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#26 RE: Presseartikel von Christine 26.02.2015 14:12

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26.02.2015
Von Holger Vonhof

Bernd Brübach, der Vater von Tristan, ist tot. Sein größter Wunsch hat sich nicht erfüllt: zu erfahren, wer vor 16 Jahren seinen Sohn getötet hat.

Frankfurt.
Die unvorstellbar grausame Tat ist seit 16 Jahren ein Trauma der Menschen im Frankfurter Westen und darüber hinaus: der Mordfall Tristan Brübach. Jetzt wurde bekannt – auch Tristans Vater lebt nicht mehr. Bernd Brübach, der seinen Sohn Tristan nach dem Selbstmord der Mutter seit 1995 allein erzogen hatte und zum Zeitpunkt der Tat im Einzelhandel im Frankfurter Hauptbahnhof arbeitete, ist bereits im Dezember im Alter von 59 Jahren gestorben. Sein Leichnam wurde verbrannt, die Asche auf einem Urnenfeld auf dem Friedhof Westhausen bestattet. Bernd Brübachs Name steht auf einem Messingtäfelchen auf einer Stele; es ist der einzige Hinweis, dass hier ein Vater liegt, der nie erfahren hat, wer seinen Sohn so bestialisch umgebracht hat.

Tristan Brübach, zum Zeitpunkt seiner Ermordung am 26. März 1998 erst 13 Jahre alt, wäre in diesem Jahr am 3. Oktober 30 Jahre geworden. Nach wie vor haben Polizei und Staatsanwaltschaft die Suche nach dem Täter nicht aufgegeben, auch wenn nur noch ein Mann mit dem Fall betraut ist.
Im Zentrum der Ermittlungen steht nach wie vor der Mann mit Pferdeschwanz und Kappe, den eine 14-Jährige an jenem 26. März 1998 aus einem Gebüsch am Höchster Bahnhof herauskommen sah. In der Unterführung des Liederbachs unter den Gleisen des Höchster Bahnhofs wurde die Leiche des 13 Jahre alten Schülers gefunden. Der Täter hatte ihn erwürgt und ihm den Hals bis zum Rückgrat aufgeschnitten. Fleischteile und die Hoden waren aus der Leiche herausgetrennt und verschwunden. Die Ermittlungen gingen in viele Richtungen; ermittelt wurde gegen Metzger wie gegen Veteranen des jugoslawischen Bürgerkriegs. Ein neues Täterprofil war zuletzt 2013 von Polizei und Staatsanwaltschaft präsentiert worden: Die Tat habe weder, wie ganz zu Anfang vermutet, einen Drogenhintergrund, noch sei sie im Strichermilieu angesiedelt. Es sei vielmehr „ein Tötungsdelikt mit eindeutig sexueller Komponente“, dem eine „Störung der sexuellen Präferenz“ beim Täter zugrunde liege. Dafür sprächen die Schnitte an der Leiche und die Entnahme der Hoden, ein Vorgehen, für das es zuvor in ganz Deutschland keine vergleichbare Tat gegeben habe.
Tristan Brübachs Leben war nicht einfach, und auch nach seinem Tod wurde dem Jungen viel angedichtet. Tristan lebte bei seinem Vater, der Vollzeit arbeitete, und bei der Großmutter. Es war der letzte Schultag vor den Osterferien, Tristan Brübach hatte die Meisterschule in Sindlingen frühzeitig verlassen – angeblich wegen Rückenschmerzen. Gegen 14 Uhr wird der Junge mit dem blonden Pagenschnitt am Höchster Bahnhof das letzte Mal lebendig in der Peter-Bied-Anlage gesehen. Gut anderthalb Stunden später finden spielende Kinder den grausam zugerichteten Körper des Jungen im Liederbach-Tunnel. Der Mörder hat den Leichnam im Liederbach ausbluten lassen. Die Tat ist ein Werk von solcher Brutalität, dass selbst Experten davon sprechen, es gäbe weltweit keinen vergleichbaren Fall.
Der Frankfurter Polizei ist es in der größten Ermittlungsaktion ihrer Geschichte nicht gelungen, den Täter zu finden. Mehr als 21 000 Spuren wurden bearbeitet, 70 000 Fingerabdrücke von 7000 Personen genommen, von allen Männern in Höchst und Unterliederbach, die zur Tatzeit zwischen 15 und 45 Jahren alt waren. Es war die größte Aktion dieser Art in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.
Der „Fall Tristan“ ist auch mit zwei ungewöhnlichen Vorfällen verbunden. Bereits kurz nach der Beerdigung hatte sich ein Mann telefonisch bei der Polizei gemeldet und behauptet, er habe Tristan umgebracht und stehe nun am Höchster Bahnhof; er wolle abgeholt werden. Als die Polizisten dort eintreffen, ist er verschwunden. Im Oktober 1999 schließlich schleicht sich ein Unbekannter nachts an das Grab des Jungen auf dem Höchster Friedhof, buddelt 1,20 Meter tief nach dem Sarg – dann verschwindet er. Die Polizei vermutet, dass er gestört wurde. Auf Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, sind nach wie vor 100 000 Euro ausgesetzt: Die ursprüngliche Summe in Höhe von 15 000 Euro wurde von einem Privatmann aufgestockt.


http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Tris...;art675,1281870

#27 RE: Presseartikel von 02.03.2015 21:55

Ermittler Uwe Fey im Interview
Mordfall Tristan: "Alles Menschenmögliche versuchen"
26.02.2015

Frankfurt.
Kein Ermittler hat mit dem Mordfall Tristan intensiver zu tun als Uwe Fey – seit 2002 ist der 53jährige Kriminalhauptkommissar dem Mörder des 1998 grausam ermordeten und verstümmelten Jungen aus Höchst auf der Spur. Warum er nach vielen falschen Fährten und ins Nichts führenden Hinweisen immer noch Hoffnung hat, verrät er im Interview mit FNP-Redakteur Michael Forst.

Tristans Vater ist gestorben, wie jetzt bekannt wurde. Was bedeutet sein Tod für Ihre Ermittlungen?

Uwe Fey: Er hat keine Auswirkung. Ich habe schon vor Jahren den Kontakt zu Herrn Brübach abgebrochen. Es hätte nichts mehr gebracht; das familiäre Umfeld ist abgeklärt. Es gab nichts Gravierendes mehr, was einen erneuten Blick auf die Familie gerechtfertigt hätte. Außerdem hatte der Vater mit Sicherheit ein Trauma vom Tod seines Sohnes davongetragen, da will man die alten Wunden nicht mehr aufreißen.

Wie hilfreich waren die Hinweise, die Ihnen Herr Brübach zeitlebens geben konnte?

Ich sage mal so: Wenn es wichtige Hinweise gewesen wären, wären wir vielleicht schon zu einem Erfolg gekommen.

Ihre berufliche Laufbahn war früh mit dem Mordfall Tristan verbunden…

Ja. Als die Tat passierte, war ich auf der Schule zu meiner Kriminalausbildung, habe das natürlich schon da mitverfolgt. Ein dreiviertel Jahr später kam ich zurück und war anfangs eher am Rande mit Ermittlungen betraut. Im Jahre 2002, nachdem die verdachtsunabhängigen Reihenuntersuchungen beendet waren, habe ich die Ermittlungen dann übernommen. Seit der Zeit bin ich federführend betraut mit dem Fall.

Wie schwer ist es, sich Tag für Tag mit den grausigen Details des Mordes zu beschäftigen?

Ich öffne natürlich nicht jeden Tag die Akte und schaue mir die Bilder vom toten Tristan an. Das bringt der Beruf eben mit sich: Entweder man kann das oder nicht. Wer mit dem Tod nicht umgehen kann, der hat bei uns auch nichts verloren. Der Tod ist etwas endgültiges. Wie schlimm jemand zu Tode kommt, ist im Prinzip zweitrangig. Fakt ist: Da wurde jemand umgebracht – und das gilt es aufzuklären. Egal, wer das ist. Klar ist auch: Ich gehe nicht jeden Tag nach Hause und nehme das mit. In meinem Privatleben habe ich genug Ablenkungen. Wobei ich auch dort oft genug angesprochen werde, wie das alles so geht. Aber: Es geht eben.

Sie wollten sich nie mal eine Auszeit nehmen?

Nein, solche Gedanken sind mir nie gekommen.

Können Sie schätzen, wie viele Menschen sie in diesem Fall im Laufe der Jahre schon verhört, wie viele Zeugen befragt haben?

Das ist eine Zahl, die mindestens im vierstelligen Bereich liegt. Es ist so: Manchmal kommt ein neuer Hinweis rein, man fährt raus, um dem nachzugehen – damit hat es sich oft schnell erledigt. Dann aber gibt es auch solche Hinweise, die fast so komplex ist wie ein Tötungsdelikt an sich. Da ermittelt man manchmal ein halbes oder ein dreiviertel Jahr in diesem einen Hinweis. Am Ende kommt raus: Das war nicht der Täter. Dann platzt das wie eine Seifenblase.

Wie viele Hinweise erreichen Sie heute noch?

Es gibt nach wie vor immer wieder neue Hinweise. Im Schnitt ist es einer pro Woche. Das klingt vielleicht erstmal merkwürdig nach den vielen Jahren, liegt aber auch an den heutigen Medien: Webseiten widmen sich dem Fall, auf Youtube laufen Videos. Sender wie VOX oder RTL II zeigen immer wieder die Dokumentation, die 2013 gemacht wurde. So sehen immer wieder neue Menschen irgendwelche Ähnlichkeiten zu ihren Bekannten – und rufen mich dann an.

Keine Hilfe von Hobby-Kriminologen

Sie haben es angesprochen: Es gibt mittlerweile eine echte Szene der Hobby-Kriminologen, die sich auf eigenen Webseiten oder Facebookgruppen mit dem Fall Tristan beschäftigen. Haben die Ihnen schon mal helfen können?

Nein. Leider habe ich aus diesem Umfeld noch keine guten Hinweise bekommen.

Schwinden die Aussichten, dass der Fall jemals aufgeklärt wird, nicht mit jedem Jahr?

Das stimmt. Mit jedem Tag, mit jeder Woche, die vergeht. Das ist aber in jedem Tötungsdelikt so. Auch können die Überprüfungen nicht mehr mit der gleichen Intensität wie früher gemacht werden.

Wird die Akte denn einmal geschlossen werden?

Nicht, solange der Fall nicht aufgeklärt ist. Aber ob sich jemand nach meiner Pensionierung so intensiv des Falles annehmen wird, kann ich nicht sagen. Das ist in der Verantwortung des jeweiligen Kommissariatsleiters. Und meiner (Siegfried Manoch, Anm. d. Red.) lässt mich weiterermitteln und unterstützt mich darin.

Das heißt: Sie bleiben dran, solange sie im Amt ist?

Ja, das wäre im November 2021. Dann werde ich nach Hause geschickt (lacht).

Und wenn sie den Mord an Tristan dann immer noch nicht aufgeklärt hätten?

Das wäre traurig und würde mich wurmen, klar. Ich wäre glücklicher, wenn ich den Fall hätte klären können. Aber ich könnte mir dennoch sagen: Du hast alles getan, was in deiner Kraft stand.

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Mord...75,1283423,1#__

#28 RE: Presseartikel von 25.03.2015 18:08

24.03.2015

MORDFALL TRISTAN
Ein Hinweis nach 17 Jahren
Von GEORG LEPPERT

Der unaufgeklärte Mord an Tristan Brübach lässt auch nach 17 Jahren die Menschen nicht los. Die Polizei erhält immer noch Hinweise auf den möglichen Täter. Jetzt hat sich eine Frau an die FR gewandt, weil sie eine verdächtige Beobachtung gemacht hat.

Dieser Tage erreichte die Frankfurter Rundschau mal wieder ein Hinweis. Eine Frau aus München hatte in der dortigen U-Bahnlinie 5 einen Mann beobachtet, der ihr bekannt vorkam. Lange blonde Haare, zum Pferdeschwanz gebunden. Dazu ein blonder Oberlippenbart, der womöglich eine Narbe verdeckt. Die ganze Erscheinung erinnerte die Frau stark an ein Phantombild, das sie vor vielen Jahren gesehen hatte. Und als der Mann dann auch noch nervös wurde, sie in einem Taschenspiegel beobachtete und schließlich hastig die U-Bahn verließ, entschied sie sich, ihre Beobachtungen der FR mitzuteilen. Schließlich könnte es sich bei dem Mann um den Verdächtigen im Mordfall Tristan Brübach handeln.

17 Jahre ist es her, dass Tristan getötet wurde. Am 26. März 1998 um 17.08 Uhr fanden Passanten die verstümmelte Leiche des 13-Jährigen im Tunnel des Liederbachs unweit des Bahnhofs Höchst. Seitdem hat die Kriminalpolizei Tausende Hinweise geprüft. Kein einziger führte zum Erfolg. Der Fall Tristan ist einer der ganz wenigen Frankfurter Mordfälle, die ungelöst sind.

