#1 RE: Presseberichte von 13.01.2015 09:15

12.02.02



Mord an zehnjährigem Mädchen - War es ein Serienkiller? Im thüringischen Jena geht die Angst um. Polizei rollt nach Leichenfund alte Fälle auf. Bislang keine heiße Spur

Von Jörg Völkerling
Die Hoffnung währte diesmal nur kurz: Eine Nacht lang glaubten die Eltern der zehnjährigen Desiree Majonek aus Jena, dass ihre Tochter sich nur verlaufen habe oder bei Freunden untergekommen sei. Doch schon am Sonntagmittag kam die schreckliche Nachricht: Desiree ist tot, vermutlich erwürgt - ob sie auch sexuell missbraucht wurde, ist nach einer ersten Untersuchung des Leichnams noch nicht gewiss.

Mit 16 Mann arbeitet eine Sonderkommission der Jenaer Kripo seit Sonntagnacht an der Aufklärung des Falls. Von großem Interesse dürften für die Ermittler dabei auch zwei länger zurückliegende Fälle sein, die Parallelen zum Fall Desiree offenbaren. Denn nicht zum ersten Mal sind in der thüringischen Universitätsstadt Kinder verschwunden und später ermordet aufgefunden worden: 1993 verschwindet der neunjährige Bernd Beckmann auf dem Weg von seinen Eltern zur Großmutter in der Plattenbausiedlung Lobeda. Zwölf Tage später werden seine sterblichen Überreste am Saale-Ufer entdeckt. Drei Jahre danach, im August 1996, fehlt von der zehnjährigen Ramona Kraus jede Spur - sie stammt aus Winzerla, demselben Ortsteil von Jena, in dem auch Desiree lebte. Erst im Januar 1997 kann Ramonas Leichnam geborgen werden: aus einem Waldstück in Großburschla bei Eisenach.

Der oder die Täter sind in beiden Fällen noch immer nicht gefasst. "Wir sind bei den Ermittlungen keinen Schritt weitergekommen", bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Riebel der WELT. Für die Auswertung von DNA-Spuren war 1993 die Technik noch nicht ausgereift genug; und auch die Spur zum belgischen Kinderschänder Marc Dutroux erkaltete 1997 - nachdem die tote Ramona gefunden wurde - recht bald. Jetzt geht in Jena die Angst um: Treibt ein Serienmörder sein Unwesen in der Saale-Stadt?

Die Beamten stehen vor einem Rätsel: Im Gegensatz zu den beiden ersten Fällen gibt es bei Desiree keine Gegenstände, anhand derer man den Weg ihrer letzten Stunden rekonstruieren könnte. Sie wollte inline-skaten - die Schuhe dafür trug sie an den Füßen, als sie am Sonntag gegen zwölf Uhr von einer Spaziergängerin zwischen zwei Bahndämmen nahe einer Kleingartenanlage gefunden wurde. Auch sonst fehlt nichts von dem, was sie am Samstagnachmittag beim Verlassen ihrer Wohnung in der Ringwiese trug: ein dunkelblaues Kapuzensweatshirt, dunkelgrüne Hose. Bei Bernd Beckmann hoffte die Polizei vor neun Jahren noch, ein erst später aufgefundener Schlüsselbund könnte Hinweise auf den Täter geben. Und im Fall Ramona wurde monatelang nach ihrem Schulranzen gefahndet, der sich schließlich in der Nähe der Leiche befand. Noch immer klammern sich die Ermittler an ein Boot, das aus der Nähe des Fundortes von Bernd Beckmann verschwand - und an einen schwarzen Westerwälder BMW 850 CI, der in den Tagen vor Ramonas Verschwinden auffällig langsam fahrend in Winzerla beobachtet wurde.

Wieder steht eine ganze Stadt unter Schock, wieder müssen Mitschüler psychologisch betreut werden. Am Ernst-Abbe-Gymnasium herrschte gestern Ausnahmezustand. Das Mitgefühl aller gilt den Eltern - Bauunternehmer, wie die Eltern von Ramona Kraus.

http://www.welt.de/print-welt/article373...rienkiller.html

#2 RE: Presseberichte von 15.08.2016 08:33

Mord in Jena: Täter läuft nach 20 Jahren noch immer frei herum
15.08.2016 - 02:00 Uhr

Vor 20 Jahren, am 15. August 1996, verschwindet in Jena die zehnjährige Ramona Kraus. Fünf Monate später werden ihre sterblichen Überreste bei Großburschla gefunden. Vom Mörder fehlt jede Spur.


In einem Wald bei Großburschla fand im Januar 1997 ein Jäger den Schulranzen der im August 1996 in Jena verschwundenen Ramona Kraus. Wenig später entdeckten Polizeibeamte die sterblichen Überreste des zehnjährigen Mädchens. Der Mörder läuft bis heute frei herum. Foto: Heiko Kleinschmidt

Jena. Jetzt wäre sie 30, wäre. Denn Ramona Kraus, das zehnjährige Mädchen, verschwand heute vor 20 Jahren, am 15. August 1996. Erst Monate später wurden ihre Überreste in einem Wald in der Nähe von Großburschla bei Eisenach gefunden. Und bis heute ist ihr Mörder nicht gefasst, auch wenn die Polizei in Abständen wieder und wieder den Fall bearbeitet.

Erinnern wir uns: Am 15. August 1996 war Ramona das letzte Mal in der Schule, sie besuchte die Klasse 4b der damaligen 14. Grundschule. Nach der Schule ging das Mädchen gemeinsam mit Freundinnen zum Columbus-Center in Jena-Winzerla. Ramona blieb nicht lange, sie verabschiedete sich von ihrer Freundin mit den Worten: "Ich muss um 1 zu Hause sein." Und ging.

Es war in der Familie vereinbart, dass sie unmittelbar nach der Schule nach Hause kommt und sich dann gleich telefonisch bei der Mutter meldet. Von der Freundin wurde sie noch gesehen, wie sie die Freitreppe am Columbus-Center hinaufrannte, das war 12.50 Uhr. Sie hatte einen geblümten Rock mit passender Weste an, trug den bunten Schulranzen auf dem Rücken und den blauen Turnbeutel in der Hand.

1,5 Kilometer Heimweg – sie kam aber nie an
Ramona wohnt in Jena-Ammerbach. Ramonas Heimweg führt entweder an der Straße entlang oder über den so genannten Hahnengrundweg, 1,5 Kilometer durch Gärten und Wiesen. Aber sie kommt nicht an. Gegen 18 Uhr alarmieren ihre Eltern die Polizei.

Die Fahndung der Polizei läuft sofort an. In den nächsten Stunden durchkämmen rund 250 Polizisten mit Hunden den Wald und das gesamte Gelände um Winzerla und Ammerbach. Hubschrauber sind eingesetzt. Den ganzen nächsten Tag suchen die Beamten nach dem Mädchen. Schließlich wird das Einsatzgebiet zwischen Ringwiese und Saale erweitert.

Fahndungsplakate sollen nun helfen. Von dem Bild und der Personenbeschreibung der kleinen Ramona erhoffen sich die Polizisten Zeugenaussagen. Die Kriminalpolizeiinspektionen in Jena und Weimar werden de facto aufgelöst, 80 Prozent aller Kriminalbeamten arbeiten am Fall Ramona Kraus. Rund 100 konkrete Ermittlungsrichtungen ergeben sich in den nächsten Tagen.

Am 20. August will ein Zeuge Ramona an der Autobahn bei Quirla gesehen haben, ein anderer Zeuge gibt einen Hinweis auf die kleine Gemeinde Nennsdorf. Bis zum 22. August werden allein 2500 Personen befragt, doch am Ende stehen die Polizisten immer wieder mit leeren Händen da – keine Spur führt zu Ramona.

Am 25. August wird der Fall bei "Kripo live" im Mitteldeutschen Rundfunk vorgestellt, wieder gehen Hinweise ein, die aber auch nicht weiterführen. Am 26. August suchen Taucher die Saale ab. Aber immer wieder führen die Ermittlungen zurück zum Ausgangspunkt Columbus-Center, wo die kleine Ammerbacherin zuletzt gesehen worden war.

Dringend bittet die Polizei über die Medien um Hinweise von Zeugen, die an dem fraglichen Tag zwischen 13 und 15 Uhr Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Hahnengrundweges gesehen haben. In die Ermittlungen ist inzwischen auch Interpol eingeschaltet. Denn nach den kurz zuvor in Belgien aufgedeckten Fällen von Kindesmissbrauch drängt sich ein Zusammenhang geradezu auf. Eine Spur führt auch nach Tschechien, weil durch die Ermittlungen in Belgien auch ein Kinderprostitutions-Ring in Prag aufgeflogen ist, vom Prager Ring gab’s Spuren nach Bayern und Thüringen. Und schließlich verfolgen die Polizisten auch eine Spur nach Chomutov.

