#1 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach | Wiederaufnahme abgelehnt von 25.06.2015 18:08

Justiz-Irrtum?
Profiler rollt den "Badewannen-Mord" von Rottach wieder auf
Nina Job, 24.06.2015 18:05 Uhr


Seit 2009 sitzt Manfred Genditzki (55) aus Rottach im Gefängnis. Er bekam Lebenslang wegen Mordes an einer Witwe – zu Unrecht, sagen seine Familie und Anwälte. Jetzt setzen sie den Profiler Axel Petermann auf den Fall an.

Rottach-Egern/München – Der ehemalige Hausmeister Manfred Genditzki (55) aus Rottach sitzt seit Februar 2009 im Gefängnis, zuerst in U-Haft, dann bekam er Lebenslang wegen Mordes. Er soll die Witwe Lieselotte K. († 87) getötet haben.

Sie lebte allein in einer Wohnanlage, Manfred Genditzki half ihr beim Einkaufen, Frühstück zubereiten, ging für sie zur Bank. Im Oktober 2008 fand eine Pflegerin Lieselotte G. tot in ihrer Badewanne. Ein Rechtsmediziner stellte fest, dass sie ertrunken war und Einblutungen am Hinterkopf hatte. Das weckte beim Staatsanwalt den Verdacht, die alte Dame sei getötet worden. Manfred Genditzki geriet ins Visier der Ermittler.

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Der Hausmeister wurde beschuldigt, Geld unterschlagen zu haben, während Lieselotte G. in einer Klinik war. Als sie zurück kam, habe er sie getötet, um den Diebstahl zu vertuschen. Das Motiv Habgier konnte eindeutig widerlegt werden, trotzdem bekam Manfred Genditzki Lebenslang. Dieses Urteil des Landgerichts München II hob er Bundesgerichtshof (BGH) auf, doch die 2. Kammer des Landgerichts München II verurteilte den Vater zum Entsetzen seiner Familie und Anwälte erneut wegen Mordes – das Urteil ist bis heute umstritten.

Der Verurteilte hat stets seine Unschuld beteuert. Nun hoffen er, seine Tochter und seine Anwälte auf die Hilfe von Axel Petermann. Der Profiler aus Bremen ist einer der bekanntesten Spezialisten für ungeklärte Mordfälle in Deutschland. Seit Herbst 2014 ist er in Pension. Doch ans Aufhören denkt er nicht. Er ermittelt privat weiter – im Auftrag von Angehörigen.

Nun hat die Familie von Manfred Genditzki den Kriminalisten engagiert, damit er den Fall, bei dem es zahlreiche Ermittlungspannen gab, noch einmal gründlich untersucht. Stößt er auf neue Beweismittel, Indizien oder falsche Zeugenaussagen, könnte dies zu einer Wiederaufnahme führen – die große Hoffnung der Angehörigen. "Ich übernehme den Fall pro bono, ein Honorar nehme ich nicht. Ich lasse mir nur die Auslagen erstatten", sagte er zur AZ.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...1209297545.html

#2 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von 15.11.2015 15:49

Hausmeister tötet Seniorin bei Rottach

Ist ihr Vater unschuldig? Neue Doku über Mord von 2008
Aktualisiert: 14.11.15 - 16:19


München - Sitzt Manfred Genditzki unschuldig hinter Gittern? Seine Tochter glaubt das und zeigt mit einer neuen Dokumentation, dass Papa unschuldig sei.

Zweimal lebenslänglich wegen Mordes! Im Januar 2012 sprach das Landgericht Manfred Genditzki schuldig. Der Hausmeister soll am 28. Oktober 2008 eine Seniorin in Rottach-Egern ermordet haben. Beamte fanden sie tot in der Badewanne. Im Februar 2009 wurde Genditzki verhaftet und sitzt seither im Gefängnis. Zweifel an seiner Schuld gibt es aber bis heute.


„Wir arbeiten an dem Wiederaufnahmeantrag für ein neues Verfahren“, sagt Anwältin Regina Rick: „Nach Studium der viele Tausend Seiten umfassenden Akten bin ich überzeugt, dass es sich bei der Entscheidung des Landgerichts München um ein Fehlurteil handelt.“ So sieht’s auch Genditzkis Familie. „Papa ist unschuldig“, glaubt Tochter Cindy. Die Tote kannte sie persönlich – Manfred Genditzki hatte sich jahrelang um das spätere Mordopfer gekümmert. Beweise, dass er der Täter ist, gab es nie – dennoch wurde er verurteilt. Genditzki beteuert seine Unschuld.

Wie es ihm und vermeintlich unschuldig Verurteilten geht: Darüber sendet Vox am Samstag die Dokumentation In den Fängen der Justiz (20.15 Uhr). Auch Manfred Genditzkis Familie und Anwältin Regina Rick kommen darin ausführlich zu Wort.

http://www.tz.de/tv/unschuldig-neue-doku...08-5864611.html

#3 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:06

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26. Juli 2018, 17:03 Uhr

Untersuchung im Landtag
Tod in der Badewanne: Computersimulation soll aufklären

War es Mord oder nur ein Sturz? Ein neues Verfahren soll beweisen, dass ein Hausmeister seit Jahren zu Unrecht im Gefängnis sitzt.

Von Hans Holzhaider

https://www.sueddeutsche.de/bayern/unter...aeren-1.4070826

#4 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:13

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Unschuldig Lebenslänglich?

Bericht und VIDEO:

https://www.stern.de/tv/unschuldig-leben...rn-8432978.html

#5 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Tumbleweed 10.11.2018 13:19

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Die Untersuchung ist definitiv angebracht. So wie es auch im TV geschildert und dargestellt wurde, sollte das Urteil zwingend überprüft werden.

#6 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:19

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20. Januar 2012, 17:44 Uhr

Nach dem Urteil im Badewannen-Mord
Ein Sturz - aber warum?

Das Urteil ist ein Schock für Manfred G.: Auch das Landgericht München spricht ihn wegen Mordes an einer Dame aus Rottach-Egern schuldig. Wie das Gericht die Verurteilung des Hausmeisters begründet - und welche Zweifel es daran gibt.

Von Hans Holzhaider

https://www.sueddeutsche.de/bayern/nach-...warum-1.1261518

#7 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:26

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Neue Beweise im Rottacher „Badewannen-Mord“?

Simulation soll Genditzkis Unschuld beweisen

VIDEO 26. Juli 2018 um 18:28 Uhr, geschrieben von Nicole Kleim ?

Zweimal wurde Manfred Genditzki wegen Mordes an der 87-jährigen Rottacherin Lieselotte Kortüm zu lebenslanger Haft verurteilt. Zweifel an der Richtigkeit der Urteile gab es zuhauf. Versuche, den Fall wieder aufzurollen, scheiterten. Jetzt ist ein neues Beweismittel aufgetaucht.

Ein Skelett bewegt sich in Richtung Badewanne. Es setzt den rechten Fuß vor, stößt mit dem rechten Knie an den Badewannenrand, kippt vornüber und fällt über den Wannenrand. Dabei knallt der Kopf des Skeletts in Höhe des Drehverschlusses an die Wand der Badewanne. Das linke Bein bleibt auf dem Wannenrand liegen.

In dieser Position wurde Liselotte Kortüm am 28. Oktober 2008 tot in der Badewanne ihrer Rottacher 3-Zimmer-Wohnung aufgefunden (wir berichteten). Der Hausmeister Manfred Genditzki (58) soll sie erschlagen haben. Zweimal wurde Manfred Genditzki vom Landgericht München II wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch der ehemalige Hausmeister bestreitet die Tat bis heute.

Mit der nun durchgeführten Computersimulation will die Münchner Rechtsanwältin Regina Rick beweisen, dass der seit zehn Jahren inhaftierte Genditzki unschuldig ist. Und dass es sich bei dem Tod der Seniorin um einen Unfall, und nicht um ein Tötungsdelikt gehandelt hat. Seit Jahren kämpft sie für eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Schindler kritisiert Justiz

Zusammen mit der Rechtsanwältin Dagmar Schön startete Rick deshalb im vorletzten Jahr einen Spendenaufruf. Mit den eingegangenen Spenden wurde die Computersimulation in Auftrag gegeben. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bayerischen Landtags – SPD-Abgeordneter Franz Schindler – unterstützt sie bei der Wiederaufnahme des Verfahrens.

Bei der heutigen Pressekonferenz im Bayerischen Landtag äußerte er Zweifel an der Richtigkeit der Urteile und erinnerte daran, dass „die beiden Schuldsprüche nicht nur bei den Verteidigern auf völliges Unverständnis gestoßen“ seien, sondern auch „bei allen Prozessbeobachtern“.

Zudem kritisierte er die mangelnde Bereitschaft der Staatsanwaltschaft, sich mit möglichen Justizirrtümern auseinanderzusetzen und „die eigene Rolle zu hinterfragen“. Verfahrensfehler sieht er vor allem darin, dass a) keine volle Akteneinsicht gewährt, b) Ergebnisse bereinigt und c) Zeugenaussagen nicht protokolliert worden seien. Was die Staatsanwaltschaft „desinteressiert geduldet“ habe. Für ihn sei der Schuldspruch deshalb „nicht überzeugend“.

Jedes vierte Urteil ein Fehlurteil”

Strafverteidigerin Rick betonte, dass „jedes vierte Strafurteil ein Fehlurteil“ sei. Und auch bei Genditzki spreche „viel für ein Fehlurteil“. Der Gerichtsmediziner habe bei der alten Dame Tod durch Ertrinken festgestellt, so Rick. Obwohl die Hämatome im Kopf der alten Dame ein völlig unauffälliger Befund waren, sei dieser von „stumpfer Gewalt“ ausgegangen.

