#1 RE: Presseberichte von 19.12.2014 19:01

Ungeklärte Mordfälle
Der letzte Spaziergang

Im April 1998 wurde Karin Holtz-Kacer in einem Wald bei Kronberg erstochen. Der Pathologe stellte „massive Abwehrspuren beim Opfer“ fest, er zählte 25 Messerstiche und wies Spermaspuren nach. Der Mörder ist immer noch frei.
06.08.2006, von TOBIAS RÖSMANN

Das Holzkreuz hing lange dort. An jenem Baum, an den es Ulrich Demmer vor acht Jahren genagelt hatte. Unscheinbar war es und ziemlich verwittert. Es erinnerte Demmer, den Polizisten, an einen Tag im April 1998, an dem sich Schreckliches ereignete im Kronberger Stadtwald. Jetzt ist das Kreuz fort, der Baum steht noch da. Bis zum Tatort sind es höchstens zehn Meter.

Tobias Rösmann
Autor: Tobias Rösmann, Jahrgang 1977, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Vielleicht hat Karin Holtz-Kacer ihrem Mann noch „bis später“ zugerufen. Vielleicht ist sie einfach gegangen. Um 14 Uhr, soviel ist sicher, hat sie die Tür der Wohnung in Niederrad hinter sich zugezogen.

Karin Holtz-Kacer - 44 Jahre alt, blond, hübsch - wollte einen Spaziergang machen. Es ist Ostermontag, 13. April, ein klirrend kalter Tag. Die Lufthansa-Angestellte wird ihre grüne Barbourjacke fest geschlossen und den dunkelbraunen Hut tief ins Gesicht gezogen haben. Dann wird sie losmarschiert sein. Allein. Wie so oft.

Wenn Ulrich Demmer von seinem Schreibtisch aufblickt, sieht er es gleich. Das Plakat, mit dem die Polizeidirektion Hochtaunus in den Monaten nach der Tat auf Zeugen hoffte und nach Hinweisen suchte. Daneben hängt ein Foto. Es zeigt eine lächelnde Frau. Blond und hübsch. Demmer leitete damals die Sonderkommission. Der Mann mit den schwarz-grauen Haaren und dem Schnauzbart deutet auf die Pinnwand. Dann sagt er so leise, als wollte er niemanden stören: „Die Bilder sind immer da. Nichts ist abgeschlossen.“

Gegen 17 Uhr gellte ihr Schrei

Erst Monate nach der Tat wird die Polizei den Weg von Karin Holtz-Kacer rekonstruiert haben. Wird wissen, daß sie zuerst mit der U-Bahn nach Oberursel fuhr, an der Haltestelle „Hohemark“ ausstieg und anschließend über den Arbeiterweg zum Friedhof Falkenstein lief.

Das Wanderstück im Vordertaunus ist sonst recht belebt. An diesem Nachmittag ist das anders. Die Menschen hocken lieber auf dem Sofa, nahe am Ofen. Ein paar Spaziergänger werden Karin Holtz-Kacer trotzdem gesehen haben.

Vielleicht haben sie ihr „frohe Ostern“ gewünscht. In Raum 214 lagern 22 Ordner. Der Fall Holtz-Kacer, verwahrt in einem Büro der Polizei Bad Homburg. „Zeugenvernehmung“ steht auf einem der orangefarbenen Rücken, „Gutachten“ auf einem anderen. „Viele Spuren ziehen viele Spuren nach sich“, sagt Ulrich Demmer und fischt eine Akte aus dem Regal. Sie enthält Fotos. Vom Tatort. Vom Fundort. Von einer Feuerstelle.

Der Schrei muß gegen 17 Uhr durch den Fichtenforst gegellt sein. Da war es schon fast dunkel. Eine Frau will den Schrei gehört haben. Vielleicht 200 Meter vom Tatort entfernt stand sie in diesem Moment. In einer Kurve auf dem Schotterweg im Kronberger Stadtwald.

