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#326 RE: Presseartikel von 25.09.2018 10:44

Und hier ein Bericht des vom der Rechtsanwältin benannten Journalisten (Nordbayerischer Kurier), ebenfalls vom 24.09.2018:



https://www.nordbayerischer-kurier.de/in...38e40._amp.html

#327 RE: Presseartikel von wetterfrosch 27.09.2018 22:06

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26.09.2018, 08:12 Uhr

Kritik an Berichterstattung im Fall Peggy

Die Anwältin und die Betreuerin von Ulvi K. kritisieren massiv die aktuelle Berichterstattung und die Spekulationen im Fall Peggy. Ihr Mandant und seine Familie würden durch die Berichterstattung erneut in den Fokus der Öffentlichkeit "gepeitscht".

"Es ist ein Skandal, dass Ulvi nach dem Teilgeständnis von Manuel S. jetzt wieder der Schuldige sein soll. Er wurde 2014 vom Vorwurf des Mordes an Peggy freigesprochen. Jetzt werden wieder Lügen über ihn verbreitet", sagte Betreuerin Gudrun Rödel dem Bayerischen Rundfunk. Sie kritisiert, dass bei manchen Medienberichten nur Ulvi als Verdächtiger genannt werde. Es gebe aber noch weitere mögliche Tatverdächtige.

Keine Freunde

Manuel S. und Ulvi K. seien außerdem nicht befreundet gewesen, betont Rödel. Sie hätten sich lediglich aus dem Ort gekannt. Hanna Henning, die Anwältin von Ulvi K. wirft den Medien eine "diffamierende Berichterstattung" vor.

"Seit der Pressekonferenz am Freitag stürzen sich die Medien auf jenen namentlich nicht bekannten Mann, den sie dann auch sogleich als meinen Mandanten Ulvi K. identifiziert haben wollen." Hanna Henning, Anwältin

Sie habe deshalb mehrere Abmahnungen gegen diverse Medien abgesetzt, unter anderem wegen übler Nachrede. Ihr Mandant und seine Familie würden durch die Berichterstattung erneut in den Fokus der Öffentlichkeit "gepeitscht", schreibt sie weiter.

Verdächtiger im Fall Peggy

Im Fall Peggy hat der 41-jährige Manuel S. vor zwei Wochen zugegeben, das tote Mädchen 2001 in ein Waldstück in Thüringen gebracht zu haben. Auf den 41-Jährigen kamen die Ermittler dank mikroskopisch kleiner Erd-und Farbspuren, die am Fundort von Peggys sterblichen Überresten gefunden wurden. Die Daten stimmten mit Garten- und Renovierungsarbeiten von Manuel S. zum Zeitpunkt von Peggys Verschwinden überein.

Ermittlungen gegen Manuel S.

Angeblich habe Manuel S. an einem Bushäuschen in Lichtenberg von einem anderen Mann das Kind übernommen. Diesen Mann nannte er wohl auch namentlich. Polizei und Staatsanwaltschaft hüllen sich zu weiteren Angaben dazu aber in Schweigen und ermitteln nur gegen Manuel S. – wegen Mordes.

Autoren
Christiane Scherm

https://www.br.de/nachrichten/bayern/kri...l-peggy,R4jrey8

#328 RE: Presseartikel von Christine 29.09.2018 08:21

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17 Jahre lang geschwiegen

Wer war der Mann, der eine Mutter im Ungewissen über das Schicksal ihrer Tochter ließ? Gudrun Rödel, die Betreuerin von Ulvi K., hält ihn für unglaubwürdig.

Otto Lapp
Alexander Wunner
Veröffentlicht am:
22. 09. 2018, 07:01 Uhr


Lichtenberg - Susanne K., Peggys Mutter, hatte noch Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter gehofft, sie käme zurück. Sie meldete sie sogar bei ihrer neuen Wohnung an. Und Manuel S. schwieg.

Am Tag, als Peggy verschwand, hatte er Geburtstag. Ein klares Alibi hatte er nie. Was den Ermittlern natürlich auch auffiel. Erst durch die Aussage seiner Mutter kam er schließlich aus der Schusslinie. S. galt bei seinen Feuerwehrkameraden als stiller Mensch, "fast verschlossen". Auch wenn das Thema Peggy in aller Munde war - S. schwieg. Normalerweise arbeitete er in einer örtlichen Fabrik, nur zwei Minuten weit entfernt von seinem Elternhaus. In seiner Freizeit baute er mit eigenen Händen ein altes Haus um. Was ihm letztlich zum Verhängnis wurde, denn die an der Fundstelle von Peggys Leichnam gesicherten Farbteilchen stammen, da sind sich die Ermittler sicher, von diesen Renovierungsarbeiten.

Seinen Geburtstag feierte er im Jahr 2001 im Kreise seiner Familie, man trank Kaffee, die Mutter hatte Kerzen eingekauft im Nachbarort. Sie erinnerte sich ein Jahr später daran, wie sie auf der Hin- und auf der Rückfahrt Ulvi K. auf der Bank vor der Raiffeisenbank habe sitzen sehen - und das bei schlechtem Wetter. Eine der Zeugenaussagen, mit denen die Richter 2004 ihr Urteil begründeten. Somit habe nämlich Ulvi K. die Möglichkeit gehabt, Peggy zu töten.

Er und Manuel S. wuchsen als Nachbarjungen auf. Es kam zwischen ihnen auch zu sexuellen Handlungen, die Polizei ermittelte damals auch wegen sexuellen Missbrauchs in diesem Fall gegen Ulvi. In einem anderen Fall waren sie sich sicher: Ulvi soll den jüngeren Bruder Manuel K.s missbraucht haben. Eine Zeit lang soll Manuel nach eigenen Angaben dann keinen Kontakt mehr zu Ulvi K. gehabt haben.

Vor allem bis 2002 stand Manuel S. im Visier der Ermittler. Sie kamen in sein Haus, durchsuchten es, ließen seinen Wagen untersuchen, vernahmen ihn öfters. Er jammerte über finanzielle Einbußen während dieser Zeit. Und sagte einem Bekannten: "Wenn die Polizei noch einmal zu mir kommt, dann hänge ich mich auf."

Mit den Gerüchten, Manuel S. habe Ulvi nun schwer belastet, geht man in dessen Umfeld derzeit noch recht gelassen um. "Die Akten belegen, dass es Ulvi nicht gewesen sein kann", erklärte Rechtsanwältin Hanna Henning. Offensichtlich versuche Manuel S., sich mit den Anschuldigungen zu entlasten. Henning ist seit einem guten Jahr der Rechtsbeistand von Ulvi und seinen Eltern. Vor einigen Tagen erst hat sie ein Hausverbot gegen Polizei und Staatsanwaltschaft verhängt, nachdem Ermittler versucht hatten, mit den Eltern über Manuel S. zu sprechen. "Die haben ihnen erzählt, der sei der Mörder von Peggy und sie sollen helfen, ihn zu überführen", sagt Gudrun Rödel, Ulvis Betreuerin. Auch sie hält die Aussagen von Manuel S. für unglaubwürdig. Sie verweist unter anderem auf mehrere Lichtenberger, die Stein und Bein schwören, dass sie Peggy an besagtem Tag im Jahr 2001 abends noch gesehen hätten. Auch sei das Verhältnis zwischen Manuel S. und Ulvi K. weit weniger eng gewesen als es oft dargestellt werde. "Die haben sich gekannt, wie man sich in einer solchen Kleinstadt eben kennt. Aber Freunde waren sie nicht."

Ulvi K. lebt derzeit in einer oberfränkischen Einrichtung für betreutes Wohnen. Seit seiner Entlassung hat die Polizei nicht wieder versucht, mit ihm in Kontakt zu treten. "Sollten sie das probieren, werden wir es zu verhindern wissen", macht die Betreuerin deutlich. Zudem wundert sie sich, dass Manuel S. auf freiem Fuß ist: "Die Polizei ermittelt wegen Mordes. Warum befindet er sich bei einem solch schweren Vorwurf dann nicht in Untersuchungshaft?"


https://www.insuedthueringen.de/region/1...t662625,6342126

#329 RE: Presseartikel von Tumbleweed 29.09.2018 15:10

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Mark Benecke im Interview Juli 2018 zum Fund:

AZ: Herr Benecke, was ist nach 15 Jahren Liegezeit noch vom menschlichen Körper übrig – außer Knochen?
MARK BENECKE: In dem konkreten Fall weiß ich das natürlich nicht, ich war ja nicht am Fundort. Aber normalerweise sind nach 15 Jahren im Erdgrab, im Wald oder im Wasser nur noch Knochen und Zähne übrig, wenn überhaupt.

Was lässt sich daraus noch schließen?
Man kann eindeutige Identifizierungsmerkmale finden, über die Erbsubstanz oder indem man sich den Zahnstatus anschaut und ihn mit Röntgenbildern vom Zahnarzt oder dessen Notizen vergleicht.

Ist das alles?
Nein. Bei Knochenbrüchen kann man manchmal sehen, ob das zu Lebzeiten passiert ist, weil jemand zum Beispiel gefoltert worden ist, oder nach dem Tod – etwa durch eine Zerstückelung.

Woran erkennt man das?
Wenn schon ein Heilungsprozess eingesetzt hat, kann man das sehen – am besten natürlich an noch erhaltenem Gewebe, manchmal lässt es sich aber auch an Knochen erkennen. Wenn dem so ist, hat derjenige bei Eintritt der Verletzung noch gelebt. Oder: Wenn die Verletzung an einer Stelle ist, von der man weiß, dass man es nicht überleben kann, wenn jemand mit der Kettensäge dort hineinsägt, dann weiß man, dass das mindestens todesursächlich war oder unmittelbar danach der Tod eingetreten ist.

Lässt sich der Todeszeitpunkt feststellen?
Wahrscheinlich nur noch in Kombination mit Aussagen des Täters. Am Knochen abmessen wie mit einem Messgerät lässt sich das nicht. Was ich zwar für abwegig halte, was aber wissenschaftlich möglich wäre: Wenn Peggy noch längere Zeit gelebt hat, könnte man das feststellen. Dann wäre sie älter geworden und das könnte man sehen.

Könnte die Polizei noch Spuren vom Täter finden?
Problemlos! Massenhaft! Faserspuren, verlorene Gegenstände, Zigarettenkippen, Schnipsel, die ihm aus der Tasche gefallen sind – alles Mögliche. Da sind der Fantasie überhaupt keine Grenzen gesetzt: Pollen, Pflanzenteile. . .

. . die nicht an den Fundort gehören hingehören?
Ja – oder die dort in einer anderen Zusammensetzung vorkommen.

Was ist mit DNA? Wie lange ist ein "genetischer Fingerabdruck" haltbar?
Wenn DNA trocken gelagert ist, hält sie sich quasi ewig. Also: Wenn man eine Briefmarke ableckt, so dass da die Erbinformation drauf ist, hält sich das bei trockener Lagerung Jahrzehnte – Spermien übrigens auch. Ob man noch etwas findet, hängt deshalb sehr stark von der Lagerung der Leiche und der anderen Gegenstände ab. Oft überdauern auch Hautschuppen vom Täter oder der Täterin an einer trockenen Stelle.

15 Jahre lang?
Ja, das ist schon vorgekommen. Die Frage ist natürlich, wie viel Energie man in die Suche steckt. Bei einem durchschnittlichen Fall wird man sich eher zurückhalten. Aber hier wird man wohl das ganz große Besteck rausholen und auch versuchen, nach Hautzellen zu suchen.

https://www.abendzeitung-muenchen.de/inh...9b9807fb6e.html

#330 RE: Presseartikel von eugene1975 29.09.2018 15:19

Ganz Deutschland kennt diesen Fall: Am 7. Mai 2001 verschwand die kleine Peggy Knobloch (9) aus Lichtenberg (Bayern) auf dem Heimweg von der Schule. 15 Jahre war das Mädchen wie vom Erdboden verschluckt. Ein Fall ohne Leiche. Jetzt wo man ihre vergrabenen Überreste geborgen hat ist es eine Tat ohne Täter. Wird man ihn jemals finden? Wer ist hier verdächtig? Die Kollegen von COMPACT führten ein interview mit dem Politologen Wolfgang Eggert.

COMPACT: Ein Mädchen verschwindet und wird schließlich tot aufgefunden. Das klingt zunächst mal nach einem ganz normalen Verbrechen, wie es viele gibt. Wie kommt ausgerechnet ein politkonspirativer Autor dazu, sich damit zu befassen?

EGGERT: ´Ausgerechnet´ ist hier vielleicht das falsche Wort. Entführungen und Morde sind immer konspirativ, zum Vorteil des zunächst unbekannten Täters, zulasten eines Dritten, Spurenverwischungen und Irreführungen eingeschlossen. In der Mitte klafft dann ein schwarzes Loch mit vielen Fragen, die aufgeklärt werden wollen. Kriminalistik und Deep Politics gehören zusammen. Dass sich Investigativautoren für beide Seiten gleichermaßen interessieren kommt nicht von ungefähr. Es ist ein sehr ähnliches Feld.

COMPACT: Aber ein Politologe untersucht nicht 5000 Privatkonspirationen pro Jahr.

EGGERT: Stimmt, er steigt nur dann ein, wenn der Fall politische Brisanz erhält. Wenn die Deep Politics selbst das Feld der Kriminalistik betreten, wie man das in der belgischen Entführungsserie rund um Marc Dutroux hatte und wie es auch im Einzelschicksal Natascha Kampusch zu erkennen ist, wenn man nur tief genug gräbt. Der Fall Peggy weist vergleichbare forensische Spuren auf.

COMPACT: Was war für sie der Punkt, in den Fall Peggy einzusteigen? Wo war der Moment, wo Sie gesagt haben, dass es sich lohnt zu "wühlen"?

EGGERT: Der Punkt liegt bereits ganz am Anfang des Falls. So wie er angefasst wurde. Es ist die polizeiliche Besetzung, die man herangezogen hat und die klar in den Bereich "Organisierte Kriminalität" – also Menschenhandel, Drogen, Waffen, Rotlicht – weist. Da ist Mafia-Experte Wolfgang Geier, Chefermittler bei den damals so genannten Dönermorden, dort selbst Kopf der SOKO Bosporus, die damals nicht ohne Grund Spuren in der türkischen Unterwelt abklärte.
An der Seite des Kriminaldirektors finden wir im Fall Peggy Deutschlands "besten" Profiler Alexander Horn, ein Mann für die "großen Fälle". Weshalb der Münchner auch bei den Dönermorden Geier zur Seite stand. Wo es seinem Marktwert nach auch Sinn machte. Im Fall eines verschwundenen Mädchens wirkt seine Besetzung dagegen überzogen – auf den ersten Blick.
Und da ist die Polizistin Anja Wittig, die zum Teil under cover arbeitete, wiederum im Milieu Organisierte Banden-Kriminalität (OK). Auch sie taucht im Aufklärungsstab der Dönermordserie auf- und wird 2001 von der thüringischen Polizei zur bayerischen "Soko Peggy" delegiert. Im Jahr darauf gehört sie der thüringischen Sonderkommission "Goldfasan" an, die mehrere Morde einer internationalen Bande untersuchen wird.

COMPACT: Länderübergreifende OK-Ermittler? Bei einem verschwundenen Mädchen aus der Provinz klingt das, naja, etwas "over the top"!

EGGERT: Moment, es kommt noch "besser": Bei der Sonderkommission "Goldfasan" lernt Peggy-Special-Agent Anja Wittig einen Kollegen kennen, der "beruflich" mit echten und falschen Nazis aus dem NSU-Umfeld und mit V-Leuten zu tun hat und mit dem sie eine Lebensgemeinschaft eingeht: Mike Wenzel. Wenzels Vorgesetzter wird 2011 für das Wohnmobil in Eisenach zuständig sein, in dem die Leichen der NSU Uwes gefunden werden. Wenzels Nichte ist einer sehr bekannte Polizistin, die ihrerseits im OK-Milieu verdeckt ermittelt, mit Verbindungen zur extremen Rechten sowie wiederum zur Schlapphutszene: Michèle Kiesewetter, ein angebliches NSU-Opfer. Und eng befreundet mit der außerplanmäßigen Peggy-Ermittlerin Wittig. Ein Freund von Anja ist Medienberichten zufolge recht eng mit dem Betreiber jenes Szeneladens, aus dem die Ceska-Pistole kam, mit der die NSU neun Menschen ermordet haben soll.

COMPACT: Und diese Frau wurde von den Thüringern in den Bayerischen Ermittlungsstab beordert?

EGGERT: …. wo sie dann mit den NSU-Ermittlern Geier und Horn am vermeintlichen Aller Welt Fall Peggy Knobloch arbeitete, richtig. Für diese, sagen wir "politische" Besetzung scheint es nur eine naheliegende Erklärung zu geben. Nämlich die, dass die Behörden das Verschwinden des Mädchens ebenfalls und frühzeitig für ein Politikum hielten, das den Aufwand rechtfertigte.
Das ´Warum´ kann ich ihnen nachhaltig aufschlüsseln…
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Demnächst in Teil 2: Ermittlungsbehörden bestellen neuen Kinderausweis – 5 Tage vor dem Verschwinden. Die rätselhaften Peggysichtungen in Tschechien und der Türkei. Abgehörtes Telefonat aus der Familie: "Was passiert mir, wenn ich ein Kind entführe?"

COMPACT: Schlüsseln Sie uns das Politikum im Fall Peggy auf

EGGERT: Es geht um einen politisch potenten Kinderschänderring, soweit vorweg. Aber geben Sie mir etwas Zeit, ich will Sie langsam da ran führen. An das Wesentliche. Da gibt es zunächst einige tatzeitnahe Puzzlestücke, die schon für sich alleine interessant sind. Noch kein Politikum, aber bereits darauf hinweisend. Dinge, von denen die Medien kaum berichteten. Zum Beispiel die Sache mit dem Kinderausweis.

COMPACT: Kinderausweis?

EGGERT: Ja, Peggy hatte natürlich einen. Nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich ist aber, dass laut Hamburger Abendblatt Susanne Knobloch – die Mutter – erst fünf Tage vor Peggys Verschwinden bei der Gemeinde in Lichtenberg die Verlängerung des Kinderausweises beantragt hat, obwohl der noch rund ein Jahr Gültigkeit besaß. Das enge Zeitfenster fällt sofort auf. Was ebenfalls auffällt: Dieses rätselhafte Zusammentreffen wurde 6 Jahre unter der Decke gehalten. Erst 2007 berichtete das Abendblatt darüber, übrigens als einzige Zeitung.
Dann wuchs 7 Jahre Gras über diese Geschichte, bis sie dann 2014 neu aufkochte, diesmal heftiger: Die Staatsanwaltschaft Bayreuth, die den Fall neu aufrollte ordnete im Rathaus von Peggys Heimatgemeinde Lichtenberg eine Durchsuchung an und ließ Akten des Einwohnermeldeamts sicherstellen.

COMPACT: Behörden gegen Behörden… Das hat man nun auch nicht alle Tage!

EGGERT: Ich persönlich hab eigentlich noch nie von so was gehört. Einen Hausdurchsuchungsbeschluss fürs Rathaus – inklusive Beschlagnahmen dort selbst – verortet man eher nach Sizilien, zur Blütezeit der Mafia.

COMPACT: Worum ging es bei der Polizeiaktion?

EGGERT: Wieder um den am 2. Mai 2001 ausgestellten Kinderausweis des Mädchens – und um die Frage, wer ihn beantragt hatte. Das ist also ein neuer Sachverhalt. Während laut Abendzeitung 2007 die Mutter 5 Tage vor dem Verschwinden eine schlichte Verlängerung des alten Ausweises beantragte und erhielt, ging es nun, 2014, um einen komplett neu ausgefertigten Pass, ebenfalls auf den 2. Mai datiert – bei dem man aber nicht wusste wer den Antrag dazu gestellt hatte. Scheinbar fiel der Verdacht anteilig auf die lokalen Behörden, zumindest wollten die dort nicht mit den Untersuchungsbehörden kooperieren, sonst hätte es den Erzwingungseinsatz nicht gegeben. Den Grund für die mangelnde Kooperationsbereitschaft im Rathaus werden Sie vielleicht verstehen, wenn wir das Interview abgeschlossen haben.
Also, der 2014 neu aufgeworfene Punkt ist, wer den neuen Ausweis beantragt hat. Nicht nur die Ermittler wollen das wissen, diesmal interessiert sich auch die Presse dafür flächendeckend. Die Journallie greift also zum Telefon – und läuft ins Leere. Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel geht bei dieser Frage auf Tauchstation. Erst ist er nicht erreichbar, dann will er die Anfrage schriftlich, nach mehrmaligen Nachfragen beruft er sich auf „datenschutzrechtliche Gründe“ und schweigt. Bei Oberstaatsanwalt Daniel Götz kommen die Lohnschreiber auch nicht weiter. Der will sich zu seiner ungewöhnlichen Staatsaktion "wegen des laufenden Verfahrens" nicht äußern.
Während also hinter den behördlichen Kulissen die Fetzen fliegen steht die mediale Beobachterschaft da, wie der Ochs vorm Berg, und rätselt. Vorwürfe sowohl gegen die Eltern als auch gegen die Stadtverwaltung werden laut, die ersten Medien sprechen von Vertuschung. Um da wieder rauszukommen muss nun jemand die Hosen runterlassen. Und das sind ausgerechnet die Ermittler, die ihre Pass Aufklärung in Lichtenberg erzwungen haben: In einer Pressemitteilung der Oberfränkischen Polizei wird bekanntgegeben, dass sich die Polizei 2001 "vorsorglich" einen Kinderausweis ausstellen ließ, weil man Hinweisen nachgegangen sei, dass Peggy in die Türkei verschleppt worden sein könnte. Hätte man Peggy tatsächlich gefunden, hätte es ohne Ausweis Schwierigkeiten bei der Ausreise gegeben.
Nun sollte bereits einem Blinden mit Krückstock auffallen, dass ein für Sucharbeiten "vorsorglich" beantragter Ausweis hochverdächtig anmutet, wenn er bereits vor (!) dem Verschwinden des Betreffenden angefordert wird: Herbert Potzel, Chef der Bayreuther Staatsanwaltschaft, erklärte daher auch auf Anfrage: „Dieser Vorgang ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Nicht nachvollziehbar ist zudem, warum die Ermittler, wenn sie selbst den Pass in Auftrag gegeben hatten, dann eine Durchsuchungsaktion durchführen mussten, bei dem es gerade darum ging, herauszufinden wer dieser Antragsteller gewesen war.

COMPACT: Warum hätte sich die Polizei 2001 überhaupt einen neuen Pass fertigen lassen sollen? Gab es denn den Originalausweis nicht mehr, der noch ein Jahr gültig war und zudem laut erstem Pressebericht von der Mutter verlängert worden war? Den hätte man sich doch im Elternhaus einfach abholen können?!

EGGERT: Eben, das ist nun gleich der nächste interessante Punkt. Der Originalpass lief regulär noch bis April 2002, auch ohne Verlängerung. Aber er war nach dem Verschwinden des Kindes mysteriöserweise gleich mit weg. Die Frage ist: Wo war er dann?
Genau den gleichen Zusammenhang – verschwundener Pass – finden wir übrigens im Fall Kampusch, wo kritische Beobachter die kluge Frage stellten: Für was hat Natascha ihren Ausweis eigentlich ausgerechnet am Tag ihrer Entführung bei sich getragen? Kam sie in die Schule oder in ihr Verlies ohne Ausweiskontrolle nicht rein?
Aber bleiben wir bei Peggy: Auch hier verschwindet ein Kind und der dazugehörige Pass, der außerdem wenige Tage zuvor verlängert oder neu ausgestellt wurde. Die Medien zogen daraus den nächst liegenden Schluss, dass die Schülerin gezielt ins Ausland verschleppt worden sein könnte. Außenstehende taten das ebenfalls: Die Münchner Autorin Ina Jung, die ein Buch über den Fall geschrieben hat, hatte bereits 2007, nach dem ersten Zeitungsbericht im Lichtenberger Rathaus wegen des Ausweises nachgefragt. Eine Mitarbeiterin sagte ihr damals nebulös, dass der "für Tschechien“ bestimmt bzw. "auf Tschechien" ausgestellt gewesen sein soll. Dort wurde das Mädchen tatsächlich zeitnahe zum Verschwinden von Zeugen gesehen. Wie auch in der Türkei, wo der neue Lebenspartner von Peggys Mutter herstammte.
So richtete sich der Verdacht der Ermittler nun in erster Linie gegen Peggys Eltern.
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Demnächst in Teil 3: "Peggy-SMS", Wochen nach dem Verschwinden: "Ich habe meine Mama schon lange nicht gesehen". * Verdächtige Korrespondenz des türkischen Stiefvaters. * Geheimdienstler sagt: Sie wurde vorübergehend in die Türkei verschleppt.
Teil 3: Die türkische Spur

COMPACT: Der Anfangsverdacht fiel auf die Eltern?

