#1 RE: Presseberichte von 15.08.2016 11:36

„SPIEGEL.Online“: 1993er-Mordfall an dem Jenaer Schüler Bernd Beckmann wird neu untersucht

17.06.14 • JEZT AKTUELL, RADIO JENA, START • Keine Kommentare zu „SPIEGEL.Online“: 1993er-Mordfall an dem Jenaer Schüler Bernd Beckmann wird neu untersucht

JEZT - Lichtstadt.News - Bernd Beckmann aus Jena - ermordet 1993-07-06(LN / SPIEGEL.ONLINE | 2013-06-17) – Der bis heute unaufgeklärte Mord an dem damals neun Jahre alten Jenaer Schüler Bernd Beckmann (Foto) vom 6. Juli 1993 wird derzeit, wie SPIEGEL.Online meldet, von der Staatsanwaltschaft Gera neu untersucht.

Zwölf Tage nach seinem Verschwinden wurde die Leiche des Jungen in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden und die Staatsanwaltschaft verfolge, so das Hamburger Nachrichtenmahazin, jetzt eine alte Spur neu. Diese führe, so der SPIEGEL, zu dem „NSU“-Terroristen Uwe Böhnhardt sowie dem mutmaßlichen „NSU“-Helfer Enrico T., der vor Kurzem im Münchner „NSU“Prozess als Zeuge aussagen musste. Anlass des neuen Verfahrens seien „verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten“, wie Staatsanwalt Jens Wörmann aus Gera dem Nachrichtenmagezin gegenüber erklärte. Auch das Bundeskriminalamt / BKA sei bereits eingeschaltet.

Ins Rollen brachten die neuen Ermittlungen aber auch die Tatsache, dass wenige Monate nach dem Enttarnung des Jenaer „NSU“-Trios Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe BKA-Fahnder einen Aussteiger aus der Jenaer Szene als mutmaßlichen Helfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ ermittelten. Dieser Mann berichtete, dass Enrico T. ebenfalls ein Unterstützer des „NSU“ gewesen sei und „auf kleine Kinder“ stehen würde. Die Beamten waren konstrniert, denn bereits kurz nach dem Fund der Leiche des Schülers war T. unter Verdacht geraten. Der Grund: in unmittelbarer Nähe des Leichenfundorts war ein weißer Außenbordmotor entdeckt worden, der, wie sich herausstellte, Enrico T. gehörte.

JEZT - LIchtstadt.News - Uwe Böhnhardt ca 2005 - Foto aus Zeugenaufruf des BKA 2012Dieser stritt aber 1993 jegliche Verbindung mit dem Mord ab, sagte, dass ihm Boot und Außenbordmotor gestohlen worden seien, und die Polizei konnte damals, trotz erheblichen Ermittlungsaufwands, auch keinerlei Verbindung zur Kindstötung nachweisen. Aber aktenkundig sei, so der SPIEGEL, dass es noch jemanden gab, der wusste, wo das Boot von Enrico T. mitsamt Außenbordmotor gelegen habe: Uwe Böhnhardt (Foto links, aufgenommen ca. 2005 / Foto aus einem Zeugenaufruf des BKA). Im Münchner „NSU“-Prozess sagte Enrico T. am 28. April 2014 aus, dass er und Böhnhardt Anfang und Mitte der 1990er Jjahre derselben Jugendbande in Jena angehört hatten. Beide waren polizeibekannt kriminell.

Wie SPIEGEL.Online berichtet soll Enrico T. jetzt gegenüber Ermittlern ausgesagt haben, als er von den Morden des „NSU“-Trios gelesen habe, hätte er vermutet, Uwe Böhnhardt könne Bernd Beckmann ermordet und versucht haben, ihm die Tat in die Schuhe zu schieben.

http://www.jezt.de/2014/06/17/spiegel-on...uwe-boehnhardt/

#2 RE: Presseberichte von Christine 15.10.2016 14:35

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Getöteter Neunjähriger aus Jena

Spur bei Kindsmord führt zu NSU-Mann Böhnhardt

Die Staatsanwaltschaft Gera untersucht, ob der spätere NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt am Mord an einem Neunjährigen im Juli 1993 beteiligt gewesen sein könnte. Das Verbrechen ist bis heute nicht aufgeklärt.

Dienstag, 17.06.2014 07:19 Uhr Drucken NutzungsrechteFeedback
Jena/München - Am 6. Juli 1993, vor fast 21 Jahren, verschwand der neun Jahre alte Schüler Bernd Beckmann aus Jena. Zwölf Tage später wurde seine Leiche in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden. Bis heute ist ungeklärt, wer das Kind ermordet hat. Aber seit wenigen Monaten wird in dem Fall wieder ermittelt. Die Staatsanwaltschaft verfolgt eine alte Spur neu. Sie führt zu dem mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Böhnhardt und zu dem mutmaßlichen Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds", Enrico T.


Anlass des neuen Verfahrens seien "verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten", sagt Staatsanwalt Jens Wörmann aus Gera. Was er damit im Detail meint, will er nicht verraten. Als Geheimnis hüten die Ermittler auch die Umstände des Todes von Bernd Beckmann, ebenso die Frage, ob der Junge sexuell missbraucht worden war. Diese Details zählten zum sogenannten Täterwissen und könnten für die Fahnder noch wertvoll sein, sagt Wörmann. Auch das Bundeskriminalamt sei bereits in dem Fall eingeschaltet.

Ins Rollen brachten die Ermittlungen aber vor allem die zahlreichen Vernehmungen zu den Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Wenige Monate nach dem Auffliegen des NSU-Trios und des Todes von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten die Fahnder einen Aussteiger aus der Jenaer Szene ausfindig gemacht. Dieser Mann behauptete: Enrico T. "steht auf kleine Kinder".

Außenbordmotor als Spur

Bereits kurz nach dem Fund der Kinderleiche war T. unter Verdacht geraten: Nur wenige Meter von dem Toten entfernt lag ein weißer Außenbordmotor. Wie sich herausstellte, gehörte er Enrico T. Die Polizei betrieb damals erheblichen Ermittlungsaufwand, dennoch konnte man ihm nichts nachweisen. Auch heute wird Enrico T. nach Angaben von Wörmann nicht als Beschuldigter geführt.

In einer Polizeivernehmung bestritt T. noch im Jahr 2012 vehement, mit dem Kindsmord etwas zu tun zu haben. Sein Boot mitsamt Außenbordmotor sei ihm gestohlen worden. Er habe es vor dem Verschwinden des Jungen eine Woche lang vergeblich gesucht. Der Einzige, der gewusst habe, wo es lag, sei Böhnhardt gewesen. Tatsächlich sei Böhnhardt nach der Tat als Zeuge vernommen worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera. Er sei allerdings nicht als Beschuldigter oder Tatverdächtiger geführt worden.

Gemeinsam mit Böhnhardt sei er damals häufig zusammen auf der Saale herumgefahren, sagte T. Dann sei die Freundschaft zu ihm aber zerbrochen. Als er von den Morden des NSU-Trios gelesen habe, habe er vermutet, Böhnhardt könne Bernd Beckmann ermordet und versucht haben, ihm die Tat in die Schuhe zu schieben.

Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der Neunzigerjahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. Böhnhardt wurde im Februar 1993 - damals selbst erst 15 Jahre alt - wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni 1993, wenige Wochen vor dem Verschwinden Bernd Beckmanns, kam er frei. Im August darauf, nur wenige Tage, nachdem Beckmanns Leiche am Saaleufer gefunden wurde, stand er erneut vor Gericht. Enrico T. fiel 1993 ebenfalls mit seiner ersten schweren Straftat auf. Er soll versucht haben, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bankfiliale einzufahren.

T. spielt auch bei den Ermittlungen der NSU-Mordserie eine Rolle. Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass er daran beteiligt war, die Tatwaffe vom Typ Ceska zu beschaffen. Mit dieser Waffe begingen Böhnhardt und Mundlos nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft neun der zehn Morde, die ihnen bislang zugeschrieben werden.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mo...h-a-975589.html

#3 RE: Presseberichte von Christine 15.10.2016 14:37

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Neunjähriger in Jena ermordet: Was wusste Uwe Böhnhardt?
18.06.2014 - 07:00 Uhr

Erfurt. NSU-Prozess: Fast 21 Jahre nach dem Tod eines neunjährigen Jungen wird weiter in dem Fall ermittelt. Es gibt Verbindungen zu einem späteren NSU-Mitglied.

