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#126 RE: Presseartikel von eugene1975 05.03.2014 16:04

@marc225

Früher wo es noch Plumps Klosetts gab wären so Sudelberichte dort zum ar.... abwischen gelandet.
Daher lese ich was vom JV kommt garnicht erst.

lg eugene

#127 RE: Presseartikel von Christine 06.03.2014 12:32

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Donnerstag, 06.03.2014
heute 07:00 Uhr

FALL PEGGY
Peggy und der Pädophile - Wird das Rätsel noch gelöst?
In einem Monat soll der neue Prozess gegen den verurteilten Mörder von Peggy Knobloch, beginnen. Doch nun gesteht ein anderer Verdächtiger sexuellen Kontakt zur Neunjährigen. Von Otto Lapp und Holger Sabinsky-Wolf


Die Schülerin Peggy ist seit Mai 2001 spurlos verschwunden - nun hat ein Verdächtiger Medienberichten zufolge intime Kontakte zu ihr zugegeben.
Foto: David Ebener/Archiv (dpa)
Der Fall Peggy bringt immer neue Rätsel hervor. Wenige Wochen vor Beginn des Wiederaufnahme-Prozesses gegen den verurteilten Ulvi Kulac wird bekannt, dass ein anderer Verdächtiger schon vor einem Jahr sexuellen Kontakt zu der neunjährigen Schülerin aus Lichtenberg in Oberfranken eingeräumt hat. Und zwar in den Osterferien 2001. Am 7. Mai verschwand Peggy Knobloch spurlos.

Kurz zuvor kam es also zwischen dem Mädchen und Holger E. zu sexuellen Handlungen. E., 29, aus Halle in Sachsen-Anhalt, der seit einem Jahr wegen Missbrauchs an seiner zweijährigen Tochter im Gefängnis sitzt, räumte dies bei den Ermittlungen zu weiteren Missbrauchsfällen ein. Für die Ermittler der Polizei könnte das ein neues Motiv sein: Ein Mord, um einen Missbrauch an Peggy zu vertuschen. Doch zu mehr als einem Anfangsverdacht reicht es nicht. Das könnte im Wiederaufnahmeverfahren im April eine Rolle spielen.

Holger E. war als Jugendlicher öfter in Lichtenberg, im Haus, in dem sowohl Peggy als auch sein Halbbruder Jens B. wohnten. Holger E. traf dort auch Peggy, die er gerne als „Schwester“ gehabt hätte und von der er bei seinen Freunden in der Gegend von Halle schwärmte.
Auch in der zweiten Woche der Osterferien 2001 war der damals 17-jährige Holger E. zu Besuch bei seinem Halbbruder. Ein Besuch mit Folgen. Damals soll er die neunjährige Tochter von Jens B. missbraucht haben. Und im Zuge dieser Ermittlungen stellte sich nach Informationen dieser Zeitung heraus, dass es auch zwischen ihm und Peggy zu einem Austausch von „Zärtlichkeiten“ gekommen sein soll: „Kuscheln und küssen“. Das sei allerdings von Peggy ausgegangen, behauptet E. Sie habe ihn im Schritt durch die Hose angefasst.
Fall Peggy: Der Halbbruder zeigte Holger E. an
Herausgekommen ist das, weil sein Halbbruder Jens B. ihn angezeigt hat. Schon länger hatte B. seinen Halbbruder im Verdacht, aber der und die Tochter schwiegen eisern. 2012 aber überzeugte Jens B. sie, zu reden – und zeigte Holger E. an. „Ich rechne ihm hoch an, dass er gestanden hat“, sagt Jens B. Der Anwalt von Holger E., Eyck Zimmermann, bestätigt nichts. Auch auf den Vorhalt, dass ein amtliches Schriftstück mit den Angaben von Holger E. vorliege, schweigt er. „Noch laufen die Ermittlungen“, sagt er nur. Die müsse man abwarten.
Damit hatte Holger E. ein mögliches Motiv, das die zehn Mann starke „Ermittlungsgruppe Peggy“ bei der Kripo in Bayreuth hellhörig machte. Seit einem Jahr wühlen sie den Fall noch einmal durch, „bis alle Spuren abgearbeitet sind“. Ziel ist es, Hinweise darauf zu finden, ob der für den Mord an Peggy verurteilte Ulvi Kulac, 36, unschuldig ist. Oder ob es Hinweise auf einen neuen Täter gibt.
Der Fall "Peggy" - Zwölf Jahre keine Spur von der... Bild 123456backwardforward

Rund 150 Beamte und 70 Helfer durchkämmten 2001 auf der Suche nach Peggy die ganze Region rund um Lichtenberg, dem Ort der vermissten "Peggy". Eine Leiche fanden sie nicht.
Foto: Marcus Führer, dpa
„Klar, Holger E. ist auffällig“, heißt es bei der Polizei. Er trug nach Peggys Verschwinden ein Amulett von ihr und weinte auf einer Familienfeier bei einer „Gedenkminute“ für Peggy. In seiner Gefängniszelle soll er ebenfalls ein Foto von Peggy hängen haben. Schon 2003 fand die Kripo Halle eine CD mit Kinderpornografie bei ihm.
Peggy soll sich verändert haben
Die Mutter und der Stiefvater von Peggy hatten bei den Ermittlungen immer wieder gesagt, ihre Tochter habe sich seit einiger Zeit verändert. Sie habe sich nicht mehr vor ihnen ausgezogen und habe ihre gebrauchten Unterhosen weggeworfen. Außerdem sei sie stiller als sonst gewesen, habe zum Beispiel länger vor dem Fernseher gesessen. Das Mädchen soll sich auch plötzlich stark geschminkt und Miniröcke getragen haben.
Aber selbst wenn Holger E. durch den sexuellen Kontakt mit Peggy ein Motiv hatte, nach Lichtenberg zu fahren, für eine Anklage wegen Mordes reicht das noch nicht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Bayreuth reicht es noch nicht einmal für eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs. Die Erkenntnisse seien nicht neu. Man habe umfangreich ermittelt. „Es gab keinen Anhaltspunkt für einen strafbaren sexuellen Missbrauch Peggys durch den Mann“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel. Holger E. zähle weiter zum Kreis der Verdächtigen, es bestehe gegen ihn aber lediglich ein „einfacher Verdacht“.
Holger E. war als 17-Jähriger ohne Führerschein unterwegs. Eine Freundin von ihm hatte ausgesagt, dass er sich falsche Schilder an einen stillgelegten grauen Opel schraubte. Bis heute kann ihm aber keiner nachweisen, dass er am Tag von Peggys Verschwinden in Lichtenberg war. Gesehen hat ihn niemand.


http://www.augsburger-allgemeine.de/baye...id29100277.html

#128 RE: Presseartikel von Christine 07.03.2014 07:21

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1 Kommentar auf der Sat1bayern Webseite:


Steffen L. (Name wurde von mir abgekürzt) schreibt: 06.03.14 at 23:32

Hallo Sat1 Redaktion,

Holger Eckert hat Peggy nicht getötet, das mit den Sexuellen übergriff ist schon seit längerem bekannt. Es würde keinen Sinn ergeben, warum sollte Holger E Peggy Töten und seine anderen Opfer am Leben lassen?. Wie Ihnen bekannt sein sollte, ist Peggy nach der Schule wie eine (Obdachlose) im Ort umhergeirrt und hat nach Essen und Trinken gebettelt,weil sie mit ihrem Stiefvater (Freund der Mutter) nicht allein zuhause sein wollte. Mit diesem hintergrund und Tatsache hätte Holger E. die kleine Peggy bis nach 19 Uhr beschatten müssen, was bestimmt nicht unbemerkt geblieben wäre. Wenn Sie unbedingt wissen möchten wer Peggy getötet hat, dann wenden Sie sich an die Mutter, Sie kennt die Wahrheit. Die ganze Ungewissheit von Susanne Knobloch ist geheuchelt. Welche Mutter errichtet ein Grab für ihre Tochter wenn sie über den verbleib bzw. die frage sich stellt ob ihr Kind Tod óder am Leben ist?. Frau Knobloch hat von anfang an gelogen wie es deutlich aus einem Schreiben das mir bekannt ist, hervor geht, bei den Vernehmungen vor Gericht und sogar bei RTL in der Sendung SternTv im September 2013.


http://www.sat1bayern.de/news/20140306/h...peggy-getoetet/

#129 RE: Presseartikel von Christine 08.03.2014 16:12

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07.03.2014, 18:38 Uhr

Fall Peggy Knobloch: "Ich habe noch nicht das Gefühl, dass sie tot ist"

Erstmals nach dem Verschwinden von Peggy Knobloch im April 2011 äußert sich der leibliche Vater des Kindes zu dem Fall. Er begrüßt die Wiederaufnahme des Falles durch das Landgericht Bayreuth, da er Zweifel an der Schuld des verurteilten Ulvi K. hat: "Für mich war das ein unscheinbarer Mann, der das einfach nicht drauf hat."

Mario Peter Schwenk sagte im Interview mit dem RTL-Magazin "Explosiv" weiter: "Wenn Ulvi zugibt, dass er ein Mädchen umgebracht hat, warum fragt ihn dann keiner: Wo ist die Leiche? Und warum wird dann die Leiche nie gefunden? Wenn er nichts mehr zu verlieren hat, hätte er auch sagen können: Da liegt sie, buddelt sie aus. Und das ist nie passiert.“


Nach Graböffnung: Eine Chronik ihres mysteriösen Verschwindens. >
Der Fall sorgte jetzt erneut für Aufsehen, da der bereits damals Tatverdächtige Holger E., ein ehemaliger Freund der Familie Knobloch, gestanden hat. Ostern 2001 eine Freundin von Peggy aus Lichtenstein sexuell missbraucht zu haben. Die Kinder lebten zu dem Zeitpunkt im selben Haus. Über die pädophilen Neigungen von Holger E. war zum damaligen Zeitpunkt noch nichts bekannt. Peggys Vater sieht das heute so: "Er war einfach nicht verdächtig genug."

Wiederaufnahme des Falls Peggy
Nach einem Geständnis wurde schließlich 2004 der geistig Behinderte Ulvi K. als Peggys Mörder verurteilt. Inzwischen hat das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet.

Mario Peter Schwenk: "Ich hoffe einfach, damals wurde sich verrannt. Die Arbeit ist in Richtung Ulvi gegangen, und mit dem Geständnis war da ein Ende absehbar. Es war vorher ja schon eine lange Arbeit, die die Behörden sicherlich belastet hat und die Familien und alle Beteiligten. Grundsätzlich war man sicherlich froh, ein Ende zu finden. Dass die neue SOKO da jetzt auch anders rangeht und gerade diesen Ulvi eben ausschließt, ist klar und für die Sache wahrscheinlich auch gut."

"Ich habe noch nicht das Gefühl, dass sie tot ist"

Fall Peggy: Verdächtiger könnte weitere Mädchen missbraucht haben. >
Er selbst glaube auch nach wie vor daran, dass seine Tochter lebe: "Mein Herz wünscht sich das, dass sie noch lebt. Ich habe noch nicht das Gefühl, dass sie tot ist."

Seit fast 13 Jahren suchen die Ermittler nach der im Alter von neun Jahren verschwundenen Peggy Knobloch. Auf der Suche nach der Leiche hat die Polizei nun ein Grab auf einem Friedhof in Oberfranken geöffnet, allerdings vergeblich. Doch nicht nur die Leiche des Mädchens ist bis heute unauffindbar. Vielmehr sind bis heute viele Fragen vor allem zu dem mutmaßlichen Täter ungeklärt. (df)


http://www.gmx.net/themen/nachrichten/pa...o3w-gefuehl-tot

#130 RE: Presseartikel von Christine 13.03.2014 12:25

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Hellseher narrt Ermittler im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg

13.03.2014 - 10:16 Uhr
Staatsanwaltschaft behandelt die Eingebungen wie andere übliche Hinweise auch. In vier Wochen beginnt neue Hauptverhandlung wegen eines möglichen Fehlurteils gegen Ulvi K., der das Mädchen getötet haben soll.
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Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel (links) sieht sich bei den Ermittlungen im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg immer wieder einem großen Medienrummel gegenüber.Foto: Peter Hagen
Lichtenberg. Die Polizei in Bayern soll im Fall des verschwundenen Mädchens Peggy Knobloch aus Lichtenberg nicht Scharlatanen auf den Leim gehen, sondern sich mit Fakten ­befassen. So die Forderung einer "Unterstützergruppe Ulvi" aus Oberfranken, die den Vorwurf erhebt, "dass man an der Aufklärung des wahren Schicksals des Mädchens tatsächlich gar nicht interessiert ist, sondern lediglich den bisherigen Spekulationen hinsichtlich einer Ermordung, nicht aber einer sehr viel wahrscheinlicheren Entführung des Kindes nachgeht".
Bei einer Veranstaltung zum Thema "Justizopfer in Bayern", zu denen die Unterstützergruppe auch Ulvi"K. aus Lichtenberg zählt, wurde ein Schreiben an die Staatsanwaltschaft Bayreuth verfasst. "Die Staatsanwaltschaft soll ihrer Ermittlungspflicht in alle Richtungen nachkommen", erklärt dazu Gudrun Rödel von der Unterstützergruppe. Ulvi K. war im April 2004 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe als vermeintlicher Mörder des zum Zeitpunkt ihres Verschwindens neunjährigen Mädchens verurteilt worden.
Die Haftstrafe wird unterdessen bis heute nicht vollstreckt, da sich der inzwischen 36-jährige Mann aufgrund anderer Taten in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung befindet. Im Fall Peggy steht ihm die Wiederaufnahme des Strafverfahrens bevor, nachdem die Justiz mit einer vorsätzlichen falschen uneidlichen Zeugenaussage sowie einer Tathergangshypothese konfrontiert worden ist, die dem Landgericht Hof im damaligen Prozessverlauf nicht bekannt gewesen sei. Am 10. April soll das Wiederaufnahmeverfahren beginnen.
Abseits aller Fakten haben sich seit dem Verschwinden von Peggy Knobloch immer wieder auch Scharlatane wie Wünschelrutengänger und Hellseher zu Wort gemeldet, die angeblich Hinweise zum Verbleib des Mädchens geben könnten. Jüngst erst meldete sich ein "Seher" aus Siegburg in Nordrhein-Westfalen, der Peggys Leiche auf dem Grund der Sächsischen Saale glaubt. Während OTZ das Angebot einer freien Journalistin abgelehnt hatte, derartigen Selbstdarstellern eine Plattform zu bieten, soll die Staatsanwaltschaft Bayreuth angeblich den Mann ernst genommen haben. Das ist für die Unterstützergruppe "nicht nachvollziehbar". Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel relativiert jedoch. "Vom Grundsatz her glaube ich natürlich nicht an seherische ­Fähigkeiten", sagte er am Mittwoch gegenüber OTZ. Jedoch gehe man eben allen Hinweisen nach. Schließlich sei nicht auszuschließen, dass dem "Seher" Informationen zugegangen sein könnten.
Unterdessen bestätigte Potzel den Eingang des Schreibens von der Unterstützergruppe und erklärte, dass "ein Großteil der darin aufgeführten Punkte bereits überprüft worden ist". Wo sich neue Hinweise ergeben würden, werde ebenfalls den Dingen nachgegangen.
Seitens der Unterstützergruppe wird die These einer Entführung des Mädchens verfolgt. Es werden vermeintliche Zeugenhinweise aufgelistet, wonach Peggy am Tag ihres Verschwindens sowie in den darauffolgenden Wochen und Monaten immer wieder in Begleitung von Erwachsenen und im Zusammenhang mit einem Fahrzeug, das tschechische Kennzeichen hatte, gesehen worden sein soll. Im November 2003 und im April 2004 wollen Urlauber das Mädchen sogar in der Türkei erkannt haben.
Bereits seit dem Verschwinden von Peggy sowie mit der möglicherweise vorschnellen Verurteilung von Ulvi K. als Täter sehen sich die bayerischen Ermittlungsbehörden mit Vorwürfen konfrontiert. Ebenso werden Aussagen der Mutter von Peggy angezweifelt, ohne - zumindest bislang - stichhaltige Beweise dafür vorlegen zu können, dass sie persönlich etwas mit dem Verschwinden ihres Kindes zu tun habe könnte.
Seit Mitte 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth erneut im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy. Zu jüngsten Presseberichten, wonach es zwischen dem Verdächtigen Holger E. aus Halle und Peggy zu "Zärtlichkeiten" gekommen sein soll, stellt die Staatsanwaltschaft Bayreuth klar: "Es handelt sich hierbei nicht um neue Erkenntnisse. ­Bereits am 27. Februar 2013, ­also vor über einem Jahr, hat Holger E. im Rahmen einer anderweitigen Vernehmung mitgeteilt, dass es zwischen ihm und Peggy zum Austausch von Zärtlichkeiten gekommen sein soll. Dies war Anlass für weitere umfangreiche Ermittlungen. Ein hinreichender Tatverdacht für eine Anklage hat sich aber nicht ergeben."

http://www.otz.de/web/zgt/leben/detail/-...nberg-767400686

#131 RE: Presseartikel von W3003 13.03.2014 19:21

Abendzeitung,Donnerstag, 13. März 2014

Neue Ermittlungen Fall Peggy: Psychiater zur Vernehmung!

