, und sie vor den Augen ihrer Klasse abholten.

Wie sie ihr Zimmer durchsuchten. Den Computer mitnahmen und die Passwörter wissen wollten. „Sie brachten mich zu Ärzten. Die untersuchten mich am ganzen Körper. Heute weiß ich, dass sie nach kreuzförmigen Schnitten in meiner Haut suchten. Man habe bei meinen Geschwistern auch solche Schnitte gefunden, hieß es“, sagt Amanda.

Für den Staatsanwalt waren das Zeichen ritueller Handlungen. Wenige Wochen nach ihrer Entlassung wurde Anneli Auer erneut festgenommen. Diesmal wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung und sexuellen Missbrauch.

Das Urteil ?el im Juni 2012. Es lautete auf sieben Jahre Haft für Anneli Auer, zehn Jahre für ihren Exfreund. Der Vorsitzende Richter wurde überstimmt. Er hatte Auer freilassen wollen, wollte nur eine Geldstrafe wegen Körperverletzung verhängen. Auer hatte gestanden, ihrem Sohn einmal mit einem Plastikteller auf den Kopf geschlagen zu haben.

Amanda ringt noch heute um Fassung, wenn man sie nach den Vorwürfen ihrer Geschwister fragt. Sie kneift mit Zeige?nger und Daumen die Finger ihrer linken Hand, ihre Stimme wird brüchig. „Ich war erst schockiert. Dann beleidigt. Am Ende in Panik“, sagt sie. „Ich habe so sehr geweint, dass mir die Luft wegblieb. Man brachte mich zum Psychiater.“ Eine Woche lang steckte man sie in eine geschlossene Abteilung. Danach in ein geschlossenes Jugendheim. Amanda sagt, sie könne sich nicht erklären, wie ihre Geschwister dazu kamen, zu behaupten, sie und ihre Mutter hätten sie gequält. „Ich glaube, meine Geschwister erzählten das alles, weil sie glaubten, dass es von ihnen erwartet wird. Sie hatten Angst. Wir hatten immer ein inniges Verhältnis gehabt. Wir haben uns einige Wochen davor noch gesehen. Sie müssen von meinem Onkel und meiner Tante beein?usst worden sein.“ Amanda darf ihre Geschwister bis heute nicht tre?en. Auch Anneli Auer ist der Kontakt zu ihren jüngsten Kindern untersagt. Für sie ist das der größte Schmerz in dieser Flut aus Schmerzen, die sie überspülte seit dem 1. Dezember 2006.
Sie geht davon aus, dass ihre drei verlorenen Kinder inzwischen selbst an Missbrauch und Satanismus glauben. Die Suggestivfragen von Polizei, Psychologen, Ärzten und ihrem Bruder, sie seien wahrscheinlich über all die Jahre zu einer Erzählung geronnen, die die Kinder als festen Bestandteil ihrer Vergangenheit ansehen. Schließlich seien diese Geschichten erst 2011 von den Kindern erzählt worden, vorher hatten sie auch in den Befragungen nie behauptet, eine Satanistin als Mutter zu haben. „Ich habe meinen Bruder immer anders gekannt, ich weiß nicht, warum er mir das antut, warum er diese Geschichten streut“, sagt sie.
Ein Gutachter, den Anneli Auers Anwalt beauftragt hatte, fand eine Erklärung für das Verhalten der Kinder. Sie hätten sich im Sommer 2011 in einer unmöglichen Situation befunden: Erst sagen alle Leute, ihre Mutter habe ihren Vater umgebracht, dann kommt die Mutter frei, und sie sollen zu ihr zurück. Sie müssen entscheiden, ob ihre Mutter gut oder böse ist, sie haben Angst, alles zu verlieren, und erzählen deshalb Geschichten, von denen sie merken, dass sie bei den Erwachsenen, bei den P?egeeltern auf Interesse stoßen. Außerdem, so der Gutachter, sei es verwunderlich, dass Missbrauch und Teufelsanbetungen gerade in der Zeit stattgefunden haben sollen, als auch der Undercover-Ermittler in die Familie eingeschleust worden war. Der bemerkte nichts Au?älliges an den Kindern.

Es ist durchaus möglich, dass die Kinder die Aussagen nur machten, weil sie sich durch die Erwachsenen unter Druck gesetzt fühlten. Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass häu?ge Befragungen bei Kindern massiv suggestive Wirkung haben und zur Entstehung von Pseudoerinnerungen führen können, schreibt der Berliner Rechtspsychologe Max Steller.

„Am Beginn der Suggestion besteht wahrscheinlich eine Verunsicherung der Kinder, zu deren Bewältigung die eigenen Erinnerungen zunehmend durch die suggerierten ersetzt
werden. Diese Verunsicherung ist natürlich besonders ausgeprägt, wenn das entsprechende Kind ohnehin emotionale Probleme hat.“ Stellers Gutachten brachten unter anderem 25 Menschen in Freiheit, die durch Falschaussagen von Kindern in den 90er Jahren in den Verdacht geraten waren, einem Kinderpornoring anzugehören.

Staatsanwalt Kalle Kulmala schenkt den Erzählungen der Kinder von Anneli Auer trotzdem Glauben. „Mir haben Psychologen erzählt, dass Kinder oft erst über traumatische Ereignisse reden, wenn Zeit vergangen ist und sie aus ihrem gewalttätigen Umfeld herauskommen. Dann setzt die Re?exion und später der Erzähldruck ein“, erzählt er am Telefon. Und wenn Anneli Auer wirklich den Teufel anbetete, Kinder misshandelte und Tiere opferte, war sie dann nicht auch zu einem kaltblütigen Mord an ihrem Ehemann fähig?

Kurz nach der Verurteilung von Anneli Auer setzte er deshalb 2012 alles daran, auch den Mordprozess gegen sie noch einmal aufzurollen. Mit Erfolg: Der Oberste Gerichtshof hob die ersten beiden Urteile auf. Die Sache landete wieder bei der ersten Instanz. Die Entscheidung beruhte unter anderem auf weiteren schockierenden Aussagen der Kinder.

Alexander, in der Tatnacht sieben Jahre alt, erzählte nun der Polizei, seine Mutter und Amanda hätten den Vater umgebracht. Sie hätten dessen Schreie aufgezeichnet und während des Notrufs abgespielt, um vorzutäuschen, dass er noch lebe.

Er, Alexander, sei in jener Nacht aufgewacht und habe von seinem Zimmer aus gehört, wie die Terrassentür im Schlafzimmer seiner Eltern geö?net wurde, und auch das Surren und Klicken des Kassettenrekorders. So begann die Staatsanwaltschaft vor Gericht eine Kette von Indizien aufzufädeln:

Die jüngeren Kinder hätten übereinstimmend ausgesagt, Amanda und ihre Mutter hätten erzählt, dass ihre Mutter den Mord begangen habe. Auf dem Notruf seien Geräusche zu hören, die darauf hindeuteten, dass Anneli Auer ihren Mann geschlagen habe. Die Aussage von Amanda, dass eine Person durch das Fenster gestiegen sei, könne nicht stimmen.

Der Täter hätte dann an der Tür andere Spuren hinterlassen müssen. Außerdem fehlten die Schuhe von Jukka Lahti. Es sei davon auszugehen, dass seine Frau die Schuhe benutzte, um Fußabdrücke im Schlafzimmer zu hinterlassen, die vortäuschen sollten, dass ein Unbekannter dort gewesen sei.

Danach habe sie die Schuhe verschwinden lassen. Zur Untermauerung ihrer Ausführungen ließ die Staats- anwaltschaft eine Tongutachterin auftreten. Die sagte am Schluss, sie ?nde es seltsam, dass Amanda im Telefonat mit der Notrufzentrale sagt: „Kommen Sie schnell, meinem Papa geht es schlecht.“ Wenn tatsächlich ein Unbekannter im Haus gewesen wäre, hätte sich das Kind anders ausgedrückt.

