#1 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 11.04.2014 10:40

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Fall der vermissten Peggy: Ulvi K. bestreitet Mord
Wiederaufnahmeverfahren um Tötung von Neunjähriger



Peggy aus Lichtenberg verschwand 2001
Mit massiver Kritik an der Polizei hat das Wiederaufnahmeverfahren im Mordfall Peggy begonnen: Der Verteidiger des angeklagten Ulvi K. führte vor dem Landgericht Bayreuth auch ein falsche Geständnis seines Mandanten, das zu dessen erster Verurteilung wegen Mordes an Peggy vor zehn Jahren geführt hatte, auf das Vorgehen der Ermittler zurück. Auch mehrere Zeugen belasteten die Polizei.
Verteidiger Michael Euler sagte, sein Mandant bestreite das Tötungsdelikt und den sexuellen Missbrauch des aus dem fränkischen Lichtenberg stammenden Mädchens. Dieses ist seit Mai 2001 spurlos verschwunden, Peggys Fall ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle in Deutschland. Obwohl trotz großangelegter und wiederholter Suchaktionen Peggys Leiche nicht gefunden werden konnte, geht die Polizei von einem Mord aus.
In einem ersten Prozess war 2004 der ebenfalls aus Lichtenberg stammende Ulvi K. vom Landgericht Hof wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach damaliger Überzeugung des Gerichts tötete Ulvi K. das Mädchen, weil dieses gedroht habe, ihrer Mutter von einer Vergewaltigung wenige Tage vorher zu berichten. Seine Haftstrafe musste der inzwischen 36-Jährige noch nicht antreten, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern sitzt er in der Psychiatrie.
Dass K. zum Mord ein später von ihm widerrufenes Geständnis ablegte, begründete der Verteidiger mit "Suggestion" durch die Polizisten. Die Polizisten hätten ihn mit dem Versprechen zum falschen Geständnis gebracht, dass er dann nicht ins Gefängnis, sondern in ein Krankenhaus komme.
Außerdem hätten sie Ulvi K. auch "gefoltert". Die Staatsanwaltschaft verbat sich diese Aussage. Ein Richter, der dazu Ermittlungen führte, bestätigte als Zeuge, dass ein Polizist dem Behinderten mit einem gezielten Fingerdruck auf den Rücken während der Vernehmungen Schmerzen zugefügt habe.
Der Richter bestätigte auch, dass sich ein Belastungszeuge des ersten Prozesses durch die Polizei zu einer Falschaussage veranlasst sah. Er hatte damals ausgesagt, Ulvi K. habe ihm gegenüber den Mord an Peggy gestanden. Diese Falschaussage habe der mittlerweile verstorbene Zeuge später damit begründet, dass ihm die Polizisten Hilfe für seinen eigenen Fall versprochen hätten. Die Falschaussage war einer der Gründe für die Wiederaufnahme.
Zweiter Grund für die Wiederaufnahme sind Zweifel an einem für das Urteil maßgeblichen Gutachten. Der Gutachter ging damals davon aus, dass die Ermittler keine Tathergangshypothese aufgestellt hatten und folglich K. keinen Tatablauf suggerieren konnten. Doch mittlerweile steht fest, dass es solch eine Tathergangshypothese gab und diese frappierend dem widerrufenen Geständnis ähnelt.
Am Donnerstag ging das Gericht auch einer Spur nach, wonach Peggy am Tattag in ein fremdes Auto gestiegen sein könnte. Dies hatten damals zwei Mitschüler des Mädchens ausgesagt. Die beiden inzwischen jungen Männer beharrten auch fast dreizehn Jahre nach dem Ereignis darauf. "Ich habe gesehen, wie sie ins Auto eingestiegen ist", sagte einer der Zeugen vor Gericht. Dass sie damals diese Aussage bei Polizeivernehmungen zurückgenommen hatten, begründeten die beiden mit Einschüchterungen durch die Polizisten.


https://de.nachrichten.yahoo.com/ulvi-k-...-131725319.html

#2 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 11.04.2014 10:41

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10.04.2014

Prozessauftakt im Fall Peggy Knobloch
Ein Händedruck für Ulvi K.