Und das, obwohl die Kripo in Miesbach zunächst von einem Unfall ausging, von einem unglücklichen Sturz mit Todesfolge. Weil aber zwei Miesbacher Polizisten bei der Haushaltsauflösung feststellten, dass eine größere Summe Geld fehlte, wurden dem Angeklagten plötzlich Mordabsichten unterstellt. Im Prozessverlauf habe allerdings nachgewiesen werden können, so Rick, woher das Geld stammte.

Neue Methode, die Genditzkis Unschuld beweisen soll

Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft eine „neue Geschichte“ erfunden, so Rick. Es wurde behauptet, die alte Dame hätte Genditzki zum Kaffee eingeladen, wobei es zum Streit gekommen sei. „Der Staatsanwaltschaft waren die Felle davongeschwommen“, begründet die Strafverteidigerin deren Motivsuche. Für diese Anschuldigung habe es aber keine Beweise gegeben, sie sei eine „Erfindung der Justiz“ gewesen, sagt Rick.

Weil das Gericht im Indizienprozess wegen der „Endlage“ der alten Dame einen Sturz ausschloss, wurde Genditzki erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Gerichtsmediziner hatte laut Rick angezweifelt, dass man nicht so liegen könne, wenn das Bein „draußen hängenbleibt“. Mit der heutigen Computersimulation, die der Stuttgarter Professor Syn Schmitt erarbeitet hat, beweist Rick nun das Gegenteil. Schon im Prozess vor dem Münchner Landgericht sei eine solche Computersimulation beantragt worden, wie Rick heute erklärte, diese hatte das Gericht aber mit der Begründung abgelehnt, so etwas sei noch nicht ausgereift genug.

Auch die sogenannten „Kontaktpunkte“, die Verletzungen am Körper wie beispielsweise blaue Flecken, könne man darstellen. Ebenso, welche Krafteinwirkung auf welches Körperteil wirke. Diese Version folge den „Gesetzen der Physik“, macht Rick deutlich. Sie selbst kann den Fall nicht wieder aufrollen. Dafür bräuchte sie mehrere „computersimulierte Szenarien“ – und ein entsprechendes Gutachten unter Einbeziehung von Rechtsmedizinern. „Das können wir nicht bezahlen“.

Im Kampf um die Wiederaufnahme des Verfahrens

Sie sieht aber mit der neuen Beweismethode gute Chancen für eine Wiederaufnahme. Ihr Wunsch ist es, dass die Justiz mehrere Staatsanwälte dransetzt, die ihr „die Arbeit abnehmen“. Noch besser wäre es, wenn die Staatsanwaltschaft selbst reagiert. Auch Schindler ist der Meinung, der Fall müsse nochmal aufgerollt werden, weil es „neue Beweise durch ein neues Verfahren gibt“.

Genditzkis Rechtsanwältin Dagmar Schön ist der gleichen Meinung: „Die Urteile waren sowas von falsch – die Staatsanwaltschaft muss sich damit auseinandersetzen“. Schön und Rick sind sich einig: Sie kämpfen solange, bis das Verfahren wieder aufgenommen wird. Und auch der Verurteilte, mit dem sie in regelmäßigem Kontakt stehen, gibt nicht auf. „Bevor ich zugebe, was ich nicht gemacht habe, bleibe ich zwanzig Jahre sitzen“, soll er gesagt haben.

https://tegernseerstimme.de/computersimu...chuld-beweisen/

#8 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:27

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Links: Die “Endlage” der alten Dame. Ein Sturz wurde vom Gericht ausgeschlossen. Rechtsanwältin Regina Rick und der SPD-Abgeordnete Franz Schindler (beide rechts im Bild) sind dagegen überzeugt, dass es ein “Sturz” war, kein Mord

#9 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:34

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Mord an Seniorin

Das zweite Lebenslang für den Hausmeister

Er soll die Seniorin in der Badewanne ihrer Wohnung ertränkt haben. Der 51-jährige Hausmeister muss deshalb wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Denn das Landgericht München ist - in zweiter Instanz - auch von seiner Schuld überzeugt. Aber Überzeugung ersetzt keine Gewissheit.

© DPA

Von Gisela Friedrichsen, München

17.01.2012 22:58 Uhr

Man konnte es ahnen: Zehn Justizwachtmeister im Saal vor einer Urteilsverkündung, das bedeutet nie Gutes. Wird der Angeklagte freigesprochen, bedarf es nicht eines solchen Aufgebots an Wachpersonal.

Staatsanwalt Florian Gliwitzky betritt in sich hineinlächelnd den übervollen Saal, eben saß er noch als Anklagevertreter im Doppelmordfall von Krailling. Der Professor für Rechtsmedizin, die ermittlende Kripobeamtin, die Leitende Oberstaatsanwältin, alle sind sie gekommen. Unter den Zuschauern die Schwestern des Angeklagten, seine junge Frau, seine Tochter, Anwälte, Publikum vom Tegernsee, der Fall hatte Aufsehen erregt. Denn der Angeklagte, der Hausmeister Manfred Genditzki, war 2010 schon einmal zu Lebenslang verurteilt worden, weil er eine alte Dame, die er betreute, in der Badewanne ihrer Wohnung ertränkt haben soll. Dieses Urteil der 1. Strafkammer des Landgerichts München II hatte Widerspruch hervorgerufen.

Auf Revision der Verteidigung hob der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs das Lebenslang auf, weil die Kammer, ohne die Verteidigung zu informieren, die Tat im Urteil ausgetauscht hatte, nachdem sich das von der Anklage unterstellte Motiv Habgier nicht hatte beweisen lassen. Ein Fall, wie es ihn kaum je gegeben hat.

Zweite Chance für den Angeklagten?

Zweiter Anlauf, wieder in München, nur vor einer anderen Kammer. Eine zweite Chance für den Angeklagten? Genditzki wurde nun von Gunter Widmaier verteidigt, der schon die Revision geführt hatte. Widmaier vertiefte sich in den Fall, und je länger er die Akten drehte und wendete, desto überzeugter wurde er von der Unschuld des Angeklagten. Ihm schien der Tod der alten Dame weitaus eher auf einen unglücklichen Sturz zurückzuführen zu sein, denn auf ein Verbrechen. Zum Schluß kam er sich "wie Sherlock Holmes und Dr. Watson zugleich" vor, als er beim Aktenstudium immer wieder neue Details fand, die übersehen worden waren und seine Überzeugung festigten.

Dann, nach einem aufwendigen zweiten Prozess, der Paukenschlag: Die Vorsitzende der 4. Großen Strafkammer, Petra Beckers, so blass sah man sie noch nie, verkündet das zweite Lebenslang. "Schuldig des Mordes", die Kosten hat der Angeklagte zu tragen, Haftfortdauer. So leise und sanft die Vorsitzende auch spricht, ihre Worte treffen wie Säbelhiebe.

Sie spricht zweieinhalb Stunden lang von der Überzeugung der Kammer. Man erkenne die Hilfsbereitschaft Genditzkis sehr wohl an und dass er zur einzigen Bezugsperson der alten Dame geworden sei, je hinfälliger sie wurde. Zweimal betont die Vorsitzende, der Angeklagte habe nie "bewusst vorgehabt", die alte Dame zu töten. Nein, sie drückt sich anders aus: Er habe "nicht bewusst vorgehabt, einen Tötungsvorgang auszuführen". Dann sei es zu "dieser Handlung gekommen".

"Frau K. war keine einfache Person"

Zu welcher Handlung? Der Hausmeister hatte an jenem Tag, als die alte Dame in der Badewanne ertrank, es war der 28. Oktober 2008, sie aus der Klinik abgeholt, wo sie wegen eines chronischen Darmleidens behandelt worden war, und nach Hause gefahren. Er half ihr von der Tiefgarage hoch in die Wohnung und holte danach ihr Gepäck, einen Koffer und Tüten mit Schmutzwäsche. Da war es etwa 14 Uhr. Um 15 Uhr verließ Genditzki die Wohnung.

"Diese Handlung" soll darin bestanden haben, dass die alte Dame es gern gesehen hätte, wenn Genditzki samt Frau und kleinem Sohn später zu einem Plauderstündchen gekommen wären. Doch auch seine Mutter lag im Krankenhaus, und er wollte sie entgegen dem Plan der alten Dame mit Frau und Kind besuchen. "Frau K. war keine einfache Person", sagt die Vorsitzende über die alte Dame, "sie konnte sich durchsetzen."

Weil man später bei der Obduktion zwei Hämatome am Schädel der alten Frau fand, unterstellt nun bereits die zweite Strafkammer dem Angeklagten, er habe nach einem heftigen Streit, für den es keine rechte Begründung gibt, entweder mit einem unbekannten Gegenstand zweimal brutal zugeschlagen oder die alte Dame gegen irgendetwas gestoßen. Um sie dann aus Furcht, diese undefinierbare Tat würde ihm beruflich zum Nachteil gereichen, in der Badewanne zu ertränken. Den er sei schließlich "mit Leib und Seele Hausmeister gewesen". Die unbekannten Schläge aus unbekanntem Grund hätten nicht bekannt werden dürfen.

Wie war es wirklich?