WOLFGANG EGGERT: Ja, wegen der Ausweisgeschichte lag das nahe. Beziehungsweise hat das den Verdacht nur noch verstärkt. Es ist ja so dass bei den meisten nichtaufklärbaren Kindsvermisstenfällen ein Familienmitglied dahintersteckt. Die sogenannten Entziehungsfälle. Dass in diese Richtung zumindest mit ermittelt werden würde, war klar. Man hätte schon sehr gut begründen müssen, wenn man es nicht tat.

COMPACT: Wie sahen die Aufklärungsarbeiten der Behörden aus?

Denkbar einfach: Man hat den türkischen Stiefvater abgehört.

COMPACT: Hat sich dabei etwas ergeben?

Und ob – wobei die Reaktion der Ermittler nicht minder interessant ist.
Nur Tage nach dem Verschwinden von Peggy fragte Erhan Ünal in einem von der Polizei überwachten Telefongespräch eine türkische Freundin: "Was würde mir passieren, wenn ich Peggys Schwester Jasmin in die Türkei entführe?" Das Mädchen verschwand nie, aber wie wir wissen Peggy – wo der Straftatbestand genau der gleiche ist. Die Frage muss daher bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gar keine utopische Möglichkeitsform – was wäre wenn – mehr darstellen. Im selben Zusammenhang, auch das geht aus Telefonmitschnitten hervor, erwägt Ünal eine Flucht in die Türkei. Aufklärung durch die Polizei? Fehlanzeige.
Dieselbe Frau erhält am 7.6.2001 eine SMS von Ünals Mobiltelefon: „Hallo! Hab meine Mama so lange nicht mehr gesehen.“ Einige Medien schreiben dass die Nachricht den umgekehrten Weg genommen habe, vom Handy der Frau aus an Ünal. Die Polizei, die die erste Version zu präferieren scheint schließt aus, dass Peggy hier ihre kleinen Finger im Spiel gehabt haben könnte. Ünal, so ihre Interpretation, meine seine Eltern, die reisten Ende Mai 2001, also eine schlappe Woche nach der fraglichen SMS für fünf Monate in die Türkei.
Als Fußnote noch interessant: Die türkische Frau, um die es hier geht und mit der Ünal ein Verhältnis zu haben scheint wohnt in Pforzheim, Peggys Mutter besucht sie dort selbst im September. Und ausgerechnet Pforzheim ist nun neben Tschechien und der Türkei damals einer der drei Hotspots, wo Peggy von Zeugen "gesehen" wird. Diese Zeugen werden von den Ermittlern ignoriert und im späteren Mord-Gerichtsverfahren nicht zugelassen.
Weiter: Am 1.1.02 erhält Frau Knobloch von ihrem Lebensgefährten eine SMS mit dem Inhalt: „Gut werde ich nicht mehr. Ich werde handeln. Wenn das zum Laufen kommt, gibt’s kein Zurück mehr von mir. Brauchst keine Angst zu haben, ich mach mir die Hände bestimmt nicht dreckig. Schatzi Susanne – wie Du es haben willst -hätte nie gedacht, dass wir soweit kommen, was immer passiert, ich habe alles versucht, das zu verhindern. Du lässt mir keine andere Möglichkeit. Da musst Du auch mit die Konsequenzen tragen, sorry! Die wirst Du schon sehen, verlass Dich drauf, hast noch ein wenig Zeit. Überleg Dir’s ganz gut, solange es noch geht. Mit 50 000 DM kann man viel machen auf dieser scheiß Welt!“ 50.000,-, exakt so hoch war damals die Belohnung für das Auffinden Peggys. Einige Medien stellten diese Verbindung direkt her und mutmaßten, die Eltern müssten den Aufenthaltsort ihres Kindes kennen – die SMS wäre demnach ein Anstoß des Stiefvaters, das Geld einzusacken, indem die Ermittler in Richtung des Täters dirigiert werden. Implizit kann man dahinter auch die Alternative lesen, Peggy ins Ausland zu verschleppen, wenn nicht Schlimmeres. Auch diese SMS wurde vor Gericht nicht erörtert.

COMPACT: Klingt nach einer Kindesentziehung – das passiert gar nicht so selten, wie Sie selbst sagen. Aber durch beide Elternteile? Wie kann gleich die ganze Familie daran interessiert sein, ihre Tochter von der Bildfläche verschwinden zu lassen? Und warum sollten die Ermittler da "mitspielen"?

Dazu komme ich noch. Aber gut, bleiben wir bei den "Ermittlern". Irgendwann kam dann der Moment, da die Polizeibehörden eine innerfamiliär begünstigte Verschleppung einfach nicht mehr ausrecherchiert lassen konnten. Dieser Zeitpunkt war spätestens gekommen, als ein V-Mann im tschechischen Geheimdienst Hinweise darauf lieferte, dass Peggy damals zumindest vorübergehend an den Bosporus verschleppt worden war – und dass Erhan Ü. in die Entführung verwickelt war. Hinweisgeber war Vladimir Veselak, Angehöriger der OK-Dienststelle Prag. Der hatte die Mitteilung durch einen bulgarischen V-Mann erhalten. Veselak erbat damals einen Unkostenvorschuss und einen Auftrag von den deutschen Behörden, um Näheres über Peggy zu erfahren bzw. sie aus der Türkei zu holen. Das wurde von den deutschen Behörden abgelehnt.
Es war übrigens nicht der einzige und erste Hinweis in diese Richtung. Schon drei Wochen nach Peggys Verschwinden war bei der Kripo Hof eine ähnliche Mitteilung, diesmal direkt aus der Türkei eingegangen- und wurde ignoriert. Die Meldungen verdichteten sich aber. Im Januar 2002 kommt eine E-Mail aus Ankara, Peggy ist in der Türkei. Vom April stammt ein Akteneintrag der Kripo, wohlweislich mit dem Vermerk "Vertraulich – Nicht für die Gerichtsakte bestimmt", Peggy halte sich, nach Kenntnis eines türkischen Lehrers und mehrerer gleichlautender Zeugenaussagen, seit längerer Zeit in der Türkei auf.
Darauf bequemte sich dann der Ermittlerstab, selbst vor Ort nach dem rechten zu sehen.

COMPACT: In der Türkei?

Ja, aber die Spritztour hat eher Alibicharakter, ich sehe das wirklich nicht als einziger so. Es lag mehr als einen Ort Hinweis vor, insgesamt waren es vier. Die Zwei-Mann-Delegation reiste jedoch nur in einen, wobei der aufgrund mehrfach übersetzter Sprachübermittlungen keineswegs Safe war und es in der Türkei im konkreten Fall -wie hier in Deutschland- mehr als einen Ort gleichen Namens gibt. Also gut, man nahm eine Einzeldestination. Und stellte sich dort gleich so amateurhaft und typisch-deutsch-von-oben-herab an, dass die Suche, wenn es denn überhaupt eine war, von Anfang an scheitern musste. Ein paar Tage später war das "erledigt", die "Ermittler" hakten fortan die türkische Spur ab. Die hatte damit ihren Koscherstempel weg. Frei nach dem Motto: Wir waren da, hier braucht keiner mehr zu wühlen. So was hat ja auch was beruhigendes. Stunden später, wirklich nur Stunden, am 4. mai 2002, fliegen dann Peggys Mutter und ihr türkischer Partner, der der Kindesentziehung verdächtig ist und mit dem sie ihrer Darstellung zufolge in Dauerfehde liegt, "zum Urlauben" in dessen Heimat. Vielleicht haben sich die beiden Duos am Flughafen von Izmir sogar noch abgeklatscht.
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Demnächst in Teil 4: Ulvi K.: Die Familie Knobloch und die Ermittler finden ihren Lee Harvey Oswald. Kinderschänder im Umfeld Peggys – warum duldeten sie die Eltern, warum schonte sie die Justiz im Fall des vermissten Mädchens?
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Teil 4: Die verdächtigen Verdächtigen

COMPACT: Von Mai 2001 bis Mai 2002 hat man also…. keinen einzigen heissen Verdächtigen im Fall Peggy?

EGGERT: Doch, doch, da gibt es sogar einige. Die Eltern haben sich wie gezeigt durchaus verdächtig verhalten, aber an die geht man in letzter Konsequenz nicht ran. Dann haben wir noch andere Bewerber, im Nah-Umfeld der Eltern, die bleiben für diesen Fall aber ebenfalls ausgespart. Allerdings kommt im Spätfrühling Bewegung in die Sache. Die Ermittler beginnen sich da auf "ihren Mann" festzulegen: Ulvi Kulac, ein geistig Behinderter, der sich bereits in der Vergangenheit Kindern sexuell genähert hat, wenn auch mehr exhibitionistisch. Er ist der ideale Kandidat…

COMPACT:…und er gesteht…

EGGERT:… in einer Rahmenhandlung, die selbst die angepasstesten Mainstreamzeitungen als Posse, als Skandal bezeichnen. Schauen wir uns das einmal genauer an: Am 2. Juli 2002 nehmen sich die Ermittler Ulvi Kulac vor. Wie von Dönermord-Profiler Horn entworfen, findet die Vernehmung in einem Bayreuther Polizeirevier statt, um dem "Verdächtigen" den "Heimvorteil" der Psychiatrie zu nehmen, wo er zu diesem Zeitpunkt schon untergebracht ist. Die Beamten gehen hoch motiviert in die Vernehmung; Soko-Leiter Wolfgang Geier -Untersuchungschef in der sogenannten NSU-Serie, hat ihnen kurz zuvor gesagt, dass auf einem Overall Ulvis Blutspuren von Peggy gefunden wurden. Der Vorhalt ist frei erfunden – aber Kulac wird damit konfrontiert, als wäre das eine Tatsache. Der Trick läuft ins Leere, Ulvi Kulac bestreitet weiter jede Schuld, er habe das Mädchen nicht angefasst. Am Mittag wird das stundenlange Verhör ergebnislos beendet, Kulac soll zurück in die Psychiatrie gebracht werden, der Verteidiger verabschiedet sich. Und jetzt kommt´s. Kaum hat der Syndikus seinen Mandanten verlassen soll sich Ulvi entschlossen haben "reinen Tisch" zu machen. Die Vernehmer führen ihn wieder ins Verhörzimmer, wo der Behinderte nun "gesteht". Inhalt: Er habe das Peggy am 3. Mai 2001 in seiner Wohnung missbraucht und sie am 7. Mai auf dem Heimweg abgepasst, um sich zu entschuldigen. Das Mädchen sei jedoch weggelaufen und habe damit gedroht, ihn zu verraten. Er habe sie dann verfolgt, eingeholt, niedergestoßen und ihr, da sie schrie, Mund und Nase zugehalten, bis sie erstickt sei. Das entspricht so sehr der Tathergangshypothese, dass man sich fragt, ob die Beamten hellsichtig waren – oder ob sie einfach Kulac dazu brachten, den von ihnen vorgebrachten Ablauf zu unterzeichnen. Der Druck "zu liefern" war ganz sicher da, sowohl von Seiten des bayerischen Innenministeriums auf die Ermittler, als nun auch von Seiten der Ermittler auf "ihren Mann" – der sich hinterher beklagte, sogar körperlich angegangen worden zu sein.

COMPACT: Solche Übergriffe sollte man eigentlich auf den Verhörmitschnitten festmachen können.

EGGERT: Das ist der nächste Klops. Angeblich ging im Verhörzimmer, nachdem der Anwalt gegangen war, das Bandgerät kaputt, mit dem die Vernehmungen sonst protokolliert werden. Im Nebenzimmer soll es ein weiteres Tonband gegeben haben, das aber auch nicht verwendet wird. Warum, das weiß keiner mehr – oder keiner kann es schlüssig erklären. So gibt es vom Geständnis nur ein Gedächtnisprotokoll eines einfachen Polizeihauptmeisters. Trotz der Tragweite des Geschehens fertigt er es auch erst am nächsten Morgen an. Dass Ulvi das, was dort geschrieben steht nun widerruft, nutzt ihm aber nichts.

COMPACT:.. er wird verurteilt

EGGERT: Richtig, er bekommt lebenslänglich. Nur, dieses Urteil wird 10 Jahre später in einem Revisionsverfahren wieder aufgehoben. Dafür gab es massig Gründe, die schon mit dem Tathergang zu tun haben. Zum Beispiel fand man am angeblichen Vergewaltigungstatort, in Ulvis Zimmer, keinerlei Spuren, Fasern, Haare, Blut, etc. von Peggy. Auch der Ablauf der Ermordung war – so wie geschildert – rätselhaft, denn der Tatverdächtige soll das Mädchen fast einen Kilometer weit hinter ihr her rennend verfolgt haben, ohne dass diese dabei ihren Schulranzen wegwarf. Dann gab es keine Zeugen für diesen Vorgang. Und selbst der Nachweis, dass Ulvi an diesem Tag in der Nähe des Mädchens gewesen sein konnte, fällt katastrophal aus. Die Ermittler glaubten einer Zeugin, die sich erst ein Jahr später erinnerte, den Mann an Peggys Laufweg gesehen zu haben, was 65 Personen, die in der Zeit ebenfalls vor Ort waren, nicht bestätigen konnten. Das soll um 13.15 gewesen sein, einen Zeitpunkt den die Behörden als "letzte Sichtung" der Vermissten festschrieben. Aber selbst diese Angabe wackelt gehörig, da sie von Schulkameraden, Nachbarn und Passanten zwischen 15 und 19 Uhr noch mehrfach im Ort gesehen wurde – teilweise aus Griffnähe. Das verurteilende Gericht hatte keinem von ihnen geglaubt. Dafür glaubte es einen kriminellen V-Mann, den die Behörden auf den "Verdächtigen" angesetzt hatten; um die als Deal in Aussicht gestellte Straffreiheit zu bekommen lieferte der dann auch "Ergebnisse" – also Belastungsaussagen. Die aber gelogen waren, wie der Betreffende inzwischen auch vor der Justiz eingeräumt hat.

COMPACT: Die Zielstrebigkeit und Scheuklappigkeit der Ermittler und des Gerichts fällt auf. War das orchestriert?

EGGERT: Es ist schwer überprüfbar, wie stark der Einfluss der hohen Politik damals auf die Exekutive und die Justiz war, etwaiges Drängen inbegriffen. Von oben betrachtet hat es den Anschein, dass die Dinge so liefen, dass das zentral ausgesteuert wurde. Fakt ist: Mit oder ohne Leiche, man brauchte einen Täter, man wollte einen Täter, irgendwann sollte es nur dieser Täter sein – und man "holte" ihn sich. Und das, wo man bessere im Angebot hatte. Aber in dieses Wespennest wollte niemand rein stechen.

COMPACT: Was haben Sie da im Auge?

EGGERT: Kinderschänder. Nun werden sie sagen, so einen Vertreter hatten wir doch mit Ulvi am Start, aber das ist nicht ganz richtig, der war kein Pädophiler im klassischen Sinn ist. Er passt mehr in die Rubrik des Exhibitionisten, zumal auf der Stufe eines Kindes, bar jeder Organisation. Es gab sie jedoch, diese geplanteren, erwachsenen Missbraucher, direkt im Umfeld der Familie. Die ich die Spitze eines Eisberges nennen würde.

COMPACT: Bitte machen Sie den Personenkreis konkreter

EGGERT: Gut, ich greife jetzt nur die Leute auf, von denen wir wissen, daß sie privaten Zugang zu Peggy hatten. Ich erspare uns daher die Pädophiliegeschichte rund um den – versetzten – Lichtenberger Pfarrer… wer die TV-Dokumentation über das Mädchen Noemi kennt , die die internationale Dimension des Falls Dutroux einfängt, bei dem kommen wirklich üble Bilder hoch… Aber wie gesagt, für den Moment wollen wir nicht ins absolute Extrem hineindenken. Die kleinen Extreme reichen und auch die haben Namen.

COMPACT: Welche?

EGGERT: Ich will nur drei nennen. Drei von vermutlich mehr.
1. Jens B. , der, wie die Medien damals geschrieben haben, "gelegentlich" auf Peggy "aufpasste", wenn ihre Mutter Susanne arbeiten war B. gab für den Tattag an, er habe von 13.11 Uhr bis 22.41 vor seinem PC gesessen. Doch bei einer Untersuchung des PC stellte sich heraus, dass von 13.18 Uhr bis 14.06 Uhr keinerlei Eingabe am PC erfolgte – genau in dem Zeitfenster, als Peggy heimkehrte. Von 15.12 Uhr bis 18.30 Uhr seien Audio-Dateien von CD auf PC überspielt worden, der Mann musste dafür gar nicht am Computer gesessen haben. Durch Überwachungsmaßnahmen wusste die Ermittlungsgruppe, dass B. Angst hatte, er könne ebenso pädophil veranlagt sein, wie sein Halb Bruder Holger E.
2. Selbiger Holger E., aus Halle an der Saale stammend, dem Herkunftsort von Susanne Knobloch. Er wurde wegen sexuellen Missbrauchs seiner eigenen zweijährigen Tochter zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine Adresse fand sich in Peggys Schulheft, er war häufig bei seinem Halbbruder in Lichtenberg zu Gast, er besaß kinderpornografische Bilder, verkehrte regelmäßig im Knoblochhaus, gestand Übergriffe auf Peggy: In den Winterferien 2001 habe Peggy ihm ans Glied gefasst. Und in den Osterferien – nur knapp eine Woche vor Peggys Verschwinden – sei es zu „Kuscheln und Küssen“ mit dem Mädchen gekommen. Sein Alibi für den 7. Mai platzte, seine Aussage war schlicht und ergreifend gelogen. Warum machte das die Ermittler nicht stutzig? Die Oberstaatsanwaltschaft Bayreuth könne dazu keine Auskunft geben, weil sie den Fall erst 2012 übernommen habe, sagte Oberstaatsanwalt Herbert Potzel gegenüber dem FOCUS. Zuvor war der Landkreis Hof verantwortlich. Doch auch die dortige Staatsanwaltschaft will sich nicht äußern, sie sei „nicht mehr für den Fall zuständig“. Nach Ulvi K.'s Geständnis wurde die Spur zu den Akten gelegt.
Der 3. Mitverdächtige, ich ziehe den Begriff "Unterverdächtiger" vor, sie werden noch verstehen, was ich damit meine, ist Robert E., dessen Haus nur wenige Meter auf der anderen Straßenseite von der Knoblochwohnung entfernt lag. Er hat sein Patenkind und seine Stiefenkeltochter missbraucht, wurde deswegen rechtskräftig verurteilt. Der Maurer und nebenberufliche Antiquitätenhändler kannte die Familie, hatte Umgang mit Peggy.

COMPACT: Dass sich ein schräg-krimineller Interessensverein rund um ein einziges Mädchen massiert, in einer so kleinen Gemeinde, quasi in einem Nest…

EGGERT: …ist auffällig, ja. Laut Wikipedia ist Lichtenberg einwohnermäßig eine der kleinsten Städte Deutschlands, schauen Sie sich die Luftbilder an, überschaubarer geht’s kaum mehr. Und nun bedenken Sie bitte noch folgendes: Susanne Knobloch, die Mutter, galt im Ort als sehr schlecht vernetzt. Sie war Einzelgänger, suchte kaum Kontakt, der aber leicht möglich gewesen wäre, wenn sie sich einfach einem der lokalen Vereine angeschlossen hätte. Und ausgerechnet unter den wenigen, quasi handverlesenen Leuten, die sie an sich und die Familie ran ließ, finden wir die Pädophilien Männer, die rein Papierseitig für den Tag des Verschwindens Missbrauchskandidaten sind. Gleich drei Pädophiliekandidaten mit schlechter Alibisituation am selben Kind dran. Dazu laut Behörden ein Mörder der das Leben dieses Kindes beendet. Da halte ich 6 Richtige im Lotto für wahrscheinlicher! Noch 2015, das ist ja nun wirklich nicht lange her, hatte Profiler Axel Petermann im Fall Peggy festgestellt, dass ihr Umfeld sehr schwierig war und die Familie sehr genau beleuchtet werden muss.
Und jetzt das noch obenauf: die Ermittler interessieren sich nicht für diesen Zusammenhang! Hallo?!? ..
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Demnächst in Teil 5: Kinderpornobilder von Peggy? Ein Foto wie aus einem Angebotskatalog. Zeugenaussage: Familie unterhielt ein eigenes Bordell, zu dem "hochgestellte Personen" Zugang hatten.
Teil 5: Die Spur zur Kinderpornografie

COMPACT: Sie erwähnen den Profiler Petermann als Zeugen, dass in der Familie etwas faul gewesen sein könnte. Ist das der gleiche, der nach dem Auffinden des Skeletts jetzt wiederholt in den Medien war?

EGGERT: Ja, der Hochschuldozent für Kriminalistik Axel Petermann, ein erfahrener Mann, 40 Jahre Kripoarbeit, Spezialist für ungeklärte Mordfälle, hat mehr als 1000 Fälle als Profiler bearbeitet. Er ist nicht direkt in den Fall Peggy eingebunden, unterliegt also nicht irgendwelchen Maulkörben oder Denk-Tabus und ist damit umso glaubwürdiger. Auch weil er nach wie vor zu seiner Meinung steht. Erst vor ein paar Tagen, also nach der Auffindung des Leichnams, unterstrich er seinen Standpunkt – von der BUNTEN zum Fall Peggy befragt – noch einmal. Da sagt er: "Die Familie ist eigentlich ein Ort der Geborgenheit, eine Umgebung, in der man sich wohl fühlen soll, in der man Liebe erfahren soll. Aber gleichzeitig ist sie auch ein Ort der Gewalt. Deswegen ist es auch nicht selten, dass Gewalt in der Familie ausgelebt wird, sowohl vom Vater als auch von der Mutter oder von Geschwistern. Und dass es da auch zu Tötungen kommen kann."

COMPACT: Gewalt? Haben sie nicht eher Missbrauch im Auge?

EGGERT: Das eine schließt das andere nicht aus. Ich nenne Ihnen einen Zusammenhang. Der SPIEGEL schrieb im Februar 2006 mit Bezug auf polizeiliche Vermerke über mysteriöse Flecken auf einem T-Shirt, das Peggy kurz vor ihrem Verschwinden trug. Sie deuteten auf einen "intensiven Kontakt" und gelangten laut Akten auf das Hemdchen "in angezogenem Zustand". Das Nachrichtenmagazin nennt hier nicht den Namen des Verursachers, aus dem textlichen Zusammenhang geht aber klar hervor, dass es sich um Peggys Stiefvater handelte (was die Münchner Abendzeitung im Januar 2014 bestätig). Als die Hamburger ihn befragten, versicherte er – festhalten – "nie mit diesen Erkenntnissen konfrontiert worden zu sein". Die Staatsanwaltschaft Hof, ebenfalls angefragt, konnte "aus Termingründen" keine Auskunft zu den Spuren geben. Anderen Quellen zufolge handelte es sich bei den fraglichen Spuren, die in hoher Zahl festgestellt wurden, um Urin. Wobei die Rückführung auf einen "intensiven Kontakt" durch den SPIEGEL auf etwas anderes schließen lässt.

