#1 RE: Presseberichte von 10.12.2014 11:37

Kripo live | 10.08.2014 | 19:50 Uhr
Mordfall Elisabeth Schmidt

Noch immer sucht die Kripo Magdeburg nach dem Mörder von Elisabeth Schmidt. Die Leiche der Krankenschwester aus Thale war nach einem Wohnungsbrand verkohlt gefunden worden.

Eine Obduktion ergab jedoch als Todesursache innere Blutungen nach äußerer Gewalteinwirkung.
Ermittler waren am Morgen des 14. Dezember 2011 auf den Leichnam gestoßen. Zunächst deutete alles darauf hin, dass die junge Frau im Bett geraucht hat: Es wurde kein Brandbeschleuniger gefunden, die Spuren des Brandverlaufs zeigten eine starke Konzentration auf das Bett.

Gerichtsmediziner fanden jedoch heraus, dass die Frau zum Zeitpunkt des Feuers bereits tot war. Elisabeth Schmidt war erstochen worden. Der Brand hatte offensichtlich nur zur Verdeckung der eigentlichen Straftat gedient. Der Verlobte der Ermordeten, dem auch die Wohnung gehört, befand sich zum Tatzeitpunkt auf Nachtschicht in Wernigerode.

Ermittlungen ergaben, dass die Schwesternschülerin am Vorabend um 22:30 Uhr am Krankenhaus in Goslar losgefahren war, nachdem sie ihre Schicht beendet hatte. In ihrem Citroen Saxo - einem sehr auffälligen weißen Auto mit schwarzen Streifen, Aufklebern im Rallye-Look und Mansfelder-Land-Kennzeichen - war die junge Frau dann vermutlich nach Thale gefahren. Dabei könnte sie an der Nordharzautobahn über Westerhausen oder über Blankenburg gefahren sein. Vielleicht machte sie aber auch vorher an ihrem Schwesternwohnheim in Goslar halt oder kaufte an einer Tankstelle ein.

Zeugen gesucht

Wer genau Elisabeths Tod zu verantworten hat, ist bislang nicht ermittelt. Deshalb sucht die Polizei weiterhin nach Zeugen, die sie in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember 2011 gesehen haben. Des weiteren bitten die Ermittler Personen, die sich rund um ihre Ermordung bei der Internet-Single-Börse "Schwarzes Glück" aufgehalten haben, sich zu melden. Die Plattform bringt Paare zusammen, die sich für Gothic und Dark Wave interessieren. Elisabeth und ihr Freund hatten sich ein Jahr vor ihrer Ermordung hier kennen gelernt. Die Beamten hoffen nun auf Hinweise zu möglichen weiteren Kontakten.

Hinweise bitte an die Kripo Magdeburg, Tel.: 0391 5461091.

http://www.mdr.de/kripo-live/mordfall-elisabeth100.html

#2 RE: Presseberichte von 10.12.2014 11:38

"Kripo live" zeigt Mordfall Elisabeth Schmidt
Keine neuen Hinweise zu Mord in Thale
11.08.2014 14:12 Uhr

E. Schmidt

Der rätselhafte Fall der getöteten Elisabeth Schmidt war am Sonntag in der Sendung "Kripo live" zu sehen. Die junge Frau wurde im Dezember 2013 nach dem Brand in einem Haus in Thale entdeckt. Die Polizei hofft weiter auf Informationen.

THALE/EISLEBEN.
In dem rätselhaften Fall der getöteten Elisabeth Schmidt, zu dem die Kriminalpolizei am Sonntagabend in „Kripo live“ erneut nach Zeugen suchte, gibt es keine neuen Spuren. „Es hat bisher keinerlei Hinweise aufgrund der Ausstrahlung der Sendung gegeben - leider“, sagte Frank Küssner, Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord.

Kontakt
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Magdeburg, Telefon 0391/5?46?10?91, entgegen.

Die aus Eisleben stammende Elisabeth Schmidt war am 14. Dezember 2011 gegen 6 Uhr nach einem Brand in einer Wohnung in Thale tot aufgefunden worden. Anfangs waren die Ermittler davon ausgegangen, dass die damals 26-Jährige im Bett geraucht und eine glimmende Zigarette das Feuer verursacht haben könnte. Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben dann aber, dass die angehende Krankenschwester erstochen worden war, ehe das Feuer ausbrach. Der Verlobte der jungen Frau, dem auch die Wohnung gehörte, war zur Tatzeit auf Nachtschicht.


Kripo live sucht Zeugen nach Verbrechen
Nach den Ermittlungen der Polizei war die Schwesternschülerin am 13.?Dezember gegen 22.30 Uhr vom Krankenhaus Goslar mit ihrem auffälligen Auto - einem weißen Citroën mit schwarzen Streifen und Aufklebern im Rallye-Stil - nach Thale gefahren. Die Polizei hatte gehofft, dass sich nach der Ausstrahlung der Sendung „Kripo live“ Zeugen melden, die die junge Frau in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember gesehen hatten. Zudem bat die Polizei Personen, die damals bei der Internet-Single-Börse „Schwarzes Glück“ angemeldet waren, sich zu melden. Über diese Börse für Interessenten an Gothic und Dark Wave hatten sich Elisabeth und ihr Freund ein Jahr zuvor kennengelernt; die Ermittler erhofften sich Hinweise auf mögliche weitere Kontakte.

