#1 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 13.12.2012 18:11

Unschuldig hinter Gittern Wie schwer es Justizopfern in Deutschland gemacht wird

aus der Sendung vom Montag, 26.10.2009 | 21.45 Uhr | Das Erste

Woerz



Ein Alptraum: Unschuldig im Gefängnis zu sitzen. Gerade letzte Woche ist für ihn ein solcher Alptraum zu Ende gegangen, für Harry Wörz. Zwölf Jahre hatte der Verdacht auf ihm gelastet, seine damalige Frau beinahe erdrosselt zu haben.

Jetzt der Freispruch. Doch ist Wörz der bedauerliche Einzelfall, die Ausnahme von der Regel? Karin de Miguel und Valentin Thurn sind bei ihren Recherchen auf den Fall von Andreas Kühn gestoßen.
Bericht:

O-Ton, Andreas Kühn:

A. Kühn



»Wenn Sie unschuldig in Haft sind, dann ist das wie wenn Sie auf dem Friedhof lebendig begraben werden. Und dann klopfen Sie immer an, wenn jemand vorbeikommt und sagen: Ich bin aber gar nicht tot, ich leb’ doch noch.«

So fühlt sich Adreas Kühn seit neun Jahren. Seitdem sitzt er in der JVA Heimsheim. Er soll in Stuttgart vier Banken überfallen und rund 50.000 D-Mark erbeutet haben. Über ein Jahr lang hatte die Polizei erfolglos nach dem Bankräuber gesucht. Als sie auf Kühn stoßen, sind die Beamten froh, endlich einen Verdächtigen zu haben.

O-Ton, Andreas Kühn:
»Das ist ein ganz dummer Zufall gewesen. Ich habe den Vorstand der Bank als Fahrer gefahren. Und hab mich ungefähr eine Stunde vor der Bank aufgehalten, und das kam den Leuten verdächtig vor. Dann ist die Polizei alarmiert worden und hat einfach mal auf Verdacht mich festgenommen.«

Die Polizei durchsucht seine Wohnung und findet Verdächtiges. Der zuständige Staatsanwalt erinnert sich:

O-Ton, Matthias Inselsberger, Oberstaatsanwalt:

M. Inselberger



»Also man hatte keine Beweismittel, sondern zu diesen Punkten musste man mit Indizien arbeiten. Ein Indiz beispielsweise diese Vielzahl von Zeitungsausschnitten, die er zu einem dieser Banküberfälle gesammelt hat. Oder beispielsweise diese Kalendereinträge, ein großes Ü, wo er selber in der Hauptverhandlung eingeräumt hat, dass dieses Ü Überfall bedeutet.«

Andreas Kühn arbeitet damals als Bodyguard, wie hier für Stuttgarts ehemaligen Oberbürgermeister Manfred Rommel. Aus diesem Grund habe er sich für die Banküberfälle interessiert, erklärt er, doch keiner glaubt ihm.

Er wird einem Haftrichter vorgeführt. Als der Richter erklärt, er müsse mit 10 Jahren Gefängnis rechnen, brennen bei Andreas Kühn die Sicherungen durch.

O-Ton, Andreas Kühn:
»Der auslösende Moment war eigentlich schon die Aussage, dass ich mit zehn, elf Jahren zu rechnen habe. Und ich überhaupt nicht wusste wofür.«

Für den Gerichtspsychologen steht fest: Der Angriff auf den Richter war eine Kurzschlusshandlung.

O-Ton, Peter Winckler, Gerichtsgutachter:

P. Winckler



»Angenommen, er war unschuldig, dann war es eine Affekt-Tat. Dann war er in einem Zustand, indem er sich nicht mehr unter Kontrolle hatte.«

Obwohl er immer wieder seine Unschuld beteuert und die Beweislage dünn ist, wird Andreas Kühn zu 13 Jahren Haft verurteilt, davon mehr als die Hälfte für den Angriff auf den Haftrichter.

Eines der Hauptindizien ist das Foto einer Überwachungskamera: Die erste Bank hatte der Täter mit einer Maske überfallen, die die Ohren frei lässt. Das Gericht bittet einen pensionierten Kriminalpolizisten, das Foto mit dem Beschuldigten zu vergleichen. Ergebnis: Er kann es gewesen sein.

Seither versucht Andreas Kühn seine Unschuld zu beweisen. Sein ehemaliger Chef Rainer Glöckle ist der Einzige, der zu ihm hält und ihn seit Jahren unterstützt.

Er beauftragte auch Prof. Friedrich Rösing, einen der bekanntesten Spezialisten für Identifikations-Gutachten. Er soll nochmals die Fotos der Überwachungskamera mit Bildern von Andreas Kühn vergleichen.