Dann weiß die Vorsitzende, was der Angeklagte an jenem Tag dachte. Sein erste Gedanke sei gewesen: Ich hole Rettung. "Gleichzeitig, widerstreitend, dachte er, wenn diese resolute Frau die Übergriffe jemandem erzählt, dann bin ich meinen Hausmeister-Job los. Er überlegt: Was mach ich? Es folgt das Verschließen des Wannenabflusses, das Öffnen des Hahns, das Unter-Wasser-Drücken, das Reduzieren des Wasserzuflusses, das Plausibel-Machen, dass es nicht zum Überlaufen kommt."

Die Vorsitzende sucht nach Worten. Sie ringt um den Ausdruck für das, was logisch klingen soll, es aber nicht unbedingt ist. Natürlich fragt man sich im Nachhinein, warum der Abfluss verschlossen war, hatte die alte Dame doch eine Phobie vor dem Baden in der Wanne. Kopfwaschen? Das sei schon für Jüngere über der Wanne unbequem, sagt die Vorsitzende. Wäsche einweichen? Tut das eine 87 Jahre alte Frau, die gerade aus dem Krankenhaus kommt? Man weiß es nicht, so wenig man weiß, warum Genditzki sie mit irgendeinem Gegenstand geschlagen oder gestoßen haben soll. Man kann allenfalls von irgendeiner Version überzeugt sein.

Einem Gericht zu unterstellen, es habe wider besseres Wissen ein Urteil gefällt, steht keinem Außenstehenden zu. Allerdings gibt es Fälle, in denen sich der Eindruck einstellt, ein Prozeß steuere ein bestimmtes Ziel an (zum Beispiel die Bestätigung des Urteils aus der ersten Instanz, weil sich die Richter-Kollegen gewiss nicht geirrt haben).

Am Ende des Prozesses fand Verteidiger Widmaier heraus, dass die alte Dame nicht, wie im ersten Urteil festgestellt, mit einer Jogginghose bekleidet war, als sie gefunden wurde, sondern mit einer dünnen Schlafanzughose. Widmaier hält es für wahrscheinlich, dass sie diese zu Hause, als der Hausmeister schon gegangen war, für den Mittagsschlaf angezogen habe. Das Gericht ist überzeugt, sie habe die Jogginghose im Beisein Genditzkis ausgezogen, und drunter habe sie eben die Schlafanzughose aus der Klinik getragen. Wie war es wirklich?

Wie der Streit um des Kaisers Bart

Das Gericht hat sich verbissen Mühe gegeben, die Argumente der Verteidigung zu entkräften oder für "unsinnig" zu deklarieren. Man kann streiten über manches, man kann nach noch weiteren Erklärungsmöglichkeiten suchen. Überzeugung aber ersetzt nicht Gewissheit, dass einer gemordet hat.

"Warum lässt die Frau die Geldkassette, in der sich ein hoher Betrag befindet, offen auf dem Tisch stehen und besorgt erst ihre Wäsche?" fragt das Gericht und gibt damit schon die Antwort. Eine lebende alte Dame hätte das nie gemacht. Nur: Fangen nicht auch jüngere Leute das eine an, ohne es zu beenden, und fahren mit etwas anderem fort?

Es ist wie der Streit um des Kaisers Bart. "Es gibt keine Handlungsalternative, die sinnvoll einen Sturz in die Wanne und zwei Hämatome erklärt", sagt die Vorsitzende. "Wir sind überzeugt von dem körperlichen Übergriff und dem dann als Unfall vorgetäuschten Ertränken." Der Angeklagte sei von einem Sachverständigen zwar als ruhig und nicht aggressiv beschrieben worden. "Das schließt aber nicht einen Ausnahme-Übergriff in einer Ausnahmesituation aus." So kann alles und das Gegenteil begründet werden.

Verteidiger Widmaier wird sich damit vermutlich nicht zufrieden geben. Die nächste Herausforderung steht an.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mo...r-a-809729.html

#10 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 10.11.2018 13:37

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BGH, Beschluss vom 12.01.2011 - 1 StR 582/10

https://openjur.de/u/225878.html

#11 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 11.11.2018 22:50

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7. November 2011, 11:06 Uhr

"Badewannen-Mord" von Rottach-Egern

Ein gravierender Rechtsfehler

Das, sagt der Rechtsanwalt Widmaier - und der Bundesgerichtshof folgte ihm darin ohne Wenn und Aber -, sei ein gravierender Rechtsfehler gewesen. Die Strafprozessordnung verbietet es, eine Verurteilung auf einen anderen als den in der Anklage enthaltenen Sachverhalt zu stützen, ohne den Angeklagten darauf besonders hinzuweisen und ihm Gelegenheit zur Verteidigung zu geben. Das Urteil wurde vollständig aufgehoben, der Fall wurde zur erneuten Verhandlung an das Landgericht München II zurückverwiesen........

https://www.sueddeutsche.de/bayern/badew...ame-1.1182191-2

#12 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 11.11.2018 22:53

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7. November 2011, 11:06 Uhr

"Badewannen-Mord" von Rottach-Egern
Der Tod einer alten Dame

Ist der Hausmeister wirklich ein Mörder? Seit Februar 2009 sitzt Manfred G. im Gefängnis, verurteilt wegen Mordes an einer alten und betuchten Dame. Jetzt wird der sogenannte "Badewannen-Mord" von Rottach-Egern neu aufgerollt. Womöglich war es nur eineHaushaltsunfall.

Von Hans Holzhaider

https://www.sueddeutsche.de/bayern/badew...-dame-1.1182191

#13 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Helios 14.06.2019 18:36

Prozess-Wiederaufnahme ist beantragt

Anwältin will Fall neu aufrollen: War der Badewannen-Mord in Wirklichkeit ein Unfall?
Aktualisiert: 14.06.19 17:18


Elf Jahre nach dem sogenannten Badewannen-Mord von Rottach-Egern könnte der Fall jetzt in einem ganz anderen Licht erscheinen. Aufgrund Indizien wurde der mutmaßliche Täter damals verurteilt. Seine Anwältin will das Verfahren jetzt neu aufrollen.

Verurteilt aufgrund von Indizien: Das erlebte Manfred Genditzki (59) im Jahr 2010. Das Landgericht München II sprach den Hausmeister des Mordes schuldig und war überzeugt, dass er die Seniorin Lieselotte K. (†87) im Oktober 2008 in Rottach-Egern erschlagen hatte.


Beweise für die Schuld des Angeklagten gab es nie
Als Badewannen-Mord ging der Fall in die Geschichte ein, doch Beweise für die Schuld des Angeklagten gab es nie. Seit Februar 2009 sitzt er im Knast – doch bis heute glaubt seine Familie fest an Genditzkis Unschuld. Und im Hintergrund arbeitete die Münchner Anwältin Regina Rick an der Wiederaufnahme des Falles, die sie am Mittwoch nun beantragt hat.

Ein seltenes Vorgehen: Nur ein Prozent aller Strafprozesse wird tatsächlich nach Jahren neu aufgerollt. Grundlage dafür: neue Beweise. „Ich bin davon überzeugt, dass es sich um ein Fehlurteil handelt und der Antrag begründet ist“, sagt Rick. „Mit den neuen Tatsachen und Beweisen werden sämtliche wesentliche Feststellungen des Urteils grundlegend erschüttert.“ Die Anwältin ist überzeugt: „Wir konnten nachweisen, dass die alte Dame Opfer eines bedauernswerten häuslichen Unfalls geworden und zudem zu einem Zeitpunkt gestorben sein muss, als sich Herr Genditzki nachweislich längst nicht mehr in der Wohnung befand.“ Rick zufolge beweist eine Computersimulation, dass Lieselotte K. durch einen Sturz in die Badewanne starb. Was das Gericht damals ausgeschlossen hatte. Eine neue Zeugin bekräftige diese These aber durch eine Aussage über die Gewohnheiten der verstorbenen Seniorin. Ob der Fall neu aufgerollt wird, muss nun das Landgericht München I entscheiden.

https://www.tz.de/muenchen/region/anwael...l-12444938.html

#14 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 20.10.2019 23:42

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Tatort Tegernsee

War der "Badewannen-Mord" etwa gar keiner?

Eine alte Frau wird 2008 tot in der Badewanne ihrer Wohnung gefunden. War es Mord? Ein Hausmeister wird verurteilt. Doch mittlerweile deutet vieles auf seine Unschuld hin. Darunter eine Zeugin.

Es ist der 28. Oktober 2008, kurz vor 18.30 Uhr. Eine Pflegedienstmitarbeiterin will nach Lieselotte Kortüm schauen. Die 87-Jährige lebt in Rottach-Egern am Tegernsee. In ihrer Wohnungstür steckt der Schlüssel. Der Hausmeister hat ihn dort hinterlassen. Er war drei Stunden zuvor ins benachbarte Wiessee gefahren, um für die alte Dame einzukaufen.

Er hat das Pflegeunternehmen vom "Schlüssel in der Tür" telefonisch informiert und will Kortüm die Einkäufe am anderen Tag bringen. Die Pflegerin ist überrascht, als sie die Wohnung betritt, denn es ist ungewöhnlich still. Sie schaut im Schlafzimmer, im Wohnzimmer und in der Küche nach. Da ist niemand. Nur im Bad plätschert leise Wasser aus aufgedrehten Hähnen.