Ermittler befragen den Arzt, der Peggys Mutter 2001 behandelt hat. Geht es dabei um deren Sorge, das Mädchen könne verschleppt werden?

Bayreuth - Was weiß ein Psychiater über das spurlose Verschwinden der kleinen Peggy aus Lichtenberg (Oberfranken)?

2001 ist das Mädchen im Alter von neun Jahren verschwunden. Herbert Potzel, Chef der Staatsanwaltschaft Bayreuth, bestätigte der AZ jetzt auf Anfrage, dass der Arzt bereits am Mittwoch von den Ermittlungsbehörden vernommen worden ist.

Bei dem Arzt handelt es sich um einen Psychiater aus Rehau, bei dem sich Peggys Mutter in Behandlung befand, als das Mädchen verschwand. Die Frau soll damals unter anderem an Angstsymptomen gelitten haben.

Das Ergebnis der Vernehmung liegt dem Leitenden Oberstaatsanwalt noch nicht vor. „Das kann noch etwas dauern“, erklärte er, wies aber zugleich darauf hin, dass er wegen der laufenden Ermittlungen zum Inhalt der Arzt-Aussage vorerst keine Angaben machen werde.

In vier Wochen beginnt in Bayreuth ein neuer Prozess gegen den geistig behinderten Gastwirtssohn Ulvi K. (36), der vom Landgericht Hof in einem umstrittenen Indizienprozess 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Nachdem immer mehr Zweifel an seiner Täterschaft aufgetaucht waren, ein Belastungszeuge seine Aussage widerrufen hatte und die Vernehmungsmethode der Polizei in die Kritik geraten war, ordnete das Landgericht eine Wiederaufnahme des Verfahrens ab.

Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft im Fall des vermissten Mädchens neu. „Wir stellen den Fall noch einmal komplett auf den Kopf“, hatte Potzel als Devise angegeben. Zu diesen neuen Ermittlungen zählt auch die Vernehmung des Psychologen aus Rehau.

In Kreisen der Unterstützer, die sich seit Jahren für eine Freilassung des verurteilten Gastwirtssohns einsetzen, kursiert der Name des Arztes schon länger. Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt und das Wiederaufnahmeverfahren durchgesetzt hat, hat davon ebenfalls gehört. „Nach meinen Informationen soll Peggys Mutter dem Arzt gegenüber davon berichtet haben, dass sie Angst habe, eine ihrer beiden Töchter könnte in die Türkei verschleppt oder verkauft werden.“

Der Lebensgefährte von Peggys Mutter war damals ein Türke; die Beziehung – so war später der Stand der Ermittlungen – galt als belastet. Der Möglichkeit, dass Peggy in die Türkei gebracht worden sein könnte, war die Soko bereits bei ihren früheren Ermittlungen nachgegangen.

Eine Abordnung der Polizei hatte sich in der Türkei umgesehen, konnte jedoch damals keine Hinweise auf das bis heute spurlos verschwundene Mädchen finden.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inha...f85fdee466.html

#132 RE: Presseartikel von Christine 22.03.2014 08:39

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Verurteilter Ulvi Kulac spricht im Interview über seine zweite Chance: "Ich habe Peggy nicht umgebracht"
21.03.14 08:21
Peggy Knobloch ist seit 2001 verschwunden.
Prozess wird im April neu aufgerollt

Es ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle in Deutschland - in drei Wochen wird er vor Gericht neu verhandelt. Der geistig behinderte Ulvi Kulac bekommt seine zweite Chance. Er war für den Mord an der 9-jährigen Peggy Knobloch aus Franken verurteilt worden, die seit Mai 2001 spurlos verschwunden ist, doch inzwischen gilt er für viele als unschuldiges Justiz-Opfer. RTL-Nachtjournal-Reporterin Stefanie Albrecht, die sich schon lange mit dem Fall beschäftigt, durfte ihn auf einem seiner ersten Freigänge begleiten – und gibt einen Ausblick auf den Prozess im April.

Ulvi kam ins Visier der Ermittler, weil er sich zuvor vor Kindern entblößt hatte. An seiner Täterschaft gab es aber schon früh erhebliche Zweifel. Der inzwischen 36-Jährige ist raus aus der Psychiatrie - zumindest für zwei Stunden darf er seit kurzem zusammen mit seiner Betreuerin zwei Mal in der Woche das Bezirksklinikum verlassen.

RTL-Reporterin Albrecht begleitet ihn in die Fußgängerzone von Bayreuth. Ulvi geht gerne einkaufen und unter Menschen. Zu allen, denen er begegnet, ist er ausgesprochen höflich. Er freut sich über Kleinigkeiten wie einen Eiskaffee und genießt seine Ausflüge in die Freiheit. "Es fühlt sich gut an, dass man rausgehen kann und vor der Tür das alles hinter sich lassen kann", sagt er. "Ich kann meinen eigenen Weg gehen – da mache ich zehn Kreuze."


Ulvi K.: "Ich habe sie nicht getötet"
Fall Peggy wirft Fragen auf
"Ich habe sie nicht entführt und nicht umgebracht"
Seit mehr als zwölf Jahren ist der geistig Behinderte in der Psychiatrie untergebracht. Er weiß, dass sein Fall bald neu vor Gericht verhandelt wird und hofft, dass er dann irgendwann ganz frei kommt: "Darauf freue ich mich, weil ich da sagen kann, dass ich sie nicht entführt habe und nicht umgebracht habe – und das andere lasse ich dann meinen Anwalt machen."

Dass Ulvi Kulac die kleine Peggy umgebracht haben soll, daran gibt es erhebliche Zweifel. Beweise gab es ohnehin nie. Nur ein Geständnis, das er auf Druck der Kriminalbeamten abgegeben und später wiederrufen hat. Ulvi selbst schildert seine Erlebnisse heute so: "Die ersten Kriminalbeamten waren nicht so nett. Der eine hat mich an den Schultern so gedrückt, dass ich Schmerzen gehabt habe – ich solle es endlich zugeben, dass ich sie entführt und umgebracht habe."

Diese Vorkommnisse will auch Ulvis Anwalt Michael Euler in den Mittelpunkt stellen. "Die Verteidigung legt ein Hauptaugenmerk im Prozess auch darauf, wie es dazu kommen konnte, dass hier ein geistig Behinderter einen Mord gesteht, den er nicht begangen hat", so Euler. "Auch gilt es, die ganzen Versäumnisse der Polizei aufzuklären."

Die soll Ulvi Kulac nicht nur beeinflusst und zum Geständnis gedrängt haben, sondern auch einen Mitinsassen beauftragt haben, ihn auszuhorchen. Dafür wollte man sich dann erkenntlich zeigen. Peter H., der Ulvi damals stark belastete, gab später zu, dass alles gelogen war.

Weil Ulvis Unterstützer durch jahrelange Nachforschungen das alles dem Gericht darlegen konnten, muss der Fall jetzt wiederaufgerollt werden. Gudrun Rödel vom 'Unterstützerkreis Ulvi' ist optimistisch: "Voller Spannung sehe ich dem Prozess entgegen und hoffe, dass er vor allem auch der Wahrheitsfindung dient und dass man dort feststellt, dass Ulvi tatsächlich freizusprechen ist, weil er diesen Mord nicht begangen hat."

Auch der Anwalt ist sich sicher, dass das Gericht Ulvi diesmal freisprechen muss. Meinem Mandanten kann nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ein Tötungsdelikt gegenüber Peggy nicht mehr nachgewiesen werden", so Euler. "Er hat zu dem fraglichen Tatzeitraum, den er damals in seinem Geständnis angegeben hat, ein Alibi."

Bleibt die Frage, wenn es Ulvi nicht war, was ist dann mit Peggy passiert? Auch da erhofft sich Anwalt Euler durch den Prozess neue Erkenntnisse. "In dem Verfahren wird insbesondere das familiäre Umfeld von Peggy Knobloch zu hinterfragen sein", so der Verteidiger. "Es gibt dort einige Besonderheiten, zumal schon die Polizei damals nicht ausschließen konnte, dass Peggy Knobloch möglicherweise in die Türkei entführt worden sein könnte."

Ob der Fall jemals aufgeklärt werden kann? Ulvi Kulac kann die Zusammenhänge, was da alles passiert ist, nicht verstehen. Er weiß aber, dass ihm Unrecht widerfahren ist und was er sich wünschen würde: "Freispruch. Raus hier zu meinen Eltern, mit ihnen verreisen", sagt Ulvi. "Und, dass die Staatsanwaltschaft Hof und die Kripo zur Rechenschaft gezogen werden."

Am 10. April beginnt der Prozess vor dem Landgericht in Bayreuth. Wie viele der noch offenen Fragen, dann eine Antwort finden, bleibt spannend.


http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/v...25-1845116.html

#133 RE: Presseartikel von Christine 01.04.2014 11:50

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Mordfall Peggy
Polizei verzichtet auf erneute Saale-Absuche

Die Polizei wird nicht erneut in der Saale nach der Leiche von Peggy Knobloch suchen. Das sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Das damals neunjährige Mädchen verschwand im Mai 2001 spurlos.

Stand: 31.03.2014

Eine Spezialeinheit der Polizei hätte den Abschnitt der Saale bereits im März 2013 abgesucht, sagte der Polizeisprecher. Daher hätten sich die Ermittler nun gegen eine erneute Suchaktion entschieden. Ein Hellseher behauptet zu wissen, wo Peggys Leiche liegt. Seinem Hinweis war die Polizei bereits bei der Suche im Frühling vorigen Jahres nachgegangen, allerdings ohne Erfolg.

Fall wird neu aufgerollt
Peggy Knobloch wird seit dem 7. Mai 2001 vermisst. Der geistig Behinderte Ulvi Kulac wurde vom Landgericht Hof 2004 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Peggy ermordet hat, um einen vorangegangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Immer wieder gab es Zweifel an Kulacs Schuld. Ende 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth schließlich die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Der Fall wird ab dem 10. April neu aufgerollt.


http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...-suche-100.html

#134 RE: Presseartikel von Christine 02.04.2014 11:52

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Fall Peggy
Die Geschichte eines Skandals


01.04.2014, 17:53 Uhr | Ulrich Weih , T-Online.de

Seit fast 13 Jahren wird Peggy Knobloch vermisst (Quelle: dpa)


Peggy Knobloch verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg - spurlos. Es gab keinerlei Hinweise, keine Zeugen, nicht einmal die Leiche des neunjährigen Mädchens wurde gefunden. In einem umstrittenen Prozess verurteilte das Landgericht Hof schließlich den geistig behinderten Ulvi Kulac im April 2004 wegen Mordes zu lebenslanger Haft.

Doch damit war und ist der Fall Peggy keineswegs abgeschlossen: Zahlreiche Ungereimtheiten, Widersprüche und Ermittlungspannen schürten immer wieder Zweifel an der Entscheidung des Gerichts. Jetzt hat das Gericht Bayreuth entschieden: Der Prozess muss neu aufgerollt werden. Ein ungewöhnlicher Vorgang in der Justiz.

Soko sollte Ergebnisse liefern

Die Begründung für die Wiederaufnahme lässt erahnen, dass dem Urteil wohl ein regelrechter Polizeiskandal vorausging. Die Soko Peggy stand gewaltig unter politischem Druck, sollte endlich einen Täter präsentieren. Und den glaubten die Ermittler in dem geistig zurückgebliebenen Ulvi Kulac gefunden zu haben. Was jetzt noch fehlte, war ein Geständnis.

Am 2. Juli 2002 gelingt den Beamten angeblich der Durchbruch. Die eigentliche Vernehmung war schon beendet, der Anwalt gerade gegangen, da habe Kulac plötzlich ein Geständnis ablegen wollen. Detailliert und präzise habe er aus freien Stücken den Tathergang geschildert. Leider war ausgerechnet in diesem entscheidenden Moment das Aufnahmegerät kaputt. Die Ermittler fertigten daher ein Gedächtnis-Protokoll an.

"Dieses Geständnis war hochgradig manipulativ"

Zu dem Vernehmungsteam gehörten auch zwei Beamte, die zuvor in der amerikanischen REID-Verhörmethode geschult wurden. "Ziel dieser Methode ist ein Geständnis. Das Verhör ist so aufgebaut, dass mit einem Wechsel zwischen Vertrauensbildung und Angriff gearbeitet wird. Das dient dazu, den Beschuldigten einzuschüchtern und ihm keine andere Wahl zu lassen. Beispielsweise gibt es suggestive Fragen", erläutert Christoph Lemmer. Der Journalist hat noch einmal die Akten gelesen, Aussagen überprüft und Personen befragt. Durch seine akribischen Recherchen ist er mit der Materie mittlerweile bestens vertraut.

In einer Zeitspanne von nur 30 Minuten, zwischen 13.15 und 13.45 Uhr, habe Kulac demnach Peggy abgepasst, sie durch durch das halbe Dorf verfolgt und schließlich eingeholt. Er habe sie gepackt, gewürgt, ermordet und die Leiche abgelegt, um Hilfe zu holen. Ein Freund sei mit einem Auto gekommen, man habe die Leiche in eine andere Ortschaft gebracht und unter einen Baum gelegt. Dann sei man zurückgefahren.