COMPACT: Dann gibt es die Kinderpornospuren. Gibt es dahingehend mehr Mitteilungsbereitschaft bei der Justiz?

EGGERT: Nein. Das handhabt man dort scheinbar nach der Standardformel "gab’s nicht, gibt’s nicht, wird’s nicht geben". Jeder Verdacht in diese Richtung, gerade wenn er sich mit dem Elternhaus verbindet, wird von den sogenannten Ermittlern tabuisiert. Die Familie ist sakrosankt. 1:1 wie im Fall Kampusch, hinter dem ehemalige aber höchstrangige Justiz- und Polizeivertreter immer wieder einen Kinderschänderring ausgemacht haben, ohne dass das in irgendeiner Form Gehör fand. Und wie im Fall Kampusch gibt es nun wieder Zeugen, die kinderpornografische Dateien und Fotos von Peggy gesehen haben.

COMPACT: Wer sind diese Zeugen?

EGGERT: Polizisten, Journalisten, Privatdetektive. Teilweise wird eine Kinderporno Connection sogar von den Ermittlungsbehörden eingeräumt, dann aber sofort verharmlost. Holger E. zum Beispiel, einer der drei Pädophilien die Zugang zu Peggy hatten, wurde mit einer CD voller kinderpornografischer Bilder ertappt. Zu sehen waren darauf auch Bilder von Peggy Knobloch. Die aber nie gezeigt wurden und so "müssen" wir den sogenannten Ermittlern vertrauen, dass sie in dieser Datei harter und eindeutiger Darstellungen die einzige war, die angezogen war. Selbst im Medienmainstream scheint man das nicht zu glauben. Der FOCUS, der im Spätsommer 2013 über Peggys Auftauchen in E.´s Kinderporno-Datei schreibt, lässt das "angezogen" weg.
Steht das für sich allein? Nein. Irgendwann werden dem leiblichen Vater Mario Schwenk die Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten bei den amtlichen Nachforschungen zuviel – er schaltet einen privaten Ermittler ein. Der findet auf einschlägigen Internetseiten ein Gutes Dutzend Schmuddel-Aufnahmen, die ein Mädchen zeigen, das eine frappierende Ähnlichkeit mit der verschwundenen Peggy aufweist.
Ein Kinderpornofoto wird auch dem Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler zugespielt, der das Wiederaufnahmeverfahren gegen Ulvi Kulac durchgesetzt hat. Anonym, mit entsprechendem Hinweis auf die Identität des Mädchens. Auf dem Bild sieht man eine geschminkte 10- 13 Jährige, nackt, mit gespreizten Beinen, fotografiert in einem Badezimmer. Die Ähnlichkeit mit Peggy ist verblüffend. Selbst eine kleine Narbe am Kinn "passt", genau an dieser Stelle hat sich Peggy einige Tage vor ihrem Verschwinden verletzt.
Euler schickt die Aufnahme an die Presse und die Behörden in Bayreuth. Die machen einen Bildvergleich. „Nach einer ersten Bewertung gehen wir nicht davon aus, dass es Peggy ist“, sagt der Sprecher der Bayreuther Polizei. Auch Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz ist sich "zu 90% sicher" dass es nicht das vermisste Mädchen sei. Was ihn so sicher macht bleibt ebenso unerwähnt wie rätselhaft. Nase, Augen, Brauen, Mund, Hals sowie alle Abstände erscheinen nämlich bei beiden Mädchen identisch.
Wenn die beiden Mädchen identisch sind, dann hieße das, das Peggy nach ihrem Verschwinden noch lebte – und zwar gleich Jahre.

COMPACT: Ja. Und?

EGGERT: Das würde bedeuten, dass die Behörden die Unwahrheit sagen, wenn sie jetzt behaupten, dass Peggy geborgen wurde und sie dort, wo man sie fand, 15 Jahre gelegen habe.
Die Behörden haben in diesem Fall wie gezeigt häufig vertuscht und hochwahrscheinlich mit voller Absicht mehr als nur einmal gelogen, nicht nur aus ermittlungstaktischen Motiven heraus. Ich sehe ehrlich gesagt keinen Grund, warum sie sich jetzt auf einmal von diesen Grundsätzen verabschieden sollten. Ich werde zur Auffindsituation nachher noch einiges ausführen. Und ich komme gleich noch zu einem Punkt, der Sie verstehen lässt, warum die Behörden Interesse daran finden, diesen Fall so zu behandeln, wie sie es tun.
In die Frage wie lange Peggy noch gelebt hat, da würde ich mich jetzt gar nicht allzu sehr rein vertiefen wollen. Ich habe das Badezimmerfoto in erster Linie auch nur ins Spiel gebracht, um zu demonstrieren, einmal mehr zu demonstrieren, wie Preußisch scheu klappig die Ermittlungsbehörden diesen Fall durchmarschieren. Hätte Peggy eine Tätowierung und das Mädchen aus der Pornoserie hätte sie auch, an der gleichen Stelle, die sogenannten Polizeiexperten würden vermutlich eine optische Täuschung in Rechnung stellen.

COMPACT: Die Bilder könnten kein Fotoshop sein?

EGGERT: Hätten sie natürlich ebenfalls sagen können. Haben sie aber nicht – jedenfalls damals nicht, als man die Fotos intern "auswertete". Womit die Authentizität der Aufnahmen, jede für sich allein, natürlich enorm gestärkt ist. Die Mainstreammedien haben das rechte Foto auch durchgehend für ihre Artikel genutzt. Was für ein weiteres Peggybild von Bedeutung sein könnte, das – erweitern wir den Bildfokus – in Pädophilenkreisen als Anbieter- bzw. Katalogfoto wahrgenommen wird.

COMPACT: Anbieterfoto?

EGGERT: Das sind Fotos, auf denen Kinder in Pädophilenkreisen "angeboten" werden. Die gibt es in eindeutiger, pornografischer Variante. Und in angedeuteter Form, sei es das Kind alleine oder – gerade in Partnerbörsen – zusammen mit einem Elternteil. Da die Pädophilenszene eher eine männliche Domäne ist, ist auf solchen Bildern meist die Mutter mit abgebildet. Bildunterschrift: "Mutter mit Kind sucht…" Das Foto mit dem hochgeschobenen Shirt tauchte 2007 auf. Die Frau im Hintergrund wurde laut Abendzeitung vom 1.2.2007 von Familienangehörigen als Susanne Knobloch identifiziert. Solche Bilder gab es übrigens auch von der kleinen Natascha Kampusch, nackt mit Pelzstola, Peitsche, Reiterstiefeln – auf einem Schaukelpferd. Für Anbieter auf dem Pädomarkt ist das vorteilhafte an dieser augenzwinkernden Darstellungsform, das solche Aufnahmen auch als Jux- oder Karnevalsbilder durchgehen können.

COMPACT: Auch das Bild mit dem hochgezogenen Shirt könnte ein Juxbild sein.

EGGERT: Könnte. Ist es aber so in einem Partnerforum aufgetaucht, dann ist das kein Spaß mehr. Jetzt werden Sie sagen, bringen Sie mir den Beweis, dass es da drin war. Und da ich den nicht liefern kann bleibt es ein "netter Schnappschuss in entspannter Atmosphäre". Nur, bitte vergessen Sie die Peggybilder in der polizeilich sichergestellten Kinderpornodatei nicht, die nie gezeigt wurden, das gute Dutzend Aufnahmen des Detektivs, die nie gezeigt wurden, mehrere Fotos die laut "Fränkischem Tag" vom Januar 2014, Peggy "in eindeutig pornografischer Pose zeigen", die nie gezeigt wurden. Nicht einmal ausschnittweise, wie beim Mädchen im Bad. Wäre das alles harmlos oder schlecht gebauter Fotoshop, dann wäre das in die Öffentlichkeit gekommen, schon um die Gerüchte zu unterbinden.
Der für Peggys Vater arbeitende Privatdetektiv geht davon aus, dass das Kind seines Klienten Opfer sexuellen Missbrauchs geworden ist. Rechtsanwalt Euler, kein Wald-und Wiesensyndikus sondern auf Opferschutz, Jugend-, Internet- und Sexualstrafrecht spezialisiert, teilt diese Einschätzung, sieht "viele Indizien" für einen frühen und regelmäßigen Missbrauch.

COMPACT: Beide sind Partei im Mandantenverhältnis der Gegenseite

EGGERT: Profiler Petermann dagegen nicht. Außerdem ist es ja nicht so, dass diese Leute die Akten nicht gelesen hätten. Da stehen auch sehr persönlich Dinge drin, Hinweise von engen Freunden, Bekannten, Familienmitgliedern, die seit Sommer 2000 eine Verhaltensänderung bei Peggy festmachen: sie schminkt sich und trägt Miniröcke, zieht sich zurück, zeigt sich weder vor ihrer Mutter noch vor ihrem Stiefvater in nacktem Zustand, schließt sich im Badezimmer ein, schreckt bei Telefonklingeln auf, kaut Nägel, versteckt ihre gebrauchten Unterhosen oder wirft sie in den Müll, will wieder bei ihrer kleinen Schwester schlafen, nässt ein. Vieles ist typisch für eine Frühsexualisierung und darin liegend fortgesetzten Missbrauch, das kann Ihnen jeder Kinderpsychologe bestätigen.

COMPACT: Zeichnung von Peggy

EGGERT: Vergleichen Sie das mit den dokumentierten Persönlichkeitsveränderungen bei Natascha Kampusch, vor ihrem Verschwinden, sie finden da ein ähnliches Bild – bis hin zum Einnässen.

COMPACT: Wenn es diesen fortgesetzten Missbrauch gegeben hat, dann sollte es Zeugen dafür geben, die näher dran waren. Die mehr aussagen könnten.

EGGERT: Na ja, erstens ist das ein wirkliches Tabuthema, so was findet hinter verschlossenen Türen statt, nicht grad auf dem Marktplatz. Und zweitens sind wir hier auf dem Land, da gelten andere Gesetze – eine Dorfgesellschaft schirmt sich meist nach außen ab. Das war in Lichtenberg auch bei der Pfarrergeschichte so. Natürlich haben die Leute hinter vorgehaltener Hand gesprochen, das tun sie heute auch, aber gegenüber Fremden, grad Journalisten, da sagt man nichts. Für Leute, die wegziehen gilt diese Omerta dann nicht mehr. Und gerade aus dem Kreis kommt entsprechende Information. Der FRÄNKISCHE TAG zitiert Ende Januar 2014 auf der ersten Seite so einen der Redaktion bekannten Zeugen. Ich kram den mal aus, dass wir das im O-Ton haben. Der Mann, heißt es dort, steht "in engem Kontakt zum Eigentümer des Hauses, in dem die Knoblochs eine 160-Quadratmeter-Wohnung bezogen hatte" und "bezieht sich auch auf Aussagen von anderen Hausbewohnern jener Zeit, die Lichtenberg ebenfalls bereits verlassen haben. Diese hatten immer wieder davon gesprochen, dass sich in der Knobloch'schen Wohnung ´reger Verkehr im wahrsten Sinne des Wortes´ abgespielt habe. Der Begriff ´Privat-Bordell´ fällt, Peggy sei ´angeboten´ worden. Zu den ´Kunden´ hätten auch ´höher gestellte Personen aus der Region´ gehört. Polizei und Staatsanwaltschaft wüssten von seinen Beobachtungen, es gibt jedoch keine Stellungnahme dazu." Tage darauf fragt "NORDBAYERN.de" unter der Überschrift "Wurde die kleine Peggy ´angeboten´?" diesbezüglich bei den Behörden an. Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz, Chef der Ermittlungen, antwortete: "Eine derartige Aussage ist uns nicht bekannt.“
Da muss man erstmal durchatmen, oder?

COMPACT: "Höher gestellte Personen" in einem Bordell, in dem auch Minderjährige angeboten werden. Das klingt bekannt: Sachsensumpf

EGGERT: …in dem die Organisierte Kriminalität mit Geheimdiensten hintendran hochgestellte Politiker, Richter, Staatsanwälte, Journalisten, Polizisten im Rotlichtmilieu bedient und ganz sicher auch gefilmt hat. Um sie am Kanthaken zu haben, erpressbar zu machen, aussteuern zu können. Dass diese "funktionieren", das sie die eine oder andere schmutzige Sache durchwinken, auf der kriminellen, halbseidenen oder politischen Ebene, die Übergänge sind da durchaus fliesend.
Wer sich mit diesen Schweinereien mal auseinandersetzen will bracht nur den Begriff "Sachsensumpf" zu googlen. Naivere Geister, also 90% der Bevölkerung, werden da echte Überraschungen erleben und auch auf "höher gestellte Personen" treffen, wie es der Zeuge im Peggyfall ausdrückt.
Bei Marc Dutroux lief die Schiene 1:1 genauso, da hatte man auch einen Hauptdarsteller aus dem Bereich Organisierte Kriminalität kurzzeitig im Visier, bis der dann in einem Interview bekannt gab, er könne Bilder vorzeigen, wo belgische Establishmentvertreter Minderjährige missbrauchen, niemand habe eine Chance gegen ihn, er könne den ganze Staat hochgehen lassen – und bumms, wurde er freigesprochen. In einem walisischen Kinderheim regelte der britische Inlandsgeheimdienst den jugendlichen Verkehr mit Politikern, wohlweislich um diese hinterher in der Hand zu haben- der Fall Kincora. Der Vermisstenfall Natascha Kampusch zeigt die gleichen Spuren.

COMPACT: Das würde einiges vom Lauf der Peggy-Ermittlungen erklären

EGGERT: Ich muss Ihnen widersprechen: Das erklärt nicht "einiges", das erklärt ALLES. Dieser Zusammenhang erklärt quasi alle Details, vor allem die bis heute rätselhaften. Es erklärt, warum bei der Polizei schon früh Leute eingebunden waren, die man im Nachhinein als OK-Erfahren bezeichnen kann. Es erklärt, warum sich der bayerische Innenminister Beckstein in den Fall eingemischt hat. Es erklärt die Hausdurchsuchung bei den lokalen Behörden, nebst Vertuschung derselben. Es erklärt die Tabuisierung eines organisierten Missbrauchs im Fall Peggy. Es erklärt das totale Heraushalten der Familie, trotz eindeutiger forensischer Spuren wie dem angesprochenen Hemd oder den Telefonaten, die klar auf eine Verschleppungsabsicht hindeuten.
Sehen Sie sich nur an, mit welcher Vehemenz die sogenannten Ermittler – wie im Fall Kampusch – die Eltern von jedem Verdacht abgeschirmt werden. Am 6. Juli 2007 erging Strafanzeige gegen Susanne Knobloch bei der Staatsanwaltschaft Hof wegen uneidlicher Falschaussage im Prozess gegen Ulvi Kulac. Das Ermittlungsverfahren wurde mit Verfügung vom 10.8.2007 durch die Staatsanwaltschaft Hof eingestellt. Die Akteneinsicht zeigte hinterher, dass durch die Staatsanwaltschaft Hof keinerlei Ermittlungen gegen Frau Knobloch erfolgt waren. Eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte dann zur Folge, dass per 4.11.2007 die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Hof gegen Frau Knobloch wieder aufgenommen werden sollten. Ergebnis? Die Staatsanwaltschaft Hof nahm erneut keine Ermittlungen gegen Frau Knobloch auf, sie hat das Verfahren nach Eingang der schriftlichen Begründung des Anwaltes vom 14.4.2008 noch am gleichen Tag (!) eingestellt. Am 17.6.08 wurde gegen die Einstellungsverfügung Beschwerde erhoben und um Akteneinsicht gebeten. Mit Schreiben des Generalstaatsanwaltes Bamberg vom 17.7.2008 wurde die Beschwerde zurückgewiesen. Ein Antrag auf gerichtliche Entscheidung (Klageerzwingungsverfahren) wurde mit Beschluss des Oberlandesgerichts Bamberg vom 14.10.2008 „als unzulässig verworfen“. Begründung: die Antragsschrift des- renommierten – Bayreuther Rechtsanwalts Ortwin Lowack habe schwerwiegende Mängel aufgewiesen.
Eine Vernehmung gerade der Mutter wurde mit allen Mitteln verhindert. Stattdessen stürzte sich die Justiz mit allen Mitteln auf einen "perversen Einzelgänger", der sich kaum wehren konnte. Im vergleichbaren Fall Kampusch konnte sich der dort in der Tat beteiligte Akteur gleich gar nicht mehr wehren, da er am Tag "als sich Natascha befreite" ums Leben kam, unter rätselhaften Umständen, die momentan Gegenstand eines neuen Untersuchungsverfahrens sind – man ermittelt in Richtung Mord.

COMPACT: Das ist ein Horrorszenario. Leider ein reales. Gibt es weitere Leute, die sich mit dem Fall befasst haben, die das ähnlich sehen, wie Sie?

EGGERT: Ich denke einige ahnen und fürchten in dieselbe Richtung. Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, wo ich das herausgehört habe. Aber das sind eher punktuelle Empfindungen, verbunden mit entsprechenden punktuellen Informationsständen zum Fall Peggy. Ich habe ein "Bekenntnis" gesehen, das hier vollinhaltlich "matcht", es stammt von Ina Jung, die sich über viele Jahre intensiv mit dem Verschwinden des Mädchens befasst hat. Von ihr stammt auch ein Buch zu dem Thema, das ich nicht im Detail kenne. Jung hat auch zwei Drehbücher für TV-Filme abgeliefert, in die sie Peggys Geschichte zusammen mit Erkenntnissen aus dem Sachsensumpfskandal eingearbeitet hat, wie man das in einem Schlüsselroman tut. Über ihren letzten Beitrag, "Jagdgesellschaft", hat die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Anfang dieses Jahres geschrieben.
Ich zitiere:
"Jagdgesellschaft erzählt von deutschen Kindern, die in sehr adretten deutschen Einfamilienhäusern leben, von dort aus in ähnliche Häuser gebracht werden, wo sie als Beilage zu Schampus, Koks und Kaviar serviert werden. Die beiden Mädchen Lucy und Vanessa werden aus scheinbar bürgerlichen Verhältnissen fremden Männern als Prostituierte vermietet: Mami schminkt sie, Vati fährt sie im Kofferraum des SUV zum Termin. Zusammengehalten werden die beiden Filme von der LKA-Beamtin Karin Wegemann, gespielt von Nadja Uhl, die in Teil eins mehrere Kinderschänder verhaften ließ, am Ende aber doch an einem System scheiterte, in dem sehr mächtige Menschen sich gegenseitig bei sehr gruseligen Dingen decken. Auch in Jagdgesellschaft sind es wieder Männer aus der guten Gesellschaft (in der man im Zweifel schon den entscheidenden Staatsanwalt oder Richter kennt), die sich kleine Mädchen liefern lassen, um an ihnen ihre Machtfantasien auszuleben. Und wie bei Operation Zucker ist die Botschaft der Macher: Diese Dinge gibt es wirklich. Sie passieren jeden Tag. So jedenfalls schreibt es ARD-Programmdirektor Volker Herres im Presseheft."



Von der Moderation eingefügt:

Quelle: https://www.compact-online.de/fuer-compa...obloch-und-nsu/

#331 RE: Presseartikel von eugene1975 29.09.2018 15:25

Teil 6: Warum verschwand Peggy?

COMPACT: Sie nennen das Szenario ein reales

EGGERT: Ich beziehe mich auf Dutzende vorgewiesene Kindesmissbrauchsfälle, die von der Organisierten Kriminalität und von Geheimdiensten ausgingen, die alle sehr real sind.
COMPACT: Und im Fall Peggy?

EGGERT: …ist das gleiche Szenario realistisch. Die Ermittlungsarbeit, wenn man die überhaupt so nennen kann, im Grunde erscheint die als eine einzige Frechheit, weist darauf hin dass hier ebenfalls eine solche Verbindung vorliegt.

COMPACT: Die Eltern haben also ihre Tochter angeboten und getötet?

EGGERT: Ich behaupte weder das eine noch das andere. Ich zeige Ihnen nur beängstigende Indizien, welche die Ermittler ausblenden, aufreizend ausblenden. Und genau die ergeben, zusammengelegt, ein erschreckendes Bild.

COMPACT: ..dass die Eltern ihre Tochter angeboten und getötet haben.

EGGERT: Den Tötungsaspekt sehe ich ganz und gar nicht, lassen sie uns das für den Moment zurückstellen und später darüber sprechen. Das Anbieten dagegen, bitte nageln sie mich jetzt nicht auf diesen Begriff fest denn da gibt es Abstufungen, dieses "Anbieten" kann man nach Lage der Dinge keineswegs ausschließen. Und so wie genau das von Seiten der Behörden getan wird ist das jedenfalls hochverdächtig – weil wir damit wieder einmal direkt das Feld der Pädo-Netzwerke betreten, in denen Elitenvertreter agieren.

COMPACT: Gut, lassen wir das als Arbeitshypothese so stehen. Wenn aber die "Geschäfte" so gut liefen, warum verschwindet das Mädchen auf einmal? Und warum wird sie dann schließlich doch noch gefunden? Mit Reisig abgedeckt, wie von einem Amateur. Aus Ihrem Blickwinkel wäre da doch eher ein Salzsäurebad angeraten gewesen.

EGGERT: Zu Letzterem komme ich noch: Der Auffindzeitpunkt sowie der Ort und die Art des Auffindens ergeben durchaus Sinn – das alles liegt geradezu maßgeschneidert im Anforderungsprofil, wenn hier ein Pädophilenring Regie führte, der Verbindungen hatte.

COMPACT: Der Zeitpunkt des Verschwindens erscheint übrigens genauso logisch. Da können wir meinetwegen gleich jetzt schon drüber reden. Bitte.

EGGERT: Gut, betrachten Sie allein die soziale Situation des Mädchens. In Lichtenberg gab es eine Gaststätte „Zur goldenen Sonne“, wo sich immer wieder Kinder, auch Peggy, aufgehalten haben. Der Wirt berichtet, dass das Mädchen fast jeden Tag bei ihm im Lokal verkehrte. Auf seinem Wochenendgrundstück am See haben Beamte jede Menge Stofftiere aufgefunden und der Mann räumte ein, dass er die Kinder dort betreut habe. Das ist wieder ein Punkt, der die Ermittler interessieren sollte, aber wir wollen das jetzt mal zurückstellen. Eine 9jährige ist also Stammgast in einer Wirtschaft, wo sie Hausaufgaben macht, malt oder bastelt. Oft bis spät in den Abend, wie es am 25. Oktober 2003 in einem TV-Beitrag heißt. Wenn ein kleines Kind nicht mehr nach Hause will, so ist das bedenklich. Und sollte schon irgendwem aufgefallen sein. Ob der oder die sich dann direkt an die Eltern wendet ist natürlich ein anderer Punkt, wer fängt sich schon gern die Antwort "Was geht denn SIE das an?" Wenn sich also jemand Gedanken macht, dann ist der leibliche Vater, der ja nicht mehr das Sorgerecht hat, ein Ansprechpartner den man als Nichtfamilienmitglied eher ins Vertrauen zieht. "Ich hab´s nicht gesagt, aber schau mal nach dem rechten". Hat jeder irgendwann mal selbst gehört oder vielleicht sogar gesagt. Auch in kleineren Dingen. Wobei sich hier der Verdacht aufdrängt, dass mehr im Argen lag. Wir wissen, dass schon vor dem Verschwinden Peggys im Dorf über die Familie "geredet" wurde. Dass das irgendwann den "richtigen" Vater erreichen würde, liegt auf der Hand, er brauchte dafür nicht mal einen Tipp von einem erwachsenen Ortsansässigen, schon ein paar Telefonate mit einer klagenden oder depressiven Tochter konnten da sehr erhellend wirken. Ist das Sorgerecht bei der Mutter, was es fast immer ist, kann der Vater nur an seine Exfrau appellieren. Oder er schaltet, wenn das nicht fruchtet, das Jugendamt ein. Genau das hat Mario S. nun gemacht. Ergebnis?

COMPACT: Na?

EGGERT: Raten Sie!

