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#1 RE: Presseartikel von Christine 26.11.2012 19:31

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#2 RE: Presseartikel von 27.11.2012 09:56

Von (dpa) | 11.02.2004 | Netzcode: 10512798 | 1655 Mal gelesen.
Hof
Dem Vater den Mord gestanden
Peggy-Prozess: Polizei hörte wichtiges Gespräch ab
Ein von der Polizei abgehörtes Gespräch zwischen dem Angeklagten Ulvi. K. und seinem Vater, in dem er ihm den Mord an Peggy gestand, könnte schwerwiegende Folgen für den Angeklagten haben, so das Gericht die Aussage verwerten darf.

Der Vater des mutmaßlichen Mörders der neunjährigen Peggy Knobloch ist nach Aussage eines Ermittlers nicht unmittelbar an der Tat beteiligt gewesen. Der Leiter der "Sonderkommission Peggy II" bestätigte am Dienstag vor dem Landgericht Hof, dass der Gastwirt aus dem oberfränkischen Lichtenberg zwar ebenfalls vorübergehend festgenommen worden war. Der Verdacht, dass der 57-Jährige anstelle seines geistig zurückgebliebenen Sohnes das Mädchen umgebracht haben könnte, habe sich im Laufe der weiteren Ermittlungen aber nicht bestätigt.

Der 26-jährige Angeklagte habe seinen Vater mehrfach beschuldigt, Peggys Leiche beseitigt zu haben, berichtete der SOKO-Chef. Später habe er diese Behauptung aber widerrufen. Bei einem Gespräch mit seinem Vater, das in der Polizeidirektion abgehört worden sei, habe der Angeklagte den Mord an Peggy gestanden. Nachdem die Ermittlungen der ersten Sonderkommission im "Mordfall Peggy" ins Stocken geraten waren, sei er Ende Februar 2002 beauftragt worden, eine neue Sonderkommission zu bilden, berichtete der 58 Jahre alte Kriminaldirektor. Die Ermittlungen hätten sich dann sehr schnell auf den heute 26 Jahre alten Angeklagten konzentriert.

Der Ermittler hatte nach eigenen Worten im März 2002, rund zehn Monate nach der mutmaßlichen Tat, veranlasst, die Kleidung des Gastwirtssohns sicher zu stellen. Am Overall des Angeklagten seien dunkle Flecken, etwa von der Größe eines Handtellers, gefunden worden. Trotz eines rechtsmedizinischen Gutachtens konnte weder Blut noch DNA-fähiges Material nachgewiesen werden, sagte der SOKO-Leiter. Der Overall sei aber erst zehn Monate nach der Tat - nachdem er öfter gewaschen worden war - sichergestellt worden. Laut Anklage soll der Gastwirtssohn Peggy Knobloch am 7. Mai 2001 getötet haben, um einen vorausgegangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen.

Auf Grund mehrerer Hinweise habe die Sonderkommission - vergebens - auch in der Türkei nach Peggy gefahndet. Die Leiche des Mädchens wurde bis heute nicht gefunden.

http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/512798-100,1,0.html

#3 RE: Presseartikel von 27.11.2012 09:58

Bayreuth
Dienstag, 10. Februar 2004 17:18
Peggy Prozess in Hof: Die Verteidigung von Ulvi K. bezeichnet die Abhörprotokolle der Polizei als unzulässig

Im Peggy-Prozess vor dem Hofer Landgericht hat es erneut Meinungsverschiedenheiten um die Verwendung von Abhörprotokollen gegeben.

Laut Aussage des ehemaligen Leiters der Sonderkommission 2, wurden nicht nur Telefonate auf dem Anschluss der Eltern des Angeklagten in Lichtenberg abgehört, sondern auch ein Treffen des Angeklagten mit seinem Vater im Sommer 2002. Nach Ansicht der Verteidigung bewegten sich die Ermittler mit diesem Methoden am Rande der Legalität.--- Markus Ruckdeschel berichtet:"Der Inhalt der Gespräche ist angeblich brisant. In einem arrangierten Zusammentreffen in den Räumen der Polizeidirektion Bayreuth soll Ulvi K. im Sommer 2002 die Tat gegenüber seinem Vater gestanden haben. Die Polizei hatte dabei ein Aufnahmegerät mitlaufen lassen. Abgehört wurde auch der Anschluss von Ulvi's Eltern in Lichtenberg. Auch hierbei haben sich offenbar Hinweise ergeben, dass der 26jährige noch weiteren Personen gegenüber den Mord an Peggy Knobloch gestanden haben soll. Staatsanwalt Gerhard Heindl kündigte an, Mitschnitte dieser Telefonate in dem Prozess einbringen zu wollen. Ob dies zulässig ist, wird die Jugendkammer erst noch klären müssen."

http://www.mainwelle.fm/default.aspx?ID=7627&showNews=545043

#4 RE: Presseartikel von 27.11.2012 10:00

Staatsanwaltschaft ließ Gespräch mit Verteidiger abhören Peggy-Prozess: Mutter kann Angeklagtem kein Alibi geben
zuletzt aktualisiert: 14.01.2004 - 18:24

Hof (rpo). Wo war der Angeklagte zur Tatzeit? Die Mutter des Angeklagten Ulvi K. hat ihm im Prozess um die Ermordung der neunjährigen Peggy nur ein teilweises Alibi geben können. Für Wirbel sorgte ein abgehörtes Telefongespräch der Mutter mit dem Verteidiger. Demnach soll Ulvi K. die Tat bereits gestanden haben.

Ihr Sohn habe an dem Tag von Peggys Verschwinden um 13.30 Uhr das Haus verlassen, um einem Nachbarn Essen zu bringen und sei gegen 15.45 Uhr zurückgekehrt, sagte die 66-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht in Hof aus. Laut Anklage soll der 25-jährigen Aushilfskellner das Mädchen zwischen 13.00 und 14.00 Uhr erstickt haben, um eine Vergewaltigung der Neunjährigen zu vertuschen.

Für Streit sorgten am Rande der Vernehmung Angaben der Staatsanwaltschaft, wonach sie ein Telefongespräch zwischen der Mutter und dem Verteidiger ihres Sohnes, Wolfgang Schwemmer, mitgeschnitten habe, als sie den Anschluss der Eltern abhören ließ.

Anwalt Schwemmer reagierte empört und kündigte eine rechtliche Überprüfung des Vorgangs an. In dem abgehörten Gespräch habe der Anwalt angegeben, dass sein Mandant auch ihm den Mord gestanden habe, erklärte Staatsanwalt Gerhard Heindl.

Nach den Angaben der Mutter war ihr Sohn, als er an dem angeblichen Tattag am 7. Mai 2001 nach Hause kam, fröhlich gelaunt, und es sei nichts besonders an seinem Verhalten feststellbar gewesen. "Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass er mit Peggys Verschwinden nichts zu tun hat", betonte die Mutter. Sie schloss eindeutig aus, dass ihr Ehemann - wie von der Staatsanwaltschaft behauptet - Peggys Leiche habe verschwinden lassen. Er sei den ganzen Tag bei ihr gewesen.

Die geplante Vernehmung des Vaters konnte am Mittwoch nicht mehr stattfinden, da die Anhörung der Frau wegen einer halbseitigen Lungenentzündung mehrmals unterbrochen werden musste.

Die Staatsanwaltschaft stützt sich in dem Indizienprozess im Wesentlichen auf ein Geständnis, das der geistig Behinderte aber mehrfach widerrufen hat. Tatortspuren oder eine Leiche des spurlos verschwundenen Mädchens wurden nie gefunden.

rp-online.de/panorama/deutschland/peggy-prozess-mutter-kann-angeklagtem-kein-alibi-geben-1.2071169

#5 RE: Presseartikel von 27.11.2012 10:18

Peggy-Prozeß Lebenslange Haft: Gericht spricht Ulvi K. schuldig

30.04.2004 · Es gibt keine Leiche, es gibt Zeugen, die das Opfer lebend gesehen haben wollen. Dennoch wurde der Angeklagte im Fall Peggy zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung kündigte Revision an.
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bfb_peggy_start © dpa/dpaweb

Zu lebenslanger Haft verurteilt: Ulvi K.

Drei Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden der damals neunjährigen Peggy Knobloch aus Lichtenberg in Bayern ist der 26ährige Angeklagte Ulvi K. am Freitag wegen Mordes an dem Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zugleich ordnete das Landgericht Hof die Unterbringung des geistig zurückgebliebenen Mannes in einer psychiatrischen Anstalt an. Nur wenige Minuten nach dem Urteilsspruch kündigten die Verteidiger eine Revision an.

Das Gericht folgte mit seinem Urteil in dem Indizienprozeß weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die in ihrem Plädoyer Zeugenaussagen, Peggy sei in jüngster Zeit lebend in der Türkei gesehen worden, als Irrtum bezeichnet hatte. Vom Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs sprach das Gericht den Gastwirtssohn wegen verminderter Schuldfähigkeit frei. Von der Leiche des Mädchens fehlt noch heute jede Spur.

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Mißbrauch sollte vertuscht werden

Die Richter sahen es als erwiesen an, daß der Beschuldigte das Mädchen im Mai 2001 ermordet hat. Er habe damit vertuschen wollen, daß er sie ein paar Tage zuvor sexuell mißbraucht habe. Der Gastwirtssohn hat nach Überzeugung des Kammervorsitzenden Georg Hornig das Mädchen auf dem Nachhauseweg von der Schule in ihrem Heimarort Lichtenberg abgepaßt. Ursprünglich habe er sich bei Peggy wegen sexueller Übergriffe in den Vortagen entschuldigen wollen.
bfb_peggy-mutter © dpa/dpaweb

Peggys Mutter Susanne Knobloch zufrieden nach der Urteilsverkündung

Als sie den damals 23jährigen gesehen habe, sei sie aber davon gelaufen. Der Beschuldigte habe daraufhin sein Opfer verfolgt. Erst auf einer Treppe zum Schloßturm sei es dem Angeklagten gelungen, Peggy einzuholen. Schließlich sei sie gestürzt. Das Mädchen habe dann um Hilfe geschrien. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt faßte der Angeklagte den Entschluß, Peggy zu töten“, betonte der Richter in seiner Rekonstruktion der Tat.

Geständnis rechtmäßig

Aus der Angst heraus, daß die sexuelle Mißhandlung Peggys bekannt werden könnte, habe der Angeklagte keine andere Möglichkeit gesehen, als sie zu töten. „Er faßte Peggy mit einer Hand am Nacken und hielt ihr mit der anderen Hand Mund und Nase zu, bis sie sich nicht mehr rührte. Anschließend schleifte er sie zur Burgmauer“, sagte der Richter.