Am 1. September berichtet "Kripo live" erneut. Daraufhin kommen Hinweise auf gefundene Schulranzen, Turnschuhe, manche wollen Ramona gar in einem Pkw gesehen haben. Am gleichen Tag ist wieder Großeinsatz am Columbus-Center. Die Polizei durchsucht jeden Winkel – nichts, aber die Suche geht weiter.

Das Landeskriminalamt setzt eine Belohnung von 5000 Mark aus für Hinweise, die zum Auffinden des Mädchens führen. Am 9. September durchsucht die Polizei Kanalschächte in Winzerla und ein nicht mehr bewohntes Grundstück oberhalb Winzerlas. Auch leere Wohnungen und Baracken im Osten der Stadt werden überprüft. Vierzehn Tage später beginnt die erneute Suche in Winzerla und Ammerbach. Die Polizei teilt am 15. Oktober mit, dass sie etwa 5000 Personen befragt habe und 189 Spuren bearbeitet. Ramona aber bleibt spurlos verschwunden.

Eine neue Richtung der Ermittlung ergibt sich, als sich im Herbst ein Busfahrer meldet, der regelmäßig in Winzerla unterwegs ist. Er gibt an, bereits mehrfach einen dunklen BMW 850 Ci in einer Parkbox an der 14. Grundschule gesehen zu haben. Nun läuft auch die Suche nach dem dunklen BMW an. Die Polizei ermittelt, dass der Pkw vor dem 15. August auf einem Parkplatz am Kölner Flughafen gestohlen worden war. Die Spur kann bis nach Kiew verfolgt werden, dort verliert sie sich. Ob das Auto mit dem Verschwinden von Ramona Kraus zusammenhängt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Fünf Monate intensiver Arbeit liegen hinter den Jenaer Kriminalbeamten, als am 13. Januar 1997, kurz vor Mitternacht, die Nachricht eingeht, dass die Schultasche Ramonas in einem Waldstück bei Großburschla, unweit des Berges Heldrastein, gefunden wurde. Einem Jäger war die Tasche aufgefallen, in ihr Schulbücher und Hefte. Nur der Name Ramona Kraus auf den Heften sagte ihm nichts. Erst am Abend in der Kneipe, als die Männer von einem verschwundenen Mädchen aus Jena sprechen, erinnert er sich. Und einer der Männer ruft bei der Polizei an.

Warum ausgerechnet Großburschla?
Noch in dieser Nacht fährt die Jenaer Polizei mit einem Großaufgebot nach Großburschla und sperrt das Waldstück weiträumig ab. Am nächsten Morgen beginnt die Suche. Ja, Ranzen und Turnbeutel sind zweifelsfrei die Sachen von Ramona. Zentimeter für Zentimeter suchen die Beamten den Wald ab - und finden die sterblichen Überreste des Kindes. Nun steht die Frage: Wie ist Ramona dorthin gekommen, mehr als 100 Kilometer weg von Jena? Neue Fragen sind nun von der Polizei zu beantworten: Gibt es Leute in dem 1360-Seelen-Dorf Großburschla mit Beziehungen zu Jena? Denn warum Großburschla? Die Polizei findet auch Beziehungen zwischen Großburschla und Jena, mehrere. Jede dieser Personen wird nun überprüft. Doch nichts, keiner kommt als Täter in Frage.

Eine weitere Schiene ist die kriminaltechnische Seite. Kann die Wissenschaft mit Hilfe der Fundstücke Anhaltspunkte liefern? Das Problem: Viele der Fundstücke sind so klein oder so empfindlich wegen des langen Liegens im Wald, dass nur eine einzige Untersuchung möglich ist. Wenn’s nichts bringt, sind sie unwiederbringlich verloren. Einen zweiten Versuch gibt es nicht.

Und die Polizei arbeitet weiter, Steinchen für Steinchen – denn Mord verjährt nicht.

Barbara Glasser / 15.08.16 / OTZ

http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/d...3313#xtor=RSS-3

#3 RE: Presseberichte von Christine 23.08.2016 11:36

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#4 RE: Presseberichte von Christine 28.08.2016 13:48

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Wieder Mädchen-Leiche gefunden

Ermittler vermuten Zusammenhang mit Fall Kim - Noch keine heiße Spur

Jena/Varel/Amsterdam (dpa) - Wenige Tage nach dem Mord an der zehnjährigen Kim hat die Polizei in Thüringen die Leiche der seit August 1996 verschwundenen gleichaltrigen Ramona aus Jena (Foto) gefunden. Der schreckliche Verdacht der Ermittler: Zwischen beiden Fällen besteht ein Zusammenhang.

Im Mordfall Ramona fahnden die Ermittler jetzt ebenfalls nach einem dunkelfarbigen BMW, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Jena am Mittwoch. Bei der europaweiten Suche nach Kims Peiniger konnte die Polizei trotz zahlreicher neuer Hinweise bis zum Nachmittag den schwarz-metallic lackierten BMW 850csi mit dem Kennzeichen WW-ES 66 nicht aufspüren. In dem Auto wird der Entführer und Mörder der Viertkläßlerin aus dem niedersächsischen Varel vermutet.

Ramona ist nach ersten Ermittlungen der Behörden einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Suchtrupps entdeckten am Dienstag unter Eis und Schnee verborgene, stark verweste Leichenteile in einem Wald in Thüringen nahe der hessischen Grenze bei Eisenach. Den Hinweis gab ein Jäger: Er hatte Ramonas Schulranzen bereits am 2. Januar bei Treffurt 25 Kilometer von Eisenach gefunden. Erst nach Medienberichten über vermißte Kinder erinnerte er sich jetzt, daß das Namensschild an dem Ranzen auf den Namen Ramona lautete. Er informierte die Polizei.

Im August 1995 zum letzten Mal gesehen

Das Mädchen war im August des Vorjahres in einem Einkaufscenter in Jena zum letzten Mal lebend gesehen worden. Wochenlange Suchaktionen verliefen erfolglos. Der BMW, nach dem die Polizei jetzt fahndet, wurde im August in der Nähe von Ramonas Schule und Wohnort gesehen. Entsprechende Hinweise seien am Dienstag und Mittwoch im Zusammenhang mit dem Fall Kim eingegangen.
Unterdessen hielten die Polizei Hinweise auf den BMW im Fall Kim in Atem. Das Mädchen aus Varel war am Donnerstag vergangener Woche nahe ihrem Elternhaus entführt und ihre Leiche einen Tag später bei Amsterdam gefunden worden.

Im hessischen Vordertaunus nordwestlich von Frankfurt lief am Nachmittag eine Großfahndung, nachdem mehrere Zeugen unabhängig von einander den Wagen gesehen haben wollten. Ein angeblicher Entführungsversuch, über den zwei siebenjährige Mädchen in Oberursel berichtet hatten, entpuppte sich nach Angaben der Polizei am Nachmittag als ein "dummer Scherz" von älteren Mitschülern der Mädchen. Am Nachmittag sah ein Lkw-Fahrer nach eigenen Angaben den BMW mit dem Westerwälder Kennzeichen auf der A45 Gießen-Hanau.

Großfahndung blieb erfolglos

In der Nacht zuvor hatte ein Portier geglaubt, den mit Phantom- Bild gesuchten Mörder erkannt zu haben, der in einem dunklen BMW davongefahren sei. Am Morgen wollten Zeugen den gesuchten Wagen dann auf der Autobahn A64 zwischen Trier und Luxemburg und am Vormittag auf der A81 in Baden-Württemberg an der Grenze zu Bayern gesehen haben. Eine Großfahndung blieb aber erfolglos.
Auch die niederländische Polizei erhielt nach drei Fernseh- Sondersendungen rund 150 Telefonanrufe zum Fall Kim. Ein Polizeisprecher wies darauf hin, daß es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Kinderprostitution in den Niederlanden gebe. Das Motiv des Mörders bleibt weiter im dunkeln. Mediziner stellten fest, daß das Kind erstickt, aber nicht sexuell mißbraucht wurde.

Unterdesssen drückten Mitschüler, Eltern und Lehrer der Grundschule von Kim in einem Brief ihre Trauer aus: "Warum mußte sie sterben? Warum? Könnte sie doch wieder zurückommen! In uns ist soviel Traurigkeit, Angst und Wut." Der Deutsche Kinderschutzbund forderte nach einem Bericht der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" den Einsatz verdeckter Ermittler bei der Verfolgung von organisiertem Kindesmißbrauch. Archivfoto: dpa


http://archiv.rhein-zeitung.de/on/97/01/...ews/ramona.html

#5 RE: Presseberichte von 16.10.2016 16:16

Ermordete Kinder von Jena: Auf dem Schulweg verschwunden
15.10.2016 - 20:48 Uhr
In den 1990er-Jahren verschwanden in der Region Jena drei Kinder. Ihre Leichen wurden gefunden, die Täter nie ermittelt. Jetzt hoffen die Ermittler auf neue Erkenntnisse.


Jetzt wäre sie 30, wäre. Denn Ramona K., das zehnjährige Mädchen, verschwand vor 20 Jahren, am 15. August 1996. Erst Monate später wurden ihre Überreste in einem Wald in der Nähe von Großburschla bei Eisenach gefunden. Und bis heute ist ihr Mörder nicht gefasst, auch wenn die Polizei in Abständen wieder und wieder den Fall bearbeitet.

