#1 RE: Presseberichte von 16.08.2014 11:41

Frankfurt

In der Nacht zum 15. August geschah in Frankfurt einzigartiges Verbrechen Sechs Tote, alle mit mit Elektrokabeln erdrosselt. In der Nacht zum 15. August verloren vor 20 Jahren vier Prostituierte und zwei Sexclub-Betreiber im noblen Frankfurter Westend ihr Leben. Der Mörder dieser in Deutschland einzigartigen Bluttat sitzt noch immer im Gefängnis.

Einziger Zeuge des Sechsfachmords in einem Frankfurter Bordell war ein schwarzer Pudel-Mischling. Vier Prostituierte sowie das Betreiberpaar des Privatclubs sind in der Nacht zum 15. August vor 20 Jahren in dem Sex-Club im noblen Westend mit Elektrokabeln erdrosselt worden – eine der größten Bluttaten am Main seit Kriegsende. »So einen spektakulären Mordfall hatten wir im Rotlichtmilieu nur mit der (Rosemarie) Nitribitt«, sagt der frühere Polizeisprecher Peter Borchardt. Die Prostituierte war 1957 ermordet in ihrer Wohnung gefunden worden – der Täter wurde nie überführt.
Ein Freier informierte die Polizei am 15. August 1994 kurz vor Mittag am Telefon über eine Leiche in dem Bordell im Kettenhofweg. Der Mann hatte mit zwei Prostituierten vor verschlossener Tür gestanden und die Schwiegermutter des Bordellbetreibers herbeigerufen, auf deren Name das Etablissement lief, in dem vorwiegend gut situierte Stammgäste anzutreffen waren. Die Polizisten finden in dem mehrstöckigen Gründerzeit-Haus kurz darauf noch fünf andere Leichen. Alle liegen auf dem Gesicht, einige Frauen sind unbekleidet, einige geknebelt.

»Es war gespenstisch am Tatort«, erinnert sich Borchardt. Die Leichen waren überall im Gebäude verteilt. »Einige lagen zugedeckt im Bett, es sah aus, als ob sie schliefen.« Die Nachricht von dem rätselhaften Sechsfachmord verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Über Organisierte Kriminalität, ein Killerkommando und die Russen-Mafia wird spekuliert. »Wobei Russen-Mafia damals nicht definiert war«, sagt Borchardt. Die ermordeten Prostituierten waren jedoch Russinnen, und die Strangulation mit Elektrokabeln wurde als »osteuropäische Handschrift« gesehen.

Von einer 24 Jährigen, die auch in dem Bordell gearbeitet hatte, fehlt zunächst jede Spur. Wenige Tage nach den Morden wird sie zusammen mit ihrem Mann (26) in einem Wohnheim für Spätaussiedler in Rettenbach im Allgäu festgenommen. Eine Spezialeinheit der Polizei überrascht das Paar aus Moldawien im Schlaf und nimmt es widerstandslos fest. Die Polizei hatte sich bei einer Observation des Frankfurter Bordells die Autonummer aufgeschrieben.

Die Verdächtigen hatten bei ihrer Festnahme Tatwerkzeug und Teile der Beute bei sich, darunter die goldene Armbanduhr des Bordellbetreibers und rund 20 000 Mark (etwa 10 000 Euro). »Die Spekulationen hatten sich nicht bewahrheitet. Es war eine reine Habgier-Geschichte«, sagt Borchardt.

In einem der größten Mordprozesse der Bundesrepublik verurteilte das Frankfurter Landgericht knapp zwei Jahre später den Mann zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Der ehemalige Koch, Soldat und Leibwächter sitzt noch immer im Gefängnis. Seine Frau, die ihren Mann für den Diebstahl eingelassen mit den Morden aber nichts zu tun hatte, erhielt wegen schweren Raubes sechs Jahre Haft. Ihre Strafe hat sie längst abgesessen, sich scheiden lassen und ein neues Leben aufgebaut, wie ihr damaliger Anwalt sagt.