O-Ton, Prof. Friedrich Wilhelm Rösing, Anthropologe, Universität Ulm:

H. W. Rösing



»Da gibt es hier zum Beispiel das Ohr, Ohrlänge, ganz unterschiedlich. Und es sind, ich weiß nicht, mehr wie viele 16 Unterschiede, oder so etwas, die ich in dem Gutachten formulieren konnte. Also, ein relativ einfacher Fall, konnte man klar sagen, dieser Mensch, der da in der Bank aufgenommen wurde und dieser Verdächtige sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht identisch.«

Mit diesem neuen Gutachten beantragt Andreas Kühn die Wiederaufnahme seines Verfahrens. Doch trotz der klaren Aussage des Experten lehnt das Gericht den Antrag in erster Instanz ab.

So ergeht es vielen Verurteilten, nur wenige bekommen die Chance einer erneuten Verhandlung. Der Kriminologe Holm Putzke beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema.

O-Ton, Holm Putzke, Kriminologe, Universität Bochum:

H. Putzke



»Dass es so selten erfolgreiche Wiederaufnahmeverfahren gibt, das hat mehrere Gründe. Ein Grund ist, dass die Justiz kein Interesse daran hat, erfolgreiche Wiederaufnahmeverfahren durchzuführen. Weil es ja irgendwie an der Unfehlbarkeit der Justiz kratzt. Und der zweite Grund ist, dass es in der Politik auch keine Lobby gibt, für Unschuldige, die im Gefängnis sitzen. Man geht einfach davon aus, das mögen zwar ein paar sein, aber es sind so wenige, dass sich der Einsatz für diesen Personenkreis einfach nicht lohnt.«

Wie viele Menschen unschuldig im Knast sitzen, ist nicht bekannt. Experten rechnen jedoch mit mehreren Tausend. Und wer, wie Andreas Kühn, seine Schuld nicht eingesteht, wird oft besonders hart bestraft.

O-Ton, Andreas Kühn:
»Ich habe halt gleich am Anfang meiner Haft mich mit dem Fall beschäftigt und hab signalisiert, ich bin unschuldig, ich möchte eine Wiederaufnahme des Verfahrens bekommen und da war ich sofort ein rotes Tuch für die sämtlichen Bediensteten und galt als Querulant.«

Als Tatleugner muss er seine Strafe bis zum Ende absitzen. Eine frühzeitige Entlassung wegen guter Führung findet in solchen Fällen so gut wie nie statt. Außerdem bekommt Andreas Kühn keinerlei Hafterleichterungen. Er durfte nicht einmal seine todkranke Mutter besuchen.

O-Ton, Andreas Kühn:
»Das war für mich eine Katastrophe. Das ist es auch bis heute. Und ich konnte bis heute nicht richtig Abschied nehmen, weil ich nur zur Beerdigung raus durfte in Hand- und Fußfesseln.«

Kühn kämpft weiter. Am 23. Juli dann die überraschende Wende: Das Oberlandesgericht Stuttgart urteilt: Das Verfahren gegen Andreas Kühn wird wieder aufgenommen. Hoffnung auf Freiheit, nach neun Jahren Haft.


http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid...9zqb/index.html

#2 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 23.08.2013 16:35

http://www.bild.de/regional/stuttgart/fi...13074.bild.html

Dieser Fall wird nun verfilmt.

#3 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von Sunny 26.01.2014 12:23

Der Fall Harry Wörz

Sendetermin 29.1.14 20.15 Uhr ARD


http://www.daserste.de/unterhaltung/film...-woerz-100.html

#4 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von Sunny 17.04.2014 17:59

Staat hat Strafrechtsentschädigung für Harry Wörz festgelegt
Justizopfer nennt die Summe eine "Lachplatte"

Harry Wörz bekommt eine seit Jahren erwartete Strafrechtsentschädigung. Das teilte jetzt die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe mit. Die Zahlung steht Wörz unter anderem zu, weil er viereinhalb Jahre lang unschuldig im Gefängnis gesessen hatte. Gegenüber dem SWR bezeichnete er die Summe allerdings als "Lachplatte".

