#1 RE: Offenburg 1955: Der Hetzel-Prozeß von 27.02.2017 21:02

03.11.1969
„NOCH FRAGEN ZUM ENDDARM?“
Sachverständiger: Ich bin ein Mensch. Staatsanwalt: Für mich sind Sie jetzt ein Fachmann. Dialog im zweiten Hetzel-Prozeß.

Im Januar 1955 wurde Hans Hetzel in Offenburg als Mörder zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Am Freitag vergangener Woche hat in Offenburg im Wiederaufnahmeverfahren Hetzel auch die Staatsanwaltschaft "Freispruch" beantragt.

Sie sah sich nach Abschluß der Beweisaufnahme nicht mehr in der Lage, für "die Verurteilung des Angeklagten unter irgendeinem rechtlichen Gesichtspunkt" einzutreten.

Oberstaatsanwalt Dr. Brückner, 48, hat in diesem Zusammenhang vor dem Schwurgericht seiner "festen Überzeugung Ausdruck gegeben", daß die Verurteilung des Jahres 1955 das "Ergebnis ernsten Ringens um die Erkenntnis des Richtigen" gewesen und daher niemand der "Vorwurf der Leichtfertigkeit oder gar der Böswilligkeit zu machen" sei. Herr Brückner hat die Anklage im Wiederaufnahmeprozeß Hetzel vornehm und sympathisch vertreten. Man mag Herrn Brückner nicht widersprechen.

Sprechen wir also von dem, wovon Herr Brückner nicht gesprochen hat; von dem, was schließlich nicht in die Zuständigkeit irgendeiner Staatsanwaltschaft fällt: Sprechen wir von Selbstüberschätzung, Kraftmeiertum, Eitelkeit und der ungebrochenen Kraft des Vorurteils. Das alles geht die Juristen nichts an, für die ja auch das Fehlurteil kein Thema ist. da Gerichte stets schon früher zur späteren Erkenntnis gelangt wären, hätte ihnen nur für ihre Entscheidung zur Verfügung gestanden, was endlich aufgeboten wurde.

Der Fall Hans Hetzel -- nein, Tragödie ist ein blödes Wort in dieser Sache: Der Fall Hans Hetzel ist ein Anschlag auf das bißchen Hoffnung, aus dem der Mensch lebt; auf die Hoffnung, der Mensch werde denn halt doch ein Bruder sein, und sei es nur um der Solidarität gegenüber dem Tode willen.
Im Januar 1955 erkannte ein Schwurgericht in Offenburg: "Dieser vom Sachverständigen Dr. Ponsold angenommene Tatverlauf entspricht nach der Überzeugung des Gerichts im wesentlichen der Wahrheit." Der Ponsold-Tathergang, zu dem sich das Gericht bekannte, sah so aus:

"Der Angeklagte habe möglicherweise der Frau Gierth zunächst Schläge auf Nase und Gesicht verabfolgt, worauf diese wohl die Flucht ergriffen habe. Der Angeklagte sei wahrscheinlich hinterhergerannt und habe ihr auf den Kopf geschlagen. Nach diesen Schlägen sei sie zusammengesunken, worauf er ihr die Schlinge um den Hals gelegt und kräftig zugezogen habe ... Der Angeklagte habe dann die Frau in die rechte Brust und in den Bauch gebissen. Anschließend habe er noch während des drei bis acht Minuten dauernden Todeskampfes und vielleicht noch nach dem Tode den Analverkehr ausgeübt. Dies sei alles mit dem Ziele der geschlechtlichen Befriedigung geschehen, das sich gleichsam wie ein roter Faden durch den Tatablauf hindurchziehe."

Der Angeklagte Hetzel (1,83 Meter groß) hatte 1955 folgende Darstellung gegeben: Er sei beruflich mit dem Kraftwagen unterwegs gewesen, als Frau Gierth (1,54 Meter groß) ihm vom Straßenrand aus winkte. Er habe sie mitgenommen. Man sei eingekehrt. Auf der Rückfahrt nach Offenburg habe Frau Gierth ihm Avancen gemacht, wobei nicht die Rede davon gewesen sei, daß sie verheiratet und Mutter von drei Kindern war.

Man habe zuletzt in vollem Einverständnis angehalten, sich im Wagen entkleidet, ihn verlassen und sei abseits an einer geeigneten Stelle zusammengekommen. Er, Hetzel, sei schnell ans Ziel gelangt. Man sei ins Auto zurückgekehrt. Man habe sich irgendein Kleidungsstück umgehängt und eine Zigarette geraucht. Frau Gierth habe erkennen lassen, daß für sie noch nicht des Tages Abend (oder der Nacht Ende) sei: Man habe also das Auto ein zweites Mal verlassen.

Während des folgenden Durchgangs sei Frau Gierth in eine außerordentliche Beteiligung geraten; sie habe sich umgedreht und Hetzel durch Zuwendung ihres Körperteils zu einer (bei den Naturvölkern selbstverständlichen) Verkehrsform -- der Mediziner sagt: a tergo -- aufgefordert. Er sei diesem Wunsch nachgekommen, a tergo, doch nicht via anus -- und plötzlich sei ihm die Frau zusammengesackt.

Er habe zu seinem Entsetzen erkennen müssen, daß die Frau tot war. In Panik sei er verfallen. Er habe sich angekleidet, die Leiche aufgerafft, in den Wagen geladen und sei losgefahren, irgendwohin. Unterwegs habe er die Kleider der Frau zum Fenster hinausgeworfen, mit einer Hand steuernd. Und unterwegs sei ihm eingefallen, daß an einer entfernten Straße bereits früher, 1949 und 1952, die Leichen unbekleideter Frauen gefunden worden seien, derentwegen alle Ermittlungen erfolglos geblieben waren. Er habe darauf diese Straße angesteuert, dort gehalten, die Leiche die Böschung hinabgeworfen und sich davongemacht.

Vorher habe er im übrigen die Leiche mit den Fetzen eines ihrer von ihm auseinandergerissenen Kleiderstücke gereinigt. Sie habe übel gerochen und sei feucht gewesen. Des Geruches halber habe er den Abgang von Kot angenommen und sei mit einem Lappen auch zwischen den Beinen der Leiche hindurchgefahren und dabei in den After eingedrungen.

Im Wiederaufnahmeverfahren treten die Sachverständigen auf, die der Rechtsanwalt Dr. Fritz Gross, Münster, seit 1965 Hetzels Rechtsbeistand, gewonnen hat: Professor Prokop, 48, Ordinarius für Gerichtliche Medizin an der Humboldt-Universität zu Ost-Berlin; die Generalstaatsanwaltschaft der DDR hat seine Mitwirkung genehmigt, man muß ihr danken.

