#1 RE: Presseberichte von 27.02.2015 22:33

Mord
30 Jahre nach Mord an Jungen (7) beschäftigt Fall die Justiz
27.02.2015 | 19:25 Uhr

Essen.
Am 22. April 1985 trifft Nara Michael seinen Mörder auf einem Spielplatz in Essen-Stadtwald. Einen Tag später findet die Polizei die Leiche.

Ein schrecklicher Verdacht: Sitzt ein geistig Behinderter seit 30 Jahren unschuldig in der geschlossenen Psychiatrie, weil ihm zu Unrecht der Mord an einem Siebenjährigen in Essen angelastet wird?

Diesen Verdacht äußert der Hamburger Rechtsanwalt Achim Lüdeke, der die Wiederaufnahme des Sicherungsverfahrens wegen Mordes fordert. Denn für den Mord vom 22. April 1985 gibt es seit 1997 das Geständnis eines anderen Mannes. Das Oberlandesgericht Hamm wies jetzt das Landgericht Dortmund an, dieses Geständnis in einer Beweisaufnahme zu prüfen.

Der Mord erschütterte die Region in den 80er Jahren. Am Montag, 22. April 1985, ging der kleine Nara Michael von der elterlichen Wohnung in Essen-Stadtwald zum Spielplatz. Er kehrte nie zurück. Nara Michael traf seinen Mörder, der ihn missbrauchte, erwürgte.

„Es bot sich das Bild eines Sexualverbrechens“
Mit Großaufgebot samt Hubschraubern hatte die Polizei das Gebiet um den Schellenberger Wald abgesucht. Am Dienstagmorgen fanden die Beamten Nara Michael nur 300 Meter von Zuhause entfernt, die Leiche des kleinen Jungen lag in einem Ilexgebüsch. „Es bot sich das Bild eines Sexualverbrechens“, erklären Mordkommission und Staatsanwaltschaft. Das Kind war teilweise entkleidet, hatte Verletzungen am Hals.

Den Wald durchkämmten 60 Polizeibeamte nach Spuren und Tatwaffe, berichtete die WAZ. Allein, es gab keine heiße Spur. Bis die Ermittler Hinweis Nr. 81 nachgingen, der sie zu einem Verdächtigen führte. Am 29. April 1985, während die Familie sich am Grab von Nara Michael verabschiedete, nahm die Polizei seinen mutmaßlichen Mörder fest: Dirk K., 21 Jahre alt, geistig behindert und aus der Nachbarschaft des Jungen.

An diesem Nachmittag schrie Nara Michael
Bei seiner Vernehmung erzählt er von seiner Begegnung mit Nara Michael auf dem Spielplatz: Der Junge stand allein vor der Rutsche. Dirk K. habe ihn angesprochen, doch der Siebenjährige lief weg. Der junge Mann eilte hinterher, holte Nara Michael ein, zerrte ihn ins Gebüsch. Laut Polizei soll der 21-Jährige sich bereits früher kleinen Jungen genähert und „bei günstiger Gelegenheit sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen haben“. Gewalttätig soll er bis dahin nie gewesen sein.

An diesem Nachmittag schrie Nara Michael. Da legte der 21-Jährige die Hände um den Hals des Kindes und würgte ihn, um nicht entdeckt zu werden, um ihn zum Schweigen zu bringen. So sagte Dirk K. es bei der Polizei aus, doch wiederholte er es vor Gericht nicht, stritt die Tat ab. Am 11. November 1986 aber wurde er nach zwei Prozesstagen wegen Mordes verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen.

Anwalt meldet neues Geständnis
Elf Jahre später meldet sich ein Anwalt bei den Ermittlern. Für den Mord an Nara Michael habe sein Mandant, der damals in der Therapie war, ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft prüft die Aussage, stuft sie als bedeutungslos ein. Sie passe auch nicht zu den objektiven Gegebenheiten, bestätigt am Freitag die Essener Staatsanwältin Birgit Jürgens, heute Leiterin der Kapitalabteilung.

Danach ruht das Verfahren wieder – bis der Hamburger Anwalt Achim Lüdeke, spezialisiert auf Unterbringungsrecht, Kontakt zu dem in der Psychiatrie untergebrachten Dirk K. bekommt. Er hört von dem zweiten Geständnis, lässt sich die Akte kommen und bekommt erhebliche Zweifel an der Täterschaft von Dirk K..

Beim zuständigen Landgericht Dortmund fordert er die Wiederaufnahme des Essener Mordverfahrens. Er hält das zweite Geständnis für glaubhaft, es enthalte Täterwissen. Die Essener Staatsanwaltschaft hält davon nicht viel. Aber auch das Dortmunder Schwurgericht sieht die Argumentation des Anwaltes nicht als zwingend an, auf 26 Seiten weist es 2014 den Antrag in einem Beschluss zurück. Das reicht dem OLG Hamm nicht aus. Jetzt wird eine andere Kammer des Dortmunder Landgerichtes den Fall prüfen müssen.

Dominika Sagan und Stefan Wette

http://www.derwesten.de/staedte/essen/28...ml#plx715915045

#2 RE: Presseberichte von 15.08.2016 08:48

Strafjustiz
Gelähmte Ermittlungen - Ein Mord und zu viele Verdächtige
15.08.2016 | 06:00 Uhr

Dortmund/Essen. Zwei Verdächtige hat die Justiz für einen 31 Jahre zurückliegenden Mord an einem Siebenjährigen. Doch keiner der beiden wird angeklagt.