Nähere Einzelheiten zu der Entschädigung nannte der Bauzeichner aus Birkenfeld-Gräfenhausen nicht. Er werde aber dagegen klagen, sagte der Mann, der rund 13 Jahre lang in mehreren Prozessen um einen Freispruch gekämpft hatte.
Wörz war vorgeworfen worden, er habe 1997 versucht, seine Ex-Frau fast zu Tode gewürgt zu haben. Dafür hatte ihn das Landgericht Karlsruhe zu elf Jahren Haft verurteilt. Er hatte die Tat stets bestritten. Nachfolgende Prozesse gewann Harry Wörz zwar immer wieder. Doch in Revisionen wurden diese Urteile regelmäßig kassiert. Erst 13 Jahre später sprach der Bundesgerichtshof Wörz endgültig von dem Vorwurf des versuchten Totschlags frei.
Seither wartete der Bauzeichner aus Birkenfeld-Gräfenhausen auf eine Wiedergutmachung des Staates, die ihn für das erlittene Unrecht entschädigt und seine enormen Anwalts- und Gerichtskosten deckt. Dazu kommen die über den gesamten Zeitraum ausgefallenen Beiträge für die Rentenversicherung und ein fairer Ausgleich für entgangene Gehälter. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft hatte Harry Wörz zwar bereits zwei Vorschüsse in Höhe von knapp 42.000 Euro erhalten. Das habe ihm jedoch nach eigenen Worten nicht einmal ansatzweise geholfen, entstandene Kosten zu decken.
Harry Wörz, eines der bekanntesten Justizopfer Deutschlands, ist heute arbeitsunfähig und schwer traumatisiert. Das bestätigt ein Gutachten, das im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft erstellt wurde.

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw...wj7y/index.html

#5 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 27.08.2014 10:01

Harry Wörz über sein Leben nach dem Gefängnis
"Ich werde weiterkämpfen"

Es scheint eine unendliche Geschichte: Seit Jahren kämpft Justizopfer Harry Wörz um eine angemessene Entschädigung. Wie es ihm momentan geht, hat er dem SWR geschildert.

Harry Wörz will Gerechtigkeit. Bedingung für ihn ist, dass er sowohl für den Zeitraum, den er unschuldig im Gefängnis saß, entschädigt wird, als auch für die Jahre danach, die ihm mehrere Prozesse sowie Unsummen von Gerichts- und Anwaltskosten beschert haben. Seit der Birkenfelder des versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau bezichtigt wurde, besteht sein Leben nur noch aus Prozessen und dem Kampf mit den Justizbehörden. Heute ist der 47-Jährige psychisch angeschlagen und nicht mehr arbeitsfähig.

1.676 Tage unschuldig im Gefängnis

Bei Interviews blättert Wörz unentwegt in Aktenordnern. Ohne Akten kein öffentlicher Auftritt. An ihnen hält er sich fest, sie sind zu seinem Lebensinhalt geworden. Seit Juli ist er offiziell wegen Arbeitsunfähigkeit berentet: 25 Euro Haftentschädigung hat Wörz für jeden der 1.676 Tage bekommen, die er unschuldig hinter Gittern war. Eine lächerliche Summe, sagt er. Er zeigt einen Brief, in dem der Justizminister persönlich versichert, Wörz seien alle entstandenen Kosten zu begleichen.

Die Realität sieht offenbar anders aus.

Der wahre Täter ist nicht gefasst
Harry Wörz ist enttäuscht, verbittert und tief verletzt: über das Schicksal seiner Ex-Frau, die seit dem Überfall auf sie ein Pflegefall ist. Und darüber, dass der wahre Täter noch immer frei herumläuft. Das Verhältnis zu seinem Sohn, der bei den Großeltern aufwuchs, ist zerbrochen. Auf die Frage, ob es auch etwas Schönes in seinem Leben gebe, muss er lange nachdenken: ja, seine neue Familie gebe ihm Kraft – aber sonst…

Und dann rafft er sich doch wieder auf - denn jetzt hat er gerade gegen das Land Baden-Württemberg geklagt. Wörz bleibt ein Getriebener - und er wird weiterkämpfen.

Wörz klagt gegen das Land
Harry Wörz hat im Juli 2014 eine Klage beim Landgericht Karlsruhe eingereicht. Er kämpft um Wiedergutmachung, die über die ihm zugesprochene Haftentschädigung und die Erstattung des Verdienstausfalles hinausgehen soll. Zudem will er vom Land eine unbefristete Berufsunfähigkeitsrente - die hat ihm das Land bislang nur bis 2016 gewährt.

Wörz war 1998 zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er seine damalige Frau fast zu Tode gewürgt haben soll. Nach einem zwölfjährigen Gerichtsmarathon wurde er 2010 vom Bundesgerichtshof endgültig wegen erwiesener Unschuld freigesprochen.