Die aber gab es bislang nicht. „Wir geben die Hoffnung noch nicht auf“, sagte Polizeisprecher Frank Küssner. Manchmal würden Hinweise auch erst Tage nach der Sendung eingehen. „Es ist ein Fall, der den Kollegen sehr am Herzen liegt. Deshalb sind wir auch noch einmal in die Offensive gegangen“, sagte der Sprecher der Polizeidirektion. (mz)

http://www.mz-web.de/quedlinburg/kripo-l...4,28091680.html

#3 RE: Presseberichte von 10.12.2014 11:40

Kein Unfall, sondern Mord - Junge Frau im Bett verbrannt

(XY vom 10. Oktober 2012)
Elisabeth Schmidt (26) macht eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie wohnt in einem Schwesternwohnheim in Goslar. Seit über einem Jahr ist sie mit einem jungen Mann aus Thale/Harz zusammen, den sie übers Internet kennengelernt hat. Die beiden sind frisch verlobt und schmieden Hochzeitspläne.

Was geschah nach der Spätschicht?
Am 13. Dezember 2011 hat die junge Frau Spätschicht. Um 22.40 Uhr verabschiedet sie sich in ihrer Klinik in Goslar. Sie will zu ihrem Verlobten nach Thale fahren und dort zum ersten Mal allein übernachten. Der Verlobte hat Nachtschicht und wird erst in den frühen Morgenstunden nach Hause zurück kehren.

Der junge Mann wohnt noch bei seinen Eltern. Am 14. Dezember gegen 4 Uhr morgens bemerken sie Brandgeruch im Haus. In der Wohnung ihres Sohnes ist Feuer ausgebrochen, der Vater kann es nicht mehr löschen. Er verständigt die Feuerwehr, die bei den Löscharbeiten auf eine tote Frau stößt - Elisabeth Schmidt. Zunächst sieht es so aus, als sei sie mit einer Zigarette im Bett eingeschlafen. Bei der Obduktion aber stellt sich heraus: Sie ist mit mehreren Messerstichen getötet worden.

Fragen nach Zeugen:
- Wer hat gesehen, wie Elisabeth Schmidt die Wohnung betreten hat?
- Wer weiß, was sie zwischen 22 Uhr 40 und 4 Uhr morgens gemacht hat.
Elisabeth Schmidt könnte vor allem durch ihr Auto aufgefallen sein: einen getunten weißen Citroen Saxo, Kennzeichen ML (Mansfelder Land) ER 407.
- Wer kann Angaben zum Umfeld des Opfers machen?
Kurz vor ihrem Tod hat Elisabeth Schmidt im Internet gepostet, dass sie nun verlobt sei. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dies etwas mit ihrer Ermordung zu tun hat.

Zuständig: Kripo Magdeburg, Telefon 0391 / 546 21 96

http://www.e110.de/index.cfm?event=page.detail&id=60431

#4 RE: Presseberichte von Christine 10.12.2014 14:26

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#5 RE: Presseberichte von 04.12.2016 17:32

Die Frau im Feuer

Elisabeth lag auf dem Bett ihres Verlobten, als die Flammen um sie schlugen. Die Polizei glaubte, sie habe den Brand selbst verursacht. Das kann nicht sein, sagten ihre Eltern. Sie hatten recht

VON KUNO KRUSE FOTOS GENE GLOVER

Es ist diese Ungewissheit, die an Karin Schmidt zehrt. Die sie aus immer nur kurzem Schlaf reißt und die Gedankenkette in Gang setzt. Jede Nacht. Denn es gibt keine Nächte mehr, in denen sie nicht Stunde um Stunde wach liegt, jetzt schon im vierten Jahr. Ihre Augen sind in dunkle Schächte gefallen, das Gesicht ist zerfurcht, wie jeder ihrer Tage.

Seit jenem 14. Dezember 2011, an dem sie ihre Tochter verloren hat.

Elisabeth ist nur 26 Jahre alt geworden.

Erst kam für Karin Schmidt der Schmerz. Dann kamen die vielen Fragen ohne Antwort. Und irgendwann schlich sich der Argwohn ein. Er ist abscheulich, aber sie wird ihn nicht mehr los.
Der Moment ist wie eingemeißelt. „Ihre Tochter“, sagte einer der drei Fremden, die in ihrem Wohnzimmer Platz genommen hatten, „ist heute Nacht in Thale verbrannt.“

Elisabeth tot? Verbrannt?

Was behauptete da dieser Mann, der sich an der Tür als Polizeibeamter vorgestellt hatte, ohne dass Karin und Dietmar Schmidt etwas auf dem Ausweis lesen konnten?

Im Bett geraucht?