„Es gehen immer noch Hinweise ein“, sagt André Sturmeit, Sprecher der Polizei. Deshalb könne keine Rede davon sein, dass der Fall zu den Akten gelegt wurde. Zwar ist die Sonderkommission, die Ende der 90er Jahre Tristans Mörder jagte, längst aufgelöst. Doch bei K11, der Mordkommission im Polizeipräsidium, arbeitet man weiter an dem Fall. Nur nehme die Qualität der Hinweise mit den Jahren nicht eben zu, sagt Sturmeit.

Nichts Verwertbares
Auch die Beschreibung aus München, die die FR-Redaktion nach Rücksprache mit der Leserin an die Polizei weiterleitete, wurde von den Beamten zwar zur Kenntnis genommen. Dass sie zu einem Durchbruch bei den Ermittlungen geführt hätte, ist hingegen nicht bekannt.

Überhaupt, die Hobby-Kriminologen. Die Polizei will nicht abfällig über sie reden. Schließlich ist sie immer wieder auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen. Doch Mordermittler Uwe Fey sagte neulich in einem Interview offen und ehrlich, dass er aus der Szene der Detektive im Fall Tristan noch keinen einzigen brauchbaren Hinweis bekommen hat.

Phantombild verteilen
Armin Rosin aus der Wetterau ist einer der Menschen, „die der Mordfall nicht loslässt“, wie der Rentner aus Büdingen selbst sagt. Beinahe täglich ruft er in den Frankfurter Zeitungsredaktionen an und fragt nach Möglichkeiten, mit Aufrufen oder Hintergründen im Zusammenhang mit Tristans Tod in die Medien zu gelangen. Der 73-Jährige will nach dem Motto verfahren: Die Masse macht’s. Rosin möchte eine Arbeitsgemeinschaft von engagierten Bürgern gründen, die sich regelmäßig trifft und das weitere Vorgehen bespricht.

Die Hoffnung des Rentners stützt sich auf die Aussage eines Profilers, wonach der Täter aus dem Rhein-Main-Gebiet stammt. Um ihn zu finden, will Rosin möglichst viele Menschen an den Fall erinnern. In Zusammenarbeit mit den Betriebsräten möchte der einstige Gewerkschafter in großen Unternehmen wie Opel oder Fraport die Belegschaft darüber informieren, dass der Täter noch gesucht wird. Jeder Beschäftigte soll das Phantombild des Verdächtigen ausgehändigt bekommen. Und jeder soll sich zurückerinnern. Gab es damals, Ende März 1998, in seiner Umgebung etwas Ungewöhnliches, das der Polizei helfen könnte?

Es ist nicht das erste Mal, dass Armin Rosin aktiv wird, weil ihn das Schicksal eines Kindes bewegt. Als im Mai 2010 in Bad Vilbel die Leiche eines wenige Stunden alten Babys gefunden wurde, organisierte er eine Trauerfeier für das Mädchen. „Wenn so etwas Grauenvolles passiert, muss ich etwas tun“, sagt Rosin. Nur eines verspricht er: Bei allem Engagement „werde ich der Polizei nicht ins Handwerk pfuschen“.

http://www.fr-online.de/kriminalitaet/mo...6,30208974.html

#29 RE: Presseartikel von Christine 06.04.2015 14:12

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25.02.2015

Der Tod von Tristan Brübachs Vater rückt den grausamen Mord an seinem Sohn einmal mehr in das Bewusstsein der Menschen. Das Protokoll der letzten Stunden in Tristans Leben.


Frankfurt/Wiesbaden.
Der jetzt von der Bild-Zeitung gemeldete Tod von Tristan Brübachs Vater rückt den 17 Jahre zuvor begangenen grausamen Mord an seinem Sohn erneut in das Bewusstsein vieler Menschen nicht nur der Rhein-Main-Region.

Bis heute ist Tristan Brübachs Mörder auf freiem Fuß, lebt womöglich immer noch mitten unter uns. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die letzten Stunden und Stationen im Leben des jungen Tristans auf Grundlage von Zeugenaussagen rekonstruiert. Das Dokument seines Todestages am 26. März 1998 liefert manche Hinweise – und lässt doch bis heute viele Fragen offen.


8 Uhr: Tristan ruft seinen Vater an

Am 26.03.1998 verließ der Vater von Tristan, Bernd Brübach, gegen 04:30 Uhr die Wohnung und ging zur Arbeit. Tristan stand wie üblich alleine auf, um zur Schule zu gehen. Gegen 08:00 Uhr rief Tristan seinen Vater auf der Arbeitsstelle an, weil er über Rückenschmerzen klagte und nicht zur Schule gehen wollte. Sein Vater konnte ihn allerdings dazu bewegen, doch in die Schule zu gehen und später den Hausarzt aufzusuchen.


Polizei sucht noch immer Tristans Mörder
Vor 15 Jahren, am 26. März 1998, starb der 13-jährige Tristan Brübach. Er wurde ermordet. In dieser Betonröhre geschah die schreckliche Tat. Die fieberhafte Suche nach dem Täter beginnt. Das Plakat im Mai 2002 ruft zur Fingerabdruck-Sammelaktion auf ...
Tristan telefonierte um diese Zeit mit seinem Vater aus einer zur Wohnung nahegelegenen Telefonzelle. Nach dem Telefonat traf Tristan zufällig seinen Freund Boris. Beide fassten den Entschluss, vor der Schule noch einmal eine Zigarette zu rauchen. Dadurch verspätete sich Tristan und kam erst zur 2. Stunde, gegen 09:00 Uhr, in den Unterricht.

9 bis 13:30 Uhr: Tristan in der Schule

Seine Klassenlehrerin bestätigte, dass Tristan bis ca. 13:30 Uhr durchgängig in der Schule war. Tristan nahm am Unterricht und am gemeinsamen Mittagessen (12:30 Uhr - 13:15 Uhr) teil. Nach dem Mittagessen fragte Tristan die Klassenlehrerin, ob er zum Arzt gehen könnte, weil er starke Rückenschmerzen hatte. Dabei gab Tristan an, am Tag zuvor vom Baum gefallen zu sein. Tatsächlich hat er sich mit seinem Freund Maik mit Steinen beworfen, wobei Tristan durch einen Steinwurf am Rücken verletzt wurde. Die Lehrerin stimmte dem Arztbesuch zu und Tristan verließ gegen 13:30 Uhr die Schule.

Ab 13:30 Uhr: Im Bus zu Bahnhof

Eine Mitschülerin einer anderen Klasse hat Tristan gesehen, als er an der Haltestelle Allesinastraße, in Höhe der Schule, in den Bus stieg und in Richtung Bahnhof Höchst fuhr. Er nahm wie immer, auf der hinteren Rückbank im Bus Platz.

14 bis 14:20 Uhr: Tristan im Bus gesehen


Zwischen 14:00 Uhr und 14:20 Uhr wurde Tristan von seinem Freund Boris im Bus fahrend gesehen. Boris saß zu diesem Zeitpunkt in einem anderen Bus und versuchte Tristan auf sich aufmerksam zu machen. Tristan nahm jedoch die Zeichen von Boris nicht wahr.

Um seinen Freund zu treffen, verließ Boris seinen Bus und versuchte auf einem kürzeren Weg den Bahnhof Höchst zu erreichen. Dabei rannte er durch die Höchster Fußgängerzone, die der Bus auf einem längeren Weg umfahren muss. Doch als Boris am Höchster Bahnhof ankam, fand er Tristan nicht und ging nach Hause.


14:15/14:25 Uhr: Am Bahnhof, alleine auf einer Bank

Ein Schüler der Hostatoschule sah Tristan auf seinem Nachhauseweg gegen 14:15/14:25 Uhr am Höchster Bahnhof, als er alleine auf einer Bank saß.


15:20 Uhr: Im Park beim Höchster Busbahnhof

Letztmals lebend gesehen, wurde Tristan gegen 15:20 Uhr, als er auf einer Bank in einer parkähnlichen Anlage, in der Nähe vom Höchster Busbahnhof saß. Aufgrund seiner Tierliebe kam er dabei mit einer Hundehalterin ins Gespräch, die ihren Hund ausführte. Nachdem die Hundehalterin ihren Weg fortsetzte und sich dabei noch einmal umschaute, stellte sie fest, dass auf der Bank neben Tristan zwei männliche, vermutlich ausländische, Personen saßen.

15:30 Uhr: Der Mord

Etwa um 15:30 Uhr spielten drei Jugendliche auf dem Spielplatz hinter dem Anwesen Adelonstraße 31, als sie sich entschlossen zum Bahnhof Höchst zu gehen, um mit dem Bus zum Sportplatz zu fahren. Um ihren Fußweg abzukürzen, wollten die drei Kinder durch den Tunnel des Liederbaches gehen. Als die den Tunnel betreten hatten, sahen sie einen Mann, der sich über einen Gegenstand auf dem Betonsockel beugte. Die Kinder beobachteten den Mann etwa zwei Minuten und entschlossen sich dann für den längeren Fußweg um den Tunnel herum. Durch die weiteren Ermittlungen dürfte feststehen, dass diese drei Kinder den Mörder von Tristan bei seiner Tat beobachtet haben, wobei sie allerdings die Tat nicht als solche erkannt haben. Bei den Vernehmungen der drei Kinder hat sich eine brauchbare Täterbeschreibung heraus kristallisiert, die allerdings noch nicht zur Identifizierung geführt hat.

Die Meldung vom Leichenfund ging bei der Polizei erst gegen 17:08 Uhr ein. Ein Kinderbetreuer einer in Tatortnähe liegenden Kindertagesstätte wurde von zwei Kindern informiert, dass im Tunnel eine Leiche liegen würde. Die beiden Kinder spielten ebenfalls auf dem Spielplatz hinter der Adelonstraße 31 und trafen dort auf die zuvor erwähnten Jugendlichen. Etwa eine halbe Stunde später (ca. 16:00 Uhr), nachdem die drei Jugendlichen mit dem Bus zum Sportplatz fahren wollten, entschlossen sich die beiden Kinder ins Kinderhaus auf die andere Seite der Bahnschienen zu gehen.

Auch die beiden nahmen die Abkürzung durch den Tunnel des Liederbaches. Dort fanden sie auf dem Betonsockel die Leiche von Tristan. Die beiden Kinder erzählten dem Betreuer im Kinderheim von ihrem schrecklichen Fund. Nachdem der Betreuer sich vom Wahrheitsgehalt überzeugt hatte, verständigte er die Polizei.


http://www.google.de/imgres?imgurl=http:...=sniJUZrtuCYY4M

#30 RE: Presseartikel von Christine 08.06.2015 09:07

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08.06.2015

Höchst.
Der Mordfall Tristan geht Armin Rosin auch nach mehr als 17 Jahren nicht aus dem Kopf. Der Mann aus Büdingen in der Wetterau, der einmal in Höchst gewohnt hat, will sich nicht damit abfinden, dass der Mörder vielleicht nie gefasst wird: Rosin will eine Arbeitsgruppe gründen, um weiter Informationen zu dem Fall zusammenzutragen, die Erinnerung wachzuhalten und eventuell eine Gedenkfeier zu organisieren.

Tristan Brübach wurde am 26. März 1998 im Tunnel des Liederbachs unter den Gleisen des Höchster Bahnhofs ermordet. Seit den ersten Berichten beschäftigt der Fall Armin Rosin. „Ich versuche, auch andere Überlegungen in die Diskussion zu bringen“, sagt der Mann, der kein Hobby-Kriminalist ist und der Polizei auch „nicht ins Handwerk pfuschen“ möchte. Vielmehr soll die Polizei in die Arbeit der AG eingebunden werden. Rosin möchte ehemalige Mitschüler des Mordopfers finden, Lehrer, Bekannte; alle, die etwas zu dem Fall wissen und ihr Wissen teilen möchten.

Seit 1998 hat die Kriminalpolizei Tausende Hinweise geprüft; der entscheidende, der zum Täter führte, war nicht dabei. Der Fall Tristan Brübach ist einer der ganz wenigen Frankfurter Mordfälle, die ungelöst sind. Doch noch immer gehen hin und wieder Hinweise ein, wenn der Fall wieder einmal in einer TV-Sendung in Erinnerung gerufen wird.

Die Hoffnung Rosins stützt sich auf die Aussage eines bayerischen Profilers vom vergangenen Jahr, wonach der Täter aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen müsse.„Ich bin für jeden Hinweis dankbar“, sagt er. Zu erreichen ist er per E-Mail an arminrosin@gmx.de.



http://www.kreisblatt.de/lokales/main-ta...;art676,1435154

#31 RE: Presseartikel von 18.05.2016 13:38

Ermittlungen in Frankfurt: Serienmörder könnte Tristan getötet haben

Neue Spur in einem der berüchtigtsten Kriminalfälle Deutschlands: 1998 wurde der 13-jährige Tristan in Frankfurt brutal ermordet und verstümmelt. Nun hat die Polizei einen inzwischen verstorbenen Verdächtigen ausgemacht.