Von Gisela Friedrichsen, Bayreuth

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Ulvi K. wurde vor zehn Jahren wegen Mordes an der neunjährigen Peggy Knobloch verurteilt. Die Ermittlungen erscheinen aus heutiger Sicht skandalös. In Bayreuth wird der Prozess nun neu aufgerollt. Es ist auch die Justiz selbst, die hier vor Gericht sitzt.
Es sah aus, als könnte Ulvi K., 36, einen besseren Beweis kaum liefern, dass er möglicherweise fast lehrbuchhaft ein Kandidat für ein falsches Geständnis ist: Wie er am Donnerstag zum ersten Sitzungstag seines Wiederaufnahmeprozesses in den Gerichtssaal im Bayreuther Landgericht schritt - herausgeputzt in hellem Sakko mit dunklem Schlips auf noch dunklerem Hemd -, das war ein großer Auftritt. Sein Auftritt.
Er zog ein in den Saal, mit seinen Anwälten, seiner Betreuerin, dem Gerichtssprecher. Blitzlichter, Fernsehkameras, Publikum, so viel der Saal fasst. Sein Gesicht, der Bedeutung des Auftritts gemäß, ernst und gefasst. Alle Augen richteten sich auf ihn. Er genoss die Aufmerksamkeit sichtlich. Vereinzelt sogar Beifall.
Die Fotografen drängten vor die Anklagebank. Susanne Knobloch, die Mutter von Peggy ging auf K. zu und reichte ihm die Hand. Versteht er, was das heißt? Er blieb sitzen, wirkte irritiert.
Seit 2001 in der Psychiatrie
Eine erhabene Szenerie: der Saal im Halbdunkel, darüber ein gläserner Plafond mit floralen Jugendstilmotiven, die Wandtäfelung ebenfalls Jugendstil, goldverziert. Hinter der von fünf Halogenstrahlern erleuchteten Richterbank Staatsgemälde von Ludwig I. und dem bayerischen Prinzregenten Luitpold. Und davor ein Vorsitzender, Michael Eckstein, von seiner Stimmlage und seinem Habitus wie geschaffen für einen Anlass, in dem die Justiz über sich selbst zu Gericht sitzt.
Dünner ist Ulvi K. geworden in den vergangenen zehn Jahren seit der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Hof, wo er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes an der damals neunjährigen Peggy Knobloch in Lichtenberg verurteilt worden war. Sein Blick ist wacher, weniger ängstlich und verwirrt als damals, als ihm, dem angeblichen Kindermörder, der Volkszorn entgegenschlug. Die Obhut im psychiatrischen Bezirkskrankenhaus Bayreuth hat Ulvi K. offensichtlich gutgetan. Er lerne noch immer Lesen und Schreiben, die Uhrzeit kenne er erst, seitdem er untergebracht ist. Er wünsche sich, sagt sein Verteidiger Michael Euler, eines Tages die Klinik verlassen und in einer betreuten Wohngruppe leben zu dürfen.
Seit 2001 ist Ulvi K. in der Psychiatrie untergebracht, wegen seines auffälligen Verhaltens Kindern und Jugendlichen gegenüber. Er soll vor ihnen die Hosen heruntergelassen und onaniert haben. Ein damals geistig minderbemittelter, massiger Kerl mit dem Gemüt eines Zehnjährigen. Ob er es stets aus eigenem Antrieb tat, ob er dazu oft auch verleitet wurde, weil man sich über ihn lustig machen wollte, steht zur Zeit nicht zur Debatte. Der angesehene Münchner Psychiater Norbert Nedopil legte den Richtern in Hof seinerzeit nahe, Ulvi K. wegen dieses Verhaltens für schuldunfähig zu erklären, worauf er bezüglich dieser Taten auch freigesprochen, aber in die Psychiatrie eingewiesen wurde.
In Bayreuth geht es jetzt nur um den Vorwurf des Mordes an einem Mädchen, dessen Leiche bis heute nicht gefunden ist. Möglicherweise ist Ulvi K. nicht der Täter, so wie es das Landgericht Hof 2004 "zu seiner vollen Überzeugung" festgestellt hat. Möglicherweise werden nun Verdachtsmomente gegen potentielle andere Täter erörtert werden müssen, die seinerzeit von der Polizei falsch eingeschätzt wurden. Ulvi K. hatte damals gestanden - und widerrufen. Die Justiz hatte sich da aber längst schon auf ihn als den Mörder von Peggy festgelegt. Auf den möglichen Verdacht gegen andere Personen kam es nicht mehr an.
"Massiv auf K. eingewirkt"
An der Richtigkeit von K.s Geständnis, laut Verteidiger Euler sollen es insgesamt vier Versionen sein, bestehen heute erhebliche Zweifel. Damals reichten K.s Aussagen sowie die Expertise des renommierten Berliner Psychiaters Hans-Ludwig Kröber dem Gericht zur Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe.
Auch die immer wieder ob ihrer Rechtmäßigkeit angezweifelten Ermittlungen der Polizei werden nun wohl in Bayreuth eine Rolle spielen. Verteidiger Euler behauptete am Donnerstag, sein Mandant sei nicht nur unter falschen Vorzeichen zum Geständnis gedrängt, sondern auch "gefoltert" worden. Dem widersprach allerdings sogleich die Staatsanwaltschaft. Von Folter könne überhaupt keine Rede sein.
Der erste Zeuge ist ein Bayreuther Amtsrichter, der 2010 jenen Mann vernommen hatte, der ursprünglich behauptete, Ulvi K. habe ihm gegenüber in der Klinik ein Geständnis abgelegt. Jener Mann ist inzwischen tot. Er litt unter einem Gehirntumor und habe offenbar gemeint, so der Richter-Zeuge jetzt, sich mit einer derartigen Aussage Vorteile erwerben zu können für seine restliche Lebenszeit. "Und 2010 gab er zu, vor Gericht in Hof die Unwahrheit gesagt zu haben."
Der Mann aus der Klinik habe sich damals von sich aus an einen ihm bekannten Polizeibeamten gewandt und sich bereit erklärt, Ulvi K. auszuhorchen. Der Vorsitzende Eckstein: "Und Ihnen gegenüber sagte er dann, K. habe nie die Tötung gestanden?" "Ja", bestätigt der Amtsrichter. "Ich glaube zwar nicht, dass ihm die Polizei versprach, ihn dafür in die Freiheit zu entlassen, das kann die Polizei gar nicht. Aber vielleicht hat der Mann sich so etwas eingebildet. Er muss jedenfalls massiv auf K. eingewirkt haben. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass K. ihm die Tat nicht gestanden hat."
Weitere Zeugen gab es, sie wurden stets die "kindlichen Zeugen" genannt, weil sie Klassenkameraden von Peggy waren oder etwa in ihrem Alter. Heute sind sie junge Männer und können sich, wenn überhaupt, nur partiell an das erinnern, was sie als Acht- und Neunjährige tatsächlich wahrgenommen haben. Was sie vielleicht von anderen erfahren haben und später als ihre eigene Erinnerung ausgaben und vor allem, was sie in den einzelnen Vernehmungen bei der Polizei ausgesagt haben. Haben sie Peggy wirklich noch lebend gesehen, als Ulvi K. sie angeblich schon umgebracht hatte? Ist sie wirklich in ein rotes Auto, eventuell einen Mercedes mit tschechischem Kennzeichen, eingestiegen und weggefahren? Hatte sie einen Roller dabei oder nicht?
"Ich hatte damals Angst"
Nur so viel: Zwei dieser damals kindlichen Zeugen berichten heute, die Polizei habe einen jeden von ihnen mit dem Argument unter Druck gesetzt, der Freund habe gerade zugegeben, gelogen zu haben. "Ich hatte damals Angst, dass ich Ärger bekomme, wenn ich den Polizisten widerspreche", sagt der eine vor Gericht. Der andere äußert sich ähnlich. "Wir haben lange nicht darüber gesprochen", sagt der eine heute. "Und dann haben wir festgestellt, dass uns beiden das gleiche erzählt worden war."
Der Sachverständige Kröber ist in einer etwas unangenehmen Situation, schließlich hatte er das angebliche Geständnis von Ulvi K. als glaubhaft und erlebnisbegründet eingestuft. Der Vorsitzende lässt erkennen, dass er den Kernaussagen der kindlichen Zeugen von früher, so verschiedenartig sie auch sein mögen, Glauben zu schenken geneigt ist. Einiges passt nicht, anderes kann durchaus sein, manches reimt sich plötzlich.
Für den Freitag sind als Zeugen Vernehmungsbeamte von damals geladen. Wird einer zugeben, Kinder bedrängt zu haben, von ihren Aussagen abzurücken? Wird einer sagen: Ja, ich habe dem Ulvi angedroht, nicht länger sein Freund zu sein, wenn er nicht endlich die Wahrheit sagt? Die Wahrheit - damit war damals offenbar allein das Mordgeständnis gemeint. Solange K. bestritt, sagte er in den Augen der Polizisten die Unwahrheit.
Kröber soll bereits in der nächsten Woche Stellung zu seinem Gutachten von 2002 nehmen.