Das Gericht sei auch auf Grund seines Geständnisses von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Der Beschuldigte habe zwei Mal erklärt, daß er Peggy getötet habe. Das Geständnis ist dabei nach Auffassung des Gerichts rechtmäßig zu Stande gekommen. Der Gastwirtssohn sei ordnungsgemäß belehrt worden. Es habe auch keine verbotenen Vernehmungsmethoden gegeben, wie es von den Verteidigern wiederholt vermutet worden war.

Zweifel an der Mordtheorie

Für die Anwälte des 26-Jährigen Gastwirtssohnes bleiben die Zweifel an der Mordtheorie bestehen. Von seinem Mandanten berichtete Rechtsanwalt Wolfgang Schwemmer: „Er hat das regungslos aufgenommen und war sehr blaß. Ich denke aber, er hat verstanden, daß dieses Urteil ein Eingesperrtsein für die nächsten 15 Jahre bedeutet.“

Nach Meinung der Verteidiger blieben in dem über ein halbes Jahr dauernden Prozeß viele Rechtsfragen ungelöst. Es habe zu viele Zweifel in diesem Verfahren gegeben, als daß sie für eine Verurteilung ausreichten, sagte Rechtsanwalt Walter Bagnoli. „Das wird jetzt aber letztlich der Bundesgerichtshof entscheiden müssen.“ Zweifel hatten in dem Prozeß ohne Leiche immer wieder auch Zeugen gesät, die Peggy erst vor wenigen Wochen gesehen haben wollen. Das das Gericht darauf nichts gab, machte Richter Hornig in der Urteilsbegründung klar: Es habe sich wohl teilweise um „Erscheinungen“ gehandelt, offensichtlich habe es auch „Absprachen in Lichtenberg gegeben, um Zeugenaussagen abzustimmen“, mutmaßte der Richter. Dies wiesen die Verteidiger zurück. „Anscheinend haben alle, die Peggy am 7. Mai 2001 nach 14 Uhr - dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt des Mädchens - noch gesehen haben wollen, an Halluzinationen gelitten“, kritisierte Schwemmer.

Quelle: @dho, mit Material von dpa und Reuters
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/...ig-1156675.html

#6 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:15

Vor elf Jahren verschwand die damals neunjährige Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Der geistig behinderte Ulvi Kulac soll das Mädchen getötet haben, er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch es gibt Zweifel an der Verurteilung.

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Franken, Mädchen, verschwunden, täter, missbrauch, aussage, tot

Seit elf Jahren spurlos verschwunden: Die damals neunjährige Peggy© stern TV

Es ist einer der mysteriösesten Kriminalfälle Deutschlands: Vor elf Jahren verschwindet die neunjährige Peggy spurlos. Die Polizei ermittelt damals in alle Richtungen, doch es gibt nicht einen Hinweis auf den Verbleib der Neunjährigen. Bis heute nicht. Für ihre Mutter ist es ein Alptraum.
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"Es wird immer was fehlen"

"Der Schmerz, die Erinnerungen an sie - die sind einfach allgegenwärtig", sagt Susanne Knobloch im Gespräch mit stern TV. Dazu komme die Ungewissheit. Und "dass man sich noch nicht mal verabschieden konnte", sagt die Mutter über das plötzliche Verschwinden von Peggy. "In der Früh ist noch alles in Ordnung. Man schickt sie in die Schule. Macht eigentlich seinen ganz normalen Alltag. Und dann kommt man abends nach Haue und sie ist weg. Einfach so, von jetzt auf gleich."

Rückblick: Am Nachmittag des 7. Mai 2001 wird Peggy zum letzten Mal in ihrem Heimatdorf in Oberfranken gesehen, nach der Schule beobachten sie Zeugen in der Nähe des Marktplatzes. Dann verliert sich ihre Spur. Als Peggys Mutter abends von der Arbeit kommt, ist ihre Tochter nicht da - und niemand weiß, wo sie ist. Sofort beginnt eine groß angelegte Suchaktion.

"Es war alles wie ein böser Traum", sagt Susanne Knobloch. "Und man hofft einfach, dass das so schnell wie möglich vorbei ist. Dass sie nach Hause kommt, dass sie wieder da ist." Es sei ein ständiges Hoffen und Bangen gewesen für die Familie. "Und immer dann, wenn es was Neues gegeben hat, war da eigentlich immer mehr Hoffnung als Angst."
Mutter gerät unter Verdacht

Doch es vergehen Monate, ohne dass es eine Spur zu dem Mädchen gibt. Und plötzlich gibt es Gerüchte im Dorf: Ist Peggys Mutter vielleicht selbst für das Verschwinden verantwortlich? Oder hat der türkische Stiefvater das Mädchen in die Türkei verschleppt? "Am Anfang waren alle super nett. Und dann gab es plötzlich Leute, die auf Abstand gegangen sind", sagt Susanne Knobloch rückblickend. Irgendwann hat sie keine Kraft mehr und zieht in eine andere Stadt.

2002 dann die Wende im Fall Peggy: Ein Jahr nach dem Verschwinden des Mädchens gerät Ulvi Kulac - ein geistig behinderter Dorfbewohner - ins Visier der Fahnder. Und: Nach mehreren Vernehmungen gesteht er, Peggy ermordet zu haben.

Der Sohn eines Gastwirts behauptet in seinem Geständnis, Peggy am 07. Mai 2001 in der Nähe des Marktplatzes getroffen zu haben. Er habe sich bei dem Mädchen entschuldigen wollen, da er sie Tage zuvor missbraucht hätte. Doch Peggy habe gedroht, ihn zu verraten. Sie sei dann in einen schmalen Fußweg gerannt. Doch Ulvi Kulac habe Peggy an einer Treppe eingeholt, sie zu Boden geworfen, Mund und Nase zugehalten und sie erstickt. Gemeinsam mit seinem Vater habe er schließlich Peggys Leiche beseitigt.
Erfundenes Geständnis?

Zwar widerruft Ulvi Kulac wenig später sein Geständnis, wird aber trotzdem im Jahr 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Seitdem sitzt er seine Strafe in einer psychiatrischen Klinik ab und wird therapiert, weil er vor Peggys Verschwinden weitere Kinder sexuell missbraucht hatte.

Bei einem Treffen mit stern TV berichtet er, dass er damals zu seinem Geständnis gezwungen worden sei: "Die haben gesagt, ich soll sagen, dass ich es gewesen bin. Dass ich sie missbraucht, entführt und umgebracht habe. Und das haben die immer und immer wieder gesagt, und ich war fix und fertig", sagt Kulac. Zwar habe er dann gesagt, dass er unschuldig sei. Doch die Ermittler hätten Ulvi Kualc nicht geglaubt - und weiter vernommen. "Dann habe ich gesagt, ja, ich war es." Laut Gutachten hat Ulvi Kulac einen Intelligenzquotienten von 67. Doch hat er wirklich alles nur erfunden?

Gudrun Rödel, die nur wenige Kilometer von Lichtenberg entfernt lebt und selbst Mutter eines geistig behinderten Kindes ist, glaubt an Ulvi Kualcs Unschud: Für sie war sofort klar, dass in diesem Fall etwas nicht stimmen konnte. "Ich habe über die Medien damals den ganzen Prozess verfolgt, und war der Meinung, dass der Ulvi nicht verurteilt werden dürfte", sagt sie im Gespräch mit stern TV. "Erstens auf Grund seiner geistigen Behinderung. Und weil man ja gar nichts in der Hand hatte, außer seines Geständnisses."
Bürgerinitiative gegen das Urteil

Nach dem Urteil gründet Gudrun Rödel eine Bürgerinitiative, wird sogar die gesetzlich bestimmte Betreuerin von Ulvi Kulac und nimmt sich einen Anwalt: Wochenlang beschäftigt sich Michael Euler aus Frankfurt mit dem rätselhaften Fall.

Er sucht nach Anhaltspunkten, die Ulvi Kulac entlasten könnten - und glaubt schließlich, sie gefunden zu haben. "Ich habe mir 14.000 Seiten Akten angeschaut", sagt er. Und: "Es offenbarte sich, dass viele Zeugen nicht vernommen worden sind, die Ulvi Kulac ein Alibi geben konnten."

Laut Urteil soll Ulvi Kulac die kleine Peggy gegen Mittag getötet haben, doch Dorfbewohner berichten dem Anwalt, das kleine Mädchen noch gegen Abend gesehen zu haben. Und auch Ulvi KUlac bleibt bei seiner letzten Version der Geschichte: Er habe mit Peggys Verschwinden nichts zu tun. Michael Euler will deshalb jetzt einen Wiederaufnahmeantrag stellen.

Von Peggy fehlt weiter jede Spur. Seit elf Jahren hat Susanne Knobloch kein Lebenszeichen von ihrer Tochter erhalten. "Ich habe mir immer gewünscht, sie in den Arm zu nehmen. Noch einmal über den Kopf zu streicheln." So wie es gemacht hat, als sie ihre Tochter das letzte Mal lebend gesehen hat.

http://www.stern.de/tv/sterntv/seit-elf-...gy-1805646.html

#7 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:22

11. Mai 2010 03:48 Peggy-Prozess Drei Tatversionen und ein Phantom

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Wie ein Mann, der Kinder sexuell missbraucht hat, einen Mord gesteht und dann widerruft - und eine Stadt trotz allem an seine Unschuld glaubt.
Von Von Hans Holzhaider

Lichtenberg, im April - Peggy ist verschwunden, das zumindest steht fest. Monatelang hat man nach ihr gesucht. Hundertschaften von Polizei und Bundesgrenzschutz haben die Wälder rund um Lichtenberg durchkämmt, Spürhunde haben Keller und Kasematten durchschnüffelt, die Ruine eines Hauses wurde Stein für Stein und Balken für Balken abgetragen, Tornados der Luftwaffe sind mit Wärmebildkameras über das Land geflogen - alles vergebens. Peggy Knobloch, das neunjährige, blonde Mädchen mit den blauen Augen, blieb verschwunden.

Fast drei Jahre ist das jetzt her. Seit dem Nachmittag des 7. Mai 2001 fehlt jede Spur von Peggy Knobloch. Am Freitag wird das Schwurgericht in Hof sein Urteil verkünden gegen Ulvi K., den Mann, den die Staatsanwaltschaft für Peggys Mörder hält. Lebenslange Haft hat Staatsanwalt Gerhard Heindl gefordert für den 26-jährigen Ulvi.