Fast jede Kriminalpolizei im Lande lagert Aktenbündel ungeklärter Mordfälle. Sie kommen nicht vor Gericht, weil der Täter fehlt. Am Landgericht Dortmund liegt dagegen ein Essener Mordfall mit zu vielen Verdächtigen. Offenbar ist auch das ein Problem, denn das Oberlandesgericht Hamm (OLG) musste die Dortmunder Kollegen erst kürzlich daran erinnern, den Fall doch etwas schneller zu bearbeiten und sich nicht mit einem Gerangel um Zuständigkeiten selbst zu lähmen.

Der Mord liegt lange zurück. 31 Jahre. Am 22. April 1985 war ein sieben Jahre alter Junge in Essen-Stadtwald nicht mehr vom Spielen zurückgekehrt. Am nächsten Tag entdeckte die Polizei seine Leiche. Der kleine Junge war sexuell missbraucht und erwürgt worden. Wenige Tage später nahmen die Ermittler den 21 Jahre alten Dirk K., einen Nachbarn, fest. Bei Polizei, Haftrichter und Psychiaterin gestand der geistig Behinderte.

Ein bestrittenes Geständnis und ein neues
Dieses Geständnis bestritt er später vor dem Essener Schwurgericht. Doch das Gericht hatte an den ersten Angaben keinen Zweifel, sah ihn als Täter. Weil er wegen seiner Psyche schuldunfähig war, sprach das Gericht ihn zwar frei, wies ihn aber wegen seiner Gefährlichkeit in die geschlossene Psychiatrie ein. Dort blieb er bis Anfang 2016, kam dann auf freien Fuß.

Denn mittlerweile hatte sich der Hamburger Anwalt Achim Lüdeke des Falls Dirk K. (52) angenommen. Der Jurist hatte in der Akte das Geständnis eines anderen Mannes gefunden. Ein Drogensüchtiger hatte sich elf Jahre später bei der Polizei gemeldet und den Mord an dem Siebenjährigen eingeräumt. Die Staatsanwaltschaft Essen stufte das Geständnis aber als bedeutungslos ein. Es passe nicht zu den objektiven Gegebenheiten des Mordes, sagt die Essener Staatsanwältin Birgit Jürgens.

Dirk K. blieb weiter in der Psychiatrie, bis Anwalt Lüdeke am Landgericht Dortmund wegen des anderen Geständnisses die Wiederaufnahme beantragte. Ohne Erfolg, zunächst. Das Schwurgericht Dortmund, Vorsitzender Wolfgang Meyer, wies den Antrag am 5. September 2014 auf 26 Seiten zurück. Auch diese Richter nannten das neue Geständnis bedeutungslos. Am 24. Februar 2015 griff das OLG Hamm ein. Das Geständnis solle von einer anderen Dortmunder Kammer erneut geprüft werden. Ein Jahr später hob die 39. Dortmunder Strafkammer unter Vorsitz von Peter Windgätter das fast 30 Jahre alte Essener Urteil auf, Dirk. K. kam mit 52 Jahren wieder frei.

Verheddert im Zuständigkeitsgestrüpp
Jetzt müsste der Drogensüchtige mit dem längst widerrufenen Geständnis in Essen angeklagt werden – oder Dirk K. ein neues Verfahren in Dortmund bekommen. Nichts geschieht. Die Essener Staatsanwältin Birgit Jürgens hat zwar nachermittelt gegen den Drogensüchtigen, sieht aber keinen Anlass zu Haftbefehl oder Anklage: „Kein dringender Tatverdacht.“

Und Dortmunds Landgericht? Dirk K. ist weiterhin frei und lebt im betreuten Wohnen. Anlass zur Eile sahen das Schwurgericht und die 39. Strafkammer nicht. Sie stritten darum, wer den Fall verhandeln muss. Der Dortmunder Gerichtssprecher Thomas Jungkamp bestätigt, dass es „rechtlich unterschiedliche Auffassungen zwischen den Kammern gab“. Das Gericht legte den Fall dem OLG vor und bekam ihn postwendend zurück: Es sei nicht Aufgabe des OLG, ein Gericht zu bestimmen. Das regele allein das Präsidium des Landgerichtes. Es solle sich vielleicht mal beeilen, denn immerhin hätten noch 2015 Gutachter in der Psychiatrie die andauernde Gefährlichkeit von Dirk K. festgestellt. Das Präsidium des Dortmunder Landgerichts reagierte: Das Schwurgericht ist zuständig. Termin? Noch offen.

Stefan Wette

http://www.derwesten.de/region/rhein_ruh...id12098113.html

#3 RE: Presseberichte von Christine 14.10.2016 14:32

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#4 RE: Presseberichte von 03.05.2017 18:03

Prozesse
Mordfall um Jungen nach über 30 Jahren erneut vor Gericht

Dortmund/Essen (dpa/lnw) - Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an einem sieben Jahre alten Essener Jungen wird der Prozess gegen den damals verurteilten Mann wieder aufgerollt. Die Hauptverhandlung beginne kommende Woche Donnerstag am Landgericht Dortmund, teilte am Mittwoch ein Gerichtssprecher mit. Ein neues Geständnis hat den Fall wieder in Gang gebracht.
Von dpa

Ursprünglich war ein minderbegabter junger Mann wegen Mordes in nicht schuldfähigem Zustand in die Psychiatrie gewiesen worden. Nach dem Geständnis eines anderen Mannes und einigem juristischen Tauziehen wurde die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet und der Verurteilte aus der Psychiatrie entlassen. Jetzt kommt er erneut auf die Anklagebank - aber mit der Chance auf einen Freispruch. Denn in einer ersten Prüfung ist das Gericht laut Mitteilung zu der Ansicht gelangt, dass das Urteil damals womöglich zu seinen Gunsten ausgegangen wäre, wenn das Geständnis des anderen schon vorgelegen hätte.