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw...ngn1/index.html

#6 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 27.08.2014 10:02

27.08.2014
22:00 Uhr Unter Anklage: Der Fall Harry Wörz

Fernsehfilm Deutschland 2014 | SR Fernsehen

"Unter Anklage: Der Fall Harry Wörz" erzählt von einem der aufsehenerregendsten Justizirrtümer der Bundesrepublik, von der Ohnmacht des Einzelnen gegen die Beharrlichkeit des Justizsystems und von der Kraft und dem Durchhaltewillen, die notwendig sind, um die Unschuld eines Justizopfers offenbar werden zu lassen.

http://programm.ard.de/TV/Programm/Jetzt...848612719401752

#7 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 23.02.2015 10:08

BADEN-WÜRTTEMBERG
23.02.2015
Entschädigungsverhandlung zu Harry Wörz am 8. Juni

Karlsruhe dpa/lsw
Der Rechtsstreit von Justizopfer Harry Wörz um eine höhere Entschädigung soll am 8. Juni vor dem Landgericht Karlsruhe verhandelt werden. Das teilte das Gericht am Montag mit. Wörz war wegen versuchten Totschlags an seiner Frau verurteilt worden - er saß viereinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis.

Die Frau war 1997 mit einem Schal gewürgt worden und ist seitdem schwerbehindert. Wörz fordert nun mit seiner Klage vom Land Baden-Württemberg einen höheren Betrag für seinen Verdienstausfall sowie den Ersatz weiterer Kosten und Schäden, die ihm durch seine Inhaftierung entstanden sind. Er will unter anderem 86 000 Euro mehr für seinen Verdienstausfall sowie eine längere Berufsunfähigkeitsrente. Bislang wurden ihm knapp 156 000 Euro als Entschädigung für den Verdienstausfall zugebilligt.

http://www.schwaebische.de/region/baden-...d,10180873.html

#8 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 10.07.2015 19:09

Justizopfer Harry Wörz
Verhandlungen ziehen sich bis in den Herbst
SIR/dpa, 10.07.2015 12:55 Uhr


Karlsruhe - Der Entschädigungsprozess des Justizopfers Harry Wörz wird erst nach den Sommerferien fortgesetzt. Ein neuer Verhandlungstermin ist nach Angaben des Landgerichts Karlsruhe noch nicht bestimmt. Nachdem Wörz das Vergleichsangebot des Landes abgelehnt hat, kann er nun ergänzende Angaben für den weiteren Prozess vortragen. „Wir waren bereit, eine sechsstellige Summe zur Abgeltung aller Forderungen zu bezahlen“, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, Jürgen Gremmelmaier, am Freitag.

Keine Stellungnahme von Wörz
Das Land habe ein „großzügiges Vergleichsangebot“ unterbreitet, mit dem der Rechtsstreit umfassend und endgültig hätte abgeschlossen werden können. „Alle Forderungen hätten damit abgegolten werden sollen. Leider wurde dieses Angebot - ohne Angabe von Gründen - abgelehnt“, bedauerte der Gerichtssprecher. Von Wörz oder seiner Anwältin gab es dazu auf Anfrage keine Stellungnahme. Wörz hatte nach Medien-Berichten seine Ablehnung des nicht näher genannten Betrags mit „hohen Steuern“ und weiteren Abzügen begründet. Auch müsse er davon Anwaltskosten für einige Prozesse und Schulden abzahlen.

Der 49-Jährige aus Birkenfeld bei Pforzheim steht für einen der spektakulärsten Justizirrtümer: Er war 1998 wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau verurteilt worden und saß viereinhalb Jahre unschuldig im Gefängnis. Er stritt 13 Jahre vor verschiedenen Gerichten, bis er im Dezember 2010 rehabilitiert wurde.

Bislang hat der Staat dem Installateur knapp 156.000 Euro zugebilligt. Wörz will vom Land Baden-Württemberg zusätzlich 86.000 Euro für seinen Verdienstausfall. Außerdem verlangt er einen Ausgleich der Kosten für Anwälte und Möbel aus seiner wegen der Haft aufgelösten Wohnung in Höhe von 26.000 Euro (Az.: 10 O 370/14). Schließlich fordert er eine Berufsunfähigkeitsrente über das Jahr 2016 hinaus.

Wörz war vorgeworfen worden, 1997 seine damals von ihm getrennt lebende Frau mit einem Schal fast zu Tode gewürgt zu haben. Die frühere Polizistin ist heute ein schwerer Pflegefall und kann sich nicht mehr mitteilen. Wer die Tat verübte, wurde nie aufgeklärt.

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt...22b6ac715a.html

#9 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 10.01.2017 09:39

Baden-Württemberg einigt sich mit Justizopfer
450.000 Euro Entschädigung für Harry Wörz

Es schien eine unendliche Geschichte zu werden - der Kampf des Birkenfelder Justizopfers Harry Wörz um Wiedergutmachung. Am Montag kam der jahrelange Kampf um eine Entschädigung zu einem Ende.

450.000 Euro bekommt Harry Wörz – für alle vergangenen und künftigen Verdienstausfälle und für alle materiellen Schäden, die er seit seiner zu Unrecht erfolgten Inhaftierung erlitten hatte. Das teilte das Landgericht Karlsruhe am Montag mit. Beide Seiten hätten nach einer mündlichen Verhandlung im Juni 2015 außergerichtlich weiter verhandelt und sich geeinigt. Das Landgericht habe den Vergleich mit Beschluss vom 22. Dezember 2016 festgestellt.