Staatsanwalt Heindl ist überzeugt, dass Ulvi K. Peggy Knobloch mit bloßen Händen erstickt hat, aus Angst davor, sie könnte verraten, dass er sie wenige Tage zuvor sexuell missbraucht hatte.Aber in Lichtenberg gibt es nicht viele, die diese Überzeugung teilen. "Die meisten hier glauben, dass Peggy noch am Leben ist", sagt Bürgermeister Dieter Köhler in seinem Amtszimmer im schmucken, in Altrosa gestrichenen Rathaus.

Es gibt auch Lichtenberger, die glauben zwar, dass Peggy tot ist, aber dass es sicherlich nicht Ulvi war, der das Mädchen umgebracht hat.

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Lichtenberg ist eine kleine Stadt mit 1200 Einwohnern. Seit dem 11. Jahrhundert stand hier, auf einer Bergkuppe über dem tief eingeschnittenen Tal der Selbitz, eine mächtige Burg. Der breite, gepflasterte Marktplatz zieht sich den Hügel hinauf. An seinem unteren Ende liegt der Henri-Marteau-Platz, benannt nach einem französischen Geiger, der sich 1913 in Lichtenberg eine Jugendstil-Villa bauen ließ. Raiffeisenbank, Sparkasse, eine Bäckerei, ein Friseursalon - viel mehr an Geschäften gibt es nicht in Lichtenberg.

In die Gemeinschaft integriert

Oben, auf der Bergkuppe, wo heute nur noch ein Turm und Reste der Befestigungsmauern an die Burg erinnern, liegt die Gaststätte "Schlossklause", das Vereinslokal des TSV Lichtenberg. Als Pächter hat der TSV das deutsch-türkische Ehepaar Elsa und Erdal K. angestellt, Ulvis Eltern. Elsa K. wurde als Zeugin im Prozess gegen ihren Sohn gehört, und wer ihre Aussage miterlebt hat, kann ohne weiteres nachvollziehen, dass ihr Herz an diesem Kind hängt, auch wenn der Staatsanwalt jetzt sagt, Ulvi sei ein Mörder.

Ulvi sei als gesundes Kind zur Welt gekommen, berichtet die Mutter. In seinem dritten Lebensjahr, es war am Faschingsdienstag, Ulvi hatte gerade noch mit seiner Schwester getanzt, da konnte er plötzlich nicht mehr laufen, und binnen weniger Stunden hatte er 41 Grad Fieber.

Der Arzt habe gesagt, das sei nur eine Grippe; erst zwei Tage später sei ihm der Verdacht gekommen, es könnte eine Hirnhautentzündung sein. Auf der Fahrt ins Krankenhaus fiel Ulvi ins Koma. Die Ärzte diagnostizierten eine eitrige Meningitis, "sie haben mir keine Hoffnung gemacht, dass er je sprechen und laufen kann".

Er hat es aber doch gelernt, sowohl sprechen als auch laufen. "Er war nicht mehr so lebendig wie früher", sagt Frau K., "er brauchte zu allem länger."

"Er gehörte sozusagen zum Stadtbild"

Als Ulvi in die Vorschule kam, wurde schnell klar, dass er mit den anderen Kindern nicht mithalten konnte. Er kam in ein Therapeutisch-Pädagogisches Zentrum in Hof, dort blieb er bis zum 18. Lebensjahr. "Er hat eine ganze Menge gelernt", erzählt die Mutter, "Schuhe zubinden, bügeln, addieren im Zahlenraum bis zwanzig", aber lesen kann er fast gar nicht, und auch die Uhr abzulesen bereitet ihm Schwierigkeiten.

Zuletzt hat er, bis zu seiner Festnahme, in der Gaststätte der Eltern geholfen, Bier zapfen, Essen austragen, ab und zu sogar kassieren. Was denn ein Bier gekostet habe, fragt ihn einer der beisitzenden Richter. "Drei Mark", sagt Ulvi. Und wenn einer zwei Bier hatte und mit zwanzig Mark zahlt, was kriegt er dann raus? Ulvi grübelt etwas, dann sagt er: "Vierzehn Mark". Und lächelt zufrieden.

In der kleinen Stadt war Ulvi so eine Art Faktotum. "Er gehörte sozusagen zum Stadtbild", sagt Bürgermeister Köhler. Fast jeder habe ihm schon mal ein Bier spendiert oder ihn im Auto mitgenommen. Jedenfalls hat man ihn allgemein für harmlos und gutmütig gehalten, obwohl er im Lauf der Jahre zu einem, wie man in Oberfranken sagt, "Prügltrumm von Mannsbild" heranwuchs.

Peggys Mutter bleibt eine Unbekannte

Susanne Knobloch hingegen, Peggys Mutter, war eine weitgehend Unbekannte in der kleinen Stadt. Lichtenberg, betont Bürgermeister Köhler, sei ein weltoffener Ort, er verweist auf das musikalische Begegnungszentrum in der Villa Marteau. Es gebe auch kein Problem mit Neubürgern, seien sie deutscher oder ausländischer Herkunft - die Hand voll Kroaten in Lichtenberg seien bestens im Vereinsleben integriert.

Frau Knobloch, aus Sachsen zugezogen, war nun aber ganz offensichtlich kein Vereinsmensch. "Man ist halt nicht mit ihr ins Gespräch gekommen", sagt der Bürgermeister. Und, ja, es gebe wohl den einen oder anderen, der andere Ansichten über die richtige Art der Kinderbetreuung habe als Frau Knobloch.

Manche in Lichtenberg äußern sich da sehr viel drastischer. Dass das Mädchen Nachmittage lang in der Stadt herumgestreunt sei, bekommt man zu hören, dass sie sich jedem angeschlossen habe, der auch nur ansatzweise freundlich zu ihr gewesen sei, dass sie sich vor dem damaligen Lebensgefährten ihrer Mutter, "dem Terk" (dem Türken) gefürchtet habe. Am Tag ihres Verschwindens kam Peggy um eins aus der Schule, aber die Suche nach ihr begann erst abends um acht Uhr, als die Mutter von der Arbeit kam und merkte, dass Peggy nicht da war.

Da war Peggy, wenn der Staatsanwalt Recht hat, längst tot. Susanne Knobloch hat vor Gericht gesagt, Ulvi sei ihr erster Gedanke gewesen. Bei dem habe sie "immer so ein komisches Gefühl gehabt".

Sexueller Missbrauch schon bekannt

Und in der Tat gestand Ulvi schon wenige Tage nach Peggys Verschwinden, er habe das Mädchen wenige Tage vorher sexuell missbraucht. Aus irgendwelchen Gründen glaubten ihm die Vernehmungsbeamten das nicht. Aber die Ermittlungen ergaben, dass Ulvi sich schon früher auch an Buben herangemacht hatte - nicht massiv, nicht gewalttätig, aber doch eindeutig jenseits der Grenze dessen, was der Gesetzgeber als sexuellen Missbrauch definiert.

Eine Frau hatte ihn einmal mit heruntergelassener Hose auf einer Bank sitzen sehen, mit einem Jungen neben sich. Die Frau nahm den Buben mit, informierte dessen Eltern, die erstatteten Anzeige. Das war im Jahr 2000, und Ulvis Mutter berichtet, ihr Sohn habe auch eine Gesprächstherapie absolviert "wegen dieser sexuellen Dinge".

Weitere Fälle wurden bekannt, zwölf insgesamt. Im September 2001 wurde Ulvi K. in die Psychiatrie eingewiesen - wegen der Missbrauchsfälle und der Wiederholungsgefahr.

Mit Peggys Verschwinden, glaubte die Polizei damals noch, hätte er nichts zu tun. Denn Ulvi hatte ein Alibi. Um 13.15 Uhr war Peggy zum letzten Mal gesehen worden, auf dem Heimweg von der Schule, kurz vor dem Henri-Marteau-Platz. Von dort waren es nur noch ein paar Meter nach Hause. Aber dort war sie nach Überzeugung ihrer Mutter nie angekommen, denn der Schulranzen fehlte und das Essen stand unberührt auf dem Tisch.

Um 13.15 Uhr aber stand Ulvi, der Aussage seiner Eltern zufolge, gerade vom Mittagessen auf, und machte sich auf den Weg zu einem Bekannten. Der sagte aus, Ulvi sei spätestens um 13.45 Uhr bei ihm angekommen. Unterwegs sollte Ulvi noch bei einem anderen Bekannten warmes Essen aus der Gastwirtschaft abliefern. Wenn das alles stimmt, wäre kaum Zeit geblieben, ein Kind zu töten und die Leiche zu beseitigen.

Alle Ermittlungen verlaufen im Sande. Im Januar 2002 wird auf Initiative des bayerischen Innenministers Günter Beckstein eine neue Sonderkommission eingesetzt. Der Nürnberger Kriminaldirektor Wolfgang Geier wird mit der Leitung beauftragt, ein akribisch arbeitender Kriminalist.

Die Lichtenberger sind nicht begeistert darüber, dass nun alles noch einmal von vorne anfangen soll. Nicht selten, sagt Geier vor Gericht aus, sei seinen Beamten die Tür vor der Nase zugeschlagen worden. Der neue Soko-Leiter hat Zweifel an den verblüffend genauen Zeitangaben der Zeugen, die Ulvi ein Alibi geben. Eine neue Zeugin taucht auf: Sie behauptet, sie habe Ulvi schon um 13 Uhr auf einer Bank am Henri-Marteau-Platz sitzen sehen, genau dort, wo Peggy auf dem Heimweg vorbeikommen musste. Das würde die Sachlage entscheidend verändern.

Die SoKo-Beamten konzentrieren sich immer stärker auf Ulvi. Und dann, am 2. Juli 2002, geschieht es. Die Vernehmung ist schon beendet, der Verteidiger ist schon weg, Ulvi steht unten auf dem Hof, wo das Fahrzeug wartet, um ihn ins Bezirkskrankenhaus Bayreuth zurückzubringen. Plötzlich sagt er, er wolle noch eine Aussage machen. Man bringt ihn zurück ins Vernehmungszimmer, und dort legt Ulvi K. ein Geständnis ab.

Das Geständnis geht bis ins Detail

Er erzählt, er habe Peggy auf dem Heimweg abgepasst, habe sie angesprochen, um sich für die "Vergewaltigung" zu entschuldigen, aber sie habe ihn nicht anhören wollen und sei weggelaufen. Vom Henri-Marteau-Platz zieht sich ein schmaler Fußweg zwischen Schrebergärten entlang bis zu einem Steilgelände unterhalb der alten Schlossmauern. Diesen Weg entlang habe er Peggy verfolgt, habe sie am Fuß des Treppenaufgangs, der hinauf zum Schlossplatz führt, eingeholt, und sie, weil sie nicht aufhören wollte zu schreien, mit den Händen erstickt.

Zwei Wochen nach diesem ersten Geständnis führen die Polizeibeamten UlviK. zum mutmaßlichen Tatort und lassen ihn dort seine Angaben vor laufender Videokamera wiederholen.