Der Vater kannte sein Mädchen besser. „Elisabeth hat nie im Bett geraucht!“, sagte Dietmar Schmidt den Polizisten. „Sie hätte auch niemals im Bett geraucht!“, sagte Karin Schmidt.

Der Brandermittler habe seinen Bericht noch nicht abgeschlossen, erklärte der Beamte. Genauere Informationen lägen deshalb noch nicht vor, nur so viel: Elisabeth habe in der Wohnune ihres VerlobtenMarcel Krüger* allein im Bett gelegen.

Der sei auf Nachtschicht gewesen. Seine Eltern, die im Erdgeschoss des Zweifamilienhauses lebten, hätten gegen Morgen das Feuer im ersten Stock bemerkt.

Es war jetzt Mittag. Die Feuerwehr, so erfuhren die Schmidts, hatte den Brand gegen sechs Uhr gelöscht. Dietmar Schmidt wollte sofort in sein Auto steigen. Es ist nur eine Stunde vom Haus der Schmidts in Eisleben bis nach Thale im Harz. Er wollte das Haus dort sehen. Er wollte Elisabeth sehen. Aber die Beamten hielten ihn zurück.

Karin Schmidt sagt, sie habe es den Polizisten damals angesehen, dass sie ihre Einwände nicht ernst genommen hätten. Sie wiederholen auch heute: Elisabeth sei wirklich so überkorrekt gewesen, ihr Tagesablauf so ritualisiert. Da habe es keinen Platz für eine Zigarette mehr gegeben, nachdem sie ihr Schlafhemd angezogen und, wie jeden Abend, die Kleidung für den nächsten Tag zurechtgelegt hatte.
Zwei der Beamten gingen. Der dritte blieb zurück. Er gehöre, so erklärte er den Schmidts, zum Kriseninterventionsteam Mansfelder Land. Wenig später klingelte sein Mobiltelefon. Er rief laut durchs Wohnzimmer: „Wie heißt der Zahnarzt Ihrer Tochter?“

Die Mutter wusste, dass es nur um einen Zahnabgleich gehen konnte. „Das war der Moment, in dem ich mein Kind vor mir gesehen habe.“

Dietmar Schmidt versuchte jetzt Marcel zu erreichen.

Die Leitung war tot. Elisabeths Vater hatte nur seine Festnetznummer. Um vier Uhr nachmittags rief Marcel endlich an.

Er berichtete von dem Wasserschaden durch den Feuerwehreinsatz. Er erklärte, dass nach dem Brand im ganzen Haus der Strom abgeschaltet worden sei. Deshalb habe das Telefon nicht funktioniert. Er erzählte, dass die Feuerwehr die Drehleiter nicht einsetzen durfte, weil der TÜV abgelaufen war. Worüber, dachte Dietmar Schmidt, redet der Junge da eigentlich? —*

Das Verhalten des Menschen unter Stress entzieht sich jeder Beurteilung durch Dritte. Manche neigen zu Übersprunghandlungen, fliehen in seltsame Akribie. Die Schmidts fanden Marcels Reaktionen befremdlich, aber auch irgendwie verständlich. Nach Elisabeths Beerdigung sagte Karin Schmidt zu ihrem Mann: „Wir müssen darauf gefasst sein, dass Marcels Zusammenbruch noch kommen wird. Dann müssen wir auch für Marcel da sein.“

Obduktionen von Brandleichen sind Routine im Rechtsmedizinischen Institut der Universität Magdeburg. Feststellung der Identität, Ermittlung der Todesursache und Klärung der Frage nach einem möglichen Fremdverschulden.

Zahnschema, molekulargenetische Untersuchungen zur Bestimmung der DNA, Leichenöffnung - bei der Arbeit am Edelstahltisch folgen die Rechtsmediziner Leitlinien wie auch jeder Chirurg. Kein Schritt darf vergessen werden, nichts übersehen. Eine Sektion kann man nicht wiederholen. Jeder Vorgang wird in Gegenwart eines Kriminalbeamten dokumentiert.

Der verkohlte Leichnam der jungen Frau aus Thale lag schon eine Woche in der Kühlung. Die Angaben der Polizei machten keinen Vorrang vor anderen Autopsien erforderlich. Die wahrscheinliche Todesursache war bereits in einem Brandgutachten vermerkt: Rauchen im Bett.

Die Gerichtsmediziner Werner Kuchheuser und Knut Brandstädter hatten sich gerade erst eine halbe Stunde zur „äußerlichen Inaugenscheinnahme“ über die Leiche gebeugt, hatten diktiert, fotografiert.

Kleidung. Haut und Körper waren, wie Brandstädter es formuliert, „brandgezehrt“. Nur auf dem Hals und dem oberen Brustkorb klebte noch ein Fetzen angekohlten Baumwollstoffs. Der Arzt hob ihn vorsichtig mit einer Pinzette ab.