Der heute 50-jährige gelernte Installateur und Bauzeichner war 1998 vom Landgericht Karlsruhe wegen versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau zu elf Jahren Haft verurteilt worden und hatte viereinhalb Jahre zu Unrecht hinter Gittern gesessen. Nach einem jahrelangen Prozessmarathon wurde er 2010 vom Bundesgerichtshof endgültig freigesprochen; der wahre Täter wurde nie ermittelt.
Fall abgeschlossen

In einem ersten Vergleich hatte das Land nur gut 150.000 Euro als Entschädigung angeboten. Laut Wörz – seit Jahren pychisch angeschlagen und arbeitsunfähig - nur ein Bruchteil des tatsächlichen Schadens. Mit der jetzt erfolgten Einigung ist der Fall Wörz zumindest juristisch endgültig abgeschlossen, damit seien sämtliche Ansprüche abgegolten, heißt es vonseiten des Landgerichts.

Während des Entschädigungsverfahrens im vergangenen Jahr hatte Wörz gesagt, "die haben mein Leben kaputt gemacht". Sein Vorwurf richtete sich gegen Polizei und Justiz. Der damalige Justizminister Rainer Stickelberger (SPD) äußerte Verständnis. Er bedauere "zutiefst die großen Belastungen, denen Herr Wörz ausgesetzt war und bis heute ist", sagte ein Sprecher damals.

http://www.swr.de/landesschau-aktuell/bw...0ewu/index.html

#10 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 17.01.2017 19:28

Justizopfer Harry Wörz
Ein zerstörtes Leben
Von Christine Keck 17. Januar 2017 - 15:26 Uhr


Mit Geld lasse sich ein Justizirrtum nicht wieder gut machen, sagt Harry Wörz und fordert späte Aufklärung. Der wahre Täter sei noch auf freiem Fuß uns müsse endlich gefasst werden.

Pforzheim - Hinter seinen Akten sucht Harry Wörz Schutz. Sie geben ihm Halt, sie dokumentieren den Teil seiner Vergangenheit, mit dem er so gerne abschließen würde, aber nicht kann. In einer Stofftasche hat er sie vor sich gestapelt im Pforzheimer Hotel Residenz, einen Ordner im Jeans-Look lässt er fast eineinhalb Stunden lang nicht mehr los. In den Tagungssaal Tanne im Erdgeschoss hat der 50-Jährige zu einer Pressekonferenz geladen. Um zu erzählen, wie er Opfer eines Justizdramas wurde, das mit schlampiger Ermittlungsarbeit der Polizei begann und mit einem Fehlurteil noch lange nicht aufhörte. Viereinhalb Jahre saß der gelernte Installateur und Technische Zeichner wegen versuchten Totschlags an seiner damaligen Frau im Gefängnis. Zu Unrecht – wie der Bundesgerichtshof viele Prozesse später urteilte. Es muss ein anderer gewesen sein, der 1997 die junge Polizistin Andrea Z. im Schlaf mit einem Schal zu erdrosseln versuchte. Sie überlebte schwer verletzt, ist bis heute ein Pflegefall und kann zur Aufklärung des Verbrechens nichts beitragen.


„Dieser Staat hat mir mein Leben kaputt gemacht“, sagt Harry Wörz, ein muskulöser Mann mit Schnauzer und einem schwarz-verwaschenen T-Shirt, auf dem noch die Konturen eines Totenschädels zu sehen sind. Er glaubt nicht mehr an einen Neu­anfang, zu oft hat er es schon versucht. „Wie weitermachen?“ – das ist seine größte Sorge. Immerhin eines hat er nach einem langen Rechtsstreit mit dem Land Baden-Württemberg vor Kurzem errungen: eine Entschädigung über 450?000 Euro. Eine Summe, die vor allem den bisherigen und künftigen Verdienstausfall abdecken soll, wie das Landgericht Karlsruhe mitteilte.