Nach dem Schrei war es still. „Ein spielendes Kind“, dachte die Frau. Sie konnte nicht wissen, was eben geschehen war. Sie konnte nicht ahnen, daß der Täter Karin Holtz-Kacer Sekunden zuvor angegriffen hatte, von hinten wohl, in der Hand ein Messer.

Die Polizei wird später am Wegesrand eine abgerissene Kapuze finden, blutgetränkt. Der Pathologe wird „massive Abwehrspuren beim Opfer“ feststellen, er wird 25 Messerstiche zählen und Spermaspuren nachweisen. Der Schrei, das weiß Ulrich Demmer heute, war das letzte Lebenszeichen von Karin Holtz-Kacer.

Wochenlang fand sie niemand. Wochenlang bangte ihr Mann, wochenlang hofften die Freunde. Dann meldeten sich zwei Wanderinnen. „Es war der 13. Mai 1998“, sagt Demmer. Diesen Sonntag vergißt er nicht. Der Hund der beiden Wanderinnen war in ein Waldstück gelaufen und hatte die Leiche aufgestöbert. Kaum bedeckt war sie von ein paar Fichtenzweigen. Demmer war im Kosovo und in Thailand, um Opfer zu identifizieren. Er sagt: „Drei Wochen sind eine lange Zeit.“

„Habe ich nicht doch etwas übersehen?“

Die Ermittlungen liefen an. Polizisten suchten die Wege ab, nahmen Speichelproben vom Ehemann, von den Angehörigen, von ein paar portugiesischen Bauarbeitern. Verglichen sie mit der Erbinformation aus dem Sperma. Nichts. Die Beamten machten Luftaufnahmen vom Waldstück, pinnten Pfeile in das Zelluloid, suchten Zeugen. Nichts. Sie fragten Waldarbeiter, Jogger, Spaziergänger. Nichts. Sie klapperten die psychiatrischen Kliniken ab. Wer saß, wer hatte Freigang?

„Das war kein Normalbürger, der irgendwann in den Wald gegangen ist“, sagt Demmer. „Die Tat selbst ist ein Zeugnis von etwas.“

Dann entdeckten die Polizisten die Feuerstelle. Etwa 30 Meter entfernt vom Fundort des toten Körpers. Auf der Asche: die zerstörte Brille des Opfers. „Nach der Tat handelte der Täter rational“, sagt Demmer.

Spurensucher klaubten einen Computerchip aus den Resten, vom Feuer unversehrt. Neue Hoffnung.

Die Recherchen dauerten Monate. Vereinigte Staaten, Glasgow, Stuttgart. Dann wußte Demmer: Der Chip stammte aus der Kreditkarte des Opfers. Die Hoffnung war dahin. Schließlich kamen die Medien. RTL, Sat.1, die Tageszeitungen. Sie berichteten von mehr als 1500 Spuren, präsentierten ein Phantombild, das einen 40 bis 50 Jahre alten Mann zeigte. Unreine Gesichtshaut mit Pockennarben sollte er haben. Sieht so der Mörder aus? Demmer glaubte es damals nicht, er glaubt es auch heute nicht. Die Medien konnten nicht helfen und verloren das Interesse. Der Fall stockte. Die Tür zu Raum 214 wurde verschlossen.

Manchmal, wenn die Fragen kommen, denkt Ulrich Demmer: „Habe ich an alles gedacht? Habe ich nicht doch etwas übersehen?“ Wahrscheinlich ist das nicht - und dennoch. Demmer will sichergehen.

Mit den Kollegen und den Spezialisten vom Bundeskriminalamt wälzt er den Fall noch einmal hin und her. Bespricht jeden Messerstich, diskutiert über jeden Schnipsel Alupapier. Schließlich ist er sicher: Es gibt nichts mehr zu entdecken.

Aber Karin Holtz-Kacer ist tot. Und der Mörder ist frei. Irgendwann, denkt Ulrich, wird das anders sein. Manchmal dauert es 20 Jahre, bis ein Täter wiederauftaucht.