COMPACT: Keine Reaktion!

EGGERT: Richtig. Kann natürlich reine Nachlässigkeit gewesen sein, eine dieser vielen Nachlässigkeiten, Patzer und Zufälle, die sich im Fall Peggy zusammenballen. Wenn nun aber jemand sagt, dass die Familie schon damals abgeschirmt wurde, dann würde ich nicht widersprechen.

COMPACT: Wenn es eine Abschirmung gab, warum musste sie dann ihrer Meinung nach trotzdem von der Bildfläche verschwinden?

EGGERT: Weil eine Komplettkontrolle eben nicht immer und vollständig funktioniert, selbst wenn hochgestellte Leute involviert sind oder wenn man zu diesen Kontakt hat. Die polizeiliche Haussuchung im Lichtenberger Rathaus zeigt das. Die Medien berichteten, dass es da um den mysteriösen Kinderausweis ging, der 5 Tage vor Peggys Verschwinden beantragt wurde, aber die Aktion kann durchaus auch mit dem ignoranten Verhalten des Jugendamts zu tun gehabt haben. Was hier aber nicht entscheidend ist. Entscheidend ist, dass Mario S., mit "seinem" Problem allein gelassen, beschloss selbst nach dem rechten zu sehen. Jeder Vater würde so handeln, wenn er merkt, dass mit dem Kind etwas aus der Bahn läuft. Und wenn das Kind sagt, dass es weg will – zu Papi. Was Peggy laut Aktenlage zuletzt mehr als nur einmal geäußert hat.
Da wir allen Grund zur Annahme haben, dass das Mädchen fortgesetztem Missbrauch unterlag, durch mehr als nur einen einzelnen Pädophilen, schlägt jetzt die Stunde, wo es für einige Leute brenzlig wird. Und zwar just an dem Tag, als Mario S. sich für Mai 2001 in Lichtenberg ankündigt, um seiner Tochter ein verspätetes Geburtstagsgeschenk persönlich vorbeizubringen. Er hatte sie Jahrelang nicht mehr gesehen. Was, wenn sie sich ihm anvertraute? Und wenig Kindgerechte Dinge erzählte? Das war die Frage. Tat sie es dann war damit zu rechnen dass der Vater vor Gericht ziehen und eine Kettenreaktion auslösen würde. Das ist der Hintergrund.
Zwei Woche vor diesem avisierten Treffen war Peggy dann von der Bildfläche verschwunden. Um nie wieder aufzutauchen. Jedenfalls nicht lebend.

Teil 7: Die tschechische Kinderprostitution

COMPACT: Die zeitliche Nähe des Verschwindens zum angekündigten Besuch des Vaters fällt wirklich auf. So wie die zeitliche und örtliche Nähe eines Verbrechens auffällt, das personell direkt in den Fall Peggy hineinspielt.

EGGERT: Hier geht´s darum, dass am 17. März der 17-jährige Geroldsgrüner Hans-Joachim Wirth kurz nach Mitternacht auf seinem Motorrad heimtückisch von hinten erschossen wurde. Zehn Schüsse, 7 gingen vorbei, 3 trafen. Die Fahnder konnten damals in Zusammenarbeit mit der tschechischen Polizei nachweisen, dass mit der Tatwaffe auch schon Straftaten im Nachbarland begangen worden waren. Als Mörder zu lebenslänglich wurde am Ende, 2004, Wirths ehemaliger Freund Ivan Lubas aus Carlsgrün verurteilt. Scheinbar ein wirklich schwerer Junge, er wurde filmreif an Händen und Füßen gefesselt sowie von Beamten eines Sonderkommandos bewacht in den Gerichtssaal geführt, weil die Behörden eine Befreiungsaktion befürchteten. Als Hintergrund der Tat machte man Drogengeschäfte aus, Personen aus dem Umfeld des Täters und des Opfers unterhielten Kontakte zur tschechischen Rauschgiftszene. Da fällt einem gleich wieder ein, dass Peggy-& Dönermordermittlerin Anja Wittig mit Michele Kiesewetter privat befreundet war, die vor ihrem gewaltsamen Ende zusammen mit echten und staatsbezahlten Neonazis verdeckt das internationale Drogenmilieu "begleitete" – rein investigativ, versteht sich.
Was für uns an diesem Punkt wirklich interessant ist: Wirth und Lubas kannten einige der im Fall Peggy agierende Personen, der Mörder hatte persönlichen Kontakt zur Familie Knobloch/Ünal. Was wiederum eine Erklärung für die Peggy-Einbindung von OK-Ermittler Geier&Co. liefert.
COMPACT: Sind diese Verbindungen ausermittelt?

EGGERT: Nach außen hin nicht. Die Medien bringen da auch nichts. In Blogs fragt man sich, ob die Vereinstätigkeiten von Susanne Knobloch bei dem Nordhalbener Motorrradclub "Schmieden-Brüder" damit zu tun haben. Die Frage ist insofern gut gestellt, da Rockerklubs häufig im Drogen-, Rotlicht- und Menschenhandelgewerbe unterwegs sind – die Hells Angels kamen damit im benachbarten Hof unter die Räder. Und wir erinnern uns, dass Drogist Wirth aus dem Sattel geschossen wurde. Passen würd´s daher, aber die Schmiedenbrüder-Fotos, die Peggys Mutter im Vereinsheim zeigen, stammen erst von 2005 und 2006. Von daher halte ich eine Connection über diesen speziellen Rockerverein nicht für zwingend.
Wir haben aber eine Verbindung des Rauschgiftpistolero Lubas zum Fall Peggy, die erheblich direkter und zeitnäher ist.

COMPACT: Wovon sprechen Sie?

EGGERT: Von einer Peggysichtung, die in einen Zeitbereich fällt der, obschon dutzendfach von Ortseinwohnern mit Augenzeugenberichten ausgefüllt, von den sogenannten Ermittlern geradezu mit Händen und Füßen tabuisiert wird: Die Zeit nach 14.00, als Peggy angeblich bereits von Ulvi ermordet worden sein soll.
Da hatten, gegen 15.00, zwei Mitschüler – Sebastian Röder und Jakob Demel – Peggy in Lichtenberg in einen roten Mercedes einsteigen sehen, in dem noch ein etwa gleichaltriges, dunkelhaariges Mädchen saß. Die beiden gaben ihre detaillierte und auch die Bekleidung der Vermissten exakt beschreibende Beobachtung am anderen Tag der Polizei zu Protokoll. Sie sagten, dass das Auto mit dem „Stern vorne“ kein deutsches Kennzeichen gehabt habe, sondern ein tschechisches. „Es ist zwar auch weiß und hat schwarze Zahlen. Aber die Zahlen und Buchstaben sind kleiner“, erzählte einer der Jungs dem Beamten, der zweifelte, ob die Kinder die Nummernschilder überhaupt einordnen konnten. Noch heute sind die beiden der festen Überzeugung, damals aus knapp 5 Metern Entfernung zugesehen zu haben, wie Peggy in den roten Wagen stieg. Derselbe Wagen soll dann nach Angaben einiger Medien, nicht aller, noch einmal am frühen Abend gesehen worden sein, wie er Peggy absetzte.
Als Ina Jung, die das Grundlagenwerk zu dem Fall verfasst hat, die beiden Zeugen ausfindig machte, unterstrichen die ihre Aussage, berichteten aber davon, dass man sie damals unter Druck gesetzt hatte: die Ermittler vernahmen sie jeweils einzeln, ohne Eltern und, so die Schüler, nötigen sie, ihre ursprüngliche Aussage zurückzunehmen. Was dann geschah. Die Staatsanwaltschaft in Bayreuth widerspricht dem nicht und nennt das Buch sogar „eine gute Zusammenfassung der Aktenlage“.

COMPACT: Selbst wenn Lubas das Umfeld von Peggy kannte, was hat dann das Auto mit ihm zu tun?

EGGERT: Lubas nutzten damals einen Wagen, der auf die Beschreibung passte. Schon rote Autos findet man vergleichsweise selten, dazu noch mit tschechischem Kennzeichen. Natürlich liegt es da nahe, dass ihn die Polizei befragte, was laut Vernehmungsprotokoll der Soko zwei Wochen nach Peggys Verschwinden auch passierte. Lubas gab dabei an, dass es sich bei dem fraglichen Untersatz um das Zweit-Fahrzeug seines Bruders aus Tschechien handele. Er habe es bekommen, weil die Staatsanwaltschaft Hof sein eigenes Auto beschlagnahmt habe und sei mit dem Fahrzeug erstmalig am Vortag bei "seiner Bank in Lichtenberg" gewesen zu sein. Ob sich der Vortag auf den Tag der Befragung oder den Tag von Peggys verschwinden bezieht, wird nicht aufgeschlüsselt. "Erinnerungslücken" hatte er auf die Frage der Ermittler, ob er am 7. Mai, also an dem Tag des Verschwindens von Peggy, in Lichtenberg war. Man ließ ihn seinerzeit damit wegkommen. Was ich erstaunlich finde. Hier hätte man tiefer graben können. Wenn Lubas´ Hausbank in Lichtenberg war, dann hielt er sich öfter dort auf, zumindest auf der Bank, und es sollte ein Leichtes sein, das Anhang von Auszügen am Bankomat oder per Befragung von Angestellten zu prüfen – die Gerichtsakten scheinen aber nicht zu zeigen, dass man das auch tat. Fragt sich, warum? Dann hätte der Mann angesichts seiner "Erinnerungslücken" direkt befragt werden können, ob er Peggy kenne bzw. ob er das Mädchen in sein Auto zusteigen ließ – zumindest daran hätte er sich ja erinnern müssen. Die Frage kam aber nicht. Warum? Und zu guter letzt wäre es ein leichtes gewesen, den beiden Schulkameraden – die Peggy in das rote tschechische Auto steigen sahen – Fotos von Lubas und seinem Auto zu zeigen, was aber offenkundig nicht passierte. Wieder: Warum? Hat man die Vita des Bruders, von dem Lubas das Auto "geborgt" hat, kritisch überprüft? Scheinbar wieder: nein. Dem Vernehmen nach handelte dieser Bruder nicht nur mit Antiquitäten, was ihn mit dem Pädophilen Peggy-Nachbarn Robert E. verbindet, sondern er besaß auch noch ein Bordell in der Tschechei. Die Halterin eines Skoda, für welches das Autokennzeichen ebenfalls genutzt wurde, soll eine Frau aus dem Milieu gewesen sein.
So vehement wie die Untersuchungsbehörden Kinderprostitution in diesem Fall außen vor halten könnte genau dieser Berufshintergrund der springende Punkt sein, warum man hier nicht weiterfragte. Bzw., wenn man es tat, die Fragen und damit die Spur nicht öffentlich gemacht hat.

COMPACT: Wenn sie Recht haben geht der Bruder seiner Tätigkeit aber nicht in Oberfranken nach sondern in der Tschechei.

EGGERT:…. wo Peggy aber direkt nach ihrem Verschwinden auftauchte, jedenfalls sagen das Zeugen. Cathrin Schauer,Sozialarbeiterin beim Verein Karo, der sich gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern engagiert, erhielt wenige Tage nach Peggys Verschwinden die Mitteilung ihrer Kollegen aus Tschechien, Peggy sei dort in einem roten Mercedes beobachtet worden. Gleich mehrfach wurde sie damals in Cheb (Eger) gesehen. Die Stadt liegt nur 50 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt. Und: Eger ist bekannt für Prostitution und auch für Kinderprostitution. Neunjährige, also Mädchen genau in Peggys Alter, wurden dort in Bordellen angeboten. Ein Zeuge behauptete Jahre später gegenüber dem Gericht, er habe Anfang 2004 die dann 12 jährige Peggy in einem Egerer Bordell gesehen. Bitte erinnern Sie sich an das Katalogfoto des 11-13 jährigen Mädchens, das Peggy wie aufs Haar gleicht! Zu einer anberaumten Einvernahme vor dem Landgericht Hof soll der Mann dann nicht mehr erschienen sein – angeblich habe man ihn auch nicht ausfindig machen können, da er ein "Nichtsesshafter" gewesen sei.

COMPACT: Hat die Polizei die Tschechische Spur weiter verfolgt?

EGGERT: Marginal, wenn man die Indizien in Betracht zieht, die hierin wiesen. Auch wenn man in Betracht zieht, dass die Behörden seit Jahren sehr genau wussten, dass Peggys Herkunftsort in einem kinderprostitutionsgefährdeten Gebiet lag. Das OK-Referat im benachbarten Sachsen hatte damals eine eigene Ablage zum Fallkomplex "Abseits II", der sich ausschließlich des "Organisierten sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet", also diesseits und jenseits der Grenze annahm. Dieser Problemgürtel reichte vom südlichen Sachsen und Thüringen rüber nach Bayern, mit den Hotspots in der Tschechei.
Trotzdem gab es wohl am Ende von Peggys Ermittlern nicht mehr als ein Amtshilfeersuchen bei den tschechischen Kollegen. Der fortgesetzte – und in meinen Augen vorsätzliche – Blindflug der Ermittler, den ich für vorsätzlich halte, zeigt sich auch in der mangelhaften Ausforschung des Opfer-Umfelds, das bei Kindsentführungen automatisch zumindest der Mitwisserschaft verdächtigt wird. Die genannte Cathrin Schauer, die laut eigenem Bekunden immer wieder erlebte, dass Minderjährige in Tschechien „verschwanden“, wobei die Ermittlungen dann stets im Sand verliefen, weist ausdrücklich darauf hin, dass in das kriminelle Kinderprostitutionsnetzwerk nicht selten Familienangehörige, Nachbarn oder Freunde eingebunden sind. Von Medienvertretern auf ebendieses Umfeld angesprochen erwiderte ein Polizeisprecher: "Alle haben beste Alibis" . Wie wackelig oder gar gleich erlogen einige dieser Alibis waren, wissen wir heute. Dagegen hatte Peggys leiblicher Vater, Mario Schwenk, der wie gesagt damals seine Tochter besuchen wollte, von Anfang an den Verdacht, dass seine Exfrau mehr wusste als sie sagte und dass die Behörden erheblich weniger taten als sie konnten. Er begab sich nach Eger und verteilte Suchplakate im Rotlichtmilieu.

COMPACT: In welche Richtung ermittelte die Polizei denn damals?

In möglichst harmlose Richtungen, auf jeden Fall weg von mafiösen Strukturen. Zur Sprache gebracht wurde, dass Peggy ein Zufalls-Opfer eines ortsfremden Triebtäters sein könne, der von der A 9 Nürnberg, Berlin die Abfahrt Berg/Bad Steben nahm. Außerdem interessierte man sich sehr früh für Ulvi, wo man sicher leichtes Spiel zu haben glaubte. Das zeigt ein Artikel der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, vom September 2011. O-Ton: "
Manfred Bauer hat sich 2001 auch bei der Polizei gemeldet. Er schilderte, wie er ein Mädchen am Grenzübergang nach Cheb gesehen hat, am Sonntag nach dem Verschwinden Peggys. Das Mädchen saß in einem Auto mit zwei Männern, keiner der beiden sei phänotypisch als Vater des Mädchens in Frage gekommen. Bauer hat dann bei den Ermittlern angerufen, dort sei ihm gesagt worden: Das Foto von Peggy, aufgrund dessen er eine Ähnlichkeit mit dem Mädchen im Auto zu erkennen glaubte, sei kein gutes Porträtbild von Peggy gewesen. Außerdem habe man den Täter wohl schon gefasst: Ulvi. Das habe ihn schon irritiert, sagt der Betriebswirt Bauer: "Diese Gewissheit, den richtigen schon festgenommen zu haben."
Ich sage Ihnen: Man hätte bei diesen "Spezialisten" eher den Grafen von Monte Christo in Verdacht genommen als einen Kinderschänderring. Aber das ist ja nichts Neues. Bei den Fällen Dutroux und Kampusch und 100 anderen vor- und nachher war das nicht anders. Immer wenn die Organisierte Kriminalität ins Spiel kommt, zusammen mit hochgestellten Personen, gerade beim Thema Kindersex, hat die Justiz einen Blackout.

COMPACT: Sie sprachen die Medien an.

EGGERT: Die wussten sicher mehr als sie sagen konnten, komplett doof sind die Lohnschreiber ja nun auch nicht, auch wenn´s bei gewissen Themen nach außen hin so zu sein scheint. Alle großen Medien haben diese namenlosen "gut informierten Kreise" die sie beliefern, oft stammen die aus dem Dunstkreis der Geheimdienste, die wiederum Kindersex-OK nicht selten zur Aussteuerung von Politik nutzten. Wo man also dieses gewisse Quäntchen an entscheidendem Mehrwissen hat.
Ich denke aber, dass ein Dienst dieses Wissen nur dann an die Medien gibt, wenn sich die federführende Regierung gerade wirklich heftig mit einer anderen in den Haaren liegt. Der Konflikt Erdogan-Deutschland ist so ein Fall. Der türkische "Tiefe Staat" operiert ja auch hierzulande, da geht es nicht nur um Drogen sondern auch um Menschenhandel, Prostitution, auch Kinderprostitution. Ankara kann in einer bilateralen Konfliktlage, so wie wir sie gerade bekommen, Mittäter-Wissen über die deutschen Medien ausspielen. Ob letztere die Karte dann auch auf den Tisch legen ist natürlich eine andere Frage, das muss sich jede Chefredaktion sauber überlegen, weil sie damit riskiert, dass dann postwendend aus dem Bundeskanzleramt oder dem BND nicht mehr zugeliefert wird. Gut, wir könnten hier noch lange plaudern, diese Form der Nachrichtenentstehung lernen sie nicht auf Journalistenschulen, das ist eine lange Geschichte. Und eben eine ewige Gratwanderung.

COMPACT: Sehen sie diese Zuträgerschaft auch im Fall Peggy?

Real ausgelebt eher nein, da wird in meinen Augen noch erfolgreich gedeckelt. Wenn wir aber eine wirkliche Aufdeckung im Fall Peggy erleben – und ich bin mir sicher dass wir sie erleben, wenn sich die internationale Konfliktlage erhöht – dann wird sie von einem auswärtigen Dienst bestritten werden, der sich in der Thematik auskennt.

Teil 8: Sonderangebot in der Nebensaison – Der "Zufallsfund" beim Pilze sammeln

COMPACT: All das ohne Mitwisserschaft der Eltern?

EGGERT: Peggy hatte mit Pädophilen Kontakt, nicht nur räumlich, soviel ist sicher und bewiesen. Gab es hier eine Form von Organisation, einen "Ring" in dem auch höherrangige Namen verkehrten, dann macht es Sinn, dass das Mädchen irgendwann einmal verschwinden musste. Und zwar dann, wenn der Ring vor einer Enttarnung stand. Verschwinden kann man durch untertauchen, das heißt nicht notwendigerweise gleich ermorden. Auch hier gibt es Indizien, die auf die Eltern hindeuten. Die können einen organisierten Missbrauch, selbst wenn sie daran nicht aktiv beteiligt waren, nur schwer übersehen haben.

COMPACT: Im Grunde sind das die Argumente der Ulvi-Verteidiger, um die sich eine regelrechte Bürgerinitiative aufgebaut hatte…

EGGERT: Richtig. Deren Arbeit erschöpfte sich ja nicht allein im Verteidigen dieses "Verdächtigen" sondern sie stellten zugleich die Frage: "Wer war es dann? Wer kommt sonst noch als Täter in Frage?" Und dabei hinterfragten sie auch die Rolle der Eltern.

COMPACT: Mit welchen Fakten?

EGGERT: Gut, ich habe bereits einiges genannt, zum Teil wurden diese Vorwürfe auch von der Bürgerinitiative mitgetragen, vorgebracht. Es gibt andere Besonderheiten, Auffälligkeiten, die sich mit dem Tag verbinden, an dem Peggy verschwand, welche gerade die Mutter verdächtig erscheinen ließen. So soll 1. ihr Erscheinen auf der Arbeit an diesem Tag – also ihr Alibi – keineswegs gesichert sein. Eine Kollegin, die sie gesehen haben wollte, sagte Frau Knobloch sei eine Stunde verspätet mit verheulten Augen auf der Arbeit erschienen – ausgerechnet an diesem Tag! Die Erklärung der Mutter hierfür war 2. widersprüchlich: Mal hieß es, sie habe am Vortag mit Peggy gemalt und die Farben hätten eine allergische Reaktion ausgelöst, dann sagte sie wieder, zu Hause habe sie Streit mit ihrem türkischen Partner gehabt. Dann, 3., erstellte die Mutter noch in der Nacht nach dem Verschwinden ein Fahndungsplakat mit dem Hinweis, ihre Tochter sei seit 14 Uhr vermisst. Stimmen nun aber die Aussagen der Eltern, dann waren beide den Tag über in der Arbeit und konnten daher gar nicht wissen, seit welcher Uhrzeit Peggy tatsächlich abgängig war. Wie gesagt beisst sich die Angabe 14 Uhr auch mit späteren Sichtungen des Mädchens durch Dritte. Sie bedient aber indirekt den Vorwurf-Anforderungskatalog gegen Ulvi, dem die Mutter zuarbeitete: Indem sie den Behinderten bei der Polizei ganz allgemein verdächtigte und im speziellen über den Sohn einer engen Freundin einen belastenden und wohl auch falschen "Augenzeugenbericht" generierte. Und dann gibt es noch Vorwürfe aus der Familie, von der sich Teile der Ulvi-Bürgerinitiative anschlossen.

COMPACT: Welche waren das?

EGGERT: Die Großeltern väterlicherseits. Der Vater hat sich da wohl auch ein wenig engagiert. Er war ja bereits einen Tag nach Peggys Verschwinden eine Woche vor Ort, um beim Suchen zu helfen. Seine neue Frau, die dabei war, hat über ihre Eindrücke in einem Peggy-Forum berichtet. Nun muss man natürlich in Rechnung stellen, dass es da ihrerseits psychologisch ein Konkurrenzverhältnis gab, Ex-Partnerin vs. aktuelle, dieses Thema, aber nach meinem Geschmack war das nicht ausschlaggebend für ihre Bewertung. Ich glaube ihr das Mitgefühl mit der Mutter, das dort überwiegend formuliert steht. Trotzdem finden sich dann Hinweise, die nachdenklich machen. Dass Peggys Mutter hübsch zurechtgemacht mehrfach ausgegangen sei. Das ist so was wie ein "Bruch" in der Logik, wenn die Mutter davon ausging, dass mit Peggy etwas Schlimmes passiert war. Die neue Partnerin hält auch das Thema Kinderpornographie wie sie schreibt nicht für abwegig. Wir erfahren da auch, dass eingeschaltete Privatermittler gesagt hätten, sie könnten "nicht weiter ermitteln", da sie sonst, zu "viel gefährden" würden. Peggy sei von ihrer Mutter "abhängig" gewesen. Jetzt wörtliche Aussagen: "Susi hätte alles verlangen können. Natürlich würde sich die Bevölkerung freuen, aber die Leute die dahinter stecken werden nicht auf ihre Pensionen verzichten nur weil heraus kommt, was nicht darf. Ich an Peggys Stelle würde nicht zu einem Land zurückkehren wollen wo ich missbraucht wurde." "Peggy musste damals verschwinden." "Wir werden immer noch oft angesprochen was manche wissen aber keiner sagt vor der Polizei aus und ohne diese kommen wir nicht an den Hauptdrahtzieher." Die Mutter müsse mehr wissen. "Ich sage nicht dass sie Peggy verschwinden lassen hat nur dass sie weis was passiert ist oder weis warum." "Natürlich haben die Medien den Fall nicht beiseite gelegt – nur sie werden beeinflusst." Es gebe "Menschen in höheren Position die uns ´baten´ aufzuhören nach Peggy zu suchen und das Erlebte (zu vergessen) was bei den Suchen so passierte." Das alles ist recht deutlich formuliert, finde ich.