Es treten auf Professor Dotzauer, 56, Lehrstuhlinhaber in Köln, ein Forscher und Lehrer par excellence; Dr. Greiner, 47, Gerichtsmediziner in Duisburg und in sechs an- und umliegenden Mordkommissionen der Mann, der jedes Kapitalverbrechen als erster an der Leiche kennenlernt; Professor Spann, 48, Lehrstuhlinhaber in Freiburg und nächstens in München; Dr. Frei-Sulzer. 57, Leiter des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich, ein Mann, der es versteht, komplizierteste Wissenschaft dem Laien selbstverständlich zu machen, ohne der Wissenschaft ein Leid zu tun; Professor Kasper, 62, Ordinarius für Geodäsie und Photogrammetrie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, und der Kölner Physiker Dr. Scheffler, 46.

Ihre Aussagen lassen sich auf einen Nenner bringen: Nichts, was 1953 an der Leiche als Befund erhoben wurde, widerspricht den Einlassungen des Angeklagten.

Es mindert nicht den Rang der Kollegen von Professor Prokop, wenn man feststellt, daß er ein genialer Wissenschaftler von internationalem Ansehen ist. Professor Prokop: "Es wurden Dinge erhoben, die gar nicht vorhanden sind." Professor Prokop ist offen bis zur Brutalität: "Was mich zutiefst erschüttert hat und "Wenn es um das Schicksal eines Angeklagten geht, dann würde ich nicht wagen, die Schwurhand zu heben Es fällt auch ein Wort, von dem man sagen darf, daß es wie ein apokalyptischer Donner grollt: "Natürlich, es gibt Leute, die behaupten, alles aufklären zu können" (in einem Fall wie diesem).
Wie konnte die Diskrepanz zwischen den Feststellungen von 1955 und 1969 entstehen?

Die Ermittlung gegen Hans Hetzel leitete von Beginn an der Offenburger Oberstaatsanwalt Dr. Carl Ferdinand Naegele. heute 60. Wir haben ihn im Wiederaufnahmeverfahren kennengelernt, er redete und redete, er fiel dem Vorsitzenden ins Wort. und er belehrte die Verfahrensbeteiligten darüber, wozu er als Zeuge berechtigt sei: "Das sind innere Tatsachen, die darf ich als Zeuge vortragen." Er ist schon 1953 bis 1955 ein "ziemlich erfahrener Staatsanwalt" gewesen. Und die Angriffe gegen das von ihm 1955 beantragte Hetzel-Urteil haben ihn in seiner "Ehre als Staatsanwalt verletzt".

Nein, er hat Hans Hetzel damals in den Verhören nicht angeschrien, ihm nicht unzulässig zugesetzt. Der Hetzel-Verteidiger Fritz Gross verliest in seinem Plädoyer den Brief "eines Bürgers dieser Stadt", der sich daran erinnert, daß der Herr Naegele ihn zusammengeschrien hat, als er einmal ein (am Ende freigesprochener) Angeklagter war. Der Bürger der Stadt Offenburg erinnert sich daran, daß der Herr Naegele ihn aufforderte, die Hand aus der Tasche zu nehmen, die nur in der Jackentasche steckte. Der Bürger der Stadt, man kann nicht daran zweifeln, daß ihm innere Ressourcen gegen Herrn Naegele zur Verfügung standen, denn er heißt Franz Burda, erinnert sich des Stils von Herrn Naegele genau. Übrigens: Als Zeuge im Wiederaufnahmeverfahren Hetzel sagte der Herr Naegele über weite Strecken mit der linken Hand in der Hosentasche aus.

"Das ist doch eine psychologische Tatsache, die jeder kennt ... -- der Täter kehrt an den Tatort zurück", deklamiert der Herr Naegele. Es darf das nicht wahr sein. Herr Naegele dient dem Gericht auch an, welche Zeugen es noch zu hören habe: Juristen sind schlechte Zeugen, bitte, wir nehmen das hin. Doch einer der Verfahrensbeteiligten meinte im Anschluß an Herrn Naegeles Tatortrückkehrthese, wir sollten die Kripo abschaffen und Fangkörbe, allenfalls Männer mit Käschern am Tatort aufstellen: Das sei viel billiger.
Herr Naegele ist noch heute überzeugt davon, daß Hans Hetzel die Frau Gierth vorsätzlich ermordet hat, er quietscht es in den Saal.

Da war damals ein Psychiater namens Dr. Braun zweiter Mann im Gesundheitsamt zu Offenburg. Nein, befreundet war der Herr Naegele nicht mit ihm. Der Herr Braun hat Gutachten zum Fall Hetzel in Fülle angefertigt, während der Ermittlungen, der war bei Verhören dabei und hat Fragen gestellt. Herr Naegele hatte es nicht nötig, sich auf den Herrn Braun zu beziehen -- weil ich es ohnehin gewußt habe."

Herr Naegele hat also ohne Beihilfe gewußt, so das Gutachten des Herrn Dr. Braun, der im ersten Prozeß gegen Hans Hetzel wegen Verdachts der Befangenheit abgelehnt wurde, der jedoch vor dieser Ablehnung ausreichend gesät hatte: "Befund spricht dafür, daß H. die Frau G. langsam zu Tode brachte, wobei er sie in roher Weise mißhandelte und sexuell mißbrauchte. Ein solches Vorgehen entspricht der Persönlichkeit des H. Wie schon früher festgestellt, ist H. ein roher und brutaler Mensch, der zu sadistischen Handlungen neigt. Schon früher hat er Tiere mißhandelt ... Sicher ist, daß er sie bestialisch mißhandelte, mißbrauchte und sich an ihrem Leiden sexuell erregte. Er brachte die Leiche in die Nähe des Ortes der ermordeten Krüger, die unter ähnlichen Umständen umgebracht" (und 1952 dort gefunden wurde, wo Hetzel 1953 die Leiche Gierth abwarf).

Hans Hetzel ist als der "Autobahnmörder" behandelt worden, als Urheber aller an Autobahnen und Straßen angefallenen Leichen. Später stellte sich heraus, daß er mit keiner der Taten in Verbindung zu bringen war, die man der Fiktion "Autobahnmörders" damals zur Last legte. Später wurden die Ermittlungen im Fall der beiden Leichen eingestellt, die dort gefunden worden waren, wo Hans Hetzel 1953 die Leiche der Frau Gierth in Panik abwarf. Später -- doch der Herr Naegele, Oberstaatsanwalt in Heidelberg, kreischt noch heute, der Hetzel sei für ihn ein Mörder, der Mörder auch der Frau Krüger der Mörder, der Mörder, der Mörder: der "Autobahnmörder" also, so muß man Herrn Naegele verstehen.

Herr Naegele hatte also das Recht auf seiner Seite ("Ich muß auch an das Opfer denken"), als er am 24. Januar 1955, die schriftliche Urteilsbegründung gegen Hans Hetzel lag noch nicht vor, und die Revision lag in der Ferne, in einer Offenburger Zeitung einen Text veröffentlichte, der erklärte, warum Hans Hetzel zu verurteilen war.

