#1 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 30.06.2013 20:05

Die letzten Sekunden von Charlotte Böhringer

12.06.08
München




Ein Gutachter rekonstruiert den Tatort im Mordfall Charlotte Böhringer mit einem 3-D-Bild – und entlastet damit den Neffen.


1 Hier lag Charlotte Böhringer, das Blaue um sie herum ist Blut 2 Hier stand der Täter, als er die letzten fünf Schläge ausgeführt hat 3 Ein Mauerdeckenvorsprung, an dem die Blutspritzer waren, die für die Berechnung der Schlagrichtung wichtig sind 4 Die Flugrichtung der Blutspritzer. Sie zeigt dem Gutachter: Der Mörder hat mit rechts geschlagen 5 Die Eingangstür, durch die der Mörder kam 6 Die Treppe, die hoch ins Penthouse führt 7 Ein Abstelltisch unter dem Fenster

1 Hier lag Charlotte Böhringer, das Blaue um sie herum ist Blut 2 Hier stand der Täter, als er die letzten fünf Schläge ausgeführt hat 3 Ein Mauerdeckenvorsprung, an dem die Blutspritzer waren, die für die Berechnung der Schlagrichtung wichtig sind 4 Die Flugrichtung der Blutspritzer. Sie zeigt dem Gutachter: Der Mörder hat mit rechts geschlagen 5 Die Eingangstür, durch die der Mörder kam 6 Die Treppe, die hoch ins Penthouse führt 7 Ein Abstelltisch unter dem Fenster

Als die letzten fünf Schläge auf den Kopf von Charlotte Böhringer niedergehen, wehrt sich sie nicht mehr. Blutspuren belegen, dass die Parkhaus-Millionärin sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr groß bewegt haben kann. Davon ist Rechtsmediziner Georg Sasse überzeugt. Der Chef der Schweizer Firma „Digital Crime Scene Reconstruction“ (DSCR) hat anhand eines dreidimensionalen Tatortmodells die letzten Momente im Leben der Charlotte Böhringer rekonstruiert. Und damit deren wegen Mordes angeklagten Neffen Benedikt T. entlastet.

Benedikt T. soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Tante am 15. Mai 2006 in deren Penthouse über der Parkgarage an der Baaderstraße erschlagen haben – aus Angst, enterbt zu werden. Fest stehe jedoch, sagte Sasse vor dem Schwurgericht, dass der Täter die letzten fünf Schläge mit der rechten Hand geführt hat. Der Angeklagte ist aber Linkshänder. Daraufhin stellte Verteidiger Peter Witting erneut den Antrag, seinen Mandanten endlich aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Am 14. Mai hatten Sasses Mitarbeiter im Auftrag der Verteidigung den Tatort gescannt, fotografiert und gefilmt. Bereits eine Woche später hatten sie die 3 D-Bilder ausgewertet, mit denen sich je nach Spurenlage sogar ein Verbrechen digital nachspielen lassen könnte. 9.500 Schweizer Franken hat die Rekonstruktion gekostet. Das Gericht hatte diese Methode nicht in Auftrag geben wollen, aber immerhin zugestimmt, den Gutachter anzuhören.

Doch bei der Vernehmung wurde der Gutachter dann vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl attackiert. Für Benedikt T.s Anwalt Witting zeigte diese ungewöhnlich raue Behandlung einmal mehr, wie befangen die 1. Strafkammer hier sei. Die Kammer sei nicht bereit, ein Gutachten auch mal hinzunehmen.

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Vorsitzender Richter Götzl hatte vor allem moniert, dass der Schweizer Rechtsmediziner bei einer früheren Aussage vor dem Schwurgericht erläutert hatte, er könne keine Beweise, sondern nur Wahrscheinlichkeiten liefern. „Ich habe mich vorsichtig ausgedrückt, weil ich den Tatort und die Spuren nicht kannte“, erklärte Sasse. Jetzt, wo er wisse, wie gut und wie viele der Spuren erhalten seien, gehe er mit Sicherheit davon aus, dass der Täter die rechte Hand benutzt habe.

Der Prozess dauert an.