http://ml.spiegel.de/article.do?id=963705

#3 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 11.04.2014 10:44

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Prozessauftakt im Fall Peggy: Susanne Koblochs Anwältin mit Statement
Beim Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulac am Landgericht Bayreuth tritt die Mutter von der verschwundenen Peggy Knobloch, Susanne Knobloch, als Nebenklägerin auf. Sie lässt sich von Anwältin Ramona Hoyer vertreten...


VIDEO



http://www.tvbayern.tv/der-tag-in-bayern...waeltin-mi.html

#4 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 12.04.2014 08:55

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Fall Peggy Knobloch: Früherer Chef-Ermittler weist Folter-Vorwürfe zurück


DPA
Zeuge im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K.: Der damalige Chefermittler Wolfgang Geier wies die Vorwürfe zurück
"Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt." Vor dem Landgericht Bayreuth widerspricht der Ex-Chefermittler im Fall Peggy den Vorwürfen, man habe den angeklagten Ulvi K. unter Druck gesetzt.

Bayreuth - Zum Auftakt des Wiederaufnahmeverfahrens im Fall Peggy Knobloch erhob der Verteidiger des Angeklagten schwere Vorwürfe gegen die Ermittler. Der geistig behinderte Ulvi K. sei bei Befragungen unter Druck gesetzt und gefoltert worden. Nun hat der ehemalige Chefermittler Wolfgang Geier die Vorwürfe vor dem Landgericht Bayreuth zurückgewiesen.


"Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen", sagte Geier. "Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt."
K. war im April 2004 als Mörder der neunjährigen Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 7. Mai 2001 war die Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden. An der Richtigkeit von K.s Geständnis gibt es heute erhebliche Zweifel, nachdem ein wichtiger Belastungszeuge eine Falschaussage einräumte. Zudem argumentiert die Verteidigung, K. sei zu dem Geständnis - von dem es vier verschiedene Versionen geben soll - gedrängt worden.