„Berufsbedingt rechnen wir immer mit allem“, sagt Brandstädter. Aber was sie unter dem Stoffrest entdeckten, überraschte die Mediziner dann doch. „Auf dem bräunlich verfärbten, aber fast noch intakten Hautareal fanden wir Vertiefungen von typischer, scharfrandiger Beschaffenheit. Das ergab für uns eine unerwartete Wendung.“

Die Stichkanäle waren tief, und sie waren blutunterlaufen. „Das hieß: Hier wurde nicht auf einen Leichnam, sondern auf einen Körper mit einem intakten Kreislauf eingewirkt.“

Kein Ruß in der Luftröhre, auch nicht in der Speiseröhre. Bei der toxikologischen Analyse fand sich kein Kohlenmonoxid im Blut, wie es bei einem Zimmerbrand zu erwarten gewesen wäre. Für die Mediziner gab es keinen Zweifel: Die Frau auf ihrem Autopsie-Tisch hatte irgendjemand vor Ausbruch des Feuers getötet.

Es war zwei Tage vor Heiligabend, Elisabeth war eine Woche tot, als Dietmar Schmidt morgens gegen 9 Uhr bei der Polizei in Halberstadt anrief. Er war überrascht. Warum sagte man ihm, dass die übergeordnete Stelle in Magdeburg den Fall übernommen hätte?

Er wurde weitergeleitet. Der Beamte dort teilte ihm mit, dass man „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine weitere Auskunft geben könne.

Warum, das erfuhr Elisabeths Vater drei Stunden später. Ein enger Freund seiner Tochter rief ihn an. Er sagte nur: „Schalte mal das Radio an!“

So hörten Karin und Dietmar Schmidt in den 12-Uhr-Nachrichten des Mitteldeutschen Rundfunks, dass ihre Tochter erstochen worden war.

Erst zwei Tage zuvor hatte die Hausärztin Karin Schmidt beiseitegenommen. Das Kohlenmonoxid, so erklärte die Ärztin, habe Elisabeth sicher im Schlaf bewusstlos gemacht. Für die Mutter war das nur ein kleiner Trost, aber doch ein Trost.

Jetzt malt sie sich oft aus, wie es Elisabeth erlebt haben muss, als jemand mit einem Messer auf sie einstach. Und als ihr niemand zu Hilfe kam. Welche Schmerzen sie gespürt haben muss. Wie es für sie gewesen sein muss, so jung zu sein und zu verbluten.

Eine Brandsachverständige hatte einige Stunden nach dem Ende der Löscharbeiten ein Fremdverschulden genauso ausgeschlossen wie ein entzündetes Adventsgesteck.

Das Feuer war vom Bett ausgegangen. Nur zwei der Feuerwehrmänner hatten sich darüber gewundert, dass die Frau, die sie auf den Spiralfedern der verbrannten Matratze fanden, quer über dem Fußende gelegen hatte.

Die Wohnung wurde noch am selben Tag wieder freigegeben. Handwerker sicherten die zersprungenen Fenster mit Spanplatten. In den Tagen darauf schaffte ein Nachbar das versengte Interieur in die Garage und begann, die beiden ausgebrannten Zimmer zu sanieren. Nach einer Woche jedoch stand die Polizei im Hof. Infolge der Obduktion war die Baustelle jetzt ein Tatort geworden - aber die Möglichkeiten der Kriminaltechniker blieben begrenzt.

„Sowohl Feuer als auch die Feuerwehr“, erklärt einer der Ermittler, „sind wirksame Spurenvernichter.“ Das bisschen fremde DNA, das die Polizei an einem der Messer im Haus fand, stellte sich als die des Verkäufers heraus.

Thale ist eine beschauliche Kleinstadt im Harz mit einer Seilbahn, die Touristen zum berühmten Hexentanzplatz befördert, wo alljährlich in der Nacht zum 1. Mai die Walpurgisnacht gefeiert wird. Das Haus der Familie Krüger liegt in einer ruhigen Nachbarschaft, zwischen dem Zentrum und einem Kloster aus der Karolingerzeit. Der Innenhof ist zum Fahrweg hin abgeschirmt durch eine mehr als zwei Meter hohe Mauer. Marcels Wohnung im ersten Stock erreicht man über eine hölzerne Außentreppe im Hof.

Elisabeth hatte sich nicht daran gestört, dass Marcel bei seinen Eltern im Haus wohnte. Die Schwesternschülerin und der Brauer waren Ende 2010 über „Schwarzes Glück“ in Kontakt gekommen, eine Internet-Partnerbörse für die Freunde dunkler Romantik.

Für Leute, die Heavy Metal und düstere Choräle hören, die ihre Haut weiß, ihre Lippen und Lider schwarz anmalen und die sich anziehen wie zum Tanz der Vampire. „Wie der Tod auf Latschen“, sagt Dietmar Schmidt.

Er hatte sich oft über die Ketten und Lendenschurze amüsiert, mit denen die Freunde seiner Tochter herumliefen. Er wusste, dass die Szene nicht so finster war, wie sie sich darstellte. Elisabeths großer Bruder und auch die ältere Schwester waren da inzwischen herausgewachsen. „Für Elisabeth“, sagt ihre Schwester Petra, „war es eine Spielerei.“

Marcel, groß, kahl, gepierct, ging darin auf. Man kannte den damals 36-Jährigen mit der 666 im Autokennzeichen auf den Partys der Harzer Szene, und man sah ihn dort gern. „Er hat eigene Ideen.