Gestanden hatte der Verurteilte nicht. Seine Version, vier russische Mafiosi hätten wegen finanzieller Differenzen mit dem Bordellbetreiber die Prostituierten entführen wollen, hielt die Kammer für »geradezu abenteuerlich«. »Wenn die Mädchen rausgeholt werden sollten, ist es völlig unverständlich, warum sie getötet wurden«, sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Baltzer bei der Urteilsverkündung. Zur »Legende vom Verbrechen der Russenmafia« habe neben der Schilderung des Angeklagten auch die allgemeine Vorstellung beigetragen, ein Mensch könne nicht innerhalb weniger Stunden sechs Menschen erdrosseln, erinnert er sich.

In dem sechs Monate währenden Verfahren wurden mehr als 50 Zeugen vernommen und zehn Sachverständige gehört, wie Baltzer berichtet. »Die gesamte Palette der Kriminaltechnik wurde vorgeführt, die damals noch in der Endphase der Entwicklung war«, sagt Anwalt Jochen Bremer. Dabei fanden sich an allen Leichen Fasern, die mit denen einer Maske des Angeklagten übereinstimmten. An seiner Kleidung entdeckten die Experten Blutspuren einer Ermordeten und an einer Leiche Blutspuren des Täters. Der Mann trug zudem Habseligkeiten der Opfer sowie einen Schlüssel bei sich, der zu einer der abgeschlossenen Zimmertüren passte, hinter denen eine Ermordete lag.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das erst wenige Monate vor der Tat nach Deutschland übergesiedelte Paar wegen seiner finanziellen Notlage zunächst einen schweren Raub bei den Bordellbesitzern geplant hatte. Bei der Tat sei der Mann gestört worden – und so aus dem Raub ein sechsfacher Mord geworden.

Ira Schaible, dpa

http://www.main-netz.de/nachrichten/aktu...rt81887,3179326

#2 RE: Presseberichte von Christine 29.08.2016 14:21

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14. AUGUST 2014

ROTLICHTMILIEU
Sechs Leichen im Bordell

Vier Prostituierte und das Betreiber-Ehepaar werden in einem Bordell im Frankfurter Westend erdrosselt. Der Sechsfachmord im Rotlichtmilieu geschah vor 20 Jahren. Der Täter, der nur wenige Tage nach den Morden festgenommen wird, sitzt immer noch in Haft. Sein Motiv: Habgier.

Einziger Zeuge des Sechsfachmords in einem Frankfurter Bordell war ein schwarzer Pudel-Mischling. Vier Prostituierte sowie das Betreiberpaar des Privatclubs sind in der Nacht zum 15. August vor 20 Jahren in dem Sex-Club im noblen Westend mit Elektrokabeln erdrosselt worden - eine der größten Bluttaten am Main seit Kriegsende. "So einen spektakulären Mordfall hatten wir im Rotlichtmilieu nur mit der (Rosemarie) Nitribitt", sagt der frühere Polizeisprecher Peter Borchardt. Die Prostituierte war 1957 ermordet in ihrer Wohnung gefunden worden - der Täter wurde nie überführt.

Ein Freier informierte die Polizei am 15. August 1994 kurz vor Mittag am Telefon über eine Leiche in dem Bordell im Kettenhofweg. Der Mann hatte mit zwei Prostituierten vor verschlossener Tür gestanden und die Schwiegermutter des Bordellbetreibers herbeigerufen, auf deren Name das Etablissement lief, in dem vorwiegend gut situierte Stammgäste anzutreffen waren. Die Polizisten finden in dem mehrstöckigen Gründerzeit-Haus kurz darauf noch fünf andere Leichen. Alle liegen auf dem Gesicht, einige Frauen sind unbekleidet, einige geknebelt.

"Es war gespenstisch am Tatort", erinnert sich Borchardt. Die Leichen waren überall im Gebäude verteilt. "Einige lagen zugedeckt im Bett, es sah aus, als ob sie schliefen." Die Nachricht von dem rätselhaften Sechsfachmord verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Über Organisierte Kriminalität, ein Killerkommando und die Russen-Mafia wird spekuliert. "Wobei Russen-Mafia damals nicht definiert war", sagt Borchardt. Die ermordeten Prostituierten waren jedoch Russinnen, und die Strangulation mit Elektrokabeln wurde als "osteuropäische Handschrift" gesehen.

Besondere Schwere der Schuld
Von einer 24 Jährigen, die auch in dem Bordell gearbeitet hatte, fehlt zunächst jede Spur. Wenige Tage nach den Morden wird sie zusammen mit ihrem Mann (26) in einem Wohnheim für Spätaussiedler in Rettenbach im Allgäu festgenommen. Eine Spezialeinheit der Polizei überrascht das Paar aus Moldawien im Schlaf und nimmt es widerstandslos fest. Die Polizei hatte sich bei einer Observation des Frankfurter Bordells die Autonummer aufgeschrieben.