Die Kriminaltechnik hat Fortschritte gemacht, die DNS-Spuren häufen sich, es gibt ein neues Register. Irgendwann, glaubt Ulrich, wird er einen Anruf bekommen. Dann wird er aufstehen und zur Pinnwand gehen. Und das Foto von Karin Holtz-Kacer abnehmen.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/fr...ng-1354545.html

#2 RE: Presseberichte von 19.12.2014 19:09

Spurensuche - Der ungelösten Mord an Karin Holtz-Kacer

Der Ostermontag 1998 ist kalt und grau. Nur wenige Menschen gehen an diesem Tag im Taunus spazieren. Eine von ihnen ist die Lufthansa-Angestellte Karin Holtz-Kacer. Die 44-Jährige ist alleine im Wald zwischen Kronberg und Falkenstein unterwegs, als sie von hinten angegriffen und erstochen wird.

http://www.hr-online.de/website/fernsehe...cument_51160291

#3 RE: Presseberichte von Christine 25.05.2017 10:16

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Der Mörder wurde nie gefasst
13.04.2013

VON BORIS SCHÖPPNER

25 Mal stach der Täter am 13. April 1998 auf die Spaziergängerin ein und vergewaltigte sie. Die Leiche wurde erst Wochen später im Unterholz entdeckt.

Kronberg.
„Nicht schon wieder“, wird sich der Polizist gedacht haben, als ihn die Anfrage der TZ erreichte. Der Beamte war Leiter der Sonderkommission, die den Mord an Karin Holtz-Kacer aufklären sollte. Die 44 Jahre alte Lufthansa-Angestellte aus Frankfurt-Niederrad wurde am Ostermontag vor 15 Jahren, also am 13. April 1998, im Kronberger Stadtwald mit 25 Messerstichen getötet und vergewaltigt. Die Frau war gegen 14 Uhr mit der U-Bahn zur Hohemark gefahren und von dort aus zum Falkensteiner Friedhof gelaufen. Auf dem Rückweg auf dem Arbeiterweg begegnete sie gegen 17 Uhr ihrem Mörder.

Für die Polizei war es wochenlang ein Vermisstenfall, bis am 3. Mai zwei Frauen die Leiche entdeckten. Ihr Hund hatte den nahezu unbekleideten Körper zwischen Arbeiterweg und Jagdhüttenweg unter Fichtenzweigen gefunden.

„Die Verletzungen an der Leiche deuten auf einen Kampf hin, bei dem der Täter mehrfach auf sein Opfer einstach“, hieß es in der Fall-Rekonstruktion, mit der sich die Polizei vor der Fernsehsendung „Fahndungsakte“ an die Öffentlichkeit wandte.

In der Nähe des Leichenfundorts entdeckte die Polizei eine Feuerstelle, an der der Täter offenbar Gegenstände verbrannt hatte, die dem Opfer gehörten. Dass der Täter mithilfe eines Feuers seine Spuren verwischt hatte, bot der Polizei einen Ansatz, nach Zeugen zu suchen. Die Ermittler hofften, dass jemandem der Rauch und die Flammen aufgefallen sein könnten. „Wer hat einen Mann beobachtet, der dieses Feuer entfacht haben könnte?“, fragte die Polizei. Und: „Wer erinnert sich, an diesem Ostermontag im Raum Frankfurt einen Mann gesehen zu haben, der auffällig verschmutzte Kleidung trug und deutlich nach Rauch roch?“

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt setzte eine Belohnung in Höhe von 10 000 Mark für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen. Nach Zeugenaussagen wurden Phantombilder von zwei Männern angefertigt, die zur fraglichen Zeit in der Nähe des Tatorts gesehen worden waren. Mehr als 1500 Hinweise gingen bei der Polizei ein, insbesondere nach Fernsehsendungen und aufgrund von Berichten in der Tagespresse.

Doch obwohl am Tatort DNA-Spuren des mutmaßlichen Täters gesichert werden konnten, brachten Serienüberprüfungen und der routinemäßige Abgleich mit der Datenbank keinen Treffer.