Erinnern wir uns: Am 15. August 1996 war Ramona das letzte Mal in der Schule, sie besuchte die Klasse 4b der damaligen 14. Grundschule. Nach der Schule ging das Mädchen gemeinsam mit Freundinnen zum Columbus-Center in Jena-Winzerla. Ramona blieb nicht lange, sie verabschiedete sich von ihrer Freundin mit den Worten: "Ich muss um eins zu Hause sein." Und ging.

Es war in der Familie vereinbart, dass sie unmittelbar nach der Schule nach Hause kommt und sich dann gleich telefonisch bei der Mutter meldet. Von der Freundin wurde sie noch gesehen, wie sie die Freitreppe am Columbus-Center hinaufrannte, das war um 12.50 Uhr. Sie hatte einen geblümten Rock mit passender Weste an, trug den bunten Schulranzen auf dem Rücken und den blauen Turnbeutel in der Hand.

1,5 Kilometer Heimweg – sie kam aber nie an.

Ramona wohnte in Jena-Ammerbach. Ihr Heimweg führte entweder an der Straße entlang oder über einen Weg durch Gärten und Wiesen. Gegen 18 Uhr alarmierten ihre Eltern die Polizei.
Die Fahndung der Polizei läuft sofort an. In den nächsten Stunden durchkämmen rund 250 Polizisten mit Hunden den Wald und das gesamte Gelände um Winzerla und Ammerbach. Hubschrauber sind eingesetzt. Den ganzen nächsten Tag suchen die Beamten nach dem Mädchen.
Fahndungsplakate sollen nun helfen. Von dem Bild und der Personenbeschreibung der kleinen Ramona erhoffen sich die Polizisten Zeugenaussagen. Die Kriminalpolizeiinspektionen in Jena und Weimar werden de facto aufgelöst, 80 Prozent aller Kriminalisten arbeiten am Fall Ramona K. Rund 100 konkrete Ermittlungsrichtungen ergeben sich in den nächsten Tagen.

Am 25. August jenes Jahres wird der Fall bei "Kripo live" im MDR-Fernsehen vorgestellt, wieder gehen Hinweise ein, die aber auch nicht weiterführen. Am 26. August suchen Taucher die Saale ab – erfolglos.

Dringend bittet die Polizei über die Medien um Hinweise von Zeugen, die an dem fraglichen Tag zwischen 13 und 15 Uhr Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Hahnengrundweges gesehen haben. In die Ermittlungen ist inzwischen auch Interpol eingeschaltet. Denn nach den kurz zuvor in Belgien aufgedeckten Fällen von Kindesmissbrauch drängt sich ein Zusammenhang geradezu auf.

Eine Spur führt auch nach Tschechien, weil durch die Ermittlungen in Belgien auch ein
Kinderprostitutions-Ring in Prag aufgeflogen ist, vom Prager Ring gab’s Spuren nach Bayern und Thüringen. Und schließlich verfolgen die Polizisten auch eine Spur nach Chomutov.

Das Landeskriminalamt setzt eine Belohnung von 5000 Mark aus für Hinweise, die zum Auffinden des Mädchens führen. Die Polizei teilt am 15. Oktober mit, dass sie etwa 5000 Personen befragt habe und 189 Spuren bearbeitet. Ramona aber bleibt spurlos verschwunden.

Eine neue Richtung der Ermittlung ergibt sich, als sich im Herbst ein Busfahrer meldet, der regelmäßig in Winzerla unterwegs ist. Er gibt an, bereits mehrfach einen dunklen BMW 850 Ci in einer Parkbox an der 14. Grundschule gesehen zu haben. Nun läuft auch die Suche nach dem dunklen BMW an. Die Polizei ermittelt, dass der Pkw vor dem 15. August auf einem Parkplatz am Flughafen Köln/Bonngestohlen worden war. Die Spur kann bis nach Kiew verfolgt werden, dort verliert sie sich. Ob das Auto mit dem Verschwinden von Ramona zusammenhängt, ist bis heute unklar.

Fünf Monate intensiver Arbeit liegen hinter den Jenaer Kriminalbeamten, als am 13. Januar 1997, kurz vor Mitternacht, die Nachricht eingeht, dass die Schultasche Ramonas in einem Waldstück bei Großburschla, unweit des Berges Heldrastein, gefunden wurde. Einem Jäger war die Tasche aufgefallen, in ihr Schulbücher und Hefte.

Nur der Name Ramona Kraus auf den Heften sagte ihm nichts. Erst am Abend in der Kneipe, als die Männer von einem verschwundenen Mädchen aus Jena sprechen, erinnert er sich. Und einer der Männer ruft bei der Polizei an.

Die intensive Suche der Polizei erklärt sich auch daraus, dass Ramona K. nach der Wende bereits das dritte verschwundene und später tot aufgefundene Kind aus der Region Jena war. Im August 1991 wurde die zehnjährige Stephanie D. aus Weimar tot unter der Teufelstalbrücke der Autobahn A?4 in der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes gefunden.

Im Juli 1993 wird der neunjährige Bernd B. aus Jena-Lobeda als vermisst gemeldet. Einige Tage später finden ihn spielende Kinder tot am Saaleufer. Unweit davon entdecken Ermittler ein Boot. Diese Spur führt zu Enrico T., einem damaligen Kumpel von Uwe Böhnhardt. Die Polizei führt T. als Hauptverdächtigen, kann ihm aber die Tat nicht nachweisen. Trotz einer Belohnung von 10.000 Mark lässt sich das Verbrechen nicht aufklären.

http://jena.tlz.de/web/jena/startseite/d...9386#xtor=RSS-3

#6 RE: Presseberichte von wetterfrosch 17.09.2018 12:31

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Landespolizeiinspektion Jena

LPI-J: Soko Altfälle: Durchbruch im Fall Ramona Kraus

17.09.2018 – 12:21

Jena (ots) - Am Sonntag, dem 16.09.2018 führte die Soko "Altfälle" der LPI Jena einen umfangreichen Polizeieinsatz im Ermittlungsverfahren wegen Mordes an der 10-jährigen Ramona Kraus durch.

Ramona wurde seit dem 15.08.1996 in Jena vermisst. Ihre sterblichen Überreste fand man am 13.01.1997 in einem Waldgebiet bei Eisenach.

Dieses bei der Soko "Altfälle" geführte Verfahren richtet sich gegen einen 56-jährigen mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraften Mann, der gegenwärtig eine Freiheitsstrafe wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und sexuellem Missbrauch im offenen Vollzug in Thüringen verbüßt.

Er wurde während eines genehmigten Ausganges durch Polizeikräfte in Erfurt vorläufig festgenommen und daraufhin intensiv vernommen. Insgesamt vier Durchsuchungsbeschlüsse, die das Amtsgericht Gera auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gera erließ, wurden gestern realisiert. Diese richteten sich auch gegen andere Personen bei denen die Ermittlungsbehörden Beweismittel im vorliegenden Verfahren vermuteten. Nach Abschluss der Durchsuchungen und Vernehmungen wurde er in den geschlossenen Vollzug einer Thüringer Haftanstalt überstellt.

Im Ergebnis der gestrigen Maßnahmen bleibt der Tatverdacht gegen den Beschuldigten bestehen. Die Auswertung der Vielzahl von sichergestellten Gegenständen und Datenträgern wird längere Zeit in Anspruch nehmen.

Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt, können zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine weiteren Auskünfte erteilt werden.

Rückfragen bitte an:

Thüringer Polizei
Landespolizeiinspektion Jena
Pressestelle
Telefon: 03641 811503
E-Mail: pressestelle.lpi.jena@polizei.thueringen.de
http://www.thueringen.de/th3/polizei/index.aspx

Original-Content von: Landespolizeiinspektion Jena, übermittelt durch news aktuell

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/4063287

#7 RE: Presseberichte von 17.09.2018 21:12

Ich habe jetzt nirgends hier gelesen, dass Kleidungsstücke fehlten, aber die Bild schreibt es:

Zitat
Von einigen Kleidungsstücken fehlt bis heute jede Spur.
https://www.bild.de/regional/leipzig/lei...02426.bild.html



Näheres ist nicht zu erfahren.

#8 RE: Presseberichte von wetterfrosch 17.09.2018 21:38

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Durchbruch nach 22 Jahren: Mann nach Mord an 10-jähriger Ramona Kraus aus Jena festgenommen

Die Soko Altfälle in Jena steht kurz vor der Aufklärung eines zweiten jahrzehntealten Kindermordes. Am Sonntag wurde ein 56-jähriger, mehrfach vorbestrafter Sexualstraftäter, in Erfurt festgenommen und in geschlossenen Vollzug gebracht.

17. September 2018 / 16:37 Uhr

Jena / Erfurt. Der Mann verbüßt gerade das Ende einer Freiheitsstrafe wegen Drogenvergehen und sexuellen Missbrauchs, allerdings im offenen Vollzug eines Thüringer Gefängnisses.