Ein Spalt breit steht die Badezimmertür offen. Die Pflegerin stößt sie auf, der Schreck fährt ihr in die Glieder. Die alte Dame liegt, mit Strickjacke und Schlafanzughose bekleidet, leblos in der Wanne. Kopf und Oberkörper sind wasserbedeckt, der linke Unterschenkel hängt über dem Wannenrand. Der herbeigerufene Arzt stellt Tod durch Ertrinken fest. Ein tödlicher Haushaltsunfall, wie ihn jährlich etwa 8.000 Menschen in Deutschland erleiden? Vielleicht. Oder: Ein Kapitalverbrechen? Letzteres glaubt das Landgericht München II, das die Entdeckung der toten alten Dame so festhielt.

Paradies in Bayern?

Der blaue Tegernsee mit den weißen Booten und dem Wallberg ist eine paradiesische Landschaft. Hier wohnen die Schönen und Reichen und nicht wenige Mächtige. Ganze 60 Arbeitslose meldete die Bundesagentur zuletzt für das Tal und weniger als 1.000 Straftaten die Polizei, die die Statistik für 2018 ausgewertet hat. Das Risiko, Opfer von Einbrechern zu werden, ist rund um den See 15 Mal niedriger als in Nordrhein-Westfalen.

Gibt es einen friedlicheren Fleck in der Republik? Zur ganzen Wahrheit gehören aber auch spektakuläre statistische Ausreißer. 2016 wurde eine 97-jährige Millionärin in ihrer Kreuther Villa umgebracht. 2018 lag ein wohlhabender, 60 Jahre alter Augenarzt in Tegernsee tot im Bett, die Staatsanwaltschaft stellte "Fremdeinwirkung" fest.

Aber zurück zum Fall von Lieselotte Kortüm. Der betreffende Hausmeister heißt Manfred Genditzki. Man muss sich den Mann als bienenfleißiges Faktotum vorstellen. Als jemanden, der für 44 Wohneinheiten zuständig war, aber zudem alles für die alte Dame erledigt hat. Der für sie die Semmeln holte, Frühstück bereitete, einkaufte, die Wäsche wusch, den Besuch bei Frisör und Arzt organisierte, der die Schecks einlöste und sogar den persönlichen Kontakt seiner Familie mit der alleinstehenden "Lotte" suchte.

Ein Rundumservice, der bei Kortüm über die Jahre möglicherweise die Ansprüche wachsen ließ: Genditzki, fand sie, habe jederzeit zur Verfügung zu stehen und ihren Anweisungen Folge zu leisten.

Niemand erwartete eine Verurteilung

Nicht lange, nachdem die Pflegerin die alte Dame tot in der Wanne gefunden hat, gerät der fast 50-Jährige in den Verdacht, sie getötet zu haben. Er bestreitet das heftig. DNA-Spuren, die auf ihn hindeuten, können die Ermittler nicht finden. Es gibt weder Kampf- noch Schleifspuren. Ein Kassenbeleg von Edeka in Bad Wiessee ist um 15.30 Uhr abgestempelt. All dies nimmt das Gericht zur Kenntnis, protokolliert im Urteil.

Prozessbeobachter gehen von einem Freispruch aus. Doch nach einem dreijährigen Weg durch mehrere Instanzen entscheidet das Landgericht München II im Mai 2012 endgültig: "Der Angeklagte Manfred Genditzki ist schuldig des Mordes in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. Er wird deswegen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt." Die Haft verbüßt er im Vollzug in Landsberg am Lech. Bis heute ist das so.

Kann dieser Mann der Mörder der Betreuten sein? Das Lebenslangurteil baut auf Indizien. Genditzki hatte Kontovollmacht und einen Zugang zum Bargeld der Frau. Er besaß einen Schlüssel zur Wohnung, natürlich. Auch: Er war der Letzte, der die alte Dame lebend gesehen hatte. Vor allem aber hat die Gerichtsmedizin am Kopf der Leiche zwei Einblutungen festgestellt, fünf bis sieben Zentimeter groß. Die Richter glauben, Genditzki habe "mit einem stumpfen Gegenstand einmal oder zweimal mit großer Wucht auf den Hinterkopf" geschlagen oder Kortüm so gestoßen, dass sie "mit dem Kopf auf einen harten Gegenstand fiel."

Motiv Raubmord schied aus

Die Versuche, gegen 14.57 Uhr zwei Mal den Rottacher Arzt Dr. Weber anzurufen, habe er nach nur Sekunden abgebrochen. Nicht weniger detailliert schildert das Gericht in seiner Urteilsbegründung, wie es sich den eigentlichen Mord vorgestellt hat: Der Täter habe die bewusstlose Frau ins Badezimmer getragen, sie in die leere Wanne gelegt und das Wasser einlaufen lassen. "Er drückte Frau Kortüm unter Wasser, bis sie sich nach vier bis fünf Minuten nicht mehr bewegte oder keine Luftbläschen mehr von sich gab."

So ein Vorgehen wäre brutal. Wo liegt das Motiv dafür? Schnell ist die frühe Mutmaßung geplatzt, der Hausmeister könne einen Raubmord begangen, also aus Gier gehandelt haben. Denn bis auf rund 50.000 Euro, die von Kortüms Bankkonto binnen eineinhalb Jahren in unbekannte Richtung abgeflossen sind, fehlt kein Geld. Die Richter wenden sich also einer anderen Konstruktion zu.

Lieselotte Kortüm habe von Manfred Genditzki zu viel Einsatz verlangt. Allein in den vier Monaten vor ihrem Tod hatte sie ihn 300 Mal angerufen und nicht selten zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett geholt. Er sei, fasst die Urteilsbegründung zusammen, darüber am Tatnachmittag "in Rage" geraten. Nach einem Krach – er wollte seine krebskranke Mutter besuchen, was Kortüm "eifersüchtig" gemacht habe – sei der Streit eskaliert.

War alles ganz anders?

War es so? Regina Rick ist Anwältin. Sie hat ihre Kanzlei in der Neuhauser Straße in München. Rick hat das Urteil nicht nur "vollumfänglich angegriffen" und will die Wiederaufnahme des Verfahrens. Sie verlangt auch die sofortige Freilassung ihres Mandanten. In diesen Tagen hat die Strafrechtlerin Post von der Staatsanwaltschaft bekommen. Die Behörde lehnt eine Wiederaufnahme ab. Aber entscheiden muss am Ende das Landgericht München I über das Schicksal des inhaftierten Genditzki.

Regina Rick ist fest überzeugt: Der Verurteilte ist kein Mörder. Es gibt gar keinen Täter. Es ist, so argumentiert sie, ein unglücklicher, durch eine plötzliche Ohnmacht herbeigeführter Sturz gewesen, der Lieselotte Kortüm beim Einweichen von Wäsche ins Wasser fallen ließ. Nicht zum ersten Mal sei das so passiert. Bei Rick hat sich dafür eine glaubwürdige Zeugin gemeldet.

Christiane Eyssele hat Lieselotte Kortüm lange gekannt. Sie ist eine alte Freundin. Kortüm war zeitweise die Geliebte ihres Vaters. Vor mehr als zwanzig Jahren haben sie sich aus den Augen verloren. Erst Anfang 2019 und "durch einen Zufall", sagt sie, sei sie im Internet auf den vermeintlichen Mord in Rottach-Egern gestoßen.

Anwältin ist irritiert

Sofort hat sie sich an zwei Dinge erinnert, die in dem Indizienprozess 2012 für den Mittag des 28. Oktober 2008 strikt ausgeschlossen worden waren: Dass Lieselotte Körtum immer mal wieder Schwächeanfälle erlitten hat. Schneeweiß sei sie dann geworden, einmal sei sie ohnmächtig in die Badewanne gefallen. Nur durch ihr, Eysseles, beherztes Eingriffen habe Kortüm das damals überlebt, sagt die Zeugin. So wird es auch im Antrag auf Wiederaufnahme im Genditzki-Fall geschildert.

Weiter bringt die alte Freundin vor: Lieselotte Kortüm habe ihre Wäsche immer in der Badewanne vorgeweicht. "Ich führe das darauf zurück, dass Frau Kortüm aus Ostpreussen kam. Sie hat mir schon als Kind eingebläut: Wenn du die Wäsche zum Waschen gibst, wasch sie vorher selbst aus."
Die Anwältin hat es früh für "unfassbar" gehalten, dass ein Gericht bei einer 87 Jahre alten Frau Schwächeanfälle ausschließt.

Doch reichen die Aussagen der Zeugin, um ein nächstes Gericht in einem Wiederaufnahmeverfahren von der Unschuld des Hausmeisters zu überzeugen? Wiederaufnahmeverfahren nach dem Paragrafen 359 der Strafprozessordnung sind in Deutschland rechtlich schwierig. Sie setzen, zum Beispiel, die Vorlage "neuer Tatsachen oder Beweismittel" voraus, die im vorangegangenen Prozess keine Rolle gespielt haben dürfen.

Rick hat deshalb mehr unternommen. Sie hat Wissenschaftler beauftragt, drei Dinge zu untersuchen: Ob die Auffindeposition der Leiche Kortüms in der Wanne ohne Zutun eines Dritten zustande gekommen sein könnte, also durch einen Sturz. Ob dies auch für die beiden am Kopf der Toten festgestellten Hämatome gilt. Und sie wollte eine Antwort auf eine Frage, die das Gericht 2012 nicht klären konnte: Wann genau ist Lieselotte Kortüm ertrunken?