Die Tragödie, deren Ende bis heute ungeklärt ist, beginnt im Juni vor 21 Jahren. Und sie beginnt mit einer Uhr, die angeblich in einer Jenaer Grundschule gestohlen wird. Ein Schüler aus der 3. Klasse meldet den Verlust. Bernd Beckmann, sein Mitschüler soll der Dieb sein - was dieser vehement abstreitet.
Die Lehrerin spricht mit der Mutter, die zwar ihren Sohn verteidigt, aber lieber doch die 20 Mark zahlt, die die Uhr angeblich wert war. Damit, so hofft sie, ist die Angelegenheit erledigt.
Doch den Jungen scheinen die Vorwürfe zu quälen. Er vergisst seine Hausaufgaben, folgt dem Unterricht nicht.
Etwa drei Wochen nach dem Vorfall mit der Uhr, am 6. Juli 1993, kommt Bernd nach der Schule nicht nach Hause in die Wohnung in der Lutherstraße. Stattdessen findet die Mutter den Ranzen vor der Wohnungstür - und schickt die ältere Schwester los, nach ihm zu suchen. Doch vergeblich.
Im Bus nach Lobeda

Am Abend beginnen die Eltern mit der Suche, gegen 22 Uhr melden sie ihren Sohn bei der Polizei als vermisst.
Etwa zur selben Zeit sitzt Bernd im Bus ins Neubaugebiet Lobeda, dort wohnen seine Großeltern. Ein älteres Ehepaar spricht ihn an, fragt, warum er alleine unterwegs sei. In dem Gespräch, das sich entwickelt, erzählt Bernd auch von seinen Problemen in der Schule.
Alle drei steigen am Kulturhaus in Lobeda aus, Bernd geht in die Richtung des Blocks seiner Großeltern. Was er nicht ahnt: Sie sind verreist.
Das, was danach geschieht, wird nie aufgeklärt. Fest steht: Zwölf Tage später finden spielende Kinder nahe der Wohnung die Leiche des Jungen - am Ufer der Saale, in Büschen versteckt, südlich einer Gärtnerei.
Nach fast zwei Wochen hochsommerlicher Hitze ist die Leiche stark verwest. Bei der Obduktion finden sich jedoch Anzeichen dafür, dass der oder die Täter Bernd sexuell missbrauchten und erwürgten.
Er wurde neun Jahre alt.
Hinweise auf den Mörder finden sich keine. Immerhin, wenige Meter vom Fundort entfernt liegt ein weißer Außenbordmotor. Es ist dieser Motor, der eine Verbindung zu Enrico T. herstellt - und von ihm zu dem späteren, mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt.
Denn der Motor der Marke Johnson gehört zu einem Boot. Und das Boot gehört Enrico T.
Der junge Mann, damals gerade 18, ist wenige Jahre zuvor von der Rosa-Luxemburg-Schule ohne Abschluss abgegangen. Zu seinen Mitschülern gehörten dort Uwe Böhnhardt und Ralf Wohlleben. Mit ihnen gemeinsam zieht er um die Neubaublocks. Mit Böhnhardt, der zwei Jahre jünger ist, unternimmt er auch Diebeszüge.
Mindestens einmal, so berichtet es Enrico T. später, versteckt er seine Beute in einem alten Brückenpfeiler, der mitten aus der Saale ragt. Zu ihm kann er nur mit seinem Boot gelangen: einem "Ruderdingi Midi 1", außen grün und innen grau.
Doch als das Flusswasser besonders niedrig steht, versucht angeblich Böhnhardt, das Diebesgut zu entwenden. Man habe sich im Streit getrennt, sagt Enrico T., der so im Jahr 1993 zu einem Verdächtigen wird.
Allerdings wird er offiziell nur als Zeuge befragt. Denn den Ermittlern gelingt es nicht, ihm eine Verbindung zur Tat nachzuweisen. Das Boot, behauptet er, sei eine Woche vor dem Mord gestohlen worden. Irgendjemand anderes müsse den Motor am Saaleufer abgelegt haben.
Die Polizei lässt nichts unversucht. Bis hinunter nach Halle werden alle Anlegestellen kontrolliert und die Anglervereine befragt. Taucher durchsuchten die Saale. Um den Wasserspiegel des Flusses abzusenken, wird eigens die Hohenwarte-Talsperre aufgestaut.
Doch vergeblich. Das Boot bleibt verschwunden. Der Mörder wird nie gefasst.
Fast zwei Jahrzehnte später, im April 2012, wird plötzlich das tote Kind wieder thematisiert - und zwar von Enrico T. selbst, in einer Vernehmung des Bundeskriminalamtes.
Inzwischen ist sein alter Kumpel Uwe Böhnhardt tot, und der NSU, der "Nationalsozialistische Untergrund", ist aufgeflogen. Auch Enrico T. soll in die Taten der Terrorzelle verwickelt sein. Die Ermittler glauben, dass er dabei half, der Terrorzelle die Ceska-Pistole zu besorgen, mit der neun der zehn Morde begangen wurden, die dem NSU zugerechnet werden.
Die mutmaßliche Beschaffungskette ist ziemlich kompliziert. Ein Schweizer Zwischenhändler soll die Waffe nebst Schalldämpfer an Enrico T. verkauft haben. Der gab sie dann angeblich einem Freund, der sie wiederum in den Jenaer Szeneladen "Madley" brachte. Dort will sie dann der Jenaer Neonazi Carsten S. im Auftrag von Ralf Wohlleben gekauft haben. Beide sind deshalb beim NSU-Prozess in München wegen Beihilfe zu Mord angeklagt.
Enrico T., der inzwischen eine Ausbildung zum Lokführer absolviert hat, streitet in seiner Vernehmung im April 2012 alles ab. Er sei unschuldig, beteuert er, mit rechtem oder gar rechtsextremistischem Gedankengut habe er nichts zu tun. Ganz am Ende des Verhörs, als die Vernehmer keine Fragen mehr haben, möchte er aber selbst noch "etwas ergänzen"- und zwar im Mordfall Beckmann.
Dem anderen etwas "in die Schuhe schieben"

Seine Geschichte geht so: Nachdem er, T., ja nun vom NSU gehört habe, vermute er, dass Böhnhardt etwas mit dem toten Kind zu tun hatte. Schließlich habe "der Uwe" ja gewusst, wo sein Boot lag. Es könne also sein, dass Böhnhardt ihm, seinem alten Kumpan, "etwas in die Schuhe schieben" wollte.
Auf den ersten Blick scheint sich manches zusammenzufügen. Anfang jenes Jahres wird Böhnhardt wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni, kurz vor dem Mord, kommt er frei. T. wiederum versucht noch im selben Jahr, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bankfiliale einzufahren.
Böhnhardt und T. sind also im Jahr 1993 trotz ihres jungen Alters schlicht Kriminelle. Doch wären sie imstande, einen neunjährigen Jungen zu töten? Was wäre das Motiv?
Ein früherer Neonazi aus Jena, der auch während der NSU-Ermittlungen aussagt, teilt zwar mit, dass T. angeblich "auf kleine Kinder" stehe. Allerdings ist gerade die rechtsextremistische Szene für besonders schmutzige Gerüchte bekannt.
Die gegen den "Nationalsozialistischen Untergrund" ermittelnde Generalbundesanwaltschaft sieht jedenfalls keinen Anlass, selbst Untersuchungen in der Mordsache Beckmann aufzunehmen - was sogar bei den sonst so kritischen Nebenklagevertretern auf Verständnis stößt. Schließlich, heißt es, könne ja Karlsruhe nicht davon ausgehen, dass der "Nationalsozialistische Untergrund" schon damals, mit einem gerade 15-jährigen Uwe Böhnhardt, seinen Anfang nahm.
Die Geraer Staatsanwaltschaft hat dennoch neue Ermittlungen aufgenommen. So lautet jedenfalls eine gestrige Agenturmeldung. Die Behörde rollte gemeinsam mit dem BKA den Fall neu auf, berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa) - wobei sich der Verdacht gegen T. richte. Es gebe verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten".
Wohin das zielt, schien klar zu sein. Anfang der 1990er-Jahre steckte die DNA-Analyse noch in ihren Anfängen, erst ab 1997 ist der sogenannte genetische Fingerabdruck als Beweismittel zugelassen.
Doch nur eine Routinemaßnahme?

Zumal: Asservate, die ausgewertet werden könnten, dürfte es immer noch ausreichend geben. Neben der Kleidung des Opfers sind da die vielen Dinge, die von der Polizei an der Saale gefunden wurden. Ein 100 mal 100 Meter großes Areal suchten die Beamten 1993 akribisch ab. Ob nun alte Taschentücher, Dosen, Flaschen oder Fahrscheine - alles wurde aufgehoben.
Jedoch, auf Nachfrage relativiert die Staatsanwaltschaft die Meldung. Es werde zwar ermittelt, bestätigt Sprecher Jens Wörmann. Allerdings handele es sich dabei um eine "Routinemaßnahme", so wie sie bei allen ungelösten Kapitalverbrechen in regelmäßigen Abständen üblich sei. Mord verjähre nicht.
Mit der Aussage von Enrico T. aus dem Jahr 2012 habe dieser Schritt nur bedingt zu tun, sagt der Staatsanwalt. Der Mann gelte auch nicht als Verdächtiger. "Wir ermitteln nach wie vor gegen Unbekannt."
Dies ist, so merkwürdig das klingen mag, für das Oberlandesgericht München eine gute Nachricht. Denn Enrico T. ist wegen seiner möglichen Rolle bei der Waffenbeschaffung Zeuge im NSU-Prozess - und zwar einer, der nicht reden will.
Im März dieses Jahres hat er seinen ersten Auftritt in München, wo neben Beate Zschäpe auch seinem alten Schulkameraden Wohlleben der Prozess gemacht wird. Nur stockend teilt er sein Alter (38), seinen Beruf (Lokführer) und seine Adresse (eine Wohnung in der Jenaer Innenstadt) mit.
Der Zeuge möchte "gar nichts" sagen

Danach beginnt ein juristisches Gefecht zwischen der Verteidigung von Ralf Wohlleben und dem Gericht, in das sich auch Nebenklagevertreter und Ankläger einmischen. Länger als eine Stunde streiten man darum, ob der Zeuge einen juristischen Beistand benötige, um zu erkennen, an welcher Stelle er sich womöglich selbst belaste.
Am Ende fühlt sich Enrico T. ermutigt - so wie es wohl die Absicht der Verteidigung war. Er sehe sich hier als Beschuldigter und nicht als Zeuge, sagt er. Die Polizei habe ihn wie einen Verbrecher behandelt. Er möchte deshalb "gar nichts" sagen. Daraufhin wird die Vernehmung unterbrochen.
Der Lokführer T. aus Jena ist das nächste Mal für den 2. Juli vor das Oberlandesgericht in München vorgeladen. Er darf, falls er überhaupt erscheint, seinen Anwalt als Zeugenbeistand mitbringen, der schon des Öfteren Neonazis vertreten hat.
Vielleicht fragt ihn ja der Vorsitzende Richter danach, wie das war, damals in Jena, in jenem Sommer vor 21 Jahren.