Jeder Satz, jede Sekunde des Notrufs wendete sich nun gegen Anneli Auer. Ihr Anwalt Juha Manner konnte nicht glauben, wie aus dem Notruf ein frei interpretierbares Beweismittel geworden war, aus dem sich verschiedene Gutachter unterschiedliche Indizien zusammenzimmerten.

Doch der Anwalt hatte einen Trumpf aufzubieten.
Ermittler Juha Joutsenlahti erschien vor Gericht – als Zeuge der Verteidigung. „Ich fühlte mich berufen auszusagen, weil ich nicht wollte, dass eine Unschuldige lebenslang ins Gefängnis muss“, sagt er heute. Er widersprach den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. Referierte über all die ungeklärten Punkte, die ihm während seiner Ermittlungen begegnet waren, woher das Messer kam zum Beispiel.

Er erzählte davon, dass man kein Blut an Anneli Auers Händen fand, dass auch der Experte aus Helsinki keine Anzeichen dafür fand, dass sie ihren Mann umgebracht haben könnte. Kurz: Es gebe keinen Anlass, an ihrer Version zu zweifeln.

Joutsenlahtis Ausführungen waren vergebens. Das Gericht verurteilte Anneli Auer zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Urteil war umstritten, wieder einmal. Ein Richter plädierte dafür, Anneli Auer freizusprechen, es gebe keine stichhaltigen Beweise, auch das Tonband könne sie nicht liefern. Joutsenlahti kostete der Einsatz für Anneli Auer die Karriere, davon ist er heute überzeugt.

„Meine Vorgesetzten haben mir gesagt: Du hättest nicht deine Meinung sagen dürfen.“ Er wurde suspendiert, weil er am Anfang der Ermittlungen Anneli Auer das Foto des verdächtigen Schauspielers per E-Mail geschickt und damit gegen die Dienstvorschriften und Datenschutzgesetze verstoßen hatte. Auch in den Augen seiner Kollegen ein hartes Urteil. Nach anderthalb Jahren durfte er seinen Dienst wieder antreten.

Allerdings nur bei der Ordnungspolizei. Statt für Mordermittlungen ist er nun zuständig für die Pass- und Führerscheinabteilung. „Ich würde aber immer wieder für Anneli Auer aussagen“, sagt er. „Besser, 100 Schuldige laufen frei herum, als dass eine Unschuldige im Gefängnis landet.
Besser, ich habe im Gegensatz zu vielen anderen nicht das Leben einer Familie zerstört.“ Anneli Auer sagt, sie habe nach dem Urteil 2013 beinahe die Ho?nung verloren. Doch sie ging in Berufung. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Verfahren gegen sie zu den teuersten der ?nnischen Rechtsgeschichte aufgebläht.

Die Prozesskosten lagen bei mehr als 1,5 Millionen Euro.
Neun Richter hatten über sie geurteilt. Vier hatten sie für schuldig gehalten. Fünf für unschuldig.
Es war also durchaus nicht absehbar, wie eine neue Verhandlung ausgehen würde. Sie hatte nicht allzu viel Grund zur Ho?nung, ihr Leben zurückzubekommen. Auch ihr Anwalt sagt: „Ich hatte damals starke Zweifel am ?nnischen Rechtssystem.“ Das Berufungsverfahren fand Anfang 2015 in Vaasa statt.

Das Gericht sah es als nicht bewiesen an, dass die Schreie von Jukka Lahti zuvor aufgezeichnet worden waren. Auch die Aussagen der Kinder seien zweifelhaft, sie stimmten mit einigen Ermittlungsergebnissen nicht überein. Da nicht eindeutig bewiesen sei, dass Auer den Mordanschlag auf ihren Mann vorgetäuscht habe, müsse in Betracht gezogen werden, dass ein Fremder in das Haus eingedrungen sei und ihren Ehemann umgebracht habe.

Auer wurde freigesprochen, zum zweiten Mal nach 2011.

Ein Richter kam zu einer abweichenden Beurteilung, damit waren nun fünf Richter von ihrer Schuld überzeugt und sieben nicht. Und auch die Staatsanwaltschaft hielt sie noch immer für eine Mörderin. Wieder einmal beantragte sie, das Urteil aufzuheben: Das Berufungsgericht habe einige wichtige Aussagen der Kinder als Beweismittel ausgeschlossen, auch sei bestimmtes Material auf dem Tonband nicht gewürdigt worden, ebenso wenig die Aussagen eines Ehepaars, das von den Kindern gehört habe, Anneli und Jukka wollten sich scheiden lassen.

Um die Glaubwürdigkeit des Justizsystems zu bewahren, müsse nun der Oberste Gerichtshof einen Beschluss fassen.

Der Oberste Gerichtshof in Helsinki verkündete seine Entscheidung am 18. Dezember 2015, fast neun Jahre nach Jukka Lahtis Tod. Einige Monate zuvor war Anneli Auer vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, sie hatte die Strafe wegen Missbrauchs der Kinder verbüßt.
Anneli Auer erfuhr von der Entscheidung des Gerichtshofs durch ihren Anwalt: Die von der Staatsanwaltschaft vorgebrachten Gründe für eine Revision seien unzureichend.

Es blieb beim Freispruch. Sie war erleichtert, erzählt sie. Doch freuen konnte sie sich nicht. Sie habe so lange um Gerechtigkeit gekämpft, dass sie auch dann nicht mehr an Gerechtigkeit glauben konnte, als sie ihr endlich widerfuhr. Außerdem könne sie erst wieder von vorn anfangen, wenn sie auch vom Missbrauch ihrer Kinder freigesprochen werde. Auch ihr Anwalt Juha Manner, der sie all die Jahre vertreten hat, sagt: „Ich bin über das Urteil froh. Aber der ?nnische Staat hat Anneli Auer keine Gerechtigkeit zukommen lassen.

Er hat meiner Mandantin fast zehn Jahre ihres Lebens geraubt, ja es zerstört.“ Er ho?t, dass sie noch in diesem Jahr in einem Berufungsverfahren auch von den Missbrauchsvorwürfen freigesprochen wird. Unterdessen hat er eine Schadensersatzklage eingereicht, fordert für jeden der gut 600 Tage, die Anneli Auer im Gefängnis verbrachte, mehrere Hundert Euro Kompensation. Es könnte die höchste Summe werden, die je in Finnland gezahlt wurde.

So ist auch heute noch, nach beinahe zehn Jahren, der Fall nicht abgeschlossen, der mit dem Mord an Jukka Lahti in jener Winternacht begann. Er beschäftigt die Gerichte weiterhin, er lässt die Beteiligten nicht los. Staatsanwalt Kalle Kulmala sagt: „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Oberste Gerichtshof anders hätte entscheiden müssen.“

Matti Nissinen, Generalstaatsanwalt beim Obersten Gerichtshof, erklärt: „Es ist bedauerlich, dass Anneli Auer so lange auf ihr Urteil warten musste. Und es ist bedauerlich, dass wir daran gescheitert sind, den Mord an Jukka Lahti aufzuklären.“ Kommissar Juha Joutsenlahti sagt, er ho?e, dass mit Anneli Auers Freispruch auch seine Arbeit als Ermittler rehabilitiert werde.

Vielleicht könne er in die Mordkommission zurückkehren. Ari Auer, Annelis Bruder, ist freundlich am Telefon. Hat sich seine Meinung über seine Schwester geändert, sie ist ja nun freigesprochen von den Mordvorwürfen? Glaubt er immer noch, sie sei eine Satanistin?