Seit 18 Jahren sucht die Polizei nach dem Mörder des 13-jährigen Tristan Brübach, nun gibt es neue Erkenntnisse: Die Ermittler prüfen, ob es eine Verbindung zu den Morden an fünf Frauen gibt, die alle derselbe Täter begangen haben könnte.

Im Herbst 2014 wurden in Schwalbach am Taunus die sterblichen Überreste einer verschwundenen Prostituierten entdeckt. Die Leichenteile lagerten in einer Plastiktonne in einer Garage, die Manfred S. gemietet hatte.
S., der im August 2014 im Alter von 67 Jahren starb, gilt als tatverdächtig. Aufgrund der grausamen Vorgehensweise sehen die Ermittler eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er weitere Menschen getötet hat.

Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe "Alaska" beim hessischen Landeskriminalamt untersucht, ob ein Zusammenhang zu vier weiteren Morden an Prostituierten zwischen 1971 und 1993 besteht.

In diesem Prozess geriet auch der Fall Tristan wieder ins Blickfeld. Der Junge war im März 1998 am helllichten Tag getötet worden, vor einer Unterführung des Frankfurter Liederbachs im Stadtteil Höchst. Der Täter schnitt der Leiche große Gewebe- und Muskelstücke vom rechten Bein und entnahm dem Opfer anschließend auch noch die Hoden.

"Trotz des scheinbaren Widerspruchs, dass es sich hierbei um ein männliches Kind handelt, stehen demgegenüber mehrere, teilweise sehr spezielle Tathandlungen des Täters, welche sich so, oder so ähnlich auch bei den anderen Opfern finden", heißt es in einer Mitteilung des Hessischen Landeskriminalamts. Weitere Informationen wollen die Ermittler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/tr...-a-1092644.html

#32 RE: Presseartikel von zumsel 18.05.2016 14:04

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LKA-HE: Hessisches Landeskriminalamt ermittelt in Serienmord in Hessen/ Pressekonferenz am 19.05.2016 um 13:40 Uhr/ Einladung für Medienvertreter

18.05.2016 – 12:00
Wiesbaden (ots) - Wie bereits im September und Oktober 2014 durch das Polizeipräsidium Westhessen mitgeteilt, wurden am 10.09.2014 die sterblichen Überreste einer Frau in einer Plastiktonne in Schwalbach a.Ts. aufgefunden. Die Tonne befand sich in einer Garage, die von dem im August 2014 verstorbenen 67-jährigen Manfred S. aus Schwalbach a.Ts. angemietet worden war.

Nach Auswertung dieser Tat besteht aufgrund der grausamen Vorgehensweise eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Tat Tötungsdelikte vorausgegangen sind. Da es sich bei dem in Schwalbach a.Ts. aufgefundenen Opfer um eine drogenabhängige Prostituierte, die ihren Lebensmittelpunkt in Frankfurt am Main hatte, handelte, wurde unter der Leitung des Hessischen Landeskriminalamts im Polizeipräsidium Frankfurt am Main eine Arbeitsgruppe (AG Alaska) eingerichtet.

Derzeit werden seitens der AG Alaska vier weitere ähnlich gelagerte Tötungsdelikte an Prostituierten aus Frankfurt am Main von aus den Jahren 1971 (zweimal), 1991 und 1993 auf einen möglichen Zusammenhang mit dem verstorbenen Tatverdächtigen S. hin untersucht.

Darüber hinaus wurde auch der Fall Tristan Brübach aus 1998 in die Überlegungen mit einbezogen. Trotz des scheinbaren Widerspruches, dass es sich hierbei um ein männliches Kind handelt, stehen demgegenüber mehrere, teilweise sehr spezielle Tathandlungen des Täters, welche sich so, oder so ähnlich auch bei den anderen Opfern finden.

Um diese und gegebenenfalls noch weitere ungelöste Tötungsdelikte aufzuklären, laden wir Sie zu einer Pressekonferenz am 19.05.2016 um 13:40 Uhr in die Räumlichkeiten des Hessischen Landeskriminalamtes, Hölderlinstraße 1-5, 65187 Wiesbaden, ein.

Die Anzahl der Plätze ist aufgrund baulicher Gegebenheiten auf 45 begrenzt. Wir bitten aus diesem Grund um Akkreditierung über das Postfach pressestelle.hlka@polizei.hessen.de. Die Plätze werden nach Zeitstempel der Posteingangsmail vergeben. Bitte bringen Sie einen gültigen Personalausweis mit.

Im Anschluss stehen Ihnen die Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts, Frau Sabine Thurau sowie Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Alaska" für O-Töne zur Verfügung.

Rückfragen bitte an:

Hessisches Landeskriminalamt
Pressestelle
Christoph Schulte
Telefon: (0611) 83-8119
Fax: (0611) 83-8115
E-Mail: pressestelle.hlka@polizei.hessen.de
http://www.polizei.hessen.de


http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/43563/3329918

#33 RE: Presseartikel von Christine 18.05.2016 19:40

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LEICHE IN DER TONNE
Mord an Tristan womöglich geklärt
Von GEORG LEPPERT


Der Mord am damals 13-jährigen Tristan Bübach vor 18 Jahren steht offenbar vor seiner Aufklärung. Die Polizei bringt den Mord in Verbindung mit einem Mann, dem auch fünf weitere Morde an Prostituierten vorgeworfen werden.


Mehr als 18 Jahre nach der Tat ist eines der spektakulärsten Verbrechen im Rhein-Main-Gebiet womöglich aufgeklärt. Die Polizei sieht Verbindungen zwischen dem Mord an einer Prostituierten in Schwalbach im Taunus und dem Fall Tristan Brübach. Der 13 Jahre alte Junge war im März 1998 in einer Unterführung in Frankfurt-Höchst getötet und verstümmelt worden. Als Täter kommt ein inzwischen verstorbener Mann in Frage, in dessen Garage im September 2014 die sterblichen Überreste einer Frau gefunden wurden. Er soll auch für weitere Morde an Prostituierten verantwortlich sein.

Manfred S., wie der Tatverdächtige laut Polizei hieß, war im August 2014 im Alter von 67 Jahren gestorben. Verwandte schauten sich in den folgenden Tagen auch in einer von ihm gemieteten Garage in Schwalbach um. In zwei Plastikfässern fanden sie einen verwesten Kopf und weitere Leichenteile.

Die Polizei richtete daraufhin eine Sonderkommission ein, die „AG Alaska“. Bei den Ermittlungen ergab sich, dass es sich bei der Toten um eine Prostituierte aus Frankfurt handelte, die 2003 aus ihrem Lebensumfeld verschwunden war. Offenbar wurde sie kurze Zeit später getötet und zerstückelt.

In den vergangenen Monaten erhärtete sich der Verdacht, dass es sich bei Manfred S. um einen Serientäter handeln könnte. In Frage kommen vier Tötungsdelikte an Prostituierten aus Frankfurt. Zwei Frauen wurden im Jahr 1971 umgebracht, jeweils eine in den Jahren 1991 und 1993.
Der Fall Tristan passt in diese Reihe zunächst nicht hinein, räumen die Ermittler ein. Allerdings stellen die Ermittler auf „mehrere, teilweise sehr spezielle Tathandlungen“ ab, die auch bei den Morden an den Prostituierten festzustellen waren.

Nach dem Mord an Tristan im Liederbachtunnel hatte die Polizei mit großem Aufwand versucht, den Täter zu finden. Unter anderem gab es großangelegte Untersuchungen von Fingerabdrücken. Die Ermittler werteten mehr als 20 000 Spuren aus. Drei Jugendliche hatten die Tat beobachtet. Ihre Beschreibung des Mörders führte aber zu keiner Festnahme.

Über Details der Ermittlungen will das Landeskriminalamt in Wiesbaden am Donnerstag auf einer Pressekonferenz berichten.


AUTOR
Georg Leppert

Vize-Leiter Redaktion Frankfurt/Rhein-Main

http://www.fr-online.de/kriminalitaet/le...6,34255932.html

#34 RE: Presseartikel von Christine 19.05.2016 09:50

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Leichenfund in Schwalbach schockt
Grausige Verbrechen
19.05.2016
VON HOLGER VONHOF UND DIRK MÜLLER-KÄSTNER

Der Mord an Tristan Brübach in Höchst und der Fund einer zerstückelten Leiche in Schwalbach waren Ereignisse, die die Region schockierten. Nun glaubt die Polizei, dass dahinter derselbe Täter stecken könnte.


Frankfurt / Schwalbach.

Noch heute erschaudern viele, die über den weitläufigen Friedhof in Frankfurt-Höchst gehen und am Grab von Tristan Brübach vorbeikommen. Der Mord ist im kollektiven Gedächtnis des Stadtteils, die Menschen zeigen sich bis heute erschüttert. Als gestern die ersten Mutmaßungen zur Entwicklung des Falls in den sozialen Medien auftauchten, war die Resonanz besonders im Frankfurter Westen groß.

„Vor diesem Mord hatte ich immer gedacht, solche schrecklichen Dinge würden nur in amerikanischen Profiler-Krimis vorkommen. Da wir damals in Höchst wohnten, musste auch ich ins Polizeipräsidium und meine Fingerabdrücke abgeben“, schreibt ein Mann in einer Diskussion auf Facebook.


Alle über 18-Jährigen, die damals in Höchst und Unterliederbach wohnten, wurden aufgefordert, in der seinerzeit größten Reihenuntersuchung ihre Fingerabdrücke abzugeben. Gebracht hat es nichts. Immer wieder war der Fall in den Schlagzeilen und der Fernseh-Berichterstattung. Zuletzt gab 15 Jahre nach der Tat ein bayerischer Profiler seine Expertise zum Besten.

Viele Theorien

Geblieben ist die Ungewissheit. War es ein Täter, der aus dem direkten Umfeld stammte, wie es die Polizei angesichts der Kenntnisse über den versteckten Bach-Tunnel, in dem die Leiche Tristans gefunden worden war, angenommen hatte? Oder war es ein Täter, der sein Opfer zufällig getroffen hatte und längst in einer anderen Ecke der Welt war, wie man es vermutet hatte, als Tristans Rucksack fast genau ein Jahr später, am 25. März 1999, mit einer Deutschlandkarte in tschechischer Sprache im Wald in der Nähe von Niedernhausen gefunden wurde? Ein Mensch, der im Jugoslawien-Krieg oder in Afghanistan verroht war, ein irrer Metzger, ein durchgeknallter Junkie? Alles Thesen, die im Laufe der Jahre an die Öffentlichkeit drangen.


Gefunden worden war der geschändete Leichnam des 13-Jährigen am 26. März 1998 in einem mannshohen Rohr, in dem der Liederbach die Gleisanlage des Höchster Bahnhofs unterquert. Es war der letzte Schultag vor den Osterferien. Der Tunnel war seit Jahrzehnten die abenteuerliche Abkürzung für Kinder, die aus den Stadtteilen am Höchster Bahnhof eintrafen und etwa zum Gymnasium auf der Nordseite des Bahnhofs mussten.

Der Täter hatte den Jungen, der die Meisterschule in Frankfurt-Sindlingen besuchte und von seinem Vater aufgezogen wurde, auf bestialische Art umgebracht: Er durchschnitt dem Jungen die Kehle, entnahm dem Leichnam die Hoden und einen Teil des Muskelfleischs am Gesäß und einem Oberschenkel, ließ die Leiche im Bach ausbluten – nur wenige Meter von einem Spazierweg entfernt. Der Einlass in den Tunnel ist längst mit einem schweren Stahlgitter versperrt.


Ein Jahr nach der Bluttat, am 8. Oktober 1999, der zweite Schock: Das Grab Tristan Brübachs auf dem Höchster Friedhof war geschändet worden; jemand hatte versucht, es aufzugraben, war rund 1,20 Meter in die Tiefe vorgedrungen, aber nicht auf den Sarg gestoßen. Tristans Großmutter fand das halb geöffnete Grab ihres ermordeten Enkels. Was damals auf dem Friedhof geschah, wurde ebenfalls nie geklärt. So wie der Mord selbst.

Tristans Vater Bernd Brübach, inzwischen verstorben, trat zwischenzeitlich in der RTL-Sendung „Explosiv“ auf, um Zeugen zu finden – ohne Erfolg. Dass der Vater des Ermordeten öffentlich im Fernsehen auftrat, war als „direkte Ansprache“ Teil einer Methode, die erstmals bei einer Fahndung angewendet wurde. Die Polizei musste damals ihr Bild über Tristan, der zuerst als Problemkind dargestellt worden war, das nach dem Tod seiner Mutter Iris den Halt verloren hatte, revidieren: Tristans Entwicklung war altersgerecht, er war kein böser Bube, der sich mit Drogensüchtigen herumtrieb. Er war ein Kind, das – wie viele andere – spannende Ecken wie den Liederbach-Tunnel liebte. Und dort starb.