Gutachter sind sich einig

In Regina Ricks Kanzlei liegen seit dem Frühjahr die Antworten der Experten. Alle sind zugunsten des Inhaftierten ausgefallen. Ja, Kortüm konnte ohne Eingriff eines Dritten in die Wanne fallen, hat eine Computersimulation ergeben. Ja, Kortüms Hämatome könnten bei einem Sturz entstanden sein. Vor allem: Der Freiburger Thermodynamiker Niels Hansen hat mit modernsten Methoden ermittelt, dass die alte Frau am vermeintlichen "Tattag" zwischen 16.50 und 17.20 Uhr starb. Gutachten aus Instituten in Jena und Hamburg bestätigen eine ähnlich späte Todeszeit. Da war Manfred Genditzki auch nach Annahmen des Gerichts im Jahr 2012 längst nicht mehr in der Wohnung.

Mitte Juni hat Rick in seinem Auftrag ihren umfassenden Antrag abgeschickt. Starke Rückendeckung hat sie von Petenten erhalten, Unterstützern aus dem Internet und vom ehemaligen Vorsitzenden des Justizausschusses im bayerischen Landtag, Franz Schindler (SPD). Er kritisiert schon länger eine angebliche Unwilligkeit der Justiz im Freistaat, sich mit möglichen eigenen Irrtümern auseinanderzusetzen. "Die dargestellten Wiederaufnahmegründe sind geeignet, die Freisprechung des Antragstellers zu bewirken", heißt es in dem Antrag. Es steckt, fast genau elf Jahre nach dem Tod der Lieselotte Kortüm, auch ein wenig das Prinzip Hoffnung dahinter.

https://www.t-online.de/nachrichten/pano...ar-keiner-.html

#15 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 28.10.2019 18:19

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21.10.2019 um 21:11 Uhr

Staatsanwaltschaft blockt ab

Fall Genditzki: Anklagebehörde gegen Wiederaufnahme des Verfahrens

München (DK) Im Fall des seit 2009 wegen Mordes inhaftierten Manfred Genditzki lehnt die Staatsanwaltschaft München eine Wiederaufnahme des Verfahrens ab.

Das teilt Regina Rick mit, die Anwältin des 59-Jährigen, der eine entsprechende Stellungnahme der Behörde vorliegt. Die Staatsanwaltschaft will sich dazu nicht äußern.

Genditzki ist 2010 und 2012 wegen Mordes an der Rentnerin Lieselotte Kortüm zweimal zu lebenslanger Haft verurteilt worden - als "Badewannen-Mord von Rottach-Egern" geriet der Fall in die Schlagzeilen. Nach Überzeugung des Landgerichts München II hatte der Hausmeister die alte Dame, um die er sich kümmerte, im Streit geschlagen und anschließend in der Badewanne ertränkt. Das Urteil erfolgte auf Basis von Indizien; viele Prozessbeobachter hatten mit einem Freispruch gerechnet.

2013 übernahm Regina Rick den Fall. Die Anwältin aus Pfaffenhofen, die eine Kanzlei in München unterhält, hat neue Gutachten zum Todeszeitpunkt sowie zur Möglichkeit eines Sturzgeschehens eingeholt, die ihren Mandanten entlasten. Auch auf eine bislang nicht gehörte Zeugin stützt sich ihr Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens, den sie im Juni eingereicht hat. Das Landgericht München I bat daraufhin die Staatsanwaltschaft um eine Stellungnahme, die nun vorliegt und auch Regina Rick zugestellt wurde. Der Anwältin zufolge argumentiert die Staatsanwaltschaft in dem Papier, die im Antrag vorgebrachten Beweismittel seien "nicht neu, beziehungsweise - ihre Richtigkeit unterstellt - nicht geeignet, der Verurteilung die tatsächliche Grundlage zu entziehen". Demgegenüber sagt Regina Rick, dass die neuen Gutachten "alle wesentliche Feststellungen des Urteils grundlegend erschüttern". Welche Seite recht hat? Das muss nun die 1. Strafkammer des Landgerichts München I prüfen. Wann die Entscheidung über den Wiederaufnahmeantrag fällt, ist laut einer Gerichtssprecherin offen - "da gibt es keine Fristen".

https://www.donaukurier.de/nachrichten/b...t155371,4359045

#16 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 29.10.2019 11:12

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29. Oktober 2019, 7:54 Uhr

Fall Genditzki

"Das schafft nicht mal ein routinierter Auftragskiller"

Regina Rick vertritt Manfred Genditzki, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, weil er eine 87-Jährige in der Badewanne ertränkt haben soll. Die Anwältin will seine Unschuld beweisen und hat einen Wiederaufnahmeantrag gestellt.

Interview von Hans Holzhaider

Seit mehr als zehn Jahren sitzt Manfred Genditzki, 59, im Gefängnis. Im Januar 2012 verurteilte ihn das Landgericht München II zu lebenslanger Haft, weil es ihn für schuldig hielt, die 87-jährige Rentnerin Lieselotte Kortüm in ihrer Wohnung in Rottach-Egern in der Badewanne ertränkt zu haben. Von Anfang an gab es Zweifel an dem Urteil. Mehr als tausend Menschen, viele von ihnen aus dem Landkreis Miesbach, unterschrieben eine vom ehemaligen Tegernseer Bürgermeister Peter Janssen initiierte Petition, die den bayerischen Justizminister Georg Eisenreich auffordert, sich für die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Manfred Genditzki einzusetzen.

Im Juni 2019 stellte die Münchner Rechtsanwältin Regina Rick im Namen Genditzkis einen förmlichen Wiederaufnahmeantrag. Er stützt sich auf neue Sachverständigengutachten und die Aussagen einer bis vor Kurzem unbekannten Zeugin. Zuständig für die Entscheidung über den Antrag ist die 1. Strafkammer am Landgericht München I unter dem Vorsitz von Richterin Elisabeth Ehrl. Auf Anforderung des Gerichts hat jetzt die Staatsanwaltschaft München I Stellung genommen. Sie fordert, den Wiederaufnahmeantrag als unzulässig abzulehnen.

SZ: Wie begründet die Staatsanwaltschaft ihre Ablehnung?

Regina Rick: Die Staatsanwaltschaft sagt, es lägen keine neuen Beweismittel vor, die einen Freispruch für Manfred Genditzki wahrscheinlich machten.

Sie legen ein Gutachten vor, dem zufolge der Todeszeitpunkt der Frau Kortüm entgegen der Meinung des Gerichts so eingrenzbar ist, dass man mit großer Sicherheit davon ausgehen kann, dass sie erst gestorben ist, als Manfred Genditzki ihre Wohnung schon verlassen hatte. Was hält die Staatsanwaltschaft dem entgegen?

Die Eingrenzung des Todeszeitpunkts war erst durch die Ermittlung der Umgebungs-, also der Wassertemperatur möglich. Das entsprechende Gutachten stammt von dem Physikprofessor Niels Hansen von der Universität Stuttgart, der auf Thermodynamik spezialisiert ist, also einem absoluten Fachmann. Die Staatsanwaltschaft hält dem sinngemäß entgegen, dass der vom Gericht angenommene Todeszeitpunkt zwischen 14.57 und 15.09 Uhr nach wie vor nicht auszuschließen sei, weil die Rahmenbedingungen, von denen das Gutachten ausgeht, nicht exakt bestimmbar seien. Also zum Beispiel die Temperatur des nachlaufenden Wassers, die Temperatur der Leiche, oder ob es im Raum einen Luftzug gegeben hat oder nicht.

Manche Einwände der Staatsanwaltschaft sind in ihrer Kleinlichkeit auch regelrecht absurd. So wird zum Beispiel moniert, im Gutachten werde die gemessene Wassertemperatur mit 25,9 Grad angegeben, während sie in Wirklichkeit 26 Grad betragen habe. Man sucht geradezu nach Gründen, um das Gutachten madig zu machen. Tatsächlich hat Professor Hansen bei seinen Berechnungen schon von vornherein die aus Sicht Genditzkis ungünstigsten Rahmenbedingungen zugrunde gelegt. Das heißt, bei Berücksichtigung der Einwände der Staatsanwaltschaft kommt man auf einen noch späteren Todeszeitpunkt.

Im Urteil des Landgerichts München II heißt es, es sei auszuschließen, dass Frau Kortüm durch einen Sturz in die Badewanne in die Position gelangt sein könne, in der sie aufgefunden wurde. Ihr Wiederaufnahmeantrag stützt sich auch auf eine Computersimulation, die ergibt, dass es im Gegenteil sehr wahrscheinlich sei, dass Frau Kortüm in die Wanne gestürzt ist.

Die Staatsanwalt meint, auch dieses Gutachten sei als Beweismittel nicht geeignet, weil es einen Sturz nicht beweisen könne, und es sei auch nicht neu, weil Genditzkis Verteidiger Gunter Widmayer schon im Prozess 2011 die Einholung eines solchen Gutachtens gefordert habe. Die Technik der Computersimulation ist in den letzen acht Jahren aber meilenweit fortgeschritten. Das Simtec-Institut unter der Leitung von Professor Syn Schmitt in Stuttgart ist in dieser Technik weltweit führend. Die Staatsanwaltschaft sagt einfach, das wurde damals abgelehnt, also ist das heute als Beweismittel unzulässig. Aber was wir jetzt vorgelegt haben, ist unendlich viel präziser als das, was der Münchner Gerichtsmediziner Keil damals im Prozess eingebracht hat. Der hat sich selber in die Badewanne gelegt und sich ein Badewannenmodell aus Pappe gebaut.

......