Dieses schriftlich vorliegende Geständnis hat der andere Mann allerdings nicht mehr aufrecht gehalten. Ob er selbst angeklagt wird, hängt auch davon an, ob der damals Verurteilte erneut schuldig gesprochen wird.

http://www.wn.de/NRW/2792434-Prozesse-Mo...eut-vor-Gericht

http://www.lg-dortmund.nrw.de/behoerde/p...sverfahrens.pdf

#5 RE: Presseberichte von 04.05.2017 08:51

Donnerstag, 04. Mai 2017
Verbrechen liegt 30 Jahre zurück
Mordfall an Kind wird neu aufgerollt

Der Mord an einem Kind hatte 1986 einen jungen Mann in die geschlossene Psychiatrie gebracht. 1997 taucht das Geständnis eines anderen Mannes auf. Doch erst jetzt gibt es ein Wiederaufnahmeverfahren des Falls.

Ein junger Mann sitzt 30 Jahre lang im Maßregelvollzug - für einen Mord an einem Kind, den er möglicherweise gar nicht begangen hat. Der inzwischen über 50 Jahre alte Essener, dem damals verminderte Intelligenz attestiert wurde, war 1986 für den Mord an einem sieben Jahre alten Jungen verurteilt worden. Zehn Jahre nach dem Urteil taucht das Geständnis eines anderen Mannes auf. Aber erst jetzt kommt es zum Wiederaufnahmeverfahren.

Passiert war damals Folgendes: Das Kind war im April 1985 von einem Spielplatz entführt und in einem Waldstück erwürgt aufgefunden worden. Der damals 21-jährige Tatverdächtige hatte in Anhörungen die Tat zugegeben, in der Verhandlung im Jahr darauf eine Beteiligung aber bestritten. Auf Anordnung des Landgerichts Essen wurde er - trotz des Widerrufs - wegen eines im Zustand der Schuldunfähigkeit begangenen Mordes in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht.

20 Jahre nach dem Geständnis des anderen Mannes gibt es ein Wiederaufnahmeverfahren. Mehrere Versuche der Verteidiger des in der Psychiatrie sitzenden Verurteilten scheiterten bis dahin. Als das Oberlandesgericht Hamm eine erneute Prüfung des Falles anordnete, kam das inzwischen zuständige Landgericht Dortmund zu dem Schluss, dass der Fall neu aufgerollt werden muss.

Ähnlichkeiten zu Fall Mollath

Das Geständnis von 1997 kam offenbar durch Vermittlung eines Therapeuten zustande. Der geständige Mann, der früher ebenfalls in Essen gewohnt haben soll, äußerte sich gegenüber einem Dritten und unterschrieb das Geständnis. In Befragungen am Dortmunder Gericht vor einem Jahr wollte er davon aber offenbar nichts mehr wissen. Auf ihn könnte ein eigener Prozess zukommen.


Gibt es in Dortmund - das Verfahren beginnt kommende Woche Donnerstag
- keine erneute Verurteilung des inzwischen aus der Psychiatrie entlassenen und über 50 Jahre alten Mannes, könnte in Essen der andere Verdächtige angeklagt werden. "Das ist aber noch offen", sagte Staatsanwältin Birgit Jürgens.

Der Fall Gustl Mollath weist Ähnlichkeiten mit dem Essener Fall auf. Im Jahr 2002 hatte die Ehefrau den Nürnberger wegen Körperverletzung angezeigt. Mollath hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. In zwei Verfahren attestierten ihm Gutachter eine psychische Störung. 2006 wurde er zwar wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, jedoch in die Psychiatrie eingewiesen. Wegen neuer Erkenntnisse wurde sein Fall wieder aufgerollt: Im August 2014 sprach das nun zuständige Landgericht Regensburg Mollath frei.

http://www.n-tv.de/panorama/Mordfall-an-...le19821675.html

#6 RE: Presseberichte von 04.05.2017 09:22

PROZESS
Mord an Kind (7) nach über 30 Jahren erneut vor Gericht
Stefan Wette
03.05.2017 - 16:32 Uhr


ESSEN/DORTMUND. Vor über 30 Jahren wurde der kleine Nara Michael aus Essen ermordet. Nun wird der Fall am Landgericht Dortmund erneut aufgerollt.

Ein Mord, zwei Verdächtige, zwei Geständnisse: 32 Jahre nach dem brutalen Sexualmord an dem sieben Jahre alten Nara Michael im Essener Stadtwald rollt die Strafjustiz ab dem 11. Mai den Fall wieder auf. Aber es ist eher wahrscheinlich, dass die Tat für immer ungesühnt bleibt und möglicherweise der geistig behinderte Dirk K. aus Stadtwald fast 30 Jahre lang unschuldig in der geschlossenen Psychiatrie gesessen hat.

Die Tat hatte die Stadt erschüttert. Am 22. April 1985 war der kleine Junge nicht vom Spielen in sein Elternhaus zurückgekehrt. Am nächsten Tag fand die Polizei seine Leiche im Schellenberger Wald. Der Mörder hatte Nara Michael sexuell missbraucht und erwürgt.