Hat Kulac dieses Geständnis unter polizeilichem Druck abgelegt? "Ulvi Kulac hat einen Intelligenzquotienten zwischen 54 und 67. Ich habe ihn ja selber erlebt, er ist ein Mensch, der auf kurzfristige Befriedigung aus ist. Ein schnelles Bier, eine schnelle Zigarette – dafür tut er eigentlich alles. Alles, was längerfristig gedacht ist und was zwei, drei Zwischenschritte erfordert, ist nicht sein Ding. Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass er den Vernehmern sehr lang standhalten konnte."

"Ich würde vermuten, dass Ulvi Kulac mehr oder weniger alles in den Mund gelegt wurde, was in diesem Geständnis herausgekommen ist", sagt Lemmer. Die Soko Peggy hatte offenbar eine Tathergangshypothese für das Verschwinden von Peggy entworfen und Kulac suggestiv dazu befragt. Musste der geistig-behinderte Mann den Hypothesen nur noch zustimmen?

Gutachter segnet Geständnis ab

Der Berliner Psychiater Hans-Ludwig Kröber hatte ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu dem Geständnis angefertigt. Einige seiner Kollegen üben vernichtende Kritik daran, es enthalte handwerkliche Fehler und gravierende Mängel. Kröber habe das Zustandekommen des Geständnisses nicht hinterfragt, er habe nicht einmal gewusst, dass es eine Tathergangshypothese gab, an der sich die Ermittler entlang hangelten.

Doch Gutachter Kröber war überzeugt: Kulac hatte aus freien Stücken die Wahrheit gesagt, sein Geständnis sei echt. Nicht alle Insider teilen diese Auffassung: "Das Gutachten ignoriert die gesamte Vernehmungsgeschichte, es ignoriert das Zustandekommen des Geständnisses - es dürfte eigentlich wertlos sein", meint dagegen Lemmer.

Ulvi Kulac wurde im am 30. April 2004 aufgrund des Geständnisses und des Gutachtens zu lebenslanger Haft verurteilt. "Das Geständnis war tatsächlich der einzige Beweis, es gab nichts anderes. Kein Indiz, keine Fingerabdrücke, keine DNA-Spuren - und schon gar keine Leiche. Nichts, gar nichts. Nur alleine das Geständnis", so Lemmer.

Vieles deutet auf gravierendes Fehlurteil hin

Schon früh kamen Zweifel an dem Urteil auf. Kulac zog sein Geständnis schon bald wieder zurück. Seine angeblichen Helfer hatten wasserdichte Alibis. Ein V-Mann, der Kulac ausgehorcht hatte, wiederief alle seine Angaben. Aussagen, die den geistig-behinderten Mann entlastet hätten, hatten die Ermittler ignoriert. Die Spuren von weiteren Verdächtigen waren nicht verfolgt worden.

Zahlreiche Details legten die Vermutung nahe, dass hier ein krasses Fehlurteil getroffen worden war. Nun wird der Prozess gegen Ulvi Kulac ab dem 10. April neu aufgerollt.

Verurteilter Kinderschänder unter Verdacht

Mittlerweile gibt es einen Verdächtigen aus Sachsen-Anhalt, der häufig in Lichtenberg bei seinem Adoptivbruder zu Besuch war. Holger E. aus Halle "war in Peggy regelrecht vernarrt", so Lemmer. Er stand schon früher unter Verdacht, doch die Beamten verfolgten diese Spur nicht weiter.

"Holger E. ist im Sommer 2000 zum ersten Mal in Lichtenberg zu Besuch gewesen und ab dieser Zeit hat sich das Verhalten von Peggy in auffälliger Weise verändert. Das ist erst einmal nur ein zeitlicher Zusammenhang. Ob es auch eine kausale Verbindung gibt, kann man momentan noch nicht sagen. Aber es spricht einiges dafür, dass der Grund in einem Missbrauchserlebnis von Peggy liegen könnte und dass sich dieses Erlebnis wiederholt hat", beschreibt Lemmer ein auffälliges Detail.

Tatsächlich veränderte sich die bis dahin aufgeweckte Neunjährige: Sie wurde still und in sich gekehrt, ihre Leistungen in der Schule sackten dramatisch ab. "Es gipfelte darin, dass sie ihre Unterhosen versteckt hat, dass sie nicht mehr alleine in ihrem Bett schlafen wollte, dass sie Männchen mit übergroßen Genitalien gemalt hat", sagt Lemmer. Hat Holger E. die Schülerin missbraucht?

Erst nach dem Prozess kamen seine pädophilen Neigungen ans Licht. Im Internet bot der Mann kinderpornografische Aufnahmen seiner zweijährigen Tochter an. Später gestand er, die Tochter seines Bruders missbraucht zu haben. Tatort: Lichtenberg, Zeitpunkt: Ostern 2001 - unmittelbar vor Peggys Verschwinden. Die missbrauchte Nichte war genauso alt wie Peggy.

Seit Februar 2013 sitzt Holger E. im Gefängnis. Sechs Jahres Haftstrafe für den Missbrauch seiner eigenen Tochter.

"Gesetzlosigkeit und Unordnung"

Warum sich die Soko Peggy bei ihren Ermittlungen so hartnäckig auf Ulvi Kulac konzentriert hat und andere Hinweise ignorierte, ist schwer nachzuvollziehen. Hat die bayerische Landesregierung Druck ausgeübt? Immerhin wurde eine zweite Sonderkommission Peggy gebildet, als die erste keine schnellen Ergebnisse liefern konnte. Wurde Kulac möglicherweise ein Opfer dieses Erfolgsdrucks?

"Da war einer, dem man die Tat anhängen und damit den Fall erledigen konnte. Hinterher konnte man sagen: Bei uns wird so ein Fall geklärt und der Täter kommt hinter Schloss und Riegel. Das ist eine völlig falsch verstandene Form von Law und Order. Sie hat dazu geführt, dass das Gegenteil von Law und Order eingetreten ist, nämlich Gesetzlosigkeit und Unordnung - indem man einen Unschuldigen verurteilt hat und einen Täter, wer auch immer das gewesen sein mag, frei herumlaufen lässt", vermutet Christoph Lemmer.

Ina Jung, Christoph Lemmer: Der Fall Peggy. Die Geschichte eines Skandals.
Verlag Droemer Knaur, 2013


http://www.t-online.de/nachrichten/panor...s-skandals.html

#135 RE: Presseartikel von W3003 02.04.2014 15:32

http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...-peggy-100.html

Staatsanwalt legt Mandat im Fall Peggy nieder

Kurz vor der Wiederaufnehme des Verfahrend im Fall Peggy gibt es einen plötzlichen Wechsel beim zuständigen Staatsanwalt. Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat den bisher zuständigen Kollegen von dem Fall entbunden.
Stand: 02.04.2014

Zugrunde liegt ein Vorgang bei der Vernehmung eines Verdächtigen. Dieser hatte während der Vernehmung den Wunsch nach einem Verteidiger geäußert, was ihm aber nicht gestattet wurde. Im Nachhinein erkannte der damals zuständige Staatsanwalt, dass diese Entscheidung im Prozess angreifbar sein könnte und bat um seine Entbindung von dem Fall.

Zwei neue Staatsanwälte

Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel hat für das Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulac zwei neue Staatsanwälte abgestellt. Das Verfahren solle frei von jeglichen Belastungen sein, so Potzel. Zwei Kollegen zu benennen sei ein normaler Vorgang angesichts des Umfangs des Verfahrens, sagte Potzel dem Bayerischen Rundfunk. Der bisher zuständige Staatsanwalt werde intern mit anderen Aufgaben betraut, so Potzel weiter.
Wiederaufnahme beginnt bald

Seit Mitte 2012 ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth im Zusammenhang mit dem Verschwinden der damals neunjährigen Peggy K. aus Lichtenberg vor 13 Jahren. Am Donnerstag kommender Woche (10.04.14) beginnt das Wiederaufnahmeverfahren in dem Fall.

#136 RE: Presseartikel von Christine 04.04.2014 08:43

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Mord ohne Leiche
NACHRICHTEN FRANKEN, 4. APRIL 2014, 7.52 UHR

Der Fall Peggy ist immer noch nicht gelöst
Vor 13 Jahren verschwand die Schülerin Peggy in Oberfranken spurlos, ihre Leiche wurde nie gefunden. Als ihr Mörder wurde 2004 der geistig eingeschränkte Ulvi K. verurteilt. In Kürze steht er wieder vor Gericht – und hofft nach zehn langen Jahren auf einen Freispruch.

Ein schwergewichtiger Mann mit schütterem Haar schlürft in einem Bayreuther Café einen Erdbeershake. Obwohl der 36-Jährige das Gesicht in einem der rätselhaftesten Kriminalfälle Deutschlands ist, erkennt ihn niemand. “Nur manchmal spricht mich jemand an. Die Leute sind dann immer nett zu mir und wünschen viel Glück”, erzählt Ulvi K. bereitwillig. Vor zehn Jahren wurde der geistig Behinderte als Mörder der neun Jahre alten Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt – von kommenden Donnerstag (10. April) an wird der Fall vor dem Landgericht Bayreuth neu aufgerollt.

Die Schülerin Peggy war am 7. Mai 2001 letztmalig auf dem Heimweg von der Schule gesehen worden. Ihre alleinerziehende Mutter gab noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Hundertschaften der Polizei durchkämmten die 1200-Seelen-Gemeinde Lichtenberg wochenlang. Sogar Kampfjets der Bundeswehr beteiligten sich an der Suche.

Bei der Polizei gingen 700 Hinweise ein – sogar von Auspendlern und Wahrsagern. Alle führten ins Leere. Die erste Sondereinheit musste ihre Arbeit ergebnislos beenden. Ein neues Ermittlerteam präsentierte dann den Lichtenberger Gastwirtsohn Ulvi K. als Mörder Peggys – von ihm war bekannt, dass er sich mehrmals vor Kindern entblößt hatte.

Nach dem Urteil aus dem Jahr 2004 tötete er Peggy, um einen vier Tage zuvor an ihr begangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Er soll dem Mädchen zunächst nachgerannt sein und ihm dann so lange Mund und Nase zugehalten haben, bis es sich nicht mehr rührte. Viele Lichtenberger glauben das bis heute nicht. Eine Anwohnerin erinnert sich daran, dass der “dickliche Ulvi” meistens “im Schneckentempo” durch den Ort gelaufen sei. “Ausgerechnet er soll das quirlige Mädchen verfolgt haben? Niemals!”, meint die ältere Dame.

“Ich bin kein Mörder”, sagt Ulvi K. immer wieder. Seine Strafe verbüßte der 36-Jährige aber auch noch gar nicht. Wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern sitzt er seit rund elf Jahren in einer psychiatrischen Einrichtung. Inzwischen darf er mit seiner Betreuerin mehrmals in der Woche das Gelände für einige Stunden verlassen.

Verteidiger Michael Euler hält seinen Mandanten für ein Justizopfer. “Denn es ist nur schwer zu glauben, dass ein geistig Behinderter das perfekte Verbrechen begangen haben soll. Ohne Leiche. Ohne Spuren.” Der Jurist hat mehrere Aktenordner voll neuer Beweise in dem Fall zusammengetragen.

Das Landgericht Bayreuth ordnete die Wiederaufnahme des Verfahrens aus zweierlei Gründen an: Ein wichtiger Belastungszeuge, der sich mit Ulvi K. in dem psychiatrischen Krankenhaus befand, hat seine Aussage im September 2010 widerrufen. Der mittlerweile verstorbene Mann hatte im ersten Prozess behauptet, Ulvi K. habe ihm das Verbrechen in der Psychiatrie gestanden. Dies sei aber eine Lüge gewesen, gab er später zu Protokoll.

Außerdem war bei dem ersten Prozess nicht bekannt, dass die Ermittler den Tathergang aus ihrer Sicht schriftlich festgehalten hatten – ein Geständnis von Ulvi K. war nahezu identisch mit dieser sogenannten Tathergangshypothese. Später widerrief K. sein Geständnis. Verurteilt wurde er dennoch wegen Mordes.

Erst seit knapp zwei Jahren wird im Fall Peggy erneut ermittelt. Zwei Bekannte der Familie des spurlos verschwundenen Mädchens gerieten dabei ins Visier der Staatsanwaltschaft Bayreuth – einer von ihnen muss sich in Kürze wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs an der Tochter seines Halbbruders vor Gericht verantworten. Ermittelt wurde zudem gegen einen anderen Lichtenberger – ein Mann, der ebenfalls bereits wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Gegen keinen der Männer hätten sich aber bislang Anhaltspunkte ergeben, die für eine Anklage im Fall Peggy ausreichten, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel.

Für den am 10. April beginnenden Prozess spielt das keine Rolle: “Es geht in diesem Prozess allein um die Frage, ob die Tat Ulvi K. nachgewiesen werden kann oder nicht”, erklärt Gerichtssprecher Thomas Goger. Bei einem Wiederaufnahmeverfahren ist es eben so, als hätte der erste Prozess nie stattgefunden. Deshalb ist wieder Ulvi K. der Angeklagte und deshalb muss mit Ausnahme weniger Punkte auch exakt die gleiche Anklageschrift wie vor zehn Jahren verlesen werden. Sogar die Gutachter von damals sind wieder dabei.

Ausgerechnet kurz vor Prozessbeginn musste die Bayreuther Staatsanwaltschaft eine neue Panne bei der Aufklärung des rätselhaften Falls einräumen: Einem Verdächtigen war bei seiner Vernehmung kein Anwalt gestattet worden. Der dafür zuständige Staatsanwalt sei auf eigenen Wunsch von dem Fall entbunden worden, teilte Oberstaatsanwalt Potzel mit. Die letztlich entscheidende Frage bleibt unterdessen noch immer unbeantwortet: Wo ist Peggy? (dpa/lby)


http://www.ramasuri.de/178554/nachrichte...neu-aufgerollt/

#137 RE: Presseartikel von Christine 07.04.2014 12:36

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MUTMAßLICHER MÖRDER PRAHLT IM KNAST
„Die Polizei wird Peggys Leiche nie finden“

Kinderschänder Holger E. (28) gilt als Hauptverdächtiger im Mordfall Peggy? Knobloch (†9). Das Mädchen wird seit 2001 vermisst?
Foto: dpa Picture-Alliance



06.04.2014 - 21:57 Uhr
Von T. SCHOLTYSECK
Halle/Nürnberg – Seit zwölf Jahren wird nach Leiche von Peggy Knobloch (†?9) gesucht. In Sachsen-Anhalt und in Bayern gruben Ermittler Grundstücke um, ließen sogar Gräber auf einem Friedhof öffnen. Jetzt verhöhnt Holger E. (28), der Hauptverdächtige im Fall die Fahnder.
Der Hallenser soll als Zeuge am Landgericht Bayreuth vorgeführt werden, wo in dieser Woche das Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. beginnt (siehe unten). Holger E. sitzt sechs Jahre in der JVA Burg ab, weil er seine Tochter (3) missbraucht und im Internet Kinderpornos getauscht hat.