http://www.thueringer-allgemeine.de/web/...ardt-1461287576

#4 RE: Presseberichte von Christine 15.10.2016 14:39

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Staatsanwalt ermittelt wegen Kindermordes gegen Uwe Böhnhardt
17.06.2014 - 08:30 Uhr

Gera. Die Staatsanwaltschaft Gera untersucht, ob der spätere NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt für den Mord an einem neun Jahre alten Jungen im Juli 1993 verantwortlich ist

München/Gera. Am 6. Juli 1993, vor fast 21 Jahren, verschwand der neun Jahre alte Schüler Bernd Beckmann aus Jena. Zwölf Tage später wurde seine Leiche in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden. Bis heute ist ungeklärt, wer das Kind ermordet hat. Aber seit wenigen Monaten wird in dem Fall wieder ermittelt. Die Staatsanwaltschaft verfolgt eine alte Spur neu. Sie führt zu dem mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Böhnhardt und zu dem mutmaßlichen Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds", Enrico T..
Anlass des neuen Verfahrens seien "verbesserte Möglichkeiten, Spuren auszuwerten", sagt Staatsanwalt Jens Wörmann. Was er damit im Detail meint, will er nicht verraten. Als Geheimnis hüten die Ermittler auch die Umstände des Todes von Bernd Beckmann, ebenso die Frage, ob der Junge sexuell missbraucht worden war. Diese Details zählten zum "Täterwissen" und könnten für die Fahnder noch wertvoll sein, erläutert Wörmann.
Sogar die Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ungelöst" berichtete über den Fall am 2. September 1994.
Ins Rollen brachten die neuen Ermittlungen aber nicht nur verbesserte Auswertungsmethoden, sondern auch die zahlreichen Vernehmungen zu den Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergunds". Wenige Monate nach dem Auffliegen des NSU-Trios und des Todes von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten die Fahnder einen Aussteiger aus der Jenaer Szene ausfindig gemacht. Dieser Mann behauptete, Enrico T. "steht auf kleine Kinder".
T. war aus einem weiteren Grund schon kurz nach dem Auffinden der Kinderleiche unter Verdacht geraten. Nur wenige Meter von dem Toten entfernt lag ein weißer Außenbordmotor. Wie sich herausstellte gehörte er Enrico T. Die Polizei trieb damals erheblichen Ermittlungsaufwand.
T. bestritt in einer Polizeivernehmung im Jahr 2012 aber vehement, mit dem Kindermord etwas zu tun zu haben. Sein Boot mitsamt Außenbordmotor sei ihm gestohlen worden. Er habe es vor dem Verschwinden des Jungen eine Woche lang vergeblich gesucht. Der einzige, der gewusst habe, wo es lag, sei Böhnhardt gewesen. Beide seien häufig zusammen auf der Saale herumgefahren. Dann sei die Freundschaft zu ihm aber zerbrochen. Als er von den Morden des NSU-Trios gelesen habe, habe er vermutet, Böhnhardt könne Bernd Beckmann ermordet und versucht haben, ihm die Tat "in die Schuhe zu schieben".
Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 90er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell. Böhnhardt wurde im Februar 1993 wegen mehrerer Diebstähle und Körperverletzung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Im Juni 1993, wenige Wochen vor dem Verschwinden Bernd Beckmanns, kam er frei. Im August darauf, nur wenige Tage, nachdem Beckmanns Leiche am Saaleufer gefunden wurde, stand er erneut vor Gericht. Enrico T. fiel 1993 ebenfalls mit seiner ersten schweren Straftat auf. Er soll versucht haben, mit einem gestohlenen Radlader die Front einer Bankfiliale einzufahren.
T. spielt auch bei den Ermittlungen der NSU-Mordserie eine Rolle. Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass er daran beteiligt war, die Tatwaffe vom Typ "Ceska" zu beschaffen. Mit dieser Waffe begingen Böhnhardt und Mundlos nach den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft neun der zehn Morde, die ihnen bislang zugeschrieben werden.
17.06.14 / dpa

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/...hardt-721371233

#5 RE: Presseberichte von 16.10.2016 16:18

Ermordete Kinder von Jena: Auf dem Schulweg verschwunden
15.10.2016 - 20:48 Uhr

In den 1990er-Jahren verschwanden in der Region Jena drei Kinder. Ihre Leichen wurden gefunden, die Täter nie ermittelt. Jetzt hoffen die Ermittler auf neue Erkenntnisse.


Jetzt wäre sie 30, wäre. Denn Ramona K., das zehnjährige Mädchen, verschwand vor 20 Jahren, am 15. August 1996. Erst Monate später wurden ihre Überreste in einem Wald in der Nähe von Großburschla bei Eisenach gefunden. Und bis heute ist ihr Mörder nicht gefasst, auch wenn die Polizei in Abständen wieder und wieder den Fall bearbeitet.

Erinnern wir uns: Am 15. August 1996 war Ramona das letzte Mal in der Schule, sie besuchte die Klasse 4b der damaligen 14. Grundschule. Nach der Schule ging das Mädchen gemeinsam mit Freundinnen zum Columbus-Center in Jena-Winzerla. Ramona blieb nicht lange, sie verabschiedete sich von ihrer Freundin mit den Worten: "Ich muss um eins zu Hause sein." Und ging.

Es war in der Familie vereinbart, dass sie unmittelbar nach der Schule nach Hause kommt und sich dann gleich telefonisch bei der Mutter meldet. Von der Freundin wurde sie noch gesehen, wie sie die Freitreppe am Columbus-Center hinaufrannte, das war um 12.50 Uhr. Sie hatte einen geblümten Rock mit passender Weste an, trug den bunten Schulranzen auf dem Rücken und den blauen Turnbeutel in der Hand.

1,5 Kilometer Heimweg – sie kam aber nie an.

Ramona wohnte in Jena-Ammerbach. Ihr Heimweg führte entweder an der Straße entlang oder über einen Weg durch Gärten und Wiesen. Gegen 18 Uhr alarmierten ihre Eltern die Polizei.
Die Fahndung der Polizei läuft sofort an. In den nächsten Stunden durchkämmen rund 250 Polizisten mit Hunden den Wald und das gesamte Gelände um Winzerla und Ammerbach. Hubschrauber sind eingesetzt. Den ganzen nächsten Tag suchen die Beamten nach dem Mädchen.

Fahndungsplakate sollen nun helfen. Von dem Bild und der Personenbeschreibung der kleinen Ramona erhoffen sich die Polizisten Zeugenaussagen. Die Kriminalpolizeiinspektionen in Jena und Weimar werden de facto aufgelöst, 80 Prozent aller Kriminalisten arbeiten am Fall Ramona K. Rund 100 konkrete Ermittlungsrichtungen ergeben sich in den nächsten Tagen.

Am 25. August jenes Jahres wird der Fall bei "Kripo live" im MDR-Fernsehen vorgestellt, wieder gehen Hinweise ein, die aber auch nicht weiterführen. Am 26. August suchen Taucher die Saale ab – erfolglos.

Dringend bittet die Polizei über die Medien um Hinweise von Zeugen, die an dem fraglichen Tag zwischen 13 und 15 Uhr Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Hahnengrundweges gesehen haben. In die Ermittlungen ist inzwischen auch Interpol eingeschaltet. Denn nach den kurz zuvor in Belgien aufgedeckten Fällen von Kindesmissbrauch drängt sich ein Zusammenhang geradezu auf. Eine Spur führt auch nach Tschechien, weil durch die Ermittlungen in Belgien auch ein Kinderprostitutions-Ring in Prag aufgeflogen ist, vom Prager Ring gab’s Spuren nach Bayern und Thüringen. Und schließlich verfolgen die Polizisten auch eine Spur nach Chomutov.

Das Landeskriminalamt setzt eine Belohnung von 5000 Mark aus für Hinweise, die zum Auffinden des Mädchens führen. Die Polizei teilt am 15. Oktober mit, dass sie etwa 5000 Personen befragt habe und 189 Spuren bearbeitet. Ramona aber bleibt spurlos verschwunden.

Eine neue Richtung der Ermittlung ergibt sich, als sich im Herbst ein Busfahrer meldet, der regelmäßig in Winzerla unterwegs ist. Er gibt an, bereits mehrfach einen dunklen BMW 850 Ci in einer Parkbox an der 14. Grundschule gesehen zu haben. Nun läuft auch die Suche nach dem dunklen BMW an. Die Polizei ermittelt, dass der Pkw vor dem 15. August auf einem Parkplatz am Flughafen Köln/Bonngestohlen worden war. Die Spur kann bis nach Kiew verfolgt werden, dort verliert sie sich. Ob das Auto mit dem Verschwinden von Ramona zusammenhängt, ist bis heute unklar.

Fünf Monate intensiver Arbeit liegen hinter den Jenaer Kriminalbeamten, als am 13. Januar 1997, kurz vor Mitternacht, die Nachricht eingeht, dass die Schultasche Ramonas in einem Waldstück bei Großburschla, unweit des Berges Heldrastein, gefunden wurde. Einem Jäger war die Tasche aufgefallen, in ihr Schulbücher und Hefte.

Nur der Name Ramona Kraus auf den Heften sagte ihm nichts. Erst am Abend in der Kneipe, als die Männer von einem verschwundenen Mädchen aus Jena sprechen, erinnert er sich. Und einer der Männer ruft bei der Polizei an.

Die intensive Suche der Polizei erklärt sich auch daraus, dass Ramona K. nach der Wende bereits das dritte verschwundene und später tot aufgefundene Kind aus der Region Jena war. Im August 1991 wurde die zehnjährige Stephanie D. aus Weimar tot unter der Teufelstalbrücke der Autobahn A?4 in der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes gefunden.