Quelle: tz

http://www.tz-online.de/aktuelles/muench...nger-22019.html

#2 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 30.06.2013 20:11

Freunde und die Verlobte von Benjamin Toth haben eine Bürgerintiative gegründet und kämpfen für ein Wideraufnahmeverfahren.

http://www.probence.de/die-verfahren/ermittlungsverfahren/

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phoenix-Sendeplan Samstag, 29.06.2013

22:30 Uhr

Anklage Mord Ein Freund vor Gericht Film von Daniela Agostini,

BR/2010 16. Mai 2006: In ihrer Penthouse-Wohnung wird die reiche
Parkhausbesitzerin Charlotte Böhringer ermordet aufgefunden. Kurz
danach verhaftet die Polizei den 31jährigen Neffen des Opfers:
Benedikt Toth, genannt Bence. Der bestreitet die Tat, doch die
Staatsanwaltschaft erhebt gegen ihn Anklage. Es kommt zu einem der
längsten Indizien-Strafprozesse Deutschlands.

http://www.boerse-go.de/nachricht/phoeni...r,a3117279.html

#3 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 30.06.2013 20:12

Hauptverfahren

Die auf 13 Tage terminierte Hauptverhandlung beginnt am 02.05.2007,
sie endet am 12.08.2008 nach über 15 Monaten und insgesamt 93 Verhandlungstagen mit Bences Verurteilung wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld.

Trotz einer Spuren-Identität zwischen einer unbekannten Spur aus Charlotte Böhringers Wohnung mit dem Mordfall Hermann aus dem Jahr 1981.

Trotz der Annahme des Gerichts, der Linkshänder Toth habe die Tat mit Rechts begangen.


Das Schwurgericht des Landgerichts München I unter dem Vorsitz von Manfred Götzl eröffnet am 01.02.2007 das Hauptverfahren gegen Bence und lässt die Anklage der Staatsanwaltschaft München I vom 15.11.2006 unverändert zur Hauptverhandlung zu.



Am 02.05.2007 beginnt schließlich die zunächst auf 13 Tage terminierte Hauptverhandlung mit einem Paukenschlag. Bei der Auswertung sogenannter Altfälle konnte festgestellt werden, dass ein im Zusammenhang mit dem im Jahr 1981 begangenen Kapitalverbrechen an Ursula Herrmann gesichertes DNA-Muster einer unbekannten männlichen Person mit den Merkmalen zweier in der Wohnung Charlotte Böhringers gesicherter DNA-Spuren übereinstimmt. Diese Spuren konnten an einem in der Spülmaschine in der Küche abgestellten Glas sowie am Griff einer Kommode im Wohnzimmer der Tatortwohnung Böhringer festgestellt werden. Der Spurenverursacher kann trotz umfangreicher Ermittlungen nie gefunden werden.



Nach Beiziehung der Akten aus dem Verfahren Ursula Herrmann wird die Hauptverhandlung gegen Bence über 15 Monate an insgesamt 93 Hauptverhandlungstagen durchgeführt. Mehr als 180 Zeugen und Sachverständige werden vernommen, mehr als 130 Beweisanträge durch die Verteidigung gestellt. Sechs Mal beantragen Bences Verteidiger, den Haftbefehl aufzuheben, sieben Mal lehnen sie erfolglos das Gericht wegen Befangenheit ab.



Am 67. Hauptverhandlungstag, dem 21.04.2008, erklärt Bence in laufender Hauptverhandlung, dass er sich ab sofort in einem unbefristeten Hungerstreik befinde. In den folgenden Wochen nimmt Bence rund 15 kg ab. Auf Bitte seiner Familie und Freunde beendet Bence seinen Hungerstreik schließlich am 30.05.2008.



Am 12.08.2008 wird Bence wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe mit besonderer Schuldschwere verurteilt, im Übrigen wird der Verfall seines Erbanteils angeordnet.

http://www.probence.de/die-verfahren/hauptverfahren/

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Das Urteil ist vollständig unter o.a. Linkl zu finden.

#4 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von pfiffi 02.10.2013 22:53

ich halte das Urteil für objektiv falsch (allein schon deswegen, weil es bei der Motivrekonstruktion von der widerlegten Grundannahme ausgeht, seine Tante habe von seinem Studienabbruch nichts gewusst), und halte ferner die durchaus anders gelagerte Frage, ob BT in anderen Konstellationen als Täter in betracht kommt, für umstritten und mehr als das.