Ex-Chefermittler Geier sagte nun, es sei keine harte Vernehmung gewesen. "Wir wussten: Ein lautes Schimpfwort an den Angeklagten, und er senkt den Kopf und sagt kein Wort mehr." Geier war damals Leiter der Soko "Peggy 2". "Wir haben Ulvi K. zu den Verhörterminen von einem Beamten fahren lassen, der nicht zur Soko gehörte, den Ulvi aber aus dem Ort kannte. Es war uns wichtig, dass ihn eine Person zu den Terminen bringt, die er kennt."

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen den 36-Jährigen: K. habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. "Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte." Dass es keine Aufzeichnung seines Geständnisses im Beisein seines Verteidigers gab, sei nicht die Schuld der Ermittler: "Es wurde versucht, das Geständnis im Beisein seines Rechtsanwalts zu wiederholen, die Termine wurden aber alle vom Rechtsanwalt abgesagt."


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/pe...10.html#ref=rss

#5 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 12.04.2014 08:57

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Prozess im Fall Peggy
Ex-Soko-Chef weist Vorwürfe zurück

SIR/dpa, 11.04.2014 13:38 Uhr


Wurde das Geständnis im Mordfall Peggy mit Hilfe von Foltermethoden erzwungen? Die Versionen des Verteidigers von Ulvi K. und dem früheren Soko-Leiter gehen stark auseinander.

Bayreuth - Im erneuten Prozess gegen den geistig Behinderten Ulvi K. wegen Mordes an der neunjährigen Peggy hat der damalige Chef-Ermittler Vorwürfe der Verteidigung zurückgewiesen. „Wir haben sehr viel Wert daraufgelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen“, sagte der Zeuge Wolfgang Geier am Freitag vor dem Landgericht Bayreuth.

Die Verteidigung hatte am Donnerstag den damaligen Ermittlern Foltermethoden bei der Befragung von Ulvi K. vorgeworfen. Dagegen sagte Geier: „Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt.“

Ulvi K. war im April 2004 als Mörder Peggys zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 7. Mai 2001 war die Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden.

Der Fall wird neu aufgerollt, weil ein Belastungszeuge eingeräumt hatte, beim ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben. Außerdem sollen die Ermittler Ulvi K. bei seinem damaligen Geständnis beeinflusst haben.

„Es war keine harte Vernehmung vorgesehen“, sagte Geier. „Wir wussten: Ein lautes Schimpfwort an den Angeklagten und er senkt den Kopf und sagt kein Wort mehr.“ Der damalige Chef-Ermittler der Soko „Peggy 2“ ergänzte: „Wir haben Ulvi K. zu den Verhörterminen von einem Beamten fahren lassen, der nicht zur Soko gehörte, den Ulvi aber aus dem Ort kannte. (...) Es war uns wichtig, dass ihn eine Person zu den Terminen bringt, die er kennt.“

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen Ulvi K.: Der Gastwirtssohn habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. „Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte.“ Dass es keine Aufzeichnung seines Geständnisses im Beisein seines Verteidigers gab, sei nicht die Schuld der Ermittler: „Es wurde versucht, das Geständnis im Beisein seines Rechtsanwalts zu wiederholen, die Termine wurden aber alle vom Rechtsanwalt abgesagt.“


http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt...5456392c70.html

#6 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 12.04.2014 09:08

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11.04.2014 21:48 Uhr
Fall Peggy: Chef-Ermittler im Kreuzverhör


BAYREUTHVon Manfred SchererZum Prozessauftakt im Fall Peggy gab es am Donnerstag noch Applaus für den Angeklagten, am zweiten Tag schon Rosen für Ulvi Kulac. Danach folgte stundenlanges, mühsames Durchforsten von Prozessakten auf der Suche nach der Frage: Wurde dem Angeklagten mit einer Tathergangshypothese das Geständnis eingeredet? Im Mittelpunkt dabei: Der Chef der zweiten Soko, Wolfgang Geier. Er behauptete überraschend: Eine solche Hypothese kannte er nicht, weil er im Urlaub war. Die Hypothese steckte in den Nebenakten.

+
Am zweiten Verhandlungstag bekam der angeklagte Ulvi Kulac eine Rose geschenkte. Foto: Wittek