Dirk K. gestand die Tat zunächst, widerrief sie dann aber

Wenige Tage später nahmen die Beamten Dirk K., einen 21 Jahre alten Nachbarn fest. Er gestand die Tat zunächst, widerrief sie dann aber. Das Essener Schwurgericht stufte ihn am 11. November 1986 als schuldunfähig ein und wies ihn wegen seiner psychiatrisch festgestellten Gefährlichkeit in eine geschlossene Anstalt ein.

JUSTIZ Ein Ausschnitt aus einem WAZ-Bericht über die brutale Ermordung des sieben Jahre alten Kindes. Den Artikel von damals finden Sie weiter unten.
Mord an Nara-Michael: 31 Jahre unschuldig gesessen?
Dort blieb er fast 30 Jahre lang, obwohl 1996 ein anderer Mann aus der Therapie heraus den Mord an dem Siebenjährigen ebenfalls gestanden und später widerrufen hatte. Doch die Essener Justiz stufte das Geständnis als bedeutungslos ein. Erst 2016 ließ das Landgericht Dortmund Dirk K. im Wiederaufnahmeverfahren frei, weil es erhebliche Zweifel an der Schuld des mittlerweile 50 Jahre alten Esseners hatte. Er lebt seitdem in einer offenen Einrichtung mit Betreuung.

Viele Zeugen und Vernehmungsbeamten sind schon alt oder verstorben

Am 11. Mai startet vor dem Dortmunder Schwurgericht das neue Verfahren gegen Dirk K., der wie jeder Beschuldigte wieder als unschuldig gilt. Acht Sitzungstage sind geplant, doch wird es kaum möglich sein, den Fall nach 32 Jahren zuverlässig zu rekonstruieren. Viele der Zeugen und Vernehmungsbeamten sind schon alt oder verstorben.

Und der Mann, der 1996 gestanden hatte? Die für ihn zuständige Essener Staatsanwältin Birgit Jürgens sieht gegen ihn bislang keinen dringenden Tatverdacht. “Wir warten jetzt das Dortmunder Verfahren ab, ob es dort neue Erkenntnisse gibt”, sagt sie.

https://www.waz.de/staedte/essen/mord-an...d210446639.html

#7 RE: Presseberichte von 11.05.2017 08:26

Mord an Kind wird nach 30 Jahren neu verhandelt
Von Maya Graef

Fall nach 30 Jahren ab Donnerstag (11.05.2017) wieder vor Gericht
Zwei Geständnisse für einen Mord

Verurteilter vielleicht zu Unrecht weggesperrt

Es geht um den Mord an einem damals sieben Jahre alten Jungen aus Essen. Die Tat geschah 1985. Der Junge war nach dem Spielen nicht nach Hause gekommen. Einen Tag später fand man seine Leiche in einem Wald. Das Kind wurde sexuell missbraucht und dann erdrosselt.


Verurteilt wurde ein Jahr später der geistig behinderte Dirk K., der in Vernehmungen der Polizei die Tat auch gestanden hatte. Vor Gericht widerrief er sein Geständnis später aber. Trotzdem verurteilte das Landgericht Essen ihn wegen Mordes und ordnete an, den Mann in eine geschlossene psychiatrische Klinik einzuweisen.

Zweites Geständnis taucht auf
Elf Jahre später nahm der Fall eine unerwartete Wendung. Ein zweiter Mann legte 1997 ein Geständnis für den Mord an dem Jungen ab. Die Essenener Staatsanwaltschaft prüfte seine Aussage, hielt sie am Ende aber für nicht glaubwürdig genug. Dirk K. blieb weiter hinter Gittern.

Der neue Anwalt des Verurteilten erreichte die Wiederaufnahme des Falls, die nun vor dem zuständigen Landgericht Dortmund verhandelt wird. Dirk K. sitzt wieder auf der Anklagebank, die Vorwürfe sind die gleichen wie vor über 30 Jahren. Der Fall wird komplett neu aufgerollt. Sollte das Gericht ihm nicht nachweisen können, tatsächlich der Mörder des kleinen Jungen zu sein, wäre Dirk K. nach drei Jahrzehnten hinter Gittern wieder ein freier Mann.

Stand: 11.05.2017, 07:00

http://www1.wdr.de/nachrichten/ruhrgebie...erollt-100.html

#8 RE: Presseberichte von 11.05.2017 19:25

Zu Unrecht in Psychiatrie? Mordprozess nach 30 Jahren neu aufgerollt
Fast 30 Jahre lang ist ein Mann in der Psychiatrie eingesperrt. Er soll ein Kind ermordet haben. Doch jetzt gibt es Zweifel. War das Urteil ein Justiz-Irrtum?

Den Kopf gesenkt, das Gesicht hinter einer Jacke versteckt: Als der 53-Jährige zu seinem Platz auf der Anklagebank geht, scheint es fast so, als wolle er sich am liebsten verkriechen. 1986 ist er diesen Weg schon einmal gegangen. Danach war er 30 Jahre lang eingesperrt. Die Richter waren überzeugt, dass er ein Kind ermordet hatte. Aber war er wirklich der Täter? Seit Donnerstag wird der Fall am Dortmunder Landgericht neu aufgerollt.

23. April 1985. In einem Essener Wäldchen wird eine Kinderleiche entdeckt. Arme und Beine des Jungen sind gebrochen, es gibt Würgemale am Hals. Das Opfer war einen Tag zuvor von einem Spielplatz entführt worden. Der Junge wird nur sieben Jahre alt.