#17 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 29.10.2019 11:15

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- Seite 2 -

29. Oktober 2019, 7:54 Uhr

Fall Genditzki

Ein Urteil wird "mit Zähnen und Klauen verteidigt"

Ein wichtiger Gesichtspunkt im Prozess gegen Manfred Genditzki war die Frage, welchen Grund Frau Kortüm gehabt haben könnte, sich an der Badewanne zu schaffen zu machen. Die Verteidigung hielt es für naheliegend, dass die alte Dame kotverschmutzte Wäsche einweichen wollte. Sie war erst an diesem Tag nach einer schweren Durchfallerkrankung aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen. Das Gericht schloss diese Möglichkeit aus. Im Urteil heißt es: "Es steht fest, dass Frau Kortüm Wäsche nie in der Badewanne eingeweicht hat."

Diese Behauptung ist jetzt durch eine neue Zeugenaussage eindeutig widerlegt. Die Zeugin, die Frau Kortüm über mehr als zwanzig Jahre ihres Lebens eng begleitet hat, sagt aus, dass die alte Dame zeitlebens die strikte Angewohnheit hatte, ihre verschmutzte Wäsche in der Badewanne vorzureinigen, selbst dann, wenn sie sie anschließend selbst in die Waschmaschine steckte.

Damit wäre ein wichtiger Urteilsgrund hinfällig. Was entgegnet die Staatsanwaltschaft?

Die Staatsanwaltschaft hält diese Zeugin nicht für geeignet, weil die Zeugin Frau Kortüm schon lange Zeit vor deren Tod nicht mehr gesehen hat. Das soll wohl sinngemäß heißen: Wenn Frau Kortüm auch vor zwanzig Jahren eine Angewohnheit hatte, sage das nichts über ihre Gewohnheiten zum Zeitpunkt ihrs Todes aus.

Wie bewerten Sie den Antrag der Staatsanwaltschaft, die Wiederaufnahme des Verfahrens für unzulässig zu erklären?

Ich finde es bedauerlich, dass man dieses Urteil nach wie vor mit Zähnen und Klauen verteidigt, statt sich objektiv mit dem Wiederaufnahmevorbringen zu beschäftigen. Die Sachverständigen, deren Gutachten wir ins Feld führen, sind absolute Spezialisten auf ihren Fachgebieten. Dass die Staatsanwaltschaft diese wissenschaftlichen Gutachten aus eigener Sachkunde in Zweifel zieht, halte ich für bedenklich. Man muss sich ja auch vor Augen führen, wie hochgradig unwahrscheinlich der vom Gericht angenommene Tatablauf ist. Danach soll die ganze Tat innerhalb von nur elf Minuten abgelaufen sein.

In diesen elf Minuten soll Genditzki sich entschlossen haben, Frau Kortüm zu ertränken. Er soll die alte Dame, die 74 Kilogramm wog, ins Badezimmer verbracht, Wasser eingelassen und sie bis zum Eintritt des Todes unter Wasser gedrückt haben, was alleine mindestens fünf Minuten gedauert hätte. Zudem hätte er ja noch den Tatort präparieren, also zum Beispiel den Gehstock und die Pantoffeln im Badezimmer positionieren müssen. Dann hätte er, immer noch innerhalb dieser elf Minuten, die Wohnung im ersten Stock verlassen müssen, um sodann in aller Ruhe den Pflegedienst anzurufen. Das alles, ohne Spuren zu hinterlassen. Ich würde sagen: Das schafft nicht mal ein routinierter Auftragskiller.

https://www.sueddeutsche.de/bayern/muenc...eltin-1.4659093

#18 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Tumbleweed 05.03.2020 11:42

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Kripo ermittelt weiter
Mordverdacht gegen Arzt-Gattin in Tegernsee: Dramatische Details zum Tathergang

Aktualisiert: 16.02.20 07:43

Nachdem ein 60-jähriger Arzt aus Tegernsee tot in seinem Bett aufgefunden worden war, wurde seine Ehefrau des Mordes an ihm verdächtigt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Am 8. August 2018 wird ein 60-Jähriger Arzt tot in seinem Bett in seiner Wohnung in Tegernsee gefunden.
Vier Monate nach dem Tod des Mannes, im Februar 2019, wird seine Frau wegen Mordverdachts festgenommen.
Nun, ein Jahr nach der Festnahme, im Februar 2020, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.

München/Tegernsee - Eineinhalb Jahre nach dem mysteriösen Tod eines Tegernseer Arztes hat die Staatsanwaltschaft München II Anklage gegen die Witwe wegen Mordes erhoben. Die Anklage sei an das Landgericht München II überstellt worden, das nun über die Zulassung zur Hauptverhandlung zu entscheiden habe, teilte die Anklagebehörde am Freitag auf Anfrage mit. Der 48-jährigen gelernten Krankenschwester wird vorgeworfen, ihren 60 Jahre alten Mann am 8. August 2018 mit einer Spritze getötet zu haben.

Die Frau hat bisher zu den Vorwürfen geschwiegen. Sie hatte damals selbst den Hausarzt geholt, der aber nur den Tod ihres Mannes feststellen konnte. Der Augenarzt war allerdings gesund gewesen, es gab keine lebensbedrohliche, langwierige Erkrankung. Die Obduktion sowie die chemisch-toxikologischen Untersuchungen ergaben, dass ihm ein - bisher nicht näher benanntes Mittel - injiziert worden war.

Vier Monate nach dem Tod ihres Mannes, im Februar 2019, wurde die Frau wegen Mordverdachts festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Sie soll es in der Ehe auf das Vermögen des Mannes abgesehen haben. Hier sieht die Staatsanwaltschaft ein mögliches Motiv: Sie geht von Habgier sowie Heimtücke und niedrigen Beweggründen als weitere Mordmerkmale aus.

Update, 21. Februar: Ein Bild, das einen gesellschaftlichen Aufstieg nicht besser dokumentieren könnte: Eine Frau im mittleren Alter sitzt am Steuer eines Porsches, sie trägt Pelz - wirkt zufrieden, glücklich, oder auf Neudeutsch im Internet: happy. Doch jetzt rankt sich ein dunkles Geheimnis um die Pelz-Lady vom Tegernsee: Sie soll ihren Ehemann umgebracht haben. Die Witwe wurde am 6. Februar wegen dringenden Verdachts des Mordes festgenommen, sie sitzt seither in U-Haft. Der Vorwurf der Ermittler: Sie soll am Tod ihres 60-jährigen Ehemannes, einem früher in München praktizierenden Augenarzt, schuldig sein.

Mordverdacht in Tegernsee: 60-Jähriger tot im Bett aufgefunden

Ihr Mann war bereits am 8. August 2018 vormittags leblos in seinem Bett aufgefunden worden. Sein hinzugerufener Hausarzt konnte nur den Tod feststellen. Doch eine natürliche Ursache, beispielsweise durch eine lebensbedrohliche, langwierige Erkrankung, ließ sich nicht feststellen - die Polizei wurde verständigt. Das ist auch das normale Vorgehen in so einem Fall. Es folgten Obduktion und lange Ermittlungen. Schließlich gab es genug Indizien für die zuständige Staatsanwaltschaft München II, einen Haftbefehl wegen Mordes zu erwirken. „Einem rechtsmedizinischen Gutachten zufolge ist die Todesursache eindeutig im Bereich Fremdeinwirkung zu suchen“, erklärte Alexander Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim nach der Festnahme.

Seither ist die Ehefrau des Toten in Untersuchungshaft. „Angaben als Beschuldigte zur Sache hat sie nicht gemacht“, berichtete die Münchner Oberstaatsanwältin Andrea Mayer. Als Zeugin habe sie sich aber eingelassen. Das bedeutet, dass diese Aussagen vor der Verhaftung gemacht worden waren. Ansonsten halten sich die Ermittler bedeckt. Zum Motiv oder einer Tatwaffe gibt es keine Angaben. Der Arzt und seine Frau waren in ihrer Wohngegend durchaus vom Sehen und auch vom kurzen, freundlichen Grüßen bekannt. Der Ehemann soll aber zuletzt angeschlagen gewirkt haben. Möglicherweise lebten die beiden an dem Platz in Tegernsee sogar in zwei verschiedenen Wohnungen, allerdings in der Nachbarschaft. Für eine Wohnung hatte Ehefrau Katherina zwei Monate vor Auffinden der Leiche eine Nutzungsänderung zu einer Ferienwohnung öffentlich bekannt gemacht.

Mordverdacht in Tegernsee: Könnte das die Tatwaffe gewesen sein?

Für die Witwe des Arztes ist der begehrte Tegernsee schon lange ihr zweites Zuhause. Früher noch unter anderem, typisch bayerischen Namen. Geboren wurde die 47-Jährige allerdings in Bulgarien, wo sie einen medizinischen Beruf erlernt haben soll. Half ihr dieses Vorwissen? Denn nach tz-Informationen soll eine Spritze bei der Tatbegehung eine Rolle gespielt haben. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich dazu nicht. Bei der Kripo Miesbach wurde wegen des Mordes eine Arbeitsgruppe gebildet. Die Ermittler hatten vor zwei Wochen angekündigt, dass sich die Untersuchungen noch länger hinziehen könnten.
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In diesem Mehrfamilienhaus in Tegernsee lebte die Ehefrau des Augenarztes. Im August 2018 wurde ihr Mann tot aufgefunden

Update, 12. Februar:

Tegernsee – Seit einer Woche sitzt die Witwe (47) eines Augenarztes (60) aus Tegernsee nun in Untersuchungshaft. Wie berichtet, steht die Frau im dringenden Verdacht, ihren Ehemann ermordet zu haben. Doch es scheinen noch viele Fragen offen.