Parallel zur Festnahme gab es vier Durchsuchungen, sagte am Montag eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion Jena. Diese richteten sich auch gegen weitere Personen bei denen die Ermittlungsbehörden Beweismittel vermuteten. Zu Details und Ergebnissen der Durchsuchungen wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen.

Der Verdächtige befand sich am Sonntag während seiner Festnahme Polizeikräfte in Erfurt in einem genehmigten Ausgang.

Ramona K. 1996 in Jena verschwunden

Die zehnjährige Ramona K. war im August 1996 im Jenaer Stadtteil Winzerla auf dem Weg von der Schule nach Hause verschwunden. Trotz intensiver Fahndung und Suche durch die Polizei, fehlte von der Schülerin sechs Monate lang jede Spur. Erst im Januar 1997 entdeckte ein Jäger ihren Schulranzen und dann die sterblichen Überreste in einem unzugänglichen Waldgebiet bei Großburschla, nördlich von Eisenach.

Wie das Mädchen dorthin gekommen ist? Länger als 20 Jahre konnten die Kriminalisten keine Antwort geben. Ramona K. wäre inzwischen 32 Jahre alt. In ihrem Fall zeichnete sich trotz intensiver Bemühungen 22 Jahre lang kein Ermittlungserfolg ab. Jetzt steht die Soko „Altfälle“ vor einem Durchbruch. Der 56-jährige verurteilte Sexualstraftäter gilt als dringend tatverdächtig.

Zweiter Ermittlungserfolg der Soko „Altfälle“ möglich

Noch fehlt aber der letzte Nachweis für seine Schuld. Deshalb reagieren Polizei und Staatsanwalt derzeit zurückhaltend. Sollte es gelingen, auch anhand der bei den Dursuchungen sichergestellten Gegenstände, ihm das Verbrechen an dem zehnjährigen Mädchen nachzuweisen, wäre das innerhalb eines Jahres bereits der zweite Ermittlungserfolg der Soko „Altfälle“.

Denn bereits im März dieses Jahres konnte die Soko den 26 Jahre alten Mord an Stephanie D. aufklären. Das ebenfalls zehnjährige Mädchen ist im August 1991 im Park an der Ilm in Weimar verschwunden, nachdem es mit einem Fremden mitgegangen war. Tage später fanden Kinder ihre Leiche unter der Teufelstalbrücke an der Autobahn A4 in der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes. Ihr Mörder soll das misshandelte Kind von der Brücke in den Abgrund geworfen haben.

Die Soko konnte einen 64-jährigen Beschuldigten ermitteln, der in Berlin lebt und damals als Kraftfahrer gearbeitet hatte. Er wurde im März dieses Jahres festgenommen und soll geständig sein.

Dritter Mordfall wird weiter untersucht

Parallel dazu ermittelt die Soko auch noch im Fall Bernd B. Der neunjährige Junge war vor 25 Jahren in Jena tot in der Nähe des Saaleufers aufgefunden worden. Auch nach seinem Verschwinden fahndete die Polizei im Juli 1993 mehrerer Tage erfolglos nach ihm.

Im Juli dieses Jahres hat die Polizei in Jena etwa 300 Personen zu einem DNA-Test vorgeladen. Die Ermittler wollen herausfinden, wer 1993 einen in den Akten vorhandenen Brief geschrieben und abgeschickt hat, der Hinweise zu dem Fall enthalten soll. Ob die DNA-Reihenuntersuchung erfolgreich war, dazu hüllen sich die Kriminalisten bisher in Schweigen.

Wie im Fall Stephanie D. soll der mögliche Durchbruch beim Mord an Ramona K. auch durch ein nochmaliges gründliches Aktenstudium erfolgt sein.

Die Soko „Altfälle“ war im Oktober 2016 auf Anregung des damaligen Innenministers, Holger Poppenhäger (SPD), bei der Landespolizeiinspektion Jena eingesetzt worden. Ermittler hatten damals am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy K. auch DNA des 2011 verstorbenen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt sichergestellt. Spaziergänger machten den grausigen Fund in einem Waldstück bei Rodacherbrunn im Saale-Orla-Kreis, in der Nähe zur Grenze nach Bayern gemacht.

Bayerische Ermittler versuchen bis heute den Mord an der neunjährigen Schülerin aufzuklären, die 2001 auf dem Schulweg verschwunden ist. Die DNA-Spur von Böhnhardt erwies sich als Trugspur, die erst während der Tatortsicherung 2016 dorthin gelangt sein kann. Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Bayreuth, die Tatortgruppe des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA) hätte unsauber gearbeitet, konnten auch durch ein Gutachten nicht belegt gestützt werden.

https://erfurt.thueringer-allgemeine.de/...s-aus-218880948

#9 RE: Presseberichte von wetterfrosch 20.12.2018 23:30

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Landespolizeiinspektion Jena

LPI-J: Soko Altfälle: Gericht erlässt Haftbefehl wegen Vergewaltigungen

20.12.2018 – 14:13

Jena/Erfurt (ots) - Im Rahmen der Ermittlungen der Soko "Altfälle" erging am gestrigen Mittwoch erneut Haftbefehl gegen einen 56-jährigen Beschuldigten wegen mehrerer schwerer Vergewaltigungen. Die Opfer, drei Frauen, von denen eine zur Tatzeit erst knapp 16 Jahre alt war, stammten aus dem Umfeld des Beschuldigten. Er hatte sie mit bisher unbekannten Substanzen betäubt und danach massive sexuelle Handlungen an den wehrlosen Frauen vorgenommen, die er in Videos festhielt. Die Taten, die bis 2001 zurückreichen, konnten über die Auswertung des bei der Durchsuchung am 16. September sichergestellten Materials aufgedeckt werden. Die zur Tatzeit bewusstlosen Opfer hatten bislang keine Kenntnis davon.

Der Beschuldigte verbüßt bis zum Januar 2019 eine Haftstrafe wegen vorangegangener Sexualstraftaten und wäre nach deren Ablauf wieder auf freiem Fuß gewesen. Dies wurde mit dem erneuten Haftbefehl des Amtsgerichts Erfurt verhindert.

Am 18. September meldeten wir in diesem Zusammenhang:

Am Sonntag, dem 16.09.2018 führte die Soko "Altfälle" der LPI Jena einen umfangreichen Polizeieinsatz im Ermittlungsverfahren wegen Mordes an der 10-jährigen Ramona Kraus durch.

Ramona wurde seit dem 15.08.1996 in Jena vermisst. Ihre sterblichen Überreste fand man am 13.01.1997 in einem Waldgebiet bei Eisenach. Dieses bei der Soko "Altfälle" geführte Verfahren richtet sich gegen einen 56-jährigen mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraften Mann, der gegenwärtig eine Freiheitsstrafe wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und sexuellem Missbrauch im offenen Vollzug in Thüringen verbüßt.

Er wurde während eines genehmigten Ausganges durch Polizeikräfte in Erfurt vorläufig festgenommen und daraufhin intensiv vernommen. Insgesamt vier Durchsuchungsbeschlüsse, die das Amtsgericht Gera auf Antrag der Staatsanwaltschaft Gera erließ, wurden damit realisiert. Diese richteten sich auch gegen andere Personen bei denen die Ermittlungsbehörden Beweismittel im vorliegenden Verfahren vermuteten.

Nach Abschluss der Durchsuchungen und Vernehmungen wurde er in den geschlossenen Vollzug einer Thüringer Haftanstalt überstellt. Im Ergebnis der gestrigen Maßnahmen bleibt der Tatverdacht gegen den Beschuldigten bestehen. Die Auswertung der Vielzahl von sichergestellten Gegenständen und Datenträgern wird längere Zeit in Anspruch nehmen.

Rückfragen bitte an:

Thüringer Polizei
Landespolizeiinspektion Jena
Pressestelle
Telefon: 03641 811503
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http://www.thueringen.de/th3/polizei/index.aspx

Original-Content von: Landespolizeiinspektion Jena, übermittelt durch news aktuell

https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/4149220

#10 RE: Presseberichte von Helios 30.01.2019 09:11

LPD-EF: SoKo Altfälle klärt Mord an Ramona Kraus nach über 20 Jahren
Erfurt (ots)

Am 29.01.2019 konnte durch die Arbeit der bei der Landespolizeiinspektion Jena eingerichteten Soko "Altfälle" ein 76-jähriger Tatverdächtiger aus Mühltroff festgenommen werden.

Er ist dringend verdächtig am 15.08.1996 die damals zehnjährige Ramona Kraus in der Nähe des Columbus-Centers in Jena Winzerla angesprochen und in der weiteren Folge mit seinem PKW an einen unbekannten Ort verbracht zu haben, an dem er das Mädchen tötete. Anschließend fuhr er die Leiche des Mädchens in das 130 km entfernte Großburschla, wo er diese ablegte. Am 13.02.1997 wurde dort zuerst der Schulranzen von einem Jäger gefunden und einige Tage später Leichenteile des bis dahin vermissten Mädchens.