Geiers Behauptung steht im Widerspruch zum zentralen Grund, den das Landgericht Bayreuth am 9. Dezember 2013 für die Wiederaufnahme des Verfahrens zugunsten des wegen Mordes an Peggy Knobloch verurteilten Kulac angeführt hatte: Dass die Tathergangshypothese – erstellt von dem bekannten Fall-Analytiker Alexander Horn vom Landeskriminalamt in München – dem Prozessgutachter nicht vorgelegen habe und dieser bei Kenntnis des Szenarios womöglich die Glaubwürdigkeit von Kulacs umstrittenen Geständnis anders dargestellt hätte. Im Gegensatz zu Geier bestätigte Profiler Horn, dass das Szenario tatsächlich erstellt worden war, nämlich am 2. Mai 2002. Das Szenario ging von einem Geschehen aus, in dem ein Täter aus einem sexuellen Motiv heraus Peggy getötet habe, und zwar eher ungeplant in einer eskalierenden Situation. Die im Februar 2002 eingesetzte zweite Sonderkommission von Geier fand in den Akten eine Vernehmung von Kulac, der zufolge er am 7. September 2001 einen sexuellen Missbrauch an Peggy am 3. Mai 2001 gestanden hatte, also vier Tage vor dem Verschwinden des Mädchens am 7. Mai 2001. Dieses Motiv machte Kulac zum Verdächtigen.
Wie die Soko den geistig behinderten zum Geständnis brachte, war in der Folge Thema eines mehr als vierstündigen Kreuzverhörs von Soko-Chef Geier. Dem Kulac-Verteidiger Michael Euler, der bei vielen Aktenvorhalten keine Seitenzahlen nennen konnte, musste dabei oft das Gericht beispringen. Euler machte sogar Vorhalte ganz ohne Quelle, so dass Staatsanwalt Daniel Götz ihm einmal in die Parade fuhr: „So läuft der Hase nicht, Herr Euler, wir wollen doch alle den Fall aufklären.“ Das Gericht hielt dem Chef der kritisierten Soko Widersprüche und Auffälligkeiten in den Ermittlungen vor. Etwa beim Zustandekommen von Kulacs Geständnis am 2. Juli 2002, Peggy ermordet zu haben: Warum ausgerechnet das entscheidende Gespräch kein Beamter der Soko führte, sondern ein Polizist aus Lichtenberg, der aufgrund seiner Bekanntschaft mit Kulac für „angenehme Atmosphäre“ sorgen sollte. Zur Frage, warum da kein Tonband lief, konnte ein anderer Zeuge mit einer Legende aufräumen: „Es war ein spontaner Entschluss des Beschuldigten, die Tonbandgeräte waren abgebaut und nicht kaputt, wie es immer wieder heißt.“
Geier wiederum beschrieb, dass der damalige Verteidiger schon weg war und nach dem „Spontangeständnis“ erklärt habe, er halte Kulac „zu 75 Prozent“ für den Täter – und sich von seinem Mandanten mit den Worten „machen sie alles mit, was die Polizei sagt“ – in den Urlaub verabschiedete.
Aus den Fragen des Gerichts wird klar: Die Richter haben den Verdacht, dass in Folgevernehmungen von Kulac in die erweiterten „Geständnisse“ Details einflossen, die aus der Tathergangshypothese stammen könnten.
Wie kritisch die Richter das Vorgehen der Ermittler sehen, zeigt ein Beispiel: Chefermittler Geier behauptete erst, Kulac habe bei einer auf Video aufgenommenen Tatrekonstruktion von sich aus und so überraschend auf einen Stein gezeigt, über den Peggy bei ihrer Flucht vor dem Angeklagten gestolpert sei, dass dies für Geier Täterwissen war. Auf dem im Anschluss vorgeführten Video sieht man: Der Erste, der auf den Stein deutet, scheint Geier selbst zu sein, und Kulac bestätigt: „Ja, über diesen Stein ist sie gestolpert.“
Die Tathergangshypothese des Profilers fand das Gericht in den Nebenakten. Im Abschlussbericht der Soko steht: „Die Nebenakte enthält Dinge, die nicht unmittelbar mit Kulac zu tun haben.“


http://www.nordbayerischer-kurier.de/nac...zverhoer_248135

#7 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 13.05.2014 12:12

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Heute stehen die Plädoyers im Mordfall Peggy Knobloch an. Die Stoßrichtung ist klar, das Verfahren steuert auf einen Freispruch zu, allein der Inhalt der Plädoyers könnte noch für Überraschungen sorgen. Dass Ulvi Kulacs Verteidiger darauf dringen wird, dass sein Mandant die Tat nicht begangen haben kann, scheint so gut wie sicher. Dagegen wird es sich die Staatsanwaltschaft wohl nicht so einfach machen. Unklar ist, ob auch die Rechtsanwältin von Peggys Mutter ein Plädoyer halten wird. Als Vertreterin der Nebenklage hätte sie das Recht dazu. Dass nach der Mittagspause noch weiter plädiert wird, ist eher unwahrscheinlich. Verhandlungsbeginn ist wieder um 8.30 Uhr.


Ein Freispruch für den wegen Mordes an der neunjährigen Peggy verurteilten Ulvi Kulac wird immer wahrscheinlicher. Im Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Bayreuth hat die Staatsanwaltschaft einen Freispruch für den geistig behinderten Mann gefordert. Es ist aus Sicht der Staatsanwältin Sandra Staade ein Freispruch aus Mangeln an Beweisen.


"Wir haben keinen Tatzeugen, keine Spuren, keinen Tatort und keine Leiche", so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Es gebe lediglich das später widerrufene Geständnis des Angeklagten. Der psychiatrische Gutachter Hans-Ludwig Kröber hatte im Wiederaufnahmeverfahren allerdings nicht ausgeschlossen, dass das Geständnis erfunden sei. Ein solches Geständnis dürfe nicht die Grundlage einer Verurteilung sein, befand Staatsanwältin Staade. Nach ihren Worten gilt der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten".