COMPACT: Wenn das stimmt, dann wird der Fall politisch, juristisch, polizeilich und medial wie der Sachsensumpf abgedeckt

EGGERT: ….was Sinn macht, weil er artverwandt erscheint, erinnern sie sich z.B. an die Zeugenaussage von den "hochgestellten Persönlichkeiten", die im Hause Knobloch verkehrt haben sollen. Allein Ermittlungsseitig ist der Fall in meinen Augen ein Skandal. Das Ausblenden des unmittelbaren Peggy-Umfelds von dieser Seite macht ebenso Sinn. Das Einschüchtern der Mitschüler, die Peggy in das tschechische Auto einsteigen sahen. Das In-Stellung-Bringen eines falschen Zeugen gegen Ulvi. Das anwaltlich unbegleitete Geständnis, bei dem das Tonband ausfiel. Das alles wiederum passt zu den Einflussnahmen des CSU-Innenministers Beckstein. Die CSU-Lokalpolitikerin Ina Hager-Dietel wurde als Schöffin im Prozess gegen Ulvi Kulac ausgewählt. Sie saß im Hofer Stadtrat neben ihrem Fraktionskollegen und Bürgermeister von Hof, Eberhard Siller. Dieser wiederum war auch Vizechef der Staatsanwaltschaft Hof und somit auch Vorgesetzter des im Fall Peggy ermittelnden Staatsanwalts Heindl. Zudem hatte Siller selbst am Fall Peggy mitgewirkt.
Zum gegenwärtigen Stand: Peggy wurde gefunden. Und zwar tot, nicht lebend. Einiges von dem, was wir in diesem Interview gehört haben deutete aber darauf hin, dass sie damals entführt wurde oder untertauchte, weil sie zu einer Belastung wurde. Das eine schließt das andere ja nicht aus.

COMPACT: Die Polizei sagt, daß das Mädchen seit 15 Jahren an dem Ort gelegen habe, wo man sie fand.

EGGERT: Eine kühne Behauptung. Wie will man die beweisen? Eben. Das geht nicht. Schon dieses Vorpreschen ist verdächtig, wieder einmal verdächtig. Warum verwendet sich die bayerische Polizei so sehr für eine Version, die völlig aus der Luft gegriffen ist? Tut sie das auf Drängen höherer Stellen, die bereits die Ermittungs- und "Aufklärungsarbeit" beeinflusst haben?

COMPACT: Was sollte hier konkret verdunkelt werden?

EGGERT: Im unmittelbaren Zeitfenster des Verschwindens alle Hinweise, dass Peggy lebend von der Bildfläche genommen und ins Ausland verbracht wurde. Im Sommer 2001.

COMPACT: Sie meinen also, dass sie kurz danach zu Tode gekommen und dann am Fundort verscharrt wurde?

EGGERT: Nicht einmal das. Sehen Sie: die TV-Journalistin Ina Jung, die mit ihrem Buch "Der Fall Peggy" für eine Neuaufnahme des Ulvi-Prozesses gesorgt hatte, hat in einem Interview mit dem BR, am 5.7. war das – da hat sie gesagt sie habe Zweifel dass die gefundenen Knochen von Peggy stammten. Nur 4 Tage vor dem Knochenfund habe sie, jetzt wörtlich, "aus angeblich seriöser Quelle erfahren, dass Peggy in der Türkei sei, sich dort sehr wohl fühle würde und auch nach Hause nicht mehr zurückkehren wollte. Und vier Tage später erfahre ich von diesen Knochenresten. Ich hab größte Zweifel daran gehabt – wieso sollten die jetzt plötzlich auftauchen? Wie kann man sicher ein dass es ihre Knochen sind? Ich habe so viele Gutachten und Widersprüche in Gutachten in diesem Fall gesehen und studiert, dass ich ganz große Zweifel hatte." Zitat Ende. Und weiter, über den Heimatnahen Fundort und die Frage, warum man die Leiche damals nicht schon fand: "Wenn man mit Tornados mit Wärmebildkameras gesucht hat, dann hätte man sie auch entdecken können."

COMPACT: Aber sie WURDE gefunden und in einem staatlichen Labor anhand von DNA-Probe identifiziert

EGGERT: Ich erinnere Sie gern noch mal an Jungs Aussage von den wiederholten Widersprüchen im Gutachten. In diesem ganz besonderen Fall. Und ich verweise vor allem auf die Umstände, unter denen die Knochen gefunden wurden, WIE sie gefunden wurden. Dazu die Zeitfrage: Warum kam die Entdeckung gerade JETZT?

COMPACT: Weil ein Pilzsammler auf die Knochen stieß.

EGGERT: Erst jetzt? Das Areal soll ein durchaus beliebtes Pilzsuchgebiet sein. Gut, lassen wir mal außen vor dass wir Anfang Juli gar keine Pilzsaison haben, das ist wieder so ein Widerspruch; aber im Herbst findet man grad dort jede Menge Schwammerl – und dann dauert es geschlagene 15 Jahre bis zum ersten mal jemand ein halbes Skelett findet?

COMPACT: Na ja, mitten im Wald kommt ja nicht alle Tage wer vorbei

EGGERT: Das war aber nicht mitten im Wald, die "Fundstelle" liegt unweit eines gut ausgebauten, befahrbaren Wegs, nur schlappe 100 Meter davon entfernt. Rodacherbrunn und Titschendorf sind in unmittelbarer Nähe. Da sind auf 15 Jahre gerechnet ganze Heerscharen von Pilzsammlern abseits der Wege herum gestrichen. Darunter auch Wanderer, der Fundort liegt im Rennsteig Gebiet, das touristisch erschlossen und gut besucht ist. Packen wir noch die Waldarbeiter oben drauf: In der Gegend gibt es viel Wald, dementsprechend wird auch viel Holz geschlagen und abtransportiert! Auf Googlemap kann man sehen dass sich dort etliche Holzstapel befinden! Und Förster sind auch noch unterwegs. Dazu der ein oder andere Jäger mit seinem Spürhund. Und niemand hat was gefunden? So lange? Halte ich für ausgeschlossen.

COMPACT: Vielleicht wurden die Knochen erst in jüngerer Zeit von Wild freigelegt

EGGERT: Nein, das passiert nur im ersten Jahr, mit Leichen an denen noch was dran ist. Selbst WENN es so gewesen wäre, dann hätten die Knochen 15 Jahre an der Oberfläche liegen müssen. Es hat diese Vergrabungsaktion aber gar nicht erst gegeben, der FOCUS schreibt mit Bezug auf Augenzeugen, dass das Skelett lediglich mit Reisig zugedeckt war. Womit sich die Frage stellt: Welcher Täter macht sich die Mühe, sein Opfer 15 Kilometer vom bewohnten Ort fortzubringen, in dem offensichtlichen Bemühen für ein langfristiges Verschwinden zu sorgen – und setzt dann nicht auf irgendeiner Lichtung unterm Vollmond den Grabspaten an? Was ist das für ein Versteckspiel, wo das zutiefst belastende Geheimnis mitsamt frischer Täter-DNA unweit eines belaufenen Weges endet, unter Zweigen? Sodass schon nach wenigen Tagen der Leichengeruch einem Spaziergänger auffallen müsste? Sodass ein Hund, der mit Herrchen dort entlang flaniert Schwanz wedelnd ins Unterholz schießt und partout nicht mehr rauszubringen ist?
Wenn Sie auch dieses Szenenbild ausschließen wollen, dann bedenken Sie: eine oberflächliche Ablage würde zu Wildfrass führen, wodurch sich innerhalb von 3 Monaten der Leichnam und mit ihm das Skelett in alle Himmelsrichtungen verteilt. In unserem Fall aber heißt es, dass der Torso von Kopf bis Becken erhalten war. Der dann wiederum immer noch 15 Jahre unbeachtet dort gelegen hat, ohne dass ihn ein Pilzsammler, Waldarbeiter, Förster oder Jäger fand. Was ab dem 10. Jahr dann wieder Sinn macht, weil sich ab da eine dichte Laub/Erdreichschicht über den Knochen gebildet hätte. Was es umso rätselhafter macht, denn diese Erdschicht war nach weiteren 5 Jahren plötzlich wieder fort, so als hätte jemand mit einem Ruck einen Bühnenvorhang aufgemacht. Können sie mir all das bitte erklären?

COMPACT: Sie teilen Frau Jungs ersten Eindruck, dass die gefundenen Überreste gar nicht von Peggy stammen?

EGGERT: Nun, wie gezeigt spricht alles dafür, dass die Knochen frisch abgelegt waren. Und zwar so, dass man sie finden MUSSTE. Ich denke, dass der Fund am Ende alles andere als ein Zufall war.

COMPACT: Die Ermittler müssten das gemerkt haben. Das sind ja keine Amateure

EGGERT: Sie stellen sich aber so an, als ob sie welche wären. Bitte beachten sie in diesem Zusammenhang, dass die Behörden die Entdeckung sofort an die große Glocke hängten, dass sie umgehend mutmaßten, dass es sich um Peggy handele. Woraus gründete sich diese Mutmaßung? Man sagt dass einige ihr zuzuordnenden Habseligkeiten in direkter Nähe gefunden wurden. Wenn das stimmt, wenn, so macht es Täterseitig keinen Sinn das Opfer zu "verstecken" und dann auffällige nicht verrottbare Habseligkeiten, an denen am Ende noch seine Fingerabdrücke nachweisbar sein könnten, bei diesem zu belassen.
Was aber noch mehr auffällt, ist das mediale Vorpreschen in sich selbst: Ermittlungsseitig wäre es definitiv sinnvoller gewesen den Knochenfund erst einmal geheim zu halten oder mit einer anderen Erklärung zu verbinden – so hätte man einen guten Ansatz gehabt, verbleibende Tatverdächtige aufs Glatteis zu führen, ihnen Fallen zu stellen. Diesen einmaligen Ermittlungsvorteil hat man scheinbar leichtfertig sausen lassen. Die Meldung, "Peggy ist gefunden" schien demgegenüber Vorrang zu haben. Und dabei hatte man es offenkundig sehr eilig, die Identifizierung wirkt geradezu überstürzt. Das überregionale Medienportal infranken.de beklagte sich am 5. Juli über fortdauernde Ungereimtheiten in der Ermittlungsarbeit und schrieb: "Auch am Dienstag setzte sich das Chaos fort. Während es aus Oberfranken hieß, die DNA-Bestimmung des Skeletts dauere an, gaben Geraer Staatsanwälte bekannt, dass die Knochen von Peggy stammen." Alles deutet daraufhin dass man schnell einen Deckel auf den Fall machen wollte. Aber warum?

COMPACT: Sie werden eine Antwort darauf parat haben

EGGERT: In der Tat – und sie hat mit dem Zeitfenster zu tun, in der die Knochen auftauchten. Die Frage lautet: Warum findet man "Peggy" gerade jetzt? Und diese Frage verbindet sich automatisch mit dem Grundrätsel der ganzen Affäre, das da heißt: Warum verschwand sie damals?
Lassen Sie mich noch einmal rekapitulieren: Wir haben im Fall des 9jährigen Mädchens von Kinderpornofotos gehört, davon das die Kleine von wem auch immer "zugeführt" wurde, davon das lokale und regionale Einflussträger daran beteiligt gewesen sein sollen. Wir wissen von sexuellen Übergriffen auf Peggy, die damit als Geheimnisträgerin für mehr als nur eine Person zur Gefahr wurde. Genau das ist der nächstliegende Hintergrund für ihr Verschwinden: Dass jemand von außen drauf und dran war zuviel zu erfahren, um dann auszupacken und die Betreffenden, vielleicht war es in der Tat ein Ring, zu gefährden. Damals war dieser Gefahrenherd zweifelsohne der Vater, der sein Kind zum ersten Mal nach 6 Jahren wiedersehen wollte. Das Abtauchen scheint von Behörden gedeckt gewesen zu sein: Ich erinnere an den Kinderpass, der Tage vor dem Verschwinden ausgestellt wurde, ich erinnere an die Haussuchung in der Bürgermeisterei von Lichtenberg, ich erinnere an den Unwillen der Ermittler, der Türkeispur nachhaltig nachzugehen.
Und nun, 15 Jahre später wiederholt sich das alles: Wie das Verschwinden erscheint nun das Wiederauftauchen von Peggy wie geplant. Wiederum wirkt der Vorgang in seinen Nachwirkungen wie gedeckt von den Behörden. Konsequenterweise sollten wir dann weiterfragen, ob nun nicht auch wieder der Grund des "Findens" derselbe ist, der beim Verschwinden des Mädchens ausschlaggebend war: Dass, wie habe ich gesagt, jemand von außen drauf und dran war zuviel zu erfahren, um dann auszupacken und einflussreiche Personen zu gefährden.

COMPACT: Wer konnte Ihrer Meinung nach diesmal gefährlich werden?

EGGERT: Wie schon gesagt die Bürgerinitiative, die sich um die Verteidigung des zunächst verdächtigten und verurteilten Ulvi gruppiert hat! Die "Gegenpartei" im juristischen Verfahren des Falls Peggy. Gut, Gegenpartei ist hier nach dem Verständnis des Dudens nicht ganz der korrekte Begriff, aber er passt im moralischen, ich würde sogar sagen im politischen Sinne. Deshalb, weil sich diese Gruppe von Engagierten nicht allein auf die Verteidigung ihres Schützlings beschränkte, sondern darüber hinaus zum Gegenangriff überging, um die Aufklärung des Falls zu erzwingen, gegen Widerstände politischer Vertreter, gegen Widerstände in der Justiz, gegen Widerstände der Ermittler, die den Fall am liebsten wieder zu den Akten gelegt hätten. Die Bürgerinitiative vermutete schon früh, dass Ulvi ein Bauernopfer in einem weit größeren Fall war und biss sich fest, stieß pausenlos nach, auch nach der späten Rehabilitierung des Behinderten.
Ein Kernpunkt ihres Kampfes war die Herausgabe einer umfangreichen "Spurenakte", die bislang in einem, ich nenne das mal so, "Giftschrank" des Gerichts lagert, die kein Außenstehender gesehen hat, deren bloßes Bestehen in der Vergangenheit sogar zuweilen geleugnet wurde, die es aber wirklich gibt. Um die Herausgabe dieser Akte, aus der viel bis heute nicht Bekanntes hätte hervorgehen können, stritten die Ulvi Verteidiger hartnäckig. Mitte/Ende Juni stand dann endlich die Entscheidung zur Freigabe an. Anfang Juli wurde die Knochen gefunden. Und nun, wo der vermeintliche Leichnam Peggys gefunden wurde, ist diese dicke Akte wegen der veränderten Fall-Lage wieder gesperrt und nicht zugänglich. Diese zeitliche Koinzidenz fällt natürlich sofort ins Auge.
Ebenso die Aussage von Frau Jung, dass sie erst 4 Tage vor dem "Überraschungsfund" Nachricht aus der Türkei bekommen habe wonach sich Peggy – immer noch – dort befände. Wer sich fragt wie es nun zu dieser Benachrichtigung der engagierten Journalistin kam sollte in Rechnung stellen, dass die Türkei seit der Armenien-Völkermord-Resolution des Bundestags vor einigen Wochen mit Deutschland in heftigem Clinch liegt. Ankara hatte mit ernsten Konsequenzen gedroht und Anfang Juni – nach Verabschiedung der Resolution – einen bis heute inhaltlich nicht veröffentlichten "Aktionsplan" ausgearbeitet, mittels dem die deutsche Politik unter Druck gesetzt werden sollte. Das Platzenlassen eines Kinderschänderrings mit politischer Verbindung – vergleichen Sie die Fälle Kincora, Casa Pia, Dutroux, wahrscheinlich auch Maddie und Kampusch – ist definitiv eine Karte, die in einem diplomatischen Infight zwischen Staaten ausgespielt wird. Wenn man den "Hauptzeugen" hat. Der aber dadurch wieder enorm gefährdet ist. Dieses Szenario möchte ich gar nicht zu Ende denken. Da würden Ihnen Ihre mainstreamigen Leser aussteigen, das wäre zuviel für die.

COMPACT: Dann lassen Sie uns ein Resumee ziehen: Wird sich der Fall Peggy noch aufklären?

EGGERT: Nicht von oben aus, nein, das glaube ich nicht. Ein korruptes System lässt keine Transparenz zu. Eine gewisse Chance liegt darin, dass sich ein gegnerischer Geheimdienst auf dem Höhepunkt nationalen Furors bequemt etwas von seinem Wissen an die Öffentlichkeit zu bringen. Aber so was passiert nicht so oft, von daher liegt die Hoffnung eher auf Einzelkämpfern, auf Insidern die ihr Wissen irgendwann zu einem besseren Zweck nach außen tragen und dabei bereit sind dafür berufliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen. Edward Snowden ist so ein Beispiel.

COMPACT: Wobei Snowden ja mehr in den Bereich der Geheimdienstwelt fällt.

EGGERT: Es könnte sich erweisen, dass der Fall Peggy gar nicht weit davon entfernt ist. Die Organisierte Kriminalität – also Waffen, Drogen, Rotlicht – ist ja eng verwoben mit Geheimdiensten. Die sich, Sie mögen mir nicht glauben aber es ist so, auch Kindermissbrauchs bedienen, um Entscheidungsträger in der Wirtschaft, Politik, den Medien in die Hand zu bekommen. Organisierte Kriminalität, Lobbies und Geheimdienste bilden zusammen das, was man in der Türkei den "Tiefen Staat" nennt, in dem beide Seiten kooperieren, Verbrecher mit Politik und Polizei. Sie kriegen damit ein engmaschiges Netz von Protektion und Erpressung, das gut funktioniert – dabei sehr tragfähig und hervorragend abgeschirmt, wie der belgische Fall Dutroux oder der Sachsensumpf gezeigt haben. Es gibt natürlich eine Vielzahl von kleineren Fällen, die ähnlich gestrickt sind und ebenfalls unaufgeklärt bleiben. Wenn sich nicht jemand findet, der bereit ist einen dieser Augiasställe auszumisten. Beschimpft, verflucht, gefeuert…

COMPACT: Wer macht das schon, bei den Aussichten

EGGERT: Eben. Von daher kann man solche klassischen Gestalten, die nicht anders handeln als Snowden mit der Lupe suchen gehen. Aber es gibt sie trotzdem. Nehmen sie diesen Artikel, der nur wenige Tage nach dem "Auffinden Peggys" in der "BILD"-Zeitung erschienen ist. Bitte lesen sie ihn aufmerksam – und vergleichen sie die gewonnen Erkenntnisse mit den NSU-Morden. Oder eben dem Fall Peggy, wo ja auch sogenannte Ermittler in der NSU Sache mitgewirkt haben.

COMPACT: Der Schlussatz rundet unser Interview perfekt ab: "Ich will, dass die Wahrheit endlich ans Tageslicht kommt.” Fast romantisch.

EGGERT: Ja. Leider hat die Politik für Romantik nichts übrig.



Von der Moderation eingefügt:

Quelle: https://www.compact-online.de/fuer-compa...obloch-und-nsu/

#332 RE: Presseartikel von Tumbleweed 30.09.2018 09:48

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28. September 2018, 16:41 Uhr
Kriminalfall Peggy

Warum Manuel S. wieder in den Fokus der Ermittler gerät

Vor 17 Jahren verschwand Peggy aus Lichtenberg. Manuel S. hat zugegeben, die Leiche verscharrt zu haben, mit dem Tod des Mädchens will er aber nichts zu tun haben. Doch jetzt beschäftigen die Ermittler sich wieder mit ihm - aus zwei Gründen.

Von Olaf Przybilla

Das ist eine Geschichte aus Lichtenberg, aber sie beginnt nicht in Lichtenberg, sondern 50 Kilometer entfernt in einem Weiler im Fichtelgebirge. Keine 20 Höfe und Häuser hat der Ort, es gibt eine Art Kern und zwei entlegenere Häuser. Ganz am Ortsrand ist der Hof, den Ermittler vor zweieinhalb Wochen durchkämmt haben und zehn Tage später mit einer Mitteilung an die Öffentlichkeit gegangen sind, von der schwer zu sagen ist, ob man sie für sensationell oder bizarr halten soll. Oder beides. 17 Jahre, nachdem die damals neun Jahre alte Peggy verschwunden ist, wird ein Mann aus diesem Ort von den Ermittlern des Mordes an dem Mädchen verdächtigt. Auch hat der 41-Jährige gestanden, Peggy in einem Wald in Thüringen verscharrt zu haben. Trotzdem ist er auf freiem Fuß. Kein dringender Tatverdacht, sagen die Ermittler der Soko.

Über den Fall Peggy wird seit 17 Jahren gesprochen, die Causa erlebte Wendungen, die man keinem Drehbuchschreiber durchgehen lassen würde. Einmal sollte, laut genetischem Befund, der NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt mit dem Mord an dem Mädchen etwas zu tun gehabt haben. Was sich als Ermittlungspanne herausstellte. Wie ist das jetzt in diesem Dorf, wenn nach 17 Jahren plötzlich einer der ihren des Mordes an Peggy verdächtigt wird - der Mann aber nach der Vernehmung zurückkehrt, als Nachbar in seinen Bio-Bauernhof, wo er Honig aus eigener Imkerei anbietet?
Kriminalität Die Geschichte von Ulvi K.: Erst lebenslang, dann Freispruch
Die Geschichte von Ulvi K.: Erst lebenslang, dann Freispruch
Der geistig behinderte Mann wurde 2004 wegen Mordes an Peggy verurteilt, zehn Jahre später aber in einem spektakulären Verfahren rehabilitiert.
Die erste Frau, die man fragt, sagt: "Ich kenn' mich nicht aus hier." Sie kann über den Zaun zu dem Hof mit der zerschlissenen Fahne schauen, in dem der Beschuldigte wohnt. Eine andere lässt sich auf ein Kurzgespräch über ihren Nachbarn ein: "Ich bete für ihn." Was immer er womöglich getan habe, "er bleibt ein Mensch".

Die Ermittler nennen zwei Gründe, warum plötzlich dieser Mann ins Visier rückt, der sich in der Akte Peggy, die einige Zehntausend Seiten umfasst, ziemlich weit vorne findet: Erstens führten die Spuren, die am Leichnam des Mädchens vor zwei Jahren sichergestellt wurden, deutlich in Richtung von Manuel S., dem 41-Jährigen aus dem Fichtelgebirge. Zweitens habe die, so wörtlich, "Neubewertung bereits bestehender polizeilicher Feststellungen" Manuel S. nun in den Fokus der Ermittlungen gerückt. Wer sich die alten Peggy-Akten ansieht, den kann das kaum verwundern.

Stadtrat Norbert Rank
"Für mich ist das kein Teilgeständnis, auf mich wirkt das wie ein Abkommen, um den Ulvi wieder in diese Sache reinzuziehen."

Manuel S. - damals in einer Lichtenberger Seilerei als Fabrikarbeiter beschäftigt - firmiert dort als die Spur 1305. Nach Peggys Verschwinden wurde er zunächst als Zeuge befragt, bald aber schon als Beschuldigter geführt. Der Vorwurf lautete auf Totschlag. Der damals 24-Jährige stand im Verdacht, Peggy an einem Fluss unter einer Brücke abgelegt, sie geknebelt und mit Steinen beschwert zu haben. Das sollte er, so der Verdacht, bei einem Vatertagsausflug angeblich selbst so geschildert haben. Das Verfahren wurde 2002 trotzdem einstellt, ein Jahr nach Peggys Verschwinden. Die Ermittler waren zum Schluss gekommen, dass die Männer, die an besagtem Ausflug teilnahmen, unter Alkoholeinfluss gestanden hätten. Da redet und hört man schon mal makaberen Unsinn, klar. Aber mitunter auch die Wahrheit?

Wer es mit Zehntausenden Aktenseiten zu tun hat, der kann schon mal was übersehen. Und womöglich erkennt man 16 Jahre nach der Einstellung dieses Verfahrens wegen Totschlags nicht auf den ersten Blick, was die Ermittler dazu bewogen haben könnte, ihrem Verdacht gegen S. damals nicht weiter nachzugehen. Das aber, was zu sehen ist, wirkt seltsam. S. hatte den Ermittlern gesagt, er sei am Tattag, vormittags oder nachmittags, beim Finanzamt gewesen. Für den Nachmittag, also zu jenem Zeitpunkt, für den ein Alibi vonnöten war, schlossen die Ermittler das aus. Denn da ist diese Behörde geschlossen. Was S. in den relevanten Stunden dieses Tages, an seinem Geburtstag übrigens, stattdessen gemacht hat - das wird nicht ganz klar.