Holger E. lebt in der JVA Burg auf der Station III – einer besonders geschützten Abteilung für Sexualstraftäter. Hier soll er gegenüber Mitgefangenem mit dem Verbrechen geprahlt haben
Foto: Siegbert Heiland
Er wurde in Burg auf der Station III, einem besonders geschützten Bereich, mit anderen Sex-Tätern untergebracht. Und dort soll er vor Gleichgesinnten mit dem Verbrechen an Peggy angegeben haben.
Cornelius R., ein Gefängnisinsasse, zu BILD: „Zwei Mithäftlingen erzählte er wörtlich: ,Ich habe den perfekten Mord begangen‘ und ,Die Polizei wird Peggys Leiche nie finden.‘“ Ein anders Mal habe er behauptet, die Leiche des Mädchens sei ganz leicht zu finden.

Auch das Gehöft der Eltern des Hauptverdächtigen im Saalekreis wurde von der Kripo durchsucht
Foto: Steffen Schellhorn
Sind das nur die kranken Fantasien ein Pädophilen?
Fakt ist: Holger E. hatte ein Bild von Peggy in seiner Zelle. Er gestand, dass es 2001 zwischen ihm und Peggy zu „Zärtlichkeiten“ und „gegenseitigen Streicheleien“ gekommen sei.
Das Wiederaufnahmeverfahren beginnt

Bayreuth – Am Donnerstag beginnt das Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi K. (36).
Er war 2004 zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an Peggy verurteilt worden. K. hatte 1981 eine Hirnhautentzündung, ist seither geistig stark behindert. Bei der Kripo legte er im Fall Peggy zunächst ein Geständnis ab, das späzgelegt haben, das er später widerrief.
Michael Euler, sein Verteidiger: „Wir wollen die Aufhebung des Urteils erreichen. Deshalb sind die Fragen, wer der wahre Mörder ist und wo Peggys Leiche steckt, so wichtig.“
Foto: dpa Picture-Alliance
Bei dieser Gelegenheit missbrauchte der Hallenser auch seine eigene Nichte, die damals in Peggys Haus in Lichtenberg (Bayern) zu Besuch war.
Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt, will dem ungeheuerlichen Geständnis vor Gericht nachgehen: „Ich werde den Gefangenen, der das gehört hat, als Zeugen vorladen.“


http://www.bild.de/regional/leipzig/verg...95766.bild.html

#138 RE: Presseartikel von Christine 08.04.2014 11:46

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Fall Peggy: Schwere Vorwürfe gegen die Ermittler
07. April 2014 07:00 Uhr

INTERVIEW ZUM PROZESS
Fall Peggy: Schwere Vorwürfe gegen die Ermittler
Der Autor Christoph Lemmer bezeichnet die Ermittlungen zum Verschwinden der neunjährigen Peggy aus Lichtenberg als Skandal. Von dem neuen Prozess erhofft er sich nun Gerechtigkeit. Von Sascha Geldermann


Manipulierte Zeugenaussagen und ein erzwungenes Geständnis - die Autoren Christoph Lemmer und Ina Jung werfen in ihrem Buch "Der Fall Peggy" den Ermittlern vor, nach dem Verschwinden des neunjährigen Mädchens am 7. Mai 2001 wissentlich falsch ermittelt zu haben. Und sie kommen zu dem Schluss, dass dem Verurteilten Ulvi. K das Geständnis in den Mund gelegt wurde. Kurz vor der Wiederaufnahme des Prozesses am Donnerstag sprach Lemmer mit uns darüber, warum er trotz erster Pannen nun eine faire Verhandlung erwartet und wie er zu den Vorwürfen in seinem 2013 veröffentlichten Buch gekommen ist.

Herr Lemmer, Sie kritisieren in Ihrem Buch die Ermittler im Fall Peggy scharf. Freuen Sie sich nun darüber, dass der Prozess neu aufgerollt wird?

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Lemmer: Ja, ich freue mich sehr und sehe das als Sieg der kritischen Öffentlichkeit. Ich und meine Mitautorin Ina Jung hatten im vergangenen Jahr gar nicht mit der Wiederaufnahme gerechnet - das passiert in Deutschland nämlich sehr selten. Doch da es starke Zweifel an dem Urteil von vor zehn Jahren gibt und mittlerweile auch neue Erkenntnisse aufgekommen sind, ist das definitiv der richtige Schritt.

Rechnen Sie mit einem Freispruch für den verurteilten Ulvi K.?

Lemmer: Ich kann mir nur einen Freispruch vorstellen. Es gibt bis heute keine Beweise für seine Schuld. Und sein Geständnis ist unter höchst fragwürdigen Bedingungen entstanden. Es spricht vieles dafür, dass die Ermittler ihm die Worte in den Mund gelegt haben. Schließlich hat Ulvi K. durch seine geistige Behinderung den Entwicklungsstand eines Acht- bis Zehnjährigen.

Vieles spricht für die Unschuld von Ulvi K.

Sie halten ihn also für unschuldig?

Lemmer: Dafür sprechen viele Anhaltspunkte. Mehrere Zeugen haben gesehen, dass Peggy noch nach dem angeblichen Tatzeitpunkt aus einer Bäckerei kam und in ein Auto gestiegen ist. In diesem Zeitfenster kommt Ulvi K. nicht mehr als Täter in Betracht. Außerdem landete das Geständnis von Ulvi K. erst einmal für einige Zeit in einer Schublade, bevor es angeführt wurde. Wenn es stichhaltig gewesen wäre, hätten die Ermittler ihn doch sofort als Täter präsentiert.

Aber Ulvi K. soll auch andere Kinder missbraucht haben.

Er hat den Geist eines Kindes und den Körper eines Erwachsenen - so ist es zu Situationen mit anderen Jungen gekommen wie: "Ich zeig dir meinen und du zeigst mir deinen." Beim Verfahren wurde das meiner Meinung nach falsch bewertet. Letztendlich gab es keinen Schuldspruch wegen Missbrauchs gegen ihn - nur die Vergewaltigung von Peggy steht ohne Beweise im Raum. Doch die Belästigung von Mädchen passt gar nicht in sein Muster.

Der Fall Peggy Knobloch1 von 15vorherige Seitenächste Seite

07. Mai 2001: Die neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg wird letztmalig auf dem Heimweg von der Schule gesehen. Ihre alleinerziehende Mutter gibt noch am Abend eine Vermisstenanzeige auf. Wochenlange Suchaktionen - unter anderem mit Tornados der Bundeswehr - bleiben ohne Erfolg.
Wenn nicht Ulvi K. der Täter ist - wer dann?

Lemmer: Ich kann auch nur Vermutungen äußern. Die vielversprechendste Spur ist für mich aber der Verdächtige Holger E., der mittlerweile wegen des Missbrauchs seiner zweijährigen Tochter im Gefängnis sitzt. Bei meinen jahrelangen Recherchen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Peggy vor ihrem Verschwinden Kontakt mit ihm hatte. Ob er wirklich der Täter ist, muss nun aber die Justiz in einem fairen Verfahren klären.

"Erwarte Gerechtigkeit vom neuen Prozess"

Was erwarten Sie von dem neuen Prozess?

Lemmer: Ich erwarte Gerechtigkeit - die gab es vor zehn Jahren nicht. Und ich hoffe, dass die Wahrheit nun endlich zweifelsfrei aufgeklärt wird.

Vor dem eigentlichen Beginn des Verfahrens gibt es schon die erste Panne. Der Staatsanwalt musste sein Mandat niederlegen. Ist das ein schlechtes Zeichen für den weiteren Verlauf?

Lemmer: Nein, das ist sogar ein sehr gutes Omen. Denn das zeigt, dass nun sehr genau auf den Ablauf des Verfahrens geachtet wird. Der Staatsanwalt hat ja den Fehler begangen, einem Verdächtigen den Verteidiger zu verweigern. Ich sehe nun auch beim Gericht den Wunsch, den Fall Peggy einwandfrei aufzuklären.

Kritik gibt es aber auch am Gutachter Hans-Ludwig Kröber.

Lemmer: Es gibt in der Tat scharfe Kritik an seinem Gutachten, in dem er das Geständnis von Ulvi K. als glaubwürdig beurteilt. Ich selbst bin kein Fachmann, aber einige Juristen werfen Kröber handwerkliche Mängel vor. Manche sprechen sogar davon, dass er sich nie richtig mit dem Fall befasst hat. Jetzt soll Kröber ein neues Gutachten anfertigen. Doch ich habe Informationen, dass der nun zuständige Richter Michael Eckstein mit ihm am Telefon besprochen hat, zu welchen Ergebnis dieses kommen soll - nämlich, dass das Geständnis frei erfunden gewesen sei.

Diesen Vorwürfen hat das Gericht mittlerweile widersprochen.

Lemmer: Ich halte weiterhin daran fest. Ich habe eine sehr zuverlässige Quelle, bei der ich mich noch einmal rückversichert habe.

Wenn das wirklich stimmt: Ist dann überhaupt ein faires Verfahren möglich?

Der Richter, der Gutachter und die Staatsanwaltschaft gehen jetzt geschwächt in das Verfahren. Sie sind sich bewusst, dass sie unter Beobachtung stehen und sich keine Fehler mehr leisten dürfen. In dieser Hinsicht ist es sogar positiv für das ganze Verfahren, dass sich diese Beteiligten jetzt erst einmal alle ins eigene Knie geschossen haben.


In ihrem Buch erheben Sie weitere Vorwürfe. Warum haben Sie sich überhaupt so intensiv mit dem Fall Peggy befasst?

Lemmer: Anfangs wollte ich nur eine Reportage für einen Radiosender machen, doch dann bin ich immer tiefer in dem Thema versunken. Vieles wollte ich anfangs nicht glauben. Zum Beispiel gab es neunjährige Jungen, die Ulvi K. sehr detailliert entlastet haben. Später zogen sie ihre Aussagen aber zurück. Ich habe bei ihnen nachgefragt, woran das lag. Daraufhin sagten mir die Neunjährigen, dass die Polizei sie dazu aufgefordert habe. Sie seien aus Angst darauf eingegangen.

Wand des Schweigens

Wie haben Sie für Ihr Buch recherchiert?

Lemmer: Zum einem habe ich versucht, mit den Behörden zu sprechen. Doch ich bin auf eine Wand des Schweigens gestoßen. Zum anderen konnte ich mit Peggys Angehörigen reden. Die waren anfangs eher zurückhaltend, später aber sehr offen.

Was haben Sie von den Angehörigen erfahren?

Lemmer: Nach den Gesprächen bin ich mir recht sicher, dass Peggy schon vor ihrem Verschwinden missbraucht wurde. Die Mutter spricht davon, dass sich das Mädchen in den Monaten davor auf einmal ungewöhnlich verhalten hat. Sie wurde schlecht in der Schule und hat sich immer weiter zurückgezogen. In der Woche vor dem 7. Mai 2001 hat das Mädchen das Haus wohl gar nicht mehr verlassen wollen. Jetzt macht sich die Mutter große Vorwürfe, die Zeichen nicht richtig gedeutet zu haben.

Auch 13 Jahre nach der Tat fehlt noch immer jede Spur von Peggy. Mittlerweile wurde auch ein Grundstück umgegraben und ein Grab geöffnet - ohne etwas zu finden. Ermittelte die Polizei falsch?

Lemmer: Das kann man so nicht sagen. Dass die Ermittler das Grundstück durchsucht und das Grab geöffnet haben, war wichtig. Andernfalls hätte es noch mehr Raum für Spekulationen gegeben.

Vermutungen, aber keine Beweise

Haben Sie nach Ihren Recherchen eine Vorstellung, was mit Peggy passiert sein könnte?

Lemmer: Ich habe Vermutungen, aber keine richtigen Beweise. Wie gesagt: Die heißeste Spur ist meiner Meinung diejenige, die zu Holger E. führt. Nun hoffe ich, dass es beim neuen Prozess weitere Erkenntnisse gibt.

Kurz vor der Wiederaufnahme am 10. April haben Sie und Ina Jung nun auch noch einmal ein aktuelles eBook mit 40 Seiten zu dem Fall herausgebracht. Warum?

Lemmer: Wir wollten noch einmal neue Erkenntnisse präsentieren und eine Öffentlichkeit schaffen. Wir wissen auch, dass sich Ermittler für unsere Informationen interessieren.

Es könnte aber auch so wirken, als wollten Sie Profit aus dem Fall Peggy schlagen.

Lemmer: Den Vorwurf habe ich noch nie gehört und er würde mich auch völlig kalt lassen. Wir haben viel Geld und Zeit in das Buch investiert. Es gab auch Ärger mit unseren Partnern, die unseren Einsatz für den Fall nicht mehr nachvollziehen konnten. Doch uns ist wichtig, dass es am Ende doch noch zu Gerechtigkeit kommt. Und ich bin optimistisch, dass das bei dem neuen Verfahren gelingt.


http://www.augsburger-allgemeine.de/baye...id29417516.html

#139 RE: Presseartikel von Christine 09.04.2014 17:52

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Wenn es Ulvi nicht war, wer dann?

Der Fall Peggy wird neu aufgerollt. Das neunjährige Mädchen verschwand 2001. Angeblich ermordet von Ulvi K., geistig zurückgeblieben, aber bärenstark. Er passte womöglich zu gut in die Tathypothese. Von Hannelore Crolly und Jörg Völkerling


Neben der Festungsmauer im Wald liegt ein Hundehaufen. Das Tier hat seine Hinterlassenschaft neben dem selbst gezimmerten "Wanderweg"-Schild fallen lassen, das auf der Weggabelung steht. Nichts deutet auf den Ort eines schlimmen Verbrechens hin. Sogar der Stolperstein, der der neun Jahre alten Peggy angeblich zum Verhängnis wurde, ist verschwunden. Nur das Schild wirft in der aufgehenden Sonne einen eigentümlichen Schatten.

Er sieht aus wie ein Kreuz.

Hier am Ortsrand von Lichtenberg ist Peggy vor 13 Jahren auf der Flucht vor Ulvi K. angeblich über einen bemoosten Stein gestürzt. Ihr Verfolger, damals 23 Jahre alt, geistig zurückgeblieben, aber bärenstark, holte das Kind ein. Peggy trat ihm in die Genitalien, entwischte kurz, aber an der nahegelegenen Treppe zur Burg bekam Ulvi das Mädchen endgültig zu packen und erstickte es mit bloßen Händen. So behauptet es die bayerische Justiz – bisher noch.

Aber vielleicht nicht mehr lange. Am 10. April beginnt in Bayreuth, nicht weit von Lichtenberg, das Wiederaufnahmeverfahren im Mordprozess gegen Ulvi K. Nach einer Hirnhautentzündung denkt, spricht und handelt der heute 36 Jahre alte Gastwirtssohn langsamer als andere, sein IQ liegt nicht mal bei 70. Dennoch wurde der Kind-Mann mit den runden Backen und dem schütteren Haar im April 2004 vom Landgericht Hof zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Die Kammer glaubte einem Geständnis, das K. fast zwei Jahre nach der Tat und nach endlosen Verhören gemacht, aber gleich wieder zurückgenommen hatte. "Das mit dem Stein kann er sich nicht ausgedacht haben", sagte der Vorsitzende Richter.