#5 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von Christine 03.10.2013 09:02

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http://www.probence.de/


Der Link stammt von Piffi in einem anderen Thema. Hier wird der Fall noch etwas genauer beleuchtet.

#6 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 24.04.2014 21:12

PROZESS
Mord an Parkhaus-Millionärin: Augsburger Justiz wehrt sich gegen Vorwürfe

2006 wurde Benedikt Toth für den Mord an seiner Tante verurteilt. Nun soll das Verfahren wieder aufgenommen werden. Das Gericht weißt Vorwürfe zuürck, das Verfahren zu verzögern.
Von Holger Sabinsky-Wolf

Das Landgericht Augsburg wehrt sich gegen Vorwürfe des Anwalts Peter Witting, das Wiederaufnahmeverfahren im Fall der ermordeten Parkhaus-Millionärin werde verzögert. Landgerichtspräsident Herbert Veh teilte mit, die Akten lägen der zuständigen 8. Strafkammer erst seit 20. November vergangenen Jahres zur Entscheidung vor. Der Fall erfordere eine tiefgehende Einarbeitung in die Sachakten des ersten Prozesses.

2006 wurde Benedikt Toth zu lebenslanger Haft verurteilt

2006 wurde die Münchner Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer ermordet. Als Täter wurde ihr Neffe Benedikt Toth zu lebenslanger Haft verurteilt. Wie berichtet, wollen sein Anwalt und eine Bürgerinitiative die Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen. Zuständig ist das Landgericht Augsburg. Anwalt Witting hatte kritisiert, das Gericht rühre keinen Finger.


Die Begründung des Antrags ist 186 Seiten lang

Diesen Vorwürfen tritt Landgerichtspräsident Veh entgegen. Der Antrag des Verurteilten auf Wiederaufnahme sei am 1. Oktober 2012 beim Landgericht München I gestellt worden. Die Begründung des Antrages sei 186 Seiten lang. Dieser Antrag nebst umfangreichen Anlagen sei beim Landgericht Augsburg – mit Stellungnahmen der Staatsanwaltschaften München I und Augsburg – am 19. März 2013 eingegangen.

Über die Forderung des Verurteilten, dass sich ein Gericht außerhalb des Oberlandesgerichtsbezirks München befassen solle, hätten das Oberlandesgericht und dann das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen. Zudem sei über ein Befangenheitsgesuch gegen einen Richter zu entscheiden gewesen.

http://www.augsburger-allgemeine.de/augs...id29605201.html

#7 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 25.04.2014 19:36

25. April 2014 09:12
Fall Böhringer
Familie kämpft für den verurteilten Mörder

Benedikt Toth sitzt in Haft, weil er seine Tante in ihrem Penthouse in München umgebracht haben soll. Doch Familie und Freunde glauben an seine Unschuld - und wollen nun einen neuen Anlauf nehmen, den Fall abermals vor Gericht zu bringen.

Von Christian Rost

Benedikt Toth gibt nicht auf. Der wegen Mordes an seiner Erbtante zu lebenslanger Haft verurteilte 39-Jährige schafft es auch acht Jahre nach der Tat noch in die Medien. Der jüngste Coup: Seine Familie will 250 000 Euro Belohnung für neue Hinweise in dem Mordfall aussetzen und damit auch die Augsburger Justiz unter Druck setzen, der ein Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens vorliegt. Anwalt Peter Witting wirft dem Landgericht Augsburg Untätigkeit vor. Dessen Präsident Herbert Veh weist dies zurück.

Am 15. Mai 2006 wurde die Millionärin Charlotte Böhringer tot in ihrer Penthousewohnung über ihrem Parkhaus in der Münchner Baaderstraße aufgefunden. Die Polizei nahm ihren Neffen Benedikt Toth als Tatverdächtigen fest. Das Münchner Schwurgericht verurteilte den ehemaligen Jura-Studenten wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Entlassung ausschließt. Demnach müsste Toth mit noch etwa 20 Jahren Haft in Straubing rechnen.

Er bestreitet nach wie vor, seine damals 59-jährige Tante aus Habgier mit einem unbekannten Gegenstand erschlagen zu haben. Und er wehrt sich mit allen Mitteln gegen das Urteil. Eine Revision scheiterte aber ebenso wie eine Verfassungsbeschwerde. Auch die Bemühungen der von seinen Freunden gegründeten Initiative "Pro Bence" und ein TV-Film, der Zweifel an der Täterschaft Toths nährte, brachten keine Wende. Nun ruht die Hoffnung des Verurteilten und seiner Unterstützer bei dem von Anwalt Witting gestellten Wiederaufnahmeantrag.