In Offenburg saß während des Wiederaufnahmeverfahrens auch der Professor Ponsold, Münster. Er hat 1955 die Wende im Hetzel-Prozeß gebracht. Er entdeckte Offenburg war damals gewiß nicht unterhaltender am Abend als heute, so kommt so etwas zustande -- nach peinigendem Grübeln auf den Photos der Leiche von Frau Gierth die Spuren einer Erdrosselung mit einem Strick, mit einem Kälberstrick, denn Hans Hetzel ist immerhin gelernter Metzger. Herr Ponsold saß im Wiederaufnahmeverfahren, er trägt an jedem Handgelenk eine Armbanduhr, er will pünktlich sein, er ist genau, auf ihn kann man sich verlassen. Der Vorsitzende des Schwurgerichts, der Landgerichtsrat Horst Weidner, 44, hatte zu tun. Er bewältigte seine Aufgabe vorzüglich: "Noch Fragen zum Enddarm?"

Professor Prokop: Die Weite des Anus sei keineswegs sensationell, kein Beweis für einen gewaltsam erzwungenen Analverkehr. Dergleichen sei er -- 16 000 Obduktionen bis heute -- gewohnt. Der Herr Weidner verhandelt mitunter volkstümlich, doch er versteht es wie wenige, den Geschworenen Fachliches auf eine Formel zu bringen. Manchmal steht er ein wenig sehr vor der Justiz. Nein, das Hetzel-Urteil von 1955 ist nicht "höhere Gewalt": Es ist auch die Kniebeuge vor einem "Papst" -- der Kotau vor einer Überheblichkeit, die man auch ohne Fachkenntnisse hätte erkennen können.

Mehr nach dem Urteil. Ein Fehlurteil trifft nicht nur die Justiz. Es trifft alle. Für ein Fehlurteil sind alle verantwortlich. "Im Namen des Volkes" wird entschieden. Es wasche sich niemand die Hände. Wir lassen die Herren Naegele und Ponsold zu.

Im Saal in Offenburg geriet eine ältere Frau, die man der "Öffentlichkeit" zurechnen darf, auf die Pressebank. Als Hans Hetzel von seinem verlorenen Leben schrie -- da stieß sie den SPIEGEL-Reporter an. "Der geht nimmer fremd", kicherte die Frau. Ja, ja -- wäre er nur nicht fremdgegangen. Wir sind eben alle Abendländer, Christen und Demokraten.

Von Gerhard Mauz

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45464958.html

#2 RE: Offenburg 1955: Der Hetzel-Prozeß von 27.02.2017 21:04

05.09.1966
„MIT DEM TÖTEN IN NÄHEREM VERHÄLTNIS“

Am 17. Januar 1955 wurde Hans Hetzel, heute 40 Jahre alt, vom Schwurgericht in Offenburg wegen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Hetzel wurde für schuldig befunden, die Magdalena Gierth, 25; die er als Anhalterin in seinem Wagen mitgenommen hatte,in der Nacht vom 1. auf den 2. September 1953 "aus Geschlechtslust" getötet zu haben.

Hetzel, so das Schwurgericht, ermordete Frau Gierth, die sich zunächst freiwillig entkleidet und mit ihm in die Büsche geschlagen hatte, als sie sich einer besonderen, von ihm gewünschten Art des Verkehrs widersetzte. Die Einlassung Hetzels, die Frau sei ihm, mitten im nicht nur von ihm mit größter Heftigkeit betriebenen Vergnügen, zusammengesackt, wurde vom Schwurgericht nicht akzeptiert.

Es kam sogar mit Hilfe des Gerichtsmediziners Professor Ponsold, Münster, zu der Erkenntnis, Frau Gierth sei erdrosselt worden. Und zwar mit "einem Strick von der Art eines Kälberstricks" oder einem ähnlichen Gebilde.

Die Revision wurde verworfen, zwei Wiederaufnahmeanträge scheiterten. Die Achtung vor dem Richteramt sträubt sich aufzubegehren. Doch der Fall Hetzel ist ein Skandal. Denn wenn es für den krassen Irrtum, der zur Verurteilung eines absolut unschuldigen Mannes führt, immerhin noch Erklärungen geben mag, die den Gesamtbefund "Tragödie" erlauben: Das unbedingte Festhalten am Urteil gegen Hetzel, das immer tiefer in Strudel der

Sorge und des Zweifels geriet, seit es gefällt wurde, ist unentschuldbar. In Offenburg und Karlsruhe, wo über Hetzels Wiederaufnahmeanträge beraten wurde, scheinen Richter entschlossen, in dieser Sache das Exempel einer richterlichen Unabhängigkeit zu demonstrieren
vor der man zittern muß.

Hans Hetzel war bis zu dem Tag, an dem er Frau Gierth im Auto mitnahm, kein Lamm. Der gelernte Metzger hatte in seinem Leben vieles versucht, überall Schiffbruch erlitten und war verschuldet. Er war wahllos hinter Frauen her gewesen, ein gelegentlich roher Klotz von 1,83 Größe. Vor dem Gesetz hatte er keine sonderliche Scheu. Hetzel war mehrmals verurteilt worden.

Sadismus jedoch war ihm noch nicht vorgeworfen worden. Es sei denn, man mag aus folgendem auf Lust am Leidenlassen schließen: Am 7. Oktober 1941 hat Hetzel, 15 Jahre alt damals, im Schlachthof von Offenburg eine zum Töten gebrachte Katze durch zwei Schläge auf den Kopf getötet, "anstatt den elektrischen Apparat zu benutzen". Der Metzgerlehrling Hetzel wurde deswegen zu einem Wochenendkarzer verurteilt.

In den Urteilsgründen hieß es damals, Hetzel habe zugegeben, das Töten der Katze habe ihm Spaß gemacht. Belehrungen des Richters habe er lächelnd entgegengenommen. Im Urteil 1955 sieht das so aus: "Bedenklich ist jedoch, daß ihm im Jahre 1941 das Töten einer Katze Spaß gemacht und daß er die richterliche Belehrung mit Lächeln entgegengenommen hatte." Auch wird angeführt, daß Hetzel im Alter von zwei Jahren einigen Küken den Kopf mit der Beißzange abgezwickt haben soll. Das Schwurgericht ließ "den Vorgang" allerdings "außer Betracht". Denn Hetzels Mutter bestätigte ihn nicht.

Ein für den Bürgersinn mit Recht unsympathischer Bursche, ein mit Klecksen und Kritzelei gefülltes Blatt. Das alles ist einzuräumen. Doch die Brückenschläge zum angenommenen Mord hinüber, über die (mit dem "Blutrührstock") getötete Katze und die zwar "außer Betracht" gelassenen, aber dennoch angeführten Küken: fatal.

Derartige Versuche des Schwurgerichts, sich ein Bild von Hetzel zu machen, könnten übergangen werden, wenn sie nicht vor einem Hintergrund zu sehen wären. Das Phantom Autobahnmörder ging 1955 um. Hetzel war zeitweise Fernfahrer gewesen. Er hatte die Leiche der Frau Gierth an einem Straßenstück niedergelegt, an dem früher zwei unbekleidete weibliche Leichen gefunden worden waren.

Heute wissen wir: Hetzel hat mit diesen beiden Leichen nichts zu tun gehabt. Und er ist auch nicht der Autobahnmörder gewesen. 1955 jedoch lastete auf Hetzel ein Verdacht, der noch viel größer war als die Anklage. Dergleichen findet so gut wie nie seinen Ausdruck im Urteil. Derartiges ist so gut wie nie für Revisionsbegehren und Wiederaufnahmeantrag zu fassen.