Was er nicht wusste und was jetzt zur Wiederaufnahme führte: Die vom damaligen Innenminister Günther Beckstein (CSU) eingesetzte Sonderkommission hatte eine "Tathergangshypothese" entwickelt, also ein Szenario, was wie passiert sein könnte. K.s ohne Anwalt und Tonband abgelegtes Geständnis liest sich wie eine Kopie dieser Hypothese. Ulvi Kulacs neuer Frankfurter Anwalt Michael Euler sagt: "Ulvi ist wie ein kleines Kind. Der gesteht alles, wenn Sie ihn lange genug bearbeiten."

Von Peggy fehlt bis heute jede Spur. Dabei haben Hundertschaften jeden Busch abgeklopft und jede Höhle durchsucht. Sie stocherten in Teichen und trugen Scheunen ab, Reiter durchstreiften die Wälder, Tornados flogen mit Wärmebildkameras über die Gegend. Hinweise auf eine Entführung nach Tschechien oder in die Türkei wurden verfolgt, sogar den Tipps von Hellsehern gingen die Polizisten nach, auf dem Friedhof wurde ein Grab geöffnet. Vergeblich.

Initiative für Ulvi gehören auch Peggys Großeltern an

Neben Ulvi gab es durchaus noch andere Verdächtige, unter ihnen der Bruder eines Nachbarn, der mittlerweile sogar wegen Pädophilie in Haft sitzt – und gestanden hat, mit Peggy "gekuschelt" zu haben. Doch im Prozess, in dem Ulvi die Tat vehement bestritt, waren die Richter überzeugt, einen Kindsmörder vor sich zu haben. Die Revision am Bundesgerichtshof scheiterte. Bis heute sitzt Ulvi in der geschlossenen Psychiatrie des Bayreuther Bezirkskrankenhauses, weil er auch gestanden hatte, vor mehreren Kindern im Ort onaniert und sie betatscht zu haben.

Bayreuth, das ist just jene Anstalt, in der ebenfalls Gustl Mollath untergebracht war. Die beiden kennen sich sogar, 2006 haben sie sich beim Hofgang das erste Mal gesehen. Mollath war an Händen und Füßen gefesselt, Ulvi nur an Händen. Mollath sagt, er könne sich Ulvi nicht als Täter vorstellen. "Der ist wie ein kleiner Bub." In Bayerns drittkleinster Stadt Lichtenberg sehen das viele ähnlich. Der Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Ulvi" gehören sogar Peggys Großeltern väterlicherseits an.

Gegründet hat die Pro-Ulvi-Initiative die ehemalige Rechtsanwaltsangestellte Gudrun Rödel. Die 66-Jährige hat selbst ein behindertes Kind großgezogen und war daher besonders betroffen von dem Fall. Sie studierte 14.000 Seiten Ermittlungsakten, befragte Zeugen, marschierte mit Peggy-Puppe und Stoppuhr durch den Wald und notierte Widersprüche zur "Tathergangshypothese". Heute ist sie fester denn je überzeugt, dass die Tat zur angenommenen Zeit gar nicht geschehen sein kann, weil es Zeugen gebe, die Peggy noch später gesehen hätten. Gudrun Rödel glaubt an einen Justizskandal. "Die Ermittler hatten Druck von oben, einen Täter zu präsentieren", sagt sie. "Und sie haben einen Dummen gefunden."

Jeder kennt jeden – oder doch nicht?

Lichtenberg, das wie ein Adlerhorst auf den Hügeln des Frankenwaldes sitzt, war einst vor allem für seine Burg mit wunderbarem Blick Richtung Rennstein bekannt. Eine prunkvolle Ortschaft ist Lichtenberg mit seinen 1100 Einwohnern nicht, aber hübsch, ein Stück kopfsteingepflasterte heile Welt mit vielen Vereinen und Geselligkeit. Jeder kennt jeden, ihre Kinder ließen die Lichtenberger früher bedenkenlos durch die Stadtgärten an der Festungsmauer streifen.

Doch seit dem 7. Mai 2001 ist alles anders. Reporter aus ganz Deutschland kamen zum nördlichsten Zipfel von Bayern und porträtierten eine Gruselkulisse mit verhaltensgestörten Einsiedlern, düsteren Wäldern, suspekten Stollen und Seen. Alles wie geschaffen für eine Dürrenmatt-Verfilmung: Die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt (SPD) sprach in einer Talkshow sogar von einer "Mauer des Schweigens". Die Stadt war gekränkt, der Bürgermeister verteidigte sich empört: Alle Lichtenberger hätten um Peggy getrauert, täten es noch.

Susanne Knobloch, Peggys Mutter, ist sich da nicht so sicher. Die gebürtige Sachsen-Anhaltinerin hat den Ort verlassen, heute lebt die 41-Jährige in Halle und sucht dort Halt bei neuen Freunden. Nur zu wenigen Menschen von damals hält sie noch Kontakt, mit den Leuten im Ort war sie nie warm geworden.

Am 7. Mai 2001 begannen für die Altenpflegerin, die mit ihrem türkischen Lebenspartner in einem hellblauen Haus mitten im Ort lebte, nicht nur Monate und Jahre der Verzweiflung, sondern auch endlose Verhöre und Verdächtigungen. Sie habe ihr Kind verkauft, es für Pornos missbraucht, es in die Türkei verschleppen lassen, hieß es, anonym im Internet oder auch aus dem Umfeld der Initiative "Gerechtigkeit für Ulvi". Gudrun Rödel kritisierte ganz offen: "So trauert keine Mutter, die ihr Kind verloren hat." Als gäbe es einen Standard für solch eine Ausnahmesituation.

Da ist zum Beispiel das Grab ohne Leiche, das Susanne Knobloch in Lichtenbergs Nachbarort Nordhalben errichten ließ. Es machte misstrauisch: "Solange Peggy nicht gefunden wurde, müsste sie doch jeden Tag auf ihre Rückkehr hoffen", meinte Gudrun Rödel. "Warum dann ein Grab?"

Ohne Leiche findet Peggys Mutter keinen Frieden

Susanne Knobloch fühlt sich hilflos gegen die Anschuldigungen. Sie sagt: "Ich bin gläsern für einige." Für diejenigen, die die 14.000 Seiten Akten gelesen haben. Sie selbst ist nicht dazu gekommen. "Ich musste arbeiten und meine Kinder erziehen." Peggy hatte noch eine kleine Schwester, später, nach dem Verschwinden, bekam Susanne Knobloch noch einen Sohn. Zu dem Gedenkstein auf dem Friedhof habe ihr ein Psychologe geraten, sagt sie. "Als Ort zum Trauern."

Dass Ulvis Geständnis nun nochmals vom Landgericht Bayreuth überprüft werden soll, begrüßt sie: "Es gibt noch so viele offene Fragen." Weil er immer eine Traube Kinder um sich hatte, war ihr der tapsige Gastwirtssohn schon früh suspekt. "Schaut euch den mal an", sagte sie in einer ihrer ersten Vernehmungen zur Polizei. Als nach fast einem Jahr kein Täter gefunden war, wiederholte sie ihren Verdacht lautstark in der Presse. Doch das neue Verfahren macht Susanne Knobloch auch Angst: "Wenn Ulvi freigesprochen und kein anderer Täter überführt wird, bleiben die Verdächtigungen gegen mich. Und meine Tochter bleibt weiter verschollen." All die Jahre hatte sie schließlich nur eines, woran sie sich klammern konnte: das rechtskräftige Mordurteil gegen Ulvi K.

Solange keine Leiche von Peggy gefunden wird, findet ihre Mutter keinen Frieden. 2011, nach zehn Jahren, hätte Susanne Knobloch ihre älteste Tochter für tot erklären lassen können. Stattdessen meldete sie bei jedem Umzug Peggy mit um. Mit ihren zwei Kindern lebt sie in einer Dreizimmerwohnung – zahlt aber Nebenkosten für vier. Zur Bundestagswahl kam eine Wahlbenachrichtigung für Peggy. "Im Wahlraum sah ich ihren Namen auf der Liste. Da hat es mich fast zerrissen. 'Sie kommt nicht mehr', hab' ich dem Wahlvorsteher gesagt."

"Der Ulvi ist beliebt im Ort"

Jahr für Jahr kauft sie am Geburtstag Blumen für ihre "Schnecke", am 6. April, würde sie 22 Jahre alt geworden sein. Wer weiß, vielleicht wäre ihre Mutter schon Oma, wenn an diesem diesigen, feuchtkalten Maitag alles anders gekommen wäre. "Doch sie ist schon länger weg, als sie bei mir war." Ob sie glaubt, dass Peggy noch lebt? Susanne Knobloch schaut mit Tränen in den Augen zu Boden, hebt die linke Hand und lässt einen winzigen Spalt zwischen Daumen und Zeigefinger. So klein ist die Hoffnung. Aber die lässt sie sich nicht nehmen.

Hoffnung hat auch Elsa K., Ulvis Mutter, Hoffnung darauf, dass von ihrem Sohn das Stigma des Mörders genommen wird. Noch wichtiger ist ihr allerdings etwas anderes. "Alle sagen immer: Hauptsache Freispruch. Aber ich will vor allem wissen, wo die Peggy ist. Und wer uns das Leben zerstört hat." Schwer atmend sitzt sie auf der Holztreppe ihres Hauses im Dorfzentrum, rote Puschen an den Füßen, noch erschöpft von 16, 17 harten Arbeitsstunden am Tag zuvor. Bis ganz nach unten ins Untergeschoss, wo sie mit ihrem Mann Erdal immer noch Gesellschaften bewirtet, schafft sie es gerade nicht. Seit einem Autounfall hat sie oft schwere Nacken- und Rückenschmerzen, auch jetzt gerade wieder.

"Der Ulvi ist beliebt im Ort", sagt sie. Zu Weihnachten brauchte sie einen Anhänger fürs Auto, so viele Geschenke habe sie mitnehmen können für ihren Sohn. In Lichtenberg war Ulvi so eine Art Faktotum. Er gehörte richtiggehend zum Stadtbild, sagte der damalige Bürgermeister Köhler einmal.

In der Psychiatrie gehe es dem Ulvi nicht schlecht, sagt seine Mutter, er habe sich eingelebt in der Klinik und auch ein bisschen was dazugelernt. Die Uhr lesen zum Beispiel klappe mittlerweile besser. Trotzdem werde es Zeit, dass er dort herauskomme. Sie kann sich ihren Sohn gut in einer betreuten Wohngruppe vorstellen, "aber nicht in Lichtenberg".

Viele Menschen schwer belastet

Herzlich wirkt Elsa K., lebenslustig und hilfsbereit trotz Schmerzen und Sorgen. "Ich bekoche den ganzen Ort." Gerade holt ihre Tochter Schweinsbraten und Schwammerl-Soße ab fürs Sonntagsessen. Man sieht der 76-Jährigen an, wie sehr ihr die vergangenen 13 Jahre zugesetzt haben. "Wir waren mal wer", sagt sie traurig und denkt an die Tage als Pächter der sonnengelb getünchten Schlossklause neben der Burg, dem Vereinslokal vom TSV Lichtenberg.

Für die Betreuung Ulvis hatte sie sechs Jahre mit der Arbeit ausgesetzt und ihn gefördert, so gut es ging. Dann kam der Junge in ein therapeutisch-pädagogisches Zentrum im nahen Hof, dort blieb er bis zum 18. Lebensjahr, er lernte Schuhe zubinden oder bügeln. Wieder daheim in Lichtenberg, half er in der Gaststätte aus. Fast jeder im Ort kannte ihn.

Nicht, dass sie im Ort je abgekanzelt oder schlecht behandelt worden wäre, als Ulvi vor Gericht plötzlich als Mörder galt. "80 Prozent glauben, dass er es nicht war", schätzt seine Mutter. Doch die Verteidigung hat ein kleines Vermögen verschlungen. Und auf der Suche nach der Wahrheit ist das deutsch-türkische Ehepaar sogar in die Südtürkei gereist, weil Zeugen Peggy nach ihrem Verschwinden gesehen haben wollten. Den Kredit dafür zahlen sie immer noch ab.

Peggys Verschwinden hat viele Menschen schwer belastet, manche Leben auf Dauer zerrüttet. Und nun beginnt also der zweite Prozess, an dessen Ende, wie es scheint, wieder mehr Fragen offen als geklärt sind. Wenn es Ulvi nicht war, wer dann? Oder gab es tatsächlich keinen Mord? Vielleicht wird der Fall für immer ungeklärt bleiben.

Die Treppe zur Burg, wo Peggy gestorben sein soll, ist derzeit mit großen Gittern abgesperrt: "Baustelle", mahnt ein Schild. "Eltern haften für ihre Kinder."


http://www.welt.de/vermischtes/article12...r-wer-dann.html

#140 RE: Presseartikel von Christine 27.04.2014 07:41

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Neue Spur?Neuer Besitzer findet Porno-Material - Polizei durchsucht im Fall Peggy Wohnhaus
Samstag, 26.04.2014, 18:45 · von FOCUS-Online-Autor Helmut Reister


Eine neue Spur? Die Polizei hat im Fall der verschollenen Peggy Knobloch wieder ein Haus in Lichtenberg durchsucht. Dort tauchte bei Aufräumarbeiten pornografisches Material auf – womöglich ist auch Kinderpornografie darunter.
In der oberfränkischen Gemeinde Lichtenberg (Landkreis Hof), in der vor 13 Jahren die kleine Peggy Knobloch (9) spurlos verschwand, ist erneut ein Wohnhaus durchsucht worden. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei FOCUS Online.
Nach dem vor kurzem erfolgten Verkauf des Hauses stieß der neue Besitzer nach Angaben der Bayreuther Polizei während Aufräumarbeiten auf größere Mengen pornografischen Materials. Da sich seiner Einschätzung nach auch kinderpornographische Darstellungen darunter befinden könnten, schaltete er die Polizei ein.
„Bisher keine Verbindung zum Fall Peggy“
Kripobeamte durchsuchten daraufhin am Freitagnachmittag das Wohnhaus oberhalb des Marktplatzes. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Anwesen, das im vergangenen Jahr Ziel einer groß angelegten Polizeiaktion war und in dem ein wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilter Mann wohnt. Unter anderem wurde bei der Suche nach Peggys Leiche der Garten umgegraben, Spuren des vermissten Mädchens wurden damals jedoch nicht gefunden.
Auch die Durchsuchung des Gebäudes am Freitag blieb offenbar erfolglos. „Wir konnten bisher keine Verbindung zum Fall Peggy herstellen“, erklärte die Sprecherin der Polizei. Sie dementierte Äußerungen von Bewohnern, wonach ein Leichenspürhund eingesetzt worden sei. „Davon ist mir nichts bekannt“, erklärte sie.