Das Landgericht Augsburg muss entscheiden


Die Entscheidung, ob der Fall Böhringer vor Gericht neu aufgerollt wird, liegt bei der 8. Strafkammer am Landgericht Augsburg. Laut Witting ist Toths Familie "völlig verzweifelt, weil sich in der Angelegenheit nichts tut". Seit Oktober 2012 lägen die Akten in Augsburg, und es gebe wegen dauernder Verzögerungen keine Fortschritte: "Man entscheidet einfach nicht", so Witting. Er rechnet nicht unbedingt damit, dass es zu einer Wiederaufnahme kommt, weil nur drei Prozent solcher Anträge Erfolg haben. Aber er brauche eine Entscheidung, so Witting, um weitere Schritte wie eine Beschwerde oder die Anrufung des Verfassungsgerichts einleiten zu können.

Der Präsident des Landgerichts Augsburg, Veh, wies am Donnerstag den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Der in 20 Aktenordnern zusammengefasste Fall liege der zuständigen Strafkammer erst seit dem 20. November 2013 vor. Zuvor, so stellt Veh in einer Mitteilung klar, hätten mehrere Anträge von Benedikt Toth abgearbeitet werden müssen. In einem Antrag wurde gefordert, den Fall von einem Gericht außerhalb des Oberlandesgerichts München prüfen zu lassen. Zudem gab es einen Befangenheitsantrag gegen einen Augsburger Richter.

Ob die Auslobung einer hohen Belohnung den Verfahrensgang in Augsburg beschleunigt, ist mehr als fraglich. Benedikt Toths Familie lässt aber nichts unversucht. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der Charlotte Böhringer letztlich beerbt hat, stellt das Geld zur Verfügung. Auch der Anwalt kämpft weiter: Witting begründete den Wiederaufnahmeantrag damit, am Tatort hätten sich nicht nur Schuh- und DNA-Spuren von Toth befunden. Auch habe Charlotte Böhringer vom Studienabbruch ihres Neffen gewusst, so Witting. Das Münchner Schwurgericht hatte als ein Indiz für Toths Schuld angeführt, er habe befürchtet, von Böhringer enterbt zu werden, wenn sie von seiner Exmatrikulation erfahren hätte.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/fall-b...erder-1.1943301

#8 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von 06.09.2014 11:21

5. September 2014 18:30
Fall Charlotte Böhringer

Mörder verklagt die Justiz

Benedikt T. wurde 2008 wegen Mordes an der Parkhausbesitzerin Charlotte Böhringer zu lebenslanger Haft verurteilt. Weil die bayerische Justiz seinen Wiederaufnahmeantrag zu langsam bearbeitet, will er jetzt eine Entschädigung.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

Der wegen des Mordes an der Parkhausbesitzerin Charlotte Böhringer verurteilte Benedikt T. strengt eine Entschädigungsklage gegen die bayerische Justiz an. Sein Mandant müsse schon viel zu lange in der Ungewissheit leben, ob sein Mordprozess neu aufgerollt werde, findet sein Verteidiger, der Münchner Rechtsanwalt Peter Witting. Jedermann habe das Recht, dass Gerichte "in angemessener Zeit" in ihren Fällen entscheiden, sagt der Jurist. Unter dem Strich dürfte es bei diesem Schritt aber mehr um die öffentliche Wirkung als um das Geld gehen - es stehen kaum mehr als 1500 Euro zur Debatte.

Der 39-jährige Benedikt T. war 2008 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, beteuert aber bis heute seine Unschuld. Da die Verteidigung das Urteil weder in der Revision noch mit einer Verfassungsbeschwerde zu Fall bringen konnte, hatte sie 2012 ein Zivilverfahren vor dem Landgericht München I begonnen.

Urteilsbegründung des Strafgerichts fragwürdig
Dieser Prozess drehte sich vordergründig um die Frage, ob T. als verurteilter Mörder erbunwürdig sei. Am Ende erklärte das Zivilgericht aber - wie beabsichtigt - nach neuer Beweisaufnahme die Urteilsbegründung des Strafgerichts für fragwürdig. Die so zu Tage geförderten "entlastenden Erkenntnisse", so Anwalt Witting, dienten dann als Grundlage für einen umfangreichen Wiederaufnahmeantrag.