Die Arbeit der Soko Altfälle führte somit zu einer weiteren Aufklärung eines über 20 Jahre zurückliegenden Tötungsverbrechens und zeigt, dass durch akribische Ermittlungsarbeit und die Nutzung moderner Methoden der Forensik und der Informationstechnologie Morde nicht nur nicht verjähren sondern auch aufgeklärt werden können.

Der Mann wird heute dem Haftrichter vorgeführt.

Die Landespolizeiinspektion Jena wird dazu heute 13:30 Uhr in einer Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Weimar, Am Kirschberg weitere Auskünfte erteilen.

Rückfragen bitte an:

Thüringer Polizei
Landespolizeidirektion
Pressestelle
Telefon: 0361 662 3020
E-Mail: pressestelle.lpd@polizei-thueringen.de
http://www.thueringen.de/th3/polizei/index.aspx

#11 RE: Presseberichte von wetterfrosch 30.01.2019 19:26

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Nach 23 Jahren

Kindermord in Thüringen - Verdächtiger gefasst

Seit 1996 wurde der Tod der zehnjährigen Schülerin Ramona in Jena nicht aufgeklärt. Nun sitzt ein Verdächtiger in Untersuchungshaft.

30.01.2019 • 18:06 Uhr • dpa

Mehr als zwei Jahrzehnte war der Mordfall Ramona ungeklärt - nun sitzt ein 76-Jähriger in Thüringen in Untersuchungshaft. Er soll die zehnjährige Ramona 1996 in Jena umgebracht haben. Der in Sachsen lebende Deutsche war am Dienstag in Erfurt festgenommen worden, wie ein Polizeisprecher am Mittwoch sagte.

Der Beschuldigte wurde am Mittwoch einem Richter am Amtsgericht Gera vorgeführt, der Haftbefehl erließ. Es handelt sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter. Zu den Tatvorwürfen äußerte er sich zunächst nicht, wie Staatsanwalt Martin Zschächner in Weimar sagte.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus, der eine andere Straftat verdecken sollte. Konkreter wollte Zschächner zunächst nicht werden. Möglich wäre zum Beispiel, dass der Mann damit einen sexuellen Übergriff vertuschen wollte.

76-Jähriger wurde schon damals verdächtigt

Der Tod von Ramona hatte den Ermittlern lange Rätsel aufgegeben. Das Mädchen war Mitte August 1996 aus Jena verschwunden. Im Januar 1997 wurden ihre sterblichen Überreste dann etwa 130 Kilometer entfernt nahe der Grenze zu Hessen in einem Waldstück bei Treffurt im Wartburgkreis gefunden.

Schon damals hätten die Ermittler den 76-Jährigen als Verdächtigen im Visier gehabt, sagte Sven Opitz von der Landespolizeiinspektion Jena am Mittwoch. Denn der Mann wohnte 1996 in der Nähe des Einkaufscenters in Jena, wo Ramona das letzte Mal gesehen worden war. Er war außerdem bereits in der Vergangenheit wegen Sexualstraftaten aufgefallen. Der Verdacht habe sich damals aber nicht erhärtet.

Durch die Arbeit der Ende 2016 gegründeten "Soko Altfälle" der Landespolizeiinspektion Jena geriet der 76-Jährige dann erneut in den Fokus. Schließlich lockten Polizisten den Mann am Dienstag nach Erfurt. Der Verdächtige stammte ursprünglich aus dem Raum Jena und lebte zuletzt in einem Ortsteil der sächsischen Stadt Pausa im Vogtland.

https://www.sat1.de/news/panorama/kinder...-gefasst-103298

#12 RE: Presseberichte von wetterfrosch 31.01.2019 12:22

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31.01.2019 06:00

Mord an Ramona (†10): Das ist der Kinderschänder aus dem Vogtland

Wilfried M. (76) wegen Mordverdachts verhaftet

Von Alexander Bischoff

Jena/Mühltroff - Mehr als 22 Jahre nach dem Mord an der zehnjährigen Ramona Kraus aus Jena ist im vogtländischen Mühltroff ein Rentner unter Tatverdacht verhaftet worden (TAG24 berichtete).

Der Intensivtäter Wilfried M. (76), der 1999 wegen brutaler Vergewaltigung mehrerer Kinder zur Höchststrafe verurteilt wurde, war erst 2016 aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden.

Der Fall: Am 15. August 1996 verschwand Ramona in Jena auf dem Heimweg von der Schule spurlos. Sieben Monate später wurden in einem Wald im 130 Kilometer entfernten Großburschla (Wartburgkreis) erst der Ranzen und später Leichenteile des Mädchens gefunden. Das Kind war vor seinem gewaltsamen Tod brutal vergewaltigt worden.

Fast zwei Jahrzehnte lang ermittelte die Thüringer Polizei erfolglos. Doch dann nahm sich ein neues Team, die Soko "Altfälle" der Kripo Weimar, die Akten noch einmal vor. Die Ermittler klemmten sich hinter einen Mann, der als einer der schlimmsten Kinderschänder der Republik gilt und im Januar 2016 aus der Sicherungsverwahrung entlassen wurde: Wilfried M..

Der gebürtige Berliner hatte in den 1990er Jahren in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Bayern insgesamt vier Kinder in seine Gewalt gebracht und brutal vergewaltigt. Dabei fesselte der Ex-Fremdenlegionär seine Opfer und bedrohte sie mit einer Pistole.

Geschändetes Mädchen erkannte Tattoo auf M.s Brust wieder

Besonders krass war der Fall einer Zehnjährigen aus Unterfranken, die M. im Oktober 1997 vor den Augen ihrer Spielgefährten mit vorgehaltener Waffe kidnappte.

Er verschnürte das Kind mit Klebeband, warf es in den Kofferraum eines gestohlenen Nissan Micra und fuhr dann mit dem Mädchen 200 Kilometer nach Thüringen. Dort vergewaltigte der Intensivtäter, der erst fünf Wochen zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war, die Schülerin zweimal. Dann ließ er sie in der Kälte zurück.

Anhand der Täterbeschreibung - unter anderem sah das geschändete Mädchen eine große Frauentätowierung auf der Brust des Peinigers - wurde M. identifiziert. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls wurde der Schwerverbrecher Anfang 1998 gefasst.

Im Januar 1999 verurteilte das Landgericht Schweinfurt M. wegen Misshandlung und Vergewaltigung der vier Kinder zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft. Aufgrund der akuten Wiederholungsgefahr, die ein Psychiater dem Triebtäter attestierte, ordnete das Schwurgericht zudem Sicherungsverwahrung an.

Neues Leben im Vogtland

Nach der vorzeitigen Entlassung im Januar 2016 wurde M. von den Behörden in Sachsen angesiedelt.

Als Rentner lebte er fortan in Mühltroff und wurde hier im Rahmen des sächsischen ISIS-Programms ("Informationssystem zur Intensivüberwachung besonders rückfallgefährdeter Sexualstraftäter") von der Staatsanwaltschaft Zwickau überwacht. Wie TAG24 aus Behördenkreisen erfuhr, hatte M. einen Bewährungshelfer und erhielt regelmäßig so genannte Gefährderansprachen.

Doch auch die Weimaer Ermittler hängten sich M. an die Fersen. Sie observierten ihn und belauschten seine Telefonate.

Mit Erfolg: "In einer Kombination aus verdeckten und offenen Ermittlungen konnten wir ihm den Mord an Ramona jetzt nachweisen", sagte Soko-Chefermittler Andreas Gerstberger (56) TAG24. So erhielt die Kripo auch Kenntnis, als M. einem Zeugen Täterwissen offenbarte, das bislang öffentlich nicht bekannt war. Details will Gerstberger bis zum Prozess nicht nennen. Nur soviel: "Es waren die spektakulärsten Ermittlungen in meinem bisherigen Berufsleben", sagte Gerstberger, der seit 1981 Polizist ist.

Vor dem Haftrichter schwieg der Schwerverbrecher am Mittwoch. M. wurde nach Verkündung des Haftbefehls in die JVA Hohenleuben verbracht. Hier wird er zunächst isoliert untergebracht. Denn auch der Triebtäter wurde schon einmal Opfer. Nach seiner Verurteilung 1999 in Bayern nahmen sich zwei Mithäftlinge aus dem Kosovo den Kinderschänder vor, verprügelten und missbrauchten ihn sexuell.





https://www.tag24.de/nachrichten/kinderm...vogtland-955298

#13 RE: Presseberichte von wetterfrosch 31.01.2019 12:49

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Ungeklärter Mordfall in Jena

76-Jähriger als neuer Verdächtiger im Fall Ramona K.