Weiteres zum Schlusswort der Staatsanwaltschaft: In ihrem gut 20-minütigen Plädoyer hat die Anklage die Zweifel an der Unschuld Ulvi Kulacs in den Mittelpunkt gestellt. Die Ermittler wollen die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen, sie hätten sich mit dem geistig Minderbegabten auf den erstbesten Verdächtigen konzentriert.

"Fakt ist, dass der Angeklagte vor kleinen Jungen onanierte", führt die Staatsanwältin aus. "Fakt ist auch, dass es dabei nicht blieb. Er manipulierte an Kindern. Zur Durchsetzung seiner Ziele wendete er auch Gewalt an."

"Es geht um die Würde der Opfer", stellt die Staatsanwältin fest. "Es ist für ein kleines Kind völlig irrelevant, ob der Angeklagte geistig zurückgeblieben ist oder nicht." Kulac sei wiederholt durch sexuellen Missbrauch aufgefallen, womit er zumindest auch ein plausibles Motiv für den Mord an Peggy habe.

Die Staatsanwältin beruft sich auf das Gutachten von Prof. Kröber, der Ulvi Kulac untersucht hat. Demnach sei die Wahrscheinlichkeit, dass Kulac die Tat begangen habe, höher als die, dass er unschuldig ist.

Aber die Staatsanwaltschaft muss auch zugeben, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Ulvi Kulac die damals neunjährige Peggy ermordet hat: "Wir haben keine Spuren, wir haben keinen Tatort, wir haben keine Leiche. "

Zwar gebe es Zweifel an der Unschuld Kulacs und die Erfahrung zeige, dass verschwundene Kinder oft zuvor Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Das passe zu den Gewohnheiten Kulacs, der öfter vor Kindern onaniert und diese missbraucht habe.

Trotzdem ist auch die Anklagebehörde nicht restlos davon überzeugt, dass Ulvi Kulac Peggy ermordet hat, und plädiert auf Freispruch.

Susanne Knoblochs Anwältin Ramona Hoyer hat ein Statement vorbereitet, das sie vom Blatt abliest. In hoher Geschwindigkeit schildert sie die Vorwürfe gegen ihre Mandantin, wonach Peggys Mutter in das Verschwinden ihrer Tochter verwickelt sei. Gerade in den sozialen Medien werde Susanne Knobloch verunglimpft und zumindest einer Mittäterschaft bezichtigt. Dabei habe Susanne Knobloch das Schlimmste erlebt, was Eltern durchmachen können. Die Anwältin äußert die Hoffnung, dass der Abschluss des Strafverfahrens gegen Ulvi Kulac nicht auch das Ende der Ermittlungen bedeutet. Auf eine konkrete Forderung verzichtet Rechtsanwältin Hoyer.


Nun schlägt zum letzten Mal in diesem Wiederaufnahmeverfahren die Stunde von Kulacs Verteidiger Michael Euler. Äußerst detailliert zitiert er aus dem Schuldspruch des Landgerichts Hof vom 30. April 2004. Er schildert die Vorwürfe noch einmal und bemüht sich um eine Persönlichkeitsanalyse Kulacs. Inzwischen habe dieser gelernt, dass Geschlechtsverkehr mit Kindern verboten ist. In der Klinik sei er gefördert worden und habe Entwicklungsfortschritte gemacht, so Euler.

Der Rechtsanwalt holt noch einmal zum großen Rundumschlag aus und stellt den Fall erneut ausführlich dar. Dabei verzettelt er sich in den Schilderungen einzelner Zeugen, anstatt sich auf die Tatsachen zu konzentrieren, die seinen Mandanten zweifelsfrei entlasten. Offenbar will er einen Freispruch "erster Klasse" erreichen, also wegen erwiesener Unschuld: "Es gibt eine ganze Reihe von Beweisen, die belegen, dass Herr Kulac nicht der Mörder von Peggy Knobloch sein kann."

Bemerkenswert: Euler plädiert nicht etwa in Richtung Gericht. Stattdessen hat er sich den Zuhörern im Saal zugewandt.

Euler zitiert so gut wie alle Prozessbeteiligten, angefangen von den Kinderzeugen über die Ermittler und die Eltern des Angeklagten. Es scheint, als wolle er die Beweisaufnahme ein zweites Mal durchführen. Nicht alle im Saal folgen seinen Ausführungen so aufmerksam wie das Gericht.

Dann, nach 70 Minuten, kommt Euler zum Kern seines Plädoyers: "Das Geständnis meines Mandanten ist durch Zeugenaussagen vollständig widerlegt." Auch den sexuellen Missbrauch Peggys habe es laut Euler nicht gegeben. Schließlich beantragt er dann, seinen Mandanten freizusprechen.

Um 10.40 Uhr soll die Verhandlung fortgesetzt werden.


Ulvi Kulacs zweiter Verteidiger Jan Astheimer erinnert noch einmal an die Aussagen der sogenannten Kinderzeugen, die Peggy noch nach ihrem Verschwinden gesehen haben wollen. Dass sich einige von ihnen heute nicht mehr genau an ihre Erlebnisse vom Mai 2001 erinnern, scheint für ihn irrelevant, stattdessen bezieht er sich auf die Ermittlungsakten. Er verweist auf die "kriminaltechnologische Aussageanalyse", wonach bei Kindern die ersten Schilderungen am nähesten an der Wahrheit lägen. Erst durch häufiges Nachfragen entstünden Unstimmigkeiten und Erinnerungslücken, so Astheimer.