Über diesen müsste die 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg entscheiden. Nach einigem juristischen Hin und Her mit Beschwerden und einem Befangenheitsantrag seien dann auch noch die Akten für rund drei Monate "unauffindbar gewesen", schildert Witting. Das könne man jedoch nicht seinem Mandanten anlasten. Jedenfalls hätte sich das Augsburger Gericht seit dem 3. Juni 2013 mit dem Wiederaufnahmeantrag befassen müssen, meint der Verteidiger.

Selbst nach einer Rüge im Februar 2014 sei aber immer noch nichts passiert. "Auch ein rechtskräftig zu lebenslanger Haft Verurteilter darf erwarten, dass sich die Justiz mit seinem umfassend begründeten und auf abweichende Erkenntnisse aus dem Zivilverfahren gestützten Antrag zeitnah befasst", argumentiert der Anwalt. Das sei verfassungsrechtlich garantiert.

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fall...stiz-1.2118598#

#9 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von Christine 06.09.2014 13:59

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Das Thema gibt es nun 2mal. Ich habe es dupliziert, damit man es hier auch lesen kann.

Ferner ist es noch im ursprünglichen Thread:

Urteil im Namen des Volkes/Fehlurteil im Namen des Volkes?

#10 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von Helios 21.12.2019 09:51

Mörder von Charlotte Böhringer
Toth-Anwalt Peter Witting: "Die Haft hat ihn hart gemacht"
Interview: Nina Job
,
Natalie Kettinger
,
21.12.2019 - 09:27 Uhr

Benedikt Toth (44) wurde für den Mord an seiner Tante verurteilt. Er bestreitet die Tat und hofft nun, dass sein zweiter Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens Erfolg hat. Das sagt sein Anwalt.


München/Straubing - Es ist das 13. Weihnachtsfest, das Benedikt "Bence" Toth (44) hinter Gittern verbringt – verurteilt für eine Tat, über die er sagt, dass er sie nicht begangen hat: den Mord an seiner Tante, der reichen Parkhaus-Erbin Charlotte Böhringer. Sie wurde im Mai 2006 in ihrem Münchner Penthouse mit 24 Schlägen brutal getötet.

Weihnachten in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing. Das bedeutet Würstel und Kartoffelsalat an Heiligabend – und dass sich die Zellentüren schon um 16.30 Uhr hinter den Gefangenen schließen, eine Stunde früher als gewöhnlich. Ein kleiner Lichtblick in dieser einsamen Zeit: An einem der Feiertage soll es Haxn zu essen geben, zumindest erzählen sich die Häftlinge das untereinander.

Was sich Toth zu Weihnachten wünscht? Er wolle über etwas Schönes staunen, sagt der Mann, den die einen für einen eiskalten Mörder halten – und die anderen für unschuldig.

Die AZ hat mit Toths Verteidiger Peter Witting über den Fall, das Verfahren und seinen Mandanten gesprochen.

AZ: Herr Witting, Sie haben im Februar zum zweiten Mal einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung, ob es einen neuen Prozess gibt – was auch bedeuten würde, dass Ihr Mandant frei kommt?
PETER WITTING: Schwer zu sagen. Es entscheidet wieder das Landgericht Augsburg und das hat beim letzten Mal mehr als zwei Jahre gebraucht. Allerdings hat unser Antrag diesmal weniger Seiten. Vielleicht geht es dadurch schneller. Allerdings sind einige Hürden bis hin zur Wiederaufnahme eines Verfahrens zu meistern. Und die Staatsanwaltschaft Augsburg hat – wie schon beim ersten Anlauf – die Zurückweisung unseres Gesuchs beantragt.

Sehen Sie dennoch Chancen?
Ja. Ich bin davon überzeugt, dass wir Erfolg haben werden.