Im Fall Hetzel gibt es jedoch Indizien. Der Antrag der Verteidigung, den Medizinalrat Dr. Braun als Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen, hatte 1955 in der Verhandlung Erfolg. Doch durch die Akten der Jahre 1953 und 1954 ziehen sich Dr. Brauns Äußerungen als ein triefender Faden: "Hetzel steht mit dem Töten in näherem Verhältnis."

Wenige Tage nach der Verurteilung Hetzels äußerte sich Dr. Braun im "Offenburger Tageblatt": "Hetzel ist ein Sadist ... Im Hintergrund schlummert bei ihm die Bestie, die das Opfer verschlingt, wenn es willfährig geworden ist. Aus diesem Wesen ist mit Recht zu folgern, daß noch mehrere ähnliche nicht aufgedeckte scheußliche Taten Hetzels Werk sind."

Die Ablehnung war zu spät gekommen. Dr. Braun hatte den Kampf gegen die Ärzte, die Frau Gierths Leiche obduziert hatten, schon längst gewonnen. Nach Meinung der Obduzenten waren die Verletzungen an der Leiche Frau Gierths ohne strafrechtlichen Vorwurf zu erklären. Doch Dr. Braun hatte mit Schriftsätzen, die stellenweise eine unflätige Parodie auf die Forderung nach wissenschaftlicher Objektivität darstellten, die Ermittlungen entscheidend beeinflußt. Auf sein Betreiben wurde Professor Ponsold als Gutachter hinzugezogen. Als Gutachter über Papier wohlgemerkt: denn die Leiche gab es nicht mehr, auch keine Präparate. Nachdem die Obduzenten keinen Befund für Mord erhoben hatten, war die Leiche freigegeben worden.

Der Verteidigung unterlief in der Verhandlung ein Kunstfehler. Sie beantragte zwar die Ladung eines weiteren Gutachters, als Professor Ponsold überraschend zu Resultaten kam, die für Hetzel vernichtend waren; als plötzlich vom "Kälberstrick" die Rede war, dessen Marken Professor Ponsold als erster und einziger entdeckte. Doch 1955, vor dem Fall Rohrbach, war der Sachverständige noch eine heilige Kuh. So konnte es im Urteil heißen:

"Die Verteidigung hatte zwar die Erhebung eines Obergutachtens beantragt. Zur Begründung dieses Antrages hatte sie aber nur angeführt, daß im Hinblick auf die Schwere der Verantwortung die Sicherung der Beweisgrundlage durch ein weiteres Gutachten sich empfehle ... Der Antrag wurde deshalb als unbegründet abgelehnt."

Der Verteidigung des Jahres 1955 ist kein Vorwurf zu machen. Eher wäre da der Mut des Professors Ponsold zu rühmen, der erklärte, "daß er seiner Begutachtung sicher sei und keiner weiteren Hilfe, etwa durch einen anderen Sachverständigen, bedürfe". Von der Callas ist natürlich nie die Antwort zu erwarten, daß sie eine Partie nur unter Mitwirkung der Tebaldi singen kann. Doch wenn sich ein anerkannter Wissenschaftler derart erklärt, dann war das 1955 ein Wort.

Es mußte jedoch auch ein Wort sein, was 1961/62 die Professoren Laves, München, und Breitenecker, Wien, beide gleichfalls Lehrstuhlinhaber für Gerichtsmedizin, im ersten Wiederaufnahmeantrag vorbrachten. Breitenecker: "Ein Lustmord ist medizinisch nicht erwiesen. Wohl aber ein Sexualakt mit tödlichem Ausgang, nach vorherigem Brechen des Widerstandes durch Schläge und Würgen. Ein tödliches Würgen kann nach der Aktenlage nicht mit der für das Strafgericht notwendigen Sicherheit behauptet werden ..."

Professor Laves: "Der Verurteilte hat ... angegeben, es sei zu irgendeinem Zeitpunkt während des abnormen Verkehrs zu einem plötzlichen Zusammensinken und Aufhören der Herztätigkeit bei Frau Gierth gekommen. Diese Verantwortung ist ... äußerst wahrscheinlich ... Ein derartiger Ablauf war für den Täter in dieser Art jedoch nicht vorhersehbar."

Der Wiederaufnahmeantrag wurde abgelehnt. Bitte: Zwei Sachverständige, deren Gutachten in unzähligen Prozessen die Urteile der Gerichte stützten, bringen massive Kritik am mündlichen Gutachten eines gleichrangigen Kollegen vor. Darüber müßte doch diskutiert werden, da kann man sich doch nicht hinter starrer Auslegung des Begriffes "neue Tatsachen" verschanzen, der Bedingung des Gesetzgebers für die Wiederaufnahme ist. Doch der Antrag wurde verworfen.

Man verweigerte ihm sogar die Zulässigkeit. Ein für zulässig erkannter Wiederaufnahmeantrag ist noch lange nicht am Ziel. Zulässig: Das bedeutet nur, daß sich das Gericht direkt mit dem befassen wird, was der Antrag an Beweisen, Zeugen und Sachverständigen vorträgt. Doch nicht einmal dazu war man 1962 bereit. Und dazu konnte man sich auch nicht entschließen, als es jetzt um den zweiten Antrag ging.
Wie 1962 befand man, keiner der angebotenen Sachverständigen verfüge über Forschungsmittel, die denen des Professors Ponsold überlegen sind. Schon 1962 hatte Professor Breitenecker gebeten, das Gericht möge Ponsold und seine Kontrahenten einmal gemeinsam hören. Er drückte die Überzeugung aus, "daß eine fachliche Aussprache mit den Vorgutachtern in Gegenwart der Gerichtsbehörden zu einer fibereinstimmung der bisher gegenteiligen Auffassungen führen werde".

Ponsold äußerte sich 1955 über eine Leiche, die er nicht gesehen hatte. Er sprach über Papier und Lichtbilder. Er zog Schlüsse aus Antworten, die ihm die Obduzenten in der Verhandlung gaben. Wer so gutachten muß, ist dem Irrtum ausgesetzt. Den gilt es zu prüfen, sobald sich ernst zu nehmende Kritik regt; sobald gegensätzliche Meinungen laut werden, die zwar "nur" auf gleichwertigen Forschungsmitteln, aber auch auf denselben bruchstückhaften Unterlagen beruhen.

Ausgerechnet in Professor Ponsolds schriftlichem Gutachten, das seinem Auftritt in der Verhandlung voranging, ist zu lesen: "Wenn man sich, wie im vorliegenden Fall, nur auf von anderer Seite erhobene Befunde stützen muß, stehen der Begutachtung über die Todesursache ... erhebliche Schwierigkeiten entgegen. Die beste Beschreibung und das beste Lichtbild vermögen die eigenen Beobachtungen nicht zu ersetzen."