Weniger Mitgefühl rief die Entdeckung hervor, die im September 2014 in einer Garage an einer kleinen Schwalbacher Nebenstraße gemacht wurde. Grausig war aber auch sie. Beim Aufräumen der Garage, die der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbene, mutmaßliche Serienmörder angemietet hatte, fand der Lebensgefährte der Tochter des Mieters in einer mit einem Spannring verschlossenen Plastiktonne Leichenteile. Die von ihm verständigte Polizei öffnete wenig später eine weitere Tonne, in der ein Torso und ein Kopf lagen.


Zunächst war unklar, ob alle Leichenteile zu einer Person gehören, aber rasch wussten die Ermittler, dass es sich um „nur“ ein Opfer handelte: um eine Frau mittleren Alters. Wenige Tage später war sie durch Rekonstruktion der Fingerabdrücke identifiziert. Das Opfer war eine 1960 geboren Prostituierte aus Frankfurt. Sie habe sich wohl im Obdachlosenmilieu im Frankfurter Westen aufgehalten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ihr Aufenthaltsort sei zuletzt unbekannt gewesen. Es habe sie niemand als vermisst gemeldet. Dass die Gerichtsmediziner bei ihrer Sisyphusarbeit die Fingerabdrücke rekonstruieren konnten, habe der Polizei eine Menge Arbeit erspart, da man dann nicht mehr die Liste der vermissten Personen der vergangenen Jahre durchackern musste.

Parallel zur Arbeit der Gerichtsmediziner im Labor ermittelte die Polizei in Schwalbach in alle Richtungen. Viele Anwohner wurden befragt, und auch dem Obstbauer gegenüber der Garage statteten die Ermittler einen Besuch ab. In seinem Hof standen zahlreiche verschlossene Fässer – ebensolche, wie die, in denen die verwesenden Leichenteile entdeckt worden waren. Der Obstbauer musste alle Fässer öffnen, mehr als Maische war aber nicht darin.

Parallelen gesucht

Da der linke Arm der zerstückelten Leiche fehlte, suchte die Polizei nach diesem zunächst an der Hofheimer Straße in Schwalbach, im Wohnhaus des Garagenmieters. Auch ein Leichenspürhund wurde dort eingesetzt. „Die drehen jede Tapete um“, sagte eine Nachbarin, zur Arbeit der Polizei und des Landeskriminalamts (LKA). Ins Haus kamen aber nur die Ermittler. Gefunden wurde der Arm nicht. Im November gruben die Ermittler auf der Suche nach dem Arm dann ein 600 Quadratmeter großes Gartengrundstück in der Nähe des Falkensteiner Stock bei Kronberg um. Dort kam schweres Gerät zum Einsatz und auch dort schnüffelte ein Leichenspürhund – erfolglos.

In der Folgezeit war von den Ermittlungsarbeiten der Polizei und der Staatsanwaltschaft wenig zu hören. Im Frühjahr 2016 wurde das Wohnhaus des Mannes, der wohl – aufgrund der Ermittlungen im Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Nordrhein-Westfalen und in Bremen – immer stärker verdächtigt wurde, erneut durchsucht. „Es wird insbesondere geprüft, ob es Parallelen zu anderen, nicht aufgeklärten Tötungsdelikten gibt“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Das LKA prüfe, ob der im Schwalbacher Fall als mutmaßlicher Tatverdächtige identifizierte Mann, der bereits im Jahr 2014 verstorben ist, auch für andere Taten verantwortlich ist.“ Dieser Verdacht hat sich nun offenbar erhärtet.


http://www.fnp.de/nachrichten/politik/Gr...;art673,2016440

#35 RE: Presseartikel von Christine 19.05.2016 15:08

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hessenschau.de tickert live von der Pressekonferenz des LKA

http://hessenschau.de/panorama/pressekon...enmord-100.html

#36 RE: Presseartikel von Bulli 19.05.2016 19:31

Mutmaßlicher Serienmörder aus Hessen Ermittler: Jeder Leiche fehlte ein anderes Körperteil


Die hessische Polizei hat im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. neue Details veröffentlicht. Bei den Taten, mit denen S. in Verbindung gebracht wird, waren nach Angaben der Ermittler immer unterschiedliche Körperteile entnommen worden.

Es gebe die Gemeinsamkeit, dass Organe und Körperteile vom Täter mitgenommen worden seien, aber nie die gleichen. Ermittler Frank Hermann sagte: Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm - "wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen".

S. habe zudem womöglich einen Mittäter gehabt, hieß es. Speziell eine Leiche lasse "daran denken, dass hier möglicherweise zwei Täter ihre Fantasien ausgelebt haben", sagte einer der Ermittler.

Die Zahl der Verdachtsfälle gegen S. stieg auf mindestens sechs. Hinzu kommen laut Polizei mindestens vier weitere Fälle, die zumindest einzelne Ähnlichkeiten mit den anderen Fällen aufwiesen.

Auch bei Tristan sadistische Fantasien ausgelebt?

Als ziemlich sicher gilt, dass der 2014 gestorbene Verdächtige eine Prostituierte tötete, deren zerstückelte Leiche in seiner Garage in Schwalbach gefunden wurde. Hinzu kommen zwei Morde an Prostituierten in den 90er Jahren in sowie zwei Morde an Frauen ebenfalls in Frankfurt in den 70er Jahren, wie die Polizei erklärte.


Außerdem passe der Fall des 1998 in Frankfurt-Höchst getöteten 13-jährigen Tristan ins Bild, obwohl es sich beim Opfer um einen Jungen handelte. Auch bei Tristan habe der Täter sadistische sexuelle Fantasien ausgelebt.

Die Ermittler brachten außerdem zwei Vermisstenfälle in eine mögliche Verbindung mit dem Täter - die Frauen verschwanden 1998 und 1999. Außerdem seien im Stadtgebiet Frankfurt am Main Köpfe zweier Frauen gefunden worden - inwieweit der Verdächtige für den Tod der beiden Frauen verantwortlich gewesen sein könnte, sei aber nicht klar.

Verdächtige Dateien auf dem Computer gefunden

Im Computer des Mannes seien Dateien mit Abbildungen sexueller Gewaltfantasien gefunden worden, die "fast eins zu eins" den Verletzungen bei den mutmaßlichen Opfern entsprochen hätten.

Von der Polizei wird Manfred S. als "ganz normaler Familienvater" beschrieben. Er sei bis zu seinem Tod 2014 im Alter von 67 Jahren polizeilich nicht aufgefallen, sagte Ermittler Frank Hermann. Nach seinem Tod waren zufällig in seiner Garage die Leichenteile einer Prostituierten gefunden worden.

read:http://www.t-online.de/nachrichten/panor...oerperteil.html

#37 RE: Presseartikel von 20.05.2016 11:24

Fall Tristan
Ein blutiger Fingerabdruck als wichtigste Spur
Der Mord an Tristan Brübach machte die Ermittler lange ratlos. Jetzt kann er vielleicht aufgeklärt werden. Das ist inzwischen bekannt.
20.05.2016, von RALF EULER, WIESBADEN

Tatort Unterführung: Polizisten mit Spürhunden untersuchen die Fundstelle von Tristans Leiche.
Ein Jahr nach dem Mord an seinem 13Jahre alten Sohn Tristan äußerte sich der Vater, Bernd Brübach, im März 1999 erstmals öffentlich zu dem Verbrechen und seinen Gefühlen. „Ich will gar nicht so sehr wissen, wer Tristan getötet hat, ich suche ständig nach einem Grund“, sagte er damals. „Ich kann mir einfach keine Situation vorstellen, in der es zu so einer Tat kommen muss.“ Für die Polizei war der Tod des Jungen ohne Beispiel in der Kriminalgeschichte. Wohl niemals zuvor, so hieß es, habe ein Mörder einen Leichnam an einem öffentlich zugänglichen Ort und mitten am Tag zerstückelt. Jetzt wird geprüft, ob der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. auch für dieses Verbrechen verantwortlich sein könnte.

Ralf Euler
Autor: Ralf Euler, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.
Folgen:

Der grausam zugerichtete Körper des Jungen wurde am 26.März 1998 kurz vor 16Uhr in einem 130Meter langen begehbaren Wasserdurchlass unter dem Bahnhof in Frankfurt-Höchst gefunden. Der Mörder hatte Tristan die Kehle durchgeschnitten und dem Toten dann Muskelfleisch und Hoden entnommen. Die Leichenteile transportierte er wahrscheinlich im Rucksack des Jungen ab. Nach Einschätzung der Ermittler benötigte der Mörder bis zu 20Minuten für die Ausführung seines blutigen Werks. Vor dem Verlassen des Tatorts stellte er Tristans Turnschuhe auf die Brust der Leiche.

Oktober 1999 wurde Grabstätte Tristans geschändet
Immerhin hatten die Ermittler den Teil eines blutigen Fingerabdrucks, den der Mörder am Tatort zurückließ. Die zeitweise bis zu 100Beamte starke Arbeitsgruppe „Tristan“ überprüfte Tausende von Abdrücken in deutschen und ausländischen Fahndungskarteien, 2000 in der Umgebung des Tatorts lebende Männer gaben ihre Abdrücke freiwillig zur Kontrolle ab. Das Bundeskriminalamt (BKA) recherchierte in Europa, Asien und Nordamerika, bei der Fremdenlegion in Frankreich, bei den amerikanischen Streitkräften in Deutschland und unter Kriegsverbrechern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Spezialisten des BKA erstellten ein Täterprofil. Das Bild, das sich auf diese Weise ergab, sprach für einen männlichen Einzeltäter, einen aggressiven jähzornigen Typen im Alter zwischen 17 und 30 Jahren, der vermutlich nicht in einer festen Partnerschaft lebe.

Die Analytiker nahmen an, dass der Täter in der Umgebung seines Opfers wohnte und es vermutlich gekannt, wenn auch nicht notwendigerweise eine enge Beziehung zu ihm gehabt habe. Nur wenige Tage nach dem Jahrestag der Tat, Ende März 1999, wurde Tristans Rucksack in einem Waldstück bei Niedernhausen entdeckt. Weil sich darin eine Deutschland-Straßenkarte in tschechischer Sprache befand, wurden in den folgenden Wochen Tschechen, die an der nahegelegenen Baustelle der ICE-Trasse Frankfurt-Köln arbeiteten, kontrolliert. In Tschechien und der Slowakei wurden Fahndungsfilme ausgestrahlt, doch auch das brachte keine neuen Hinweise.

Im Oktober 1999 schreckte die Meldung von der Schändung der Grabstätte Tristans die Öffentlichkeit auf. Die Blumen waren fein säuberlich ausgestochen, das Grab war bis zu einer Tiefe von 1,20 Meter ausgehoben und die Erde auf einer Kunststoffplane neben dem Holzkreuz aufgehäuft worden. Der Sarg des Jungen blieb unberührt, vielleicht weil der Täter gestört worden war. Vermutungen über eventuelle Beweggründe reichten von einer „Schwarzen Messe“ bis hin zur Tat eines Verrückten. Spekulationen, Tristans Grab könne von seinem Mörder geöffnet worden sein, wiesen Staatsanwaltschaft und Polizei zurück: So etwas liege „jenseits der Vorstellungskraft“.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/fa...r-14242715.html

#38 RE: Presseartikel von Christine 21.05.2016 09:43

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Profiler über Manfred Seel: "Der Täter suchte bewusst einen jungen Menschen"

Ein Interview von Daniel Hartung und Julia Jüttner

Manfred Seel soll fünf Frauen und möglicherweise auch den 13-jährigen Tristan Brübach ermordet haben. Wie erkannten die Ermittler Verbindungen zwischen den Taten?

Eine zerstückelte Leiche in zwei Plastiktonnen in einer Garage - dieser Fund löste die Ermittlungen zu einer besonders schaurigen Mordserie aus: Die Polizei nimmt an, dass Manfred Seel, der inzwischen verstorbene Mieter der Garage im hessischen Schwalbach, fünf Frauen umbrachte und möglicherweise auch Tristan Brübach tötete, einen 13 Jahre alten Jungen.

Tristan war 1998 an einer Unterführung am Bahnhof Frankfurt-Höchst auf brutale Weise ermordet worden. Zwischen 1971 und 2003 soll der Täter zudem Gudrun Ebel, Hatice Erülkeroglu, Gisela Singh, Dominique Monrose und Simone Diallo getötet haben. Der Täter schnitt ihre Körper auf, nahm Organe und andere Teile an sich.
Es waren Teile von Diallos Leiche, die Seels Hinterbliebene kurz nach dessen Tod im Herbst 2014 in der Garage fanden. Seither geht die Arbeitsgruppe "Alaska" unter Führung des Hessischen Landeskriminalamts der Verbrechensserie auf den Grund. Die Polizei vermutet, dass es einen Mittäter oder Mitwisser gab, deshalb wird weiter ermittelt.