Und er ist sehr zuverlässig“, sagt ein Freund. Elisabeth sei zurückhaltend geblieben, sie habe eher beobachtet.

Ein halbes Jahr nachdem die beiden sich kennengelernt hatten, machten sie gemeinsam Urlaub in Norwegen. Sie besuchten Elisabeths Bruder, der mit Frau und Kind ausgewandert war und sich als Fliesenleger erfolgreich selbstständig gemacht hatte.

Der freute sich, seine Schwester in der Nähe zu haben, und hatte sogar schon mit dem Leiter eines Krankenhauses über sie gesprochen.

Aber auch wenn Elisabeth nach dem Urlaub anfing, Nynorsk zu lernen - eine Zukunft ohne Marcel wäre litt- für sie nicht infrage gekommen.

An ihrem ersten Jahrestag verabredeten sich die beiden in dem Cafe,
in dem sie sich erstmals getroffen hatten, und Marcel überreichte Elisabeth einen Verlobungsring.

Sie änderte ihren Facebook-Status in „verlobt“.

Wenn jemand auf der Straße vor dem Haus in Thale steht, kann er sehen, ob sich einer im vorde-ren Zimmer von Marcels Wohnung aufhält. Er kann beobachten, ob das Licht im Hof angeht und ob jemand über die lange Außentreppe hinaufsteigt zur Wohnung im ersten Stock.

Aber in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2011 gab es niemanden, der spätabends noch mal mit dem Hund rausgegangen wäre. Keinen, der tags darauf hätte berichten können, wann Elisabeth eingetroffen war.

Ob sie jemanden bei sich hatte. Und wenn ja, wen.

Peter und Ute Krüger sagen, sie hätten Elisabeth nicht kommen hören. Irgendwann habe es im ersten Stock geklirrt, erzählte Ute Krüger der Polizei. Sie habe schon im Bett gelegen und gedacht, dass Elisabeth noch backen würde. —*

Nach einer Weile sei sie aufgestanden, da habe es im Haus versengt gerochen. Und als sie die Treppe hinaufgeschaut habe, die innerhalb des Hauses in die obere Wohnung führt, sei ihr Qualm aufgefallen. Da sei es 4.15 Uhr gewesen.

Ihr Mann, der noch femsah, habe dann kurz die Schiebetür zu Marcels Wohnung geöffnet, aber sofort seien ihnen Hitze und Rauch entgegengeschlagen. Er habe die Tür wieder schließen müssen. Dann hätten sie die Feuerwehr alarmiert.

Er sei die Außentreppe hinaufgerannt, sagte Peter Krüger den Ermittlern. Er habe die Tür aufgerissen, und dann noch ein Fenster, um nach Luft zu schnappen. Aber auch auf diesem Wege sei es unmöglich gewesen, tiefer in die Wohnung vorzudringen. Erst jetzt habe er von oben Elisabeths Auto auf der Straße stehen sehen und begriffen, dass sie in den Flammen sein musste. Als die Feuerwehr eintraf, sagte er: „Da oben liegt noch eine.“

Für Karin Schmidt, die am 14. Dezember gedacht hatte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könne, war es mit der Nachricht, dass ihre Tochter erstochen worden war, schlimmer gekommen.

Und die Ermittlungen rissen neue Wunden auf.

Elisabeth hatte überall als liebenswerte und ehrliche junge Frau gegolten. Nun aber entdeckten die
Beamten in ihrem Zimmer im Schwestern Wohnheim eine Dose mit 800 Euro und fanden
die Summe für eine Auszubildende auffällighoch.

„Einer der Kriminalbeamten hatte immer so einen feindseligen Unterton , erinnert
sich der Vater. Er hat den Eltern Sätze zurückgelassen, die sie damals irritierten und heute erzürnen: „Wir werden Ihre Tochter noch vom Sockel stoßen.“

Und: „Behalten Sie Ihre Tochter in Erinnerung, wie Sie wollen.“ Der Ermittler habe sich sehr für einen Brief von der Santander-Bank in Elisabeths Briefkasten interessiert. Aber die Schwesternschülerin hatte dort kein geheimes Konto. Es war nur Werbung.

„Die haben gefragt, als ob wir mit Drogen gehandelt oder uns prostituiert hätten“, sagt Michaela Warda, die gemeinsam mit Elisabeth im Goslarer Krankenhaus lernte. Elisabeth, die gern mal mit ihrem Thor-Steinar-Pullover provozierte, nannte ihre Punker-Freundin mit den Doc-Martens-Stiefeln „meine Zecke“.