Ari Auer schweigt kurz, wünscht dann einen schönen guten Tag und legt auf. Amanda sitzt in der Bar vor ihrer Cola und erzählt, sie habe einen Brief geschrieben an ihre Geschwister: „Ich studiere jetzt. Es wäre schön, etwas von euch zu hören. Nur, wenn ihr wollt. Ich will euch keinen Druck machen.“

Sie gab den Brief der Sozialarbeiterin, die für sie und ihre Geschwister zuständig ist. Als die Sozialarbeiterin begann, ihn vorzulesen, sagten ihre Geschwister, sie wollten das nicht hören. Anneli Auer blickt sich schüchtern im Café um, während sie sich den Mantel zuknöpft. Sie tri?t die Sozialarbeiterin einmal im Jahr, erzählt sie, sie erfährt von ihr ein wenig über das Leben ihrer Kinder in der Obhut ihres Bruders.

Wenn sie nachfragt, sich erkundigt nach Hobbys, Vorlieben, Interessen, dann sagt die Sozialarbeiterin, die Kinder hätten ihr verboten, mehr zu erzählen. Vergangenen Sommer fuhr sie mit dem Fahrrad in Turku am Fluss entlang.

Auf einem Boot meinte sie ihren Bruder erkannt zu haben, sie ho?te, einen Blick auf ihre Kinder zu erhaschen, doch sie sah sie nicht. Was sie sagen würde, wenn sie ihre Kinder einmal wiedersehen würde? Anneli Auer schweigt lange, als habe sie die Frage nicht verstanden. „Ich würde weinen“, sagt sie.

Was sie sagen würde, wenn sie ihre Geschwister wiedersehen würde?

Amanda weint.


DIESER ARTIKEL IST IM HEFT STERN CRIME HEFT 07 ERSCHIENEN

#4 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von Christine 14.08.2017 13:03

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Danke für den Bericht RogerMortimer.

Das war ja der reinste Horror.

War denn niemand in der Lage, den Fall mal neu und ganz von vorne aufzurollen?

#5 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 09.08.2018 23:38

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Mysteriöse Dame aus ihrer blutig-düsteren Dunstglocke heraus sicher vor der Schwanenbucht mit dem ausgestreckten rettenden Arm rechtens unter Verschluß genommen

Von Ein Besorgter 19.06.2010, 07.32 Uhr

Und das Blut des finnischen Herrn "Bucht" (Jukka S. Lahti - angeblich ermordet durch seine Frau Anneli Auer {auer zu deutsch Morgendunst} {lahti zu deutsch Bucht}) bleibt weiterhin verschütt im Dunkeln.

Ulvila, der Ort des düsteren Geschehens im südlichen Finnland, heißt wörtlich zu deutsch so viel wie 'Platz, an dem vielfach (dank Wölfen und anderem Getier) aufgeheult wird! Für einschlägig Interessierte sei hier in diesem Zusammenhang aus gutem Grunde gleich vorneweg auf meinen Artikel zur Onomantie hingewiesen, da die hier vorliegenden Namen mit ihren in diesem Fall "trächtig" werdenden Bedeutungen sehr schön für einen Beleg der Richtigkeit des allgemeinen Anspruchs dieser Theorie » einspringen und tauglich sind.

Wie traurig nun der Fall selbst auch sein mag, und wie wirr! Oder wie abgeklärt kann das Bild der zuständigen Gerichtsbarkeit nur sein, wenn selbst Wochen nach Abschluß aller Anhörungen von Zeugen und Sachverständigen und der abschließenden Stellungnahmen auf Anklage- und Verteidigungsseite im Prozeß gegen die angebliche Gattenmörderin immer noch kein Urteil in der Sache ergangen ist?

Es wurden vor kurzem in Finnland die Gemüter durch einen Mordanschlag erregt, aufgrund dessen eine finnische Frau seit einiger Zeit im Gefängnis einsitzt, eine Frau, die gemäß dem Dafürhalten des Gerichts - der langwierige Prozeß wurde jüngst abgeschlossen, hat aber noch zu keinem Urteilsspruch geführt - am ersten Dezember 2006 während eines häuslichen Streits ihren Mann erstochen haben soll. Festgenommen wurde die Frau aber erst fast drei Jahre später, im September 2009. Es liegt die Aufzeichnung eines Telefongesprächs vor, eines Notfallanrufes, den die Frau, eine vierfache Mutter, zum Zeitpunkt der Mordtat bei der Polizei getätigt hatte. Auf diesem Mitschnitt ist, nebst anderen, teilweise unverständlichen Repliken, noch das Wimmern des Getöteten zu hören.

Anfangs war man davon ausgegangen, daß es der Wahrheit entspräche, was die seither schwerstens in Beweisnot geratene Frau bis auf den heutigen Tag behauptet: ihr Mann sei von einem ins Haus eingedrungenen Fremden kaltblütig ermordet worden, auch sie selbst hätte dabei einen Messerstich in der Brustgegend abbekommen.

Man hatte der Frau diese Darstellung der Geschehnisse zunächst abgenommen, wenngleich schon bald beträchtliche Zweifel daran aufkamen, die jedoch so ohne weiteres nicht beweiskräftig geltend zu machen waren. Es wurde jedoch, um letztlich die Beweise dafür auffahren zu können, daß die Frau ihren Gatten selber umgebracht hat, im Sommer 2009 ein operativer Polizeispitzel auf die Frau angesetzt, der sich als vermeintlicher Freund des Hauses und Liebhaber der Witwe - immerhin waren mittlerweile über zwei Jahre seit dem schrecklichen Zwischenfall verstrichen - deren Herzen und Vertrauen erschlich, der zum Schluß dann aber dennoch aufgrund der immer wieder gestellten unangenehmen Fragen selbst von den Kindern in seiner wahren Funktion enttarnt wurde . Doch dann war es bereits für deren Mutter zu spät: Anneli Auer aus dem südfinnischen Ulvila wurde sodann, verdächtigt eines verfemten Mordanschlags am eigenen Gatten, in Haft genommen (offiziell heißt es allerdings, die Detektivarbeit des Spitzels hätte zu keinen neuen Erkenntnissen geführt). Kurz vor der Inhaftierung war bei den finnischen Behörden aus den USA das Ergebnis einer beim CIA in Auftrag gegebenen Stimmenanalyse des erwähnten Notfallgesprächs eingetroffen, welche besagte, daß außer den Stimmen der Witwe, deren Kindern und des Opfers keine fremde Person auf dem mitgezeichneten Telefongespräch auszumachen gewesen sei.

Doch die angeklagte Frau behauptet weiterhin felsenfest, ein unerkannter Eindringling wäre der Schuldige an der Blutstat. Bis zuletzt hatte zu der Frau und deren Version der Ereignisse an jenem tragischen Tag im Dezember 2006 ebenjener Polizeihauptkommissar gehalten, der als erster zunächst - und zwar bis zum Einsatz des Polizeispitzels und dem Stimmanalysenergebnis aus Amerika - die Untersuchung des Falls geleitet hatte, und der unlängst auch vor Gericht bekundete, daß er nach wie vor von der Unschuld der Frau überzeugt sei.

Später hieß es dann schnell, der damalige Polizeihauptkommissar wäre zur Ordnungspolizei versetzt worden - aus Gründen einer polizeidienststelleninternen Rotation.

Bevor der Prozeß vor etlichen Wochen aber zu Ende gegangen war, gab die finnische Presse in einer in verschiedenen Leserkommentaren sogleich als makaber aufgenommenen Berichterstattung plötzlich eines Tages unerwartet noch den vollen Namen der Frau bekannt, obschon diese weiterhin des Mordes am eigenen Ehegatten bezichtigt war. Was hatte dies alles zu bedeuten, fragte man sich da unwillkürlich, angesichts der Tatsache, daß das Urteil noch auf sich warten ließ (und nach wie vor auf sich warten läßt).