Der Gipfel ist, daß den nunmehr abgelehnten Antrag Gutachter stützten, nach deren Ansicht Professor Ponsold seinerzeit aus den ihm zur Verfügung stehenden Lichtbildern etwas herausgelesen hat - Drosselspuren nämlich -, was in den Lichtbildern gar nicht enthalten ist. Diese Sachverständigen sind samt und sonders Lehrstuhlinhaber. Ihre Fachgebiete sind Photogrammetrie, Experimentalphysik, Photochemie und wissenschaftliche Photographie. Doch nein: verworfen, ohne Gehör und ohne Diskussion.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat, als es die Beschwerde gegen die zweite Ablehnung verwarf, einen Schlüssel zu den Entscheidungen gegen Hetzels Wiederaufnahmeanträge gegeben. Es erinnerte an die Notwendigkeit, ein rechtskräftig gewordenes Urteil zu schützen. Es zitierte aus einer Begründung des Oberlandesgerichts Köln, daß "neue Tatsachen sich leicht aufstellen und auch Zeugen ... sich finden (lassen), die sie bestätigen wollen, während es immer schwieriger wird, in einer erneuerten Hauptverhandlung wiederum den Schuldbeweis zu führen, da bei größer werdendem zeitlichen Abstand von der Tat notwendige Beweise verlorengehen oder an Überzeugungskraft. verlieren".

Dem kann man nur zustimmen. Doch wo wird im Fall Hetzel "neu aufgestellt?" Es liegen heute wie 1955 die gleichen, kargen Unterlagen über die Leiche der Frau Gierth vor. Der "zeitliche Abstand" konnte nichts verändern. Hier geht es nicht um eine Serviererin im Hahnhof zu München.

In Zukunft werden Wiederaufnahmeanträge Hetzels von einer Justiz noch leichter abzuwehren sein, die in solchen Anträgen Attentate sieht. Denn, was einmal nicht als "neue Tatsache" anerkannt wurde, ist verbraucht. Es gibt nur noch eine Chance für Hetzel: Professor Ponsold könnte sich als Wissenschaftler zu einer, zugegeben einmaligen Geste entschließen. Er könnte sich einem Gespräch mit den Kollegen stellen, die anderer Meinung sind als er. Danach wäre es dann allein an ihm, zu entscheiden, ob heute nicht doch kollegiale Hinweise vorliegen, die ihn 1955 zu einem anderen Gutachten veranlaßt hätten.

Der SPIEGEL erreicht allwöchentlich auch einen Mithäftling Hetzels in Bruchsal. In Heft 8/1966 waren die Seiten mit dem ersten Bericht über den Fall Hetzel geschwärzt. Der Häftling beschwerte sich. Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied für die Schwärzung: wegen der "einseitigen Art der Behandlung" des Falles Hetzel. Nun, wenn man den Fall Hetzel einseitig darstellen wollte ...

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46414169.html

#3 RE: Offenburg 1955: Der Hetzel-Prozeß von 27.02.2017 21:08

„ICH MUSS IHR DIE LUFT ABGESTELLT HABEN“
Eine nackte, weibliche Leiche fand am 3. September 1953 gegen 19.30 Uhr der in Windschläg bei Offenburg/Baden ansässige Jagdaufseher Beuerlein. Er entdeckte sie im Graben neben der Bundesstraße 28, zwischen Appenweier und Sand, 86 Meter östlich des Kilometersteins 13.

Am 17. Januar 1955 verurteilte das Schwurgericht des Landgerichts Offenburg wegen dieser Toten den am 29. April 1926 geborenen, verheirateten Hans Hetzel, der die Metzgerlehre mit der Gesellenprüfung abgeschlossen hatte, aber zuletzt Vertreter gewesen war, als Mörder zu lebenslänglichem Zuchthaus.
Hetzel behauptet bis heute, er sei kein Mörder, obwohl er, nach anfänglichen Ausflüchten, nie mehr bestritten hat, daß die Frau, die er ermordet haben soll, buchstäblich unter seinen Händen starb.

Die Revision Hetzels verwarf der Bundesgerichtshof. 1962 scheiterte ein erster Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens. Ein zweiter Wiederaufnahmeantrag, im November 1965 gestellt, wurde am 13. Januar dieses Jahres von der Strafkammer des Landgerichts Offenburg für unzulässig erklärt. Über die fristgerecht eingelegte Beschwerde gegen diesen Beschluß hat jetzt das Oberlandesgericht Karlsruhe zu befinden.

Der Fall Hetzel macht, wie kaum ein anderer, sichtbar, auf welch schmalem Grat über Wiederaufnahmeanträge entschieden werden muß. Denn es geht in dieser Sache nicht darum, ob vielleicht ein anderer als Hetzel der Mörder gewesen sein könnte.

Es ist hier vielmehr in geradezu experimenteller Isolierung des Problems allein die Frage zu beantworten, ob ein Todesfall, an dem unstreitig nur Hetzel beteiligt war, noch immer ausreichend als Mord bewiesen ist.
Als am Abend des 3. September 1953 an der B 28 eine nackte Leiche entdeckt worden war, ohne daß Kleidungsstücke zu finden oder Kampfspuren festzustellen gewesen wären, drängte sich eine Überlegung auf: Fund- und Tatort konnten nicht identisch sein.

Es drängte sich aber auch in jener Nacht den Männern, die schließlich gegen zwei Uhr, früh die Tote einsargten um sie in das Leichenschauhaus des städtischen Friedhofs Offenburg zu bringen, die Tatsache auf, daß sie sich an einem nunmehr dreifach unheimlichen Ort befanden.
Denn schon am 25. November 1952 war 336 Meter westlich vom jüngsten Fundort die nackte Leiche der Ruth Krüger und bereits 1949 in 300 Meter Entfernung die nackte Leiche der Lucie Maria Fritsch gefunden worden.

Auch in diesen beiden Fällen waren Fund- und Tatort offenkundig nicht identisch gewesen. Beide Mordfälle waren nicht aufgeklärt worden, beunruhigten noch immer die Bevölkerung.

Hier ist daran zu erinnern, daß der Kampf um die Wiederaufnahme eines Verfahrens gelegentlich auch ein Kampf gegen jene Justiz sein kann, der ihre Unfehlbarkeit mehr bedeutet als die Wahrheit.
Doch meistens ist der Kampf um die Wiederaufnahme eines Verfahrens der mühevolle, ja verzweifelte Versuch, ein paar Millimeter näher als bisher an die Wahrheit heranzukommen. Schlagende, überwältigende neue Tatsachen im Kampf gegen ein rechtskräftiges Urteil sind die Ausnahme, nicht die Regel.

Verhandelt wurde gegen Hetzel im Januar 1955 nur wegen der am 3. September 1953 gefundenen Toten. Dennoch: Von dem Augenblick an, in dem der Jagdaufseher Beuerlein am 3. September 1953 an der B 28 eine Leiche fand, waren auch die beiden anderen Frauenleichen im Spiel, die früher an der B 28 entdeckt worden waren.

Es wäre unfair, deswegen, von einer brutalen Voreingenommenheit gegenüber Hetzel zu sprechen. Ermittlung und Verhandlung gegen ihn mußten befangen sein. Immerhin: Seit Hetzel wegen der am 3. September 1953 gefundenen Leiche verurteilt wurde, ist kein Beweis dafür erbracht worden, daß er auch mit dem Tod der Lucie Maria Fritsch und der Ruth Krüger zu tun hat.