Wer die Vorführung dieses Films im Gerichtssaal miterlebt hat, dem fällt es schwer, an Ulvis Unschuld zu glauben. In allen Einzelheiten beschreibt er die Verfolgungsjagd, er zeigt einen Stein, über den Peggy gestolpert sei, wie sie am Knie und an der Stirn geblutet habe, wie er sie aufhob, wie sie ihn in die Genitalien getreten habe, "dass ich Sterne sah", wie sie sich noch einmal losriss, wie er sie schließlich wieder einholte, zu Boden schubste, wie sie geschrieen habe, sie werde ihn verraten, und wie er sie dann - er demonstriert das mit einer lebensgroßen Puppe - mit einer Hand am Genick gepackt und ihr mit der anderen Mund und Nase zugehalten habe, bis ihr schließlich die Augen zugefallen seien und sie sich nicht mehr bewegt habe.

Dann habe er "erst mal eine geraucht". Er sei die Treppen hoch gestiegen zum Schlossplatz, habe seinen Vater geweckt, der auf dem Sofa schlief, und habe zu ihm gesagt: "Vaddi, komm', ich hab die Peggy umgebracht." Der Vater habe Peggy in eine grüne Decke gewickelt und sie im Auto weggefahren, wohin, das wisse er nicht.

Das alles, sagt Ulvi K. nun im Prozess, habe er sich nur ausgedacht, weil er endlich seine Ruhe vor der Polizei haben wollte. Nichts habe er zu tun mit Peggys Verschwinden. Das ist, bei allen Merkwürdigkeiten, die diesen Prozess in 25 Verhandlungstagen geprägt haben, schwer nachzuvollziehen.

"Er ist schon immer ein großer Erzähler gewesen"

Aber ist es unmöglich? Ulvi, sagt Bürgermeister Köhler, sei schon immer ein großer Erzähler gewesen. "Geben sie ihm ein Thema, und er legt los." Immerhin drei verschiedene Versionen hat Ulvi geliefert, was mit Peggys Leiche passiert sei. Er hat andere Lichtenberger der Beihilfe bezichtigt, bis er die Version mit seinem Vater präsentierte.

Aber Ulvis Vater bestreitet entschieden, etwas mit Peggys Verschwinden zu tun zu haben, und in seinem Auto fanden sich keine Spuren, die darauf hindeuten, dass Peggy in diesem Fahrzeug transportiert worden ist.

Und wenn, gibt der Bürgermeister zu bedenken, die Polizei schon die verdächtig präzisen Zeitangaben der Entlastungszeugen anzweifelt, warum legt sie dann nicht den gleichen kritischen Maßstab an jene Zeugin an, die sich überraschenderweise erst fast ein Jahr nach dem Verschwinden des Mädchens erinnern will, Ulvi zu einer ganz präzise erinnerten Zeit genau am richtigen Ort gesehen zu haben?

Und was ist, fragt zum Beispiel Norbert Rank, der Jugendleiter der Fußballabteilung beim TSV Lichtenberg, mit jenen Kindern, die sich ganz sicher sind, Peggy am Nachmittag des 7. Mai 2001 noch gesehen zu haben, als sie nach der Version der Staatsanwaltschaft schon längst tot gewesen ist?

Rank, der sehr intensiv Nachforschungen nach Peggys Verbleib betrieben hat, legt im Keller seines Hauses viele maschinenbeschriebene Blätter auf den Tisch, auf denen seine "Ermittlungsergebnisse" festgehalten sind.

Kann man, fragt er, den Schulkameraden, die Peggy jeden Tag gesehen haben, wirklich so einfach unterstellen, sie hätten das Kind verwechselt? Und was ist mit jener geheimnisvollen E-Mail, die in einem Internet-Café an der türkischen Südküste abgeschickt wurde, und in der stand, Peggy werde in einem Bergdorf versteckt gehalten? Und hat nicht die Polizei ein Telefongespräch des damaligen Lebensgefährten von Peggys Mutter abgehört, in dem dieser sich erkundigt hat, was ihm passieren könne, wenn er ein Mädchen in die Türkei entführt?

Nein, in Lichtenberg sind nicht viele von Ulvis Schuld überzeugt, und Bürgermeister Köhler meint, die Lichtenberger hätten möglicherweise andere Auffassungen davon, was ein Beweis ist, als die Juristen in Hof.

Im Vorstand des TSV Lichtenberg wurde, als die Anschuldigungen gegen Ulvis Vater bekannt wurden, die Frage erörtert, ob man dem Ehepaar K. die Pacht für die Vereinsgaststätte entziehen solle. Dafür fand sich keine Mehrheit.

Susanne Knobloch hingegen ist aus Lichtenberg weggezogen, sie fühlte sich nicht mehr wohl gelitten dort. "Denen hat vielleicht meine Nase nicht gefallen", sagte sie in der Fernsehsendung "Mona Lisa". Später trat sie auch bei Johannes B. Kerner auf, zusammen mit Renate Schmidt, und die heutige Familienministerin sprach von der "Mauer des Schweigens", die die Lichtenberger aufgebaut hätten, um Ulvi K. zu schützen.

Bürgermeister Köhler hat einen geharnischten Brief an Renate Schmidt geschrieben. "Alle Lichtenberger", schrieb er, "haben um die kleine Peggy getrauert und tun es noch." Nach Abschluss des Prozesses, hat Renate Schmidt versprochen, werde sie nach Lichtenberg kommen, um sich selbst ein Bild von der kleinen Stadt zu machen.

http://www.sueddeutsche.de/panorama/pegg...hantom-1.678322

#8 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:28

FOCUS Magazin | Nr. 44 (2002)
Fall Peggy„Unser Sorgenkind“
Montag, 28.10.2002, 00:00 · von den FOCUS-Redakteuren Christian Sturm und Marco Wisniewski

Niemand wollte wahrhaben, dass der mutmaßliche Mörder Peggys seit Jahren außer Kontrolle war
Das Telefon klingelt unentwegt. „Ulvi ist kein Mörder“, tröstet eine Bekannte am anderen Ende der Leitung Elsa K. Die Mutter des 24-jährigen Ulvi legt den Hörer auf, drückt die Hand ihres Mannes Erdal und sagt: „Es wird alles gut.“ Die 66-Jährige ist nervös, zündet sich schon wieder eine Zigarette an. Sie raucht an diesem Tag bereits die zweite Schachtel. Ihr geistig behinderter Sohn soll die seit dem 7. Mai 2001 vermisste neunjährige Peggy aus Lichtenberg ermordet, ihr Mann die Leiche weggeschafft haben.

Geständnis. Vergangene Woche präsentierte die Sonderkommission in Hof – nach 17 Monaten vergeblicher Suche – den mutmaßlichen Mörder Peggys: Ulvi K., so die Ermittler, habe ihnen detailliert geschildert, wie er an jenem regnerischen Frühlingstag Peggy auf dem Weg von der Schule abgepasst, verfolgt, zu Boden geworfen und ihr Mund und Nase zugehalten habe, bis sie sich nicht mehr rührte. Anschließend habe er seinen Vater, der mit der Frau die nur wenige Meter vom Tatort entfernte „Schlossklause“ bewirtschaftet, verständigt. Dieser habe die Leiche in eine Decke gewickelt und in seinem Opel Astra fortgebracht. Ulvi K.s Motiv: Er soll Peggy vier Tage zuvor vergewaltigt haben und wollte das Kind, das ihm mit einer Anzeige drohte, offenbar zum Schweigen bringen.

Zwar muss Oberstaatsanwalt Ernst Tschanett zugeben, dass es „weder Sach- noch Zeugenbeweise für die Tat“ gebe. Doch ein Gutachter habe festgestellt, dass „das Geständnis mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Erlebnis begründet“ sei. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass der Beschuldigte der Täter ist“, so der Ankläger.

Ulvi sei schon immer „unser Sorgenkind“ gewesen, erzählt die Mutter. Seit einer Hirnhautentzündung, an der der Junge im Alter von drei Jahren erkrankte, ist er behindert. Der heute 24-Jährige ist auf dem geistigen Stand eines Zwölfjährigen. Als Kind besuchte er zunächst die Sonderschule und arbeitete später in einer Werkstatt für Behinderte in Hof. Das Angebot, ihren Sohn in eine Einrichtung für betreutes Wohnen zu geben, lehnte Elsa K. ab. „Vielleicht habe ich damals zu sehr geklammert“, räumt sie heute ein. Sie holte ihn zurück nach Lichtenberg.

Ulvi sei gänzlich in die Dorfgemeinschaft integriert gewesen, berichtet Bürgermeister Dieter Köhler nicht ohne Stolz. Eine Nachbarin: „Er war ein lieber Kerl, hilfsbreit und fröhlich.“ Er habe gern getanzt und Musik gehört, so die Mutter.

Elsa K. wusste auch über die sexuellen Bedürfnisse ihres geistig zurückgebliebenen Sohnes Bescheid. „Ich bot ihm bei Fahrten nach Tschechien sogar an, sich mit einem der Straßenmädchen zu vergnügen“, erzählt sie. Ulvi habe abgelehnt, „er hatte geradezu Angst“.

Der Junge suchte sich die Befriedigung anderswo: Er entblößte sich und onanierte mehrmals vor Kindern, wovon angeblich in der 1200-Seelen-Gemeinde auch etliche wussten – aber nicht reagierten. Laut Polizei hat K. mindestens 20-mal Jungen und Mädchen sexuell genötigt oder missbraucht. Nach einem Übergriff auf einen Achtjährigen im Mai 2000 stellte sich der junge Mann der Polizei. „Ich habe etwas Furchtbares getan. Ich muss es loswerden.“ Das Verfahren wurde wegen „nicht auszuschließender Schuldunfähigkeit“ eingestellt.

Im Sommer 2001 gab Peggys angeblicher Mörder weitere sexuelle Übergriffe zu. Ein Amtsrichter wies K. daraufhin am 5. September vergangenen Jahres in die geschlossene Abteilung des Bezirkskrankenhauses in Bayreuth ein.

Hier gestand er mehrmals die Vergewaltigung und Tötung von Peggy – und widerrief jedes Mal. „Sein Alibi ist lückenlos“, meinte der damalige Soko-Chef Herbert Manhart, der im Januar 2002 gehen musste, weil der Fall noch immer nicht gelöst war. Die neue Soko-Führung nahm K. erneut ins Kreuzverhör. Der Vernommene gab die Tat dreimal zu, beschuldigte außerdem seinen Vater. Doch auch diesmal zog Ulvi K. die Geständnisse wieder zurück.