Für Astheimer "steht fest, dass Ulvi Kulac Peggy nicht umgebracht haben kann." Auch er beantragt einen Freispruch.

Das letzte Wort hat Ulvi Kulac. "Ich hab' die Peggy nicht umgebracht und mein Wunsch ist, dass sie noch lebend gefunden wird", sagt Kulac mit heißerer Stimme. "Damit soll es jetzt gut sein."

Das Urteil soll morgen um 10 Uhr verkündet werden.



http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...esstag-100.html

#8 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 14.05.2014 12:06

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Früheres Urteil aufgehoben: Freispruch für Ulvi K. im Mordfall Peggy

14.05.2014
DPA
Angeklagter Ulvi K.: In Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen
Ulvi K. war für den Mord an der kleinen Peggy verurteilt worden - nun wird der Richterspruch aufgehoben. Das Landgericht Bayreuth hat den 36-Jährigen im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Die Tat konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Bayreuth - Im erneuten Mordprozess um die seit 13 Jahren verschwundene Peggy hat das Landgericht Bayreuth das Urteil verkündet: Freispruch für Ulvi K. Damit hoben die Richter die frühere Verurteilung des geistig behinderten Mannes wegen Mordes an dem Mädchen auf. "Er ist aus tatsächlichen Gründen freizusprechen; ein Tatnachweis ist nicht möglich", sagte der Vorsitzende Richter Michael Eckstein. "Natürlich wäre es sehr schön gewesen, wenn wir neue Erkenntnisse erhalten hätten." Unterstützer von Ulvi K. reagierten im Gerichtssaal mit Applaus und Bravo-Rufen auf das Urteil.


Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung hatten in ihren Plädoyers einen Freispruch für den 36-Jährigen beantragt. In dem neu aufgerollten Strafverfahren ging es ausschließlich um die Frage, ob Ulvi K. die Tat nachgewiesen werden kann. In seinem Schlusswort sagte er: "Ich hab die Peggy nicht umgebracht. Mein Wunsch ist, dass sie noch lebend gefunden wird."
Die damals neun Jahre alte Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst. Drei Jahre später wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Hof sah es als erwiesen an, dass der Gastwirtssohn die Schülerin tötete, um einen vier Tage vorher begangenen sexuellen Missbrauch an ihr zu vertuschen. Er hatte die Tat im Juli 2002 gestanden, einige Monate später aber widerrufen. Ulvi K. wurde im Oktober 2002 wegen sexueller Übergriffe auf Jungen aus der Nachbarschaft in die geschlossene Forensik gebracht.

Keine Beweise, keine Leiche

Peggys Leiche wurde trotz vieler Suchaktionen, unter anderem mit Beteiligung von Kampfjets der Bundeswehr, nie gefunden. Im Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme an. Dafür gab es zwei Gründe: Ein wichtiger Belastungszeuge räumte im September 2010 ein, falsch ausgesagt zu haben. Er hatte 2004 behauptet, Ulvi K. habe ihm den Mord an Peggy gestanden. Beim damaligen Prozess war zudem nicht bekannt, dass die Ermittler eine Tathergangshypothese erstellt hatten. Sie war dem späteren Geständnis von Ulvi K. auffallend ähnlich. Der Verdacht lag nahe, dass der Angeklagte nur eine ihm vorgegebene Version wiedergegeben hat.

Auch ein psychiatrischer Gutachter hielt es - anders als vor zehn Jahren - für "wissenschaftlich denkmöglich", Ulvi K. könne sich das Geständnis auch ausgedacht haben. Der Vorsitzende Richter beendete die Beweisaufnahme im neuen Prozess vorzeitig. Seine Begründung: "Bis zum heutigen Tag ist kein einziger Sachbeweis für das damalige Geständnis von Ulvi K. gefunden worden."

"Das Geständnis mit Divergenzen und Ungereimtheiten kann keine Grundlage für eine Verurteilung sein", sagte Richter Eckstein. Ulvi K. habe sein Geständnis in unterschiedlichen Versionen mit zum Teil lebensfremden Schilderungen abgegeben: Dass Peggy auch nach ihrem angeblichen Sturz mit dem Schulranzen weitergelaufen sein soll, "ist für uns schwer nachvollziehbar".

Mehrere Verdächtige im Visier der Ermittler


Der Angeklagte habe möglicherweise Parallel-Erlebnisse in seine Geständnisse eingebaut, sagte Eckstein. Bei seiner psychiatrischen Untersuchung sei seine hohe Phantasiebegabung aufgefallen. "Er war imstande, detailreiche Geschichten zu vorgelegten Bildern zu entwickeln. Und dies sogar an Folgetagen zu wiederholen."
Seit Sommer 2012 wird in dem Fall neu ermittelt. Eine Spur brachte die Polizei auf einen Mann aus Halle in Sachsen-Anhalt. Der ehemalige Bekannte von Peggys Familie sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben, gab ein Polizeibeamter an. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte und der Missbrauch wenige Wochen vor Peggys Verschwinden stattfand. In der Haftzelle des Mannes fanden Polizisten ein Foto des Mädchens.