Hoffen auf den Zufall

Auch 15 Jahre nach der Tat gilt: „Es gibt keine heiße Spur.“ Das sagt Siegfried Schlott, Sprecher der Polizeidirektion Hochtaunus, und das bestätigt Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Da das DNA-Material des mutmaßlichen Täters vorliegt, hofft die Polizei noch immer auf einen Zufallstreffer. Das ist nicht mehr als eine vage Hoffnung und ein schwacher Trost - und das erklärt vielleicht, warum ein Polizeibeamter nicht noch einmal all das durchkauen möchte, mit dem er sich wieder und wieder befasst hat - ohne in der Sache voranzukommen und den Mörder von Karin Holtz-Kacer zu fassen.


http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hoc...t;art690,234733

#4 RE: Presseberichte von Helios 13.04.2018 08:41

Vor 20 Jahren
Mord im Kronberger Stadtwald ist bis heute ungeklärt
13.04.2018
VON HEINZ HABERMEHL

Mord verjährt nie. Deshalb ist das bisher nicht aufgeklärte schwere Verbrechen, das sich vor genau 20 Jahren im Kronberger Stadtwald ereignete, für die Bad Homburger Kriminalisten nicht abgehakt. Die umfangreichen Ermittlungsakten sind jederzeit griffbereit, falls sich ein neuer Hinweis ergeben sollte. Laut Mitteilung aus der zuständigen Pressestelle liegen aber zurzeit keine aktuellen Erkenntnisse vor.

Hochtaunus.
Am Ostermontag, dem 13. April 1998, war es für die Kripo des Hochtaunuskreises nur ein „Vermisstenfall“, nachdem die damals 44 Jahre alte Lufthansa-Angestellte Karin Holtz-Kacer aus Niederrad von einer Taunus-Wandertour nicht nach Hause zurückgekehrt war. Ihr Ehemann hatte darüber die Polizei informiert. Doch mit jedem weiteren Tag, an dem es kein Lebenszeichen von der blonden Frau gab, mehrten sich die Befürchtungen, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Diese Ängste sollten sich am 3. Mai 1998 auf grausame Weise bestätigen. An diesem Tag fanden zwei Wanderinnen, oder genauer gesagt ihr mitgeführter Hund, den Leichnam der Frau unter verdeckenden Fichtenzweigen. Die Vermisstensache wurde Mordfall.

25 Messerstiche
Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Uli Demmer wurde bei der Polizeidirektion Bad Homburg eine Sonderkommission zur Aufklärung des Verbrechens gebildet. Mit Vehemenz und Akribie versuchten Demmer und seine Kollegen, Licht in das Dunkel der Tat zu bringen. Diesen Ermittlungen zufolge war das spätere Mordopfer an dem Tattag gegen 14 Uhr von ihrem Wohnsitz in Niederrad allein mit der U-Bahn nach Oberursel zur Haltestelle Hohemark gefahren. Danach wählte die Frau eine Wanderroute durch den Wald in Richtung des Friedhofs Falkenstein. Es war ein kalter Nachmittag, an dem ihr sicherlich nicht allzu viele Leute begegnet sein dürften. Bei ihrer einige Kilometer langen Tour war die 44-Jährige dann offenbar zufällig in das Blickfeld ihres Mörder geraten. Sie war damals schicksalhaft zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der mit einem Messer bewaffnete Täter fiel über sein Opfer her. Er vergewaltigte die Frau und brachte sie grausam um. Aus dem vom Rechtsmediziner erstellten Bericht ist zu erfahren, dass der Täter ihr 25 Messerstiche zugefügt hatte. Obwohl das Opfer sich laut Gutachter bei der Tat heftig gewehrt hatte, war es gegen den bewaffneten und physisch überlegenen Täter machtlos. Das Drama könnte sich gegen 17 Uhr ereignet haben. Denn eine vom Tatort etwa 200 Meter entfernte Zeugin hatte zu dieser Zeit den lauten Schrei einer Frau gehört, ohne diesen Vorfall damals richtig einordnen zu können.