Alexander Horn ist der verantwortliche Fallanalytiker. Im Interview spricht er über das Vorgehen des Täters und mögliche weitere Fälle.

SPIEGEL ONLINE: Herr Horn, was ist das für ein Mensch, der fünf Frauen und einen Jungen auf derart bestialische Weise zurichtet?

Alexander Horn: Der Täter wusste genau, was er tat, er ging strukturiert und zielgerichtet vor. Die Fälle weisen große Verhaltensübereinstimmungen auf, Aspekte einer Handschrift des Täters sind erkennbar. Wir gehen davon aus, dass eine sexuell sadistische Persönlichkeitsstruktur vorlag.

SPIEGEL ONLINE: Den Opfern wurden Körperteile und Organe entnommen. Warum?

Horn: Möglich, dass er sie mitnahm, weil er sie für weitere sadistisch-motivierte Fantasieauslebungen oder gar kannibalistische Handlungen benötigte. Es ist einfach sehr vielschichtig, was er damit getan haben könnte. Vielleicht wollte er sie auch einfach nur behalten, sie anschauen, den Verwesungsprozess beobachten.

SPIEGEL ONLINE: Geht es auch darum, im weiteren Sinne das Opfer länger bei sich zu haben?

Horn: Im Fall Dominique Monrose, die 1993 starb, ist das durchaus denkbar. Ihre Körperteile wurden an unterschiedlichsten Stellen aufgefunden. Ihren Torso beispielsweise hat er vermutlich zehn Tage behalten und sich mit ihm beschäftigt.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit war Ihnen klar, dass der Mord an Tristan keine Einzeltat ist?

Horn: Dass der Täter Tristan in dieser Ausprägung umbrachte, aber davor oder danach nicht getötet hat, hielten wir von Anfang an für sehr unwahrscheinlich. Der Junge war genauso leicht verfügbar wie die anderen Opfe,r und er war kein Zufallsopfer. Der Täter suchte offenbar bewusst einen jungen Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Was verbindet den Fall Tristan noch mit den anderen?

Horn: Die schnelle, zielgerichtete Tötung, die Art des sexuell abweichenden Verhaltens, der Einsatz von scharfer Gewalt. Bei Tristan hat der Täter die Schuhe des Opfers auf der Leiche deponiert, ein sehr seltsames Verhalten. Im Fall Gisela Singh 1991 wurden die Schuhe des Opfers ebenfalls auffällig neben dem Kopf platziert. Von anderen Tätern ist so ein Verhalten nicht bekannt.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Verhalten des Täters ritualisiert?

Horn: Im Fall Tristan agierte der Täter sehr funktional. Die schnelle Tötung etwa war notwendig, weil der Tatort durch die Nähe des Bahnhof

s stark frequentiert war. Eine Störung von außen wäre jederzeit möglich gewesen, dennoch entschloss sich der Täter zur Tatbegehung.

SPIEGEL ONLINE: Lebt der Täter seine Fantasien während der Tat aus?

Horn: Wir wissen aus anderen Fällen: Das unmittelbare Ausleben sexueller Handlungen vor Ort ist nicht das Wichtigste. Häufig ist es so, dass sich der Täter einen Rückzugsort sucht, um dort die sexuellen Handlungen auszuleben. Die Tatbegehung baut er dann dort in seine Fantasie ein.

SPIEGEL ONLINE: Könnte sich die Zahl der Opfer noch erhöhen?

Horn: Man muss auch die Vermisstenfälle im Blick haben: Bislang weisen zwei eine gewisse Relevanz auf. Dabei handelt es sich um Prostituierte, die wie die getöteten Frauen Gisela Singh und Dominique Monrose schwer drogenabhängig waren und auf dem Straßenstrich im Frankfurter Bahnhofsviertel SM-Praktiken anboten. Für einen Täter mit einer solchen Vorliebe sind solche Frauen leicht zugänglich und verfügbar.

SPIEGEL ONLINE: Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch den Fund der getöteten Simone Diallo. Was hat die Analyse ihres Verletzungsmusters ergeben?

Horn: Es gibt eindeutige Anzeichen für sexuell sadistische Handlungen, zum Beispiel Schnitte in sexuell relevanten Körperzonen. Wir gehen davon aus, dass der Täter - anders als in den Fällen davor - sein noch lebendes Opfer verstümmelte.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange war Simone Diallo nach ihrem Verschwinden noch am Leben?

Horn: Sie wurde nicht als vermisst gemeldet. Wir wissen nur, dass sie im Herbst 2003 zuletzt gesehen wurde. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie über einen längeren Zeitraum gefangen gehalten worden wäre.

SPIEGEL ONLINE: Warum zog der mutmaßliche Täter mit den Tonnen um und entsorgte sie nicht?

Horn: Offensichtlich hatte er durchaus die Gelegenheit, die Leiche zu entsorgen, sich aber bewusst dagegen entschieden. Das bedeutet: Er wollte das Opfer unbedingt behalten. Bis zum Schluss.

SPIEGEL ONLINE: Sollte Manfred Seel, in dessen Garage die Tonnen standen, der gesuchte Serienmörder sein, hätte er 1971 zwei Frauen getötet und dann erst wieder 1991, 1993, 1998 und 2003 gemordet. Wie ist die lange Pause zu erklären?

Horn: Wir wissen von anderen Serienmördern, dass sie in dem Zeitraum, in denen sie keine Taten begehen, anders stabilisiert werden, beispielsweise durch Familiengründung wie im Fall Manfred Seel. Die sexuellen Fantasien aber sind auch in dieser Zeit nicht weg. Der Täter lebt sie auf andere Art und Weise aus.

SPIEGEL ONLINE: Wie tut er das?
Horn: Er plant beispielsweise neue "Projekte", von denen keiner etwas ahnen muss oder über den Konsum entsprechender Gewaltpornografie. Einer, der in einer sexuell abweichenden Welt lebt, kann dennoch eine soziale Kompetenz besitzen - quasi problemlos eine doppelte Buchführung aufrechterhalten.


Zitat
Alexander Horn, Jahrgang 1973, ist einer der bekanntesten Fallanalytiker Deutschlands, Mitbegründer des Täterprofilings bei der Münchner Mordkommission und Leiter der Dienststelle für Operative Fallanalyse (OFA) in Bayern. Er erstellt pro Jahr mehr als 30 Fallanalysen und war maßgeblich an der Arbeit der "Soko Dennis" und der "BAO Bosporus" beteiligt, die NSU-Morde aufzuklären versuchte.




http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fa...-a-1092904.html



Mehr über die Ermittlungen zu Manfred Seel im SPIEGEL TV-Magazin, Sonntag, 22:20 Uhr, RTL

#39 RE: Presseartikel von Christine 27.05.2016 10:54

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26.05.2016

Eine Klarinette soll Serienmörder Manfred S. entlarven Der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. spielte bis zu seinem Tod 2014 in einer Jazzband. Jetzt haben die Ermittler seine Klarinette untersucht. Sie ist derzeit deren "vielversprechendste Spur".


Als im September 2014 in einer Garage im hessischen Schwalbach am Taunus zwei blaue Plastikfässer mit Leichenteilen entdeckt wurden, durchsuchte die Polizei nicht nur das Haus des im Monat zuvor verstorbenen Rentners Manfred S., der die Garage angemietet hatte.

Die Ermittler ließen auch seine Leiche exhumieren. Sie wollten DNA-Spuren und Fingerabdrücke sicherstellen. Sie vermuteten schon damals, dass es sich bei Manfred S. um einen sadistischen Serientäter handeln könnte.

In den Plastikfässern lagen die Überreste einer Frau, bei ihr soll es sich um eine drogenabhängige Prostituierte vom Frankfurter Straßenstrich handeln. Nägel und Schrauben wurden ihr in den Intimbereich gerammt, Arme und Beine waren mit einer Säge abgetrennt – vermutlich als sie noch lebte.

Sie war auf eine so unfassbar grausame Weise getötet worden, dass die Ermittler nicht von einer Ersttat ausgehen konnten. Was sie im Keller von Manfred S. fanden, erhärtete den Verdacht: Zahlreiche gewaltpornografische Darstellungen, japanische Manga-Comics, die ähnliche Tötungen zeigten, aber auch Kinderpornografie und Bilddateien mit kannibalistischen Motiven.

Fünf Frauen könnten seine Opfer sein

Die ausgegrabene Leiche von Manfred S. wurde von Gerichtsmedizinern untersucht. Der Verwesungsgrad war aber schon derart weit fortgeschritten, dass nur noch sechs von zehn Fingern rekonstruiert werden konnten, um taugliche Fingerabdrücke zu bekommen. Das macht es schwierig, sie eindeutig zuzuordnen. Eine Klarinette soll den Ermittlern weiterhelfen.

Mehr als fünf Morde könnten auf das Konto von Manfred S. gehen
Foto: dpa
Mehr als fünf Morde könnten auf das Konto von Manfred S. gehen
Manfred S. spielte bis zu seinem Krebstod Klarinette in einer Jazzband. Irgendwann hatte er das Instrument an einen Bekannten weitergegeben. Dieser hatte sich nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe an die ermittelnde Sonderkommission "Alaska" gewandt.

Die Klarinette wurde in einem Labor untersucht. Im Laufe der kommenden Woche erwarten die Kriminalpolizisten ein Ergebnis. "Das ist im Moment unsere vielversprechendste Spur", sagt Holger Thomsen, leitender Ermittler in der Soko "Alaska".

Gelingt es, fehlende Fingerabdrücke von Manfred S. zu rekonstruieren, dann könnten die Ermittler sie mit den Spuren der Morde, mit denen sie den Verstorbenen mittlerweile in Verbindung bringen, abgleichen.

Dass Manfred S. mindestens fünf Frauen aus dem Prostituiertenmilieu getötet haben soll, davon gehen sie heute aus.

Der grausame Tod des Tristan Brübach

Die Ermittler hatten die Akten aller ungeklärten Fälle, sogenannter cold cases, in der Region seit den 50er-Jahren noch einmal unter die Lupe genommen. Dabei waren sie auf fünf Morde gestoßen, bei denen Frauen nach einem ähnlichen sadistischen Muster ums Leben gekommen sind, die frühesten Fälle hatten sich 1971 ereignet. Manfred S. könnte außerdem der Mörder des Schülers Tristan Brübach gewesen sein.

Tristan Brübach wurde 1998 in Frankfurt grausam ermordet
Foto: pa / dpa
Tristan Brübach wurde 1998 in Frankfurt grausam ermordet
Der 13-Jährige wurde im März 1998 in einer Unterführung im Frankfurter Stadtteil Höchst auf nahezu identische Art wie die Frauen umgebracht. Der Täter hatte Tristan die Kehle durchtrennt, er hatte ihn schwer im Schambereich verletzt, er hatte ihm Körperteile entnommen, einen Hoden und Fleisch aus dem Oberschenkel.

An einem Schulheft aus Tristans Rucksack, der ein Jahr nach der Tat gefunden wurde, haftete ein blutiger Fingerabdruck. Bislang konnte er dem mutmaßlichen Täter aber nicht zugeordnet werden.

Mehr als 100 Hinweise haben die Polizisten erhalten, seit der Ermittlungsstand im Fall Manfred S. bekannt wurde. Einige Zeugen haben sich gemeldet, die den Familienvater aus dem Taunus kannten, sie sollen in den kommenden Wochen vernommen werden.

Die Ermittler hoffen, dass sie mit ihrer Hilfe in der Lage sein werden, Lücken im Lebenslauf von Manfred S. zu schließen. Es könnte etwa sein, dass er immer dann getötet hat, wenn seine Frau nicht vor Ort war. Als Mitarbeiterin der Lufthansa war sie häufiger mehrere Tage lang unterwegs.

Noch einmal überprüft werden soll auch ein Fall, der sich etwa zwei Wochen vor Tristan Brübachs Tod im niedersächsischen Peine ereignet hatte. Auch dort wurde ein Junge, der ebenfalls 13-jährige Markus Wachtel, auf bestialische Weise ermordet.

Verurteilt wurde ein Jugendlicher, der einen Streit mit dem Schüler hatte, aufgrund von Indizien. Er selbst hatte die Tat bestritten. Schon damals wurden Parallelen zum Mord an Tristan Brübach untersucht.