Im Juli 1993 wird der neunjährige Bernd B. aus Jena-Lobeda als vermisst gemeldet. Einige Tage später finden ihn spielende Kinder tot am Saaleufer. Unweit davon entdecken Ermittler ein Boot. Diese Spur führt zu Enrico T., einem damaligen Kumpel von Uwe Böhnhardt. Die Polizei führt T. als Hauptverdächtigen, kann ihm aber die Tat nicht nachweisen. Trotz einer Belohnung von 10.000 Mark lässt sich das Verbrechen nicht aufklären.

http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/d...9386#xtor=RSS-3

#6 RE: Presseberichte von 29.05.2017 09:45

Polizei unternimmt heute weiteren Versuch, Kindermord von Jena zu klären
Eine Tatortrekonstruktion soll Ermittler einen Schritt weiterbringen. Die Akte Bernd B. hat auch mögliche Bezüge zum NSU.

29. Mai 2017 / 05:15 Uhr

Jena. Die Polizei unternimmt heute einen weiteren Anlauf, einen Kindsmord von 1993 in Jena aufzuklären.

Der Tod des damals neunjährigen Bernd B. beschäftigte die Kriminalisten in den vergangenen Jahren immer wieder, auch weil der Fall bereits den NSU-Prozess in München tangierte. 2014 zeigte sich, dass ein früherer Kumpel des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, damals einer der Hauptverdächtigen war.

Selbst Böhnhardt geriet ins Visier der Ermittler. Ein Alibi für die mutmaßliche Tatzeit hatte der im November 2011 Verstorbene nicht. Das geht aus jüngst bekanntgewordenen Unterlagen zu den Ermittlungen hervor.

Bernd B. verschwand am 6. Juli 1993 und wurde gegen Mittag am des 18. Juli von spielenden Kindern in Jena-Lobeda am Saaleufer gefunden. Da war der Junge bereits seit Tagen tot.

Im Vorjahr erregte dann der Fund eines Stofffetzens mit dem genetischen Fingerabdruck des mutmaßlichen Rechtsterroristen erneut die Aufmerksamkeit der Ermittler.

Ausgerechnet am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy im fränkisch-thüringischen Grenzgebiet tauchte die Spur zu Böhnhardt auf. Es war plötzlich der zweite Kindsmord mit einem Hinweis zur NSU-Terrorzelle.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth schließt inzwischen aus, dass der DNA-Fund mit dem Tod der Schülerin aus dem fränkischen Lichtenberg zu tun haben könnte.

Das Mädchen war im Mai 2001 auf dem Heimweg verschwunden. Der Stofffetzen soll dagegen von einem Kopfhörer aus dem NSU-Wohnmobil stammen, dass im November 2011 bei Eisenach von der Polizei entdeckt wurde und in dem sich die Leichen von Böhnhardt und Uwe Mundlos befanden.

Etwa 800 Personen wurden überprüft

Laboruntersuchungen versuchen derzeit zu klären, wie das Stück Soff an den Fundort mitten im Wald gelangte. Bayerische Ermittler vermuten ein verunreinigtes Arbeitsgerät der Tatortgruppe des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA). Das aber ist noch nicht bewiesen.

Dagegen führten Jenaer Kriminalisten noch 1998 den früheren Kumpel von Böhnhardt als Verdächtigen. Auf ihn gestoßen waren die Ermittler, weil wenige Meter vom Fundort des toten Kindes entfernt ein Bootsmotor gelegen hatte. Das dazugehörige Schlauchboot fehlt bis heute.

Böhnhardts Kumpel soll den Motor in einer seiner Vernehmungen erkannt, eine Tatbeteiligung aber bestritten haben.

Im Jahr 2012 vernahm ihn das Bundeskriminalamt (BKA) im Zuge der NSU-Ermittlungen, da der Weg der NSU-Mordwaffe geklärt werden sollte. Zum Mord an Bernd B. soll dieser gesagt haben, dass ihm jemand die Tat in die Schuhe schieben wollte und verdächtigte Böhnhardt.

Allein bis Sommer 1998 überprüften die Ermittler etwa 800 Personen. Böhnhardts Kumpel blieb der Hauptverdächtige.

Ende 2002 und 2003 erfolgten dann DNA-Analysen und Vergleiche. Auch diese Untersuchungen führten zu keinem Täter. Zwei Haare, die am Tatort gesichert wurden, ließen sich nicht zuordnen und sind inzwischen nicht mehr verwertbar.

Vielleicht bringt die heutige Tatortrekonstruktion die Ermittler einen Schritt weiter.

Zu hoffen wäre es, denn die Soko "Altfälle" befasst sich mit mehreren ungeklärten Kindermorden in der Region um Jena.

Kai Mudra / 29.05.17

http://www.otz.de/startseite/detail/-/sp...eren-1998126309

#7 RE: Presseberichte von 30.05.2017 07:39

Mord vor 24 Jahren Ermittler hoffen auf neue Erkenntnisse zur Kinderleiche
29.05.17, 14:26 Uhr

Jena -
Mit einer dreidimensionalen Tatort-Rekonstruktion erhoffen sich Thüringer Ermittler neue Erkenntnisse in dem seit 24 Jahren ungeklärten Mordfall des neunjährigen Bernd Beckmann aus Jena. Dazu wurden am Montag unter anderem mit einer GPS-gestützten Drohne, Boot und Hubschrauber Aufnahmen vom damaligen Fundort der Kinderleiche an der Saale in Jena gemacht.


Der Forensikprofessor an der Hochschule Mittweida, Dirk Labudde, sprach von einer neuen Art der Visualisierung, die auch neue Ermittlungsansätze ermöglichen könne.

Die Rekonstruktion wird für die Sonderkommission „Altfälle“ erstellt, die im Herbst 2016 zu drei ungeklärten Kindsmorden in den 1990er Jahren im Raum Jena ihre Arbeit aufnahm. Die Soko war eingesetzt worden, nachdem am Fundort der getöteten Peggy aus Franken eine DNA-Spur des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt entdeckt wurde. Diese erwies sich allerdings als eine Trugspur. (dpa)

– Quelle: http://www.mz-web.de/26985432 ©2017

#8 RE: Presseberichte von 16.06.2017 18:55

MDR „Kripo live“ beschäftigt sich mit ungeklärten Kindermorden im Raum Jena

Die MDR-Sendung „Kripo live“ beschäftigt sich am kommenden Sonntag ab 19.50 Uhr mit dem Fall „Bernd Beckmann“, einem der drei ungeklärten Kindermorde im hiesigen Raum, teilte die Polizei Jena mit.
16. Juni 2017 / 14:53 Uhr

Jena. Die Soko „Altfälle“ hatte die drei Fälle seit letztem Jahr erneut aufgegriffen. Eine Kriminalistin aus der Soko wird im Studio live über den Fall berichten und sich mit Fragen an die Zuschauer wenden. Die Telefonnummer für Hinweise lautet: 03641-81 1678

http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/d...3629#xtor=RSS-3

#9 RE: Presseberichte von Helios 14.06.2018 21:39

25 Jahre nach Mord an 9-Jährigem: Ermittler suchen Zeugen
Er verschwand am 6. Juli 1993 spurlos. Zwölf Tage später wurde der Neunjährige gefunden - tot. Im Mordfall Bernd Beckmann nehmen die Ermittler nun einen neuen Anlauf. Gesucht wird ein Zeuge. Meldet der sich nicht, ist eine große DNA-Speichelprobenentnahme zunächst um Jena-Lobeda geplant.
Vorlesen

Jena - Fast 25 Jahre nach dem Mord an dem neun Jahre alten Bernd Beckmann in Jena sucht die «Soko Altfälle» einen Zeugen. Nach erneuter Auswertung der Akten stehe ein anonymer Brief vom Juli 1993 im Fokus der Ermittlungen, teilte die Polizei Jena am Donnerstag mit. Der Schreiber gebe «bedeutungsvolle Hinweise zu den Umständen, wie Bernd Beckmann zu Tode kam» und werde daher «dringend» gesucht, hieß es.

Der Neunjährige war am 6. Juli 1993 spurlos verschwunden. Zwölf Tage später entdeckten spielende Kinder seinen leblosen Körper am Saaleufer in der Nähe einer Gärtnerei. Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, hat die Staatsanwaltschaft Gera eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Der Zeuge gebe «bedeutungsvolle Hinweise zu den Umständen, wie Bernd Beckmann zu Tode kam», hieß es. Er soll sich daher bei der «Soko Altfälle» unter Telefon 03641 81 1678 melden. Die Aussage werde gegebenenfalls auch vertraulich behandelt, hieß es. Warum dem 25 Jahre alten Brief erst jetzt eine solche Bedeutung zugemessen wird, teilten die Ermittler nicht mit. Angaben zum Inhalt des Briefes wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht.

Sollte sich der Zeuge nicht melden, ist ab Ende Juni eine umfangreiche DNA-Speichelprobenentnahme zunächst um Jena-Lobeda geplant, um den Briefeschreiber über kriminaltechnische Untersuchungen zu finden.

Die «Soko Altfälle» in Jena untersucht seit Oktober 2016 drei ungeklärte Verbrechen. Im März 2018 konnte der mutmaßliche Mörder der zehn Jahre alten Stephanie aus Weimar ermittelt und verhaftet werden. Die Ermittler würden nun alles daran setzen, auch den gewaltsamen Tod der neunjährigen Ramona Kraus und des gleichaltrigen Bernd Beckmann endgültig zu den Akten legen zu können, hieß es. dpa

https://www.insuedthueringen.de/region/t...rt83467,6179109

#10 RE: Presseberichte von Helios 14.06.2018 21:43

POL-LDK: PRESSEMELDUNG VOM...
Dillenburg (ots) - Seit Mittwoch (13.06.2018), gegen 19.00 Uhr, wird die 13-jährige Lilly aus 35753 ...