In den Akten findet sich auch die Aussage eines Mannes, der in dem Fall bislang die größte Rolle gespielt hat. Es geht um Ulvi K., jenen geistig beeinträchtigten Mann, der 2004 wegen Mordes an Peggy verurteilt, zehn Jahre später aber freigesprochen wurde. Ulvi K. und Manuel S. waren als Jugendliche Freunde. Beide beschrieben den Ermittlern, dass sie zu der Zeit miteinander sexuelle Erfahrungen gemacht hätten. Ulvi K. erzählte den Ermittlern auch, dass er dann als 23-Jähriger mit der neunjährigen Peggy Sex gehabt habe, er dies Manuel S. stolz berichtet habe und dieser daraufhin angeblich gesagt haben soll: Das wolle er auch mal. Auf Vorhalt der Ermittler bestritt S., dies gesagt zu haben.

Zweifel in den Akten an Belastung des Ulvi K.

16 Jahre danach hat S. nun in einer Vernehmung eingeräumt, den Leichnam von Peggy verscharrt zu haben. Mit dem Tod des Mädchens aber will er nichts zu tun haben. Vielmehr habe er das leblose Mädchen in einem Lichtenberger Bushäuschen "übernommen". Er will noch versucht haben, das Mädchen zu beatmen. Danach habe er es in eine rote Decke gewickelt, in den Kofferraum seines Autos gelegt und in Thüringen verscharrt. Dort, wo ein Pilzsammler 2016 Skelettteile fand.

Es gibt keine Bestätigung von der Polizei, dass es tatsächlich Ulvi K. ist, den S. belastet hat. Das bleibt also Spekulation. Man trifft aber niemanden im Umfeld dieses Falles, der Zweifel daran hegt. Schließlich haben die Ermittler mehrfach betont, dass sie gegen einen Mann ermitteln, gegen Manuel S. Würden sie gegen jenen, der von ihm als Mörder bezichtigt wird, normalerweise nicht auch ermitteln? Gegen Ulvi K. wäre dies sehr schwer. Er ist freigesprochen worden, in einem Wiederaufnahmeverfahren. Da sind die juristischen Hürden für ein weiteres Verfahren extrem hoch.

Wäre eine Belastung des Ulvi K. - gesetzt den Fall, sie existiert - aber auch plausibel? In den Akten finden sich da erhebliche Zweifel. Beide hatten 2001 zwar von sexuellen Erfahrungen miteinander berichtet. Zu dem Zeitpunkt, als das geschehen sein soll, waren beide noch Pubertierende. Als Erwachsene aber, das betonten beide, hätten sie nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. S. sprach schlecht über K., der genauso schlecht über S. Wäre es da auch nur im Ansatz nachvollziehbar, dass der eine mit seinem Auto an einem Bushäuschen anhält, um dort einen leblosen Körper vom anderen zu übernehmen, diesen wegzufahren, zu verscharren - und anschließend 17 Jahre lang zu schweigen?

Es gibt viele, die daran zweifeln. In Lichtenberg etwa, auf dem Schlossberg mit Blick über den herbstlich schönen Frankenwald, wo Stadtrat Norbert Rank das Vereinsheim aufgeschlossen hat, weil es ihn drängt, über den Fall zu sprechen. Früher hat Ulvi K. hier seinen Eltern beim Bedienen geholfen. Rank schüttelt den Kopf. "Ich bin erschüttert", sagt er, "für mich ist das kein Teilgeständnis, auf mich wirkt das wie ein Abkommen, um den Ulvi wieder in diese Sache reinzuziehen." Dass S. Peggys Leiche weggeschafft haben soll, das habe er schon 2001 gehört im Dorf.

Auch im nahen Münchberg schlägt Gudrun Rödel, Ulvi K.'s Betreuerin, die Hände vors Gesicht. Am helllichten Tag, sagt sie, solle da jemand eine Leiche übergeben habe, an einem Bushäuschen, wo sich Kinder zum Spielen verabreden? Allein, dass jemand auf so was komme, mache sie fassungslos. Mit Ulvi K. hat sie gesprochen dieser Tage. Der bekomme in seiner Einrichtung den neuen Wirbel sehr wohl mit. "Für ihn ist das ein Albtraum", sagt sie.

Am Waldenfelsplatz in Lichtenberg rührt Rudolf von Waldenfels in einer Teetasse. Als er erstmals vom Fall Peggy gelesen hat, lebte er noch in Berlin. Seit er nach Lichtenberg gezogen ist, verfolgt er den Fall. Allerdings eher aus der Zeitung, Waldenfels war nie einer, der sich als Zugezogener in der Geschichte exponieren wollte. Eines aber traue er sich gerade aus dieser Position heraus zu sagen: Er habe höchsten Respekt davor, wie sich viele Lichtenberger in all den Jahren gegen vorschnelle Urteile gestemmt hätten. Waldenfels ist Schriftsteller, da hat er ein Faible für abseitig klingende Geschichten. "Diese aber, in der die Lichtenberger nun seit 17 Jahren leben müssen, die ist zu verrückt", sagt er.


https://www.sueddeutsche.de/bayern/peggy...aet-1.4149402-2

#333 RE: Presseartikel von Aggie 03.10.2018 17:56

Hof 01.10.2018

Fall Peggy
Geständnis im Fall Peggy: "vollkommen unglaubwürdig"

Das Geständnis von Manuel S. bringt Bewegung in den Fall der toten Peggy aus Lichtenberg. Nun könnte sogar Ulvi K. wieder in den Fokus der Ermittler rücken. Auch dessen ehemaliger Anwalt Michael Euler hält dies für denkbar.


Am 7. Mai 2001 verschwand die neunjährige Peggy in ihrem Wohnort Lichtenberg (Landkreis Hof). Am 30. April 2004 verurteilte das Landgericht Hof den Lichtenberger Ulvi K. wegen Mordes an Peggy zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Die Halbwertszeit des Urteils erwies sich als gering. Am 9. Dezember 2013 ordnete das Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens an; am 14. Mai 2014 wurde K. freigesprochen. Zu verdanken hatte er dies auch der akribischen Arbeit seines Anwalts Michael Euler.

Inzwischen hat der 41-jährige Manuel S. gestanden, Peggys Leiche beiseite geschafft zu haben. Getötet haben soll sie aber ein anderer. Euler hält diese Darstellung für unglaubwürdig.

Ihr ehemaliger Mandant Ulvi K. soll dem Vernehmen nach jener Mann sein, von dem Manuel S. die tote Peggy übernommen haben will. Können Sie das bestätigen?

Michael Euler: Ich habe darüber keine offiziellen Informationen. Dass Manuel S. in den Vernehmungen Ulvi K. belastet hat, habe ich auch nur unter der Hand erfahren, sowie der Presse entnommen. Ich kann es mir im Übrigen aber sehr gut vorstellen, dass Manuel S. Ulvi belastet. S. hat lediglich gestanden, die tote Peggy in den Wald gebracht zu haben. Da stellt sich die große Frage, von wem er das tote Mädchen übernommen haben will: von einem unbekannten Dritten? Oder war es Manuel S. am Ende doch selbst, der Peggy getötet hat? Von allen Möglichkeiten ist es für S. am bequemsten, Ulvi zu belasten.

Für wie glaubwürdig halten Sie die Angaben von Manuel S.?

Er hatte jetzt 17 Jahre Zeit, um sich eine Version für den Fall zurechtzulegen, dass ihm die Polizei eines Tages doch noch auf die Schliche wegen der Leichenverräumung kommt. In dieser Zeit konnte er sich so einiges ausdenken.

Sie schenken S. keinen Glauben?

Ich halte die Einlassungen von Manuel S. für vollkommen unglaubwürdig. Er will am hellichten Tag an einem Bushäuschen mitten in Lichtenberg ein totes Mädchen übernommen haben. Ausgerechnet an dem Tag, an dem - soweit mir bekannt ist - er Geburtstag hatte. Dann will er Peggy in eine rote Decke gewickelt und mit dem eigenen Auto in den Wald geschafft haben. Wer macht so was? Warum hat er keinen Notarzt gerufen? Und welches Motiv sollte Manuel S. gehabt haben, Ulvi in einer derartigen Situation überhaupt zu helfen?

Weil sich Manuel S. und Ulvi K. kannten und mochten.

Sie kannten sich allenfalls vom Sehen aus dem Dorf. Dass sie sich mochten, stimmt meines Wissens nicht. Das hat mir die Mutter von Ulvi erst jetzt wieder bestätigt. S. und Ulvi waren sich nicht grün. S. wollte mit Ulvi nichts zu tun haben und machte das laut der Mutter von Ulvi auch immer wieder sehr deutlich. S. soll sich verächtlich gegenüber Ulvi verhalten haben. Warum also sollte er vor diesem Hintergrund Ulvi helfen, die tote Peggy im Wald zu verstecken? Das passt nicht zusammen.

Allerdings soll Ulvi K. diese Version gegenüber der Polizei selbst einmal artikuliert haben. Er habe Peggy getötet, Manuel S. habe ihre Leiche anschließend weggeschafft.

Das war eine von mehreren Tatvarianten, die Ulvi der Polizei präsentiert hat. Zuvor hatte er aber auch schon Bekannte aus Hamburg bezichtigt, ihm bei der Verräumung der Leiche geholfen zu haben. Diese hielten sich zum Tatzeitpunkt aber nachweislich gar nicht in Hamburg auf. Später hat Ulvi ja auch seinen Vater beschuldigt, die Leiche beseitigt zu haben. Hier hätte es dann doch nahe gelegen, bei der "wahren" Version mit Manuel S. zu bleiben, als dann den eigenen Vater zu beschuldigen.

Hatten Sie mit Manuel S. je persönlich zu tun?

Nicht persönlich. Aus den Akten ist er mir bekannt, bei Gericht ist er nicht als Zeuge vernommen worden. Ich kannte bis zur Presseberichterstattung noch nicht einmal sein Gesicht.

Passt die Darstellung von Manuel S. mit dem zusammen, was Sie im Zuge des Wiederaufnahmeverfahrens selbst über den Tattag in Erfahrung gebracht haben?

Nein, überhaupt nicht. Wir wissen, dass Peggys Schulbus an diesem Tag Verspätung hatte. Er kam erst um 13.24 Uhr in Lichtenberg an. Und Ulvi hatte nach den Ermittlungen der Soko II lediglich für die Zeit zwischen 13 und 14 Uhr kein Alibi. Ab 14 Uhr war er beim Holzhacken, dann beim Kaffeetrinken und abends ist er noch mit dem Bürgermeister nach Naila gefahren. Das Entscheidende aber ist: Es gibt darüber hinaus mehrere Zeugen, die Peggy am Tag ihres Verschwindens noch am späten Nachmittag gesehen haben wollen. Das alles lässt für mich nur einen Schluss zu: Ulvi kann Peggy nicht getötet haben. Er war es nicht.

Also war es Manuel S.?

Das herauszufinden, ist jetzt die Aufgabe der Ermittler. Ich hoffe, dass sie sich mit dem derzeitigen Stand nicht zufrieden geben werden.

Fürchten Sie das?

Es wird auch bei den Ermittlern das große Bedürfnis geben, den Fall endlich einmal zu den Akten legen zu können. Für die Polizei könnte sich die derzeitige Aussage als Win-Win-Situation darstellen. Auf der einen Seite wäre der Fall dahingehend aufgeklärt, dass man weiß, wer die Leiche beseitigt hat. Auf der anderen Seite könnte die Polizei behaupten, dass man schon seinerzeit Ulvi als den richtigen Täter ermittelt hat. Aufgrund des Strafklageverbrauchs könnte Ulvi nicht erneut angeklagt werden, die Leichenverbringung durch Manuel S. wäre verjährt. Das Problem ist nur, dass dieses Szenario nicht zu den damaligen und jüngeren Ermittlungen passt. Denn Peggy ist noch in den späten Abendstunden durch Zeugen gesehen wurde.

Wie interpretieren Sie die Entscheidung der Ermittler, Manuel S. auf freiem Fuß zu belassen?

Diese Entscheidung hat mich sehr verwundert. Wie gesagt: Man kann meines Erachtens seine Aussagen nicht für bare Münze nehmen. Allerdings muss die Polizei ihm ein Tötungsdelikt erst einmal nachweisen. Vielleicht hat die Entscheidung, ihn auf freiem Fuß zu lassen, auch ermittlungstaktische Gründe. Vielleicht überwacht die Polizei bereits sein Telefon. In Bayern ist die Polizei damit oft sehr schnell. Vielleicht verplappert sich Manuel S. ja tatsächlich am Telefon.

Wird Ulvi K. nochmals von Ermittlern befragt werden?

Dies ist möglich.

Könnte Ulvi K. im Fall Peggy überhaupt ein weiteres Mal angeklagt werden?

Er ist 2014 rechtskräftig freigesprochen worden. Zwar sieht die Rechtsordnung auch eine Wiederaufnahme zuungunsten des Freigesprochenen vor. In diesem Fall müssten unter anderem Zeugen allerdings bewusst falsche Angaben gemacht machen. Nachdem weder S. noch seine Mutter im Zuge des Wiederaufnahmeverfahrens ausgesagt haben, würde ich diese Möglichkeit ausschließen.
Das Gespräch führte Christoph Hägele.


https://www.infranken.de/ueberregional/b...;art179,3730015

#334 RE: Presseartikel von Kalliope 04.10.2018 19:07

Aggie

Das paßt zu dieser Aufstellung

http://www.ulvi-kulac.de/html/wiederaufnahme.html

LG

#335 RE: Presseartikel von wetterfrosch 16.10.2018 11:43

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Pollen-Untersuchung bei Kriminalfällen

Verräterischer Blütenstaub

Ob Mordfall Peggy oder Ötzi: Pollen verraten viel über Opfer, Täter und den Hergang des Verbrechens. Die Analysen sind zwar aufwendig, die Ergebnisse aber oft spektakulär.

16.10.2018 09:36 Uhr

Sie schwirren überall durch die Luft, heften sich an nahezu alles, was sich bewegt und ihre Zusammensetzung ist einzigartig: Pollen hinterlassen häufig verräterische Spuren, die dabei helfen, Verbrechen aufzuklären. Erst vor Kurzem hatte eine forensische Pollenanalyse neue Erkenntnisse im ungeklärten Mordfall Peggy geliefert.

Das Mädchen war am 7. Mai 2001 verschwunden, erst 15 Jahre später entdeckten Pilzsammler ihre Leiche in einem Wald (hier lesen Sie eine Chronologie des Falls). Wer das Mädchen getötet hat, ist noch immer unklar. Ende September führten verräterische Pollenspuren jedoch zu dem Mann, der die Leiche des Kindes einst vergraben hatte.

Eine Pollenkundlerin entdeckte an den Überresten der Leiche mikroskopisch kleine Torfspuren und Überreste von Mikropartikeln, die nicht zum Fundort der Leiche passten, aber zum Grundstück eines Mannes, der schon seit Jahren verdächtigt wird, in den Mordfall verwickelt gewesen zu sein. Die Torfspuren stammen demnach von Gehwegplatten vor dem Haus des Mannes und die Mikropartikel passen zu Farbspuren, die an Renovierungsmüll des 41-Jährigen gefunden wurden.

Mittlerweile hat er gestanden, die Leiche des Kindes vergraben zu haben. Die Tötung von Peggy bestreitet er allerdings. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Fall zeigt, dass Pollen auch nach Jahren neue Erkenntnisse in bislang ungeklärten Mordfällen liefern können. Martina Weber von der Universität Wien ist eine der wenigen Expertinnen weltweit, die sich auf forensische Pollenanalyse spezialisiert haben. Sie unterstützt auch Kriminalisten in Deutschland bei der Verbrechensaufklärung.

Die Pollenanalyse ist aufwendig. Zunächst müssen die wenige Hundertstel Millimeter großen Pollenkörner ausgewaschen, konzentriert und in einer Säure-Mischung gekocht werden. "Acetolyse heißt das Verfahren", sagt Weber. Übrig bliebe die Pollenwand, die man mit einem Lichtmikroskop gut bestimmen könne.

Dann wird gezählt: "Bei 300 Pollenkörnern hören wir in der Regel auf und bestimmen die Anteile der unterschiedlichen Pollentypen", erklärt Weber weiter. Das so errechnete Pollenspektrum zeige beispielsweise, ob eine Person vor Kurzem durch eine Blumenwiese oder eher durch einen Wald gelaufen ist.

"Das konnte kein Zufall sein"

Je seltener der gefundene Pollen, desto besser: "Mit einer äußerst seltenen Mutation eines Graspollens wurde in Neuseeland ein Täter überführt. Dass die Mutation an Leiche, Täter und Tatort haftete, konnte kein Zufall sein", sagt Weber.

Von besonderem Interesse für die Kriminalisten ist Pollen, der von Lebewesen verbreitet wird und nicht vom Wind. Denn diese Pollen erfordern einen direkten Kontakt zur Pflanze und können so beweisen, dass sich ein Tatverdächtiger an einem bestimmten Ort aufgehalten haben muss. Bei der Spurensicherung ist es deswegen enorm wichtig, die Kontamination mit Fremdpollen zu verhindern.

"Textilien sind hervorragende Pollenfänger", sagt Weber. "Auch mehrmaliges Waschen nützt nicht, um alle verräterischen Pollenkörner loszuwerden." Aber auch aus den Atemwegen einer Leiche, den Haaren oder ihrem Verdauungstrakt können Pollen sichergestellt werden.

Pollen klärten schon Mordfall im Jahr 1959

Österreich gilt als Pionierland in Sachen forensische Pollenanalyse. Bereits 1959 wurde dort der erste Mordfall mit Hilfe der Methode aufgeklärt: Damals war in Wien ein Mann verschwunden, die Polizei verdächtigte einen Bekannten des Mannes, ihn erschossen zu haben. Von der Leiche fehlte allerdings jede Spur.

Polizisten entdeckten an der Kleidung des Verdächtigen jedoch fossile Pollen der Hickorynuss. Und die gab es in Wien nur an einem einzigen Ort. Die Ermittler vermuteten, dass dort die Leiche des Verschwundenen versteckt sein könnte. Die neuen Erkenntnisse setzten den Verdächtigen derart unter Druck, dass er zugab, den Verschwundenen mit einem Revolver erschossen zu haben. Später führte er die Polizisten zu dem Ort, an dem er die Leiche vergraben hatte.

Mit der Pollenanalyse lassen sich sogar Verbrechen aus der Steinzeit untersuchen. Blütenpollen in der Gletschermumie Ötzi verrieten beispielsweise, welchen Weg der Mann aus dem Eis durch die Alpen zurücklegte, bevor ihn vor gut 5250 Jahren ein Pfeil in den Rücken traf. Auch die Jahreszeit der Attacke konnte dank der Pollen bestimmt werden: Ötzi starb im späten Frühjahr.

koe/dpa

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensc...-a-1233356.html

#336 RE: Presseartikel von wetterfrosch 16.10.2018 11:52

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Fall Peggy

Die Spur der Pollenkundlerin

Seit 17 Jahren suchen Ermittler den Mörder der kleinen Peggy, nun präsentieren sie einen Beschuldigten. Unter Verdacht geriet der 41-Jährige aufgrund winziger Spuren - und weil sein Alibi offenbar nicht stimmte.

21.09.2018 18:08 Uhr

Es gibt nur wenige ungeklärte Mordfälle, die in den vergangenen Jahren die Republik so sehr bewegt haben: Am 7. Mai 2001 verschwindet die damals neunjährige Peggy im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule - zum letzten Mal gesehen wird sie um 13.24 Uhr am Henri-Marteau-Platz. Erst 15 Jahre später findet ein Pilzsammler die sterblichen Überreste des Kindes in einem Wald.

Nun ist klar, wer damals die Leiche im äußersten Süden von Thüringen vergraben hat: Manuel S. - ein heute 41 Jahre alter Mann, der schon vor Jahren zum Kreis der Verdächtigen zählte. Er hat laut Polizei die Beseitigung der Leiche gestanden. Geklärt ist der rätselhafte Fall damit allerdings noch nicht: S. bestreitet, das Kind ermordet zu haben.

Seine Version, die er vor einigen Tagen den Ermittlern erzählt haben soll, geht laut Polizei so: An einer Bushaltestelle in der Poststraße in Lichtenberg habe ihn im Frühsommer vor 17 Jahren ein Bekannter zum Anhalten aufgefordert. Dieser Mann habe ihm die Leiche des Mädchens übergeben, die dort leblos in einem Haltestellenhäuschen gelegen habe.

S. will noch versucht haben, Peggy zu beatmen - habe das tote Kind dann aber in eine rote Decke gewickelt, in den Kofferraum seines goldfarbenen Audi 80 gelegt und in einen 20 Kilometer entfernten Wald bei Rodacherbrunn im Saale-Orla-Kreis gebracht. Wenige Tage nachdem er sie dort vergraben haben will, verbrannte S. nach eigenen Angaben den Schulranzen und die Jacke des Mädchens bei sich zu Hause.

Die Ermittler haben an dieser Version offenkundig erhebliche Zweifel. Auf einer Pressekonferenz jedenfalls betonten sie, dass ausschließlich Manuel S. unter Mordverdacht stehe und gegen niemand anderes ermittelt werde - auch nicht gegen den angeblichen Überbringer der Leiche, dessen Namen Staatsanwaltschaft und Polizei nicht bekannt gaben (hier lesen Sie eine Chronologie des Falls).

Fall gelöst? Noch nicht

Dass nun S. im Mittelpunkt steht, geht auch auf ungewöhnliche Ermittlungsmethoden zurück, wie es in einer ? Mitteilung der Staatsanwaltschaft heißt: Eine Pollenkundlerin hatte an den Überresten der Leiche mikroskopisch kleine Torfspuren gefunden, die zu Spuren von Gehwegplatten aus dem Haus des Verdächtigen passen. S. soll am Tattag Pflanzarbeiten durchgeführt haben - so ließen sich die Torfspuren erklären.

Zudem stellte die Expertin bei einer forensischen Pollenanalyse an Peggys sterblichen Überresten Mikropartikel fest. Diese passen den Ermittlern zufolge zu Farbspuren, die an Renovierungsmüll des 41-Jährigen gefunden worden waren - S. war im Frühsommer 2001 mit umfangreichen Renovierungsarbeiten beschäftigt.

Im Video: Neue Wendung im Fall Peggy

Hinzu kommt, dass ein angebliches Alibi des Mannes inzwischen geplatzt scheint: Entgegen seinen bisherigen Angaben war S. laut Ermittlern am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Das belegen Videoaufzeichnungen aus einer Bankfiliale, in der er sich nachweislich um 15.17 Uhr aufhielt. Auch das damalige Auto des Mannes, das lange nicht auffindbar war, haben Ermittler entdeckt und kriminaltechnisch untersucht.

Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse hatten Beamte in der vergangenen Woche die Anwesen des Verdächtigen S. in Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel sowie in Lichtenberg durchsucht.

Steht Manuel S. vielleicht schon bald als mutmaßlicher Mörder vor Gericht? Das ist unklar, S. sitzt wegen der Vorwürfe bislang nicht einmal im Gefängnis. "Haft setzt einen dringenden Tatverdacht voraus", sagte Staatsanwalt Daniel Götz, "den sehen wir im Moment nicht."

Ob sich daran etwas ändert, hängt wohl davon ab, ob nach dem jüngsten Zeugenaufruf neue Hinweise bei der Polizei eingehen. Die Ermittler wollen wissen, wer das fragliche Auto am 7. Mai 2001 sah, wer S. jemals zusammen mit Peggy erblickte oder in seinem goldfarbenen Wagen andere Personen wahrnahm. Wie sehr die Ermittler auf Tipps und Augenzeugenberichte angewiesen sind, machte Staatsanwalt Götz deutlich: Noch immer sei eine Belohnung von 30.000 Euro ausgelobt, sagte er.