Am 4. September 1953 nahmen der Amtsarzt Dr. Glaser und der wissenschaftliche Assistent am Pathologischen Institut der Universität Freiburg, Dr. Rübsaamen, die Obduktion vor. In ihrem "vorläufigen Gutächten" heißt es, bei der Verstorbenen habe eine "Schwangerschaft im ersten Monat; höchstens Mitte des zweiten Monats bestanden". Anzeichen sprächen für einen "durchgeführten Abtreibungsversuch".

Aus "zahlreichen Spuren äußerer Gewaltanwendung" schlossen die Ärzte, "daß in einer hochgradigen sexuellen Erregung, möglicherweise in einer Perversion vorgegangen worden war". Doch befanden sie, der Tod sei wohl durch Herzversagen eingetreten. "Dieses wird erklärlich aus der durchgemachten multiplen Mißhandlung sowie dem entkräfteten Zustand nach unvollkommener Abtreibung."

Dieser erste, später nicht wesentlich korrigierte Befund ist so zu verstehen: Der Tod trat während eines unmäßig heftigen, an Mißhandlung grenzenden Geschlechtsverkehrs ein, der die in schlechter körperlicher Verfassung befindliche weibliche Teilnehmerin so strapazierte, daß ihr Herz versagte.

Am 5. September um 21.45 Uhr, das Protokoll ist penibel, sprach bei der Polizei Heinz Gierth vor. Seine Ehefrau sei seit dem 1. September 14 Uhr "abgängig", das Protokoll hat seine Formeln. Am 6. September 1953 identifizierte Gierth die Tote als seine am 1. Juli 1928 geborene Ehefrau Magdalena.

Das Ehepaar Gierth hatte Mitteldeutschland einige Wochen zuvor verlassen. Seine drei Kinder waren bei den Eltern der Ehefrau geblieben. Gierth arbeitete bereits in Offenburg. Seine Frau ging - in der Sprache der Ämter - noch keiner "geregelten Beschäftigung" nach. Gierth beschrieb, welche Kleider seine Frau zuletzt getragen, was sie bei sich gehabt hatte, auch ihre Handtasche.
Am Morgen des 7. September zeigte ein Häftling dem Mithäftling Hetzel, der am gleichen Morgen im Landgerichtsgefängnis Offenburg wegen eines beim Amtsgericht Hünfeld anhängigen Strafverfahrens inhaftiert worden war, die Zeitung, die er beziehen durfte. In der stand ein Bericht über die Ermittlungen wegen des Leichenfundes vom 3. September.

Hetzel ließ sich nach Lektüre der Zeitung bei der Gefängnisverwaltung melden; er könne wegen der am 3. September 1953 aufgefundenen Leiche eine Mitteilung machen.

Der inhaftierte Hetzel gab vor der Polizei zu Protokoll, er habe am 2. September eine Anhalterin im Auto mitgenommen und dieser ihre Handtasche
abgekauft, um sie seiner Frau mitzubringen. Die Anhalterin sei von ihm an einer Straßenkreuzung abgesetzt worden.

Es ist närrisch, heute so zu tun, als habe sich Hetzel sogleich offen erklärt. Er mußte fürchten, verdächtigt zu werden, da er mit Frau Gierth Gaststätten besucht hatte. Auch mußte er damit rechnen, daß die gesuchte Handtasche in seiher Wohnung gefunden wurde, sobald erst Verdacht auf ihn gefallen war. Nur deshalb eröffnete Hetzel das Gespräch mit der Kripo.

Wer eine Wiederaufnahme der Sache Hetzel für vertretbar hält, darf das nicht vertuschen. Hetzel hat sich selbst in die Ermittlungen wegen des Todes der Magdalena Gierth so idiotisch eingeführt wie ein Schuldiger (oder wie ein vor Angst irrer Unschuldiger). Nach der ersten Aussage am 7. September begannen die Einlassungen Hetzels zu kleckern. Am Ende mündeten sie in eine Fassung, die nur in einem Punkt unscharf blieb.

Am Mittag des 1. September 1953 fuhr Hetzel mit seinem Auto in Richtung Freiburg. Nach beruflichen Irrwegen war er derzeit Vertreter für ein Tisch-Fußballspiel auf Provisionsbasis. Er wollte bei einer Firma wegen der Lieferung von Spieltischen für das von ihm vertretene Unternehmen vorsprechen.

Er nahm die an einem Bahnübergang stehende und winkende Frau Gierth mit. Als diese nach einer Weile bemerkte, sie mache gern mal eine größere Fahrt in den Schwarzwald, entschloß sich Hetzel zu einer solchen Tour. Im Hotel "Über'm Wasserfalle" in Triberg aß Hetzel mit Frau Gierth zu Abend. Als
diese sagte, sie habe wenig Geld bei sich, kaufte er ihre Handtasche für sechs Mark.

Auf der Weiterfahrt kehrte man noch einmal für einen halben Liter Wein ein. Inzwischen war es Nacht geworden. An einem Platz, der sich später nicht mehr genau bestimmen ließ, hielt Hetzel an. Beim Verlassen des letzten Gasthauses hatte sich Frau Gierth bei ihm eingehängt und sinngemäß bemerkt: "Wenn Engel reisen ..."

Nun zog Hetzel seine Jacke aus, Frau Gierth alles, was sie auf dem Leib hatte. Hetzel will dem Beispiel gefolgt sein. In der Nähe des Fahrzeugs sei man dann zusammengekommen. So, wie es üblich ist. Anschließend habe man, wieder im Auto, geraucht. Dabei habe Frau Gierth zu erkennen gegeben, daß für sie die Nacht noch nicht vorüber sei. So habe man das Auto erneut verlassen.
Diesmal soll Frau Gierth sehr, sogar ungewöhnlich lebhaft geworden sein und also denn auch Hetzel. Die übliche Verkehrsform sei variiert worden, wobei Hetzel, um Frau Gierths allzu große Aktivität zu bremsen, mit seiner linken Hand unter ihrem linken Arm hindurchgegriffen und sie am Hals gehalten haben will, auch "um den Kopf zu stützen".

Wie stark er dabei zugedrückt hat war Hetzel nicht erinnerlich. Doch soll ihm die Frau plötzlich zusammengesackt sein. Er habe darauf einen Augenblick gewartet, dann die Frau umgedreht - und entsetzt erkannt, daß sie tot war. Hetzel, ratlos (oder raffiniert): "Ich muß ihr die Luft abgestellt haben."
Danach will er völlig den Kopf verloren haben.

Er habe sich angekleidet, die Leiche auf den Rücksitz gelegt und mit einer zufällig im Wagen befindlichen Mantelschürze bedeckt. Anschließend, so der Kern von Hetzels verschiedenen Aussagen, sei er in Richtung Offenburg aufgebrochen. Auf der B 28, zwischen Appenweier und Sand, nach zirka 30 Kilometer Fahrt mit der nackten Leiche, will Hetzel Frau Gierth endlich kurz vor Sand aus dem Fahrzeug gehoben und die Böschung hinuntergeworfen haben.