In jenem Artikel um den ersten Mai herum hieß es, die Frau hätte zusammen mit ihrem Mann im Internet Dienstleistungen angeboten, darunter, neben einem Rezept für traditionelles Spritzgebäck und selbstgebrauten Most oder dem witzigen Hinweis, daß ein "Skelett im eigenen Kleiderschrank endlos für Schrecken, aber auch für Spaß sorge", zum Beispiel auch Tipps zur Vermeidung von Krach unter Ehepartnern.

Was soll man von all dem halten, und was ist nun die Wahrheit bezüglich der Täterschaft bei dem Verbrechen?

Während seiner Anhörung vor dem Schöffengericht listete der ursprüngliche Untersuchungsleiter im Mordfall von Ulvila, Polizeihauptkommissar Juha Joutsenlahti, u.a. folgende Umstände auf, die seiner Meinung nach für die Unschuld von Anneli Auer sprechen:

- Die eigenen Darstellungen von Frau Auer, die auch durch die Rekonstruktion durch die Polizei bekräftigt werden

- die spontane, unmittelbare Aussage eines Kindes bezüglich des Täters

- die Blutspuren im Kaminzimmer

- die Spuren der Fußbekleidung

- die Blutspuren an der Türe und auf der Terrasse

- die dunklen Fasern, deren Herkunft unbekannt

- die Fasern hauptsächlich an der Stelle, wo Herr Lahti ermordet wurde

- die DNA-Spur auf dem Holzklappstuhl, die man nicht in der Lage ist abzuklären.

- die Berichterstattungen des Nachbarn

- die Berichte von Frau Auer hinsichtlich vormals gehörtem Herumgepolter auf der Terrasse

- das Messer, das einer professionellen Serie zugehört

- die Tatsache, daß Frau Auer unbefleckt von Blut war, kein Blut an den Kleidern, keines an den Händen, keines in den Haaren

- keinerlei Spuren, die auf einen Waschvorgang hingedeutet hätten

- blutende Schrammen auf der Fußsohle von Frau Auer

- das zweite Werkzeug, mit dem die Tat ausgeführt wurde, weiterhin verschollen

- ein Polizeihund, der eine Spur ausmacht

- die Profilierung des Täterbildes, die für einen außenstehenden Täter spricht.

Gemäß Polizeikommissar Juha Joutsenlahti ist Rache das Motiv für den Mord an Jukka S. Lahti, die Vergeltung für irgendeine Ungerechtigkeit.

Laut Joutsenlahti weist bereits die Art und Weise des Sich-Einschleichens in das Eigenheim von Herrn Lahti und Frau Auer unbestreitbar daraufhin, daß die Ermordung von Herrn Lahti eindeutig angestrebt worden war. Daß zwei Waffen im Gebrauch waren, zeugt laut dem ehemaligen leitenden Hauptkommissar von der außergewöhnlichen Intentionalität.

- Die Verunstaltung des Gesichts von Herrn Lahti war für den Täter eine Tat von Bedeutung.

Laut Joutsenlahti war der Täter bereit, einiges an Risiko auf sich zu nehmen, um den Herrn Lahti umzubringen.

- der Täter (oder die Täterin) konnte nicht gewußt haben, ob die Polizeistreife in Ulvila oder in Pori war, als Frau Auer den Notanruf tätigte. Wäre die Streife in Ulvila gewesen, wäre die Polizei innerhalb von zwei Minuten an Ort und Stelle gewesen.

Joutsenlahti berichtete, daß Jukka S. Lahti an seinem Arbeitsplatz mit ziemlich haßerfüllten Ausdrücken beschrieben wurde. Das Geschimpfe hätte u.a. mit der physischen Benachteiligung von Lahti zu tun gehabt. Lahti war ein kleiner Mann, der auf einem Beim behindert war.

- Es hatte Bedrohungen gegeben, man konnte nicht herausfinden, von woher, von wem.

Joutsenlahti gab vor Gericht auch einen langen und sehr detaillierten Bericht davon ab, wie nach seinen Vorstellungen alles am 1. Dezember 2006 im Tähtisentie (zu deutsch ~ Sternchen-Weg) sich abgespielt hatte.

- Für den Täter (oder die Täterin) wäre es ein leichtes gewesen, Lahti zu töten, wenn er (oder sie) es nur gewollt hätte. Doch anstelle davon stach er (oder sie) 70 Mal an verschiedenen Stellen des Körpers ein, zum Beispiel aber nicht ins Herz, was unmittelbar zum Tode geführt hätte.

Joutsenlahti will es nicht einleuchten, wie Frau Auer den Täter abgeben könnte.

- Warum hätte eine Mutter von vier Kindern sich selbst das Messer in die Brust stossen und sich selbst eine lebensgefährliche Verwundung zuführen sollen? Warum ruft Frau Auer bei der Notrufzentrale an, wenn es ihr nur darum gegangen sein soll, ihren Mann umzubringen, fragte Joutsenlahti vor Gericht.

Der erste Leiter der Untersuchungen im Mordfall von Ulvila hat nun in der dritten Juniwoche, nach länger als einem Monat nach Abschluß der Gerichtsverhandlung also, eine schriftliche Zurechtweisung erhalten. Den Verweis übergab der Polizeichef der Stadt Pori.

Der Polizeikommissar der Verbrechensabteilung, Juha Joutsenlahti {joutsenlahti ~ zu deutsch Schwanenbucht}, hatte die laufenden Untersuchungen kommentiert, obwohl er gar nicht mehr mit der Leitung bei der Aufklärung des Falls betraut war. Er hatte in der Angelegenheit aber auch mit eigenen Nachforschungen begonnen.

Die Ehefrau des Getöteten gilt als der Schandtat schuldig.

Hier ein Bild von Anneli Auer »
Bitte geben Sie Ihre Quellen an. Danke, die Redaktion/vv

https://community.zeit.de/user/ein-besor...locke-heraus-si

#6 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 09.08.2018 23:40

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[attachment=0]anneliauerjuttu11404LS_410_uu.jpg[/attachment]

Anneli Auer

#7 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 09.08.2018 23:52

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Anneli Auer, Opfer der Korruption in Finnland

Anneli Auer, ein Opfer von Ungerechtigkeit und Verfolgung in Finnland , - ein Land, das stolz darauf ist, das am wenigsten korrupte der Welt zu sein. Anstatt einen fairen Prozess zu erhalten, erhielt sie einen Prozess durch die Medien. Schließlich wurde sie am 18.12.2015 wegen des Mordes an ihrem Ehemann vom Obersten Gerichtshof Finnlands für unschuldig erklärt. Ihr Kampf für Gerechtigkeit geht weiter, da ihre ungerechtfertigte Verurteilung für CSA nach wie vor aufgehoben wird.

ANNELI AUER - HINTERGRUND

Anneli Auer ist Witwermutter von vier schönen Kindern. Ihr Ehemann Jukka Lahti wurde im Dezember 2006 im Haus ihrer Familie brutal ermordet . Der hochkarätige Fall ist in Finnland als Mordfall Ulvila bekannt .

Jemand kam mitten in der Nacht durch eine Glastür und tötete ihren Mann, während sie einen Notruf machte . Ihre älteste Tochter, damals neun Jahre alt, sah den Killer ihre Heimat verlassen. Die Mutter war von dem Eindringling durch ihre Brust erstochen worden, so dass ihre Lunge kollabierte.