Mit dem Vergleich sind sämtliche Ansprüche abgegolten

Beide Seiten hatten nach einer münd­lichen Verhandlung im Juni 2015 außergerichtlich weiterverhandelt und sich in einem Vergleich geeinigt. Damit sind sämtliche Ansprüche abgegolten. Zumal Wörz schon einmal 184?000 Euro erhalten hat. Zufrieden ist er damit nicht. „Ich habe abschließen müssen, ich hatte keine Wahl“, sagt Wörz. Die Ärzte hätten ihn gedrängt, auf seine Gesundheit zu achten. „Die sagen, sonst mache ich es nicht mehr lange.“

Keine fünf Minuten hat er in der Nacht auf Dienstag geschlafen. Das Adrenalin hat ihn wachgehalten, das Kopfkino. Wörz ist ein Gezeichneter – gezeichnet von der Zeit im Gefängnis, als er wieder und wieder die Akten studierte und säuberlich abschrieb. Von den Prozessen, die er anstrengte, um seine Unschuld zu beweisen. 2005 sprach ihn das Landgericht Mannheim frei – ein Urteil, das der Bundesgerichtshof wegen Mängeln in der Beweisführung wenig später kassierte. 2009 wird Wörz erneut freigesprochen. Er ist gezeichnet von den Verlusten, die ihm bis heute zusetzen. „Ich habe­ nicht nur meine Frau, sondern auch meinen Sohn verloren“, sagt Wörz, der keinen Kontakt mehr zu ihm hat. Das Sorgerecht ist ihm während der Haft von den Schwiegereltern entzogen worden. Der junge Mann ist wie seine Mutter und sein Großvater zur Pforzheimer Polizei gegangen. Vielleicht werde er sich eines Tages wieder melden, wünscht sich Wörz. Er will seinen Sohn nicht bedrängen.

Von der Justiz ist Wörz tief enttäuscht

Auf eine offizielle Entschuldigung für seine Jahre im Gefängnis warte er bis heute, sagt Wörz. Er ist nicht nur von der Justiz tief enttäuscht. Auch auf die Politiker ist er nicht gut zu sprechen. „Das sind alles Schwätzer“, ist er überzeugt. So sehr hatte er darauf gesetzt, dass die zermürbenden Entschädigungsverhandlungen durch ein politisches Machtwort abgekürzt werden würden. Vergeblich. „Es war entwürdigend“, kommentiert Sandra Forkert-Hosser, die Rechtsanwältin von Wörz, die Auseinandersetzung mit dem Land. „Ein Opfer wird in die Rolle des Bittstellers gedrängt.“ Von den 450?000 Euro habe Wörz vorsorglich bereits 190?000 an das Finanzamt überwiesen. Die erhaltene Zahlung müsse er voll versteuern, da bleibe nicht mehr viel übrig für den Familienvater, der mittlerweile mit seiner zweiten Frau und der gemeinsamen neunjährigen Tochter ein neues Leben führt. Nach seiner Freilassung hatte er die Einzelhandelskauffrau auf einer Silvesterparty kennen- und lieben gelernt.

Ein Justizirrtum lässt sich nicht durch Geld wiedergutmachen. Er würde auf alles verzichten, wenn er seine Gesundheit wieder erhielte, sagt Wörz. Er habe Angstzustände, leide unter Depressionen, gehe einmal die Woche zur Psychotherapeutin. Sich für eine längere Zeit zu konzentrieren, fällt Wörz schwer. Er ist berufsunfähig – zumindest zurzeit. Vielleicht könne er in einer Weile wieder arbeiten, hofft er. „Irgendwann muss es wieder gehen.“

Am meisten treibt ihn um, dass der Mann, den er für den Täter hält, immer noch frei herumläuft. Nach Wörz’ Freispruch haben die Behörden die Ermittlungen gegen den damaligen Liebhaber von Andrea Z. aufgenommen, auch er ist Polizist. Für drei Jahre wurde er vom Dienst suspendiert, es wurden Zeugen erneut gehört, Spuren untersucht, die alten Akten aus den Archiven wieder geöffnet. 2013 wurden die Ermittlungen gegen den Verdächtigten eingestellt. „Ich habe damals Beschwerde eingereicht“, sagt Wörz, „gebracht hat das aber nichts.“

Harry Wörz klappt den Jeans-Ordner im Tagungsraum zu. Er will sich noch mit seiner Anwältin beraten. „Es ist eine unendliche Geschichte“, sagt er. „Es wäre schön, wenn ich sie abschließen könnte.“

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/in...51c1d75fd2.html

#11 RE: Harry Wörz -Unschuldig nach 9 Jahren Haft frei von 18.01.2017 18:28

Justizopfer Harry Wörz erhebt Vorwürfe gegen Polizei
Harry Wörz ist viereinhalb Jahre zu Unrecht im Gefängnis gesessen. Er fordert, dass die Ermittlungen zum versuchten Totschlag an seiner Ex-Frau fortgesetzt werden.


War es das? Ist das nun der Schlussstrich unter einer fast zwanzigjährigen Tragödie dieses Mannes? Er will es. Sagt er. Und man wünscht es ihm. Aber richtig glauben kann man es ihm nicht. Denn wenn es der Schlussstrich wäre, dann gäbe es all das hier bald nicht mehr, die TV-Kameras, die Fotografen, die Fragen der Journalisten, meist teilnahmsvoll, manchmal skeptisch. Der Gastgeber leidet, das weiß und sieht man. Aber irgendwie wird man das Gefühl nicht los: Er genießt das auch.