Die Verdächtigen hatten bei ihrer Festnahme Tatwerkzeug und Teile der Beute bei sich, darunter die goldene Armbanduhr des Bordellbetreibers und rund 20.000 Mark (etwa 10.000 Euro). "Die Spekulationen hatten sich nicht bewahrheitet. Es war eine reine Habgier-Geschichte", sagt Borchardt.

Der Täter 1996 vor Gericht.
Der Täter 1996 vor Gericht.
Foto: Oliver Berg/dpa
In einem der größten Mordprozesse der Bundesrepublik verurteilte das Frankfurter Landgericht knapp zwei Jahre später den Mann zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Der ehemalige Koch, Soldat und Leibwächter sitzt noch immer im Gefängnis. Seine Frau, die ihren Mann für den Diebstahl eingelassen, mit den Morden aber nichts zu tun hatte, erhielt wegen schweren Raubes sechs Jahre Haft. Ihre Strafe hat sie längst abgesessen, sich scheiden lassen und ein neues Leben aufgebaut, wie ihr damaliger Anwalt sagt.

Gestanden hatte der Verurteilte nicht. Seine Version, vier russische Mafiosi hätten wegen finanzieller Differenzen mit dem Bordellbetreiber die Prostituierten entführen wollen, hielt die Kammer für "geradezu abenteuerlich". "Wenn die Mädchen rausgeholt werden sollten, ist es völlig unverständlich, warum sie getötet wurden", sagte der Vorsitzende Richter Ulrich Baltzer bei der Urteilsverkündung. Zur "Legende vom Verbrechen der Russenmafia" habe neben der Schilderung des Angeklagten auch die allgemeine Vorstellung beigetragen, ein Mensch könne nicht innerhalb weniger Stunden sechs Menschen erdrosseln, erinnert er sich.

Blutspuren an der Kleidung
In dem sechs Monate währenden Verfahren wurden mehr als 50 Zeugen vernommen und zehn Sachverständige gehört, wie Baltzer berichtet. "Die gesamte Palette der Kriminaltechnik wurde vorgeführt, die damals noch in der Endphase der Entwicklung war", sagt Anwalt Jochen Bremer.

Dabei fanden sich an allen Leichen Fasern, die mit denen einer Maske des Angeklagten übereinstimmten. An seiner Kleidung entdeckten die Experten Blutspuren einer Ermordeten und an einer Leiche Blutspuren des Täters. Der Mann trug zudem Habseligkeiten der Opfer sowie einen Schlüssel bei sich, der zu einer der abgeschlossenen Zimmertüren passte, hinter denen eine Ermordete lag.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das erst wenige Monate vor der Tat nach Deutschland übergesiedelte Paar wegen seiner finanziellen Notlage zunächst einen schweren Raub bei den Bordellbesitzern geplant hatte. Bei der Tat sei der Mann gestört worden - und so aus dem Raub ein sechsfacher Mord geworden. (dpa)

http://www.fr-online.de/kriminalitaet/ro...6,28120114.html

#3 RE: Presseberichte von Christine 29.08.2016 14:26

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Edelbordell am Frankfurter Kettenhofweg

Verbrechen in stilvollem Ambiente

Vor 20 Jahren wurden auf grauenvolle Weise im Frankfurter Edelbordell am Kettenhofweg sechs Menschen ermordet. Es gab wilde Spekulationen über die „Russenmafia“. Getötet hatte ein Mann, systematisch.

16.08.2014, von THOMAS KIRN

Der brutalste Mord der Frankfurter Kriminalgeschichte geschah vor 20 Jahren an einem Sonntag hinter denkmalgeschützter Fassade im vornehm stillen Westend. Im Haus Kettenhofweg 124 a nahmen am 15. August 1994, dem Montag danach, Dutzende von Kriminalbeamten und Kriminaltechnikern in reinweißen Spezialanzügen das Gebäude vom Keller bis unters neobarocke Dach unter die Lupe. Polizeipräsident Karlheinz Gemmer, Oberstaatsanwalt Peter Köhler und Gerichtsmediziner Hans Jürgen Bratzke äußerten sich übereinstimmend. So etwas Entsetzliches hätten sie in ihrer langjährigen Berufstätigkeit noch nicht gesehen.