Der 56-jährige Erdal K. bestreitet die Anschuldigungen. Bei Durchsuchungen im Haus und Auto der Familie fanden die Polizisten kein belastendes Material.

Selbst wenn der Vater die Leiche versteckt hätte, könne man ihn nicht belangen, stellt Staatsanwalt Tschanett klar. Nach Paragraf 258 Absatz 6 des Strafgesetzbuchs dürfen Angehörige eine Straftat verschleiern.

„Das muss der Gesetzgeber überdenken“, regt Heinz Schöch, Dekan der juristischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München, an. „Bei schwersten Verbrechen wie Mord oder Geiselnahme sollte ein Familienmitglied nicht das Recht haben, das Verbrechen zu vertuschen.“

Im Fall Ulvi K. stellt sich jetzt die Frage der Schuldfähigkeit. „Ist er schuldfähig, werde ich Anklage wegen Mordes erheben“, kündigt der Staatsanwalt an. „Im anderen Fall beantrage ich seine Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt.“

Dort sitzt K. bereits. Seine Eltern besuchen ihn einmal in der Woche. Es gehe ihm gut, sagt Elsa K. Ihr Sohn lerne dort Schreiben und Rechnen. „Vielleicht“, meint die Mutter, „ist es das Beste für ihn.“

Der Mord ohne Leiche

7. Mai 2001, 13.30 Uhr: Auf dem Nachhauseweg von der Schule verschwindet die neunjährige Peggy.

8. Mai: Peggys Mutter, Susanne Knobloch, beschuldigt Ulvi K., einen geistig behinderten Nachbarn.

10. Mai: Die Wohnung der Eltern und die Zimmer von Ulvi K. werden durchsucht. Die Polizei findet kein belastendes Material.

31. Juli: Der Lebensgefährte von Peggys Mutter wird kurzfristig festgenommen. Die Kripo verdächtigt auch die Mutter.

5. September: Ulvi K. kommt in die Psychiatrie, weil er Peggy und andere Kinder sexuell belästigt hat.

9. Januar 2002: Die Soko „Peggy“ wird von 75 Beamten auf sechs reduziert. Soko-Leiter Herbert Manhart muss gehen.

11. März: Kriminaldirektor Wolfgang Geier aus Würzburg übernimmt den Fall.
22. Oktober: Staatsanwaltschaft und Kripo teilen mit, Ulvi K. habe den Mord an Peggy gestanden. Die Leiche ist bis heute verschwunden. Der Vater von Ulvi soll sie weggeschafft haben.


Fall Peggy: „Unser Sorgenkind“ - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_203917.html

http://www.focus.de/politik/deutschland/...aid_203917.html

#9 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:30

Nur Peggys Großvater glaubt: Sie ist noch am Leben
Ein geistig Behinderter, der sein Geständnis widerruft, der Mord ohne Leiche — Die Soko glaubt dennoch, den Fall geklärt zu haben - 23.10.2002

HOF/LICHTENBERG (NZ). - Eine Stunde vielleicht, und plötzlich interessieren sich alle für den, der die ganze Zeit still und unbeachtet von Journalisten und Kameralinsen in den hinteren Reihen saß. Als nach einer Stunde schrecklicher Details über die vermuteten letzten Minuten im Leben eines Kindes auch noch dreckige Wäsche auf der Pressekonferenz gewaschen wird, hält es ihn nicht mehr auf dem braunen Klappstuhl. Nein, sein Sohn habe kein Geld von Medien für Exklusivgeschichten genommen, es sei nicht wahr, dass dieser für das vermisste Kind keine Alimente mehr hätte zahlen wollen.
Wenn der Verdächtige in seinem Geständnis die Wahhrheit gesagt hat, dann wurde Peggy auf dieser abgelegenen Treppe in Lichtenberg umgebracht.
Wenn der Verdächtige in seinem Geständnis die Wahhrheit gesagt hat, dann wurde Peggy auf dieser abgelegenen Treppe in Lichtenberg umgebracht.
Foto: dpa

Eine paar Sekunden vielleicht, und alle im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Hof haben begriffen, dass der dunkel gekleidete Mann mit der fahlen Haut der Vater von Peter Mario Schwenk ist, dass der, der da mit fester und ruhiger Stimme spricht, der Großvater der vermissten Peggy aus Lichtenberg ist. „Was wollen Sie tun, damit Sie endlich gefunden wird“, fragt der 59-jährige Hartmut Schwenk schließlich ohne die Stimme zu erheben in Richtung des langen Tisches mit den vielen Mikrofonen.

Denn von Peggy fehlt auch weiterhin jede Spur. Auch wenn Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Hof nach 17 Monaten akribischer Suche „im Vermisstenfall Peggy“ zur Be-kanntgabe des Ermittlungsergebnisses geladen hatten — inklusive Präsentation eines 24-jährigen Tatverdächtigen. Dieser hat gestanden, die damals Neunjährige getötet zu haben. „Es gibt keinen berechtigten Zweifel daran, dass er der Täter ist“, muss Ernst Tschannet, Leitender Oberstaatsanwalt in Hof, schließlich im-mer wieder in diesen gut eineinhalb Stunden auf die kritischen, größtenteils skeptischen Fragen antworten.

Denn bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen geistig Behinderten aus Peggys Nachbarschaft, der auf dem Stand eines Kindes sein soll. Auch war er schon einmal ins Visier der Soko geraten: Bereits im August 2001 hatte er — wie berichtet — den sexuellen Missbrauch mehrerer Kinder aus dem Ort gestanden, darunter auch von Peggy. Doch die Polizei hatte damals nicht an einen Zusammenhang mit dem Verschwinden des Kindes geglaubt — auch auf Grund seines „lückenlosen“ Alibis, das ihm seine Familie geliefert hatte. Der Mann wurde nach dieser Einlassung in die psychiatrische Abteilung der Bezirksklinik Bayreuth eingewiesen.

Die Tötung Peggys hatte er im Juli gestanden, doch dies in der vergangenen Woche wieder abgestritten. Dennoch will Tschannet Anklage gegen den Gastwirtssohn erheben. Der psychiatrische Gutachter, laut Tschannet „eine Kapazität“, sei zu dem Schluss gekommen, dass das Geständnis „mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Erlebnis begründet liegt“.

Sollte der junge Mann bei seinem Geständnis die Wahrheit gesagt haben, dann hat Peggy den 7. Mai 2001, den Tag an dem sie zuletzt gesehen worden war, nicht überlebt. Nach Aussagen des mutmaßlichen Täters hatte er das Mädchen auf dessen Nachhauseweg abgepasst, nachdem er sie vier Tage zuvor sexuell missbraucht hatte. Aus Angst vor ihm sei sie dann weggelaufen und in Richtung des Waldes gerannt, wie Soko-Chef Wolfgang Geier das Geständnis wiedergibt. Sie sei gestolpert, der Mann habe sie eingeholt. Das Kind habe ge-schrien, ihm gedroht, alles der Mutter zu erzählen und ihn anzuzeigen. Auf einem abgelegenen Treppenaufgang außerhalb der Stadtmauer habe er dem Mädchen so lange Nase und Mund zugehalten, bis es sich nicht mehr rührte. Danach will er zu seinem Vater gegangen sein und ihm alles erzählt haben. Dieser habe die Leiche in eine Decke gehüllt und mit seinem Wagen weggebracht. Die Schilderungen decken sich, so Tschanet, mit den Erkenntnissen aus den Ermittlungen — und er spricht

„offiziell“ davon, „dass Peggy Knobloch nicht mehr am Leben ist“. Der Vater des Verdächtigen schweigt sich bisher zu allem aus. Peggys Leiche wurde nicht gefunden.

Das Alibi des jungen Mannes wurde inzwischen durch neue Zeugen entkräftet, denn die wollen den 24-Jährigen am Tattag nahe der Schule gesehen haben. Geier muss dennoch einräumen, dass zwar „viele Indizien, aber keine Sachbeweise“ vorliegen.

Peggys Großvater will das alles nicht gelten lassen. Die Indizien überzeugen ihn nicht. „Es wäre doch möglich, dass sie noch lebt“, sagt er in die vielen bunten Mikrofone, die ihm nach der Pressekonferenz vor das Gesicht gehalten werden. „Keinen Fingernagel, kein Haar haben sie von ihr gefunden.“ Und überhaupt, was sei das schon für eine Aussage — „die eines Verrückten“. Alle in der Familie würden sich „hundeelend“ fühlen. „Für uns ist gar nichts geklärt. Es ist nicht zu Ende“, sagt Hartmut Schwenk und bittet dann um Verständnis, dass er nicht mehr kann.