Bericht und VIDEO

Im über 20 Jahre alten Mordfall Ramona K. aus Jena hat die Polizei am Dienstag in Erfurt-Süd einen neuen Tatverdächtigen festgenommen. Der 76-jährige Willfried M., der aus Jena stammt und in Mühltroff in Sachsen leben soll, wurde am Mittwochvormittag am Amtsgericht Gera dem Haftrichter vorgeführt. Inzwischen sitzt er in einer JVA. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm einen sogenannten Verdeckungsmord vor. Er soll Ramona K. umgebracht haben, um eine andere Straftat zu verdecken. Die Sonderkommission "Altfälle" bei der Landespolizeiinspektion Jena hatte den Mann seit Juli 2018 im Visier. Er gilt als "dringend tatverdächtig", hat bislang jedoch kein Geständnis abgelegt.

Neuer Verdächtiger Willfried M.

Wie Andreas Gerstberger, der Leiter der "Soko Altfälle", in einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag mitteilte, war Willfried M. nach einer 15-jährigen Haftstrafe wegen Sexualstraftaten mit anschließender und später aufgehobener Sicherungsverwahrung unter Führungsaufsicht. Er war immer wieder wegen schweren sexuellen Missbrauchs, auch von Kindern, und Vergewaltigung verurteilt worden, zuletzt 1999 in Schweinfurt.

Der Verdächtige sei am Freitag vergangener Woche mit einem Haftbefehl konfrontiert worden und habe daraufhin sein Handy abgeschaltet und weggeworfen, so Soko-Leiter Gerstberger. Der Verdächtige habe sich kreuz und quer im Bundesgebiet bewegt, immer beobachtet von der Polizei. Der sei gelungen, eine "Vielzahl an Sachen dokumentieren zu können, die noch nicht Gegenstand der Öffentlichkeit waren - die nur ein Tatbeteiligter wissen konnte". Er habe geholfen, den Sachverhalt nachzuprüfen, habe sich geäußert und Fakten gezeigt, die alle dokumentiert und nachgeprüft werden. In der Pressekonferenz sprachen die Ermittler von "hochinteressanten taktischen Abläufen", die allerdings erst in der Hauptverhandlung präsentiert werden sollen. Die Ermittler gehen davon aus, dass Willfried M. und Ramona K. sich kannten. M. sei in allen Sokos "Gegenstand der Ermittlungen" gewesen und "recht weit oben geführt" worden, weil er in der Gegend wohnte und kein Alibi hatte. Das hätte aber auch für den ersten Tatverdächtigen gegolten, einen Mann aus Erfurt.

Erster Tatverdächtiger aus Erfurt

Ein anderer Tatverdächtiger, der bereits im September festgenommen wurde, soll nichts mit dem Mord an Ramona zu tun haben. Allerdings soll er nach Informationen von MDR THÜRINGEN weiter in Untersuchungshaft bleiben, da ihm andere Straftaten vorgeworfen werden. So habe er einem Mithäftling erzählt, dass bei einer seiner Taten 1997 "eins auf der Strecke geblieben" sei. Das teilten die Beamten bei der Pressekonferenz mit. Bei Durchsuchungen hatten die Ermittler nach eigenen Angaben Filme sichergestellt, in denen der heute 56-Jährige Frauen Narkosemittel gibt und sie anschließend vergewaltigt. Ursprünglich sollte der Mann Ende Dezember 2018 aus der Haft entlassen werden. Mit den neuen Beweismitteln bleibt er weiter im Gefängnis.

180 Ordner

Hauptsachbearbeiter Sven Opitz erklärte, der Fall umfasse 180 Ordner. Nicht alle Unterlagen seien lesbar gewesen, nur ein Teil sei schon digitalisiert gewesen. Die Ermittler hätten die Akten digitalisiert und eine Vielzahl Spuren erneut untersucht. Dabei hätten auch die Rechtsmedizin Jena und das Landeskriminalamt Erfurt geholfen. Ziel sei gewesen, aus "schon untersuchten Spuren noch das Quäntchen Hinweis" herauszubekommen, was durch neue Methoden möglich sei.

Zurück zum Anfang

Ansatz der Ermittler sei gewesen, zurück zum Ursprung, zum Anfang zu gehen, so Hauptsachbearbeiter Sven Opitz. Aus den Tausenden Personen, die in den Akten auftauchen, wurden 30 näher "untersucht". Von diesen 30 seien zwei Tatverdächtige herausgestochen.

Mit Zeit und Personal "akribisch" ermitteln

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) dankte den Ermittlern der Sonderkommission "Altfälle". Es sei beruhigend zu wissen, dass sich Täter auch nach über 20 Jahren nicht sicher fühlen könnten. Die Erfolge der Soko machten deutlich, dass es sich lohne, auch scheinbar unlösbare Fälle nicht aufzugeben und mit unkonventionellen Methoden und neuer Technik weiter nach Lösungen zu suchen, so Maier. "Akribie und Geduld" hätten geholfen, die Straftaten aufzuklären, hieß es bei der Pressekonferenz. Die Beamten könnten sich Zeit für die Fälle nehmen und seien nicht von "heißen" Fällen belastet. Außerdem könnten sie Methoden nutzen, die es damals noch nicht gab.

Familie wünscht Ruhe

Dienstagabend hatte die Familie von Ramona K. von den neusten Erkenntnissen erfahren. In einem "intensiven Gespräch" habe die Mutter darum gebeten, dass die Familie nicht kontaktiert wird. Ihre damals zehnjährige Tochter Ramona K. war im August 1996 in Jena vermisst gemeldet worden. Ein halbes Jahr später, im Januar 1997, wurde ihre Leiche in einem Wald bei Eisenach gefunden. Zur Aufklärung dieses und zweier weiterer Fälle von vermissten Kindern aus den 1990er Jahren hatte die Polizei Jena die Sonderkommission "Altfälle" gegründet. Hintergrund für die Gründung war die DNA-Spur des mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt an der im Herbst 2016 gefundenen Leiche von Peggy K. Diese stellte sich später als Trugspur heraus.

Die Soko "Altfälle" konnte dann im März vergangenen Jahres ihren ersten Erfolg vermelden. Die Beamten nahmen den Mörder der 1991 getöteten Stephanie D. fest. Er wurde vom Landgericht Gera zu lebenslanger Haft verurteilt. Bisher noch keinen Durchbruch gibt es im Fall des 1993 in Jena ermordeten Bernd B. Der damals Neunjährige wurde am Saaleufer erdrosselt gefunden. Trotz intensiven Ermittlungen konnte bisher kein Tatverdächtiger gefunden werden.

https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueri...a-jena-100.html

#14 RE: Presseberichte von wetterfrosch 31.01.2019 23:08

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30. Januar 2019 20:47 Uhr

Cold Case

8203 Tage nach dem Kindermord: Wie der Verdächtige im Fall Ramona K. gefasst wurde

Mord verjährt nie, so die Botschaft der Soko "Altfälle": Nach über 20 Jahren fasst die Sondereinheit einen dringend Tatverdächtigen im Fall des ermordeten Mädchens Ramona. Ihr Erfolgsrezept: zurück zum Anfang.

Es ist eine Schlagzeile, die kurz darauf selbst Schlagzeilen schreiben wird: "Soko Altfälle klärt Mord an Ramona K. nach über 20 Jahren". So lautet die Überschrift der Polizeimitteilung am Mittwochmorgen, auf die wohl nicht nur die Angehörigen der damals Zehnjährigen aus Thüringen hingefiebert haben.

Rund 23 Jahre - um genau zu sein: 8203 Tage - nach dem Mord an Ramona K. hat die Sondereinheit der Landespolizeiinspektion Jena womöglich den Täter gefasst. Der 76-Jährige sei dringend verdächtig, das Mädchen am 15. August 1996 entführt und getötet zu haben. Ein Fall, der laut Polizei "zeigt, dass durch akribische Ermittlungsarbeit und die Nutzung moderner Methoden der Forensik und der Informationstechnologie Morde nicht nur nicht verjähren, sondern auch aufgeklärt werden können." Eine Erfolgsmeldung mit Botschaft: "Mord verjährt nie".

Nur: Wie sind die Ermittler dem Tatverdächtigen letztlich auf die Spur gekommen?

Zurück zum Anfang

13.30 Uhr, Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Weimar. Knapp fünf Stunden nach Bekanntgabe des Fahndungserfolgs. Und über 180 Leitz-Ordner später - so dick sei die Akte Ramona, die von der Sonderkommission digitalisiert und neu aufgearbeitet wurde. Laut Hauptsachbearbeiter Sven Opitz haben die Ermittler noch einmal von ganz vorne angefangen, um auch "die letzte Information aus Spuren herauszubekommen". Zurück zum Anfang, das war auch das Mantra der Ermittlungen. Start, erneut: Der Abgreifort von Ramona, jener Stelle, an der die damals Zehnjährige am 15. August 1996 zuletzt gesehen wurde.

Wie die Polizei schon am Mittwochmorgen mitteilte, soll der verdächtige Wilhelm M. das Kind nahe eines Einkaufszentrums in Jena angesprochen und an einem unbekannten Ort getötet haben. Die Leiche soll er dann etwa 130 Kilometer entfernt an der Grenze zu Hessen in einem Wald bei Treffurt im Wartburgkreis abgelegt haben. Rund ein halbes Jahr später entdeckte ein Jäger dort den Schulranzen des Kindes. Wenige Tage später wurden Leichenteile gefunden.