Sechs Menschen waren erdrosselt worden, die Leichen lagen mit im Todeskampf grotesk angeschwollenen Köpfen im Souterrain, im Parterre und in einem der oberen Stockwerke. Angst und Qualen der Opfer seien allenfalls zu erahnen, hieß es im Urteil des Frankfurter Landgerichts, das im Juli 1996 den damals 29 Jahre alten Moldauer Eugen Berwald wegen Raubmordes in sechs Fällen zur lebenslange Freiheitsstrafe verurteilte. Als Alleintäter. Seine vier Jahre jüngere Ehefrau Sofia wurde als Mittäterin an schwerem Raub zu sechs Jahren verurteilt.

350 Mark für eine Stunde
Der Tatort, ein stilles feines Haus als Teil einer prächtigen Doppelanlage, war ein Bordell. Es gehörte dem ungarischen Geschäftsmann Gabor Bartos, der 55 Jahre alt war, als er ermordet wurde, und seiner 47 Jahre alten deutschen Ehefrau Ingrid. Sie war Eigentümerin eines bekannten Frankfurter Schreibwarengeschäfts und durchaus bereit, auf Anfrage den Standardpreis von 350 Mark für eine Stunde mit einem der Bordellmädchen als beim Finanzamt vorlegbare Ausgabenquittung für Stifte und Papierwaren zu fertigen. Die vier anderen Opfer waren die 25 Jahre alte Marina E., die 18 Jahre alte Veronika S., die 28 Jahre alte Jelena S. und die 27 Jahre alte Olga L., sie alle stammten aus der ehemaligen Sowjetunion.

Nach den Kenntnissen der Polizei und den späteren Ergebnissen der Beweisaufnahme vor Gericht war der Bordellbetrieb ein diskret geführtes Unternehmen. Sorgfältig gefilterte Kunden aus Wirtschaft und Politik, aus Behörden und Justiz, wie schadenfroh geflüstert wurde, kamen und gingen. Schwere Limousinen wurden nicht direkt vorm Haus, sondern etwas entfernt geparkt. In der Nachbarschaft gab es kein Rätselraten, was es mit dem Haus auf sich hatte, aber niemand nahm Anstoß, weil alles geräuschlos vonstattenging. In den Geschäften der Gegend mochte man die Mädchen, sie waren freundlich, höflich und umwerfend schön.

Tat erst keinem Einzelnen zugetraut
Der Umgangston im Haus, wo die Kundschaft im Souterrain die Herzensdame und für die oben gebotene Leistung ein schwarzes, ein goldenes, ein pinkfarbenes oder das Balkonzimmer wählen konnte, glich dem von guten Hotels und Restaurants, höflich, entspannt, beratend, kundenfreundlich. Es konnte zuweilen sogar familiäre Wohlfühlatmosphäre herrschen im Puff. Einer der Stammkunden („ich kannte alle Mädchen“) erinnerte sich als Zeuge vor Gericht, wie er „danach“ zu einer Geburtstagsfeier mit selbstgekochten Rouladen und einem Gläschen eingeladen worden war. Nur Herren der sogenannten besseren Gesellschaft fanden Einlass, auf Empfehlung von anderen besseren Herren. Wobei natürlich Geld respektive die Lust, es zu verjubeln, über das „besser“ entschied. Die Morde wurden im Übrigen entdeckt, als ein stadtbekannter Manager montags früh mit einem fünften Bartos-Mädchen, das er für eine Wochenendreise bezahlt hatte und nun brav zurückbringen wollte, vergeblich an der Haustür klingelte, hinter der nurmehr Tote waren. Als der Mann als Zeuge vor Gericht aussagte, wollte es der Zufall, dass just eine Boulevardzeitung über ihn schrieb, seine Hobbys seien seine Familie und sein Garten. Und mit der Nonchalance des über jeden Zweifel erhabenen Gentleman antwortete ein anderer Bordellbesucher am Ende seiner Vernehmung auf die Frage, wie er den Zeugeneid leisten wolle: „Mit Gott, ich bin katholisch.“

Die Tat, sechs Morde und der Raub von mehr als 20.000 Mark und einigem Schmuck, erschien zunächst derart schwierig zu realisieren, dass sie keinem Einzeltäter zugetraut wurde. Jedoch haben Ermittlungsbehörden und Justiz am Ende nicht den Hauch eines Beweises dafür gefunden, was in den ersten Tagen und Wochen nach dem spektakulären Serienmord landauf, landab vermutet wurde: klassische Tat der „Russenmafia“, bedenkenlos, eiskalt, geradezu militärisch knapp und präzise ins Werk gesetzt.