Das grausame Verbrechen hatte danach bei Presse, Funk und Fernsehen viel Anteilnahme ausgelöst. Zudem hatte die Staatsanwaltschaft für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen sollten, eine Belohnung von 10 000 D-Mark ausgesetzt. In der Folgezeit mussten von der Kripo etwa 1500 Spuren und Hinweise abgeklärt werden. Mehr als 20 prall gefüllte Ordner mit Ermittlungsberichten, Zeugenvernehmungen, Gutachten, Bildern und sonstigen Unterlagen füllten nach und nach bei Soko-Leiter Demmer die Schrankregale.

Aufgrund der gesicherten DNA-Spuren an der Leiche und am Tatort wurden bei den Ermittlungen von Verwandten, Bekannten und sonstigen möglichen Kontaktpersonen Vergleichspuren entnommen. Zudem wurde gemäß Zeugenaussagen ein Phantombild des mutmaßlichen Täters erstellt. Darauf war ein Mann von 40 bis 50 Jahren dargestellt, der eine unreine Haut und ein pockennarbiges Gesicht hatte. Die monatelangen Ermittlungen führten unter anderem nach Stuttgart sowie nach Glasgow und in die Vereinigten Staaten. Doch ein Ermittlungserfolg verblieb versagt.

Ein Funken Hoffnung
Auch ein Computerchip, der nahe dem Tatort von den Beamten sichergestellt wurde, brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach aufwendigen Recherchen stellte sich heraus, dass dieser nicht dem Täter, sondern dem Mordopfer zuzuordnen war. Trotz der unzähligen über Wochen und Monate angehäuften Arbeitsstunden blieb den Ermittlern bis zur Soko-Auflösung der Erfolg versagt – der Täter konnte bis heute nicht überführt werden.

Für Uli Demmer, der vor knapp drei Jahren in den Ruhestand ging, bleibt der Fall in bedrückender Erinnerung, wie in dem vor wenigen Tagen mit ihm geführten Gespräch deutlich wurde. „Der Täter konnte nicht ermittelt werden, er könnte weitere Straftaten begangen haben oder begehen“, sagt Demmer besorgt. Dennoch hat der Kriminalist im Ruhestand noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn die von „seiner Soko“ gesicherten Spuren und sonstige Hinweise könnten doch irgendwann noch eine positive Wende in die Mordsache bringen und den Täter einer gerechten Strafe zuführen. Denn wie erwähnt: Mord verjährt nie!

http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hoc...rt48711,2959366

#5 RE: Presseberichte von Helios 16.05.2019 10:27

Vor 20 Jahren
Mord im Kronberger Stadtwald ist bis heute ungeklärt

vonHeinz Habermehl

Mord verjährt nie. Deshalb ist das bisher nicht aufgeklärte schwere Verbrechen, das sich vor genau 20 Jahren im Kronberger Stadtwald ereignete, für die Bad Homburger Kriminalisten nicht abgehakt. Die umfangreichen Ermittlungsakten sind jederzeit griffbereit, falls sich ein neuer Hinweis ergeben sollte.

Kronberg - Am Ostermontag, dem 13. April 1998, war es für die Kripo des Hochtaunuskreises nur ein „Vermisstenfall“, nachdem die damals 44 Jahre alte Lufthansa-Angestellte Karin Holtz-Kacer aus Niederrad von einer Taunus-Wandertour nicht nach Hause zurückgekehrt war. Ihr Ehemann hatte darüber die Polizei informiert. Doch mit jedem weiteren Tag, an dem es kein Lebenszeichen von der blonden Frau gab, mehrten sich die Befürchtungen, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Diese Ängste sollten sich am 3. Mai 1998 auf grausame Weise bestätigen. An diesem Tag fanden zwei Wanderinnen, oder genauer gesagt ihr mitgeführter Hund, den Leichnam der Frau unter verdeckenden Fichtenzweigen.
Vermisstensache wird zum Mordfall

Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Uli Demmer wurde bei der Polizeidirektion Bad Homburg eine Sonderkommission zur Aufklärung des Verbrechens gebildet. Mit Vehemenz und Akribie versuchten Demmer und seine Kollegen, Licht in das Dunkel der Tat zu bringen. Diesen Ermittlungen zufolge war das spätere Mordopfer an dem Tattag gegen 14 Uhr von ihrem Wohnsitz in Niederrad allein mit der U-Bahn nach Oberursel zur Haltestelle Hohemark gefahren. Danach wählte die Frau eine Wanderroute durch den Wald in Richtung des Friedhofs Falkenstein. Es war ein kalter Nachmittag, an dem ihr sicherlich nicht allzu viele Leute begegnet sein dürften. Bei ihrer einige Kilometer langen Tour war die 44-Jährige dann offenbar zufällig in das Blickfeld ihres Mörder geraten. Sie war damals schicksalhaft zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der mit einem Messer bewaffnete Täter fiel über sein Opfer her. Er vergewaltigte die Frau und brachte sie grausam um. Aus dem vom Rechtsmediziner erstellten Bericht ist zu erfahren, dass der Täter ihr 25 Messerstiche zugefügt hatte. Obwohl das Opfer sich laut Gutachter bei der Tat heftig gewehrt hatte, war es gegen den bewaffneten und physisch überlegenen Täter machtlos. Das Drama könnte sich gegen 17 Uhr ereignet haben. Denn eine vom Tatort etwa 200 Meter entfernte Zeugin hatte zu dieser Zeit den lauten Schrei einer Frau gehört, ohne diesen Vorfall damals richtig einordnen zu können.
Hohe Belohnung für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen

Das grausame Verbrechen hatte danach bei Presse, Funk und Fernsehen viel Anteilnahme ausgelöst. Zudem hatte die Staatsanwaltschaft für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen sollten, eine Belohnung von 10.000 D-Mark ausgesetzt. In der Folgezeit mussten von der Kripo etwa 1500 Spuren und Hinweise abgeklärt werden. Mehr als 20 prall gefüllte Ordner mit Ermittlungsberichten, Zeugenvernehmungen, Gutachten, Bildern und sonstigen Unterlagen füllten nach und nach bei Soko-Leiter Demmer die Schrankregale.

Aufgrund der gesicherten DNA-Spuren an der Leiche und am Tatort wurden bei den Ermittlungen von Verwandten, Bekannten und sonstigen möglichen Kontaktpersonen Vergleichspuren entnommen. Zudem wurde gemäß Zeugenaussagen ein Phantombild des mutmaßlichen Täters erstellt. Darauf war ein Mann von 40 bis 50 Jahren dargestellt, der eine unreine Haut und ein pockennarbiges Gesicht hatte. Die monatelangen Ermittlungen führten unter anderem nach Stuttgart sowie nach Glasgow und in die Vereinigten Staaten. Doch ein Ermittlungserfolg verblieb versagt.
Computerchip bringt nicht den erhofften Erfolg – trotzdem ein Funken Hoffnung

Auch ein Computerchip, der nahe dem Tatort von den Beamten sichergestellt wurde, brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach aufwendigen Recherchen stellte sich heraus, dass dieser nicht dem Täter, sondern dem Mordopfer zuzuordnen war. Trotz der unzähligen über Wochen und Monate angehäuften Arbeitsstunden blieb den Ermittlern bis zur Soko-Auflösung der Erfolg versagt – der Täter konnte bis heute nicht überführt werden.

Für Uli Demmer, der vor knapp drei Jahren in den Ruhestand ging, bleibt der Fall in bedrückender Erinnerung, wie in dem vor wenigen Tagen mit ihm geführten Gespräch deutlich wurde. „Der Täter konnte nicht ermittelt werden, er könnte weitere Straftaten begangen haben oder begehen“, sagt Demmer besorgt. Dennoch hat der Kriminalist im Ruhestand noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn die von „seiner Soko“ gesicherten Spuren und sonstige Hinweise könnten doch irgendwann noch eine positive Wende in die Mordsache bringen und den Täter einer gerechten Strafe zuführen. Denn wie erwähnt: Mord verjährt nie!

https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/kr...t-10397872.html

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