Rund 1000 Personen seien im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Ramona in den Leitz-Ordnern aufgetaucht. Die Soko habe daraufhin Parameter ausgearbeitet - etwa, wo sich diese Personen zum möglichen Tatzeitpunkt aufgehalten haben - und eine Art "Ranking" erstellt, so Hauptsachverständiger Opitz. Letztlich seien 30 Personen übrig geblieben, die intensiv geprüft wurden. Bis es nur noch zwei Tatverdächtige waren.

Im August 1996 verschwand die damals Zehnjährige Ramona aus Jena, fünf Monate fand sich ihre Leiche in einem Waldgebiet

Mehrfach Vorbestrafter

Vor 22 Jahren starb die kleine Ramona - nun nimmt die Polizei einen Tatverdächtigen fest

Soko "Altfälle" kommt Vergewaltiger auf die Spur

Einer davon: ein 56-Jähriger aus Erfurt. Er wurde schon im vergangenen Jahr als Verdächtiger in dem Fall festgenommen. Der Mann sitze zwar weiter in Untersuchungshaft, in Bezug auf den Kindermord gelte er aber nicht mehr als tatverdächtig. Ihm werden nun andere Vorwürfe gemacht, so Soko-Leiter Andreas Gersberger: wegen schwerer Vergewaltigung.

Womöglich hat der Mann sogar gemordet. So habe er einem Mithäftling erzählt, dass bei einer seiner Taten 1997 "eins auf der Strecke geblieben" sei. Bei anschließenden Durchsuchungen hätten die Ermittler Filme sichergestellt, in denen der heute 56-Jährige Frauen mit Narkosemittel betäubt und anschließend vergewaltigt habe. Ob womöglich auch ein Tötungsdelikt vorliegt, werde nun geprüft. "Die Analyse läuft noch", so Soko-Leiter Gersberger.

So kamen die Ermittler auf Wilhelm M.

Am Ende rückte der 76-jährige Wilhelm M. in den Fokus der Ermittler. Er soll kein unbeschriebenes Blatt sein: Nach einer 15-jährigen Haftstrafe wegen Sexualstraftaten mit anschließender und später aufgehobener Sicherheitsverwahrung war er unter Führungsaufsicht. Er sei immer wieder wegen schweren sexuellen Missbrauchs, auch von Kindern, verurteilt worden.

Die Festnahme im Fall Ramona ist gewissermaßen auf eine Inszenierung zurückzuführen: Vergangenen Freitag habe man Wilhelm M. - nach operativen wie verdeckten Maßnahmen - mit einem Haftbefehl konfrontiert und anschließend weiter beobachtet. Der Tatverdächtige soll daraufhin sein Telefon ausgeschaltet und letztlich weggeworfen haben. Laut Soko-Leiter Gersberger habe der Mann sich daraufhin im Bundesgebiet bewegt, wobei es der Polizei gelungen sei, "eine Vielzahl an Sachen dokumentieren zu können, die noch nicht Gegenstand der Öffentlichkeit waren." Und nur "ein Tatbeteiliger wissen konnte", so Gersberger.

Wilhelm M. wurde am Dienstag in Erfurt festgenommen, das Amtsgericht Gera hat Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft gehe von einem Mord zur Verdeckung einer Straftat aus, hieß es in der Pressekonferenz. Laut dem MDR Thüringen hatte die Familie von Ramona K. am Dienstagabend von den neusten Erkenntnissen erfahren. In einem "intensiven Gespräch" habe die Mutter darum gebeten, dass die Familie nicht kontaktiert wird.

Ein Geständnis vom Beschuldigten gebe es bisher nicht. "Bislang", so der Staatsanwalt in der Pressekonferenz.

https://www.stern.de/panorama/stern-crim...en-8557250.html

#15 RE: Presseberichte von wetterfrosch 24.09.2020 21:33

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08.08.2019, 18.17 Uhr

Mordfall Ramona Kraus in Thüringen: Haftbefehl gegen tatverdächtigen Kindermörder aufgehoben

Der Mord an der damals zehn Jahre alten Ramona K. im Sommer 1996 bleibt ungelöst. Nachdem die Polizei im Januar einen Tatverdächtigen festnahm, wurde der Haftbefehl nun wieder aufgehoben und der 76-Jährige freigelassen.

Im Mordfall Ramona hat das Oberlandesgericht (OLG) in Jena den Haftbefehl gegen den 76 Jahre alten Verdächtigen aufgehoben. "Nach Auffassung des OLG besteht kein dringender Tatverdacht gegenüber dem Beschuldigten", sagte ein Sprecher des Gerichts am Donnerstag in Jena. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.

Gericht hebt Haftbefehl im Mordfall Ramona auf

Der 76-Jährige kommt damit aus der Untersuchungshaft frei. Ermittler hatten ihn im Januar in Erfurt gefasst. Ihm wurde vorgeworfen, im Jahr 1996 die zehnjährige Ramona in Jena umgebracht zu haben. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter.

Nach Angaben des Gerichtssprechers seien im Zuge der Ermittlungen Beweise gesammelt worden, die vor Gericht nicht verwendet werden können. "Der dringende Tatverdacht geht über den einfachen Tatverdacht hinaus", sagte der Sprecher. Dafür seien die Voraussetzungen in diesem Fall nicht erfüllt.

Tatverdächtiger freigelassen: Bleibt der Mord an Ramona Kraus ungelöst?

Der Mord ist seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht aufgeklärt. Das Mädchen war Mitte August 1996 verschwunden. Im Januar 1997 wurden seine sterblichen Überreste dann in einem Waldstück in Westthüringen gefunden. Die Ende 2016 gegründete "Soko Altfälle" rollte den Fall dann wieder neu auf, wobei der 76-Jährige in den Fokus der Ermittlungen geriet. Rund 23 Jahre nach dem Mord an einer Zehnjährigen aus Thüringen hatte die Polizei den Verdächtigen gefasst. Der Mann sei in Sachsen festgenommen worden, teilte die Polizei im Januar 2019 mit. Er sollte noch am selben Tag einem Haftrichter am Amtsgericht Gera vorgeführt werden, wie das Innenministerium in Erfurt mitteilte.

Festnahme nach Mord an Ramona Kraus (10) vor 23 Jahren

Der 76-Jährige wurde Anfang des Jahres dringend verdächtig, im August 1996 in Jena die damals zehnjährige Ramona Kraus getötet zu haben. Er soll das Kind nahe eines Einkaufszentrums angesprochen haben und an einem unbekannten Ort getötet haben. Die Leiche soll er dann etwa 130 Kilometer entfernt nahe der Grenze zu Hessen in einem Wald bei Treffurt im Wartburgkreis abgelegt haben. Rund ein halbes Jahr später entdeckte ein Jäger dort den Schulranzen des Kindes. Wenige Tage später wurden Leichenteile gefunden.

Polizei nimmt weiteren Tatverdächtigen im Mordfall Ramona fest

Im vergangenen Jahr war bereits ein anderer Mann als Verdächtiger ermittelt worden. Der Mann sitze zwar weiter in Untersuchungshaft, aber aufgrund anderer Vorwürfe, hieß es nun. In Bezug auf den Kindermord gelte er nicht mehr als tatverdächtig, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion.

Polizei meldet Erfolge bei Aufklärung jahrzehntealter Verbrechen

Ins Visier der Ermittler geriet der jetzige Verdächtige dank der Arbeit der sogenannten "Soko Altfälle" der Landespolizeiinspektion Jena. Diese hat schon andere weit zurückliegende Tötungsverbrechen aufgeklärt. So wurde etwa ein von der Sonderkommission aufgespürter Mann im vergangenen November in Gera wegen Mordes an der damals zehnjährigen Stephanie zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im August 1991 das Mädchen aus Weimar entführt und missbraucht hat.

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loc/news.de/dpa

https://www.news.de/panorama/855742756/m...d-aufgehoben/1/

#16 RE: Presseberichte von wetterfrosch 24.09.2020 21:44

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9. August 2019, 14:32 Uhr

Justiz - Schweinfurt

Verdächtiger im Mordfall Ramona wieder festgenommen

Erfurt (dpa) - Nach der überraschenden Aufhebung des Haftbefehls ist der Tatverdächtige in dem 23 Jahre alten Mordfall Ramona wegen eines anderen Falls aus Bayern wieder festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt habe gegen ihn wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen Haftbefehl beantragt, sagte die leitende Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein am Freitag in Schweinfurt auf Anfrage. Zuvor hatte MDR Thüringen darüber berichtet.

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Erfurt (dpa) - Nach der überraschenden Aufhebung des Haftbefehls ist der Tatverdächtige in dem 23 Jahre alten Mordfall Ramona wegen eines anderen Falls aus Bayern wieder festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt habe gegen ihn wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen Haftbefehl beantragt, sagte die leitende Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein am Freitag in Schweinfurt auf Anfrage. Zuvor hatte MDR Thüringen darüber berichtet.