Das Rätsel um Sofia Berwald
Das Haus am Kettenhofweg war seit Jahren ein Bordell, ein offenbar äußerst erfolgreicher Betrieb. Zu erfolgreich? Beneidet von der Konkurrenz? Bartos flog seine in Ländern des gerade untergegangenen Ostblocks rekrutierten Prostituierten in seinem Privatflugzeug zum Bedarfsflugplatz Egelsbach. Er war dort gern gesehen, hatte eine Piper Arrow dort stationiert und war oft in Begleitung „netter, sexy angezogener junger Frauen“, wie zu vernehmen war. In Budapest stand eine zweite Maschine, eine Cessna 401, zur Verfügung des Lustluftkutschers Bartos.

ei Entdeckung der Morde schien zunächst klar, irgendwie hatte Bartos es wohl übertrieben und war Mächtigen ins Gehege geraten. Aus dem Bundeskriminalamt sickerten schaurig-süffige Geschichten von der „Handschrift“ skrupelloser Russenbanden, die dutzendfach zwischen „Kempten und Kiel“ aktiv seien. Von angeblichen Tauschgeschäften mit West-Limousinen gegen Ost-Mädels war zu lesen. „Der Iwan ist da“, hieß es.

Die revisionsfeste Wahrheit, die nach 30 Prozesstagen mit 50 Zeugen und zehn Sachverständigen festgestellt wurde, ist einerseits überzeugend einfach, enthält aber doch mindestens ein Rätsel. Sofia Berwald, die als Prostituierte im Kettenhofweg tätig war, fertigte ihrem Ehemann Eugen Skizzen vom Haus mit den verschiedenen Betriebsräumen, von der Wohnung Bartos und dem Souterrain. Geplant war wohl, Geld und Wertgegenstände aus dem Haus zu stehlen. Der Täter fesselte und knebelte Ingrid Bartos und die Russinnen, um freie Bahn für seinen Raubzug zu haben, wurde aber von Gabor Bartos überrascht, der den Hund ausgeführt hatte. Er tötete ihn und anschließend alle anderen möglichen Zeugen.

Eines blieb jedoch ungeklärt
Da die zeitweise Tätigkeit Sofia Berwalds als Prostituierte im Kettenhofweg ebenso bekannt war wie ihr Aufenthalt in einem Heim für Spätaussiedler im Allgäu zur Tatzeit, wurde das Ehepaar bald festgenommen. Wegen des noch akuten Mafia-Verdachts traten 70 Mann eines Sondereinsatzkommandos an. Eugen hatte die goldene Armbanduhr, die er Bartos geraubt hatte, am Handgelenk, zudem besaß er Kabel, die er für die Morde als Drosselwerkzeug benutzt hatte. Zahlreiche weitere kriminaltechnische Untersuchungen überführten Berwald als Alleintäter.

Die Schwurgerichtskammer bezeichnete seine Prozesserklärung, in der er die These von der Russenmafia aufgegriffen und ausgeschmückt hatte, als in sich unglaubwürdig und ohne jeden Zweifel widerlegt.

Nicht geklärt ist allerdings, welche psychische Konstitution es diesem Täter ermöglicht hat, sechs Menschenleben eigenhändig und in einem mit Sicherheit jedesmal qualvollen Akt des Tötens auszulöschen. Der seinerzeit mit Berwald befasste Gerichtspsychiater schien von dessen angeblich faszinierendem Interesse für klassische russische Literatur derart angetan, dass er Zweifel an der Alleintäterschaft eines solchen Feingeistes anmeldete, sie allerdings nicht begründete. Das Urteil ist auf die Expertise nicht eingegangen, hat Spur um Spur untersucht und ist zu dem Ergebnis gelangt: Der Angeklagte war der Täter, nur er und nur er allein.


http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/ed...3096937-p2.html

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