Wittig: "Ich hatte Toth geraten zu schweigen"
Was macht Sie so sicher?
Wir konzentrieren uns in diesem Wiederaufnahmeantrag auf zwei Indizien, die im Prozess als "wesentlich" eingestuft wurden: eine DNA-Spur, die auf dem Sakko der Ermordeten sichergestellt wurde und eine weitere, die auf einem Testament Charlotte Böhringers gefunden wurde. Beide wurden Benedikt Toth zugeschrieben – und das ist nicht haltbar. Wir haben ein Experten-Gutachten vorgelegt, das zeigt, dass grundsätzlich auch andere mit dem Opfer verwandte Verursacher für die besagten DNA-Spuren infrage kommen können: also Vater, Mutter oder Bruder. Genau das Gegenteil war im Urteil behauptet worden. Bei der Sakko-Spur kommt noch etwas hinzu.

Was genau?
Angeblich wurde sie mit einem blutigen Handschuh verursacht, an dem die DNA des Verurteilten gewesen sein soll. Der zuständige Beamte hat mehrmals ausgesagt, dass er bei der Spurensicherung sowohl blutiges als auch unblutiges Gewebe mit ein und demselben Klebestreifen abgeklebt hat – wo genau sich die DNA-Spur befand, ist also völlig unklar. Jetzt widerlegt zudem ein Sachverständiger, dass es sich überhaupt um den Abdruck eines Handschuhs handelt. Was dafür gehalten wurde, ist in Wirklichkeit die unterschiedlich stark von Blut durchtränkte Struktur des Sakko-Stoffes. Damit ist diesem konstruierten Indiz aus belastbarer wissenschaftlicher Sicht endgültig der Boden entzogen – zumal Spuren von Benedikt Toth schon viel früher auf die Kleidung der Toten übertragen worden sein können. Es gab ja durchgängig Kontakt zwischen den beiden.

Benedikt Toth hat im Prozess geschwiegen. Das ist sein gutes Recht. Trotzdem wäre es vielleicht besser gewesen, er hätte versucht, das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen. Wie sehen Sie das heute?
Dazu hatte ich ihm geraten. Anlass war die Zeugenvernehmung vom 18. Mai, die einen folgenschweren Verlauf genommen hat.

Wittig: "Für Benedikt Toth war ein Deal nie ein Thema"
Inwiefern?
Schon als ich ins Präsidium kam, hat der damalige Chef der Mordkommission, Josef Wilfling, zu mir gesagt: "Unter uns Pfarrerstöchtern, von Ihnen lasse ich mir nicht in die Suppe spucken." Da war mir klar: Es ist unglaublich Druck im Kessel. Trotzdem habe ich nicht widersprochen und bin gegangen, als Benedikt Toth sagte, er mache das hier alleine zu Ende, er habe ja nichts zu verbergen. Keine drei Stunden später wurde er festgenommen, weil er sich angeblich in Widersprüche verwickelt hatte.

Während des Verfahrens wurde Ihrem Mandanten ein "Deal" angeboten: eine Verurteilung wegen Totschlags – gegen ein Geständnis. Hätte er zugestimmt, wäre er heute frei. Bereut er, dass er sich darauf nicht eingelassen hat?
Von einem Deal kann man nicht sprechen. Aber der Staatsanwalt hat damals Andeutungen gemacht: Mit einer Affekttat hätte man auf Totschlag kommen können mit dem Ergebnis einer zeitigen Freiheitsstrafe, also keiner lebenslangen. Für Benedikt Toth war das aber zu keinem Zeitpunkt ein Thema.

Wittig: "Toth hat sich sehr verändert, ist unglaublich hart geworden"
Wie geht es Ihrem Mandanten heute nach 13 Jahren Haft?
Er hat sich sehr verändert, ist unglaublich hart geworden. Man will sich gar nicht vorstellen, dass er so lange Zeit unschuldig im Gefängnis sitzt.

Halten Sie ihn denn für unschuldig?
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich aus diesem Urteil niemals die Berechtigung für lebenslange Haft ableiten ließ. Hinzu kommt, dass Benedikt Toth ein intelligenter Kerl ist, der kein solches Risiko eingegangen wäre: Erst am helllichten Tag in die Parkgarage zu radeln, durch die Baaderstraße, wo er bekannt ist wie ein bunter Hund. Und dann in der ersten Vernehmung auszusagen, er sei zuhause in der Badewanne gelegen – wohlwissend, dass die Nachbarschaft befragt werden würde. Das passt doch nicht zusammen! Wenn jemand so eine Tat plant, dann plant er auch ein unwiderlegbares Alibi.