LANDESPOLIZEIINSPEKTION JENA
LPI-J: Neue Spur im Fall Bernd Beckmann - 5000 Euro Belohnung ausgesetzt
14.06.2018 – 14:59
3 WEITERE MEDIENINHALTE
LPI-J: Neue Spur im Fall Bernd Beckmann - 5000 Euro Belohnung ausgesetzt
Luftaufnahme von Lobeda-West aus 1992, mittig zu sehen der quadratische Platz, wo sich heute das "Kaufland" befindet Bild-Infos Download
Jena (ots) - Die Soko Altfälle der LPI Jena beschäftigt sich seit Oktober 2016 mit drei ungeklärten Verbrechen an den Kindern Stephanie Drews (10 Jahre), Bernd Beckmann (9 Jahre) und Ramona Kraus (9 Jahre). Nach dem im März 2018 der mutmaßliche Mörder von Stephanie Drews aus Weimar ermittelt und verhaftet werden konnte, wird derzeit alles getan, um die zwei weiteren ungeklärten Verbrechen an den Kindern Bernd Beckmann und Ramona Kraus aufzuklären.

Im Fall Bernd Beckmann richtet sich die Soko Altfälle nunmehr erneut an die Öffentlichkeit und hofft auf deren Mithilfe.

Bernd Beckmann verschwand am 06.07.1993 spurlos und konnte trotz intensiver Suchmaßnahmen nicht mehr lebend aufgefunden werden. Am 18.07.1993 fanden spielende Kinder den leblosen Körper von Bernd am Saaleufer in der Nähe der Gärtnerei Boock.

Nach erneuter Auswertung der Aktenlage liegt den Ermittlern ein anonymer Brief eines Zeugen vom Juli 1993 vor, der nunmehr intensiv in den Fokus der Ermittlungen getreten ist. Der Zeuge gibt bedeutungsvolle Hinweise zu den Umständen, wie Bernd Beckmann zu Tode kam. Detaillierte Angaben zum Inhalt des Briefes werden an dieser Stelle aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht.

Für die weiteren Ermittlungen ist es dringend notwendig, den Schreiber des Briefes ausfindig zu machen, da er als wichtiger Zeuge im Mordfall Bernd Beckmann angesehen wird. Der Zeuge soll sich dringend bei der Soko Altfälle melden. Die Soko geht davon aus, dass der Zeuge wichtige Hinweise zur Aufklärung des Verbrechens geben kann. Die Aussage wird gegebenenfalls auch vertraulich behandelt.

Sollte sich der Zeuge nicht melden, ist in diesem Zusammenhang ab Ende Juni 2018 eine umfangreiche Speichelprobenentnahme (DNA-Entnahme) zunächst im Bereich Lobeda geplant, um den Briefeschreiber über kriminaltechnische Untersuchungen zu ermitteln. Hierzu werden alle Betroffenen Männer vorgeladen. Ziel ist es, den o.g. Briefeschreiber zu ermitteln bzw. die Person, die den Brief frankiert und zugeklebt hat.

Die Fragen der Soko Altfälle lauten wie folgt:

Wenn Sie der Briefeschreiber sind, der im Jahr 1993 einen Brief an die Soko Beckmann gesendet hat, melden Sie sich bitte umgehend bei der Soko Altfälle.

Wer kennt die Person, die im Juli 1993 einen anonymen Brief an die Soko Beckmann geschickt hat? Wer ist diese Person? Wer erkennt die Schrift?

Wer kann weitere Hinweise zum Verbrechen an Bernd Beckmann geben?

Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verbrechens an Bernd Beckmann führen, hat die Staatsanwaltschaft Gera eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgesetzt.

Soko Altfälle Tel. 03641 - 81 1678

e-mail: SokoAltfaelle.Jena@polizei.thueringen.de

Rückfragen bitte an:

Thüringer Polizei
Landespolizeiinspektion Jena
Pressestelle
Telefon: 03641 811503
E-Mail: pressestelle.lpi.jena@polizei.thueringen.de
http://www.thueringen.de/th3/polizei/index.aspx

#11 RE: Presseberichte von wetterfrosch 27.06.2018 12:54

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27.06.2018 08:56

Massen-Gentest! Kann Bernds (†9) Mörder nach 25 Jahren endlich gefunden werden?

Jena - Im Juli 1993 endete das Leben des kleinen Bernd Beckmann in Jena-Lobeda, jetzt startet die Soko "Altfälle" einen Massengentest um seinen Mörder endlich zu finden.

Bereits den Mord an der kleinen Stephanie hatten die Ermittler in diesem Jahr nach Jahrzehnten aufgeklärt, nun soll auch Bernd seine Ruhe finden.

Im Mittelpunkt steht dabei ein anonymer Brief, der den Polizisten vor 25 Jahren geschickt worden war und Details dazu enthält, wie Bernd gestorben ist. (TAG24 berichtete)

Da sich in den vergangenen Wochen niemand gemeldet hat, der den Brief geschrieben hat oder die Schrift darauf erkennt, starten die Ermittler nun am Mittwoch einen Massengentest in Jena. 500 Männer wurde bereits angeschrieben, um eine freiwillige DNS-Probe abzugeben, so die Polizei in Jena.

Darunter sind Männer, die bereits seit Jahrzehnten in dem Stadtteil leben, aber auch jene, die zum Tatzeitpunkt in Lobeda wohnhaft waren. Helfen soll das ganze dabei herauszufinden, wer die Briefmarke auf den Brief geklebt hat, denn hier können auch nach Jahrzehnten noch DNS-Spuren gesichert werden.

Vier Termine soll es in der nächsten Zeit für die Spendenabgabe geben. Danach hofft die Polizei darauf endlich eine heiße Spur zu Bernds Mörder zu finden.

https://www.tag24.de/nachrichten/jena-th...hinweise-658811

#12 RE: Presseberichte von wetterfrosch 22.07.2018 13:28

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21. Juli 2018 14:51 Uhr

Ermittlungen

Vor 25 Jahren verschwanden diese beiden Jungen - noch immer sind die Fälle ungelöst

Deutschland im Juli 1993: In Berlin und Jena verschwinden zwei Kinder innerhalb von nur wenigen Wochen. Einer der Jungen, Bernd B. aus Jena, wird später tot aufgefunden, der andere, Manuel Schadwald aus Berlin, bleibt bis heute vermisst. Eine Spurensuche.

Manuel Schadwald ist zwölf Jahre alt, als er am 24. Juli 1993 zum letzten Mal gesehen wird. Er will von zu Hause in Berlin-Tempelhof in ein Freizeitzentrum fahren. Dort kommt der hübsche Junge mit den etwas längeren dunklen Haaren nie an. In den nächsten Tagen sucht die Polizei intensiv nach Manuel, befragt Verkäufer in Kaufhäusern und Betreuer, veröffentlicht Fotos und durchkämmt mit Spürhunden ein Waldgebiet. Ohne Erfolg, der Junge bleibt verschwunden.

Ebenfalls im Juli 1993 verschwindet der neunjährige Bernd B. in Jena in Thüringen. Zuletzt wird er am 6. Juli gesehen. Am 18. Juli finden Kinder seine Leiche am Ufer der Saale. Auch hier sucht die Polizei mit großem Aufwand, befragt Anglervereine und setzt Taucher ein. Der Wasserspiegel des Flusses wird mit Hilfe einer Talsperre gesenkt. Nahe der Kinderleiche wird der Außenbordmotor eines Bootes gefunden. Über den Besitzer gibt es eine Verbindung zu den späteren Neonazis der Terrorgruppe NSU. Eine Spur zu dem Mörder findet sich aber nicht.

DNA-Analysen sollen Durchbruch bringen

Beide Fälle liegen nun 25 Jahre zurück, aufgeklärt sind sie immer noch nicht - aber auch nicht vergessen. Wenn es um das Schicksal von Kindern geht, ist stets eine große Anteilnahme der Öffentlichkeit gewiss.

In den Fall Bernd B. ist zuletzt wieder Bewegung gekommen. Eine mittlerweile 17-köpfige Sonderkommission "Altfälle" arbeitet seit Ende 2016 für die Thüringer Polizei ungeklärte Kindermorde im Raum Jena neu auf. Ein anonymer Brief vom Juli 1993 soll helfen. Der Schreiber hatte Hinweise zu den Umständen des Mordes an Bernd B. gegeben. Über den Speichel unter der Briefmarke will die Polizei den Verfasser des Briefes finden.

Rund 300 Männer gaben in Thüringen bis Mitte Juli freiwillig eine Speichelprobe für eine DNA-Analyse ab. Die Polizei hatte insgesamt 500 Männer angeschrieben. Für die Auswertung der DNA-Proben braucht das Landeskriminalamt aber noch einige Zeit. Ob Männer, die sich nicht freiwillig melden, zu einer Abgabe verpflichtet werden können, steht bislang nicht fest.

Briefmarke und Speichel sind immerhin eine Spur, die die Polizei hoffen lässt. Ermittlungen sind dann am schwierigsten, wenn - wie im Fall Manuel Schadwald - jemand spurlos verschwindet. Es gibt keine Leiche, keinen Fundort, keinen Tatort.

1964 ungeklärte Fälle vermisster Kinder

Mit Meldungen zu vermissten Menschen ist die Polizei tausendfach befasst. In Berlin wurden im ersten Halbjahr 2018 etwa 5500 Vermisstenfälle gemeldet: 2666 Erwachsene, 2142 Jugendliche und 683 Kinder. Auf ein Jahr gerechnet sind das etwa 11.000 Vermisstenfälle. Etwa 98 Prozent davon tauchen schnell wieder auf. Trotzdem gelten laut der Berliner Polizei "Dutzende Personen als langzeitvermisst".