Derzeit läuft vor dem Landgericht Bayreuth ein Wiederaufnahmeprozess. 2004 war der behinderte Gastwirtssohn Ulvi Kulac (36) vom Landgericht Hof wegen Mordes an dem verschwundenen Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nachdem die Zweifel an seiner Schuld immer größer geworden waren, hatte die Bayreuther Justiz die Wiederaufnahme des Verfahrens angeordnet. Seit gut einem Jahr wird der mysteriöse Kriminalfall von der Staatsanwaltschaft erneut untersucht. In diesem Zusammenhang sagte Behördenchef Herbert Potzel: „Wir gehen jeder Spur nach.“ Dazu zählte auch der neue Hinweis.


http://www.focus.de/panorama/welt/neuer-...id_3801639.html

#141 RE: Presseartikel von Christine 03.05.2014 08:46

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Mordfall Peggy
Erneut Ermittler im Zeugenstand

Nach einer 14-tägigen Pause wird am Montag (05.05.14) der Wiederaufnahme-Prozess gegen Ulvi Kulac wegen Mordes an Peggy Knobloch fortgesetzt. Am vierten Verhandlungstag am Landgericht Bayreuth werden erneut frühere und aktuelle Ermittler befragt.

Stand: 02.05.2014

Neben den Ermittlern werden die Eltern ehemaliger Klassenkameraden von Peggy in den Zeugenstand treten. Die beiden Jungen hatten nach Peggys Verschwinden ausgesagt, sie hätten das Mädchen am Nachmittag des 7. Mai 2001 noch in Lichtenberg gesehen. Diese Aussage haben sie am ersten Prozesstag vor dem Landgericht Bayreuth wiederholt. Sollte Peggy Knobloch am Nachmittag des 7. Mai 2001 wirklich noch gelebt haben, wäre das Tatszenario mit Ulvi Kulac als Mörder hinfällig. Außerdem soll ein weiteres damaliges Kind aussagen.


Ulvi Kulac zum Prozessauftakt am 10. April vor dem Landgericht Bayreuth
Der vierte Verhandlungstag beschäftigt sich also mit zwei Themenkomplexen: Zum einen mit der Frage, wie das Geständnis von Ulvi Kulac damals zustande gekommen ist. Zum anderen mit den damaligen Kinderzeugen, die angeben, Peggy nach dem angeblichen Tatzeitpunkt noch gesehen zu haben. Beide Punkte sind entscheidend für die Frage nach der Schuld Ulvi Kulacs. Deshalb lässt sich das Gericht hier viel Zeit mit den Zeugenbefragungen.

Spurensuche in Lichtenberg

Zweifel an Kulacs Schuld
Die neunjährige Peggy Knobloch war im Mai 2001 aus ihrem Heimatort Lichtenberg bei Hof spurlos verschwunden. Drei Jahre später wurde der geistig behinderte Ulvi Kulac wegen Mordes verurteilt. Er soll Peggy umgebracht haben, um einen vorangegangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Inzwischen gibt es aber Zweifel an seiner Schuld.



http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...esstag-100.html

#142 RE: Presseartikel von W3003 05.05.2014 21:11

BR-Nachrichten vom 05.05.14

http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...esstag-100.html

Mordfall Peggy Keine Leiche, kein Tatort

Der Mordprozess gegen Ulvi Kulac offenbart ein heilloses Durcheinander bei den Ermittlungen, widersprüchliche Aussagen und Erinnerungslücken. Aufklärung wurde auch am vierten Verhandlungstag in Bayreuth nicht geleistet.

Der pensionierte Kriminalhauptkommissar Ralf B. feiert übermorgen seinen 66. Geburtstag, doch zuvor muss er dem Landgericht Bayreuth berichten, was und vor allem wie die Polizei seit Peggys Verschwinden am 7. Mai 2001 ermittelt hat. B. war in der SoKo I, er kennt die Akten noch heute erstaunlich präzise und kann sich noch an viele Details erinnern. B. hat sich ein hellbraunes Sakko angezogen und spricht mit leicht oberfränkischem Einschlag. So sagt er "Socko", wenn er von der Sonderkommission spricht, den Angeklagten nennt er beharrlich "Kulak" und nicht "Kulatsch", wie die übrigen Prozessbeteiligten.

Kulac konnte die Uhr nicht lesen

Eher nebenbei schildert B. einige Details aus den Ermittlungen, die einen erfahrenen Ermittler zumindest hätten stutzig werden lassen. So hätten die Polizisten Ulvi Kulac mehrmals vernommen und nach Zeitbezügen gefragt, ehe sie begriffen, dass der geistig Minderbegabte die Uhr nicht lesen kann. "Die zeitlichen Angaben waren schon sehr merkwürdig", gibt B. zu. Später hätten die Beamten nach dem Wetter gefragt, um nachvollziehen zu können, wann die geschilderten Erlebnisse stattgefunden hätten. Dass zwar in mehrere Richtungen ermittelt, aber kein Strang richtig zu Ende geführt wurde, verwundert da kaum noch. Am Ende kam für Polizei und Staatsanwaltschaft nur Ulvi Kulac als Täter infrage.

"Sehr ungewöhnliche" Zeugenaussagen

Auch B.s Kollege kann die Widersprüche nicht aufklären. Zwar hat Kulacs Verteidiger Michael Euler einen weiteren Rechtsanwalt hinzugezogen, doch die beiden Juristen bleiben meist passiv. Womöglich können sie selbst nicht glauben, was sie da hören. So waren die Polizisten im Sommer 2001 offenbar nur kurz irritiert, als ein Lichtenberger Bürger berichtete, am Tag von Peggys Verschwinden habe er Blumen gegossen. Das, so gibt der Ermittler B. zu, sei "sehr ungewöhnlich", da es am 7. Mai 2001 wie aus Kübeln gegossen habe. Darauf hätten die Beamten den Zeugen auch aufmerksam gemacht, seine prinzipielle Glaubwürdigkeit beeinflusste diese Merkwürdigkeit aber offenbar nicht.

Vernehmungen in der Schule

Weiter geht es mit den sogenannten Kinderzeugen, die behaupten, sie hätten Peggy noch am Nachmittag des 7. Mai 2001 gesehen. Polizisten und Juristen wissen, dass Zeugenaussagen stets die schlechtesten Beweise sind. Dass die Beamten bei den Vernehmungen nicht alles Gehörte für bare Münze nahmen, ist daher nachvollziehbar. Dass manche Befragungen aber in der Schule und offenbar ohne die Eltern der damals neun- und zehnjährigen Kinder stattfinden, verwundert dagegen sehr.

Applaus im Gerichtssaal

Erst als der SMS-Verkehr zwischen Peggys Mutter Susanne Knobloch und ihrem damaligen Lebensgefährten Erhan Ü. zur Sprache kommt, bohrt Kulacs Verteidiger Michael Euler nach. Nun wird klar, dass sich auch die Ermittler darüber zu wundern scheinen, warum Susanne Knobloch vorgibt, sich nicht mehr an die Erwähnung von 50.000 D-Mark erinnern zu können. Ein Wortgefecht mit der Staatsanwaltschaft gipfelt in Eulers Aussage, Susanne Knobloch und Erhan Ü. haben in diesem Fall ebenfalls als Verdächtige zu gelten. Unter den Zuhörern im Saal brandet Applaus auf, der autoritäre Vorsitzende ruft die Prozessbeobachter zur Ordnung.

Susanne Knobloch im Zeugenstand

Doch auch das wird deutlich: Im Fall Peggy gibt es mehrere Verdächtige und noch mehr Ungereimtheiten. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei weitere Männer, die allesamt als Pädophile in Erscheinung getreten sind. Und auch von Susanne Knobloch wird das Gericht noch einiges wissen wollen. Dann wird sie antworten müssen. Schweigen darf sie nur, wenn sie sich mit ihrer Aussage selbst belasten würde. Sie soll am Mittwoch (07.05.14) aussagen.

Dazu noch aus dem Live-Ticker:

Nach der Pause schlägt die Stunde der Verteidigung. Rechtsanwalt Euler will Zweifel säen. Ging die Uhr im Bus tatsächlich falsch? Kann es nicht sein, dass die Uhr korrekt eingestellt war? Hat nicht der Busfahrer zugegeben, mit Verspätung in Naila losgefahren zu sein? Kann ausgeschlossen werden, dass die Uhr richtig ging? Das kann der Beamte natürlich nicht, woraufhin sich Euler zufrieden zurücklehnt.

Doch der Polizist gibt zu bedenken, dass damit auch nicht automatisch Kulacs Unschuld belegt sei. Zeitlich sei es jedoch knapp geworden, Peggy zu töten und die Leiche – auch mit Hilfe des Vaters – zu beseitigen, gibt der Beamte zu. Trotzdem: Unmöglich sei es nicht.

Eine SMS von Susanne Knoblochs damaligen Lebensgefährten wird verlesen. "Schatz, du kannst es dir noch überlegen." Die Frage, was damit gemeint war, konnte oder wollte Susanne Knobloch bei einer polizeilichen Vernehmung nicht beantworten. Weitere Nachfragen in diese Richtung will die Staatsanwaltschaft nicht zulassen, um "laufende Ermittlungen" zu gefährden.

Euler fragt weiter, die Staatsanwaltschaft windet sich. Wird Susanne Knobloch womöglich als Beschuldigte geführt? Es gebe kein Ermittlungsverfahren gegen sie, stellt die Staatsanwaltschaft fest. Euler fragt weiter, der Vertreter der Staatsanwaltschaft bittet ihn um Präzisierung. Daraufhin braust Euler auf: "Sie sind der Einzige im Saal, der nicht weiß, was ich mit diesen Fragen bezwecken will", empört er sich. Im Saal applaudieren die Zuhörer, der Vorsitzende Richter ruft sie zur Ordnung. Dann wird Euler konkret: Für ihn sind Peggys Mutter und ihr ehemaliger Lebensgefährte Erhan Ü. verdächtig, in das Verschwinden des Mädchens involviert zu sein. Es gebe "allgemeine Ermittlungen", so die Staatsanwaltschaft.

Der heutige Verhandlungstag ist zu Ende. Morgen soll unter anderem Kulacs Verteidiger im ersten Prozess als Zeuge aussagen. Fortsetzung wieder um 8.30 Uhr.

#143 RE: Presseartikel von Christine 06.05.2014 11:52

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05.05.14
Wiederaufnahme

"Ein Fragezeichen, ob Peggy vielleicht noch lebt"
Das Mordgeständnis von Ulvi K. habe er nicht glauben können, sagt einer der ermittelnden Kommissare nun. Die Suche nach Peggy Knobloch hatte viele Absonderlichkeiten – eine Spur führte auch in die Türkei. Von Hannelore Crolly

Mord ohne Leiche – Wo ist Peggy? 1/15


Ulvi K. war fleißig über Ostern, er hat einen kleinen Stapel Danksagungen produziert. Alle Zettel zeigen ein kopiertes Farbfoto von ihm, daneben hat er in krakeligen, gleichwohl sorgfältig auf Linie gebrachten Druckbuchstaben etwas geschrieben, immer und immer wieder den gleichen Satz mit denselben Fehlern: "Hiermit bedake ich mich für die frendliche Unterstützung bei meinem Wideraufnahmeverfahren."

Nach zwei Wochen Prozesspause im "Mordfall Peggy" soll seine Betreuerin Gudrun Rödel die Botschaften an diesem vierten Prozesstag an ein gutes Dutzend Unterstützer im Zuschauerraum verteilen. Ulvi K., ein großer, schwerer 36-Jähriger mit dem Gemüt eines Kindes, freut sich sichtlich darauf. Für ihn, der schon mit dem Zählen Probleme hat, muss das Schreiben ein gewaltiger Kraftakt gewesen sein.

Überhaupt scheint Ulvi K., der 2004 im oberfränkischen Hof wegen Mordes an der neunjährigen Peggy Knobloch verurteilt worden war und nun erneut vor Gericht steht, die am besten gelaunte Person im Gerichtssaal zu sein. Wenn er ein Gesicht erkennt, winkt er strahlend, wenn er etwas gefragt wird, schaut er mit seinem flaumigen Haarkranz und den Grübchen in den rosigen Wangen zunächst etwas ratlos, dann lächelt er stets freundlich.


Foto: dpa
Ein Dank an die Unterstützer: Der als Peggys Mörder verurteilte Ulvi K. zeigt seiner Betreuerin Gudrun Rödel vor Beginn des Prozesstages im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bayreuth (Bayern) von ihm selbst verfasste Briefe
"Ulvi weiß ja, dass er es nicht getan hat, er ist daher ganz entspannt", sagt seine Betreuerin Rödel. Und auch, wenn seine geistigen Fähigkeiten nach einer Meningitis im Kindesalter sehr eingeschränkt sind: Auch er wird spüren, dass es gut für ihn läuft in Bayreuth, beim Wiederaufnahmeverfahren.

War auch der "Sexverkehr" mit anderen nur erfunden?

Dabei sitzt Ulvi nicht nur wegen Mordes an einem Kind, dessen Leiche nie auftauchte, in der geschlossenen Psychiatrie. Er hat auch gestanden, mehrere Kinder sexuell missbraucht, ja sogar vergewaltigt zu haben. Doch nicht nur an seinem Geständnis zum angeblichen Mord bestehen mittlerweile erhebliche Zweifel.

Beim Thema "Sexverkehr", wie Ulvi das nennt, könnte der oberfränkische Wirtssohn durchaus auch vom Bedürfnis getrieben worden sein, den starken Mann zu mimen, den Sexprotz im wahrsten Wortsinn, der bei anderen "echten" Männern Eindruck schinden wollte. So klingt es zumindest, als sein Verteidiger einmal aus einem der zahllosen Verhöre zitiert, die nach dem Verschwinden der neunjährigen Peggy im Mai 2001 mit dem damals 23-Jährigen durchgeführt wurden.

Selbst der vernehmende Polizist sagte zu ihm: "Das kann doch gar nicht stimmen, das ist doch nicht wahr", als Ulvi mit fast vulgärem Zungenschlag von wechselseitigem Analverkehr mit einem kleinen Jungen erzählt. "Doch, das ist so gewesen, wie ich es erzählt habe, das stimmt", soll dieser damals gesagt haben. Bestätigt hat sich diese schwere Vergewaltigung nie, obwohl die Identität des Jungen bekannt ist.

Und obwohl ziemlich unstrittig sein dürfte, dass sich Ulvi K. gern vor Kindern entblößte und auch onanierte. Seine Mutter hatte ihn deshalb auch schon für eine Therapie angemeldet. Doch dann verschwand Peggy, und knapp ein Jahr später gestand Ulvi, sie umgebracht zu haben.

Das Geständnis widerrief er, doch es wurde vom Gericht dennoch als glaubwürdig bewertet. Obwohl Peggy immer noch als vermisst gilt, sitzt Ulvi K. seither als Mörder ein.

Keiner ruft: "Hoppla, das habe ich übersehen"

Wiederaufnahmen sind in der Justiz höchst unbeliebt, immerhin muss sich die Justiz dabei selbst widerlegen und eigene Fehler aufdecken. Und mit Zeugen läuft es dabei auch selten gut. Dass die Ermittler von damals nicht freudig "Hoppla, das hab ich wohl übersehen" rufen, ist naheliegend.

So war es auch an diesem Tag, als der pensionierte Kriminalhauptkommissar Ralf B. geladen war, der eine zentrale Rolle in der ersten Sonderkommission spielte. Diese erste Sondereinsatzgruppe sollte Peggy nach ihrem Verschwinden und den möglichen Täter, so denn ein Verbrechen vorlag, finden.

Als die Soko 1 nach einem Dreivierteljahr weder Leiche noch einen Schuldigen vorzuweisen hatte, setzte das bayerische Innenministerium eine Soko 2 ein, und der gelang prompt der große Durchbruch mit Ulvi K.