Es ist Harry Wörz, 50, gelernter Bauzeichner – und Justizopfer. So nennt und kennt man ihn. Er hat viereinhalb Jahre im Gefängnis gesessen für eine Tat, die er nicht begangen hat. Und als dies endlich rechtskräftig festgestellt war vom Bundesgerichtshof – dreizehn Jahre nach der Tat und neun Jahre nach seiner Entlassung –, da musste er noch volle sechs Jahre um Entschädigung kämpfen gegen das Land Baden-Württemberg und dessen Justiz.

Ein junger Familienvater aus einfachen Verhältnissen ist darüber zum Frührentner geworden. Aber immerhin, jetzt hat er die Entschädigung. Sie ist hoch, 450 000 Euro aus der Landeskasse, so hoch, dass Wörz für diesen Tag eingeladen hat, um etwas klarzustellen: "Das klingt nach viel, aber es bleibt nichts übrig, für mich ist es eine Nullsumme."

Wo ist die Verantwortung des Dienstherrn der Justiz?

Es ist ein Vorstadthotel in einem Gewerbegebiet von Pforzheim. Harry Wörz stammt aus der Gegend, er hat den engen Raum selbst angemietet mit seiner Rechtsanwältin für den Gang an die Öffentlichkeit. "Fangen wir an, dann ist es schneller rum." So hat er sein Publikum begrüßt, mit seinem leisen schwäbelnden Badisch, das die Leute hier sprechen. Auf dem Tisch neben ihm liegt eine Jutetasche mit einem Aktenordner und dem Aufdruck: "Wir übernehmen Verantwortung". Er wünschte sich wohl, das wäre ein Bekenntnis der Landesregierung, speziell auf seinen Fall gemünzt. Aber es ist bloß der Werbeslogan einer Lebensmittelkette.

Verantwortung wäre in diesem Fall die des Dienstherrn für einen schweren Irrtum seiner Justiz, für Ermittlungspannen seiner Polizei, womöglich für die wissentliche Verfolgung falscher Spuren und eine folgenschwere falsche Verdächtigung.

Es war der 29. April 1997. Harry Wörz’ Ehefrau, eine Polizistin, die seit einem Jahr getrennt von ihm lebte, Mutter seines zweijährigen Sohnes, war in ihrem Haus in den frühen Morgenstunden mit einem Schal stranguliert worden. Ihr Vater, der in der Einliegerwohnung schlief, auch er Polizist, fand sie bewusstlos und leistete Erste Hilfe. Aber der Sauerstoffmangel durch minutenlange Drosselung hatte das Hirn geschädigt und bewirkt, dass Andrea S. bis heute ein Pflegefall ist und bleiben wird. Sie konnte und kann nicht sagen, wer derjenige war, der ihr dies antat.

Die Kollegen der Pforzheimer Polizei ermittelten anfangs neben Harry Wörz auch gegen den Geliebten der Schwerverletzten, auch dieser ein Polizist. Doch dessen Ehefrau gab ihm ein Alibi. Zudem schien der andere Verdächtige, der verlassene Harry Wörz, das triftigere Motiv zu haben – etwa eine Lebensversicherung seiner Frau, an die er angeblich heranzukommen hoffte. Erst später und durch Zufall kam heraus, dass Wörz entgegen Behauptungen der Fahnder gar nicht zuteilungsberechtigt war, sondern ihr Vater.

Doch bis dahin nahm das Drama unerbittlich seinen Lauf. Harry Wörz, damals 31, wurde vom Landgericht Karlsruhe am 16. Januar 1998 – fast auf den Tag genau vor 19 Jahren – in einem Indizienprozess wegen versuchten Totschlags zu elf Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Irgendwann in der U-Haft hat er laut Akten einmal den denkwürdigen Satz gesagt: "Ich war alles, ohne Wenn und Aber." Für Ermittler und Gericht war dies so gut wie ein Geständnis – obwohl Harry Wörz es widerrief. Er sagte, er habe das der Polizei hingeworfen, als er von ihr unter Druck gesetzt worden sei. Sie habe ihm gedroht, er werde im Gefängnis keinen Besuch mehr bekommen, wenn er nicht gestehe. Doch all dies, die Lebensversicherung, das widerrufene Geständnis und andere Ungereimtheiten, wurde erst Jahre später so gründlich verhandelt, wie es sich gehört – erst in einem Wiederaufnahmeverfahren.