http://www.nordbayern.de/nuernberger-zei...hweih-1.1291894

#10 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:32

22.10.02
Peggy ist tot - Der Täter hat gestanden

Vor 18 Monaten verschwand sie spurlos. Jetzt steht fest: Peggy (9) wurde vergewaltigt und ermordet
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München. Nur die Hoffnung hielt Susanne Knobloch (31) aufrecht. Die Hoffnung, ihre Tochter Peggy wieder in die Arme nehmen zu können. Doch dieser Wunsch wird der Frau aus dem oberfränkischen Marktflecken Lichtenberg nicht mehr erfüllt. Gestern kam die Nachricht, vor der sich alle gefürchtet haben: Peggy ist tot. Das blonde Mädchen fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Der dringende Tatverdacht richtet sich gegen Ulv K. (24), einen geistig zurückgebliebenen Mann aus der Nachbarschaft. "Ulvi", wie ihn alle nannten, sitzt bereits seit August vergangenen Jahres in U-Haft, weil er mehrere Kinder aus dem Ort sexuell missbraucht haben soll. Auch im Fall Peggy legte er damals ein Geständnis ab. Doch die Beamten glaubten ihm nicht, zumal Ulv K. für den Tag von Peggys Verschwinden ein lückenloses Alibi hatte. Doch jetzt ist alles ganz anders. Der Mann, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, legte nicht nur ein neues Geständnis ab ("Ja, ich habe Peggy umgebracht"), sondern verriet auch Einzelheiten. Ulv K., der das Mädchen mit bloßen Händen erwürgt haben will, schilderte in seiner Vernehmung ein entsetzliches Detail, das in dem Ort keiner glauben mag: "Mein Vater hat die Leiche beseitigt." Wo er das tote Mädchen versteckte, ist noch immer unklar. Der Vater schweigt. Die Beamten der Soko halten das Geständnis von Ulv K., der als Kind an einer Hirnhautentzündung erkrankte und seitdem den Verstand eines Kleinkindes besitzt, für glaubwürdig: "Wir haben keinen Zweifel daran, dass er die Wahrheit sagt." Ulvs Eltern hatten seit der Festnahme ihres Sohnes von einer Hetzjagd gegen einen Unschuldigen gesprochen. Seine Mutter sagte zu Reportern: "Wie hätte mein Sohn die Leiche so spurlos beseitigen sollen. Dazu war er geistig gar nicht in der Lage." Davon ging auch die Kripo aus - bis er jetzt seinen Vater mit in den Strudel des Verbrechens zog. Als Peggy am 7. Mai letzten Jahres auf dem Heimweg von der Schule verschwand, setzte eine beispiellose Suchaktion ein. Tornados der Bundeswehr stiegen mit Wärmebildkameras auf, Hundertschaften der Polizei durchkämmten die Wälder, Taucher suchten Weiher und Tümpel ab und Gräber auf dem Friedhof wurden geöffnet. Schließlich wurde die Fahndung auf das Nachbarland Tschechien ausgedehnt - und auf die Türkei. In Lichtenberg gab es keinen, der nicht irgendwie in das Visier der Ermittler geriet. Nicht einmal Susanne Knobloch, die Mutter, blieb davon verschont. Sie war es allerdings, die in den Tagen vor Peggys Verschwinden eine deutliche Wesensveränderung an ihrer Tochter feststellte: "Sie hat sich nicht mehr allein vor die Tür getraut." Seltsam. Vorher galt Peggy als ein überaus kontaktfreudiges Mädchen, das stundenlang im Dorf umherzog. Die Mutter: "Von der Kripo habe ich später erfahren, dass Ulv K. ausgesagt hat, Peggy vier Tage vor ihrem Verschwinden in seinem Zimmer vergewaltigt zu haben." Jetzt ist ihr klar, dass Peggy damals einfach Angst hatte. Angst vor ihrem "großen Freund", den sie ihr gegenüber niemals erwähnte, wohl aber ihrer Urgroßmutter davon erzählte. Der Polizei erzählte Ulv K., dass er aus Angst, Peggy würde die Tat verraten, sie auf dem Schulweg entführt und dann in einem Versteck erwürgt habe. Peggys Mutter ist von Lichtenberg in eine Nachbargemeinde gezogen. Dort wohnt sie allein mit ihrer zweiten Tochter Jasmin (4). Von ihrem türkischen Freund Ünal hatte sie sich unmittelbar nach Peggys Verschwinden getrennt.

Quelle: Hamburger Abendblatt
http://www.abendblatt.de/vermischtes/art...-gestanden.html

#11 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:33

Fall Peggy Ein Mord mit vielen Fragezeichen

22.10.2002 · Der Mörder der neunjährigen Peggy ist schon lange in Gewahrsam. Doch die Polizei glaubte an ein lückenloses Alibi. Hätte die Tat verhindert werden können?
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peggytäter_22 © dpa

Phantombild: Peggys mutmaßlicher Mörder

Es werden viele Fragezeichen bleiben hinter dem Verschwinden der kleinen Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg. Am Dienstag präsentierte die Sonderkommission in Hof den Tatverdächtigen, der den Mord an der seit dem 7. Mai 2001 vermissten Neunjährigen gestanden hat: ein 24-jähriger geistig Behinderter aus der unmittelbaren Nachbarschaft des Opfers. Damit ist der Fall aber noch längst nicht klar.

So will der Leitende Oberstaatsanwalt Ernst Tschanett Anklage gegen den Mann erheben, obwohl nicht ein einziges objektives Indiz für dessen Tatversion vorliegt. Tschanett spricht von einem „dringenden Tatverdacht“, der einen Prozess wegen Verdeckungsmordes rechtfertige. Einziges Problem: Der Mann hat sein Geständnis gegenüber einem psychiatrischen Gutachter widerrufen. Der Sachverständige glaubt dennoch an eine schlüssige Schilderung der Tat.

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Archiv: Initiative hilft Eltern vermisster Kinder

Arbeit der Soko in der Kritik

Unangenehme Fragen musste sich vor allem Soko-Chef Wolfgang Geier anhören: Der jetzt Beschuldigte war bereits kurz nach Peggys Verschwinden ins Visier der Ermittler geraten und saß seit September 2001 wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der psychiatrischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Kurz vor seiner Einweisung hatte er auch ein Sexualvergehen an Peggy Knobloch gestanden. An einen Zusammenhang mit dem Verschwinden des Kindes glaubte die Polizei zu der Zeit allerdings nicht. „Sein Alibi ist lückenlos“, hieß es noch im Januar.

Doch nachdem vom Bayerischen Innenministerium die zeitweise 75-köpfige Sonderkommission neu besetzt worden war, wurden doch Zweifel daran laut. Vor allem ein Zeuge wurde jetzt interessant: Er wollte den Beschuldigten am 7. Mai genau dort gesehen haben, wo auch Peggy zum letzten Mal auffiel - auf dem Lichtenberger Henri-Marteau-Platz, nur wenige Meter von Peggys Wohnhaus entfernt.

Minute für Minute rekonstruierte die Polizei danach, was wirklich geschehen sein könnte an jenem diesigen Mai-Tag. Peggy soll auf dem Nachhauseweg gewesen sein, als sie zwischen 13.14 Uhr und 13.20 Uhr mit dem 24-Jährigen zusammentraf. Aus Schreck, ihrem Peiniger zu begegnen, der sie erst vier Tage zuvor sexuell missbraucht haben soll, flüchtete das Kind ins unwegsame Waldgebiet unterhalb des Lichtenberger Burgberges. Erst am Treppenaufgang zum Plateau auf dem Burgberg, wo die Eltern des Tatverdächtigen ein Lokal gepachtet haben, soll der Mann sie dann zu fassen bekommen haben. „Sie hat geschrien, ihm gedroht, alles ihren Eltern zu sagen“, rekonstruierte Geier den Tatablauf: „Da hat er ihr Mund und Nase zugehalten, bis sie sich nicht mehr rührte.“ Danach soll er zu seinem Vater gelaufen sein, um ihn um Hilfe beim Beseitigen der Leiche zu bitten.

Half der Vater bei Beseitigung der Leiche?

„Der Vater war seine Bezugsperson, er war im Gegensatz zu seinem Sohn mobil - und am Burgberg haben wir trotz mehrfacher Suchaktionen keine Spuren mehr gefunden“, sagte Geier. Was für die These spreche, dass der mutmaßliche Mörder Hilfe gehabt haben muss. Zudem habe der Vater für den fraglichen Zeitraum kein Alibi. Der bereits mehrmals vernommene Vater bestreitet die Tat. Nicht nur deshalb sind die Ermittlungen mit der Überführung eines mutmaßlichen Täters noch lange nicht abgeschlossen.

20 nicht angezeigte Fälle von sexuellem Missbrauch von fünf- bis zehnjährigen Jungen und Mädchen zwischen 1996 und 2001 haben die Beamten zu Tage gebracht, bereits im Jahr 2000 hatte er sich wegen exhibitionistischer Handlungen selbst angezeigt. Warum gegen den Mann dennoch nicht ermittelt wurde, muss die Soko nicht zuletzt der Mutter von Peggy erklären. Die hatte schon im Januar in einem Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ gefragt: „Was wäre, wenn man ihn schon damals aus dem Verkehr gezogen hätte? Könnte Peggy dann noch bei uns sein?“

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/...45.html#Drucken

#12 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:42

31.10.02
"Mein Sohn war es nicht"

Im Fall Peggy brach der Vater des Mordverdächtigen Ulvi K. sein Schweigen. Immer neue Missbrauchsfälle.
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München. 18 Monate suchte die Polizei vergeblich nach Peggy Knobloch. Das blonde Mädchen mit den strahlend blauen Augen aus dem oberfränkischen Lichtenberg verschwand am 7. Mai 2001 spurlos.

Vor einer Woche das sensationelle Geständnis: "Ich war es. Ich habe Peggy umgebracht", sagte Ulvi K. (24), ein Nachbar. Der geistig Behinderte, der sich auf dem Entwicklungsstand eines Zehnjährigen befindet, hatte das Mädchen vier Tage zuvor vergewaltigt. Aus Angst, es könne ihrer Mutter etwas davon erzählen, habe er Peggy "Mund und Nase zugehalten, bis sie sich nicht mehr rührte". Sein Vater habe dann später die Leiche versteckt.

Doch der stritt alles ab. Gestern eine neue Überraschung. Vater Endal K. (56) brach erstmals sein Schweigen. "Mein Sohn war es nicht", ließ er über seinen Anwalt Wolfgang Schwemmer mitteilen. "Er hat mit dem Verschwinden von Peggy nichts zu tun. Es drängt sich der Eindruck auf, dass nach langer Ermittlungszeit unter erheblichem öffentlichen und politischen Druck ein Täter präsentiert werden soll und mein Sohn dafür herhalten muss."

Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. "Die Ermittlungen sind sehr stichhaltig", sagte der Hofer Kriposprecher Klaus Bernhardt. Außerdem kommen immer neue Verbrechen ans Tageslicht.

Peggys mutmaßlicher Mörder, der seit September 2001 in einer psychiatrischen Klinik sitzt, soll viel mehr Kinder sexuell missbraucht haben als bisher angenommen. Zusätzlich zu den elf bekannten Opfern habe er sich offenbar auch an drei Freundinnen von Peggy vergangen.

Die Mütter der Mädchen hatten sich erst jetzt bei der Kripo gemeldet. Nach eindringlichen Gesprächen mit ihren sieben bis acht Jahre alten Töchtern hätten diese berichtet, von Ulvi K. missbraucht worden zu sein. Anschließend soll der Gastwirtssohn sie davor gewarnt haben, mit jemandem über das Geschehene zu reden. Keines der Kinder habe es deshalb bisher gewagt, mit seinen Eltern darüber zu sprechen.

Soko-Chef Wolfgang Geier: "Wir hoffen, dass noch mehr Eltern den Mut finden, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir glauben, dass noch mehr Mädchen in dem Ort missbraucht wurden."

In Lichtenberg selbst herrscht eine gereizte Stimmung. "Insider-Informationen" werden hinter vorgehaltener Hand verbreitet. Ins Visier der Kritik gerät dabei immer mehr die Kirche. Der Name des früheren Pfarrers Rainer S. wird an oberster Stelle gehandelt. Er missbrauchte in den 80er-Jahren mehrere Kinder, ohne das eingeschritten wurde. Die Eltern schwiegen aus Scham - wie im Fall Ulvi K. Hatte der sich vielleicht sogar dem Pfarrer anvertraut?

Die Umtriebe des Geistlichen wurden erst öffentlich, als er sich auch an seiner neuen Pfarrstelle in Oberbayern an minderjährigen Kindern verging. Schon die beiden Vorgänger von Rainer S. hatten Probleme. Einer wurde strafversetzt, weil er mit mehreren Frauen in der Kleinstadt ein intimes Verhältnis unterhalten haben soll, der andere Geistliche wurde aus bis heute von der Kirchenverwaltung nicht genannten Gründen abberufen.