Hetzel will die tote Frau Gierth planvoll zu dem unheimlichen, mit zwei unaufgeklärten Leichenfunden belasteten Straßenstück der B 28 gefahren haben, nicht zufällig. Man wird die dritte Leiche, so etwa will er überlegt haben, den beiden anderen zurechnen. Wo zwei Fälle nicht geklärt wurden, wird auch der dritte dunkel bleiben. So etwas kann durchaus in Hetzel gespukt haben. Oder brachte er neue Beute auf seinen privaten Friedhof?

Immerhin, im Kern deckten sich Hetzels Einlassungen mit dem Gutachten der Obduzenten. Allerdings muß hier die erwähnte unscharfe Stelle angesprochen werden, der Punkt, in dem Hetzel genaugenommen nie ganz eindeutig wurde. Der Punkt ist überaus eindeutig und wird hier ohne jedes Vergnügen erörtert, weit er entscheidend sein kann.

Hetzel hat sich darüber, ob er mit Frau Gierth zuletzt nicht nur a tergo, sondern auch via einer Kontaktmöglichkeit verkehrt hat, die der Fortpflanzungstendenz des Umgangs absolut zuwider ist, mal so, mal anders eingelassen. Es könne in der Raserei geschehen sein; nein, auf keinen Fall. Wie auch immer: Die Obduzenten nehmen an, daß die ungewöhnliche Praktik geübt wurde.
Das ist wichtig. Denn gerade durch sie wird das Bauchfell gereizt, kann es zum tödlichen Kollaps der Frau Gierth gekommen sein Hetzel will, der "hochgradigen Erregung" halber, in der sich alles abspielte, ohne genaue Erinnerung sein. Er ist 1,83 Meter groß, war Sportringer. Zwischen ihm und Frau Gierth, einer zierlichen Person von 1,58 Meter, die überdies körperlich geschwächt war, bestand ein fatales Mißverhältnis.

Sieht man die Situation, bestärkt von den Obduzenten, an, so muß man zugeben, daß sie sehr wohl tödlich gewesen sein kann, auch ohne Mordplan. Doch kann die Situation natürlich auch ganz anders gesehen werden, läßt sie auch lustvolle Ausdeutungen zu.

Am 30. Oktober 1953 kam das Staatliche Gesundheitsamt. Offenburg gutachtlich ins Geschäft: "Hetzel ist eine richtungs- und haltlose Persönlichkeit, bei der alles auf Vergnügen und Lustgewinn angelegt war ... Sicher ist aber, daß der widernatürliche Verkehr bei der zierlichen und gepflegten Frau ... erhebliche Schmerzen verursachte und nur mit Gewaltanwendung durchgeführt werden konnte ... Hetzel war aber erst dann in der Lage, sein Vorhaben auszuführen, wie er Frau Gierth am Halse würgte ..."

Am 3. November 1953: "... Frau Gierth, die immer eine gepflegte Frau war, hätte sich wohl kaum nackt auf eine steinige Stelle ohne Kleider oder ohne Decke als Unterlage zweimal gelegt ... Hetzel ist ein roher und brutaler Mensch, zu dessen Vielspaltigkeit die sadistischen Handlungen gehören ... Die in Frage stehende Tat war eine sadistische Handlung. Zum Zwecke der Wolluststeigerung verursachte er erhebliche Schmerzen. ... Daß er zuvor der Frau Gierth die Kleider vom Leibe gerissen hat, ist nicht von der Hand zu weisen."

Dies mag, wer will, noch für eine gerichtsmedizinische Äußerung halten. Doch trieft es hier wohl ein wenig sehr. Die Staatsanwaltschaft sah sich jedenfalls vor zwei nicht zu vereinigenden Gutachten. Dem des Dr. Rübsaamen (und des ihm zunächst zögernd, später deutlich zustimmenden Dr. Glaser): Nach ihm war das Versagen des Herzens nach Kreislaufversagen der Frau Gierth Ursache ihres Todes. Wieweit strafrechtlich qualifizierbare, übermäßige Aktivität dazu beitrug: offen. Das Staatliche Gesundheitsamt Offenburg, Medizinalrat Dr. Braun: eine planvolle, sadistische Unternehmung.

Die Staatsanwaltschaft ersuchte den Ordinarius für gerichtliche Medizin an der Universität Münster, Professor Ponsold, um "ein gerichtsmedizinisches Obergutachten". Es gibt nur leider den Begriff "Obergutachten" in der Strafprozeßordnung nicht, auch wenn es in Kommentaren und im Alltag fahrlässig gebraucht wird. Ein derart angefragter Gutachter könnte (sollte?) also antworten: Ein "Obergutachten" kann, darf ich nicht erstatten. Doch will ich mich bemühen, zu zwei einander widersprechenden gutachtlichen Stellungnahmen eine dritte, vielleicht klärende Position zu beziehen ...

Obergutachter Professor Ponsold kam zu dem Ergebnis, "daß der Tod der Ehefrau Magdalena Gierth ("nach dem Akteninhalt", die Leiche oder Präparate standen nicht mehr zur Verfügung) durch Strangulation eingetreten ist. Ob es sich ausschließlich um Würgen oder auch um Drosseln gehandelt hat, läßt sich nicht sicher entscheiden".

Der Prozeß begann am 12. Januar 1955. Doch so offen war das Feld, auf dem entschieden werden sollte, daß die Presse vorweg informiert wurde. Um Rücksicht wurde gebeten, ehrlich, wenn auch vertraulich: Die Anklage laute zwar auf Mord, doch sei alles offen.

Wieder nutzt es der Klärung des Falles Hetzel nicht, wenn billig gegen die Justiz polemisiert wird. Hetzel hat im Januar 1955 einen schlechten Eindruck gemacht. Hetzel war nicht nur wegen Ermordung der Frau Gierth angeklagt, es wurde auch eine versuchte Notzucht verhandelt.

Statt seine Attacke gegen die unbestreitbar ehrenwerte Frau Schulz zu bekennen, auch sie hatte Hetzel im Auto mitgenommen, blähte sich der Angeklagte. Hetzels Biographie, mit Vorstrafen, wenn auch überwiegend wegen finanzieller Unredlichkeiten, wohl versehen, bot mehr als Anlaß zu skeptischer Grundstimmung. Daß Hetzel während seiner verschiedenen Berufstätigkeiten, unter anderem als Überlandfahrer, mitgenommen hatte, was sich ihm bot, plumpte schwer in die Beweisaufnahme. Die Seeschlange vom Loch Ness jener Jahre in kriminalistischer Hinsicht, der "Autobahnmörder" spukte, ohne daß Hetzel gegen den Verdacht tat, was Selbsterhaltung geboten hätte.

Dazu trat nun Professor Ponsold aus Münster, damals auf dem Höhepunkt seines Ansehens, Verfasser des Standard-Lehrbuchs über "Gerichtliche Medizin". Hier muß die Begründung des Urteils gegen Hetzel zitiert werden: "Der Sachverständige erklärte auf ausdrückliches Befragen des Gerichts, daß er seiner Begutachtung sicher sei und keiner anderen Hilfe, etwa durch einen weiteren Sachverständigen, bedürftig."