Dieser schreckliche Vorfall hat das Leben dieser jungen Familie für immer verändert. Fast zwei Jahre nach dem Mord hat die örtliche Polizei Satakunta in Pori ihren Ermittlungsbeamten gewechselt, weil sie den Mörder noch immer nicht finden konnten, nachdem sie 700 männliche DNA-Proben genommen und eine Woche lang einen einheimischen Mann unrechtmäßig festgenommen hatten. Im Juni 2013, fast sieben Jahre nach dem Mord, wurde bekannt, dass die Polizei die in der Mordstelle gefundene DNA-Probe verseucht hatte. Es kann gut sein, dass der Mörder der Gerechtigkeit wegen des Fehlers entkommen ist.

Der neu ernannte Untersuchungsbeamten in 2008 , Pauli Kuusiranta , hatte nur eine Reihe von Untersuchungen; die Witwermutter muss der Täter gewesen sein. Die Polizei beschloss, dem Leben des Witwers einen verdeckten Ermittler als neuen potenziellen Freund vorzustellen . Er fand nichts Belastendes und meldete, dass Anneli Auer eine hingebungsvolle gute Mutter für ihre Kinder sei.

ERSTES SCHULDVERDICT, DANN ACQUITTAL

Das Bezirksgericht von Satakunta fand Anneli Auer des Mordes im Juni 2010 schuldig , aber das Urteil war nicht einstimmig . Einer der Richter befand, dass es nicht genügend Beweise gebe, um den Angeklagten zu verurteilen. Im Mai 2011 wurde sie vom Appellationsgericht Vaasa freigesprochen und freigelassen. Die Staatsanwälte Jarmo Valkama und Kalle Kulmala waren jedoch nicht glücklich. Es scheint, dass einige andere Menschen auch nicht glücklich waren, hauptsächlich Annelis Bruder und seine Frau. Zu diesem Zeitpunkt erhielten sie 9.000 € / Monat, um sich um Annelis drei jüngste Kinder zu kümmern. Die älteste Tochter war in ein Kinderheim gezogen, da sie nicht bei ihrem Onkel leben konnte.

Nur zwei Monate nach Annelis Freilassung erhielten die Staatsanwälte auf wundersame Weise "neue Beweise" von Annelis Bruder, der seit Annelis erster Inhaftierung das Sorgerecht für ihre jüngsten drei Kinder mit seiner Frau innehatte. Es stellte sich heraus, dass die jüngsten Kinder, jetzt 7, 9 und 12 Jahre alt, ihrem Onkel und seiner Frau Horrorgeschichten über ihre Mutter und ihre ältere Schwester erzählten .

Plötzlich und so sehr bequem für die Staatsanwälte, hatten die Kinder viele schreckliche Erinnerungen an Ereignisse zu Hause, die angeblich vor fünf Jahren stattgefunden hatten, als sie nur 2, 4 und 7 Jahre alt waren, oder noch jünger. Diese jüngsten drei Kinder blieben in ihrem Schlafzimmer hinter verschlossenen Türen, als der schreckliche Mord fünf Jahre zuvor in ihrem Haus stattfand . Jetzt schienen sie zu wissen und sich genau zu erinnern, was in dieser unglücklichen Nacht vor sich ging.

Diese traumatisierten Kinder hatten bereits ihre weitere verloren - und dann ihre Mutter zwei Jahre später, als sie fälschlicherweise verhaftet und für den Mord verurteilt wurde. Ihre ältere Schwester war alleine in ein Kinderheim gezogen, da sie in ihrem neuen Pflegeheim ständig für alles verantwortlich gemacht wurde. Auch Anneli wurde den jüngsten dreien beschuldigt, die sich inzwischen sehr fürchten mussten vor ihrer Mutter, der berüchtigten "Gastgeberin des Hauses der Schrecken" (wie Anneli in den Medien dargestellt wurde). Es muss ein großer Schock für die Kinder war zu hören , dass ihre Mutter in plötzlich aus dem Gefängnis war 2011 , und dass sie müßten wieder nach Hause mit ihr bewegen. In ihren Augen hatte Mummy ihre weiteren getötet und war von der Polizei lebenslänglich ins Gefängnis gesteckt worden - "wer in Finnland nie falsch liegt" . (Das Vertrauen der Finnen in die Polizei ist das höchste in Europa).

Niemand würde den Horrorgeschichten der Kinder über satanische Rituale und Tierquälerei glauben , die anscheinend jeden Sonntag in ihrem Haus stattfanden (nun, offensichtlich hat der Ankläger Valkama das getan!). Von den Kindern wurde von der Anklage viel ernsteres Material verlangt. Dies wurde durch die Verwendung zweifelhafter Befragungsmethoden mit führenden Fragen, begleitet von ermutigenden und bestätigenden Kommentaren, erreicht . Nach einiger Zeit begannen die Kinder zu erzählen, dass sie auch von ihrer Mutter und ihrem Ex-Freund vergewaltigt worden waren. Beide wurden im September 2011 festgenommen und im Juni 2012 zu langen Strafen wegen Kindesmissbrauchs verurteilt .

Der Mordfall Ulvila ist für die Polizei von Pori und die Staatsanwälte zu einer Frage des Ansehens und Prestiges geworden . Der neu ernannte Untersuchungsbeamte Pauli Kuusiranta hatte in der Presse geprahlt, dass seit der Kriegszeit in Pori keine Mordfälle mehr aufgeklärt worden seien. Er prahlte auch damit, dass der Fall gelöst wurde, lange bevor er vor dem Bezirksgericht verhandelt wurde.

Finnlands nationaler Polizeikommissar (2008 - 2015), Mikko Paatero , auch aus Satakunta Gebiet in Finnland hatte persönlich in der Ulvila Morduntersuchung interveniert in 2008 , es zu verhindern , dass zu übertragen National Bureau of Investigation (KRP) Finnlands . Es war ihre einzige Sorge, den hochkarätigen Fall zu gewinnen. Gerechtigkeit und die Lösung des Mordes waren irrelevant.

In Finnland existiert Korruption in Form von Netzwerken mächtiger Menschen, die beispielsweise Mitglieder der Freimaurer , religiöser Sekten oder einer politischen Partei sind . Es ist verborgen, strukturelle Korruption , die unentdeckt bleibt, weil es kein System gibt und das hohe Vertrauen der Menschen einfach auszubeuten ist.

Im Mordfall Ulvila waren alle Hauptakteure, die dafür verantwortlich waren, eine unschuldige Mutter von vier Kindern ins Gefängnis zu schicken und dann ihre jüngsten Kinder zu verlieren, Mitglieder oder Unterstützer der Nationalen Koalitionspartei (= Kokoomus auf Finnisch). Anneli Auers Kampf für Gerechtigkeit war politisch geworden.

GROSS VERWALTUNG DER GERECHTIGKEIT - DER KIND-SEX-MISSBRAUCH-FALL

Die Anhörungen des Berufungsgerichts für die Anschuldigungen wegen angeblichen Kindesmissbrauchs begannen am 28. Januar 2013 hinter verschlossenen Türen und wurden am 17. April 2013 abgeschlossen . Das Urteil wurde am 27. Juni 2013 abgegeben . Es war ein verheerender Justizirrtum . Beide Anwälte der Angeklagten hatten gesagt, sie hätten die Unschuld der Beschuldigten beweisen können, doch die Richter ignorierten dies und erhöhten Anneli Auers Haftstrafe um sechs Monate. (Sie bekam 7,5 Jahre und der Helsinki-Taxifahrer 10 Jahre). Beide legten beim Obersten Gerichtshof Berufung ein . Das Urteil des Berufungsgerichts beruhte auf den Aussagen des Staatsanwaltes (des geheimen) Sachverständigengutachtens und dem Begriff der "allgemeinen Lebenserfahrung".