Die Polizei nimmt schon kurz darauf einen Verdächtigen fest. Doch ist der inzwischen 53-Jährige tatsächlich ein Kindermörder? Der geistig schwer minderbegabte Mann gesteht die Tat erst bei der Polizei, das Geständnis wird später aber widerrufen. Die Richter am damals zuständigen Essener Schwurgericht verurteilen ihn trotzdem. Wegen seiner Behinderung können sie ihn zwar nicht wegen Mordes mit lebenslanger Haft bestrafen. Sie weisen ihn allerdings auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein, weil sie ihn für besonders gefährlich halten.

Drei Jahrzehnte unschuldig eingesperrt?

Anfang 2016 wird der Verurteilte wieder freigelassen, inzwischen hat ein anderer Mann den Mord gestanden. Sein Anwalt strengt erfolgreich ein Wiederaufnahmeverfahren an. Das Oberlandesgericht Hamm schließt nicht aus, dass die Essener Richter zu einem anderen Urteil gekommen wären, hätte es das andere Geständnis auch damals schon gegeben.

"Unser Ziel ist jetzt ein eindeutiger Freispruch", sagt Verteidiger Achim Lüdeke vor Beginn der neuen Verhandlung. Auf die Frage, wie er den Fall seines Mandanten einschätze, antwortet er: "Ich möchte jetzt noch nicht von einem Justizskandal sprechen." Sollte sich aber herausstellen, dass sein Mandant tatsächlich mehr als drei Jahrzehnte unschuldig eingesperrt gewesen sei, dann sei dieser Fall in der deutschen Rechtsgeschichte wohl einmalig. "So etwas kennt man ja sonst nur aus amerikanischen Filmen", sagt Lüdeke.

Geständiger Mann wird neu befragt

Gegen den 53-Jährigen wird komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Bei sogenannten Sicherungsverfahren, bei denen es allein um die Frage einer mögliche Unterbringung in der Psychiatrie geht, können die Richter diesen Weg gehen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird parallel zu dem jetzigen Wiederaufnahmeverfahren auch gegen den anderen geständigen Mann ermittelt. Doch dies gestaltet sich offenbar alles andere als einfach. Denn auch dieser Mann hält an seinem Geständnis inzwischen nicht mehr fest.

http://www.stern.de/panorama/stern-crime...source=standard

#9 RE: Presseberichte von 12.05.2017 19:36

Mordfall Nara M. Sieger

Ab 6:26
https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deu...i-2017-100.html

#10 RE: Presseberichte von 13.07.2017 09:47

Stadtwald-Mord: Anwalt erhebt Vorwürfe gegen Rechtsmedizin
Stefan Wette
12.07.2017 - 18:33 Uhr


ESSEN. 1985 wurde ein Siebenjähriger in Essen-Stadtwald ermordet. Jetzt wirft ein Anwalt den Rechtsmediziner vor, damals unsauber gearbeitet zu haben.

Essener Rechtsmediziner sollen 1985 Messerstiche an der Leiche eines im Schellenberger Wald ermordeten Jungen nicht erkannt und so ermöglicht haben, dass der geistig Behinderte Dirk K., heute 53, 30 Jahre lang zu Unrecht in der geschlossenen Psychiatrie saß. Diesen Vorwurf erhebt der Hamburger Rechtsanwalt Achim Lüdeke, der Dirk K. im Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Dortmund verteidigt.

Seit Anfang Mai prüft derzeit die Strafkammer 37 a, ob der Essener damals der Täter war. Das Essener Schwurgericht hatte ihn 1986 so gesehen und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Auf Antrag Lüdekes hatte das Dortmunder Landgericht die Essener Entscheidung Anfang 2016 aufgehoben und Dirk K. freigelassen.

Geständnis später widerrufen

Der sieben Jahre alte Nara Michael S. aus Stadtwald war am 22. April 1985 ermordet worden, einen Tag später fand die Polizei seine Leiche. Am 29. April nahm sie Dirk K. fest, der sich schon früher Kindern in sexueller Absicht genähert haben soll. Er gestand, den Jungen missbraucht und erwürgt zu haben. Dieses Geständnis widerrief er später.

1997 gab es ein weiteres Geständnis von einem jungen Mann aus Stadtwald, das letztlich zur Wiederaufnahme führte. Er hatte erzählt, dass er als 15-Jähriger den Jungen getötet und ihm mit einem Messer in den Hals gestochen habe.

Zweites Geständnis galt als unglaubwürdig

Dieses Geständnis wurde von der Staatsanwaltschaft Essen aber als unglaubwürdig eingestuft. Offenbar, weil die Rechtsmedizin laut Lüdeke keine Stichverletzungen festgestellt hatte. Denn diese hatte Verletzungen am Hals als Bissspuren von wilden Tieren eingestuft, weil die Leiche im Wald gelegen habe.

Dieser junge Mann widerrief sein Geständnis ebenfalls. Anwalt Lüdeke bezeichnete ihn am Mittwoch im Dortmunder Wiederaufnahmeverfahren dennoch als „Alleintäter“. Denn nur er habe gewusst, dass auf den Jungen eingestochen wurde. Lüdeke: „Das ist Täterwissen.“

Bissspuren mit Messerstich verwechselt

Dabei stützt der Verteidiger sich auf ein Gutachten von Klaus Püschel, Leiter des Hamburger Institutes für Rechtsmedizin. Er soll wohl schon bei der Prüfung des Wiederaufnahmeantrages erklärt haben, die von seinen Kollegen als „Bissspuren“ deklarierten Verletzungen seien tatsächlich Messerstiche.

In Rechtsmedizinerkreisen ist Klaus Püschel umstritten, weil er auch im Auftrag von Verteidigern arbeitet. Der Vorwurf lautet, er liefere Gefälligkeitsgutachten ab, damit sie den Mandanten der Anwälte nutzen.