Das Bundeskriminalamt (BKA) schreibt über ganz Deutschland: "Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei nur etwa drei Prozent." Das heißt aber auch, dass pro Jahr zahlreiche Menschen, darunter auch Kinder, komplett verschwinden.

In der BKA-Datei "Vermisste/Unbekannte Tote" sind deutschlandweit 1964 ungeklärte Fälle vermisster Kinder erfasst (Stand Februar 2018). Das bezieht sich auf die Jahre von 1951 bis heute. Mehr als die Hälfte der Kinder sind laut BKA Ausreißer, sogenannte Streuner und unbegleitete Flüchtlinge, die selbstständig unterwegs sind. "Bei dem verbleibenden Teil der vermissten Kinder ist zu befürchten, dass diese Opfer einer Straftat oder eines Unglücksfalls wurden, sich in einer Situation der Hilflosigkeit befinden oder nicht mehr am Leben sind", schreibt das BKA. In knapp 70 Jahren könnten das also viele Hundert Kinder sein.

Neue Techniken wie DNA-Analysen, Computerauswertungen und Luftaufnahmen durch Drohnen führen auch zu neuen Ermittlungen - und manchmal zum Täter. Das zeigt ein Erfolg der Thüringer Soko zu dem Mord an der zehnjährigen Stephanie aus Weimar. Im August 1991 wurde sie entführt, missbraucht und noch lebend von einer Autobahnbrücke geworfen. Ihre Leiche fand man erst später. Die Fahnder ermittelten den mutmaßlichen Täter. Im März wurde der Mann in Berlin gefasst. Die Soko "Altfälle" hofft bei Bernd B. und einem weiteren Fall auf einen ähnlichen Erfolg.

Wo ist Manuel Schadwald?

In Berlin sieht die Lage bei der Suche nach Manuel Schadwald düsterer aus. In Jahren nach Manuels Verschwinden tauchen immer wieder Berichte zu dem Kind auf. Niederländische Polizisten glauben, ihn bei einem deutschen Kinderpornografie-Produzenten gesehen zu haben. 1998 behauptet eine belgische Bürgerinitiative, eine Bande habe den Jungen für Pornoaufnahmen verschleppt.

Die Polizei prüft Filme, Fotos und Aussagen. Abgebildet sind andere Jungen. Ein deutscher Staatsanwalt vernimmt den Hauptverdächtigen. Polizisten halten die Behauptungen der Bürgerinitiative für Spekulation. 2015 schreiben Zeitungen erneut über vermeintliche Hinweise, nach denen Manuel nach Amsterdam gebracht worden sei. Auch hier ergibt sich nichts Neues.

Dass Manuel damals nur verunglückt ist und bis heute nicht gefunden wurde, glaubt eigentlich niemand. Die Polizei führte anfangs nur einen Vermisstenfall. Heute verweist sie auf die Staatsanwaltschaft Berlin. Dort sagt ein Sprecher: "Ein Ermittlungsverfahren wird geführt wegen Verdachts auf ein Tötungsdelikt." Das Verfahren laufe schon lange. "Es gibt keine neuen Erkenntnisse."

Das Bundeskriminalamt schreibt: "Falls eine Vermisstensache nicht aufgeklärt wird, bleibt die Personenfahndung bis zu 30 Jahre bestehen." Danach bleibt nur noch die Erinnerung.

https://www.stern.de/panorama/stern-crim...ld-8179086.html

#13 RE: Presseberichte von Helios 18.09.2018 13:13

VERDÄCHTIGER IM FALL RAMONA (†10) GEFASST!
Wird auch der Fall Bernd
Beckmann († 9) bald gelöst?


https://www.bild.de/news/inland/news-inl...d.html#fromWall

#14 RE: Presseberichte von wetterfrosch 04.09.2020 23:59

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27.06.2018 – 15:23

Landespolizeiinspektion Jena

LPI-J: Fakten zum Speicheltest im Fall Beckmann

Jena (ots)

In Jena startete heute der großangelegte DNA-Test im Fall des Verbrechens an Bernd Beckmann aus dem Jahr 1993. Bernd Beckmann verschwand am 6. Juli 1993 spurlos und konnte trotz intensiver Suchmaßnahmen nicht lebend aufgefunden werden. Am 18. Juli 1993 fanden spielende Kinder den leblosen Körper von Bernd am Saaleufer in der Nähe der Gärtnerei Boock.

Nach erneuter Auswertung der Aktenlage liegt den Ermittlern ein anonymer Brief eines Zeugen vom Juli 1993 vor, der nunmehr intensiv in den Fokus der Ermittlungen getreten ist. Der Zeuge gibt bedeutungsvolle Hinweise zu den Umständen, wie Bernd Beckmann zu Tode kam. Mit neuen kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden konnte jetzt DNA unter der Briefmarke und am Klebefalz grefunden werden.

Für die weiteren Ermittlungen ist es dringend notwendig, den Schreiber des Briefes ausfindig zu machen, da er als wichtiger Zeuge im Mordfall Bernd Beckmann angesehen wird.

In diesem Zusammenhang versucht die SOKO Altfälle nun, mit Hilfe des DNA-Tests an etwa 500 Betroffenen den Autor des anonymen Briefs mit den wichtigen Hinweisen bekannt zu machen.

Wir möchten ganz klar deutlich machen, dass es sich hierbei nach gegenwärtigem Kenntnisstand um einen Zeugen, nicht einen Beschuldigten handelt!

Bei der Maßnahmen handelt es sich NICHT um einen "Massengentest" nach der Strafprozessordnung. Der Speicheltest in diesem Fall findet auf freiwilliger Basis statt. Die genommene DNA wird nur für die Untersuchung in diesem Fall genutzt und danach unverzüglich vernichtet.

Die Tests finden heute, am kommenden Samstag, Sonntag und Dienstag statt.

Es wurden 500 Männer aus Jena und Umgebung per Post über den Test informiert. 300 davon aus dem direkten Umfeld um Jena Lobeda-West, 200 im größeren Einzugsbereich. Weiter entfernt wohnende Personen können den Test auf ihren örtlichen Dienststellen abgeben.

Es wurden Männer bis zum Geburtsjahr 1973 eingeladen.

Der Test findet im Stadtteilzentrum Lisa in der Werner-Seelenbinder-Straße in Jena statt. Betroffenen werden zwei Auswahltermine genannt. Man kann sich für Absprachen auch stets unter Tel. 03641 - 811678 an die SOKO Altfälle wenden.

Mit Stand heute Mittag wurden bereits 67 Personen untersucht. Die Maßnahme trifft bei allen Betroffenen auf ein hohes Verständnis.

Rückfragen bitte an:

Thüringer Polizei
Landespolizeiinspektion Jena
Pressestelle
Telefon: 03641 811503
E-Mail: pressestelle.lpi.jena@polizei.thueringen.de
http://www.thueringen.de/th3/polizei/index.aspx

Original-Content von: Landespolizeiinspektion Jena, übermittelt durch news aktuell

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/3982480

#15 RE: Presseberichte von wetterfrosch 05.09.2020 00:10

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Mittwoch, 30. Januar 2019

Bernd Beckmann missbraucht und getötet

Jena-Winzerla

Bernd Beckmann wurde 1984 geboren (+Juli 1993).

Leben

1984. Bernd Beckmann wird geboren. Er wohnt mit seiner Familie im Westviertel von Jena.

Juni/Juli 1993. Er hat mit Mitschülern und Lehrern Ärger.

6. Juli 1993. Bernd kommt nach der Schule nicht mehr nach Hause. An diesem Tag trägt er eine blaue Strickjacke und Jeans. Sein Schulranzen steht vor der Haustür. Er selbst streift durch die Stadt.

Eine Schulfreundin trifft Bernd und sagt ihm dass er gesucht wird. Der Junge geht trotzdem nicht nach Hause.

6. Juli 1993, ca. 21:30 Uhr. Bernd steigt in einen Bus und fährt raus aus der Stadt, nach Jena-Lobeda, in eine Hochhausgegend. Hier wohnen seine Großeltern. Im Bus kommt der Junge mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch. Was er denn so spät allein hier mache, fragen sie. Bernd klagt über die Schule. Er antwortet aber, sie müssten sich nicht sorgen. Dann steigt er aus und läuft zu dem Hochhaus seiner Großeltern.

Seine Eltern fahren zu der Zeit bereits verzweifelt durch die Stadt, auf der Suche nach ihrem Sohn. Die Polizei ist ebenfalls unterwegs. Mit dabei hat sie Fotos von Bernd. Ein ernst dreinschauender Junge mit kurzen, braunen Haaren ist darauf zu sehen.

18. Juli 1993. Spielende Kinder finden den Leichnam von Bernd unweit des Hochhauses seiner Großeltern, in einem Gebüsch an der Saale. Die Polizei spricht von einem „gewaltsamen Tod“. Die Gerichtsmediziner stellen später fest, dass er mit einem Draht erwürgt wurde. Ganz in der Nähe der Leiche von Bernd liegt ein weißer Außenbordmotor für ein Boot.

Lokalzeitungen berichten über Hinweise auf sexuellen Missbrauch. Ein Abstrich aus der Genito-/Analregion sowie aus dem oralen Bereich wird jedoch nicht vorgenommen. Ein Eindringen in den Afterbereich … wird nicht untersucht.“

Zudem werden kaum Fotos vom Fundort und „kein Faserverteilungsbild der Bekleidung des Opfers“. gemacht. Später heißt es: „DNA-Auswertung nicht abgeschlossen.“ Beamte beschweren sich später intern über die unvollständigen Ermittlungen.