"Es gibt eine grobe Ähnlichkeit der Fälle", sagt Ermittler Thomsen. Deswegen soll auch dieser Fall nun noch einmal begutachtet und überprüft werden, ob eine Verbindung zu Manfred S. bestehen könnte. "Eine heiße Spur ist das allerdings noch lange nicht", sagt der Polizist.


http://www.welt.de/vermischtes/article15...-entlarven.html

#40 RE: Presseartikel von Christine 29.05.2016 08:27

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Mutmaßlicher Serienmörder Seel
Die Theorie vom zweiten Täter

Veröffentlicht am 28.05.16 um 16:40 Uhr

War er es nicht allein? Die Ermittler halten es für möglich, dass der mutmaßliche Schwalbacher Serienmörder Manfred Seel einen Komplizen hatte - und stützen die Theorie nicht nur auf die Gewaltspuren an einer Frauenleiche.

Es ist eine der vielleicht größten Mordserien der deutschen Kriminalgeschichte: Ein als unbescholten geltender Familienvater und Hobby-Musiker aus Schwalbach (Main-Taunus) soll bis zu zehn Morde begangen haben, vielleicht auch mehr. Erst nach seinem Tod kommt ihm die Polizei auf die Spur. Eine der wichtigsten Fragen, der die Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) nachgehen: Handelte Manfred Seel womöglich nicht allein?

Was spricht für die Helfer-Theorie?

Der Mord an der Prostituierten Britta Diallo lässt sich am eindeutigsten Manfred Seel zurechnen, weil in seiner Garage die Leichenteile gefunden wurden. Und in diesem Fall wurden dem Opfer Verletzungen nach zwei verschiedenen Mustern zugefügt. Sie offenbaren zwar jeweils sadistische Grundzüge des Täters, sind aber in ihrer Art und Ausprägung ganz unterschiedlich. Hier könnten also zwei Täter ihre Fantasien an dem Opfer ausgelebt haben. Das wiederum bedeutet für Frank Herrmann, Chef der ermittelnden Sonderkommission "Alaska". "Es könnte tatsächlich einen noch lebenden Mittäter geben. Das ist eine Spur, der wir nachgehen".
Weitere Informationen

Ein Serienmörder mit Helfer - ist das nicht eher ungewöhnlich?

Bei einem reinen Sexualmörder wäre es das nach Ansicht der Ermittler tatsächlich. Seels Taten werden jedoch nicht als Sexualmorde eingestuft. Denn bei aller Grausamkeit weisen die Opfer keine Spuren von sexueller Vergewaltigung auf. Bei sadistisch motivierten Tätern kommt es dagegen häufig vor, dass sie einen oder mehrere Mittäter haben, mit denen sie ähnlich gelagerte Neigungen ausleben.

Wie suchen die Ermittler nach einem möglichen Mittäter?

Derzeit werden Kontaktdaten Seels ausgewertet: Internet, E-Mail und Telefon. Und die Polizei hofft, dass sich noch Zeugen melden, die über die "dunkle Seite" von Seels Leben Auskunft geben können.
Wie konkret ist der Verdacht gegen den früheren Kompagnon Seels?
Der Mann, mit dem Seel eine Entrümplungsfirma betrieb, soll zwar Mitmieter der Garage gewesen sein, in der die Leiche von Britta Diallo gefunden wurde. Eine Mitschuld unterstellen die Ermittler aber nicht automatisch. Eine Überprüfung des Mannes ist jedoch Teil der Ermittlungen. Allerdings ist der Mann ebenso wie Seel nicht mehr am Leben.

Der Tatverdächtige, seine Ehefrau, der Ex-Geschäftspartner sind alle tot. Was bedeutet das für die Ermittlungen?

Selbstverständlich erschwert es die Arbeit der Polizei, wenn auf die Aussagen eines Verdächtigen und die von ihnen nahestehenden Menschen nicht zurückgegriffen werden kann. Allerdings bringen solche Aussagen die Ermittler ohnehin nicht immer weiter, weil gelogen wird. Im Fall Seel gewinnen die Angaben anderer Zeugen an Bedeutung. Zudem sollen sogenannte "objektive Spuren", wie DNA und Fingerabdrücke, wichtige Hinweise liefern. Das hessische Landeskriminalamt hofft darauf, möglichst bald alle Fingerabdrücke Seels vorliegen zu haben. Sie werden dann mit vorliegenden Spuren verglichen.

Ist Manfred Seel vielleicht doch unschuldig?

Das ist laut Chef-Ermittler Herrmann "nahezu unmöglich". Dagegen sprechen unter anderem die Gewaltpornos auf Seels Rechner. Auf ihn hatte alleine er zuletzt Zugriff. Das gilt auch für die detaillierte Zeichnung, die als Vorlage für die Britta Diallo zugefügten Verletzungen gedient haben soll. Es gibt zudem mehrere Belege dafür, dass Seel direkten Kontakt zur Prostituiertenszene und den Drogenstrichs hatte.

Wenn Seel der Mörder war: Warum hat er Fässer mit den Überresten Britta Diallos nicht beiseite geschafft?

"Wir glauben, dass es ihm egal war, ob die Fässer gefunden werden", ist Ermittler Herrmann überzeugt. Das passe zu einer sadistisch ausgeprägten Persönlichkeit. Nach Ansicht Herrmanns hätte Seel vor seinem Tod trotz Krankheit jedenfalls ausreichend Gelegenheit gehabt, die Fässer zu entsorgen.


DIE MÖGLICHEN OPFER DES SERIENMÖRDERS

1971: Die verstümmelte Leiche der 19 Jahre alten Gudrun Ebel wird im Februar bei Bad Vilbel entdeckt. Die Tote weist Zeichen sadistischer Handlungen auf, sagen die Ermittler. Sie hatte bisherigen Ermittlungen zufolge als Reinigungskraft in einem Altenpflegeheim in Frankfurt gearbeitet.

1971: Nur zwei Monate später wird die Leiche einer Kollegin aus dem Johanna-Kirchner-Stift gefunden. Die getötete türkische Gastarbeiterin Hatice Erülkeroglu wird nahe der Camberger Brücke in Frankfurt gefunden.

1991: Die Leiche der Frankfurter Straßenprostituierten Gisela Singh wird am 30. Juni im Wald zwischen Hofheim und Langenhain im Main-Taunus-Kreis gefunden. Die Tote weist den Ermittlern zufolge "Zeichen sexuellen Sadismus" auf.

1993: Der Torso der getöteten Straßenprostituierten Dominique Monrose wird im Dezember 1993 an der Friedberger Landstraße in Frankfurt im Gebüsch gefunden. Die Leichenteile sind in Plastiksäcke eingepackt. Weitere Leichenteile werden 1994 an der Bundesstraße 40a in der Nähe des Flughafens entdeckt. Der Kopf fehlt bis heute.

1996: Die Bankangestellte Pia Isabel Heym (27) wird seit Juli vermisst. Spaziergänger finden den Kopf ihrer Leiche am ersten Weihnachtsfeiertag am Weg zu einer Kleingartenanlage. Der Kopf war mit einem scharfen Messer sauber abgetrennt worden. Die Frau war nach Mitteilung der Polizei von damals auf die Einnahme von Tabletten zur Behandlung schizophrener Schübe angewiesen.

1998: Der 13 Jahre alte Schüler Tristan wird am 26. März in einem Tunnel des Liederbachs nahe des Bahnhofs Frankfurt-Höchst grausam ermordet. Der Täter schneidet dem Jungen am helllichten Nachmittag die Kehle durch. Er trennt Teile des Leichnams ab und nimmt sie im Rucksack des Schülers mit.

1998: Die etwa 18 Jahre alte Julia Schröder verschwindet Mitte Juli aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Die Obdachlose soll eine drogenabhängige Prostituierte und in desolatem gesundheitlichen Zustand gewesen sein.

1999: Rund ein Jahr später, im September 1999, verschwindet auch die 1967 geborene Gabriele De Haas aus dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Von beiden Frauen fehlt bislang jede Spur.

2004: Ein stark verwester menschlicher Schädel wird im April in einer Main-Schleuse bei Frankfurt gefunden. Der Kopf soll zu einer Frau mittleren Alters gehören und war in Aluminiumfolie eingewickelt. Die Identität der Frau ist noch immer unklar.

2014: Nach dem Tod des mutmaßlichen Serienmörders räumen Angehörige eine von ihm gemietete Garage in Schwalbach am Taunus aus. Darin finden sie blaue Plastikfässer mit Leichenteilen der Prostituierten Britta Diallo, die seit etwa zehn Jahren tot ist. Vom linken Arm fehlt bislang jede Spur. Der Fund bringt die Ermittlungen gegen Manfred Seel ins Rollen.


http://hessenschau.de/panorama/mutmassli...nmorde-100.html

#41 RE: Presseartikel von Christine 31.05.2016 15:24

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Mutmaßlicher Serienmörder Seel
Ermittlungen in der Nebelkammer

Hat Manfred Seel auch Tristan Brübach ermordet? Diese Frage soll nun eine Klarinette des toten Verdächtigen beantworten. Die Untersuchung jedoch ist aufwendig.
31.05.2016, von KATHARINA ISKANDAR

Die Klarinette wird gut geschützt. Seit Tagen schon liegt sie im Labor des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) unter den „Asservaten mit besonderer Priorität“.

Sollte es stimmen, was über sie gesagt wird, nämlich dass sie früher einmal dem mutmaßlichen Serienmörder Manfred Seel gehört hat, dann käme dem Instrument tatsächlich eine Schlüsselrolle zu.

Ermittler sagen, das sei genau das Puzzleteil, das ihnen noch gefehlt habe. Wenn es gelänge, die Fingerabdrücke auf dem Instrument zu sichern und sie dem Verdächtigen zuzuordnen, dann hätten sie erstmals ein vollständiges Fingerspurenbild des Verdächtigen - und somit womöglich auch die Verbindung zum Mord an Tristan Brübach.

An einem Heft des Schülers wurde damals ein blutiger Fingerabdruck gefunden, der bis heute nicht zugeordnet werden konnte und der aus Sicht der Ermittler aller Wahrscheinlichkeit nach vom Täter stammt. Sollte einer der Fingerabdrücke Seels zu dem Abdruck auf dem Heft passen, wäre das ein Indiz für die Vermutung, dass Seel außer den weiblichen Mordopfern auch Tristan Brübach getötet hat.

Wo brauchbare Spuren zu finden?
Die Untersuchung der Klarinette ist allerdings aufwendig. Bis zu einigen Tagen könne es dauern, bis ein Ergebnis feststehe, heißt es im LKA. Am Beginn einer solchen Suche steht zuallererst der Gedanke: An welchen Stellen könnten sich überhaupt brauchbare Spuren befinden? „Dann erst beginnt die Untersuchung im Labor“, sagt ein Sprecher.

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten, immer davon abhängig, um welche Art von Oberfläche es sich handelt. Kriminaltechniker unterscheiden zwischen „saugenden“ (wie Papier) und „nicht saugenden“ Oberflächen, zu denen Kunststoff gehört. Wichtig ist es, die Methode zu finden, die den Fingerabdruck an einem Gegenstand am besten sichtbar macht, ohne die empfindliche Spur zu zerstören.

Harte Gegenstände werden in der Regel in einer speziellen Kammer mit Cyanacrylat, einer Art flüssigem Sekundenkleber, bedampft. Dadurch lagern sich Moleküle an den Fingerspuren ab und machen sie sichtbar. Allein die Bestäubung kann mehrere Tage dauern. Um die Kontraste zu verstärken, werden oft leuchtende Farbstoffe eingesetzt. Dann werden die Abdrücke fotografiert und digitalisiert, damit sie später am Bildschirm von Daktyloskopen begutachtet werden können.


Im Fall der Klarinette sind vor allem aber die Griffe interessant. Dort erhoffen sich die Ermittler besonders gut erhaltene Fingerspuren. Die sind bei jedem Menschen einmalig. Die Daktyloskopie weist jedem Abdruck zwölf Merkmale zu, sogenannte Minutien. Diese Merkmale brauche man, damit ein Abdruck als vollwertig gelte und später vor Gericht als Beweis verwertbar sei, sagt der LKA-Sprecher. Werden etwa nur acht Merkmale oder sogar weniger gefunden, verliert der Abdruck stark an Beweiskraft. Es sei denn, eines der Merkmale ist besonders aussagekräftig.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Abdruck eine Narbe aufweist. Schwierig sind deshalb Teilabdrücke. So wie auf dem Heft von Tristan Brübach. Dennoch sind die Ermittler zuversichtlich, denn auch wenn zwischen den Wirbeln und Linien nicht alle Merkmale zu finden sind, so gibt der Vergleich zwischen dem Abdruck auf dem Heft und den Fingerspuren auf der Klarinette zumindest eine Ahnung, ob Seel als Täter in Frage kommt.

Quelle: F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/er...l-14261069.html

#42 RE: Presseartikel von Christine 09.06.2016 14:36

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Nach XY-Sendung - neue Hinweise auf Serienmörder aus dem Taunus
08.06.2016

Nach der Sendung Aktenzeichen XY meldeten sich am Abend neue Zeugen im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred Seel aus dem Taunus. In der Sendung wurden vor allem Menschen gesucht die früher Kontakt zu dem inzwischen verstorbenen Schwalbacher hatten. Außerdem gibt es offenbar neue Hinweise zu der Stimme eines Unbekannten, der sich als Mörder des kleinen Tristan Brübach ausgegeben hat.