Gericht wies Experten auf Widersprüche hin

So war er 2014 in Dortmund im Prozess um ein totes Kleinkind aufgetreten und hatte sich gegen die vom Gericht bestellten Rechtsmediziner positioniert. Das Gericht hatte ihn allerdings auf Widersprüche hingewiesen.

Im Gespräch mit Journalisten am Rande der aktuellen Verhandlung behauptete Lüdeke am Mittwoch sogar, die Essener Rechtsmedizin habe bewusst die Messerstiche verschwiegen, damit das Geständnis von Dirk K. besser zum Obduktionsergebnis passe. Erst auf Nachfrage rückte er davon ab, sprach nur noch davon, dass eine Manipulation „möglich“ sei.

Richter fand Geständnis authentisch

Am heutigen Donnerstag wird das Landgericht Dortmund die damaligen Rechtsmediziner hören und wohl auch fragen, ob sie Bissspuren mit Stichverletzungen verwechselt haben könnten.

Am Mittwoch hatte es bereits einen weiteren Zeitzeugen befragen können: Amtsrichter Herbert Schmitz. Der heute 68-Jährige hatte damals den Haftbefehl erlassen und erinnert sich noch gut daran, „weil es mein erstes und einziges Tötungsdelikt“ war. Das Geständnis von Dirk K. habe auf ihn „kindlich und authentisch“ gewirkt.

https://www.waz.de/staedte/essen/stadtwa...d211225259.html

#11 RE: Presseberichte von 28.12.2017 19:51

STADTWALD-MORD
Mord vor 30 Jahren: Plädoyers im neu aufgerollten Prozess
26.12.2017 - 11:15 Uhr


ESSEN/DORTMUND. 30 Jahre lang sitzt ein Mann für den Mord an einem Kind in der Psychiatrie. Zu Unrecht? Prozess wird neu aufgerollt - Entscheidung ist in Sicht.

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an einem sieben Jahre alten Jungen in Essen geht der neu aufgerollte Prozess in Dortmund in die Endphase. Am 9. Januar könnten die Plädoyers in dem Verfahren gehalten werden.

Ein damals 21-Jähriger war 1986 für die Tat in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Er kam erst im Februar 2016 frei, nachdem ein anderer Mann den Mord an dem Jungen gestanden hatte. Nun läuft das Wiederaufnahmeverfahren. Das Geständnis hat der zweite Mann vor Gericht nicht wiederholt. Gegen ihn wird aber ermittelt.

In einem Essener Wäldchen eine Kinderleiche entdeckt
Der 1986 Verurteilte gilt als minderbegabt und soll die Tat bei der Polizei zugegeben, im Prozess aber abgestritten haben. Die Verteidigung will jetzt einen Freispruch erreichen. In dem Fall muss die Kammer über eine Entschädigung für die Unterbringungszeit entscheiden.

Die Tat ereignete sich am 23. April 1985. In einem Essener Wäldchen wurde eine Kinderleiche entdeckt. Arme und Beine waren gebrochen, es gab Würgemale am Hals. Das Opfer war einen Tag zuvor von einem Spielplatz entführt worden.

Wenig später nahm die Polizei den jungen Mann als Verdächtigen fest. Die Richter verurteilten den 21-Jährigen trotz der Behinderung. Sie wiesen ihn auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie ein, weil sie ihn für besonders gefährlich hielten. (dpa)

https://www.waz.de/staedte/essen/mord-vo...d212940405.html

#12 RE: Presseberichte von Helios 10.01.2018 17:07

Der Prozess um einen Mord in Stadtwald vor über 30 Jahren geht in die letzte Phase.


Der Prozess um einen Mord in Stadtwald vor über 30 Jahren geht in die letzte Phase. Staatsanwaltschaft und Verteidigung halten heute ihre Plädoyers. Ein geistig-behinderter Essener saß fast 20 Jahre in einer geschlossenen Psychiatrie, weil er einen 7-jährigen Jungen in Stadtwald getötet haben soll.

Er hatte die Tat erst gestanden, dann aber vor Gericht abgestritten. Jahre später hat dann ein anderer Mann die Tat gestanden. Daraufhin wurde der Fall neu aufgerollt. Heute geht es darum, ob die Staatsanwaltschaft den Angeklagten trotzdem weiter für schuldig hält oder nicht. Ein Urteil wird heute aber noch nicht erwartet.

http://www.radioessen.de/essen/lokalnach...d9c48fa83e.html

#13 RE: Presseberichte von wetterfrosch 21.01.2018 20:21

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Justizirrtum

Freispruch nach 30 Jahren in der Psychiatrie?

DORTMUND/ESSEN Im Fall eines der wohl größten Justizirrtümer der deutschen Rechtsgeschichte kann der Angeklagte Dirk K. nach mehr als 30 Jahren mit einem Freispruch rechnen.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung stellten am Mittwoch vor dem Dortmunder Schwurgericht einen entsprechenden Antrag. Das Urteil soll am 1. Februar gesprochen werden.

Im Jahr 1986 erschütterte der Mord an dem damals sieben Jahre alten Jungen Nara Michael die Stadt Essen. Kurz nach der Tat nahm die Polizei den psychisch auffälligen Dirk K. als Verdächtigen fest. Und dieser gestand dann auch, das Kind getötet zu haben.

Geständnis widerrufen

Dass der Beschuldigte dieses Geständnis später widerrief, hinderte das Essener Schwurgericht noch im selben Jahr nicht daran, Dirk K. auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie einzuweisen. Der damals noch junge Mann wurde wegen Schuldunfähigkeit zwar nicht wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter hielten ihn jedoch für so gefährlich, dass sie den unbefristeten Maßregelvollzug anordneten.