Die Aussagen der Experten von Finnlands angesehensten Wissenschaftlern auf diesem Gebiet wurden völlig ignoriert , da ihnen vorgeworfen wurde, "für die Verteidigung zu arbeiten". Die eigene Stern Staatsanwaltschaft sachverständiger Zeuge war eine tief religiöse Gynäkologe Minna Joki-Erkkilä , der eigentlich für die Polizei arbeitet. Sie hatte eine starke religiöse Berufung erfahren, nachdem ihre eigene Tochter brutal ermordet worden war, sechs Monate bevor Annelis Kindergeschichten von der Polizei präsentiert wurden. Eine vermisste Teenagerin, Karoliina Kesti , wurde während derselben Zeit in einem See hinter ihrem Haus ertrunken gefunden, so dass man ihren Geisteszustand und die Fähigkeit in dieser Zeit, ihre Arbeit auszuführen, in Frage stellen musste.

Minna Joki-Erkkilä untersuchte Annelis Kinder mit UV-Licht und beobachtete, dass alle Töchter Jungfrauen waren. Das bedeutete ihr nichts, denn Hymens wachsen offenbar zurück, und die Möglichkeit, dass Verbrechen stattgefunden hat, konnte niemals ausgeschlossen werden , auch wenn es keine Beweise gab. Minna Joki-Erkkilä untersuchte die gesamten Körper der Kinder mit einer brandneuen UV-Lampe, die in Finnland entwickelt wurde (aber weder getestet noch für medizinische Zwecke registriert wurde). Es ist unklar, ob ihre Methode wissenschaftlich gültig ist oder ob ein Gynäkologe ein Experte in der Dermatologie sein kann und zahlreiche "geheilte Kratzspuren" findet, die für das bloße Auge unsichtbar sind. Tatsächlich waren die Ergebnisse auch auf den Fotos nicht zu sehen, so dass die Polizei sie mit Photoshop oder ähnlichem zeichnen musste. Ihrer Meinung nach waren diese "Befunde" Narben und somit Beweise für Missbrauch und satanische Rituale . Dr. Joki-Erkkilä konnte die Täter in ihrer Aussage sogar der Polizei nennen. Wie diese Fotos von den Richtern als Beweis akzeptiert wurden, können wir nur raten.

2013, EINE NEUE RUNDE VON MÖRDERTEST FÜR ANNELI

Im Jahr 2013 musste Anneli Auer auch eine weitere Runde des Ulvila-Mordprozesses ertragen . Dies war das dritte Mal, dass sie wegen des Mordes angeklagt wurde. Ihr Schicksal lag wieder in den Händen von drei örtlichen Amtsrichtern , die entscheiden sollten, ob sie ihren Ehemann ermordet hat oder nicht. Eine der Richter, Annette Santamaa , stammte aus Ulvila , und sie kannte persönlich den Staatsanwalt Jarmo Valkama , der in derselben Gegend wohnte. Sie kennt auch die ehemalige Innenministerin Anne Holmlund (ebenfalls aus Ulvila) aus der politischen Partei der Nationalen Koalitionspartei , die sich auch in den Fall einmischte, als ein Mann aus dem Ort für den Mord verhaftet worden war. Natürlich hat Annette Santamaa Anneli des Mordes für schuldig befunden.

Der Staatsanwalt Valkama hatte es geschafft, das Oberste Gericht im Mai 2012 davon zu überzeugen, dass "neue Beweise", die Annelis Bruder bezüglich ihrer drei jüngsten Kinder vorgelegt hatte, vor Gericht gebracht werden mussten. Für die Staatsanwaltschaft lieferten die Horrorgeschichten der Kinder ein Motiv für den Mord . Die Horrorgeschichten beinhalteten satanische Rituale, Folter und Tötung von Tieren, brutale Gewalt gegen die Kinder, ihre Mutter, die den Mord plante, probte und ausführte, unter Beteiligung ihrer älteren Schwester, damals 9 Jahre alt . Die Geschichten wurden immer wilder und wilder, jedes Mal wenn die Kinder interviewt wurden, gipfelten in schrecklichen Geschichten von Vergewaltigung und Missbrauch . Der Oberste Gerichtshof entschied, den Mordfall wieder auf Platz eins zu bringen, dh an das örtliche Satakunta Bezirksgericht, damit die "neuen Beweise" eingesehen werden konnten.

Das neue Mordurteil des Bezirksgerichts Satakunta wurde am 12. Dezember 2013 verkündet . Anneli Auer erhielt erneut eine lebenslängliche Freiheitsstrafe von 2: 1. Wieder einmal war einer der Richter der Meinung, dass nicht bewiesen wurde, dass kein Außenseiter anwesend war, als Anneli Auer den Notruf machte .

Annelis jüngste drei Kinder hatten ihrem Onkel erzählt, dass ihre Mutter den Mord an einer C-Kassette mit ihrer älteren Schwester aufgezeichnet und das Band während des Telefonats abgespielt hatte, damit sie mehr Zeit hatten, den Tatort zu inszenieren und sich zu befreien Beweise, bevor der Krankenwagen und die Polizei ankamen. In den vorangegangenen Mordprozessen hatte der Staatsanwalt versucht zu beweisen, dass Anneli während des Notrufs ihren Mann ermordet hatte und seine älteste Tochter am Telefon zurückließ. Das FBI untersuchte die Notrufaufzeichnung, fand jedoch keine Beweise für eine Voraufnahme.

Das neue Schuldurteil des Bezirksgerichts löste eine heftige öffentliche Debatte über den seit fünf Jahren andauernden Rechtsstreit aus und kostete Millionen Euro . Der Ankläger änderte seine Theorie des Motivs und seine Theorie der Ereigniskette , während der neue Mordprozess stattfand. Der satanische Ritualmord wurde verwässert zur bloßen häuslichen Gewalt und zum Ladenladen mit den Kindern, von denen es auch keine Beweise gab. Am Ende ignorierten die Richter des Bezirksgerichts die "neuen Beweise" des Anklägers, die von den Zeugen des Kindes vorgelegt wurden, und konzentrierten sich auf die Neubewertung des Alten . Dies stellt ein Problem dar, da bereits vor dem Berufungsgericht ein früheres Urteil gefällt wurde (Anneli freispricht), das auf denselben alten Beweisen beruht.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die "neuen Beweise", die Anneli Auers traumatisierten Kindern entnommen wurden, für die Richter des Bezirksgerichts zu unglaublich waren, um sie ernst zu nehmen. Die "neuen Beweise" wurden ignoriert, und auf diese Weise umging der neue Schuldspruch des Bezirksgerichts die Autorität des Berufungsgerichts vor dem Mordurteil, in dem Anneli Auer freigesprochen wurde . Ein weiterer großer Widerspruch ist die Tatsache, dass zwei Gerichte im angeblichen Sexualmissbrauchsfall ihre schuldigen Urteile bereits auf dieselben Horrorgeschichten der gleichen Kinder gestützt haben. Es wurde in geheimen Prozessen hinter verschlossenen Türen gemacht .

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft wiederholten in der Presse sechs Monate lang, dass die "neuen Beweise" von Annelis Kindern nichts mit dem Mord zu tun hätten. Dies stellte sich als völlige Lüge heraus, aber es sorgte für zwei getrennte Prozesse gegen Anneli und eine vollständige Charaktervergewaltigung des Angeklagten in der Presse .