Die Hoffnung auf ein Ende der jahrelangen Ungewissheit ist trotzdem groß - auch in Lichtenberg, dem damaligen Wohnort von Peggy und ihrer Familie. Im vergangenen Jahr hatten sich Bürger und Lokalpolitiker an die Öffentlichkeit gewandt und den Behörden Schlamperei vorgeworfen, auch von einem "Polizei- und Justizskandal" war die Rede.

Nun zeigte sich Lichtenbergs Bürgermeister Knüppel erleichtert: "Ich bin froh, dass die Ermittlungen nun zu einem weiteren konkreten Ergebnis geführt haben", teilte er mit. "Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob der Fall endgültig gelöst werden kann. Das hoffe ich zumindest sehr!" Mit dieser Hoffnung dürfte er nicht allein sein.

mxw/AFP/dpa

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/pe...-a-1229368.html

#337 RE: Presseartikel von wetterfrosch 23.10.2018 12:29

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15.10.2016

Mordfall Peggy K.

Mütter des mutmaßlichen Täters und des Opfers äußern sich zu den neuen Hinweisen15.10.2016
Von OTTO LAPP

Nach dem Fund der DNA-Spur von Uwe Böhnhardt müssen die Ermittler klären, was er mit dem Mord an Peggy zu tun hat. Zu der neuen Spur äußern sich jetzt auch die Mütter des mutmaßlichen Täters und des Opfers.

Bayreuth/Jena.

Die Hinweise, dass das NSU-Mitglied Uwe Böhnhardt tatsächlich mit dem Fall Peggy in Verbindung steht, verdichten sich einerseits. Das zuständige Institut weist nämlich jede mögliche Verunreinigung der Spuren von sich. Böhnhardts Mutter hingegen spricht von einer konstruierten Spur.

In einer traurigen Plattenbausiedlung in Jena Lobeda wohnt seine Mutter, Brigitte Böhnhardt (67), eine ehemalige Lehrerin. Seit Bekanntwerden der DNA-Spur macht sie nur noch selten die Wohnungstür im siebten Stock auf. Sie will nicht sprechen, aber dann sprudelt es doch aus ihr heraus. Es wundere sie nicht, dass plötzlich eine neue Spur gefunden worden sei. „Irgendeine Spur, nach 15 Jahren, mitten im Wald, gucke gucke“, sagt sie.

Auch dass die Spur ausgerechnet im Landeskriminalamt in München gefunden wurde, in dem Bundesland, wo der Fall Peggy seit 15 Jahren nicht geklärt werden konnte. Und ja, es gebe immer irgendeinen, der irgendwo eine Hütte oder ein Haus habe. Wenn irgendwo ein Mord übrig sei, sagt sie, und es klingt verbittert, dann ziehe man den NSU heraus. Das passe vor allem den Ermittlungsbehörden. „Und wenn bisher Desinteresse da war: Kinderschänder und Kindermörder, das funktioniert immer. Wenn man ihnen jetzt das noch unterjubeln kann, das funktioniert immer.“

Die damals neunjährige Peggy K. war am Montag, 7. Mai 2001, um etwa 13.20 Uhr zum letzten Mal gesehen worden. Mehrere Zeugen sahen das Mädchen von der Schule nach Hause gehen, wo sie aber nicht ankam. Ihre Spur verliert sich etwa 50 Meter vor ihrer Haustür.

Was geschah, bleibt auch ein Rätsel, nachdem ein Pilzsammler im Juli den Schädel und andere Knochen des Mädchens in einem Wald bei Thüringen entdeckte. Die Knochen waren im harten Boden in einem Kiefernwald eingegraben, der Schädel weist einen Riss auf. Ob er von einer Verletzung stammt, darüber schweigen die Ermittler.

Fetzen von einer Decke

Sie fanden nicht alle Knochen, aber die Uhr des Mädchens mit dem Kunststoffband, ihre schwarzen Schuhe standen 30 Meter weiter unter einem Baum. Und sie fanden winzig kleine Stofffetzen, von Waldtieren verteilt. Und auf einem dieser Fetzen, er stammt von einer Decke, Böhnhardts Spuren. Das rechtsmedizinische Institut der Uni Jena und das LKA München wiesen darauf hin, dass eine Verunreinigung der jetzt gefundenen DNA-Spur ausgeschlossen sei. Herbert Potzel, der Leitende Oberstaatsanwalt in Bayreuth, der die dritte Sonderkommission Peggy eingesetzt hat, sät dagegen Zweifel. Er zieht eine Verunreinigung der Spuren zumindest in Betracht. Seine Beamten werden das Rätsel lösen müssen, ob Böhnhardt wirklich das Mädchen umgebracht hat.

Böhnhardts Mutter schüttelt den Kopf. Sie sagt nicht, ob ihr Sohn in der Lichtenberger Gegend gewesen sein könnte. „Er könnte überall gewesen sein.“ Außerdem hätten die Verfassungsschützer „zu jeder Zeit gewusst, wo die sich aufhalten.“ Und sie hätten immer die Möglichkeit gehabt zuzugreifen. „Das wissen Sie doch ganz genau.“ Ihr Mann Jürgen, Böhnhardts Vater, bleibt unsichtbar hinter der Tür stehen. Er redet nicht. Aber aus ihr „muss es raus“, es sei „eine Ausnahme“, dass sie rede.Nein, sie gebe kein Interview. Aber sie denke auch an die Eltern des neunjährigen Bernd B., der 1993 in Jena ermordet wurde. Auch mit diesem Mord wird ihr Sohn in Verbindung gebracht. Und sie denke an die Eltern von Peggy, „wie die sich fühlen müssen“.

Peggys Mutter Susanne K. fühlt sich „tief erschüttert“ – und sie benötige Zeit, um alles zu verarbeiten. Ihre einzige Hoffnung sei, dass der Tod ihrer Tochter aufgeklärt werde.

In ihrer Aussage im NSU-Prozess vor dem Landgericht München hatte Böhnhardts Mutter deutlich gemacht, dass auch sie um ihren Sohn trauere, was bei manchen Beobachtern nicht gut ankam. Über ihren Sohn redet sie nicht, auch nicht darüber, ob und wie er sich verändert hatte, nachdem er in den 1990er Jahren im Gefängnis vergewaltigt worden war.

Die von Uwe Böhnhardt befürchtet nur, dass ihm in den nächsten Jahren immer mehr ungeklärte Verbrechen zugerechnet würden. „Was kommt dann noch? Was haben wir noch übrig. Die ungeklärten Kindermorde in Thüringen kommen sicher auch noch. Das gibt Schlagzeilen, Ansehen, Geld, und die Ermittlungen sind vom Tisch. Fertig.“

http://www.fnp.de/nachrichten/panorama/M...;art685,2269512

#338 RE: Presseartikel von Tumbleweed 04.12.2018 16:33

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09.11.2018
Schicksal
Ortsbesuch in Lichtenberg: Peggys langer Schatten
Als die neunjährige Peggy 2001 verschwindet, verändert sich für die Bewohner Lichtenbergs fast alles. Sie werden zu Statisten in einem mysteriösen Kriminalfall. Wie geht es ihnen heute?


Jemand muss die Polizei gerufen haben. Ein junger Mann in Uniform lässt das Fenster seines Dienstautos herunter: "Was machen Sie hier?" "Wir sind von der Zeitung. Wir schreiben über Lichtenberg." "Wahrscheinlich über die Höllentalbrücke, oder?" Sein Gesicht verrät nicht, ob er sich lustig macht über die Besucher.

Am 7. Mai 2001 verschwand Peggy. 15 Jahre später wurden ihre sterblichen Überreste in einem Wald gefunden. Die Umstände ihres Todes sind bis heute ungeklärt. Wie eine dunkle Wolke hängt die Geschichte über der Stadt. "Man hat einen Grauschleier über uns gelegt", sagt Elke Beyer. Als Bürgermeisterin kämpfte sie fast zehn Jahre lang gegen das düstere Bild, das von ihrer Stadt gezeichnet wurde. Jetzt schlendert die 62-Jährige in der Herbstsonne durch ihre Gartenidylle: "Es war immer schlimm für mich, wenn ich wo hinkam und es hieß: ach, dieses Lichtenberg."

Mit dem Amt hat Holger Knüppel von Elke Beyer auch den Fall Peggy geerbt. Ob der die Entwicklung Lichtenbergs behindert hat, traut sich der Bürgermeister nicht zu sagen. In seinem kleinen Büro hinter der historischen Rathausfassade sagt er aber: "Der Ruf unserer Stadt hat gelitten." Wo Tatsachen fehlten, blühte der Verdacht. Hatten Nachbarn mit Peggys Verschwinden etwas zu tun? Gab es Pädophile im Ort? Ein rechtsradikales Netzwerk? "Ich habe so viel Mist gehört", sagt Knüppel.

Dem Schatten Peggys entkommen die Lichtenberger nicht. Ein Familienhaus, rotes Sofa, Landschaftsgemälde und Geweihe darüber. Im Ort bekannt ist Ursel Czebrik als ehrenamtliche Strick-Oma. Sie hat der Schatten bei der Reha in Kutzenberg eingeholt. "Da habe ich einen Mann getroffen, der sagte: Ist das das Lichtenberg von der Peggy und dem Ulvi K.?" Vor Ursel Czebrik stand der Polizist, der Ulvi K. einst vor Gericht geführt hatte.

"Das ist die Ulvi-Kneipe", sagt Norbert Rank und sperrt das Vereinsheim des TSV Lichtenberg auf. Der 54-Jährige ist im Sportverein aktiv, Stadtrat und einer, der immer von der Unschuld Ulvi Ks. überzeugt war. 2004 war der geistig behinderte Lichtenberger für den Mord an Peggy verurteilt worden. Seine Eltern hatten die Kneipe gepachtet. Später trafen sich dort die, die sich mit Ulvis Verurteilung nicht abfinden wollten. "Der Ulvi wär heut' noch eingekastelt ohne uns", sagt Rank.

Ulvis Betreuerin Gudrun Rödel stürmt in die Kneipe, erzählt von der Einrichtung für behinderte Menschen, in der Ulvi heute lebt. Am Morgen hat Rödel ihn dort besucht: "Die neuen Entwicklungen nehmen Ulvi sehr mit."

Vor sechs Wochen hat der Lichtenberger Manuel S. gestanden, Peggys Leiche im Mai 2001 im Wald vergraben zu haben. Das Mädchen sei bereits tot gewesen, als er es von einem anderen Mann im Bushäuschen übernommen hat. Wer der gewesen sein soll, hat die Polizei bisher nicht verraten. So geht es wieder von vorne los: das Misstrauen, die Spekulationen und Gerüchte. Manch einer verdächtigt jetzt wieder Ulvi K. Norbert Rank schlägt mit der flachen Hand auf den Holztisch in der Ulvi-Kneipe: "Lachhaft! Das Bushäusle ist nicht gebaut, um Leichen zu verstecken. " An der rostbraunen Außenwand des Bushäuschens hängt ein blauer Briefkasten. "Soko Peggy" steht darauf. Gedacht ist er für Hinweise von Zeugen. Der Briefkasten ist leer. Zehn Meter vom Bushäuschen entfernt sitzt der Rentner Ludwig Landeck auf einer Holzbank vor seinem Haus. "Ich bin echter Lichtenberger." Er hat viel erlebt in seiner Heimatstadt. Mit Peggy habe das alles nichts zu tun. "Ich will nicht immer nur über Peggy reden."

Auch für Norbert Rank war der Fall erledigt. Aber jetzt ist alles wieder da. Dass Manuel S. die Leiche vergraben hat, habe er der Polizei schon damals gesagt. "Ich weiß das seit 17 Jahren. Das habe ich auf dem Fußballplatz gehört, vier Monate nach Peggys Verschwinden." Drei Mann sollen Schmiere gestanden haben - Rank ist überzeugt, dass er einen von ihnen am 9. Mai als Anhalter mitgenommen hat. "Der war mit den Nerven am Ende." Gudrun Rödel und er sind sich sicher, dass Peggy nicht auf dem Nachhauseweg von der Schule verschwand. Sondern später. Sie haben ihre eigenen Theorien. Ihr Vertrauen in die Polizei haben sie verloren. Es gibt Lichtenberger, die Ulvi immer für den Mörder hielten. Und es gibt Lichtenberger, die Ulvi immer für das Opfer einer Verschwörung hielten. "Diese Frage hat unsere Stadt gespalten", sagt Bürgermeister Knüppel. Die Schuld dafür gibt er auch der Polizei: "Es wurde schlampig ermittelt. Man hatte ständig das Gefühl, es werde etwas vertuscht." "Ihr seid doch auch nur wegen der Peggy da." Um einen warmen Empfang bemüht sich die Chefin im Burghotel erst gar nicht. Aber ihr Kuchen ist lecker, der Kaffee heiß und kräftig. Etwas fehlt. "Keine Gäste, nein." Im leeren Saal mit den holzvertäfelten Wänden kann man der Zeit beim Vergehen zuhören. "Tak, tak" schlägt die Uhr. "Sterben werde ich in Lichtenberg nicht", sagt die Chefin.

Man kann mitten im Ort dem Wind zuhören und dem Laub, das er durch die Lüfte wirbelt. Früher gab es eine Metzgerei und eine Bäckerei, Bankfilialen, eine Post. Übrig geblieben ist die Bäckerei. Sie verkauft nicht mehr nur Brot, sondern auch Nudeln, Sauerkraut und Wurst. "Wer etwas Frisches will, muss nach Bad Steben", sagt Verkäuferin Annette Wolfrum.

Mit frischem Kaffee dienen kann Annette Wolfrum nicht. Das lohne sich nicht für die Bäckerei. "Es kommen zu wenig Auswärtige." Früher war das anders. Vor dem Fall der Mauer machten Westberliner hier Urlaub. "Damals war Lichtenberg der erste Punkt der Freiheit. Wir sind überrollt worden", sagt die ehemalige Bürgermeisterin Elke Beyer. Das Feriendorf am Rande der Stadt ist ein Relikt der goldenen Jahre.

"Uns geht es so wie vielen fränkischen Kommunen", sagt Bürgermeister Knüppel. Erst verschwanden die Jobs, dann die Menschen. Viele Lichtenberger sind weggezogen, andere gestorben. Gekommen sind 46 Flüchtlinge. Sie kommen aus Äthiopien und anderswo her, und von dem toten Mädchen haben sie noch nie gehört. "Peggy? Wer?" Kadir Zenu Husen geht spazieren, seit einem Jahr lebt er mit Frau und Tochter in Lichtenberg. Er hat im Bauhof helfen dürfen, das sei aber vorbei. Ihm gefällt der Ort nicht. "Keine Arbeit hier. Drei Kilometer zum Supermarkt. Und zu viele Bäume."

Grün sind die Bäume, die Lichtenberg umschließen. Grün die Hoffnung. Grün die Aufkleber, die Bäume und Hoffnung zusammenbringen: "Ja zur Brücke". Mit 720 Metern soll die Hängebrücke über das Höllental die längste freigespannte Fußgängerbrücke der Welt werden. Ihr Bau soll 2020 beginnen und zwei Jahre dauern. "Der Tourismus ist unsere Zukunft", sagt Knüppel.

Bürgermeister von Lichtenberg ist Holger Knüppel seit vier Jahren. Der gelernte Förster hat mit Manuel S. im Wald gearbeitet: "Ein zurückhaltender Typ." Knüppel sieht traurig aus. Lieber als über Manuel S. spricht er über die Gemeindefinanzen und den Zusammenhalt im Ort. Besonders gern spricht Knüppel über die Zudeldatschen.

Auf Ursel Czebriks rotem Sofa liegt ein halbes Dutzend Zudeldatschen. Eine alte Handwerkstechnik macht die Hüttenschuhe besonders flauschig. Etwa 30 Stunden ehrenamtlicher Arbeit stecken in einem Paar. Der Bürgerverein verkauft sie bis nach Brasilien. Er finanziert vieles, was sich die Stadt selbst nicht leisten kann. Das Dach des Schlossbergturms wurde gedeckt, die Fassade des Rathauses gestrichen. Um Lichtenberger wie Ursel Czebrik geht es Elke Beyer, wenn sie sagt: "Peggy wird immer Teil unserer Geschichte sein. Aber Peggy ist nicht die einzige Geschichte." Beyer will eine neue Chance für ihren Ort. Vielleicht ist die Brücke diese Chance. Lange hat Beyer geglaubt, dass Peggy noch lebt. "Das war bequem für uns." Aber die Ungewissheit nagte trotzdem auch an ihr. "Ob nicht doch jemand unter uns ein Verbrechen begangen hat." Sie hofft, dass der Fall endlich aufgeklärt wird. Und der Schatten verschwindet. "Es ist egal, was rauskommt. Wir alle müssen uns fragen: Wie gehen wir danach miteinander um?" Wer Peggy kannte, trägt seine Erinnerungen mit sich herum. "Am Badesee hat sie mich angesprochen", sagt Norbert Rank. Irgendwie anzüglich - so kam es ihm vor. Er hat sich seinen Reim darauf gemacht: "Ich glaube, dass mit der Peggy Geld gemacht worden ist." Beweise dafür hat er nicht.

Peggy war ein Jahr jünger als die Tochter von Elke Beyer. "Ich sehe sie heute noch vor mir. Ihr Gesicht, ihr Lächeln - aber nicht die strahlend blauen Augen von denen in der Presse immer die Rede ist." Einmal stand Peggy am Gartenzaun von Holger Knüppel. Sie kannte seine Tochter aus der Schule. "Das ist meine letzte Erinnerung an sie." Zwei Tage später war Peggy verschwunden. Als Peggy verschwand, kam die Angst nach Lichtenberg. "Meine Tochter ist weniger frei aufgewachsen, als ich mir gewünscht hätte", sagte Knüppel. Vor einiger Zeit hat sich die junge Frau, um die er so viel Angst hatte, in Lichtenberg ein Grundstück gekauft. "Sie sieht hier ihre Zukunft." Aus Holger Knüppel spricht ein stolzer Vater. Aus ihm spricht der Bürgermeister einer Stadt, die nach vorne schauen möchte.

https://www.infranken.de/regional/hof/or...t155656,3839026

#339 RE: Presseartikel von Tumbleweed 11.12.2018 15:06

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Festnahme des TV, gerade in den ZDF-Nachrichten!!

Staatsanwaltschaft Festnahme im Mordfall Peggy

Seit 17 Jahren suchen Ermittler den Mörder der kleinen Peggy, nun hat es eine Festnahme gegeben. Der Verdächtige soll noch am Nachmittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Dienstag, 11.12.2018 14:26 Uhr

Im Mordfall Peggy hat es eine Festnahme gegeben. Das bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth und kündigte für den Nachmittag weitere Informationen an.

er Verdächtige soll noch heute einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Danach will die Polizei Details bekanntgeben.

Laut der "Bild"-Zeitung handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 41-Jährigen, der erstmals 2001 ins Visier der Ermittler geriet. Damals soll er in angetrunkenem Zustand gesagt haben, dass er die Leiche des Mädchens vergraben habe. Einen Mord oder ein Tötungsdelikt habe der Mann immer geleugnet.

Im September 2018 sagte der 41-Jährige dann aus, den leblosen Körper des Mädchens im Mai 2001 in einen Wald in Thüringen gebracht zu haben, wo Jahre später Knochen gefunden wurden.

Peggy verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule. Erst 15 Jahre später fand ein Pilzsammler die sterblichen Überreste des Kindes in einem Wald bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/pe...-a-1243150.html

#340 RE: Presseartikel von Tumbleweed 11.12.2018 15:10

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Jetzt kommt erneut Bewegung in den Fall: ein Verdächtiger wurde verhaftet!

?? Nach BILD-Informationen handelt es sich um Bestatter Manuel S. (41), der bereits im September in den Fokus der Bayreuther Ermittler gerückt war.

https://www.bild.de/regional/nuernberg/n...56026.bild.html

#341 RE: Presseartikel von wetterfrosch 11.12.2018 15:13

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Durchbruch bei Ermittlungen?

Mordfall Peggy aus Lichtenberg: Verdächtiger verhaftet

MARKTLEUTHEN / LICHTENBERG. Ist das die finale Wende im Fall Peggy? Im September dieses Jahres hat er gestanden, 2001 die neunjährige Peggy aus Lichtenberg im Landkreis Hof im Wald verscharrt zu haben. Am Montagabend wurde Manuel S. (41) aus Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel verhaftet.

Nach Informationen unserer Zeitung bleibt der verheiratete Familienvater Manuel S., der beim Haftrichter am Landgericht Bayreuth vorgeführt wurde, weiter in Untersuchungshaft. Er ist also verdächtig, die Leiche von Peggy am 7. Mai 2001 nicht nur weggeschafft und im Wald bei Rodacherbrunn an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze vergraben zu haben, sondern das Mädchen im Laufe jenes regnerischen Montags getötet zu haben.

Geständnis, die Leiche von Peggy K. vergraben zu haben

S. war schon kurz nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens ins Visier der Ermittler geraten. Am Vatertag 2001 hatte er bei einem Ausflug im angetrunkenen Zustand gesagt, er habe Peggy vergraben. Daraufhin wurde intensiv gegen ihn ermittelt. Sein auffallender Audi 80 wurde ebenso spurentechnisch untersucht wie seine Wohnung und das Haus, das er damals gerade renovierte. Doch weder in dem goldfarbenen Auto noch sonst fanden sich verwertbare Spuren. Es gab mehrere Vernehmungen, die alle ergebnislos blieben. 2002 wurden die Ermittlungen gegen S. wegen Totschlages gegen ihn eingestellt. Allerdings blieben bei den Ermittlern Restzweifel. Denn auch Ulvi K. hatte erzählt, dass S. die Leiche vergraben habe.

S. hatte sich noch durch eine andere Sache verdächtig gemacht. So will er sich mit Ulvi K., der 2004 wegen Mordes an Peggy erst verurteilt, 2014 dann aber in einem Wiederaufnahmeverfahren wieder freigesprochen wurde, über das Mädchen unterhalten haben. Ulvi K. erzählte den Ermittlern, er habe S. vom sexuellen Missbrauch an der Neunjährigen erzählt. Daraufhin habe dieser gesagt, er selbst wolle das Mädchen missbrauchen.

Manuel S. galt als zurückhaltend – und als ein junger Mann, der keine feste Freundin und nicht viel Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hatte. Er gab an, mit 13 Jahren mit Ulvi K. eine seiner ersten sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben und später in ein Bordell gegangen zu sein, ein Vorhaben, das nicht von Erfolg gekrönt war. Die Ermittler schlossen damals daraus, dass er Probleme haben könnte mit gleichaltrigen Frauen. Ein weiterer Verdachtspunkt, der sich allerdings 2001 und 2002 nicht erhärten ließ.

Was ist das Alibi für den Tag von Peggys verschwinden wert?

Am Tag als Peggy verschwand, hatte S. Geburtstag. Auch das Alibi des damals 24-Jährigen konnten die Ermittler nicht erhärten. Etwa gegen 12.45 Uhr muss er mit einer älteren Lichtenbergerin, die am Marktplatz wohnte, über den Kauf landwirtschaftlicher Flächen gesprochen haben. Er selbst gab an, danach ins Haus seiner Eltern gegangen zu sein, um dort Blumen mit seiner Mutter umzutopfen und später mit Verwandten Geburtstag zu feiern. Auch will er Ulvi K. gesehen haben, der sich gegen 13 Uhr in der Ortsmitte aufhielt. Was er abends und den Rest des Tages machte, wurde nie ganz geklärt.