Die beiden standen Schulter an Schulter gegen die jungen „Tussen“ und alten Drachen auf den Stationen. Sie rauchten, schütteten den Kaffee in sich hinein, und wenn sie die Nächte nicht durchquatschten, dann chatteten sie. „Aber da war nie etwas Sexuelles“, sagt Michaela, „wie man uns gleich unterstellen wollte.“

All die Chats, in denen die zwei über die blöden Typen lästerten, und dann auch noch dieser Kinderbuchbär Winnie Puuh, den beide Frauen auf dem T-Shirt trugen

Michaela brachte das in harte Verhörsituationen. Die Ermittler dachten an ein Eifersuchtsdrama. Am Ende sei es die Oberstaatsanwältin Eva Vogel gewesen, die die Herren von der Kripo in einer der Vernehmungen zur Ordnung gerufen habe. „Weil sie eben wusste“, sagt Michaela, „wie Mädchen so sind.“

Eva Vogel leitet das Verfahren der Magdeburger Ermittlungsbehörde. Ihr selbst und den Kriminalbeamten war immer klar, dass es nur drei Möglichkeiten gab, den Tod von Elisabeth Schmidt zu erklären: Entweder hatte die Schwesternschülerin ihren Mörder mit in die Wohnung in Thale genommen.

Oder sie war von einem Bewohner des Hauses getötet worden.

Oder irgendjemand hatte sich gewaltsam Zutritt verschafft.

Wobei die Einbruchstheorie eine schwierige Frage aufwarf: Wie sollte der Täter vorher hineingekommen sein?

Über eine mehr als zwei Meter hohe Mauer? Auf einem Stromkasten an der Mauer, der als Aufstiegshilfe getaugt hätte, fanden sich keine Spuren. Und auch sonst nirgendwo. Die in die Mauerkrone eingelassenen Ziegel waren an keiner Stelle gelockert.

Das schloss einen Einbruch nicht aus, machte ihn aber unwahrscheinlicher. Unwahrscheinlicher als die Möglichkeit, dass Elisabeth ihren Mörder selbst eingelassen hatte.

War jemand bei ihr, als sie in Goslar losfuhr? Hatte sie unterwegs irgendeinen Bekannten getroffen? Die Polizei setzte auf ihren auffälligen Citroen Saxo. Weiße Lackierung, schwarzes Dach, schwarze Motorhaube mit Lüftungsschlitz, Spoiler. Marcels Vater hatte ihr das kleine Auto zum Rennwagen aufgemotzt.

Aber der getunte Citroen war in der Tatnacht an keiner Tankstelle aufgefallen. In keinem Lokal auf der Strecke konnte man sich an die dunkelhaarige Frau mit der blonden Strähne erinnern. Als die Wirtin einer Nachbarschaftskneipe gleich neben Marcels Elternhaus um halb eins noch einmal vor die Tür gegangen war, hatte sie Elisabeths Wagen nicht auf der Straße parken sehen. Elisabeths Schicht war seit halb elf zu Ende, und für die Strecke nach Thale brauchte sie normalerweise rund 45 Minuten.
„Wir haben da ein offenes Zeitfenster“, sagt Oberstaatsanwältin Vogel.

Wir wissen nicht, was Elisabeth in dieser Zeit gemacht hat. Ob sie jemanden getroffen hat. Ob sie vielleicht von einem Bekannten abgefangen wurde.“

Die Polizei holte Elisabeths früheren Freund zum Verhör.

Doch der legte Tickets, Hotelrechnungen und Einreisestempel vom Urlaub in der Türkei vor. Die Polizei holte einen Medizinstudenten ab, der sich in Elisabeth verliebt hatte. „Der hat uns viel Arbeit gemacht“, sagt einer der Ermittler.

Die Kriminalbeamten vernahmen auch alle Bewohner des Schwesternheims. Sie überprüften alle bekannten Gewalttäter der Region, checkten zwei junge Männer, die in den Wohnblocks in der Nähe des Breitewegs lebten und schon wegen Einbruchs und Drogendelikten aufgefallen waren. Auch einer von Marcels Freunden bekam Besuch von der Kripo. Die Beamten waren im Internet auf Bilder gestoßen, auf denen er sich in einer Gruppe von Leuten mit einem Hackebeil, viel Theaterblut und durchschnittenen Mädchenkehlen präsentierte. Aber nichts davon brachte die Polizei weiter.
Selbstverständlich waren auch Marcel und seine Eltern überprüft worden.

Sobald das Obduktionsergebnis bekannt war, mussten sie mehrstündige Vernehmungen über sich ergehen lassen. Marcel hatte ein Alibi: In der Brauerei war es zu einer Produktionsstörung gekommen, Kollegen bestätigten seine Anwesenheit. Und die Bilder der Überwachungskameras zeigten sein Auto die ganze Nacht über auf dem Parkplatz.

Ute und Peter Krüger waren zur Tatzeit im Haus. Vor allem Marcels Vater rückte in den Fokus der Kommissare. Sie setzten ihm so lange zu, bis der Diabetiker in die Notaufnahme des Krankenhauses gefahren werden musste.