Juli 1993. Der Bootsmotor gehört zu einem kleinem Ruderboot, das lange Zeit 500 Meter stromaufwärts vom Tatort lag. Das Boot gehört dem 17-jährigen Enrico T., einem Kumpel von Uwe Böhnhardt, der später Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wird. Die beiden kennen sich von der Schule, fahren zusammen Moped. T. geht ebenso wie Böhnhardt auf Diebestouren, einmal soll er mit einem Bagger in eine Bankfiliale gefahren sein. Nun gerät Enrico T. plötzlich unter einen schweren Verdacht: Er könnte der Mörder von Bernd Beckmann sein.

Enrico T. wird daraufhin vernommen, er weist den Verdacht von sich, hat jedoch kein Alibi. Er erklärt, dass er zum Zeitpunkt des Mordes 200 Meter entfernt in seiner Garage gewesen sei. Das Boot und der Motor seien ihm bereits zuvor geklaut worden. Er habe keine Ahnung, wie der Motor an den Leichenfundort kam.

Ein Draht der gleichen Machart wie derjenige, mit dem Bernd Beckmann ermordet wurde, wird auch in T.s Wohnung gefunden. Noch Jahre nach dem Mord halten die Ermittler deshalb den jungen Mann aus Jena-Lobeda für dringend tatverdächtig. Zudem belastet ein weiterer Zeuge T. schwer: T. habe ihm gegenüber den Mord an einem Kind zugegeben. Die Polizei hält den Zeugen für glaubhaft und schlussfolgert: „Die wesentlichen Spuren sind alle in Bezug zum Verdächtigen, Herrn T., zu bringen.“

Trotz allem versandet die Spur. Die zuständige Staatsanwaltschaft entscheidet sich vielmehr dafür, intensiv gegen einen Mann zu ermitteln, der wegen mehrerer Sexualdelikte vorbestraft ist und in Tatortnähe gearbeitet hat. Er wird zeitweise abgehört und durch das Mobile Einsatzkommando observiert. Allerdings wissen die Ermittler, dass er ein Alibi hat.

Die Ermittler weiten die Fahndung aus. Taucher steigen in die Saale, über eine Talsperre wird der Wasserspiegel abgesenkt, um nach dem weiter verschollenen Boot zu suchen.

Auf einem Spielplatz, in einem "Hexenhaus", finden Kinder den Schlüsselbund von Bernd.

1994. Böhnhardt hat kein Alibi für die Tat. Es wird als konkrete Spur in dem Fall bearbeitet. Die Polizei nimmt ihm Haarproben ab, um sie mit DNA-Spuren am Fundort der Kindesleiche abzugleichen.

April 1994. Die Polizei verhört den 16-jährigen Uwe Böhnhardt, der erst vor wenigen Monaten aus dem Knast entlassen wurde.

Er hat mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen. Unter anderem hat er einen Jungen schwer misshandelt und Geld von ihm erpresst. In der Haft hat Böhnhardt einen Mithäftling gefoltert, unter anderem heißes Plastik auf seinen Rücken tropfen lassen. Das aber wissen die Polizisten nicht, die ihn in der Mordsache Beckmann verhören. Sie gewinnen vielmehr einen positiven Eindruck von Böhnhardt und notieren: Der Zeuge erkläre, nur aus Dummheit in die Straftaten anderer hineingezogen worden zu sein.

Seiner Erscheinung nach – Springerstiefel, Bomberjacke – sei Böhnhardt zwar rechts einzuordnen; inzwischen trage er die Haare aber länger, zum Scheitel gekämmt. Ein in sich ruhender 16-jähriger Ex-Krimineller: „Auch nach der Erläuterung des Hintergrundes der Entnahme von Körperhaaren blieb Böhnhardt ruhig.“ Die Polizisten schlossen nach „subjektiver Einschätzung“ eine Täterschaft aus: „Es wird vorgeschlagen, die Spur Böhnhardt abzulegen.“ Der blieb, so schrieben die Beamten, „bei allen ihn konfrontierenden Fragestellen“ gelassen – „dies auch im Bewusstsein, kein Alibi zu haben“. Denn er konnte auch mit „Hilfestellungen“ keine Angaben zu einem Alibi machen.

2006. Es finden noch einmal Razzien in Jena und Berlin statt. Die Polizei hat am Ende 4.000 Personen überprüft, ob sie etwas mit dem Mord zu tun haben.

4. November 2011. Der Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) fliegt auf. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos begehen mutmaßlich Selbstmord.

April 2012. Enrico T. bekommt, nachdem der NSU aufgeflogen ist, Besuch vom Bundeskriminalamt (BKA). Die Ermittler möchten wissen, ob es stimmt, dass er daran beteiligt war, dem NSU-Trio ihre Mordwaffe zu liefern, die Ceska-83. T. bestreitet das. Die Waffe hat ein Schweizer Staatsbürger, Hans-Ulrich Müller, 1996 in seinem Heimatland besorgt, samt Schalldämpfer.

Ganz am Ende der Vernehmung sagt er aber, er wolle „noch etwas ergänzen“. Und zwar zur Sache mit dem Mord an Bernd B., dessen er fälschlich verdächtigt worden sei. „Nachdem ich von den Taten des Trios in der Presse erfahren habe, vermute ich, dass der Uwe Böhnhardt etwas damit zu tun hat“, sagt T. plötzlich. Dieser habe gewusst, wo das Boot damals lag. „Es kann also sein, dass der mir etwas in die Schuhe schieben wollte, weil wir uns irgendwann nicht mehr so gut verstanden haben.“ Schon lange trage er diese Geschichte mit sich herum, sagt T. „Ich will das hier sagen, damit sich jemand mal Gedanken macht.“

Hans-Ulrich Müller taucht ebenfalls in den Akten zum Mordfall Beckmann auf. In der Hosentasche des Opfers ist ein Fetzen Lagenzellstoff gefunden worden, der in der EU nicht hergestellt wird. Die Ermittler bekommen heraus, dass Enrico T. eng mit dem Schweizer Müller befreundet war – das bringt man offenbar mit dem Stoff in Verbindung.

In einem Dokument wird festgehalten: „Müller hielt sich auch unter falschem Namen in Kaatschen-Weichau (bei Camburg) verborgen, wo er regelmäßig von Enrico T. besucht wurde; ebenso war der Müller in der Garage des T. Er ist Schweizer Staatsbürger, mehrfach vorbestraft und z. Z. in der Schweiz inhaftiert.“

Nach der Aussage einer Zeugin hatte T. spätestens 1997 in seiner Garage Waffen versteckt, darunter eine Maschinenpistole. In der Nähe dieser Garage wurde die Leiche von Bernd Beckmann gefunden. Die Möglichkeit einer Verdeckungsstraftat wurde damals nicht intensiv verfolgt.

Und just in diesem Garagenkomplex mietete auch Beate Zschäpe eine Garage, allerdings erst nach dem Mord an dem Jungen. Die Garage nutzten unter anderem Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos als Lager und Bombenwerkstatt. Als sie Anfang 1998 von der Polizei durchsucht wurde, setzten sich Böhnhardt und seine Freunde aus Jena ab.

2012. Die Ermittler prüfen nach der Aussage von Enrico T. den Fall Bernd Beckmann erneut und gehen DNA-Spuren durch. Sie stoßen auf eine Garage, ganz in der Nähe des Leichenfundorts, die auch von Uwe Böhnhardt genutzt wurde. Steffen Flieger (Oberstaatsanwalt aus Gera) sagt später: „Ein Tatverdacht gegen Böhnhardt hat sich jedoch nicht erhärtet“,

13. Oktober 2016. Auf einem Stück einer Stoffdecke von der Größe eines Fingernagel werden offenbar DNA-Spuren des Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden. Der Fetzen wurde zuvor in der Nähe der sterblichen Überreste von Peggy Knobloch gefunden. Die Sonderkommission (Soko) zu dem Fall Peggy Knobloch wird daraufhin von 30 auf 40 Ermittler aufgestockt.

Auch der Fall Bernd Beckmann wird wieder aufgenommen. Hier arbeitet eine 15 Mann starke Soko. Alle Akten werden noch einmal durchgegangen. DNA-Spuren abgeglichen.

Neben den bisher genannten Fällen werden zwei weitere ungeklärte Kindesmorde aus der Region noch einmal geprüft:

•August 1991- Unter der Teufelstalbrücke der Autobahn 4, etwa 20 Kilometer östlich von Jena wird die Leiche der zehnjährigen Stephanie D. aus dem benachbarten Weimar gefunden. Offenbar hat der Täter das Kind von der 53 Meter hohen Brücke geworfen, als es noch lebte. Sie ist scheinbar spurlos aus einem Park verschwunden. Andere Kinder haben berichtet, dass die Zehnjährige von einem Mann angesprochen worden sei. Er soll ihr 50 Mark versprochen haben, wenn sie ihm das Schloss Belvedere zeige.

•Sommer 1996, Ramona Krauss (10 Jahre) aus Jena-Winzerla. Ihre Leiche wurde im Januar 1997 in einem Waldstück entdeckt.

http://nopegida.blogspot.com/2016/10/ber...etotet.html?m=1

#16 RE: Presseberichte von wetterfrosch 05.09.2020 00:15

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Mord an Bernd Beckmann: Hunderte freiwillige Speichelproben

04.07.2018 - 19:33

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahre wurde die Leiche des neunjährigen Bernd Beckmanns am Saale-Ufer in Jena gefunden. Der Junge wurde ermordet. Von einem groß angelegten Speicheltest verspricht sich die Polizei nun neue Erkenntnisse in dem Fall.