Dort war Dirk K. bis 1986 eingesperrt – fast 30 Jahre lang. Und das, obwohl Jahre nach der Tat auch ein anderer Mann den Mord an dem Jungen gestanden hatte. Erst als der Hamburger Rechtsanwalt Achim Lüdeke von der Geschichte erfuhr, nahm der Fall wieder Fahrt auf. Lüdeke beantragte ein Wiederaufnahmeverfahren. Und tatsächlich: Im Mai 2017 begann der neue Prozess am Dortmunder Schwurgericht. Dirk K. war zu diesem Zeitpunkt bereits vorsorglich wieder freigelassen worden.

Hauptangriffspunkt von Lüdeke war das rechtmedizinische Gutachten aus dem ersten Prozess. K. hatte in seinem später widerrufenen Geständnis angegeben, den Jungen in einen Wald gelockt zu haben. Als der Junge laut geschrien habe, habe er ihm den Mund zugehalten und schließlich den Hals zugedrückt. Tatsächlich kamen zwei Rechtsmediziner später zu dem Schluss: Tod durch Erwürgen. Blutige Verletzungen am Hals der Leiche führten sie auf Bisse durch wilde Waldtiere zurück.

Messerstiche statt Tierbisse

Ein weiterer Gutachter kam nun aber zu dem Ergebnis, dass es sich keineswegs um Tierbisse, sondern um Messerstiche handelt. Dieser Umstand ist besonders interessant, weil die Polizei seinerzeit in der Nähe des Tatorts wirklich ein Messer gefunden haben soll. Und: Zehn Jahre nach der Verurteilung von Dirk K. gestand ein weiterer Mann den Mord an Nara-Michael. Und der sagte aus: „Ich habe ein Messer verwendet.“ Für Achim Lüdeke stand damit fest, dass der andere Mann der wahre Mörder sein muss. „In seinem Geständnis steckt eindeutig Täterwissen.“

Dass der inzwischen 53-Jährige Dirk K. noch einmal eingesperrt wird, ist nicht zu erwarten. Nach den Anträgen aller Beteiligten wäre alles andere als ein Freispruch eine absolute Überraschung.

https://www.ruhrnachrichten.de/Nachricht...ie-1247135.html

#14 RE: Presseberichte von wetterfrosch 04.02.2018 19:19

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Mord
Essener nach 31 Jahren in der Psychiatrie freigesprochen

Stefan Wette
01.02.2018 - 17:41 Uhr

Dortmund/Essen. Das Landgericht Dortmund hat einen Essener nach über 30 Jahren in der Psychiatrie freigesprochen. Er saß für den Mord an einem Siebenjährigen.

Endgültige Freiheit für den Essener Dirk K. (53), der drei Jahrzehnte unschuldig in der geschlossenen Psychiatrie gesessen hat. Fast 33 Jahre nach dem Mord an einem Siebenjährigen in Essen-Stadtwald sprach das Landgericht Dortmund ihn am Donnerstag in einem Wiederaufnahmeverfahren frei.

Von einem Justizskandal wollte der Dortmunder Schwurgerichtsvorsitzende Ulf Pennig ausdrücklich nicht sprechen. Das Urteil des Essener Schwurgerichts im November 1986, das Dirk K. wegen Mordes in die Psychiatrie eingewiesen hatte, sei zwar aus heutiger Sicht falsch. Dennoch sei es nicht fehlerhaft. Pennig: „Juristen bewerten Beweismittel unterschiedlich, auch Richter machen Fehler – all das ist kein Skandal.“

Schuldunfähig wegen „mittelgradigen Schwachsinns“

Am 22. April 1985 war der sieben Jahre alte Nara-Michael vom Spielen nicht nach Hause gekommen. Kurze Zeit später wurde er ermordet und sexuell missbraucht in einem Wald gefunden. Dirk K. aus der Nachbarschaft geriet in Verdacht, auch weil er schon vorher sexuelle Kontakte zu Jungen gehabt haben soll.

Bei Vernehmungen gestand er, widerrief dies aber im eigentlichen Prozess. Dennoch sah das Essener Schwurgericht ihn als Mörder, wenn auch schuldunfähig wegen „mittelgradigen Schwachsinns“.

Zwölf Jahre nach der Tat gestand ein Junge aus der Nachbarschaft den Mord

1997 legte ein zur Tatzeit 15 Jahre alter Junge,auch aus der Nachbarschaft, bei seiner Psychotherapeutin ebenfalls ein Geständnis ab. Die Essener Staatsanwaltschaft stufte es als nicht glaubhaft ein, weil es nicht zum Tathergang passe. Dirk K. blieb in der geschlossenen Psychiatrie.

Erst 2013 entdeckte sein neuer Anwalt Achim Lüdeke das zweite Geständnis, erreichte so die Wiederaufnahme. Im Februar 2016 kam Dirk K. frei, lebt seitdem unter Betreuung im Ruhrgebiet.

Wer den Jungen getötet hat, bleibt ungeklärt

Seit Mai 2017 verhandelte das Dortmunder Schwurgericht, kam am Donnerstag zu einem Freispruch aus Mangel an Beweisen. Vieles lässt sich nach 30 Jahren nicht mehr rekonstruieren, auch gutachterliche Bewertungen haben sich geändert.

Wer Nara-Michael umgebracht hat, können die Dortmunder Richter nicht sagen. Denn auch der Mann mit dem zweiten Geständnis hatte dies widerrufen, auch für seine Schuld gibt es keine Beweise.