Was der Polizei immer noch fehlt, ist Peggys Leiche. In Lichtenberg glauben viele, dass sie beim Bau der Schützenhalle, die in der Nähe des Tatortes liegt, mit eingemauert wurde. Die Polizei: "Mehr als unwahrscheinlich. Das hätten wir herausgefunden."

Die Ermittler ziehen eine ganz andere Möglichkeit in Betracht. Die Leiche der Schülerin könnte in einem Container für Fleischabfälle gelandet sein, der längst entsorgt worden ist. Ulvis Vater Endal K. hätte als Pächter der "Schlossklause" entsprechende Möglichkeiten gehabt.

Hamburger Abendblatt
http://www.abendblatt.de/vermischtes/art...r-es-nicht.html

#13 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:44

Schwere Panne im Fall Ulvi Kulac
Der Anwalt des wegen Mordes Verurteilten beantragt Pflichtverteidigung in einem Wiederaufnahme-Verfahren. Doch das Gesuch bleibt gut sechs Monate verschollen.
Von Thomas Hanel

Ulvi Kulac wird nach der Urteilsverkündung in einem Gefangenentransporter ins Hofer Gefängnis gebracht.
Archiv Michael Euler



Bayreuth/Hof - Der mit Ungereimtheiten gespickte Fall des inzwischen 33 Jahre alten Ulvi Kulac aus Lichtenberg im Landkreis Hof ist um eine schwere juristische Nachlässigkeit angereichert worden: Ein Antrag des Rechtsanwalts Michael Euler aus Frankfurt am Main, der in einem Wiederaufnahmeverfahren als Pflichtverteidiger Kulacs bestellt werden möchte, war mehr als ein halbes Jahr lang verschwunden. Euler ist überzeugt, dass der wegen Mordes an der neunjährigen Peggy Knobloch verurteilte Mann zu Unrecht hinter Gittern sitzt.

Am 30. April 2004 hatte die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Hof den damals 26-Jährigen für schuldig befunden, die kleine Peggy am 7. Mai 2001 in Lichtenberg getötet zu haben, um sie nach einem vorangegangenen sexuellen Missbrauch für immer zum Schweigen zu bringen. So jedenfalls gestand er es in der Untersuchungshaft. Dann aber widerrief er, und seitdem beteuert er seine Unschuld. In dem Indizienprozess verurteilte ihn das Schwurgericht dennoch zu lebenslang. Obwohl die Leiche des Mädchens nie gefunden wurde, bestätigte der Bundesgerichtshof die Entscheidung der Kollegen aus Hof.

Kulac ist geistig behindert; deshalb ist er in der geschlossenen Abteilung des Bayreuther Bezirkskrankenhauses untergebracht. Euler ist der Anwalt seines Vertrauens. Beide, der Verurteilte wie der Jurist, wollen einen neuen Prozess erzwingen. Doch weder Kulac noch seine Familie haben das nötige Geld für die Verteidigung. So beantragte Euler am 15. November 2010 beim zuständigen Landgericht Bayreuth - dem sogenannten Wiederaufnahme-Gericht - , ihn zum Pflichtverteidiger eines neuen Verfahrens zu bestimmen. Und den würde die Staatskasse bezahlen.

Die Zeit verstrich. Als Euler auch vor ein paar Tagen noch keinerlei Bescheid aus Bayreuth erhalten hatte, rief er die dortige Landgerichts-Geschäftsstelle an, um zu erfahren, wie es um seinen Antrag steht. Was er zu hören bekam, machte ihn fassungslos. Der Anwalt berichtet unserer Zeitung: "Eine Bedienstete erzählte mir, dass sie mein Gesuch, das für das weitere Verfahren von entscheidender Bedeutung ist, versehentlich und unbearbeitet an die Staatsanwaltschaft Hof weitergereicht hat." In Hof wiederum habe ein Kollege "nichts von alldem gewusst" und ihm empfohlen, den Antrag neu zu stellen und an die Hofer Behörde zu richten. Das tat Euler unverzüglich.

Nach Auskunft des Hofer Oberstaatsanwalts Reiner Laib liegt das neue Gesuch bereits vor. "Noch in dieser Woche werden der Antrag und die umfangreichen Aktenkartons in Einzeltransporten nach Bayreuth zur Staatsanwaltschaft gebracht. Für uns wird der Fall damit erledigt sein." Wie Euler sagt, sind allein die 37 Bände der Hauptakten etwa 16 000 Seiten dick. Daneben gebe es rund hundert weitere Bände.

Der Präsident des Bayreuther Landgerichts, Manfred Werth, will von einer Panne nichts wissen, schon gleich nicht von "Mutmaßungen einer Verschwörungstheorie". Der Antrag des Frankfurter Anwalts sei nicht bei der zuständigen allgemeinen Strafkammer des Landgerichts Bayreuth eingegangen, sondern in der Strafvollstreckungskammer. Von da sei er dann nach Hof geleitet worden. "Da ist in einer Geschäftsstelle etwas dumm gelaufen", gibt Werth auf Anfrage zu. Sobald der neue Antrag in Bayreuth vorliege, werde sich der Vorsitzende der Strafkammer damit befassen und "eher zeitnah" entscheiden - "innerhalb von ein paar Monaten, das hängt vom Umfang der Akten ab".

Werth gibt zu bedenken, dass die Hürden für die Wiederaufnahme eines solchen Verfahrens hoch seien. "So häufig gibt es derartige Prozesse nicht. Schließlich soll ja gegen ein rechtmäßig ergangenes Urteil vorgegangen werden."

Ein "klassischer Grund"

Euler dagegen ist sich sicher, dass die Chancen auf einen erneuten Prozess gut stehen. "Erstens beruht das Urteil des Hofer Gerichts auf der vorsätzlichen Falschaussage eines Belastungszeugen. Allein das ist ein klassischer Grund, das Verfahren wieder aufzunehmen. Der Mann, ein Mitinsasse der Bayreuther Bezirksklinik, hatte ausgesagt, Kulac habe ihm gegenüber die Tat gestanden. Hinterher musste er zugeben, dass er gelogen hatte, weil Ermittlungsbeamte Druck auf ihn ausübten, indem sie ihm Vollzugs-Erleichterungen in Aussicht stellten." Zweitens sei das Glaubwürdigkeits-Gutachten zu diesem sogenannten Geständnis anfechtbar. Und drittens hätten Zeugen Peggy Knobloch noch nach dem angeblichen Tatzeitpunkt lebend gesehen. Anwalt Euler: "Ulvi Kulac ist kein Mörder."


27. November 2012, 14:42 Uhr Frankenpost Hof
http://www.frankenpost.de/regional/oberf...art2388,1665563

#14 RE: Presseartikel von 27.11.2012 14:53

18.07.2012

Verschwundenes Mädchen Fatale Lügen im Fall Peggy Knobloch

Von Conny Neumann
Der Fall Peggy Knobloch: "Sein Alibi ist lückenlos"
Fotos
DPA/ Polizei

Peggy Knobloch verschwand am helllichten Tag in einem Dorf in Franken, ein behinderter Mann wurde wegen Mordes verurteilt. Nun könnte sich der Fall als Justizirrtum entpuppen. Laut einer ARD-Dokumentation fußte die Anklage womöglich auf einer Falschaussage.
Info

München - Es gibt ein Grab auf dem Friedhof in Nordhalben, doch das Grab ist leer. Ein kleines Mädchen aus dem fränkischen Lichtenberg ist verschwunden, doch es gibt keine Leiche. Es gibt einen angeblichen Täter, doch es gibt keine Tatzeugen. Es gibt eine Verurteilung zu lebenslanger Haft, doch die Hauptaussage, die zu diesem Urteil führte, scheint gelogen.

Seit Peggy Knobloch am 7. Mai 2001 verschwand, fragen sich die Menschen in Lichtenberg, was wirklich geschah an diesem Nachmittag. Die Fragen verstummten nicht, als der geistig behinderte Ulvi K. wegen Mordes verurteilt wurde.

Nun gibt die Dokumentation "Mord ohne Leiche" des Bayerischen Fernsehens, die an diesem Mittwoch in der ARD gesendet wird, eine frappierende Antwort: Zumindest geschah wohl nicht das, was in den Akten der bayerischen Ermittler und im Urteil des Landgerichts Hof steht. Der Fall Peggy könnte nach elf Jahren zu einem Polizei- und Justizskandal werden.

Hundertschaften der Polizei, Spürhunde, Kriminalisten und Tornados der Bundeswehr suchten im Mai 2001 nach Peggy. Das Kind war nach der Schule wenige Meter vor seinem Elternhaus verschwunden. Man fand keine Faser, kein Haar, keinen Fußabdruck von ihr, auch nicht den Schulranzen - weder in Lichtenberg noch in den angrenzenden Wäldern.

Doch es gab Zeugen, die Peggy an diesem Tag noch gesehen hatten. Eine Schülerin, die gegen Mittag in einem Bus saß und das Kind beobachtete. Und zwei Jungen, die Peggy nach 15 Uhr vor der Bäckerei trafen. Sie sagten, das Mädchen sei dort in einen roten Mercedes mit tschechischem Kennzeichen gestiegen. Sie seien sich ganz sicher, sagten die Jungen der Polizei.

Die Spur des Autos verlor sich ebenso wie alle anderen Anhaltspunkte. Peggys Mutter lenkte den Verdacht auf den Nachbarsjungen Ulvi K. Der war damals 23 Jahre alt, er war geistig behindert, dick und schwerfällig und hatte den Verstand eines achtjährigen Kindes. Ulvi war das Gespött der Lichtenberger Kinder, er zog sich schon mal im Bushäuschen aus und spielte mit seinem Geschlechtsteil.

"Sein Alibi ist lückenlos"

Die Soko "Peggy" nahm Ulvi fest und brachte ihn in eine psychiatrische Klinik. Der Verdacht: Er habe das Mädchen umgebracht, um ein Sexualverbrechen zu vertuschen. Die Ermittlungen aber entlasteten Ulvi. Zuerst hatte er am Nachmittag einem Nachbarn Essen aus der Gaststätte seiner Eltern gebracht, danach war er bei einem Rentner zum Holzmachen. "Sein Alibi ist lückenlos", sagt Herbert Manhart, Leiter der Soko. Er wurde von dem Fall abgezogen.

Der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) setzte die Soko "Peggy II" ein. Die Fahndung hatte politische Brisanz bekommen. Es galt es als nicht hinnehmbar, dass ein Kind verschwindet, und die Tat nicht aufgeklärt werden kann.