„Die Ermittlungsarbeit läuft“, meint Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Es gebe aber noch keine neuen Erkenntnisse. Die Frau bleibe in Haft. Ihr Ehemann starb bereits am 8. August. Der 60-Jährige lag morgens leblos im Bett, seine Frau alarmierte den Hausarzt.

Mord in Tegernsee: Noch viele Fragen zur Arzt-Gattin offen


Der stellte den Tod seines Kollegen fest, konnte aber keine natürliche Ursache finden und meldete den Fall bei der Polizei. Die Kripo Miesbach veranlasste eine Obduktion des Leichnams. Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab laut Polizei, dass die Ursache des Todes im Bereich Fremdeinwirkung zu suchen sei.

Woran der Tegernseer starb, darüber schweigen sich die Ermittler aus. Nähere Informationen könnten den Erfolg ihrer Arbeit gefährden, heißt es. Rätselhaft ist auch, warum fünf Monate zwischen dem Tod des Augenarztes und der Festnahme seiner Frau vergingen. Die Polizei begründet die Dauer mit der sehr langwierigen und aufwendigen Ermittlungsarbeit.

Im Ort war die Arzt-Gattin vielen durchaus ein bekanntes Gesicht. Man sah sie regelmäßig zu Fuß beim Einkaufen. Sie wohnte dem Vernehmen nach in einer großen Wohnung im Zentrum von Tegernsee. Von den Ermittlungen der Polizei ahnte niemand etwas.



Update vom 7. Februar

Tegernsee - Ein Mann liegt morgens tot im Bett, die Ehefrau ruft den Hausarzt. So geschehen diesen Sommer in Tegernsee. Doch der Mediziner erkennt: Hier stimmt etwas nicht. Am Mittwoch wurde die 47-jährige Ehefrau festgenommen: Mordverdacht.

Der Tote war Augenarzt, 60 Jahre alt. Seine Praxis in München hatte er aufgegeben und genoss seinen Ruhestand in Tegernsee. Am Morgen des 8. August 2018 alarmierte seine Ehefrau (47) den Hausarzt: Ihr Mann lag leblos im Bett. Der Mediziner konnte nur noch den Tod feststellen. Doch eine natürliche Ursache für das Ableben seines Kollegen fand er nicht. Der Hausarzt rief die Polizei.

Mordverdacht in Tegernsee: 47-Jährige nach monatelangen Ermittlungen festgenommen

Es folgten eine Obduktion und monatelange Ermittlungen. Am Mittwoch nahm die Polizei die Ehefrau des Toten in Tegernsee fest. Wie das Polizeipräsidium Oberbayern mitteilt, besteht „dringender Tatverdacht“, dass sie ihren Mann getötet hat. Wie der Mann zu Tode kam und welches Motiv seine Frau gehabt haben könnte, darüber schweigt die Polizei sich aus. Man wolle kein Täterwissen preisgeben, heißt es.

Denn die Ermittlungen sind nach der Verhaftung noch lange nicht abgeschlossen. „Wir stehen eher am Anfang“, so die Polizei. In nächster Zeit werde es im Bereich Tegernseer Tal zahlreiche Ermittlungen geben. Zur Aufklärung des Falls wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Zuständig sind die Kripo Miesbach und die Staatsanwaltschaft München II.



Erwiesen ist, dass der Tod des Augenarztes kein natürlicher war. Einem rechtsmedizinischen Gutachten zufolge sei die Todesursache „eindeutig im Bereich Fremdeinwirkung“ zu suchen, erklärt Polizei-Sprecher Alexander Huber. Im Rahmen aufwendiger und langwieriger Ermittlungen habe man Indizien gesammelt, auf deren Basis die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl erwirkt habe. Die Ehefrau wird vernommen. Weitere Details gibt die Polizei nicht preis. Die Ermittler rechnen damit, dass sich die Untersuchungen noch längere Zeit hinziehen.

Festnahme in Tegernsee - Fall weckt düstere Erinnerungen

Die Tat weckt Erinnerungen an einen Mord, der sich vor über zehn Jahren in St. Quirin ereignet hat. Am 24.Mai 2008 tötete ein Wiesser seine 59-jährige Ehefrau mit drei Messerstichen in der gemeinsamen Wohnung. Der Täter legte sofort ein Geständnis ab. Sehr viel diffiziler war die Sachlage beim „Badewannen-Mord“, der bis heute Rätsel aufgibt. Zu Tode kam eine 87-Jährige aus Rottach-Egern, die leblos in der Badewanne aufgefunden wurde. Hausmeister Manfred G. wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, seine Anwältin kämpft jedoch weiter um die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Ins Gedächtnis gebrannt hat sich auch der Raubmord an einer Boutique-Besitzerin in der Rottacher Seestraße im November 2012. Nach langen Ermittlungen gestand eine 49-Jährige, das Opfer mit dem Tragegurt ihrer Handtasche erstickt zu haben. Ein Mordverdacht stand auch im Fall der 95-jährige Kreutherin Betty B. im Raum, die im März 2016 starb. Eine Angestellte (53) wurde beschuldigt, Betty B. nicht nur ausgeraubt, sondern auch erstickt zu haben. Vom Mordverdacht sprach das Gericht die Angeklagte aber im Juni 2018 frei.

Christina Jachert-Maier
Erstmeldung: In Tegernsee: Arzt-Gattin (47) unter Mordverdacht festgenommen

Tegernsee - Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd berichtet aktuell: Bereits am 8. August 2018 wurden zunächst Beamte des Kriminaldauerdienstes der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim und später Ermittler des Fachkommissariats der Kriminalpolizeistation Miesbach zu einem Todesfall nach Tegernsee gerufen.

Ein 60-jähriger Mann wurde leblos in seinem Bett vorgefunden. Durch den hinzugerufenen Hausarzt konnte nur noch der Tod festgestellt werden.

Die zunächst nicht klärbaren Umstände des Todeseintritts veranlasste die Kriminalpolizei Miesbach und die sachleitende Staatsanwaltschaft München II zu weiteren kriminalpolizeilichen Maßnahmen sowie zur Anordnung einer rechtsmedizinischen Begutachtung des Leichnams.

Arzt-Gattin aus Tegernsee unter Mordverdacht - Ermittlungen dauern an


Aufgrund der in diesem Zusammenhang gewonnenen Erkenntnisse und weiterer im Rahmen der aufwendigen und langwierigen Ermittlungen erlangten Indizien ist der Verdacht einer vorsätzlichen Tötung des 60-jährigen Opfers gegeben.

Die zuvor genannten Untersuchungen richteten den dringenden Tatverdacht gegen die 47-jährige Ehefrau des Opfers, weshalb von der sachleitenden Staatsanwaltschaft München II Haftbefehl gegen die Tatverdächtige erwirkt wurde.

Die 47-Jährige wurde am Mittwoch, 6. Februar, verhaftet und nach Eröffnung des Haftbefehls beim zuständigen Ermittlungsrichter des Amtsgerichts München in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Miesbach und der Staatsanwaltschaft München II dauern an.

https://www.tz.de/muenchen/region/mord-a...e-11742370.html


*tz.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

#19 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 20.04.2020 11:47

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1. Urteil vom 12.05.2010

Landgericht München II

https://manfred-genditzki.eu/pdf.js/web/...geschwaerzt.pdf

#20 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 20.04.2020 11:49

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2. Urteil vom 20.03.2012

Landgericht München II

https://manfred-genditzki.eu/pdf.js/web/...Strafkammer.pdf

#21 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von wetterfrosch 31.05.2020 18:16

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"Badewannenmord": Erhebliche Zweifel an Manfred G.s Schuld | Kontrovers | BR24

Am 31.05.2020 veröffentlicht

Manfred G. sitzt seit über zehn Jahren in Haft - weil er eine 87-jährige Frau umgebracht haben soll. Er selbst beteuert seine Unschuld - und auch Gerichtsbeobachter haben Zweifel. Es fehlt ein Motiv, die Beweislage ist dünn. Nun hoffen der Verurteilte und seine Familie auf eine Wiederaufnahme ...
Autor: Christian Stücken

Aus der Sendung vom 27.5.2020

VIDEO:

https://youtu.be/fKh3ilKIHzU

#22 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Tumbleweed 23.06.2020 13:52

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Manfred G. u. weitere Fälle


Deutsche Justiz: Wie gefährdet ist unser Recht? | DokThema | Doku | BR
53.852 Aufrufe
•17.11.2019
https://www.youtube.com/watch?v=muzpJt4Jef0

#23 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Helios 21.08.2020 07:47

Aktualisiert: 20.08.202015:58
NOCH KEINE ENTSCHEIDUNG ÜBER WIEDERAUFNAHME DES VERFAHRENS

Seit zehn Jahren hinter Gittern: Die letzte Hoffnung des Manfred Genditzki
Christina Jachert-MaiervonChristina Jachert-Maier
Seit zehn Jahren sitzt der Rottacher Manfred Genditzki (60) wegen des sogenannten Badewannen-Mordes im Gefängnis. Viele meinen: unschuldig. Und warten auf eine Entscheidung.

Manfred Genditzki wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Verteidiger gehen von Haushaltsunfall aus
Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt
Rottach-Egern – Im Juli 2019 startete der Tegernseer Alt-Bürgermeister Peter Janssen gemeinsam mit seiner Frau Ursula und dem Münchner Stanislaus Benecke eine Online-Petition. Sie wollten mit möglichst viel Rückenwind die Wiederaufnahme des Verfahrens im Fall Manfred Genditzki befördern. 1000 Unterschriften waren die Zielmarke. Als die Zahl erreicht war, übergab Janssen im September 2019 die Petition im Münchner Justizpalast an den zuständigen Abteilungsleiter Wilfried Krames. Im Oktober wurde die Online-Petition geschlossen. Stand: 1297 Unterstützer.