Mehr als 200 Männer haben bisher Speichelproben für die Ermittlungen zu einem Kindermord vor 25 Jahren abgegeben. „Insgesamt 221 Männer sind freiwillig innerhalb der bisher vier dafür angesetzten Tage zu einer Abgabe gekommen“, sagte Polizeisprecherin Steffi Kopp am Mittwoch in Jena.

Mordfall Bernd Beckmann aus Jena

Es geht um die Ermordung des neunjährigen Bernd Beckmanns. Er wurde am 6. Juli 1993 zuletzt in der Jenaer Innenstadt und in Lobeda-West gesehen. Zwölf Tage später wurde seine Leiche am Saale-Ufer entdeckt.

Wer hat den anonymen Brief verfasst?

Die Polizei hatte nun insgesamt 500 Männer angeschrieben, die damals in der Nähe lebten oder dorthin Verbindungen hatten. Ziel sei es, den anonymen Autor eines Briefes zu finden, der damals bei der Polizei einging. In dem Schreiben habe es wichtige Hinweise zu den möglichen Todesumständen gegeben, so die Sprecherin.

DNS-Analyse dauert mehrere Wochen

Ob der als Zeuge gesuchte Verfasser bereits unter den bisherigen Freiwilligen war, lasse sich noch nicht sagen. Für die Auswertung der DNS-Proben benötige das Landeskriminalamt wohl mehrere Wochen, sagte Kopp. Inzwischen stehen auch weitere Termine für Speichelprobenentnahmen fest: am 12. Juli in Jena und am 16. Juli in Jena und Apolda.

Staatsanwaltschaft entscheidet über nicht freiwillige Abgabe

Ob angeschriebene Männer, die sich nicht freiwillig melden, zu einer Abgabe verpflichtete werden können, werde später mit der Staatsanwaltschaft besprochen, sagte Kopp. Verantwortlich für die Ermittlungen ist die mittlerweile 17-köpfige Sonderkommission „Altfälle“. Sie arbeitet für die Thüringer Polizei seit Ende 2016 ungeklärte Kindermorde im Raum Jena aus den 1990er Jahre neu auf.

Soko "Altfälle" bereits erfolgreich

Im März machte das Team einen Tatverdächtigen in einem 27 Jahre zurückliegenden Mordfall aus. Der mutmaßliche Mörder der damals zehnjährigen Stephanie aus Weimar wurde daraufhin in Berlin festgenommen. Unter anderem neue Methoden zur DNA-Analyse und moderne Computertechnik hatten zu dem Erfolg geführt. Hinweise auf den Mann fanden die Ermittler zuerst in den Akten im Fall Beckmann.

Moderne Technik hilft Polizei

Auch jetzt profitierten die Polizisten von neuer Technik, erklärte Kopp. So sei nicht nur die Suche nach Zeugen per Speichelprobe und DNS-Analyse möglich. „Die rund 100 Aktenordner und andere wichtige Daten können digital in einem Fallbearbeitungssystem zusammengeführt und etwa nach Stichworten durchsucht werden“, erklärte Kopp. „Ein Mensch allein kann eine solche Datenmenge gar nicht erfassen.“ Zudem gebe es Unterstützung seitens der Wissenschaft: Die sächsische Hochschule Mittweida hat aus Drohnenaufnahmen vom Fundort der Leiche den Tatort von damals konstruiert.

https://www.thueringen24.de/jena/article...chelproben.html

#17 RE: Presseberichte von wetterfrosch 05.09.2020 00:24

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Der #NSU und die OK, Teil 5: Schützte die Polizei ihre OK-Spitzel bei den Ermittlungen zu einem Kindermord in Jena?

Wir sind immer noch im Erfurter NSU-Ausschuss, immer noch beim Januar 2017, und wechseln zurück zum Journalisten Dirk Laabs, zu Teil 3:

Was der AK NSU seit Jahren beklagt: Man befasse sich nie mit den LKA-Spitzeln, weder denen vom Merbitz in Sachsen noch mit denen der Thüringer Polizei, weil man seitens der Linken den Verfassungsschutz ans Kreuz nageln will.

Lichte Momente mit 5 Jahren Verspätung:



Noch dicker, das ist dann der Mord an dem 9-jährigen Beckmann-Kind in Jena, wo man wohl Informanten schützte. Theile, Böhnhardt, Spitzel der Polizei?, das kommt auch noch dran. Ron Erhardt kenne den Täter, und sage aber nichts. Man fand Beweise, klagte aber nicht an… kommt noch.

Kommt jetzt. Berichterstattung dazu gab es keine.

Los geht’s:



weiter im Link...

https://sicherungsblog.wordpress.com/201...ermord-in-jena/

#18 RE: Presseberichte von wetterfrosch 05.09.2020 00:47

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NSU-Komplex

Uwe Böhnhardt und der Tod eines neunjährigen Jungen

Veröffentlicht am 03.02.2017

Bis heute ist Uwe Böhnhardts Rolle beim Mord an dem neunjährigen Bernd Beckmann in Jena ungeklärt. Wie schon oft im NSU-Komplex zeigen Aktenfunde: Ermittler verfolgten wichtige Spuren schlichtweg nicht.

Uwe Böhnhardt, mutmaßlich eines der Kernmitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), geriet 1994 in das Visier einer Jenaer Mordkommission. Die versuchte damals, den Mord an dem neunjährigen Bernd Beckmann aufzuklären. Aus Ermittlungsakten, die der „Welt“ vorliegen, geht hervor, dass Böhnhardt für die Tat kein Alibi hatte und das als konkrete Spur in dem Fall bearbeitet wurde.

Die Polizei nahm ihm damals Haarproben ab, um sie mit DNA-Spuren am Fundort der Kindesleiche abzugleichen. Die Ermittlungen in Richtung Böhnhardt, auch das wird aus den Akten klar, wurden damals jedoch nicht gründlich genug geführt. Bisher war öffentlich nur bekannt, dass ein Freund des Rechtsradikalen lange als einer der Hauptverdächtigen in dem Fall galt. Dass Böhnhardt selber kein Alibi für die Tat hatte, ist neu.

Eine Sonderkommission des Thüringer Landeskriminalamts (LKA) arbeitet nun die Altakten des Falles seit Monaten auf. Eine sonderbare Spur hatte die Thüringer Ermittler dazu gebracht, den Fall neu aufzurollen: Am Fundort der Leiche des vor gut 15 Jahren verschwundenen Mädchens Peggy K. war Böhnhardts DNA festgestellt worden.

Plötzlich stellte sich die Frage: War Böhnhardt – mutmaßlicher Terrorist, Bankräuber, Mörder – auch noch in einen Kindesmord verwickelt? Die neunjährige Peggy war im Mai 2001 in Oberfranken verschleppt worden. Überreste ihrer Leiche wurden erst 14 Jahre später in Thüringen gefunden. Wenige Tage nach der Feststellung der Böhnhardt-DNA am Fundort von Peggys Leiche dann die vermeintliche Wende: Eine Verunreinigung sei der Grund für die Spur, hieß es in Presseberichten.

Der Beweis für diese These fehlte jedoch; die zuständige Staatsanwaltschaft in Bayreuth ließ nur verlauten, dass sowohl am Fundort von Peggy als auch bei der Obduktion von Böhnhardt „teilweise identisches Spurensicherungsgerät“ verwendet worden sei. Eine Aussage zu einer möglichen Kontamination könne, so die Staatsanwalt, „erst nach weiteren umfassenden und zeitaufwendigen Ermittlungen getroffen werden“.

Diese Untersuchung dauert auch drei Monate später immer noch an. Die Staatsanwaltschaft wollte der „Welt“ nicht sagen, wie weit man mit den Ermittlungen ist. Ein Ergebnis hatte der rätselhafte DNA-Fund jedoch: Eine Thüringer Sonderkommission bekam den Auftrag, ungeklärte Kindermorde neu zu bewerten.

Und hierbei steht besonders ein Fall im Zentrum: der Mord an Bernd Beckmann in Jena. Seine Mutter meldete den Neunjährigen am 6. Juli 1993 als vermisst. Er war nach der Schule nicht nach Hause gekommen; zuletzt wurde er in der Nähe des Wohnhauses seiner Großeltern im Stadtteil Lobeda gesehen. Zwölf Tage später wurde seine Leiche von Kindern am Ufer der Saale gefunden. Bernd Beckmann war erdrosselt worden.

Böhnhardt blieb trotz fehlenden Alibis gelassen

Die Mordkommission ermittelte, dass der Junge vor seinem Tod an verschiedenen Orten im Viertel Lobeda gesehen wurde. Dort lebte damals auch Uwe Böhnhardt. Der war Teil einer Jugendgang, die Autos stahl und auch sonst zunehmend kriminell wurde. Ein Mitglied geriet ins Visier der Mordermittler: Enrico T., damals 18 Jahre alt.

In der Nähe der Leiche des Jungen war ein Außenbordmotor gefunden worden. Zeugen sagten aus, diesen Motor an einem Boot von Enrico T. gesehen zu haben, das dieser oft in der Nähe des Fundorts der Leiche an einem Anleger vertäut hatte. T. gab bei der Polizei an, das Boot sei ihm kurz vor dem Verschwinden des Jungen gestohlen worden. Mehrere Freunde hätten von dem Boot gewusst, darunter Böhnhardt.

So verhörte die Polizei diesen im April 1994. Der damals 16-Jährige ging in die achte Klasse, war aber wenige Monate zuvor erst aus dem Gefängnis entlassen worden. Er hatte mehrere Monate in Untersuchungshaft gesessen. Unter anderem hatte er einen Jungen schwer misshandelt und Geld von ihm erpresst. In der Haft hatte Böhnhardt einen Mithäftling gefoltert, unter anderem heißes Plastik auf seinen Rücken tropfen lassen.

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https://www.welt.de/politik/deutschland/...gen-Jungen.html

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