Es ist ein gruseliges Puzzle das die Polizei derzeit zu lösen versucht. Acht vielleicht sogar zehn oder noch mehr Menschen soll Manfred Seel ermordet haben. Darunter möglicherweise auch den 13jährigen Tristan Brübach. Zwei Tage nach dessen Beerdigung meldete sich ein Unbekannter telefonisch bei der Polizei und erklärte er sei Tristans Mörder. Diese Aufnahme wurde am Abend bei Aktenzeichen XY vorgespielt, danach meldete sich jemand der die Stimme angeblich erkannt hat.

Das ZDF spricht von etlichen neuen Hinweisen. Die Polizei wird die jetzt alle in Ruhe überprüfen.


http://www.ffh.de/news-service/ffh-nachr...-mordserie.html

#43 RE: Presseartikel von Christine 20.06.2016 09:42

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"Interessante Spuren darunter"
ZDF-Sendung liefert neue Hinweise zu Serienmörder Manfred S.
19.06.2016, 14:04 Uhr | dpa

Nachdem der Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred S. in der Sendung "Aktenzeichen XY ...ungelöst" behandelt worden war, sind bei den Ermittlern zirka 40 neue Hinweise eingegangen.

Brutale Morde
Serienmörder Manfred S.: Freund spricht über "netten Musiker"
Sichergestellter Fingerabdruck soll bei Obduktion der Leiche des Rentners abgeglichen werden. Video


Insgesamt hat die Polizei nun etwa 200 Hinweise. Der Fall war vier Wochen bekannt geworden. "Es sind einige interessante Spuren darunter, denen wir auf jeden Fall nachgehen", sagte der Sprecher des hessischen Landeskriminalamts (LKA), Max Weiß.

Der 2014 verstorbene Manfred S. steht unter dem Verdacht, bis zu zehn Menschen aus sadistischen Motiven ermordet zu haben. Darunter könnte auch der 1998 getötete Frankfurter Schüler Tristan sein.


Unbekannter Anrufer
Zu den neuen Hinweisen gehören Anhaltspunkte zu einem Unbekannten, der sich nach dem Mord an Tristan telefonisch mit verwaschener Stimme und leicht hessischem Zungenschlag als Täter bei der Polizei gemeldet hat. Ob es Tristans Mörder oder ein Trittbrettfahrer war, ist noch ungeklärt.

Auch die Auswertung der Fingerabdrücke auf der Klarinette des Hobbymusikers Manfred S. wird noch eine Weile dauern. Die Untersuchung soll vor allem Hinweise darauf geben, ob der 2014 gestorbene Rentner aus Schwalbach auch der Mörder von Tristan war.

Blutiger Fingerabdruck
In einem Heft des 13-Jährigen wurde ein blutiger Fingerabdruck gefunden, der dem Verdächtigen bislang nicht zugeordnet werden konnte.


http://www.t-online.de/nachrichten/panor...manfred-s-.html

#44 RE: Presseartikel von Christine 20.06.2016 10:10

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Schwalbacher Serienmörder: „Aktenzeichen XY. . . ungelöst“ bringt 200 Hinweise

20.06.2016

Bei den Ermittlern im Fall des mutmaßlichen Serienmörders Manfred Seel sind etwa 200 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Darunter sind auch solche, die zur Aufklärung des Falls Tristan beitragen könnten.

Schwalbach/Frankfurt.
Im Monat nach der Veröffentlichung der Hypothese, dass der 2014 verstorbenen Schwalbacher Manfred Seel ein Serienmörder war, sind bei den Ermittlungsbehörden etwa 200 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY. . . ungelöst“ am 8. Juni habe noch einmal einen Schub von ungefähr 40 Hinweisen erbracht, sagte Max Weiß, Sprecher des hessischen Landeskriminalamts (LKA), auf Nachfrage. Unter den Hinweisen, die allesamt geprüft würden, seien auch „einige interessante, denen die Ermittler auf jeden Fall weiter nachgehen“.

Manfred Seel steht wie berichtet im Verdacht, mindestens fünf Frauen, vielleicht aber auch noch mehr Menschen aus sadistischen Motiven ermordet zu haben. Auch der Frage, ob der Familienvater im Jahr 1998 den Frankfurter Schüler Tristan Brübach tötete, gehen die Ermittler der Arbeitsgruppe (AG) „Alaska“ nach. Der AG unter der Federführung des LKA gehören auch Polizisten der Frankfurter Mordkommission an.

Unter den neuen Hinweisen sind dem Vernehmen nach auch solche auf den unbekannten Mann, der sich nach dem Mord an Tristan telefonisch mit verwaschener Stimme und leicht hessischem Zungenschlag als Täter bei der Polizei meldete. Ob es sich bei dem Anrufer tatsächlich um Tristans Mörder oder einen Trittbrettfahrer handelte, ist noch ungeklärt.

Die Auswertung der Fingerabdrücke auf der früheren Klarinette des Hobbymusikers Manfred Seel wird nach Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft voraussichtlich noch eine Weile dauern. Das Instrument werde bei der Untersuchung wohl kaputtgehen, daher sei zunächst die Zustimmung des jetzigen Eigentümers einzuholen, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen.

Wie berichtet, hatte Manfred Seel das Instrument verschenkt. Der neue Eigentümer gab es an die Ermittler weiter. Diese hoffen, dass sich mit Hilfe der Klarinette die vier noch fehlenden Fingerabdrücke von Manfred Seel rekonstruieren lassen. Nach der Exhumierung seiner Leiche war die Rekonstruktion nur im Fall von sechs Fingern gelungen. Lägen die restlichen vier Abdrücke vor, könnten diese mit dem blutigen Abdruck auf einem Schulheft des ermordeten Tristan verglichen werden. Die Frage nach der Täterschaft von Manfred Seel in diesem Fall ließe sich so vielleicht beantworten.


http://www.kreisblatt.de/lokales/main-ta...;art676,2067204

#45 RE: Presseartikel von Christine 07.10.2016 08:59

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Serienmörder aus Schwalbach
Klarinette hilft nicht: Mordfall Tristan weiter ungelöst
07.10.2016
VON CHRISTIAN SCHEH

Die Klarinette, auf der der mutmaßliche Serienmörder Manfred S. im Februar 2012 spielte, galt als heiße Spur. Die Ermittler hofften, mit Hilfe des Instruments den Mord am Schüler Tristan Brübach aufklären zu können. Diese Hoffnung hat sich inzwischen aber zerschlagen.

Frankfurt.
Manfred S. soll mindestens fünf Frauen und möglicherweise noch viele weitere Menschen ermordet haben. Die Medien berichteten bundesweit über den Schwalbacher, in dessen Garage nach seinem Tod im Jahr 2014 eine zerstückelte Frauenleiche gefunden wurde. Das Interesse war auch deshalb so groß, weil die Ermittler den 1998 in Höchst ermordeten Schüler Tristan Brübach in den Kreis der möglichen Opfer aufnahm.

Als heißeste Spur in diesem Zusammenhang galt bislang eine Klarinette, die der Hobbymusiker Manfred S. an einem Abend im Februar 2012 in den Händen gehalten hatte. Der mutmaßliche Serienmörder setzte das Instrument bei einem Bekannten zusammen, spielte darauf, baute es wieder auseinander und verstaute die Einzelteile in einem Etui. Anschließend fasste die Klarinette niemand mehr an.

Aufwendige Untersuchung

Die Ermittler der eigens für den Fall gegründeten Arbeitsgruppe „Alaska“ hofften deshalb, aus Fettspuren auf der Klarinette die vier noch fehlenden Fingerabdrücke des Tatverdächtigen rekonstruieren zu können. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) beauftragte Spezialisten mit einer aufwendigen kriminaltechnischen Untersuchung. Wie ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft auf Nachfrage dieser Zeitung sagte, brachte die Maßnahme aber „keine neuen Erkenntnisse“.

Detaillierte Fragen zu der Untersuchung beantwortete der Behördensprecher zunächst nicht. Aus dem Kreis der Strafverfolger war aber zu hören, dass die Fettspuren auf dem Instrument nicht ausgereicht hätten, um die erhofften Fingerabdrücke zu rekonstruieren. Ob das an der schlechten Beschaffenheit oder am relativ hohen Alter der Fettspuren lag – immerhin etwa viereinhalb Jahre – war nicht in Erfahrung zu bringen.

Mit der ergebnislosen Untersuchung der Klarinette hat sich auch die Hoffnung zerschlagen, dass der Fall Tristan nach 18 Jahren rasch aufgeklärt werden kann. Am Tatort wurde damals ein blutiger Fingerabdruck gefunden, der nicht von dem 13 Jahre alten Schüler selbst, sondern höchstwahrscheinlich von seinem Mörder stammte. Der Abgleich mit den sechs bekannten Fingerabdrücken des Schwalbacher Serienmörders war negativ.

Wenn die Rekonstruktion der vier noch unbekannten Abdrücke gelänge, könnte Manfred S. entweder als Täter ausgeschlossen oder als solcher überführt werden. Der Schwalbacher kommt aus Sicht der Ermittler in Betracht, weil Tristans Mörder die Hoden des Jungen als „Trophäe“ mitnahm. Auch in den Fällen, die S. zugeordnet werden, fehlte dem aufgefundenen Leichnam jeweils ein Körperteil oder ein Organ.

Die Klarinette, die das LKA untersuchte, hatte der Hobbymusiker Manfred S. nur ein einziges Mal in den Händen gehabt – bei einem Liederbacher Hauskonzert der „Overall Jazz Gang“, in der er spielte. Bei dem privaten Auftritt am 28. Februar 2012 bat der Gastgeber den Blasmusiker, das Instrument auszuprobieren. Der Liederbacher hatte es auf einem Frankfurter Flohmarkt gekauft. Nach Bekanntgabe der Ermittlungen überließ er die Klarinette dem LKA.

Mehr als 230 Hinweise

Nach Angaben der Behörde sind bislang mehr als 230 Hinweise zum Fall des Serienmörders eingegangen. Dieser soll seine Opfer vor allem auf dem Straßenstrich im Frankfurter Bahnhofsviertel aufgelesen haben. Erstaunlich an dem Fall ist, dass ein Familienvater, der als gesellig galt und in einer Band spielte, über Jahrzehnte hinweg ein verborgenes Doppelleben geführt und auf sadistische Weise Menschen getötet haben soll.

http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Klar...;art675,2253890

#46 RE: Presseartikel von wetterfrosch 02.10.2017 11:54

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19.09.2017

RLF: Jan Seghers stellt seinen sechsten Kommissar-Marthaler-Krimi vor

Von Anja Baumgart-Pietsch

JOHANNISBERG - Eine Krimilesung, abgebrochen an einer extrem spannenden Stelle – und dann kein Büchertisch dazu, an dem man das Werk erwerben und weiterlesen kann. Das ist für Autor und Publikum recht unbefriedigend, aber in diesem Fall ging es nicht anders. Die Fans von Kommissar Robert Marthaler müssen sich halt noch bis Anfang November gedulden, bis der sechste Band der Serie von Jan Seghers – Pseudonym des Frankfurter Autors Matthias Altenburg – erscheint.

Basis ist der Mord an dem 13-jährigen Tristan Brübach

Der Titel: „Menschenfischer“ – was es mit der biblischen Metapher auf sich hat, erläuterte der Schriftsteller bei der Lesung des Rheingau Literatur Festivals auf Burg Schwarzenstein aber nicht. Nur, dass er lange nach einem passenden Titel suchte: Origineller als der erste Vorschlag „Der Mann im Nebel“ ist „Menschenfischer“ allemal. Mit Moderator Heiner Boehncke, den Gastgeber Michael Herrmann in einem viel belachten Versprecher kurz mal zum „Intendanten des Rheingau Musik Festivals“ werden ließ, konnte sich Seghers in der voll besetzten Halle eines kundigen Gesprächspartners sicher sein. Boehncke, wie auch augenscheinlich die meisten Besucher, hatte die ersten fünf Marthaler-Bände samt ihrer ZDF-Verfilmungen sehr präsent. Seghers bedient sich gerne bei tatsächlich existierenden Kriminalfällen und hat sich hier einen besonders furchtbaren, bis heute unaufgeklärten Kindermord zum Thema gewählt: den Fall Tristan Brübach. Ende des vergangenen Jahrtausends wurde die grausam zugerichtete Leiche des 13-Jährigen in einem Tunnel in Frankfurt-Höchst gefunden; die Umstände ließen Kannibalismus und einen Ritualmord vermuten. Es begann eine der größten Polizeiaktionen der Nachkriegszeit, doch der Täter wurde nie gefunden. 2016 versuchte man, den Mord einem Serientäter, der mehrere Prostituierte ähnlich bestialisch getötet hatte, mit in die Schuhe zu schieben, doch es bestehen nach wie vor Zweifel an der Täterschaft des Jazzmusikers und Familienvaters aus Schwalbach am Taunus, der zwischenzeitlich an Krebs starb.