Dirk K. wird für seine Zeit in der Psychiatrie entschädigt

Dirk K. hatte in seinem vom Anwalt verlesenen letzten Wort betont, er habe den Jungen nicht getötet: „Der Mörder läuft frei herum.“

Vor der Verhandlung hatte er die Protokollführerin optimistisch am Ärmel gezupft: „Ich bin heute zum letzten Mal hier.“ Nachher gab er in die Kameras Interviews. Mittlerweile gilt er gutachterlich auch nicht mehr als mittel-, sondern nur noch als leichtgradig schwachsinnig.

Für die erlittene Zeit der Unfreiheit wird die Staatskasse ihn entschädigen. Der Dortmunder Gerichtssprecher Thomas Jungkamp schätzt die Summe auf mehrere hunderttausend Euro.

https://www.waz.de/staedte/essen/essener...d213293897.html

#15 RE: Presseberichte von wetterfrosch 04.02.2018 19:24

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Mord
Der Mord an Nara Michael (7) bleibt wohl unaufgeklärt

Dominika Sagan und Stefan Wette

01.02.2018 - 20:44 Uhr

Essen. Freispruch für Dirk K., der drei Jahrzehnte in der Psychiatrie saß, erinnert an eines der grausamsten?Verbrechen der Essener Kriminalgeschichte.

Der Mann, von dem viele glaubten, er habe Nara Michael ermordet, wurde am Donnerstag freigesprochen – nach über 31 Jahren in der geschlossenen Psychiatrie. Es war ein Fall, der die ganze Stadt erschütterte: Am 22. April 1985 ging ein siebenjähriger Junge von der elterlichen Wohnung in Stadtwald zum nah gelegenen Spielplatz. Er kehrte nie zurück. Nara Michael traf seinen Mörder, der ihn missbrauchte und erwürgte.

Mit einem Großaufgebot samt Hubschraubern suchte die Polizei damals das Gebiet um den Schellenberger Wald ab, nachdem die Eltern ihren Sohn gegen 20.15 Uhr als vermisst gemeldet hatten. Am Dienstagmorgen um 8.10 Uhr hatten sie die schreckliche Gewissheit: Die Beamten fanden Nara Michael 300 Meter von Zuhause entfernt, die Leiche des kleinen Jungen lag in einem Ilexgebüsch. „Es bot sich das Bild eines Sexualverbrechens“, erklärten Mordkommission und Staatsanwaltschaft. Das Kind war teilweise entkleidet, hatte Verletzungen am Hals.

Den Wald durchkämmten 60 Polizeibeamte dann weiter nach Spuren und Tatwaffe, berichtete diese Zeitung. Allein, es gab keine heiße Spur. Bis die Ermittler Hinweis Nr. 81 nachgingen, der sie zu einem Verdächtigen führte. Am 29. April 1985, während die Familie sich am Grab verabschiedete, nahm die Polizei seinen angeblichen Mörder fest: Dirk K., 21 Jahre alt, geistig behindert und aus der Nachbarschaft des Jungen.

An diesem Nachmittag schrie Nara Michael

Bei seiner Vernehmung erzählte dieser von seiner Begegnung mit Nara Michael auf dem Spielplatz: Der Junge stand allein vor der Rutsche. Dirk K. habe ihn angesprochen, doch der Siebenjährige lief weg. Der junge Mann eilte hinterher, holte Nara Michael ein, zerrte ihn ins Gebüsch. Laut Polizei soll der 21-Jährige sich bereits früher kleinen Jungen genähert und „bei günstiger Gelegenheit sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen haben“. Gewalttätig soll er bis dahin aber nie gewesen sein.

An diesem Nachmittag schrie Nara Michael. Da legte der 21-Jährige die Hände um den Hals des Kindes und würgte es, um nicht entdeckt zu werden, um ihn zum Schweigen zu bringen. So jedenfalls sagte Dirk K. es bei der Polizei aus, doch wiederholte er es vor Gericht nicht, stritt die Tat immer wieder ab. Am 11. November 1986 aber wurde er nach zwei Prozesstagen wegen Mordes verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen.

Zurück bleiben ein zu Unrecht verurteilter Mann

Elf Jahre später meldete sich ein Anwalt bei den Ermittlern. Für den Mord an Nara Michael habe sein Mandant, der damals in der Therapie war, ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft prüfte die Aussage, stufte sie jedoch als bedeutungslos ein. Sie passe nicht zu den objektiven Gegebenheiten, bestätigte noch vor zwei Jahren auf Nachfrage die Essener Staatsanwältin Birgit Jürgens, heute Leiterin der Kapitalabteilung.

Danach ruhte das Verfahren wieder – bis der Hamburger Anwalt Achim Lüdeke, spezialisiert auf Unterbringungsrecht, Kontakt zu dem in der Psychiatrie untergebrachten Dirk K. bekam. Er hörte von dem zweiten Geständnis, ließ sich die Akte kommen und bekam erhebliche Zweifel an der Täterschaft von Dirk K. Zweifel, die das Dortmunder Landgericht gestern bestätigte. Dirk K. ist endgültig frei, auch das zweite Geständnis führte zu keiner Verurteilung.

Zurück bleiben ein zu Unrecht verurteilter Mann, der drei Jahrzehnte eingesperrt war, ein brutaler Mörder, der vielleicht immer noch frei herumläuft. Und eine Tat, die wohl für immer ungesühnt bleibt.

https://www.waz.de/staedte/essen/der-mor...d213296915.html

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