Bakteriell kleine Spuren von Torf waren es, die die jetzige Sonderkommission wieder auf die Spuren von S. brachten. Denn solche fanden sie da, wo S. von Peggys Leiche vergraben hatte. Auch Farbspuren, wie sie bei Hausrenovierungen verwendet wurden, fanden sich. S. sagte in seiner stundenlangen Vernehmung im September 2018, er habe die Leiche des Mädchens am Bushäuschen in der Turnstraße von einem Mann übernommen, habe versucht, sie wiederzubeleben und dann in den Kofferraum seines Autos gelegt und sie weggebracht. Beamte fanden bei der Durchsuchung seines Hauses in einem Ortsteil von Marktleuthen weitere Hinweise, die sein Geständnis untermauerten.

Zeugenaussage des Verdächtigen belastete Ulvi K. schwer

Pikant ist, dass die Zeugenaussagen von Manuel S. und seiner Mutter 2004 mitverantwortlich waren, dass Ulvi K. damals verurteilt wurde. Denn S.' Mutter fiel nach einem Jahr plötzlich ein, dass sie Ulvi K. zur tatrelevanten Zeit in der Ortsmitte auf einer Bank sitzen gesehen hat. Und sie gab ihrem Sohn Manuel ein Alibi. Die Ermittler hielten ihre Aussage für glaubhaft. Im Wiederaufnahmeverfahren 2014 vor dem Landgericht Bayreuth sagten weder S. noch seine Mutter aus, obwohl sie geladen waren. Der damalige Vorsitzende Richter Michael Eckstein lud sie nicht mehr vor. Nach Informationen unserer Zeitung sollten auch Familienmitglieder von S. nochmals vernommen worden sein, denn ihre Aussagen könnten falsch gewesen sein.

Günther Beckstein, CSU-Innenminister in der Zeit von Peggys Verschwinden, sagte in einem Interview mit dem MDR und dem Nordbayerischen Kurier, die Ermittler haben das damals Mögliche getan. Er räumte ein, in dem Fall „Druck gemacht“ zu haben. Er sagt, die Akten nicht gekannt zu haben, „es ist auch nicht meine Aufgabe“. Er sei aber laufend informiert gewesen und habe „dann natürlich auch nach unten den Druck weiter gegeben. Man habe ihm gesagt, er könne sich darauf verlassen, dass wirklich mit großer Sorgfalt hervorgegangen ist“. Doch er räumte ein, „jetzt mit dem Rückblick, hätte man da vielleicht noch ein bisschen mehr Zeit gebraucht um diesen Tatverdächtigen doch noch vielleicht rund zu kriegen und der Spur dranzubleiben.“

Polizei will sich zum Fall Peggy ein weiteres Mal erklären

Nach Informationen unserer Zeitung liegt der Haftbefehl schon einige Wochen bei der Soko Peggy. Warum die Ermittler S. erst in dieser Woche verhaftet haben, steht nicht fest. Wie in solchen Fällen üblich, werden Haus und Telefone eines Verdächtigen ständig überwacht.

Schon einmal hätte S. nicht mehr länger dem Ermittlungsdruck standgehalten. 2003 sagte er, er werde sich umbringen, wenn die Polizei nochmal zu ihm käme. Am Dienstag wurde der 41-Jährige im Laufe des Tages dem Haftrichter in Bayreuth vorgeführt.
Im Laufe des Nachmittages will das Polizeipräsidium Oberfranken eine Pressemitteilung zu der neuen Entwicklung im Fall Peggy herausgeben.

https://www.nordbayerischer-kurier.de/in...7ead1f4ee5.html

#342 RE: Presseartikel von Tumbleweed 11.12.2018 15:15

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Mordverdacht: Festnahme im Fall Peggy Knobloch
Ist das die finale Wende im Fall Peggy? Im September 2018 hat er gestanden, 2001 die neunjährige Peggy aus Lichtenberg im Landkreis Hof im Wald verscharrt zu haben. Am Montagabend wurde Manuel S. (41) aus Marktleuthen im Landkreis Wunsiedel verhaftet.

Nach Informationen unserer Zeitung sitzt der verheiratete Familienvater Manuel S., der beim Haftrichter am Landgericht Bayreuth vorgeführt wurde, in Untersuchungshaft. Er ist also verdächtig, die Leiche von Peggy am 7. Mai 2001 nicht nur weggeschafft und im Wald bei Rodacherbrunn an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze vergraben zu haben, sondern das Mädchen im Laufe jenes regnerischen Montags getötet zu haben.


Fall Peggy Knobloch: Durchsuchungen der Polizei in Marktleuthen. Marktleuthen/Lichtenberg
S. war schon kurz nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens ins Visier der Ermittler geraten. Am Vatertag 2001 hatte er bei einem Ausflug im angetrunkenen Zustand gesagt, er habe Peggy vergraben. Daraufhin wurde intensiv gegen ihn ermittelt. Sein auffallender Audi 80 wurde ebenso spurentechnisch untersucht wie seine Wohnung und das Haus, das er damals gerade renovierte. Doch weder in dem goldfarbenen Auto noch sonst fanden sich verwertbare Spuren.

Es gab mehrere Vernehmungen, die alle ergebnislos blieben. 2002 wurden die Ermittlungen gegen S. wegen Totschlages gegen ihn eingestellt. Allerdings blieben bei den Ermittlern Restzweifel. Denn auch Ulvi K. hatte erzählt, dass S. die Leiche vergraben habe.

Keine Erfahrungen mit Frauen

S. hatte sich noch durch eine andere Sache verdächtig gemacht. So will er sich mit Ulvi K., der 2004 wegen Mordes an Peggy erst verurteilt, 2014 dann aber in einem Wiederaufnahmeverfahren wieder freigesprochen wurde, über das Mädchen unterhalten haben. Ulvi K. erzählte den Ermittlern, er habe S. vom sexuellen Missbrauch an der Neunjährigen erzählt. Daraufhin habe dieser gesagt, er selbst wolle das Mädchen missbrauchen. S. galt als zurückhaltend – und als ein junger Mann, der keine feste Freundin und nicht viel Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht hatte. Er gab an, mit 13 Jahren mit Ulvi K. eine seiner ersten sexuellen Erfahrungen gemacht zu haben und später in ein Bordell gegangen zu sein, ein Vorhaben, das nicht von Erfolg gekrönt war. Die Ermittler schlossen damals daraus, dass er Probleme haben könnte mit gleichaltrigen Frauen. Ein weiterer Verdachtspunkt, der sich allerdings 2001 und 2002 nicht erhärten ließ.

Am Tag als Peggy verschwand, hatte S. Geburtstag. Auch das Alibi des damals 24-Jährigen konnten die Ermittler nicht erhärten. Etwa gegen 12.45 Uhr muss er mit einer älteren Lichtenbergerin, die am Marktplatz wohnte, über den Kauf landwirtschaftlicher Flächen gesprochen haben. Er selbst gab an, danach ins Haus seiner Eltern gegangen zu sein, um dort Blumen mit seiner Mutter umzutopfen und später mit Verwandten Geburtstag zu feiern. Auch will er Ulvi K. gesehen haben, der sich gegen 13 Uhr in der Ortsmitte aufhielt. Was er abends und den Rest des Tages machte, wurde nie ganz geklärt.

Winzige Spuren

Bakteriell kleine Spuren von Torf waren es, die die jetzige Sonderkommission wieder auf die Spuren von S. brachten. Denn solche fanden sie da, wo S. von Peggys Leiche vergraben hatte. Auch Farbspuren, wie sie bei Hausrenovierungen verwendet wurden, fanden sich. S. sagte in seiner stundenlangen Vernehmung im September 2018, er habe die Leiche des Mädchens am Bushäuschen in der Turnstraße von einem Mann übernommen, habe versucht, sie wiederzubeleben und dann in den Kofferraum seines Autos gelegt und sie weggebracht. Beamte fanden bei der Durchsuchung seines Hauses in einem Ortsteil von Marktleuthen weitere Hinweise, die sein Geständnis untermauerten.

Falsche Alibis?

Pikant ist, dass die Zeugenaussagen von Manuel S. und seiner Mutter 2004 mitverantwortlich waren, dass Ulvi K. damals verurteilt wurde. Denn S.' Mutter fiel nach einem Jahr plötzlich ein, dass sie Ulvi K. zur tatrelevanten Zeit in der Ortsmitte auf einer Bank sitzen gesehen hat. Und sie gab ihrem Sohn Manuel ein Alibi. Die Ermittler hielten ihre Aussage für glaubhaft. Im Wiederaufnahmeverfahren 2014 vor dem Landgericht Bayreuth sagten weder S. noch seine Mutter aus, obwohl sie geladen waren. Der damalige Vorsitzende Richter Michael Eckstein lud sie nicht mehr vor. Nach Informationen unserer Zeitung sollten auch Familienmitglieder von S. nochmals vernommen worden sein, denn ihre Aussagen könnten falsch gewesen sein (...)

Nach Informationen unserer Zeitung liegt der Haftbefehl schon einige Wochen bei der Soko. Warum die Ermittler S. erst in dieser Woche verhaftet haben, steht nicht fest. Wie in solchen Fällen üblich, werden Haus und Telefone eines Verdächtigen ständig überwacht. Schon einmal hätte S. nicht mehr länger dem Ermittlungsdruck standgehalten. 2003 sagte er, er werde sich umbringen, wenn die Polizei nochmal zu ihm käme.

Am Dienstag wurde der 41-Jährige im Laufe des Tages dem Haftrichter in Bayreuth vorgeführt.

Im Laufe des Nachmittages will das Polizeipräsidium Oberfranken eine Pressemitteilung zu der neuen Entwicklung im Fall Peggy herausgeben


https://www.frankenpost.de/region/oberfr...art2388,6471365

#343 RE: Presseartikel von wetterfrosch 11.12.2018 15:31

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Mordfall in Oberfranken, Bayern

Festnahme im Fall Peggy – Bestatter soll Leiche verscharrt haben

11. Dezember 2018 14:17

Einer der mysteriösesten Kriminalfälle Deutschlands: Am 7. Mai 2001 verschwand die damals neun Jahre alte Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg. Nun gab es laut BILD eine Festnahme.

von Jörg Völkerling

15 Jahre nach dem Verschwinden des neun Jahre alten Mädchens fand ein Pilzsammler die skelettierte Leiche von Peggy. Zwei Jahre danach, im September 2018, durchsuchte die Polizei in Oberfranken auf Grundlage neuer Erkenntnisse mehrere Anwesen.

Was mit Peggy geschah, ist bis heute unklar. Jetzt kommt erneut Bewegung in den Fall: eine Festnahme!

Manuel S. seit September im Fokus der Ermittler

?? Nach BILD-Informationen handelt es sich um Bestatter Manuel S. (41), der bereits im September in den Fokus der Bayreuther Ermittler gerückt war.

?? Er hatte zunächst nur eingeräumt, die Leiche des Mädchens am 7. Mai 2001 an einer Bushaltestelle in Lichtenberg von Ulvi K. entgegengenommen und im Wald bei Nordhalben verscharrt zu haben.

Neue Ermittlungen belasten ihn aber offenbar so schwer, dass ihm ein Ermittlungsrichter am Amtsgericht Bayreuth einen Haftbefehl wegen Mordes eröffnen soll.

Bayreuths Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Potzel sagte gegenüber BILD: „Es hat eine Festnahme gegeben, das bestätige ich. Wir werden uns im Laufe des Nachmittags dazu äußern.“

https://www.bz-berlin.de/deutschland/fes...erscharrt-haben

#344 RE: Presseartikel von wetterfrosch 11.12.2018 15:35

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Fahndungserfolg

Mordfall Peggy: 41-Jähriger Verdächtiger festgenommen

Vor mehr als 17 Jahren verschwand die Schülerin Peggy. Jahrelang war ihr Schicksal ein Rätsel - bis ein Pilzsammler in Thüringen nahe der Landesgrenze zu Bayern Knochen des Kindes entdeckte. Am Dienstag gab es eine Festnahme in dem Fall.

Im Mordfall Peggy hat es eine Festnahme gegeben. Der 41 Jahre alte Manuel S. wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt, wie das MDR-Magazin "Kripo Live" unter Berufung auf eigene Recherchen berichtet. Der Bayreuther Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel bestätigte inzwischen die Festnahme.

Die Ermittler waren im Jahr 2001 erstmals auf den 41-jährigen Verdächtigen aufmerksam geworden. Damals soll er in angetrunkenem Zustand gesagt haben, dass er die Leiche der neunjährigen Peggy K. vergraben habe. Ein Tötungsdelikt hatte Manuel S. jedoch immer geleugnet, es konnten zudem keine verwertbaren Spuren gefunden werden.

Im September 2018 nahm sich die Sonderkommission erneut das Haus von Manuel S. vor. Die Beamten fanden diesmal Hinweise darauf, dass er doch etwas mit dem Mord an Peggy zu tun haben könnte: Spuren von Torf, die an Peggys Leiche gefunden wurden, führten die Ermittler auf seine Spur. Bei seiner erneuten Vernehmung gab der 41-Jährige zu, das Mädchen nach dessen Tod in seinem Auto transportiert und schließlich vergraben zu haben.

Die neun Jahre alte Peggy K. war im Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Wald bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt.

Quelle: MDR-Magazin "Kripo Live"; dpa

MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. Dezember 2018 | 15:00 Uhr

https://www.mdr.de/thueringen/ost-thueri...ichter-100.html

#345 RE: Presseartikel von Tumbleweed 11.12.2018 15:54

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Staatsanwaltschaft Bayreuth: Festnahme im Mordfall Peggy
2001 verschwand die neunjährige Peggy Knobloch, 15 Jahre später fand man ihre Leiche. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigt, dass es eine Festnahme gab.
11. Dezember 2018, 14:33 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE, AFP, sk

Im Mordfall Peggy hat es eine Festnahme gegeben. Der Bayreuther Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel bestätigte dies und kündigte für den Nachmittag nähere Einzelheiten an (...)

(...)Dem MDR zufolge soll der 41-jährige S. noch am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden(...)


https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges...peggy-festnahme

#346 RE: Presseartikel von wetterfrosch 11.12.2018 16:34

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Ermordete Schülerin

Festnahme im Mordfall Peggy 17 Jahre nach ihrem Verschwinden

11.12.2018 Bayreuth. Die Schülerin Peggy aus Oberfranken verschwand 2001 auf dem Heimweg von der Schule spurlos. 2016 fand ein Pilzsammler Knochen des Kindes. Jetzt ist jemand festgenommen worden.

Im rätselhaften Mordfall um das neunjährige Mädchen Peggy aus Oberfranken hat es eine Festnahme gegeben. Das bestätigte ein Polizeisprecher am Dienstag in Bayreuth. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Um wen es sich bei dem Festgenommenen handelt, wollte der Sprecher nicht sagen. Der oder die Verdächtige solle noch am Dienstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Danach will die Polizei Details bekanntgeben.

Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 41-Jährigen, der 2001 erstmals ins Visier der Ermittler geraten war. Laut MDR soll er damals in angetrunkenem Zustand gesagt haben, dass er die Leiche des Mädchens vergraben habe. Einen Mord oder ein Tötungsdelikt habe der Mann immer geleugnet.

Im September 2018 sagte der 41-Jährige dann in einer Vernehmung aus, dass er den leblosen Körper des Mädchens im Mai 2001 in einen Wald in Thüringen gebracht hat, wo Jahre später ein Pilzsammler Peggys Knochen fand. Er habe das leblose Kind von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen, sagte der 41-Jährige.

Er habe noch versucht, das Mädchen zu beatmen - es dann jedoch in eine Decke gepackt, in den Kofferraum seines Autos gelegt und in den Wald gebracht. Er hatte den Ermittlern damals auch gesagt, wer der Mann an der Bushaltestelle angeblich war. Zu dieser Person wollten Staatsanwaltschaft und Polizei jedoch keine Angaben machen.

Am 7. Mai 2001 war Peggy auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Wald bei Rodacherbrunn - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg in Oberfranken entfernt.

Die Beamten gehen von einem Mordfall aus. Nach der Vernehmung des 41-Jährigen im September suchten die Ermittler Zeugen. Sie fragten etwa, ob jemand das Auto des Mannes gesehen hatte. Der 41-Jährige kam zunächst wieder auf freien Fuß. Die Polizei durchsuchte jedoch mehrere Anwesen des Mannes und stellte dabei Beweismaterial sicher.

An den sterblichen Überresten des Mädchens fanden die Ermittler mikroskopisch kleine Pollen, die als Bestandteile von Torf identifiziert werden konnten. Hier ergab sich ein Bezug zu Pflanzarbeiten des Mannes am Tattag, die den Ermittlern bekannt waren. Außerdem fanden sie Farbreste, wie sie in Renovierungsmüll vorkommen. "Den Ermittlern war bekannt, dass der jetzt Beschuldigte damals umfangreiche Renovierungsarbeiten ausgeführt hatte", hieß es im September.

Auch ein angebliches Alibi des Mannes platzte: Entgegen seinen früheren Angaben war er am Tattag in Lichtenberg unterwegs. Den Schulranzen und die Jacke von Peggy will der 41-Jährige Tage später bei sich zu Hause verbrannt haben. Sein goldfarbenes Auto haben Polizei und Staatsanwaltschaft inzwischen gefunden.

Im Lauf der Jahre gab es in dem Fall bereits mehrere Verdächtige, doch viele Spuren liefen ins Leere. Deutschlandweites Aufsehen erregte der Fall eines geistig behinderten Mannes, den ein Gericht 2004 als Mörder von Peggy verurteilte, der aber zehn Jahre später in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde.

Zudem entdeckten Ermittler am Fundort von Peggys Skelett DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Das stellte sich später aber als Verunreinigung eines Geräts der Spurensicherung heraus. (dpa)

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news...cle3998640.html

#347 RE: Presseartikel von Tumbleweed 11.12.2018 17:40

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Polizei Bayern » PP Oberfranken » Aktuelles » Presse » Neueste Pressemeldungen

11.12.2018, PP Oberfranken
Ermittlungen im Fall Peggy – Tatverdächtiger in Untersuchungshaft

LKR. HOF / LKR. WUNSIEDEL. Im Zuge der Ermittlungen der Sonderkommission (SOKO) Peggy bei der Kriminalpolizei Bayreuth und der Staatsanwaltschaft Bayreuth erließ der Ermittlungsrichter jetzt gegen den 41-jährigen Tatverdächtigen Haftbefehl. Kriminalbeamte nahmen den Mann am Montag fest. Der Tatverdächtige hat keine Angaben gemacht, den Tatvorwurf aber durch seinen Verteidiger bestreiten lassen. Der Beschuldigte befindet sich nun in einer Justizvollzugsanstalt.

Gemeinsame Presseerklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreuth

Die Ermittlungserkenntnisse aus den Untersuchungen am Fundort der sterblichen Überreste von Peggy Knobloch sowie die Neubewertung bereits bestehender Feststellungen ließen den 41-Jährigen aus dem Landkreis Wunsiedel wieder in den Mittelpunkt der Ermittlungen rücken.

In diesem Zusammenhang erfolgte Mitte September neben Durchsuchungsmaßnahmen auch eine Vernehmung des Mannes. Hierbei sagte er unter anderem aus, am 7. Mai 2001 die offenbar leblose Peggy Knobloch in Lichtenberg von einem Mann übernommen und in einem Wald bei Rodacherbrunn abgelegt zu haben. Mit dem vorangegangenen Tatgeschehen habe er jedoch nichts zu tun gehabt.
Im Nachgang zu den Ermittlungsmaßnahmen im September wurden die gewonnenen Erkenntnisse, insbesondere die damaligen Angaben des Beschuldigten sorgfältig überprüft, sowie die bei den Durchsuchungen sichergestellten Beweismittel ausgewertet.

Im Ergebnis sind wesentliche Angaben des Beschuldigten, so der behauptete Anlass und der geschilderte Geschehensablauf, nicht mit den weiteren Ermittlungsergebnissen in Einklang zu bringen.
Vielmehr ergab sich aus den nunmehrigen Ermittlungen ein dringender Tatverdacht gegen den 41-Jährigen, wonach der Mann selbst Täter oder Mittäter der Tötung der damals 9-jährigen Peggy Knobloch war und anschließend den leblosen Körper in einem Wald bei Rodacherbrunn ablegte. Es steht im Raum, dass mit der Tötung eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden sollte.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth erging gegen den Mann Haftbefehl wegen Mordes. Zwischenzeitlich erfolgte die Festnahme. Der 41-Jährige befindet sich in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft.

https://www.polizei.bayern.de/oberfranke...dex.html/289680

#348 RE: Presseartikel von Kalliope 11.12.2018 19:15

Hier ein Video der Tagesschau.


https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-481831.html

#349 RE: Presseartikel von wetterfrosch 11.12.2018 19:18

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VIDEO:

Mordverdächtiger im Fall Peggy festgenommen: Presse-Statement der Ermittler

Staatsanwaltschaft Bayreuth und Polizeipräsidium Oberfranken äußern sich
?11.12.2018

Paukenschlag im Mordfall Peggy: Gegen den 41-jährigen Manuel S. aus Marktleuthen (Landkreis Wunsiedel) wurde am Dienstagnachmittag (11. Dezember) von einem Ermittlungsrichter in Bayreuth ein Haftbefehl wegen Mordes an der damals neunjährigen Peggy Knobloch erlassen. S. wurde demnach bereits am gestrigen Montag durch Kriminalbeamte festgenommen. Der Tatverdächtige selbst machte keine Angaben. Den Tatvorwurf ließ er aber durch seinen Verteidiger bestreiten. Der Beschuldigte wurde nach dem Erlass des Haftbefehls in ein Gefängnis eingeliefert.

Zu den neusten Entwicklungen gaben Herbert Potzel (Staatsanwaltschaft Bayreuth) und Jürgen Stadter (Polizeipräsidium Oberfranken) ein Presse-Statement ab

https://www.tvo.de/mediathek/video/mordv...-der-ermittler/

https://www.tvo.de/paukenschlag-im-mordf...chtigen-352376/

#350 RE: Presseartikel von Tumbleweed 12.12.2018 09:38

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12.12.2018

Festnahme im Fall Peggy (†9): Nachbarn glauben noch nicht an Aufklärung des Mordes
Bayreuth: Ermittler hoffen das Verbrechen nach 17 Jahren aufzuklären, Nachbarn bleiben skeptisch

Bayreuth - Nach der Verhaftung eines Tatverdächtigen im Mordfall Peggy hoffen die Ermittler, dass sie das Verbrechen nun aufklären können. (...)

Im Heimatort des neunjährigen Mädchens in Bayern ist aber Skepsis zu spüren. Schon zu oft habe es so ausgesehen, als sei der inzwischen 17 Jahre alte Fall aufgeklärt, sagte eine Anwohnerin am Dienstagabend im oberfränkischen Lichtenberg. "Schön wär's, wenn jemand den Mut hätte, zuzugeben, dass er es war."

Peggy war am 7. Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Im Juli 2016 fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Wald bei Rodacherbrunn im thüringischen Saale-Orla-Kreis, knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort entfernt. Am Dienstag wurde gegen einen 41-jährigen Deutschen aus dem oberfränkischen Landkreis Wunsiedel Haftbefehl wegen Mordes erlassen.
Peggy war 2001 nicht von der Schule nach Hause gekommen und blieb jahrelang verschwunden.

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Bayreuth mitteilten, soll der Mann bei der Tötung der Neunjährigen "Täter oder Mittäter" gewesen sein und den leblosen Körper anschließend in einem Wald im benachbarten Thüringen abgelegt haben.

Möglicherweise sollte mit dem Mord eine zuvor begangene Straftat verdeckt werden, erklärten die Ermittler. Bei dem Verdächtigen soll es sich um Manuel S. handeln, der schon am Anfang der Ermittlungen in das Visier der Beamten geraten war.

Vor drei Monaten hatte der 41-Jährige in einer Vernehmung zugegeben, dass er Peggy im Mai 2001 mit seinem Auto in den Wald gebracht hatte. Er bestritt jedoch, das Mädchen getötet zu haben.

Er habe das leblose Kind damals von einem Bekannten an einer Bushaltestelle übernommen.
https://www.tag24.de/nachrichten/peggy-k...-polizei-899287

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