Diese Wendung, sagte Seghers, habe ihn beim Schreiben des Krimis gehemmt: Er hatte nämlich eine andere Handlung im Sinn. Doch die Kurve scheint er gekriegt zu haben, auch wenn er, wie er kokett bekannte, „die letzte Seite erst heute Morgen“ geschrieben hat: Verschiedene Verzögerungen persönlicher Natur ließen den Krimi verspätet fertig werden. So ist die Spannung auf das fertige Werk jetzt groß, und Seghers verstand es auch, sie auf Burg Schwarzenstein noch ordentlich anzuheizen. Großer Beifall und viele interessante Zuhörerfragen für Literatur-Festival-Stammgast Seghers, der fast alle seine Marthaler-Krimis hier schon vorstellen konnte.

http://www.allgemeine-zeitung.de/freizei...or_18189726.htm

#47 RE: Presseartikel von wetterfrosch 08.10.2017 23:29

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08. Oktober 2017, 18:42 Uhr

Marthaler-Krimi

Tristan-Mord dient Jan Seghers als Vorlage

Jan Seghers liest bei »Köhler« aus seinem brandneuen Marthaler-Krimi »Menschenfischer«. Das Buch wird erst im November erscheinen.

Der bestialische Mord an dem 13-jährigen Tristan aus Frankfurt am Main erschütterte im März 1998 Deutschland. Noch heute hat man sofort das Foto des blonden Jungen vor Augen, wenn sein Name fällt. Im Mai vergangenen Jahres gab das Hessische Landeskriminalamt nach jahrelangen umfangreichen Ermittlungen bekannt, dass der 2014 verstorbene Manfred Seel, der als sogenannter »Hessen Ripper« mehrere Frauen getötet haben soll, möglicherweise auch für den Mord an Tristan verantwortlich sei. »Eine riesengroße Schweinerei, um Öffentlichkeit zu generieren«, sagt Matthias Altenburg und berichtet davon, dass ein hoher LKA-Beamter ihm bei dieser Einschätzung Recht gibt.

Altenburg nimmt unter dem Pseudonym Jan Seghers für seine Krimireihe um Kommissar Marthaler immer wieder reale Kriminalfälle als Vorlage für fiktive Geschichten. In seinem im November erscheinenden Band »Menschenfischer« greift er eben jenen Fall Tristan auf. Kurz vor Veröffentlichung des mittlerweile sechsten Kriminalromans der Reihe war er damit am Freitag Gast des Krimifestivals und las vor einem »herzzerreißend konzentriert« lauschenden Publikum beim Herrenausstatter »Köhler«. Für die musikalische Begleitung an diesem Abend sorgte Freddy Becker mit seinem Akkordeon.

»Köhler«-Inhaber Ludwig Vordemfelde verwickelte den Autor zu Beginn in ein launiges Vorgespräch, in dem Seghers vom Schreiben unter Zeitdruck und dem Schieferbergwerk eines Freundes als »idealem Ort für seine Geschichte« plauderte. Außerdem ließ er noch einmal den wahren Kriminalfall Revue passieren.

Aus Tristan wird Tobias

Im Buch wird aus dem realen Teenager Tristan der fiktive Junge Tobias, dessen grausam malträtierte Leiche spielende Kinder entdecken. Obwohl die Polizei umfangreich ermittelt, bleibt der Fall ungeklärt. Seghers lässt fünfzehn Jahre nach dem Mord seinen Kommissar Robert Marthaler von der Frankfurter Mordkommission einen Hilferuf seines ehemaligen Kollegen Rudi Ferres aus dem Mittelmeerort Marseillan entgegennehmen. Dort wurde angeblich der Täter gesehen. Marthaler fährt in das französische Fischerdorf und findet Hinweise, die ihn wiederum in ein düsteres Tal am Rhein führen. Dort werden in einem Bergwerksstollen zwei Roma-Jungen, die sich zuvor auffällig verhalten haben, ermordet aufgefunden. Gemeinsam mit Kommissarin Kizzy Winterstein, einer jüdischen Romni, ermittelt Marthaler und bekommt es mit einer Bande von Menschenhändlern zu tun.

Tristan wäre heute 33 Jahre

Jan Seghers ist bekannt für seine akribische Recherche und sein schriftstellerisches Geschick, aus einem realen Kriminalfall als »stabiles Sprungbrett für die Fantasie« eine spannende Geschichte zu kreieren, die basierend auf Fakten dennoch Fiktion ist. So wie er in der »Sterntaler-Verschwörung« die Ypsilanti-Affäre aufgearbeitet oder in »Die Akte Rosenherz« den Mord an der Frankfurter Edelhure Helga Matura als Vorlage eines Pageturners genommen hat, so greift er nun wieder ein reales Verbrechen auf. Dass das ausgerechnet der bestialische Mord an einem wehrlosen Jungen aus dem Frankfurter Westen ist, sorgt allerdings schon beim Zuhören für einen dicken Klos im Hals, auch wenn Seghers seine »nicht rein luftgeborene Geschichte« mit gutem Spannungsbogen in eine ganz andere Richtung lenkt. Man mag sich aber dennoch gar nicht vorstellen, wie es Tristans 2015 verstorbener Vater empfunden hätte, dass der Mord an seinem Sohn als Vorlage eines Kriminalromans oder sogar einer der populären Marthaler-Fernsehverfilmungen verwendet wird.

Wäre Tristan damals übrigens nicht seinem offenbar noch immer unbekannten Mörder über den Weg gelaufen, hätte er Anfang dieses Monats seinen 33. Geburtstag feiern können. Das Leben schreibt eben manchmal die schrecklichsten Geschichten.

http://www.giessener-allgemeine.de/regio...en/art71,326714

#48 RE: Presseartikel von Christine 09.10.2017 10:01

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KNAPP 20 JAHRE NACH DEM MORD AN TRISTAN (†13)
Fahndung nach Kinder-Killer eingestellt

08.10.2017


http://www.bild.de/bild-plus/regional/fr...Login.bild.html

#49 RE: Presseartikel von wetterfrosch 09.10.2017 19:08

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Fall Tristan

Heiße Spur zerschlagen - Internetfahndung geht weiter

Veröffentlicht am 09.10.17 um 16:28 Uhr

Die Suche geht weiter: Nachdem die einzige heiße Spur im Fall des vor knapp 20 Jahren ermordeten Tristan B. "offiziell tot" ist, geht nun die öffentliche Internetfahndung weiter.

Fast 20 Jahre ist Tristan B. nun tot – brutal ermordet von einem oder mehreren Tätern, die Polizei weiß es nicht. Die einzig heiße Spur ist nun auch offiziell abgehakt: Ein Anfangsverdacht gegen den Serienmörder Manfred Seel konnte sich nicht erhärten lassen. Nun soll eine zwischenzeitlich ausgesetzte Internetfahndung wieder aufgenommen werden. Das Grab des Kindes will indes eine Bürgerinitiative erhalten.

Die Ermittlungsgruppe bei der Polizei, die AG-Tristan, konnte den Fall des in in Frankfurt-Höchst getöteten Schülers Tristan B. (13) bis heute nicht klären. Alle verfügbaren Informationen, Bilder, eine Tatortkarte waren im Internet bei Polizei und Landeskriminalamt (LKA) abrufbar – die Hoffnung war, dass diese öffentliche Fahndung irgendwelche Erkenntnisse bringen könnte, die helfen, den Mörder dingfest zu machen.

Anfangsverdacht gegen Serienkiller Manfred Seel

Im Jahr 2016 gab es plötzlich eine Spur aus der sich ein Anfangsverdacht gegen den 2014 verstorbenen Serienkiller Manfred Seel aus Schwalbach ergab. Aus diesem Grund wurde die Öffentlichkeitsfahndung im Internet nach Tristans unbekanntem Mörder eingestellt. Seel werden mehrere brutale, sadistische Morde zumeist an Prostituierten zur Last gelegt.

"Sobald wir einen Anfangsverdacht gegen eine konkrete Person haben, wird die Öffentlichkeitsfahndung eingestellt", sagt die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Frankfurt, Carina Lerch am Montag zu hessenschau.de. So wurden 2016 die entsprechenden Internetseiten von Polizei und LKA mit allen Infos vom Netz genommen, jedoch nicht gelöscht.

Nichts Neues - Öffentlichkeitsfahndung im Internet geht weiter

Der Anfangsverdacht gegen Seel hat sich nun nicht bestätigt. "Die Seel-Spur im Fall Tristan ist offiziell tot", so Lerch. Er werde als Tristans Mörder definitiv ausgeschlossen. Und so wird die Öffentlichkeitsfahndung "demnächst" wieder aufgenommen werden, "vermutlich spätestens nächste Woche". Dann werden die entsprechenden Online-Seiten auch wieder für alle aufrufbar sein. Neue Erkenntnisse, gar eine neue Spur, gebe es aber nicht. "Leider haben wir nichts. Aber wir werden niemals aufgeben." Der Fall Tristan habe alle Ermittler tief betroffen gemacht, und tue es immer noch.

Belohnung schrumpft um 80.000 Euro

Eine Belohnung der Staatsanwaltschaft für sachdienliche Hinweise in Höhe von 20.000 Euro sei auch weiterhin aktuell. 80.000 Euro, die ein Privatmann auf diese von den Behörden ausgelobte Summe draufgelegt und so die Belohnung auf 100.000 Euro aufgestockt hatte, hat der Privatmann zurück gezogen. "Die 20.000 Euro der Staatsanwaltschaft bleiben aber dauerhaft bestehen." Die Hoffnung, dass doch noch wichtige Hinweise aus der Bevölkerung kommen, gebe man bei der Polizei nicht auf.

Tristans Grab soll auch nach 20 Jahren erhalten bleiben

Wenn sich der Fall im kommenden März zum 20. Mal jährt, bedeutet das auch, dass die Ruhefrist von Tristans Grab auf dem Friedhof in Höchst endet. Tristans Eltern sind tot, weitere Angehörige gibt es nicht, die sich darum kümmern könnten, die Grabstelle zu verlängern. Nach Angaben der Polizei will sich nun eine Bürgerinitiative darum kümmern, dass das Grab des Kindes, dessen Mord bis heute nicht aufgeklärt ist, erhalten bleibt.

Sendung: hr-iNFO, 9. Oktober 2017, 16 Uhr

Quelle: hessenschau.de/kim

http://www.hessenschau.de/panorama/fall-...ristan-104.html

#50 RE: Presseartikel von wetterfrosch 12.10.2017 21:03

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09.10.2017

Gewürgt, verstümmelt und erstochen: Fahndung zu Fall Tristan (13) läuft weiter

Höchst – Seit 20 Jahren läuft der Mörder des kleinen Tristan Brübach frei herum. Nun scheint es so, als sei der bestialische Mord in Vergessenheit geraten. BILD Frankfurt hat den Fall noch einmal aufgegriffen und fragt nach wie der Stand der Ermittlungen ist.

Das Unvorstellbare geschah in einem dunklen Tunnel am Liederbach. Der Mörder erwürgte den damals 13-Jährigen blonden Jungen, schnitt ihm die Kehle auf und ließ ihn in dem Bachbett unter dem Tunnel ausbluten. Dann schnitt er Fleischteile und Hoden aus der Leiche und nahm diese mit.

Ein grausiger Mord, der noch Jahre lang für Aufsehen sorgen sollte und der ein bis heute einmaliges Verletzungsbild aufweist.

Eine heiße Spur, bei der der Schwalbacher Serienkiller Manfred S. (?67) auch für Tristans Tod verantwortlich sein sollte, konnte nie belegt werden.

Nach rund 20 Jahren, über 20.000 Hinweisen, der Ausstrahlung des Falles in "Aktenzeichen xy...ungelöst" und "Spiegel TV" sowie der Aussetzung einer Belohnung von zuletzt 100.000 Euro zur Ergreifung des Täters, wurde der Fall nun endgültig zu den Akten gelegt.

Weder auf bka.de noch auf polizei.hessen.de findet sich die Öffentlichkeitsfahndung zu dem kleinen Jungen, der viel zu früh und auf bestialische Art und Weise gehen musste.

Auch die Ruhefrist für das Kindergrab auf dem Höchster Friedhof endet nächstes Jahr, wie die BILD-Zeitung berichtet. Und somit schließt sich auch eines der traurigsten Kapitel Frankfurts.

Update: Wie die Frankfurter Polizei am Montag mitteilte, wird die Öffentlichkeitsfahndung nach dem Täter wieder aktualisiert. "Mord verjährt nicht."

Die AG Tristan besteht fort.

https://www.tag24.de/nachrichten/hoechst...-gefasst-349656

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