Wenn er nicht der Mörder war, wer hat Charlotte Böhringer dann getötet?
Was wir da alles überlegt haben! Gab es ein Verhältnis? Dann war da diese Geldanlage-Geschichte, wo eine hohe Summe verloren gegangen ist. Es gab Schwarzgeld – und Personen, die wir für dubios gehalten haben, die Theorie vom Auftragsmörder. Aber wir haben leider keine Möglichkeit, zu ermitteln.

Wittig: "Aufgeben kommt für mich nicht infrage"
Eine Besonderheit dieses Falls ist die große Unterstützer-Gemeinde, die Ihrem Mandanten lange Zeit zur Seite stand. Wer hält heute – neben der Familie – noch zu ihm?
Es gibt noch einige Freunde, die ihn regelmäßig besuchen. Es sind zwar weniger geworden. Aber Herr Toth weist gerne darauf hin, dass von den fünf Stunden Besuchszeit, die ihm pro Monat zustehen, bislang nur eine einzige ungenutzt geblieben ist.

Wie verbringt er die Zeit im Gefängnis?
Er hat dort eine kaufmännische Ausbildung gemacht und arbeitet seit geraumer Zeit in der Gefängnisbibliothek. Außerdem lernt er Japanisch, liest viel und spielt Klarinette und Saxofon.

Kann er in absehbarer Zeit mit Hafterleichterungen rechnen?
Das dauert noch.

Sie kämpfen nun schon seit 13 Jahren für ihn. Haben Sie nie ans Aufhören gedacht?
Natürlich kostet das Substanz. Aber Aufgeben kommt nicht infrage. Das Unrecht ist mein Motor.

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...be31388d09.html

#11 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von Helios 23.01.2020 12:21

ERMITTLER VERKÜNDET ÜBERRASCHUNG

Parkhaus-Millionärin ermordet: Kaum ein Fall hat München so aufgewühlt - folgt nun die große Wende?
Andreas ThiemevonAndreas Thieme

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Bence T. wurde als Mörder seiner Tante Charlotte Böhringer verurteilt. Fast 14 Jahre liegt der Parkhaus-Mord mittlerweile zurück. Einer der besten Ermittler Deutschlands hat ihn nun gezielt geprüft – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Im Mai 2006 wurde die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer ermordet.
Ihr Neffe wurde vom Landgericht schuldig gesprochen.
Ein bekannter Ermittler äußert nun Zweifel.
München - Kaum ein Mordfall hat München so aufgewühlt wie der an Charlotte Böhringer (†59): Am 15. Mai 2006 wurde die Parkhaus-Millionärin in ihrer Penthouse-Wohnung in der Baaderstraße erschlagen. Der Täter: ihr Neffe Bence T. Das Landgericht verurteilte ihn wegen Mordes. Doch fast 14 Jahre später zeichnet sich nun eine ganz neue Entwicklung in dem Fall ab.

„Ich halte die Beweise gegen Bence nicht für stichhaltig“, sagt Axel Petermann. Er war Leiter der Bremer Mordkommission und hat rund 1000 unnatürliche Todesfälle aufgeklärt. Den Fall Böhringer hat der Top-Profiler in den vergangenen drei Jahren genau unter die Lupe genommen – und kommt zu dem Ergebnis: „Die Ermittler haben Fehler gemacht. Aus meiner Sicht basiert das Gerichtsurteil auf falschen Grundannahmen.“

Beweise im Parkhaus-Mord nicht stichhaltig?
Bence T. wurde lebenslänglich verurteilt.
+
Bence T. wurde lebenslänglich verurteilt.© fkn
Doch wie kann das sein? Mit unserer Zeitung war Petermann am Tatort. Über dem Parkhaus in der Baaderstraße liegt die 300 Quadratmeter große Wohnung im vierten Stock. Seit damals steht sie leer. Direkt hinter der Eingangstür wurde die Leiche von Charlotte Böhringer einst aufgefunden. Mutmaßlich erschlagen mit einem Hammer. Die Mordwaffe wurde nie gefunden.