Der 76-Jährige war laut Haderlein 1999 in Schweinfurt wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt worden und danach unter heute noch geltenden Bewährungsauflagen frei gekommen. Er soll gegen ein Kontaktaufnahmeverbot zu Mädchen verstoßen haben. Der Mann aus Sachsen war nach dpa-Informationen am Freitag im vogtländischen Oelsnitz von Ermittlern der Thüringer "Soko Altfälle" verhaftet und inzwischen auch in Zwickau einem Haftrichter vorgeführt worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es bislang nicht.

Der Mann kam im Mordfall Ramona erst in der vergangenen Woche aus der Untersuchungshaft frei, weil das Oberlandesgericht in Jena keinen dringenden Tatverdacht gegen ihn sah. Es lägen keine objektiven Spuren und auch kein Geständnis vor, hieß es. Die in einem konstruierten Täuschungsmanöver gesammelten Beweise gegen ihn hielten die Jenaer Richter für nicht verwertbar, da die verdeckten Ermittler ihre Befugnisse überschritten hätten.

Sie hatten dem 76-Jährigen laut Oberlandesgericht vorgetäuscht, ihn vor einer Inhaftierung verschonen zu können, "indem sie jemanden besorgen, der gegen ein Entgelt für den Beschuldigten ins Gefängnis gehe". Diese Person habe Krebs und wolle mit dem Geld ihre Familie versorgen. Damit der vermeintlich Krebskranke ein glaubhaftes Geständnis ablegen könne, müsse er aber mit konkreten Informationen über die Tat versorgt werden.

Es sei den als Mitgliedern eines international agierenden Mädchenhändlerrings auftretenden Ermittlern schließlich gelungen, den Beschuldigten zur Mitwirkung einer "Tatrekonstruktion" zu bewegen. Im Januar dieses Jahres wurde der 76-Jährige dann festgenommen.

Der Mann hatte sich bei seiner ersten Befragung 1996 wie auch später darauf berufen, mit der Tat nichts zu tun zu haben. Der mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter gilt nach dpa-Informationen aber weiterhin als Tatverdächtiger im Mordfall Ramona. Die Staatsanwaltschaft Gera wollte sich dazu am Freitag nicht äußern und erklärte lediglich, dass im Mordfall Ramona weiter ermittelt werde.

Das zehnjährige Mädchen war Mitte August 1996 verschwunden. Im Januar 1997 wurden ihre sterblichen Überreste in einem Waldstück in Westthüringen gefunden. Die Ende 2016 gegründete "Soko Altfälle" rollte den Fall neu auf, wobei der 76-Jährige erneut in den Fokus der Ermittlungen geriet. Der Mann wohnte 1996 nahe des Einkaufscenters in Jena, wo Ramona das letzte Mal gesehen wurde.

Der Einsatz verdeckter Ermittler ist umstritten. Der innenpolitische Sprecher der Linke-Landtagsfraktion, Steffen Dittes, forderte, die Arbeitsweise der verdeckten Ermittler auf den Prüfstand zu stellen. Die nachrichtendienstähnlichen Befugnisse der Polizei sollten ebenso parlamentarisch in einem Ausschuss kontrolliert werden. "Polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Ermittlungsmaßnahmen und gewonnene Erkenntnisse nützen nichts, wenn sie am Ende nicht gerichtsverwertbar sind", erklärte Dittes.

https://www.sueddeutsche.de/panorama/jus...90809-99-401687

#17 RE: Presseberichte von wetterfrosch 24.09.2020 21:55

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12. August 2019
10:27 Uhr

Aktualisiert am:
07. April 2020
10:22 Uhr

Schweinfurt

Ist Schweinfurter Kinderschänder der Mädchen-Mörder von Jena?

Ein Verdächtiger in Thüringen musste mangels Beweisen freigelassen werden –und wurde auf Anordnung der unterfränkischen Staatsanwalt gleich wieder verhaftet.

Hartnäckige Ermittlung oder übertriebener Fahndungseifer? Der Fall im thüringisch-fränkische Grenzgebiet sorgt für ähnlichen Wirbel wie der ebenfalls bislang ungeklärte Fall "Peggy". Im 23 Jahre alten Mord an der zehnjährigen Ramona aus Jena hatten Ermittler im Januar 2019 in Thüringen den 76-jährigen Wilfried M. festgenommen – einen in Schweinfurt vorbestraften Kinder-Vergewaltiger. Die Schweinfurter Justiz hatte M. bereits 1999 für gewaltsame sexuelle Übergriffe an vier Mädchen für 15 Jahre hinter Gitter und danach in Sicherungsverwahrung gebracht. 1996 war auch jener Mord von Jena passiert, der ins Schema der Taten von M. passte: Denn mit ähnlicher Vorgehensweise und Opfern im gleichen Alter hatte er vier Mädchen zwischen neun bis zwölf Jahren vergewaltigt. Drei hat er beim Spielen überfallen, eines auf dem Heimweg von der Schule vom Fahrrad geholt. Die Tatorte lagen in Unterfranken, in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt.

Erneut unter Verdacht

M. war erst vor etwa zwei Jahren aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden – unter strengen Auflagen, weil er als Rückfall gefährdeter Sexualstraftäter galt. Schnell geriet er wieder in den Verdacht, der Mörder von Ramona gewesen zu sein, was M. jedoch bestritt. Danach suchten verdeckte Ermittler gezielt Kontakt zu ihm, um herauszufinden, was er über den Mord an Ramona weiß. Die Zehnjährige war im August 1996 verschwunden. Im Januar 1997 wurde ihre Leiche 130 Kilometer entfernt in einem Wald in Thüringen gefunden worden. M. war wegen einschlägiger Vorstrafen bekannt und hatte 1996 in der Nähe des Einkaufscenters in Jena gewohnt, bei dem Ramona letztmals lebend gesehen worden war.

Um sein Vertrauen zu gewinnen, gaben sich jetzt laut Oberlandesgericht (OLG) in Jena die Ermittler als Mitglieder eines internationalen Mädchenhändlerringes aus. Sie sollen dem 76-Jährigen vorgemacht haben, sie könnten "jemanden besorgen, der gegen ein Entgelt für den Beschuldigten ins Gefängnis gehe". Die Person habe Krebs und wolle mit dem Geld ihre Familie versorgen. Damit der Krebskranke ein glaubhaftes Geständnis ablegen könne, müsse er aber konkrete Informationen über die Tat bekommen.

Verdächtiger demonstrierte Spezialknoten

So sei den Ermittlern gelungen, M. am Fundort von Ramonas Leiche zur Mitwirkung einer "Tatrekonstruktion" zu bewegen. Dabei hatte er einen Spezialknoten zum Fesseln vorgeführt, was die Ermittler per Video dokumentierten.

Nun die Überraschung: An diesem Punkt hätten die Polizisten dem Beschuldigten eine Falle gestellt, die ihre Befugnisse überschritt, so das OLG in Jena bei einer Haftprüfung. Deshalb kam M. in der vorvergangenen Woche aus der Untersuchungshaft frei. "Nach Auffassung des OLG besteht kein dringender Tatverdacht gegenüber dem Beschuldigten", sagte ein Sprecher der Justiz. Die gesammelten Beweise könnten vor Gericht nicht verwendet werden.

Tat mehrfach bestritten

M. kehrte an seinen Wohnort in Sachsen zurück. Aber er blieb nur eine Woche auf freiem Fuß. Denn die Staatsanwaltschaft Schweinfurt beantragte am vergangenen Freitag erneut die Festnahme – offiziell allerdings nicht wegen des Mordfalls Ramona. Die Schweinfurter Justiz hatte die Bedingungen zu überwachen, unter denen M. ursprünglich aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden war. Dazu gehörte das Verbot, sich jungen Mädchen zu nähern. Man habe wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen Haftbefehl beantragt, bestätigte die leitende Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein in Schweinfurt auf Nachfrage von Medien.

Zeit gewonnen, um Beweise zu sammeln

Zumindest gibt die Schützenhilfe aus Unterfranken den Ermittlern nun Zeit, nach weiteren Beweisen zu suchen. Durch den OLG-Beschluss wurde bekannt: M. hatte sich bei seiner ersten Befragung 1996 wie auch später darauf berufen, mit der Tat nichts zu tun zu haben. Der Rentner gilt nach dpa-Informationen jedoch weiterhin als Tatverdächtiger. Die zuständige Staatsanwaltschaft Gera erklärte, dass im Mordfall Ramona weiter ermittelt werde.

Der Fall sorgte im Thüringer Landtag für heftige Auseinandersetzungen darüber, wie weit die Befugnisse verdeckter Ermittler gehen dürfen. Der Fernsehsender MDR sah sich zeitweise Vorwürfen der Funke-Mediengruppe ausgesetzt, sich an dem Täuschungsmanöver gegen den Verdächtigen mit einer fingierten Polizeimeldung beteiligt zu haben. Der MDR wies dies zurück

https://www.mainpost.de/regional/schwein...art742,10294248

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