Zum Kreis der Tatverdächtigen zählen außerdem der Halbbruder des Mannes und ein Lichtenberger, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt wurde. "Ohne Vorliegen eines einzigen Beweises wurden andere Tatverdächtige von den Ermittlern ausgeblendet", kritisierte Ulvi K.s Verteidiger Michael Euler. Nach 13 Jahren sei es nun nahezu unmöglich, "einen der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands" aufzuklären.


http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mo...h-a-969274.html

#9 RE: Prozessauftakt - April 2014 von Christine 16.05.2014 07:15

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erschienen: 15.05.2014 00:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.05.2014 19:21 Uhr

Ermittler als Richter
Wer will sich da noch wundern, wenn viele an der Unabhängigkeit der Justiz zweifeln?
Schon bevor das spektakuläre Wiederaufnahmeverfahren um die Beteiligung von Ulvi Kulac am Verschwinden der kleinen Peggy Knobloch überhaupt begonnen hatte, warnte das Gericht davor, dass es die hochgespannten Erwartungen der Öffentlichkeit nicht befriedigen könne.

Joachim Dankbar zum Peggy-Prozess

Schon bevor das spektakuläre Wiederaufnahmeverfahren um die Beteiligung von Ulvi Kulac am Verschwinden der kleinen Peggy Knobloch überhaupt begonnen hatte, warnte das Gericht davor, dass es die hochgespannten Erwartungen der Öffentlichkeit nicht befriedigen könne. Ihm gehe es nur um Schuld oder Unschuld des Angeklagten. Die Warnung war berechtigt, denn etliche drängende Fragen sind offengeblieben. Zum einen ist es die Frage, was an jenem 7. Mai 2001 in Lichtenberg wirklich geschah. Zum anderen ist es aber die Frage nach dem, was danach geschah, ob die Ermittlungen den Standard erfüllt haben, auf den sich Bürger gern verlassen würden.

Daran sind mehr als nur Zweifel erlaubt. Einer der hochrangigsten Polizisten Bayerns hat bei seinem Auftritt in Bayreuth einen geradezu verheerenden Eindruck hinterlassen. Beredt schilderte Wolfgang Geier, damals Leiter der Soko Peggy II und heute oberster Verbrechensbekämpfer in Unterfranken, als Zeuge, welches Detail am überraschenden Geständnis des Beschuldigten Kulac ihn so überzeugt hat. Dieser habe von sich aus auf einen Stein gedeutet, auf dem Peggy auf ihrer Flucht vor ihm gestolpert sei. Gleich darauf zeigt ein damals entstandenes Video genau das Gegenteil. Der Ermittler selbst macht Kulac auf den ominösen Stein aufmerksam. Es ist nur eine Merkwürdigkeit von vielen, aber der sorglose Umgang damit macht betroffen.

Wolfgang Geier war später der Leiter der bekannten Sonderkommission Bosporus, die ein noch größeres Verbrechen, die Ermordung von neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern, aufklären sollte. Geier ist an diesem Fall gescheitert, und es spricht vieles dafür, dass man auf dem Lichtenberger Video einen guten Teil der Gründe für dieses fatale Scheitern erkennen kann. Ungeduldig treibt der Soko-Leiter den geistig behinderten Verdächtigen den vermeintlichen Tatort entlang. Was nicht passt, wird passend gemacht. Denn Geier hat sich schon ein eigenes Urteil gebildet. Von den damals 13 Verdächtigen billigt er nur Kulac ein "tragfähiges Motiv" zu. Von nun an wird auf Ergebnis ermittelt. Da stört es auch nicht, dass maßgebliche Mitglieder der eigenen Soko anderer Meinung sind. Ohne nachfolgende Sachbeweise sei ihm das Geständnis wertlos erschienen, sagt einer der Beamten als Zeuge. Selbst Geiers damaliger Stellvertreter distanziert sich im Bayreuther Prozess in aller Deutlichkeit von seinem ehemaligen Chef.

Und doch nimmt alles seinen Lauf - bis zum bitteren Ende, und genauso wie bei der Sonderkommission Bosporus. Über Jahre hat sie die Opfer kriminalisiert und die Hinterbliebenen traumatisiert. Eingesetzt wurde Geier in beiden Fällen durch den damaligen bayerischen Innenminister Günter Beckstein, der sich gern als Macher von Gerechtigkeit und Ordnung präsentierte. Vielleicht war Geier zu schwach, dem Erwartungsdruck zu widerstehen. Wer will sich da noch wundern, wenn viele Bürger an der Unabhängigkeit von Polizei und Justiz inzwischen zweifeln?

Immerhin hat der souveräne Umgang des Bayreuther Landgerichts mit dem, was ihm an Ermittlungsergebnis präsentiert wurde, einiges im Bild der Justiz zurechtgerückt. So gesehen haben die Richter schon mehr erreicht, als man ihnen zumuten konnte.



http://www.np-coburg.de/meinung/meinung/...rt83488,3342811

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