Zunächst war Wörz zu langer Strafhaft verurteilt, der BGH verwarf seine Revision. Und hätten ihn nicht die Eltern des Opfers vor einem Zivilgericht auf Schadenersatz für die Pflegekosten der Tochter verklagt, er hätte seine Strafe wohl absitzen müssen. Dieses Gericht jedoch äußerte "erhebliche Zweifel" an der Schuld des Beklagten, kritisierte die Ermittlungsmethoden der Pforzheimer Polizei und schuf damit Chancen für einen Antrag auf Wiederaufnahme des Strafverfahrens.

Vom Oberlandesgericht gezwungen

Beim Landgericht Mannheim, wohin der Fall dann ging, sträubte man sich mehrfach gegen einen neuen Prozess und musste nach Beschwerden des Wörz-Verteidigers Hubert Gorka erst vom Oberlandesgericht dazu gezwungen werden. Am Ende einer langen Kette von Wiederaufnahmeverfahren, Revisionen, erneuten Verfahren, die sich von 2001 bis 2009 hinzog, aber stand das Urteil einer Mannheimer Strafkammer: Freispruch.

Die Kammer hatte die Beweiswürdigung noch einmal völlig neu aufgerollt, erkannte Betriebsblindheit bei der Pforzheimer Polizei, unterstellte gar Kumpanei gegen den einzigen Nichtpolizisten des Falles, Harry Wörz, sah Stümperei bei der Beweissicherung am Tatort, kritisierte Unterschlagung von Zeugenaussagen, die für Wörz entlastend waren, und kam in der Urteilsbegründung zu dem bemerkenswerten Satz: "Es wäre unvollständig zu sagen, Herr Wörz ist nicht der Täter, wenn wir verschweigen, dass die Kammer H. für den wahrscheinlichen Täter hält."

H. war der Geliebte des Opfers. Sein mögliches Motiv? Dieser habe sich damals in einem "Gefühlskonflikt" befunden zwischen der Ehefrau und der Geliebten, bedroht von einer Scheidung mit finanziellen Folgen und dem Verlust seiner Kinder. Eine Revision der blamierten Staatsanwaltschaft verwarf der BGH am 15. Dezember 2010. Harry Wörz ist seitdem rechtskräftig freigesprochen.

Und hat jetzt nach langem, zermürbendem Kampf endlich seine Entschädigung. Da ging es nicht nur um die Hafttage, auch um den Verdienstausfall und darum, was der umgeschulte Bauzeichner wohl heute verdienen würde, hatte man ihn nicht aus dem Erwerbsleben gerissen. Es ging um seine angekratzte Gesundheit, den Schlafmangel, die posttraumatische Störung – und auch um seinen während der Haft vergammelten Hausstand. Ein Gutteil der Summe muss er auch noch versteuern.

"Warum soll ich zufrieden sein?", fragt der kleine, muskulöse Mann mit den müden Augen. Die Entschädigungssumme kursiert schon seit gut einer Woche. Bereits am Tag, da sie publik wurde, so erzählt Wörz nur halb im Scherz, hätten die ersten Anlageberater vor seiner Haustür gestanden. Dabei blieben ihm, versichert er, nach dem Bezahlen seiner Schulden, seiner Anwaltskosten und der Steuern am Ende 600 Euro im Monat zum Leben. Und ohne anwaltlichen Beistand, Ausdauer und Verhandlungsgeschick wäre nicht einmal das herausgekommen.

Es läuft immer noch einer frei herum

Auch ein Staat, dessen Beamte sich schwer geirrt und dabei vielleicht eine Biografie ruiniert haben, will erst mühsam an seine Wiedergutmachungspflichten erinnert werden. Ulrich Schellenberg vom Anwaltverein findet das "schlicht schäbig". "Entschuldigt hat sich bei mir bis heute niemand", sagt Wörz. Rainer Stickelberger (SPD), der vormalige Justizminister, ließ immerhin ausrichten, er bedauere "zutiefst die großen Belastungen, denen Herr Wörz ausgesetzt war und bis heute ist". Was Wörz vor allem von Triumph abhält, ist dies: "Es läuft immer noch einer frei rum" Gegen H., den Geliebten, bekräftigt die Staatsanwaltschaft Karlsruhe jetzt noch einmal, habe es keinen hinreichenden Tatverdacht gegeben. Das Verfahren ist seit 2013 eingestellt.

Und Harry Wörz? "Ihr müsst weitersuchen", fordert er. Er selbst will abschließen mit allem, sagt er, "wegen der Gesundheit". Dann aber greift er doch wieder zu einer seiner Akten, in denen er alles penibel mit Klarsichtfolien und Registerkarten geordnet hat, auch die Stichworte für seinen Auftritt anderntags in der SWR-Landesschau. Und man hat den Eindruck: Mit den Reparaturen an seiner Biografie, die andere ihm vermiest haben, ist dieser Mann noch längst nicht fertig.

http://www.badische-zeitung.de/suedwest-...-132563262.html

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