Anneli Auer bestreitet die Anklage gegen sie. Ihr Kampf für Gerechtigkeit geht weiter. Sie wurde vom Berufungsgericht im Februar 2015 wegen der Mordanklage ein zweites Mal freigesprochen. Die blutdürstigen Staatsanwälte waren mit dem Ausgang nicht zufrieden, sie appellierten zum zweiten Mal mit "neuen Beweisen" an den Obersten Gerichtshof . Diesmal wurde die "neue Evidenz" von einem eifrigen Lehnsleiter-Detektiv, einem pensionierten Armee-Blasorchester-Dirigenten namens Raine Ampuja, zur Verfügung gestellt . Er behauptete, er könne die Notrufaufnahme besser analysieren als das FBI in den USA. Der Oberste Gerichtshof akzeptierte seine Analyse nicht und hielt das Urteil des Berufungsgerichts aufrecht. Anneli Auer wurde am 18.12.2015 endgültig von den Mordanklagen freigesprochen .

Es wurde klar, dass die Staatsanwälte die Urteile, die sechs Richter des Berufungsgerichts in dem Fall abgegeben hatten, nicht respektierten (fünf von sechs sprachen sich für Anneli aus). Die Staatsanwälte hörten nicht auf, Anneli Auer zu verfolgen, sie wollten sie lebenslang hinter die Gitterstäbe bringen, obwohl sie für unschuldig befunden worden war. Anneli Auer verlor während dieses Prozesses ihren Ehemann, drei ihrer Kinder, ihren Ruf, ihre Freiheit, ihre Ersparnisse, ihr Geschäft, ihre Wohnung und ihr Eigentum, während die Staatsanwälte unbegrenzte Ressourcen und Steuergelder in ihrer Mission hatten, um den Fall zu gewinnen. Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs sprach der enttäuschte Generalstaatsanwalt Matti Nissinen den Angehörigen des Opfers sein Beileid aus und erklärte trotzig, dass das Rechtssystem in Finnland geändert werden sollte.

Im Dezember 2017 wurde der Generalstaatsanwalt Matti Nissinen wegen Vetternwirtschaft entlassen. In einem historischen Urteil verurteilte der Oberste Gerichtshof Finnlands den Generalstaatsanwalt Matti Nissinen wegen Amtsmissbrauchs zu Geldstrafen in Höhe von 1.720 Euro. Seine Rolle bei der Verfolgung einer unschuldigen Mutter von vier Kindern muss noch untersucht werden.

Während des neuen Mordprozesses in Pori im Jahr 2013 wurde bekannt, dass Annelis arbeitsloser Bruder etwa 9000 Euro pro Monat erhielt, um sich um ihre jüngsten Kinder zu kümmern. Er hatte einen Luxuskreuzer in Höhe von 150 000 Euro und ein Auto im Wert von 50 000 Euro gekauft, kurz bevor Anneli im Jahr 2011 vom Berufungsgericht freigesprochen wurde. Er brachte die Kinder ans Meer, um Anneli davon abzuhalten, sie zu sehen. Während seiner langen Seereise zeichneten er und seine Frau Video auf, wie die Kinder Horrorgeschichten erzählten, wie ihre Mutter ihren Vater zusammen mit ihrer Schwester ermordet hatte. Die Kinder benutzten Notizen, während sie ihre Geschichten erzählten.

Annelis Bruder und seine Frau haben die ängstlichen jüngsten Kinder von ihrer älteren Schwester, ihrer Mutter, ihrer Großmutter, ihrem Großvater und jedem Verwandten entfremdet. Die Kinder haben keinen Kontakt zu irgendjemandem aus ihrer Vergangenheit.

http://anneliauer.com/about/

#8 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 09.08.2018 23:55

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Anneli Auer

#9 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:00

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Die Tür

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Tatort

#10 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:04

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Kinderzeugen

Veröffentlicht am 25. Juni 2013

Beim ersten Besuch lesen Sie bitte zuerst die About-Seite.

Kinder zu befragen ist schwierig. Es gibt klare Regierungsrichtlinien, wie es von Leuten mit spezieller Ausbildung gemacht werden sollte.

Es stellte sich jedoch heraus, dass es Anneli Auers Bruder Ari Auer zusammen mit seiner Frau Minna Auer war , die Annelis kleinste drei Kinder auf Video interviewte, nachdem Anneli plötzlich vom Berufungsgericht freigesprochen und im Frühjahr 2011 aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Diese Heimvideos überreichten Ari Auer im August 2011 dem Staatsanwalt Jarmo Valkama als neue Beweise im Mordfall Ulvila . Er hatte den ganzen Sommer Zeit, um die Geschichten mit den Kindern zu proben. In der Zwischenzeit wurde Anneli daran gehindert, Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen. Ihr Bruder nahm die Kinder zu einem langen Segeltörn mit, weit weg von ihrer Mutter. Auf diese Weise wurden die Richtlinien der Regierung komplett umgangen. Wie haben die Behörden das geschehen lassen?

Annelis traumatisierte Kinder erzählen ihrem Onkel hastig Horrorgeschichten über ihre Mutter und ihre ältere Schwester. Fast fünf Jahre nach der Ermordung ihres Vaters behaupten die Kinder, dass ihre Mutter zusammen mit ihrer neunjährigen Schwester weiter getötet habe und dass alles vorgeplant sei. Sie erzählen, dass ihre Mutter sie mit dem Blut und der Asche ihres toten Vaters an die Wand schreiben ließ. Sie erzählen, dass sie an Sonntagen Tieropfer zu bringen hatten, indem sie Katzen, Mäuse und Vögel töteten und folterten. Sie erzählen irgendjemanden, der bereit ist zuzuhören, um sicherzustellen, dass sie nicht zu ihrer Mutter zurückkehren müssen, vor der sie sehr, sehr Angst haben. Wie haben die Behörden das geschehen lassen?

Nun, die Kinder hatten Glück, denn es gab eine Armee von Menschen, die zuhörten und ihre Geschichten glaubten. Einige von ihnen nennen sich Experten auf diesem Gebiet. Andere Experten stimmen nicht zu. Diejenigen, die nicht zustimmen, haben tatsächlich das Training und die Erfahrung, dies zu sagen.

Hier interviewt Komiker Jimmy Kimmel als Officer Jimmy, der Lie Detective, ein Kind mit einem selbstgebauten Lügendetektor.

Wir müssen beachten, dass dieser Kinderzeuge vor nichts und niemandem Angst hat. Daher sind seine Geschichten ziemlich unterhaltsam im Vergleich zu den Geschichten, die Annelis jüngste Drei auf die Welt gebracht haben.

Ich kann nicht sagen, ob die rosa Wahrheitsfee in dem Videoclip die Sozialdienste oder den "freundlichen und verständnisvollen" Psychologen darstellen würde, die später bei der Befragung von Annelis Kindern durch die Behörden beteiligt waren. Was ich sagen kann, ist, dass der ganze Fall eine Peinlichkeit für das finnische Rechtssystem darstellt, wenn erfundene Geschichten über satanische Rituale und Vergewaltigungen als Beweise hinter verschlossenen Türen verwendet werden und die Staatsanwälte religiöse Gerichtsgeheimnisse in den Gerichtssaal bringen, die an sie glauben die Existenz von Satan.

Was ist der Grund dafür, irgendwelche Regierungsrichtlinien über die Befragung von Kindern zu erlassen, wenn sie nicht eingehalten werden? Sobald es den Kindern erlaubt wurde, in ihren Köpfen unwahre Geschichten zu schaffen, werden diese zu falschen Erinnerungen, vermischt mit Erinnerungen an wahre Ereignisse. Die Glaubwürdigkeit der Geschichten ist jetzt gleich null, und doch gibt es Erwachsene, die bereit sind, alles und jedem zu glauben, was die Kinder sich einfallen lassen.

Der Oberste Gerichtshof in Finnland hat den Ulvila-Mordfall letztes Jahr an das Bezirksgericht zurückverwiesen, weil die Anklage tausende Seiten neuer Beweise vorgelegt hatte, die auf den Geschichten der Kinder basierten . Das Verfahren beginnt im August dieses Jahres erneut.