„Es waren mehr als 20 Schläge, die zum Tod geführt haben“, sagt Petermann. Bislang sei man davon ausgegangen, dass Bence T. abends auf seine Tante gewartet habe, die immer montags zum Stammtisch im Paulaner ging. An der Haustür, so glaubt das Gericht, hat Bence T. auf Charlotte Böhringer eingeschlagen. Und sie dann im Hausflur brutal getötet. Sein Motiv: Habgier, angeblich wollte er an ihr Erbe.

München: Zweifel nach Böhringer-Mord: „DNA-Spuren wurden falsch bewertet“
„Die DNA-Spuren am Tatort wurden falsch bewertet“, sagt Petermann jetzt. Beispiel: Fingerabdrücke an der Wohnungstür und im Flur seien irrtümlich als Handschuh-Spuren gewertet worden, kritisiert er. Der Todeszeitpunkt: falsch errechnet. Und: „Für mich hat sich klar gezeigt, dass die erste Gewalt eben nicht an der Tür stattgefunden hat.“ Petermann ist vielmehr überzeugt, dass der Täter im hinteren Bereich des Wohnungsflures zuschlug. „Dafür sprechen die verschiedenen Blutspritzzentren ebenso wie die Richtung der Blutspuren. Die Schlagspritzer zeigen in Richtung Tür.“ Der Täter müsse also schon in der Wohnung gewesen sein.

Für die Ermittlungen hat sich der Profiler – mit Erlaubnis der Familie T. – viele Tage in der Tatwohnung aufgehalten. Wichtig war ihm auch der Zugang zu den vielen Fallakten, die er studiert hat. Fotos, Gutachten, Spurensicherungs- und Tatortbefundbericht: Petermann kennt die Details des Falles – und sagt: „Die Justiz hat sich geirrt.“

Entscheidendes Detail lässt Ermittler zweifeln
Das entscheidende Detail: der blutige Blazer der Millionärin. Darauf wurde DNA von Bence T. gefunden. Petermann ist überzeugt: „Die Spuren sind nicht von einem Handschuh, das ist die Textilstruktur selbst, die blutig verwischt ist. Tatsächlich gab es gar keinen Handschuh-Abdruck, wie behauptet wurde.“ Die DNA könnte auch beim Auffinden des Opfers während des Pulsmessens übertragen worden sein – und ebenso gut von Bences Bruder oder der Mutter stammen. Etwa von einem früheren Alltags-Kontakt mit der Getöteten. „Aus meiner Sicht hätte Bence mit den vermeintlichen Beweisen nicht verurteilt werden dürfen“, sagt Petermann – und will den Fall neu aufrollen.

Aber: Nachdem die Revision vor dem Bundesgerichtshof scheiterte, wird Bence T. noch Jahre einsitzen – aktuell in der JVA Straubing. Doch seine Familie steht hinter ihm: „Wir glauben fest, dass Bence unschuldig ist“, sagt Bruder Mate. Über Star-Anwalt Gerhard Strate und Peter Witting hat die Familie im Februar 2019 ein Wiederaufnahmeverfahren angestrebt, für das das Landgericht Augsburg zuständig ist. „Bislang gab es noch keine Entscheidung“, so Sprecher Christian Grimmeisen.

https://www.merkur.de/lokales/muenchen/l...t-13459229.html

#12 RE: Benedict Toth / München 2006 Mord an Charlotte Böhringer von Helios 28.05.2020 23:32

Seit 13 Jahren in Haft
Mordfall Böhringer: Landgericht Augsburg lehnt Wiederaufnahme ab
AZ
,
28.05.2020 - 18:31 Uhr

Benedikt Toth, seit 13 Jahren wegen Mordes an Charlotte Böhringer in Haft, bekommt keine Chance auf eine neue Verhandlung.


Augsburg/München - Im Mordfall Böhringer hat die 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg den Wiederaufnahmeantrag des Verurteilten Benedikt Toth als unzulässig verworfen. Toth sitzt seit 13 Jahren in der Straubinger JVA für den Mord an seiner Tante Charlotte Böhringer, von dem er sagt, ihn nicht begangen zu haben.

Gegen diesen Beschluss haben seine beiden Verteidiger sofortige Beschwerde eingelegt, für deren Entscheidung das Oberlandesgericht München zuständig ist.

Das hat das Augsburger Landgericht am Donnerstag mitgeteilt. Böhringer war im Jahr 2006 in ihrem Penthouse in München mit 24 Schlägen brutal getötet worden.

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...a6e39ec9f0.html

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