Als die Schmidts am Tag nach der Vernehmung nach Tha-le fuhren, war Peter Krüger noch nicht aus der Klinik zurück. Elisabeths Eltern, Marcel und seine Mutter lagen sich in den Armen, später kam Marcels Vater dazu. Karin Schmidt tat es leid, was der kranke Mann bei der Polizei durchgemacht hatte. „Er weinte und sagte: Da will ich nie wieder hin.“ Der Verdacht gegen ihn schien Elisabeths Eltern absurd. Dietmar Schmidt sagt: „Ich hätte für die Unschuld der Familie einen heiligen Eid geleistet.“

Die Schmidts schauten noch ein paarmal bei den Krügers vorbei. Und Marcel saß oft bei den Schmidts in der Küche. Jedenfalls anfangs, als er sich den Arm tätowieren ließ, bis hinauf zur Schulter. Eine Spielkarte mit Elisabeth als Herzdame, eine andere mit dem Sensenmann. Dazu Lilien, eine Sanduhr und die Göttin Justitia. Die Schmidts hatten ihm davon abgeraten. Er würde sicher wieder jemanden treffen.

Tatsächlich dauerte es nur wenige Wochen, dann fiel Dietmar Schmidt auf, dass Marcel während seiner Besuche immer auf sein Handy guckte. Er fragte: „Was fummelst du da ständig herum?“
Es gab eine neue Frau in Marcels Leben. Sie hatte ihm die Karten gelegt, und sie hatte ihm Halt gegeben. Es war Marcel unangenehm, Elisabeths Eltern zu sagen, dass er sich wieder verliebt hatte. Ihrer Schwester aber vertraute er an: „Sie hat mich zurück ins Leben geholt.“ —*

Karin Schmidt konnte das verstehen. Marcels Leben ging weiter. Aber musste er sich am Vorabend von Halloween wirklich das Gesicht anmalen wie der Tod? Musste er sich bei Facebook über Schwerter auslassen und über Foltermethoden des Mittelalters?

Vor allem aber: Mussten er und seine Eltern immer weiter Zweifel daran säen, dass es tatsächlich ein Mord war?

Karin Schmidt erinnert sich nicht, wann es begonnen hat. Und, ja, anfangs, wenn sie bei den Krügers waren, ließen sie sich sogar anstecken von den Überlegungen, dass es womöglich gar kein Verbrechen gegeben habe. „Marcel hat so überzeugend geredet, dass wir dann auch dahintergestanden haben“, sagt Dietmar Schmidt.

Marcel erklärte ihnen, dass die Feuerwehrleute mit Stangen nach Elisabeth gesucht und ihr dabei die Stichverletzungen zugefügt haben könnten. Seine Mutter sagte, dass es vielleicht die spitzen Scherben eines zersprungenen Spiegels gewesen seien. Dass Elisabeths Tod jedenfalls tatsächlich ein Unfall war.
Wenn die Schmidts im Auto wieder nach Hause fuhren, fielen ihnen all die Gegenargumente ein.

Hätten die Gerichtsmediziner die Splitter nicht im Körper finden müssen? Und warum hatten sie dann keinen Ruß in der Lunge entdeckt? Wie konnte es sein, dass das Blut bis unter das Laminat gelaufen war?

Erst dachten sie, dass die Krügers die Tat verdrängen wollten, weil der Gedanke an einen Mord im eigenen Haus so fürchterlich war. Aber dann, als die Zeit ins Land ging und die Polizei keinen Täter fand, keimte bei Elisabeths Eltern ein giftiger Gedanke.

Was, wenn die Ermittler sich geirrt hätten? Konnte man wirklich glauben, dass die Krügers fast nichts gehört hatten in jener Nacht, bis es schon lichterloh brannte? Und war es nicht befremdlich, dass sie nach dem Brand so viel über Versicherungsfragen geredet hatten und so wenig über
Elisabeth?

Warum fand Elisabeths Vater in den Berichten der Feuerwehrmänner nichts von den Stangen?

Er hatte sogar einen der Ermittler auf diese Erklärungsmöglichkeit angesprochen. Der reagierte schroff: „Das kann nicht sein, und von hinten schon gar nicht.“ Auf diese Weise erfuhr Dietmar Schmidt, dass seine Tochter auch Stiche im Rücken hatte.

Anfangs widersprach Karin Schmidt noch, wenn ihren Mann das Misstrauen packte. Wenn es sie selbst erfasste, brachte er sie wiederum davon ab. Beide wussten, dass sie sich womöglich in etwas verrannten. Doch die Einwände wurden weniger. Und der Kontakt zwischen den Familien brach ab. „Da kann ich doch nicht freundlich tun“, sagt Karin Schmidt, „wenn ich das Gefühl habe, einer von ihnen könnte mein Kind auf dem Gewissen haben.“

Am 22. November 2012 bekam Karin Schmidt dann einen Anruf von Ute Krüger. Sie hat
das Datum notiert. Marcels Mutter fragte, warum die Schmidts sich nicht mehr melden würden. Sie redete von der kaputten Heizungsanlage. Sie säßen gerade im Kalten. Sie erzählte von einer Therapie, die sie jetzt in einer Tagesklinik mache. Sie würde sich endlich alles von der Seele schreiben, auch den Ärger mit dem Bürgermeister. Das hätte man ihr in der Klinik geraten.