Wann Entscheidung des Gerichts fällt, ist „nicht absehbar“
Auf eine Entscheidung warten Genditzki, seine Familie und die Unterstützer noch immer. Die Akten liegen beim Schwurgericht des Landgerichts München I, das über die Wiederaufnahme entscheidet. „Es handelt sich um ein besonders umfangreiches und komplexes Verfahren“, erklärt Richterin Ingrid Haussmann als Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München. Eine erhebliche Bearbeitungszeit sei in einem solchen Verfahren üblich. Der Fall liege dem Schwurgericht auch erst seit Januar tatsächlich zur Bearbeitung vor. Wann eine Entscheidung ergehen könne, sei derzeit „nicht absehbar“.

Offenbar hat das Schwurgericht sehr viel zu tun. Es müsse sich nicht nur „mit der gebotenen Prüfungstiefe“ dem Wiederaufnahmeverfahren Genditzki widmen, merkt Haussmann an, sondern habe auch Sitzungen abzuhalten und Urteile zu erlassen.

Janssen wertet die lange Dauer des Prüfverfahrens eher positiv. „Es zeigt, dass sich das Gericht eingehend mit dem Fall befasst“, meint er. Aktuell bleibe nichts anderes übrig, als zu warten. Es gebe auch kein Rechtsmittel, dass man in diesem Fall einlegen könnte.

Genditzki soll 87-Jährige in der Badewanne ertränkt haben
Genditzki war 49 Jahre alt und Hausmeister in einer Rottacher Wohnanlage, als die von ihm betreute 87-Jährige in der Badewanne starb. Der Familienvater beteuerte stets seine Unschuld. Das Gericht kam jedoch zu der Überzeugung, dass der Hausmeister die alte Dame getötet hat. Zunächst stand der Vorwurf im Raum, Genditzki habe Geld der 87-Jährigen unterschlagen. Als klar wurde, dass dies nicht der Fall war, zeigte sich die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass Genditzki die Frau nach einem Streit niedergeschlagen und anschließend ertränkt hat. Im Mai 2010 wurde der Hausmeister zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt.

Als der Bundesgerichtshof das Urteil im Januar 2011 wieder aufhob, keimte Hoffnung auf. Doch im März 2012 verurteilte das Landgericht München II Genditzki erneut zu lebenslanger Haft.

Verteidiger glauben an Unfall und legen Computersimulation vor
Genditzkis Familie und seine Anwältin Regina Rick geben dennoch nicht auf. Sie sind davon überzeugt, dass die Seniorin bei einem Haushaltsunfall gestorben ist. Für die Theorie, dass die 87-Jährige ihre Wäsche in der Badewanne reinigen wollte und dabei ohnmächtig wurde, sehen sie neue Beweismittel und bringen auch eine neue Zeugin ins Spiel. Am 11. Juni 2019 reichte die Anwältin beim Landgericht München II den Antrag auf Zulassung der Wiederaufnahme ein. Ein wesentlicher Punkt ist dabei eine Computersimulation, die bisherigen Annahmen zum Tathergang widerspricht.

Die Staatsanwaltschaft München II sieht darin jedoch keinen Beweis, der die Wiederaufnahme des Verfahrens rechtfertigt. Die Prüfung durch das Schwurgericht ist die letzte Hoffnung. In den Medien wurde und wird der Fall Genditzki immer wieder diskutiert. Vielfach war von einem Justiz-Irrtum die Rede. Online sind die Fakten aus Sicht der Unterstützer unter www.manfred-genditzki.eu nachzulesen.

Auch Janssen hält einen Unfall für wahrscheinlich. Seine Frau hatte die Familie und auch den Verurteilten als Ärztin behandelt. Genditzki war nicht nur als Hausmeister tätig, sondern hatte die alte Dame im Alltag in vielen Dingen unterstützt, übernahm auch Einkäufe und Fahrten zum Arzt. Aus ihrer Wohnung wurde nichts gestohlen.

https://www.merkur.de/lokales/region-teg...i-90027329.html

#24 RE: "Badewannen-Mord" von Rottach von Helios 08.12.2020 07:54

VERURTEILTER STREITET ALLES AB

Badewannen-Mord: Gericht schmettert Wiederaufnahme ab
Angela Walser von Angela Walser Aktualisiert: 07.12.202019:13

Der Badewannenmord von Rottach-Egern wird kein drittes Mal aufgerollt. Das Landgericht München I wies jetzt den Antrag der Münchner Rechtsanwältin Regina Rick zurück.

Rottach-Egern – Der Vollbeweis, dass Hausmeister Manfred Genditzki (59) unschuldig ist, sei nicht erbracht worden, heißt es in dem 30-seitigen Beschluss der Vorsitzenden Richterin Elisabeth Ehrl. Es werde ausgeschlossen, dass die alte Dame (87) eigenständig Wasser in die Wanne ließ, weil sich an der Armatur zwar weibliche, aber keine DNA von der 87-Jährigen befunden hatte.

Hausmeister bestreitet die Tat bis heute
Zur Erinnerung: Im Oktober 2008 war Lieselotte K. in der Badewanne ihrer Wohnung ertrunken. Was anfangs wie ein Unfall ausschaute, erwies sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft als Mord. Die Leiche der Seniorin wies zwei Kopfschwarten-Verletzungen auf, die nach großer Wahrscheinlichkeit – so der Rechtsmediziner Professor Wolfgang Keil – nicht vom Sturz herrührten. Demzufolge wurde die 87-Jährige offenbar auf den Kopf geschlagen und anschließend in der Wanne ertränkt. Als möglicher Täter kam laut Staatsanwaltschaft nur Hausmeister Genditzki in Frage. Er bestreitet die Tat bis heute. Ein Jahr später wurde der Mann zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidiger gingen in Revision. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aufgrund eines Rechtsfehlers auf und wies das Verfahren ans Landgericht München I zurück. Doch dort wurde das Urteil bestätigt.

Gericht geht davon aus, dass die Dame das Wasser nicht selbst einließ
Fortan klemmte sich Rechtsanwältin Regina Rick hinter ein Wiederaufnahme-Verfahren. Dabei fokussierte sie sich auf ein mögliches Sturzgeschehen. Per Videoanimation zeigte sie auf, dass sich die 87-Jährige die beiden Kopfverletzungen sehr wohl durch den Sturz zugezogen haben konnte. Außerdem mobilisierte die Anwältin eine neue Zeugin, eine ehemalige Verwandte der Verstorbenen, die sich daran erinnerte, dass Lieselotte K. früher ihre Unterwäsche in der Badewanne gewaschen hatte. Das war bislang von den Pflegekräften bestritten worden. Demnach war die Seniorin nicht in die Badewanne zu bekommen, ließ sich nur außerhalb waschen. Doch die gesammelten Beweise für die Unschuld von Manfred Genditzki fallen in sich zusammen, weil das Schwurgericht davon ausgeht, dass die alte Dame niemals selbst Wasser in die Wanne ließ.

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Anwältin rechnet mit 22 Jahren Haft
Regina Rick konnte die Nachricht ihrem Mandanten noch nicht persönlich überbringen. Wegen Corona sind die Besuche im Gefängnis stark eingeschränkt. Sobald es möglich ist, will sie mit ihm telefonieren. Wie es dem ehemaligen Hausmeister geht, weiß sie nicht. Vermutlich werde er sehr enttäuscht sein. Seine Familie, die nach wie vor zu ihm steht, und er selbst hatten sehr auf die Wiederaufnahme gesetzt. Seit zwölf Jahren sitzt der 59-Jährige nun hinter Gittern, und weil er nicht geständig ist beziehungsweise sich nicht mit seiner Tat auseinandergesetzt hat, werden auch noch etliche Jahre hinzukommen. Anwältin Rick rechnet mit einer Strafdauer von insgesamt 22 Jahren, bevor Genditzki mit einem Straferlass auf Bewährung rechnen kann.

Wiederaufnahme-Verfahren angestrebt
Doch sie hofft immer noch auf ein erneutes Wiederaufnahme-Verfahren, wenngleich sie weiß, dass der Fall immer in München bleiben wird, also an kein auswärtiges Gericht vergeben wird. Mit der Ablehnung hatte sie schon gerechnet, nachdem doch lange Zeit bis zur aktuellen Entscheidung vergangen war. Ihren Mandanten hatte sie bereits darauf vorbereitet. Gegen die aktuelle Entscheidung hat sie bereits Beschwerde eingelegt. Mit der Begründung will sie sich nicht besonders lange Zeit lassen. In der Weihnachtszeit dürfte sie nicht unbeschäftigt sein.

Altbürgermeister: „Zweifelhafte Verurteilung“
Peter Janssen, früherer Bürgermeister von Tegernsee, selbst Rechtsanwalt und Initiator einer Online-Petition, in der er die Wiederaufnahme des Verfahrens fordert, die schnell Erfolge feierte, schreibt in einer ersten Reaktion an unsere Zeitung: „Nach einer höchst zweifelhaften Verurteilung wurden die neuen Gutachten und Zeugen weggewischt, statt ein neues Verfahren zuzulassen. Ein Schlag gegen Gerechtigkeit und Humanität. Darf man so nicht stehen lassen.“ Vielleicht ist im Fall Genditzki das allerletzte Wort doch noch nicht gesprochen.

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