Die nicht völlig befriedigende Rolle des Sachverständigen in der Strafprozeßordnung ist eine Sache. Doch eine andere Sache ist, daß eigentlich jeder Sachverständige, 1955 im Prozeß gegen Hetzel derart angesprochen, hätte erklären müssen: Ich bin meiner Sache sicher. Aber hier geht es um Mord. Ich muß das Gericht bitten, nicht nur mich zu hören.

Heute, nach Professor Ponsolds Wirken im Rohrbach-Prozeß, nach der Sache Pitz in Saarbrücken, die trotz Professor Ponsold kein Mordfall war, sondern ein Freispruch wurde, ist nicht mehr zu übersehen, daß der anerkannte Wissenschaftler in der Praxis des Gerichtssaals mitunter die Neigung hat, auf sehr besondere Weise ein Gehilfe des Gerichts zu sein. Statt die Grenzen seiner tatsächlichen Möglichkeiten unablässig im Auge und die Definition seiner Rolle in der Strafprozeßordnung im Ohr zu behalten, gibt sich Professor Ponsold als Sherlock Holmes mit ärztlichen Kenntnissen.

Vorsätzliche Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebs." Professor Ponsold hatte erkannt, und das Gericht, überflutet von dem unbestrittenen Mann, der als Papst seines Faches galt, folgte: "Der Angeklagte habe möglicherweise der Frau Gierth zunächst Schläge auf Nase und Gesicht verabfolgt, worauf diese wohl die Flucht ergriffen habe. Der Angeklagte sei wahrscheinlich hinterhergerannt und habe ihr auf den Kopf geschlagen. Nach diesen Schlägen sei sie zusammengesunken, worauf er ihr die Schlinge um den Hals gelegt und kräftig zugezogen habe."

Professor Ponsold fand sich über Lichtbildern von der Leiche der Frau Gierth, die ihm in der Hauptverhandlung vergrößert vorlagen, zu der These, die Erdrosselung sei "mit einem Strick von der Art eines Kälberstricks vorgenommen worden".

Professor Ponsold hatte in seinem schriftlichen Gutachten von Erwürgen oder Erdrosseln gesprochen. In der Hauptverhandlung jedoch kam er zu der Erkenntnis, nur von Strangulation sei noch zu reden; durch eine Kette oder, Hetzel ist schließlich approbierter Metzgergeselle, durch einen Kälberstrick.

Den "perversen" Verkehr bejahte auch dieser Sachverständige. Die "Kalibergröße" gewisser Verletzungen an Frau Gierth reimte sich für ihn damit, daß ja Hetzel zur Übermittlung seiner Männlichkeit besonders gut versehen sei. Wie eine fixe Idee schnurcheln durch die Justizpapiere im Fall Hetzel drei bis vier Zentimeter Durchmesser, von "Ah" und "Oh" zwischen den Zeilen begleitet. Doch gibt es wissenschaftliche Erhebungen, nach denen dieser Querschnitt Durchschnitt ist. Und auf alle Fälle ist bis zum Urteil nie exakt untersucht worden, wieweit Hetzel hervorsticht.

1962 wurde für eine Wiederaufnahme zugunsten des Hetzel vorgetragen, daß ein neuer Sachverständiger, mindestens von der Position her Professor Ponsold ebenbürtig, zu der Meinung gelangt sei, ein bislang übersehener Herzschaden der Frau Gierth habe zu ihrem Tod gelegentlich von Überbeanspruchung entscheidend beigetragen.

1965 sind weitere neue Gesichtspunkte vorgetragen worden. Strangulationsspuren, die Professor Ponsold 1955 während der Hauptverhandlung auf den Photos von der Leiche erkannt haben will, können nach Meinung namhafter Sachverständiger für nichts, für gar nichts ein Beweis sein, da sie erst durch die Vergrößerung entstanden, im Negativ also nicht enthalten sind. Weder das Gericht noch Professor Ponsold befaßten sich 1955 mit den Negativen.

Doch auch der Wiederaufnahmeantrag vom November 1965 ist abgewiesen worden. Die Strafkammer meinte, neue Tatsachen lägen nicht vor oder seien unerheblich.

Im Urteil von 1955 ist natürlich nicht nur vom "Kälberstrick" die Rede; es geht auch um medizinische Befunde, die anscheinend gar nichts mit Photos von der Leiche zu tun haben. Doch nur scheinbar trennte 1955 ein Meer Gerichtsmedizin und Photographie. In der Verhandlung wirkte Professor Ponsolds beinahe spielerische Entwicklung der Kälberstrick- (oder Halsketten-)Theorie wie ein Donnerschlag.

Solange außer Herztod auch Erwürgen mit der Hand nicht absolut auszuschließen war, konnte die Einlassung Hetzels noch immer annehmbar erscheinen. Erst der absolute Ausschluß aller anderen Möglichkeiten zugunsten der Strangulation mitteis Kälberstricks (oder Kette), die Einführung dieser völlig neuen Version, ruinierte die Verteidigung des Angeklagten. Dieser Ausschluß, man mag die Begründung des Urteils gegen Hetzel wenden wie man will, wurde 1955 letztlich doch aus jenen Photographien abgeleitet, von denen der Düsseldorfer ordentliche Professor für Experimentalphysik, Dr. van Calker, am 17. Januar dieses Jahres entsetzt über die Ablehnung des Wiederaufnahmeantrags in der Sache Hetzel (doch immer noch taktvoll) schrieb:

"So kann Herr Professor Ponsold durch technische Mängel, wie Staubreste auf den Filmen und Vergrößerungen, zufällige Flecken und Kratzer und eine gewisse Unschärfe den Eindruck gewonnen haben, die Aufnahmen zeigten tatsächlich Spuren eines Stricks oder eines ähnlichen Gebildes, die auf den inzwischen ... hergestellten einwandfreien Bildern nicht zu erkennen sind."

Das Oberlandesgericht Karlsruhe kann die Beschwerde gegen den Beschluß, nach dem der zweite Wiederaufnahmeantrag zugunsten Hetzels unzulässig ist, für unbegründet erklären. Es kann aber auch den Wiederaufnahmeantrag für zulässig ansehen. Damit stünde eine neue Hauptverhandlung gegen Hetzel noch nicht ins Haus. Es wäre zunächst das zu prüfen, was Hetzels Verteidigung für ihren Mandanten vorträgt.

Mit der Zulässigkeitserklärung wird allzusehr gegeizt, obwohl sie so beruhigend ist. Denn sie teilt mit, daß nicht nur ein mehr oder weniger gut abgefaßter Wiederaufnahmeantrag geprüft, sondern auch jeder als neu angebotene Beweis, Zeuge und Gutachter betrachtet und gehört werden soll. Auch wer sich kein Urteil über die neuen Argumente dafür, daß Hetzel kein Mörder ist, anmaßt, würde gern beruhigt werden.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46265673.html

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