Als er von dem Geständnis hörte, habe er es gar nicht glauben können, sagte B. Dabei war er als Zeuge der Staatsanwaltschaft geladen, sollte also den aus Sicht der Ankläger weiterhin bestehenden Schuldvorwurf untermauern. Doch der Kriminalhauptkommissar, der am Tag von Peggys Verschwinden Geburtstag hatte, aber noch an diesem Abend mit der Suche begann, half kräftig dabei mit, den Verdacht weiter ins Wanken zu bringen.

Ulvi K. sei zwar der erste und wichtigste Verdächtige gewesen. Doch ein Beweis für seine Beteiligung habe sich nie gefunden. Im Gegenteil sei es für ihn "ein großes Fragezeichen, ob die Peggy nicht vielleicht noch lebt".

Der Schülerlotse, der nicht ernst genommen wurde

Seine Zweifel rühren unter anderem von der Aussage eines für ihn sehr glaubwürdigen Zeugen her, ein Schülerlotse, der Peggy noch am Nachmittag des 7. Mai 2001 gesehen haben will. Mit dem Urteil von 2004 wäre das aber nicht vereinbar. Denn danach hat Ulvi K. das Mädchen schon vor 14 Uhr getötet.

Wenn der Schülerlotse so glaubwürdig gewesen sei, warum sei seiner Aussage dann später kein großer Stellenwert mehr eingeräumt worden, wollte der Richter wissen. "Das weiß ich nicht, weil ich in der Soko 2 keine wichtige Stellung mehr hatte."

Durch die Blume hieß das womöglich: Die neuen Kollegen wollten auf Teufel komm raus einen Schuldigen finden. Und alles, was nicht ins Bild passte, wurde weggelassen. "Kinderaussagen", so bezeichnete es später ein anderer Polizeizeuge. Soll heißen: Die sagen doch dauernd was anderes, Kinder sind nun mal so leicht beeinflussbar.

Die anderen Verdächtigen, sie waren zahlreich

Es habe zahlreiche Verdächtige gegeben, darunter Peggys Mutter und deren Lebensgefährte, der Türke Erhan Ü., sagte Ralf B. Der habe Susanne Knobloch geschlagen und damit gedroht, sie zu ermorden, außerdem habe er mit der Entführung von Peggys kleiner Schwester gedroht.

Auch hatte der Mann womöglich ein Verhältnis oder zumindest Interesse an einer Beziehung mit einer türkischen Frau aus dem Raum Pforzheim. Von deren Handy soll vier Monate nach Peggys Verschwinden eine SMS auf Ü.s Mobiltelefon geschickt worden sein: "Ich habe meine Mama schon lange nicht mehr gesehen."

Der Hintergrund der seltsamen Nachricht konnte nie aufgeklärt werden, obwohl sich eine Sondergruppe nur um die Spuren Richtung Türkei kümmerte. Zeugen wollten das Kind dort gesehen haben, andere verdächtigten den Mann, der nicht Peggys leiblicher Vater war, der Entführung.

Erhan Ü. ist ebenfalls als Zeuge geladen und soll am Mittwoch aussagen, ebenso wie Peggys Mutter Susanne. "Das war schon ein besonderes Paar", sagte Ex-Ermittler Ralf B. und ergänzte: "Ich weiß nicht, was passiert ist. Also kann ich auch nichts ausschließen."

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http://www.welt.de/vermischtes/article12...-noch-lebt.html

#144 RE: Presseartikel von Christine 07.05.2014 12:23

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Mordfall Peggy
Keine Leiche, kein Tatort – kein Schuldiger
Die Beweisaufnahme im Mordprozess gegen Ulvi Kulac ist abgeschlossen, der Freispruch nur noch Formsache. Das Wiederaufnahmeverfahren war wichtig, doch die Aufklärung bleibt auf der Strecke.

Von: Martin Hähnlein
Stand: 07.05.2014

Auch nach dem sechsten Verhandlungstag bleibt die Akte Peggy einer der mysteriösesten Kriminalfälle Deutschlands. Die Ermittlungsakten umfassen 80.000 Seiten, Zeugen widersprechen einander und offenbaren teils gravierende Erinnerungslücken und dann ist da ein Angeklagter, der in seinem ganzen Verhalten selbst die renommiertesten Gerichtspsychiater der Republik bisweilen ratlos macht.

Gutachter werden nicht konkret
Der Münchner Gerichtsmediziner Prof. Norbert Nedopil hat ebenso wie sein Berliner Kollege Prof. Hans-Ludwig Kröber in seiner Laufbahn Hunderte Beschuldigte in einem Strafverfahren begutachtet. Am 36-jährigen Ulvi Kulac, dessen Intelligenzquotienten die Experten irgendwo zwischen 60 und 70 einordnen, arbeiten sich aber beide ab, ohne zu einem konkreten Ergebnis zu kommen.

"Ich weiß es nicht"
Kulac sei zweifellos sehr fantasiebegabt, stellte Nedopil fest, er "konfabuliere" frei heraus und füge Geschichten zusammen, die aber in ihrer Gesamtheit oft nicht plausibel seien. Werde Kulac mit Widersprüchen konfrontiert, versuche er sich an einer neuen Variante der Geschichte und schaue die Gutachter erwartungsvoll an. Sollte das auch nicht fruchten, habe Kulac mehrfach gestrahlt und sich auf ein "Ich weiß es nicht" zurückgezogen, berichtete Nedopil.

"Sexverkehr" mit Kindern
Seine Sexualität lebte der geistig zurückgebliebene 36-Jährige bis zu seiner Unterbringung in der Forensischen Psychiatrie relativ ungezügelt aus. Er zog sich vor Kindern in Lichtenberg aus, nötigte sie sexuell und missbrauchte sie bisweilen. Auch die damals neunjährige Peggy Knobloch habe er missbraucht, gestand Kulac. Dem Gutachter Norbert Nedopil zufolge glaubte Kulac, nichts Unrechtes zu tun, wenn er mit den Kindern "Sexverkehr" hatte, wie er es nannte.

Spurensuche in Lichtenberg
Infografik öffnen
Gutachter bleibt vage
Im Wiederaufnahmeverfahren ging es nicht zuletzt um die Glaubwürdigkeit des Angeklagten. Ist sein Geständnis vom 2. Juli 2002 glaubhaft? Oder sein sehr viel später erfolgter Widerruf? Was aus seinen Erzählungen hat er erlebt, was konstruiert? Oder hat er, wie er es häufiger zu tun scheint, wahre Erlebnisse in erfundene Geschichten integriert? Ausgeschlossen werden könne das nicht, sagte der Gerichtspsychiater Kröber. Damit stellte er die Weichen für Kulacs Freispruch, den das Gericht am kommenden Mittwoch (14.05.14) verkünden wird.

Viele Fragen, mehrere Verdächtige
Was bleibt? Solange Peggy nicht wieder auftaucht, kann eine zweifelsfreie Aufklärung nicht erfolgen, das war bereits vor Beginn der neuen Hauptverhandlung klar. Zu viele Gerüchte sind im Umlauf, zu viele Verdächtige haben kein plausibles Alibi, aber durchaus ein theoretisches Motiv, die neunjährige Peggy getötet zu haben. Im neuerlichen Strafverfahren ging es aber allein um die Frage, ob Ulvi Kulac Peggy getötet hat.

Zweifel bleiben
Für Kulac ändert sich unmittelbar nur wenig. Er bleibt in der Psychiatrie untergebracht, wenngleich der Mordvorwurf nun vom Tisch ist. Für ihn und seine Unterstützer bleibt die Hoffnung, dass sich seine Entlassung nicht noch Jahrelang hinauszögert. Die Zweifel werden bleiben.


http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...esstag-100.html

#145 RE: Presseartikel von Christine 07.05.2014 12:26

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Überraschend will Richter Eckstein die Beweisaufnahme im Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulac bereits heute abschließen. Alles deutet auf einen Freispruch für Kulac hin. Neben dem Geständnis gebe es bis heute keinen einzigen Sachbeweis dafür, dass Ulvi Kulac Peggy ermordet hat.

Ein wichtiger Grund für diese Einschätzung des Gerichts sei das neue Gutachten von Psychiater Hans-Ludwig Kröber. Der sagte gestern, er könne nicht mehr ausschließen, dass Ulvi Kulac damals ein falsches Geständnis abgelegt hat. Außerdem hält das Gericht auch die Aussagen der Kinderzeugen für glaubwürdig, die Peggy nach dem angeblichen Tatzeitpunkt noch in Lichtenberg gesehen haben wollen.

Die Staatsanwaltschaft verzichtet ebenfalls auf die Vernehmung weiterer Zeugen. Kulacs Verteidiger, Rechtsanwalt Euler, hingegen hat trotz der Entscheidung des Gerichts auf die für heute vorgesehene Vernehmung von Peggys Mutter, Susanne Knobloch bestanden. Weitere zwei Entlastungszeugen, die Kulac damals ein Alibi gegeben haben, möchte er noch hören. Das offizielle Urteil wird mit großer Sicherheit kommende Woche fallen.



Der Münchner Psychiater Prof. Norbert Nedopil sagt aus. Er hat Kulac untersucht und soll seine Fantasiebegabung beurteilen.

Kulacs Intelligenz liegt Neopil zufolge im sehr problematischen IQ-Bereich zwischen 60 und 70. Solche Personen wüssten durchaus, dass man bestimmte Dinge nicht tun dürfe.

Bei einem Test zeigte sich, dass Kulac in einem vorgelegten Farbklecks alle möglichen Tiere erkannte und trotz seiner offensichtlichen Unwissenheit immer weiter machte, offenbar in der Hoffnung, irgendwann richtig zu "raten".

Bei vorgelegten Bildern sollte Kulac berichten, was ihm dazu einfällt. Erstaunlicherweise habe er ganz plausibel klingende Geschichten erzählt, die er auch am nächsten Tag wiederholte. Zwar hätten die Erzählungen nicht den Kern der Sache betroffen, aber Kulac habe diese unbefangen und bedenkenlos vorgetragen.

Nedopils Fazit: Kulac sei fantasiebegabt und könne Dinge auf den ersten Blick glaubhaft darlegen. Darüber hinaus sei er lernfähig. Auf Unstimmigkeiten in seinen Erzählungen angesprochen, habe er die Gutachter angestrahlt und zugegeben, dass er die Antwort eigentlich gar nicht wisse.



Peggy habe sich öfter verletzt, berichtet Susanne Knobloch auf eine entsprechende Frage des Gerichts.

Die rätselhaften SMS spricht sie von sich aus an. Sie stockt und spricht mit belegter Stimme, mehrere Sätze fängt sie an, ohne diese zu beenden.

Ihre Befragung wird unterbrochen, weil die Zeugenaussage eines Ermittlers eingeschoben wird. Zur Sprache kommt eine der rätselhaften SMS. So wurde am 7. Juni 2001, also vier Wochen nach Peggys Verschwinden, eine Nachricht von Ü.s Handy an eine Bekannte geschickt: "Ich habe meine Mama schon so lange nicht mehr gesehen."

Die Polizei schlussfolgert, dass sich das nicht auf Peggy bezogen hatte, sondern auf Ü.s Eltern. Diese seien Ende Mai 2001 für vier bis sechs Monate in die Türkei gereist. Und auch für eine weitere SMS hat der Ermittler eine Erklärung parat: "Mit 50.000 kann man viel machen auf dieser Scheißwelt", hatte Ü. geschrieben. Schlussfolgerung der Ermittler: Ü.s Schwägerin habe eine Imbissbude übernommen und in diesem Zusammenhang eine Abschlagszahlung von 50.000 Mark geleistet. Weitere Überlegungen hätten die Ermittler nicht angestellt, berichtet der Polizeihauptkommissar. Dann geht es mit der Befragung von Susanne Knobloch weiter.

Susanne Knobloch geht davon aus, dass es sich bei den 50.000 Euro um ein "Kopfgeld" ihres ehemaligen Lebensgefährten Erhan Ü. handelte, um sie zu töten. Zwischen dem Paar habe "die Luft gebrannt", berichtet sie. Der 7. Mai 2001 sei ein denkbar schlechter Tag gewesen. Sie habe private Probleme gehabt, Peggy habe nicht in die Schule gehen wollen, es sei neblig, dießig und regnerisch gewesen. "Der Tag war Scheiße", fasst Susanne Knobloch zusammen. Zur Aufklärung können auch die Nachfragen von Rechtsanwalt Euler nicht beitragen.



Das Urteil soll am Mittwoch, 14. Mai verkündet werden.

Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen. Plädoyers am Dienstag, 13. Mai.




http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...esstag-100.html

#146 RE: Presseartikel von W3003 15.05.2014 12:13

Deutschlandfunk 14.05.2014

http://www.deutschlandfunk.de/peggy-urte...ticle_id=285396

Jahr für Jahr rühmt sich Bayern für seine Null-Toleranz-Haltung bei Kriminalität und sieht sich als Vorbild in Sachen Innere Sicherheit. Immer öfter zeigt sich nun die Kehrseite dieser Law-and-Order-Politik, kommentiert Michael Watzke. Die Wiederaufnahmeverfahren im Fall Peggy und bei Gustl Molath sprechen für sich.

Wiederaufnahme-Verfahren sind in der deutschen Justiz so selten wie ein Goldstück im Rinnstein.

In Bayern aber häufen sie sich in letzter Zeit: dem Fall Peggy, Der heute mit einem Freispruch für den Angeklagten Ulvi Kulac zu Ende ging, folgt im Juli der Fall Gustl Mollath. Auch dort deutet vieles auf einen Freispruch hin. Und in den kommenden Monaten könnten noch weitere Wiederaufnahme-Verfahren vor bayerischen Gerichten folgen.

Zufall? Wohl kaum. Der Freistaat Bayern ist stolz auf seine harte Law-and-Order-Politik, er wirbt mit der hohen Aufklärungs-Quote seiner Ermittlungsbehörden und der Null-Toleranz-Haltung seiner Justiz. Wenn der bayerische Innenminister einmal im Jahr die PKS präsentiert, die Polizeiliche Kriminalstatistik Bayern, dann streicht er genüsslich heraus, dass die Polizei im Freistaat fast sieben von zehn Kriminalfällen aufklärt, während in ganz Deutschland nur etwas mehr als die Hälfte aller Täter entdeckt und bestraft werden. Zitat Joachim Hermann aus dem März diesen Jahres: "Durch unser konsequentes Vorgehen gegen Kriminalität setzt Bayern in der Bundesrepublik und in ganz Europa die Maßstäbe der Inneren Sicherheit. Bayerisches Markenzeichen ist, die Polizei weiter zu stärken und negative Kriminalitätsentwicklungen sofort aufzugreifen."

Das ist an sich nichts Schlechtes. Wenn aber der Druck auf die Ermittlungsbehörden zu groß wird, wenn sie in jedem Fall Täter präsentieren sollen, damit Bayern in der Statistik weiter an der Spitze steht - dann überspannt die Politik den Bogen.