Es ging um eine Sammlung in der Stadt für Familien, denen das Schicksal übel mitgespielt hatte. In diesem Jahr sollte das Geld der Familie Krüger zugute kommen. Nachdem aber anfangs ein Verdacht auf Marcels Vater gefallen war, wurde anders entschieden. Das hatte auch die Schmidts empört. Nun aber erschien das Thema Elisabeths Mutter unerträglich.

Gab es nichts Wichtigeres? War nicht ihr Kind tot?

Weigerten sich die Krügers nicht nach wie vor anzuerkennen, dass es ermordet worden war? Und warum erzählte Ute Krüger ihr jetzt, sie würde täglich mit Elisabeth sprechen und dabei ihr Foto betrachten? Karin Schmidt kann sich nicht erinnern, je ein Foto von Elisabeth bei den Krügers gesehen zu haben.

Danach hat es kein Treffen mehr gegeben zwischen Elisabeths Eltern und der Familie Krüger. Marcel ist inzwischen verheiratet, das junge Ehepaar lebt in seiner renovierten Wohnung im ersten Stock seines Elternhauses. Marcel ist Vater geworden. Er sagt: „Ich habe jetzt eine eigene Familie.“ Seine Mutter sagt: „Jetzt muss mit alldem auch mal Schluss sein.“

Für die Krügers ist heute klarer denn je, dass die Ermittler keinen Täter finden, weil es keinen Täter gibt. „Alles, was mir die Polizisten bisher vorgelegt haben, war abstrus und konstruiert“, sagt Marcel. Ihm fällt kein Weg ein, auf dem ein Fremder über die Mauer in den Hof gelangt sein könnte. Er hält es für ausgeschlossen, dass Elisabeth in jener Nacht irgendjemanden mitgebracht haben könnte, sie habe schon ihre Schlafkleidung getragen.

Er vermag sich niemanden vorzustellen, der Elisabeth hätte erstechen können. Weder einen Freund noch einen Fremden. Und auch niemanden aus dem Haus. „Sie müssen meine Eltern nur einmal sehen“, sagt er. „Mein Vater macht drei Schritte, dann fängt er an zu keuchen.“ Auch die Mutter sei schon körperlich nicht in der Lage gewesen, Elisabeth etwas anzutun.

So hat sich Marcel unter allen Unmöglichkeiten diese ausgesucht: „Menschen“, sagt er, „unterlaufen Irrtümer.“ Die Gerichtsmediziner hätten einen Fehler gemacht. Für diese Erklärung lässt er eigene Zeugen aufmarschieren.

Da sei doch der Brandursachenermittler. Der habe den Raum, kaum dass die Feuerwehr abgerückt war, stundenlang untersucht. „Das war ein erfahrener Mann. Er hat eine Fremdeinwirkung ausgeschlossen.“

Da sei auch der Arzt, der den Totenschein ausgestellt habe. „Das ist ein sehr erfahrener Facharzt mit einer chirurgischen Ausbildung.“ Der Arzt habe ihm erklärt, dass die Organe, an denen man eine tödliche Verletzung hätte feststellen können, längst verbrannt gewesen seien.

Nachdem auch Marcel anfangs von einem Mord ausgehen musste, ist seine letzte Erklärung nun wieder die erste: „Elisabeth stand vor der Prüfung. Sie arbeitete viel, sie ist abends oft fix und fertig nach Hause gekommen, hat geheult und musste noch für die Prüfung lernen. Sie ist einfach mit der Kippe im Bett eingeschlafen.“


„Können Sie sich vorstellen, wie verletzend dieses Gerede von einem Unfall ist?", fragt Karin Schmidt. „Die Krügers könnten doch wenigstens die Tatsachen anerkennen.“ Der Tod von Elisabeth liegt inzwischen viereinhalb Jahre zurück. Noch immer sind für die Ermittler alle drei Tatszenarien im Bereich des Möglichen geblieben. Aber die Staatsanwältin sagt, man habe niemanden mehr konkret im Verdacht. „Es gibt so viele Zweifel, weil wir von der Polizei so wenige Antworten bekommen“, sagt Elisabeths Mutter.

Elisabeths Eltern ahnen, dass sie vielleicht nicht nur ohne ihre Tochter leben müssen. Sondern auch ohne Sühne und Gerechtigkeit. Sie fürchten, dass die Staatsanwaltschaft die Akte längst beiseite
gelegt hat und sie womöglich niemals erfahren werden, wer Elisabeth getötet hat und warum. Und dass derweil ein Argwohn, den sie nicht hegen dürften, ihr Leben vergiftet.

Vor Kurzem sind die beiden noch einmal nach Thale gefahren. Sie haben vor der Mauer gestanden. Sie haben hochgeschaut in den ersten Stock, zu der Wohnung, in der das Leben weitergegangen ist. Sie haben nicht geklingelt. •

DIESER ARTIKEL STEHT IM HEFT STERN CRIME AUSGABE 08 2016

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