Das Bezirksgericht von Pori wollte letzte Woche einige der Geschichten der Kinder veröffentlichen, aber der Staatsanwalt und der Anwalt, der die Kinder vertrat, verhinderten dies, indem sie gegen die Entscheidung protestierten. Ich vermute, dass das Bezirksgericht die Teile der Geschichten veröffentlicht hätte, die keine Pornos enthielten, wie die Geschichten satanischer Rituale.

Es ist von größter Wichtigkeit, dass die Öffentlichkeit selbst sehen kann, wie diese Geschichten entstanden sind. Die Mutter der Kinder wurde öffentlich beschuldigt, ihre eigenen Kinder sexuell missbraucht zu haben, und ein 9-jähriges Kind wurde beschuldigt, selbst am Mord beteiligt gewesen zu sein. Es ist sehr wichtig herauszufinden, was tatsächlich passiert ist und was NICHT passiert ist. Drei Menschen werden wegen entsetzlicher Taten angeklagt, und ihr Ruf sollte vor falschen Anschuldigungen geschützt werden, vor allem, wenn es keine Beweise für die Behauptungen gibt und Zeugen nicht unterstützt werden. Vier andere Kinder, von denen behauptet wurde, dass sie anwesend waren, als der angebliche Missbrauch stattfand, leugnen, dass die Geschichten wahr sind.

Es ist auch sehr wichtig für die drei kleinen Ankläger, dass die Wahrheit der Dinge herauskommt. Es ist eine zu große Belastung für sie, für den Rest ihres Lebens zu tragen, dass unschuldige Menschen, von denen eine ihre eigene Mutter ist, nur wegen ihrer ängstlichen Fantasy-Geschichten mit langen Sätzen ins Gefängnis geworfen wurden. Wenn die Kinder erwachsen werden, können sie erzählen, wer oder was sie dazu gebracht hat, diese Geschichten zu erzählen. Es liegt in der Verantwortung der Behörden, ihre Geschichten richtig zu machen, damit unschuldige Menschen nicht leiden müssen und auch die Kinder nicht leiden müssen. Es ist Zeit für die wahre Wahrheitsfee, es zu klären.

http://helsinkitaxidriver.com/

#11 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:16

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[attachment=0]anneliauerjuttu11404LS_410_uu.jpg[/attachment]

https://www.google.de/search?q=Bilder+An...=nCYygCuoeND83M:

#12 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:20

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Es gibt dieses Polizeifoto von ihr, wo sie dasteht, barfuß n einem roten T-Shirt oder Schlafhemd

https://www.google.de/search?biw=1366&bi...f=1533853057485

#13 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:26

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Bilder vom Tatort

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https://murha.info/phpbb2/viewtopic.php?t=9068

#14 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:31

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Bilder vom Tatort

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https://murha.info/phpbb2/viewtopic.php?t=9068

#15 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:44

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Do, 19 Feb, 2015 09:08:10 PM

Auer freigesprochen von Ehemann Mordfall

FTimes-Xinhua Bericht, 19. Februar

Dateibild von Anneli Auer im Gerichtssaal. Foto Lehtikuva.
Ein ungewöhnlicher Mordfall, bei dem der mutmaßliche Mörder angeblich das Verbrechen gestanden hatte, aber freigesprochen wurde, endete nach zwei Runden im finnischen Gerichtssystem in einem zweiten Freispruch, berichteten lokale Medien am Donnerstag.

Anneli Auer wurde 2006 nach einem zweiten Prozess und einem zweiten Berufungsverfahren vor einem höheren Gericht wegen Mordes an ihrem Ehemann in der westlichen Stadt Ulvila freigesprochen.

Das Berufungsgericht in Vaasa erklärte am Donnerstag, der Angeklagte sei wegen unzureichender Ermittlungen freigesprochen worden.

Das vorherige Geständnis, das Auer bei einer polizeilichen Anhörung abgegeben hatte, überzeugte das Gericht nicht, da es der Ansicht war, dass sie das Ereignis damals nicht beschreiben konnte. Das Gericht betrachtete das Geständnis als "persönliche Argumentation" in einer Situation, in der die Polizei ihr gesagt hatte, dass an der Tötung kein Außenstehender beteiligt war.

Das Geständnis stimmte auch nicht mit Ergebnissen der technischen Untersuchung oder anderen Beweisen überein.

Auer erhält eine beträchtliche Summe als Entschädigung dafür, dass er als Verdächtiger in dem rund 600 Tage dauernden Fall verhaftet wurde. Die Quote für ungerechtfertigtes Leiden liegt in Finnland bei 100 Euro pro Tag, aber Experten sagen, dass die Nachfrage aufgrund der großen Öffentlichkeitsarbeit um den Fall viel höher sein wird.

Auer wurde 2010 für schuldig befunden, ihren Ehemann vor einem niedrigeren Gericht getötet zu haben, und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Ein höheres Gericht wies die Anklage 2011 jedoch wegen fehlender Beweise zurück. Der finnische Oberste Gerichtshof hat daraufhin den Fall an das Gericht zurückverwiesen, da die Anklage sagte, dass sie neue Beweise gefunden habe.

Das Obergericht verurteilte sie 2013 erneut zu lebenslanger Haft. Wie schon im vorangegangenen Verfahren sprach das Oberlandesgericht sie erneut frei. Nach diesem Fall kann die Anklage noch um Erlaubnis bitten, den Fall dem Obersten Gerichtshof vorzulegen.

Auer befindet sich derzeit wegen sexueller Ausbeutung von Kindern im Gefängnis. Dieser Fall hängt jedoch nicht mit den Mordanklagen zusammen.

http://www.finlandtimes.fi/national/2015...and-murder-case

#16 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:46

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Anneli Auer im Gerichtssaal

#17 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 00:58

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Die öffentliche Erklärung des Oberlandesgerichts vom 27.6.2013 (Diarnr R12/1625) sagt folgendes:
Freie Uebersetzung:

"In der ärztlichen Untersuchung sind bei der A sehr viele solche Narben festgestellt worden, die sie selber nicht erklären kann und die sie selber nicht festgestellt hat, zum Beispiel eine entspreche kreuzförmige Narbe auf dem Schulter wie bei C. Nach der psychologischen Aussage die an ihren Interviews basiert, kann A mehrere Gruende dafuer haben diese Sachen nicht zu erzählen, weil alles was sie erzählt, könnte negative Folgen haben entweder an sie selbst oder an an eine andere Person, die ihr nahe steht."

1.12.2006 sind die Kinder:
A ist die älteste Tochter von AA 9 Jahre 5 Monate alt.
B ist der Junge von AA 7-Jahre alt
C ist eine Tochter von A 4 Jahre und 10 Monate
D 2 ist einen Tochter von A 2 Jahre 5 Monater

Frei Uebersetzung:
"Die Kinder sind im Alter von 3-11 Jahren, als diese behaupteten Taten geschehen sind. Als die Psychologen sie interviewt haben sind die Kinder ungefähr 7-14 Jahre alt."

Hier handelt es sich um das Gerichtsuerteil von den Sezualtaten und Misshandlungen an den Kindern. Sie ist zum ersten Mal 29.6.2012 verurteilt worden von den selben Taten, dann hat sie Revision eingelegt, und die Strafe ist mit einem halben Jahr noch verlängert worden.

Die Obduktion war in der fruehen Morgenstunde 1.12.2006.

#18 RE: Mord in Finnland 2006: Der Fall Anneli Auer (41) von wetterfrosch 10.08.2018 01:13

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“Notruf” Horror Mutter oder Justizopfer? Doku (2015)

11.06.2016 veröffentlicht

VIDEO:

https://youtu.be/40o5lQToiTI

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