"In dubio pro reo" darf darf nicht vergessen werden

Im Fall Peggy deutet vieles darauf hin, dass der heute freigesprochene Ulvi Kulac diesem Druck zum Opfer fiel. Weil die erste "Soko Peggy" keine Erfolge vorweisen konnte, ließ der damalige Innenminister Günther Beckstein eine zweite Soko bilden - und die präsentierte bald den dringend benötigten Täter. Wahrscheinlich waren die Vernehmungsbeamten felsenfest davon überzeugt, mit Ulvi Kulac den richtigen erwischt zu haben. Doch sie halfen nach, wo sie konnten. Sie pressten dem Angeklagten das Geständnis geradezu ab - und was nicht passte, wurde passend gemacht.

Die Justiz spielte mit. Sie zweifelte nicht, wo sie hätte zweifeln müssen. Auch Richter und Staatsanwälte müssen sich deshalb fragen, ob sie den Kernsatz "in dubio pro reo" aus den Augen verloren haben.

Verantwortung tragen aber auch wir Journalisten. Zu laut fordern wir schnelle Fahndungserfolge. Gerade bei so sensiblen Kriminalitätsfällen wie Kindesmissbrauch erträgt es die Öffentlichkeit kaum, wenn ein Verbrechen ungesühnt bleibt, weil die Polizei keinen Täter ermittelt. Oder weil die Justiz dem Angeklagten seine Schuld nicht nachweisen kann.

Aber das gehört nun mal zu einem Rechtsstaat dazu. Aufklärungs- und Verurteilungsquoten von nahezu 100 Prozent findet man nur in Diktaturen. Demokratie zeichnet sich durch Skrupel aus - und die äußern sich zum Beispiel in Wiederaufnahme-Verfahren. Das ist das Positive am Fall Peggy.

#147 RE: Presseartikel von Christine 31.05.2014 08:40

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Was geschah mit Peggy?


30.05.2014 - 15:36


Autor Friedrich Ani und Genrefilmer Dominik Graf spinnen den authentischen "Fall Peggy Knobloch" weiter - mit einer Wut und Konsequenz, die schwer schlucken lässt.
Die Filmproduzenten hatten sich alle erdenkliche Mühe gegeben, den Ball flach zu halten. Aber keine Chance: Als bekannt wurde, dass Dominik Graf im Landkreis Hof einen Film drehen würde, der verdächtig nah dran am einschlägigen "Fall Peggy Knobloch" schien, war die oberfränkische Lokalpresse nicht mehr mit der rührenden Verharmlosung zu besänftigen, hier würde ein "Landschaftsthriller" nach fiktiven Motiven entstehen. Monate später, als der Film "Das unsichtbare Mädchen" (2012) im Zuge der Uraufführung bei den Hofer Filmtagen alle Besucherrekorde brach, wagte sich der Drehbuchautor Friedrich Ani aus der rhetorischen Deckung, nannte den "Mordfall Peggy" einen "Polizei- und Justizskandal" sowie die "wesentliche Inspirationsquelle" für sein Drehbuch. Mittlerweile ist das Ausgangsverbrechen wieder in die Schlagzeilen geraten - und gilt als weiterhin ungelöst. Zumindest wurde der ehemalige Hauptverdächtige Ulvi Kulaç freigesprochen: Seine Verurteilung wurde aufgehoben.
Der "Fall Peggy Knobloch", der für viele aus der Region kein Mordfall, sondern ein Vermisstenfall ist, wühlt die Menschen noch heute auf: mehr als zehn Jahre, nachdem eine aus Lichtenberg stammende Schülerin im Jahr 2001 mit damals neun Jahren auf dem Schulweg verschwand. 2004 verurteilte das Landgericht Hof Ulvi Kulaç, einen geistig zurückgebliebenen Nachbarn Peggys, wegen Mordes. Obwohl nie eine Leiche gefunden wurde. Und obwohl der Beschuldigte sein offenbar unter Druck zustandegekommenes Geständnis umgehend widerrief.
Das und ein paar weitere höchst irritierende Umstände, die im Internet verschiedentlich dokumentiert sind, bilden also den Hintergrund der Geschichte, die Graf, Ani und dessen Koschreiberin Ina Jung erzählen. Wo die gesicherten Fakten des authentischen Falls ins Spekulative driften, geht's im Film erst richtig los. Graf und Ani spinnen die Ausgangslage weiter - und sie stoßen mit einer Radikalität und einer Wucht in Abgründe vor, die das deutsche Fernsehspiel so unverblümt normalerweise nicht kennt.
Ronald Zehrfeld ist wie im Western der "Lonesome Stranger", dem der Zuschauer in den Sündenpfuhl eines Provinzkaffs nahe der tschechischen Grenze folgt. Zehrfeld spielt den jungen Kommissar Niklas Tanner, der in vielen Wesenszügen eine Neuauflage des bärigen Berlinbullen Sven Lottner aus Grafs Russenmafiaserie "Im Angesicht des Verbrechens" ist. Hier aber hat man ihn von der Hauptstadt in die Kreisstadt Sihl im Oberfränkischen versetzt, wo der korrupte Kripochef Michel (Ulrich Noethen) die Sache mit der Wahrheitsfindung sehr frei interpretiert.
Vor elf Jahren hat Michel den inzwischen pensionierten Kommissar Altendorf (Elmar Wepper) als Chef einer SOKO abgelöst und im Handumdrehen einen Mörder der vermissten Sina Kolb präsentiert - ein damals achtjähriges Mädchen, dessen Leiche nie gefunden wurde. Verurteilt wurde - auch hier schrieb die Realität das Drehbuch - ein geistig behinderter Gastwirtssohn, an dessen Schuld im Örtchen Eisenstein aber die wenigsten glauben mögen.
Der aktuelle Mord an einer Zeugin von damals bringt den jungen Tanner dazu, die alten Akten zu öffnen, die sein Chef Michel unter allen Umständen verschlossen halten will. Michels Kontakte reichen hoch in die Bayerische Staatskanzlei zum Innenminister (Michael Lerchenberg), der bald als Ministerpräsident kandidieren möchte. Die Lebensader von Michels Widersacher Altendorf reicht runter in den heimischen Keller, wo der kränkelnde Ex-Kommissar hunderte von Ermittlungsdokumenten archiviert und an die Wand geheftet hat. Keller hat nicht mehr die Kraft und den Schneid, den Unglücks-Fall seines Lebens aufzuklären. Tanner hat beides - und es treibt ihn durchs Niemandsland über die tschechische Grenze in einen Vorort der Hölle.
Auch um den authentischen Peggy-Fall kreisen Theorien, die in Richtung Kinderpornografie und -prostitution weisen. Was die Darstellung dieses unsagbaren Verbrechens, was die Radikalität der gezeigten Gewalt und die Konsequenz der Denunziation staatlicher Institutionen angeht, lässt einen dieser überragend inszenierte Krimi schwer schlucken. Die Morallosigkeit saugt förmlich die Farbe aus den braunstichigen Bildern. Wo andere hölzerne Erklärdialoge wuchern lassen, findet Dominik Graf große, einschneidende Bilder, die das Unaussprechliche viel besser erzählen.
Was Atmosphäre, Sujet und Topografie angeht, erinnert hier nicht wenig an die berühmte David-Lynch-Serie "Twin Peaks". Silke Bodenbender als verruchte und seelisch kaputte Mutter der vermissten Sina hat bisweilen die abgründige Aura der Laura Palmer. Nur die Ironie der US-Kultserie geht diesem wütenden Schauerstück ab. Auch wenn die Gerechtigkeit am Ende einen blutigen Triumph in Show-down-Manier feiert: Graf und Ani ist es bitterernst mit diesem aufwühlenden Film, der strukturell ein Western ist und einige Preise gewinnen wird. Den schönsten Sieg würde ihnen aber sicher die Realität schenken. Wenn sie sich denn ein Stück weit die fiktive Erlösung zum Vorbild nimmt.


http://www.bluewin.ch/de/entertainment/t...mit-peggy-.html

#148 RE: Presseartikel von 01.06.2014 19:50

Behörden-Post schockiert MutterMakaber: Vermisste Peggy soll Zwangsabgabe nachzahlen
Sonntag, 01.06.2014, 18:28

Am 7. Mai 2001 wird die neun Jahre alte Peggy aus Oberfranken zuletzt lebend gesehen, eine Leiche der damals neun Jahre alten Schülerin nie gefunden. Ihre Mutter hat bis heute die Hoffnung nie aufgegeben und ihr Kind nie für tot erklären lassen - mit nun makaberen Folgen.
Nach dem Motto „Ordnung muss sein“ schicken deutsche Behörden und Unternehmen schon seit Jahren wahllos Standardbriefe umher. Nun löste ein Schreiben der Gebühreneinzugszentrale (GEZ) besonderen Ärger aus, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Der Grund: Der Brief war an „Frau Peggy Knobloch“ adressiert – an das vor 13 Jahren vermisste Mädchen aus der oberfränkischen Stadt Lichtenberg.

Für Peggys Mutter sei die Ankunft des Schreibens ein Schock gewesen, denn der „Beitragsservice“ von ARD und ZDF habe rückwirkend bis Januar 2013 von Peggy TV-Gebühren von vierteljährlich 53,94 Euro verlangt. Dabei gilt das Mädchen immer noch als spurlos verschwunden.
Besonders pikant an der Geschichte: Die öffentlichen Fernsehsender ARD und ZDF berichten seit Jahren über das Schicksal der vermutlich ermordeten Peggy. Zudem war der Fall gerade erst neu aufgerollt worden. Dabei wurde der mutmaßliche Mordverdächtige Ulvi K. freigesprochen. Dafür stehen nun andere Verdächtige im Visier der Ermittler.? Peggys Mutter Susanne Knobloch äußerte sich gegenüber „Bild“ entsetzt: „Ich hatte mich nach dem Prozess gerade wieder gefangen und nun so ein Schlag.“

Peggy wird bei jedem Umzug umgemeldet
Die 41-Jährige erhält nach „Bild“-Informationen ständig Post für ihre Tochter und glaubt, dass der Grund dafür die Bürokratie sei. Ihr vermisstes Kind habe sie nie für tot erklären lassen. „Das hätte ich nach zehn Jahren tun können. Aber ohne letzte Gewissheit, dass meine Peggy tot ist – nach dem Verschwinden habe ich immer die Angst gehabt, dass sie allein in einer Höhle sitzt. Wenn sie doch noch auftaucht, will ich nicht, dass sie wohnsitzlos ist.“ Sie habe Peggy bei jedem Umzug mit umgemeldet. Kindergeld bekäme sie keines. Dennoch erhalte sie regelmäßig Post für das Mädchen: „Zur Europawahl kam eine Wahlbenachrichtigung für Peggy, die AOK schickte einen Antrag für eine elektronische Gesundheitskarte.“

Die Mutter ist Frührentnerin und von der Gebührenpflicht befreit. Ihren Haushalt teilt sie derzeit nur mit zwei minderjährigen Kindern. Peggy verschwand im Jahr 2001 spurlos als Neunjährige. Sie wäre heute bereits 22 Jahre alt und würde damit unter die Gebührenpflicht fallen. In einer Stellungnahme einer GEZ-Sprecherin gegenüber „Bild“ heißt es herzlos: „Da geht keiner hin und googelt vorher den Namen, das ist ein Massengeschäft, um das kostengünstig zu halten.“ Nun möchte sich der Beitragsservice jedoch bei Peggys Mutter für das geschmacklose Schreiben entschuldigen. Doch der nächste Brief einer Behörde kommt bestimmt.

http://www.focus.de/panorama/welt/behoer...id_3888036.html

#149 RE: Presseartikel von 02.06.2014 19:57

BAYREUTH
Missverständnis: Peggy K. sollte Rundfunkbeitrag zahlen
13 Jahre ist es her, dass die damals neunjährige Peggy K. aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwand. Jetzt hat ein Schreiben Peggys Mutter erreicht, in dem das immer noch verschwundene Mädchen „aufgefordert wurde, endlich ihren Rundfunkbeitrag zu zahlen. Rückwirkend bis Januar 2013“. Das hat Peggys Mutter, Susanne K., so der „Bild“-Zeitung berichtet.

Auf Nachfrage dieser Zeitung relativiert eine Mitarbeiterin der „Beitragskommunikation ARD, ZDF und Deutschlandradio“ diese Aussage. Der Beitragsservice habe Peggy K. nicht aufgefordert zu zahlen, sondern um eine Äußerung gebeten: „In Anbetracht der Situation ist dies sehr bedauerlich und hätte nicht erfolgen dürfen, ist aber leider dem automatisierten Verfahren geschuldet.“

Beim Beitragsservice würden diejenigen, die Rundfunkbeitrag zahlen müssen, automatisch erfasst. Sind Personen vermisst, aber – wie Peggy K. – nicht für tot erklärt, gebe es keine Möglichkeit, das zu vermerken. Dennoch gebe es für betroffene Familien eine Chance, solche Anschreiben zu vermeiden: „Wird der Beitragsservice in Kenntnis gesetzt, kann manuell eine Sperre erstellt werden, so dass die vermisste Person nicht mehr angeschrieben wird“, so die Service-Mitarbeiterin.

http://www.mainpost.de/regional/franken/...pk_campaign=RSS

#150 RE: Presseartikel von 02.07.2014 20:34

Bezirkskrankenhaus Bayreuth

Psychiatrisches Gutachten für Ulvi Kulac
Schon bald könnte über eine Freilassung Ulvi Kulacs aus der geschlossenen Psychiatrie entschieden werden. Am Donnerstag (03.07.14) erstellt ein Psychiater ein Gutachten. Im Mai wurde er vom Mord an Peggy Knobloch freigesprochen.

Stand: 02.07.2014

Wie Kulacs Betreuerin, Gudrun Rödel, dem Bayerischen Rundfunk sagte, wird ein Würzburger Psychiater den geistig behinderten Ulvi Kulac begutachten. Eine Entscheidung darüber, ob Kulac freikommen wird und in eine Wohnanlage für Menschen mit Behinderung umziehen kann, wird aber noch nicht sofort fallen, so ein Sprecher des Landgerichts Bayreuth.

Weitere Anhörung vor Gericht

Der Psychiater müsse in einem schriftlichen Gutachten darlegen, ob von Ulvi Kulac noch eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht. Sobald dem Gericht das Gutachten vorliege, werde ein Termin für eine weitere, nicht öffentliche Anhörung Kulacs vor Gericht angesetzt. Bei dieser Anhörung werden auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung nochmals gehört. Das Gericht wird im Anschluss daran entscheiden, ob Ulvi Kulac freikommt, die Unterbringung zur Bewährung ausgesetzt wird oder sie fortdauern muss.

Freispruch für Kulac

Ulvi Kulac war wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern seit 2001 in die geschlossenen Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Bayreuth gebracht worden. Das Landgericht Bayreuth hatte nach dem Freispruch im Wiederaufnahmeverfahren wegen des Mordes an Peggy Knobloch am 14. Mai angeordnet zu prüfen, ob eine Unterbringung Kulacs in der geschlossenen Psychiatrie noch gerechtfertigt ist. Laut seiner Betreuerin und seines Verteidigers habe Kulac in den Jahren in der Psychiatrie vieles gelernt und wisse heute, dass er sich Kindern nicht sexuell nähern darf.

http://www.br.de/nachrichten/oberfranken...yreuth-100.html

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