Die Ermittler sollen den ebenfalls in der Klinik einsitzenden Betrüger Peter H. beauftragt haben, Ulvi auszuhorchen. "Sie sagten, wenn ich ihnen helfe, helfen sie mir auch. Dann gehen sie zum Staatsanwalt und versuchen, mich rauszuholen. Da habe ich das Spiel mitgemacht", sagt H. heute. Bald berichtete H. der Soko, Ulvi habe die Tat gestanden. Man begann den geistig Behinderten zu vernehmen, stundenlang, mehrfach ohne Anwalt. Die Beamten drohten mal mit Gefängnis, mal schenkten sie Ulvi Schokolade. Der stritt die Tat ab - auch als die Ermittler vorgetäuscht haben sollen, sie hätten Peggys Blut an seinem Overall gefunden.

Nach 40 Befragungen legte Ulvi ein Geständnis ab. Das zumindest steht in einem Gedächtnisprotokoll. Eine Tonbandaufnahme gibt es von der Aussage nicht. Es sei ausgerechnet in dem Moment kaputt gewesen, hieß es. Ulvi schilderte angeblich detailliert, wie er Peggy auf einem Pfad verfolgt habe. Sie sei gestolpert und habe sich ihr Knie an einem Stein aufgeschlagen. Er habe die Wunde versorgen wollen, Peggy habe geschrien, er habe ihr Mund und Nase zugedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte. Er habe die Leiche hinter eine Mauer getragen, sei dann zur Gaststätte gelaufen. Sein Vater habe das tote Kind mit dem Auto weggebracht.

Starke Zweifel an K.'s Geständnis

An der Version gab es starke Zweifel. Ulvi hätte nur etwa 30 Minuten gehabt. Im Auto der Familie K. fand sich keine Spur von Peggy. Die Suchtrupps schließlich hatten weder einen blutigen Stein noch Schleifspuren an der bezeichneten Stelle gesehen, die Spürhunde nicht angeschlagen.

Ulvi widerrief das Geständnis, doch er wurde angeklagt und verurteilt. In den Ermittlungsakten stand, die beiden Jungen aus Lichtenberg hätten ihre Aussage über den roten Mercedes zurückgezogen. Sie hätten Peggy doch nicht gesehen. Im Prozess bestätigte der Zeuge Peter H., Ulvi habe ihm die Tat gestanden.

H. gibt heute an, alles erfunden zu haben. "Ich hab halt gedacht, wenn die dich rausholen, dann kannst du ja ein bisschen lügen, ist ja wurscht." Eigentlich sei alles falsch gewesen, was er behauptet habe, auch vor Gericht. Beamte hätten ihm gesagt, "dass ich aussagen soll, er hat sie umgebracht, gedrosselt, bis sie tot war." Das behauptet H. in der ARD-Doku.

Mittlerweile sagen die beiden Jugendlichen, sie hätten das rote Auto mit Peggy doch gesehen. Das würden sie auch vor Gericht bestätigen. Auch die Tatzeit ist wohl nicht haltbar. In den Akten fand sich der Fahrtenschreiber des Busses, von dem aus eine Schülerin Peggy gesehen hatte. Die Auswertung ergab, dass er zehn Minuten später als von der Polizei angegeben den Marktplatz passierte. Das aber würde die Zeit, die Ulvi für die Tat gehabt hätte, so weit einschränken, dass er als Täter nicht mehr in Frage käme.

Für Anwalt Michael Euler reichen die neuen Erkenntnisse, um beim Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen. Die zuständige Staatsanwaltschaft wollte sich zu den neuen Aussagen der Zeugen nicht äußern.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fa...k-a-845042.html

#15 RE: Presseartikel von 01.12.2012 19:04

Ein Pressebericht aus 2001


20.05.01
Angst um Peggy

Das kleine Mädchen aus Lichtenberg ist weiterhin spurlos verschwunden. Jetzt sollen Aussagen von Sexualstraftätern bei der Suche nach der Neunjährigen helfen Von Jörg Völkerling

Einen ungewöhnlichen Weg geht die Polizei bei der Fahndung nach der seit 13 Tagen vermissten Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg. So genannte "Profiler" des Münchner Kommissariats für Operative Fallanalysen versuchen nun, anhand von Aussagen verurteilter Sexualstraftäter die Tat zu rekonstruieren. Sie analysieren die Vernehmungsprotokolle.

Bis gestern gingen fast 700 Hinweise bei der Polizeidirektion in Hof ein. Doch eine heiße Spur ist noch immer nicht dabei. Eine junge Mutter aus der Nachbarschaft der neunjährigen Peggy will jedoch in den Tagen vor dem Verschwinden des Mädchens einen weißen, tschechischen Wagen beobachtet haben, der auf dem Markt auf und ab fuhr. Das Kennzeichen sei ihr bekannt, sagte die Zeugin gegenüber WELT am SONNTAG.

Auch ein weiterer Vorfall, der sich vor einigen Wochen in Lichtenberg ereignet hat, beschäftigt die Polizei: Damals war der Versuch eines Unbekannten gescheitert, ein Kind in seinen Wagen zu zerren. Es hatte laut um Hilfe geschrien, war aber von einem Zeugen nicht ernst genommen worden.

Als gesichertste Spur bezeichnete Hofs Polizeisprecher Klaus Bernhardt gestern den roten, zweitürigen Mercedes mit tschechischem Kennzeichen, den zwei Schulkameraden Peggys unabhängig voneinander beschrieben haben. Die 60-köpfige Soko sucht über das Kraftfahrtbundesamt gezielt nach Haltern entsprechender Coupés beziehungsweise Cabrios. Ermittelt werde außerdem im Kinderstrich-Milieu im tschechischen Eger.

Dort sucht auch Mario-Peter Schwenk, Peggys Vater. Vor sechs Jahren hat er seine Tochter zum letzten Mal gesehen. Damals trennte er sich von seiner Lebensgefährtin Susanne. Sie ging nach Halle, fand einen neuen Partner, ihre Spur verlor sich. "Ich wollte Peggy die Chance geben, sich an einen neuen Mann zu gewöhnen, den sie Papa nennen kann", sagt der 33-Jährige. In diesen Tagen wollte er wieder Kontakt zu seinem Kind aufnehmen -"um ihr zu erklären, wie es zur Trennung kam".

Zu spät: Nun steht Mario-Peter Schwenk im tschechischen Eger, nur 50 Kilometer von Lichtenberg entfernt. Er hat den Fahndungsaufruf übersetzen lassen, verteilt ihn an Lkw-Fahrer. Der berüchtigte Kinderstrich - für Peggys Vater ein schreckliche Vorstellung: "Es ist schlimm genug, dass über ihrem Foto ?Vermisst' steht. Solche Bilder gehören eigentlich ins Familienalbum", so der Bühnenarbeiter aus Nürnberg.

Schwenk nimmt Anti-Depressiva, Betreuung hat er keine. "Habe ich etwas falsch gemacht, dass ich mich so lange nicht meldete?", fragt er sich. Gestern Abend ging er zum Gebet für Peggy in die Lichtenberger Johanniskirche. Er ist optimistischer als die Polizei: "Je mehr Zeit ohne Indizien für ein Verbrechen vergeht, desto sicherer bin ich, dass Peggy noch lebt."

http://www.welt.de/print-wams/article612...t-um-Peggy.html

#16 RE: Presseartikel von 01.12.2012 19:18

Vermisste Peggy Eine Stadt und ihr Mörder

Von Conny Neumann

Vor vier Jahren verschwand die kleine Peggy Knobloch spurlos. Ein Gericht verurteilte den geistig zurückgebliebenen Ulvi K. wegen Mordes an der Neunjährigen zu lebenslanger Haft. Doch in Lichtenberg glauben viele an seine Unschuld - und ermitteln jetzt auf eigene Faust.
Info

(Aus dem SPIEGEL-Archiv: Artikel vom 26.03.2005)

Wo ist das Mädchen?", fragt Hans Denzler, amtierender Bürgermeister in der nordbayerischen Stadt Lichtenberg. "Das ist für mich die alles entscheidende Frage: Wo ist sie geblieben? Wo ist die Leiche? Oder lebt sie am Ende noch?"

Vermisste Peggy Knobloch: Suche im Teich
DPA

Vermisste Peggy Knobloch: Suche im Teich
Es ist nicht so, dass Denzler diese Frage gern laut ausspricht. Er möchte am liebsten nicht reden über das Verbrechen, das am 7. Mai 2001 das Leben in dem 1200-Einwohner-Ort verändert hat. Das Verschwinden der kleinen Peggy Knobloch, damals neun Jahre alt, irgendwo zwischen Schule und Elternhaus am Marktplatz. Ein hübsches, blondes und vorwitziges Kind, plötzlich weg, samt seinem Schulranzen, fort von einem bis dahin friedlichen Fleckchen Erde. Fort von einem Ort, der seither nicht mehr zur Ruhe kommt.

Der entsetzlich litt unter dem Medienrummel nach der Entführung. Weil sich für Kamerateams und Boulevardblätter die Stadt als wahre Gruselkulisse präsentierte: hoch über dem Höllental gelegen, umgeben von einsamen Weihern, düsteren Wäldern und alten Bergwerksstollen. Oben auf dem Schlossplatz über der "Hölle" ein finsterer Dornröschen-Turm, Reste der einstigen Festung. Enge Straßen, verwinkelte Häuser und Trampelpfade zwischen den Gärten. Das ganze Verbrechen ein Mysterium wie aus einem Dürrenmatt-Plot.

Denzler redet lieber über das Vereinsleben in Lichtenberg. Wo die Menschen unglaublich engagiert sind im Sport, bei Festen, in der Nachbarschaftshilfe. Wo fast jeder ehrenamtlich anpackt, und mögen noch so viele Jobs wegbrechen in der abgelegenen Stadt nordwestlich von Hof. "Wir kämpfen hier", sagt Denzler, "wir Lichtenberger halten zusammen."

Jetzt kämpfen sie wieder, vielleicht mehr denn je, führen einen grotesken Kampf für den verurteilten Mörder von Peggy, für einen der Ihren, den debilen Gastwirtssohn Ulvi K., Intelligenzquotient unter 70.

Ulvi K., 27, hat ein Geständnis abgelegt. Monate nach der Tat, nach endlosen Verhören bei der Polizei, als sein Verteidiger längst weg war. Als er wieder in die Psychiatrie zurück sollte, weil die Ermittlungen ans Licht brachten, dass Ulvi Schüler sexuell belästigt hatte, dass er die Hosen runterließ im Bushäuschen, onanierte und zur Lachnummer der Kinder wurde.

Da erzählte der wuchtig gebaute junge Mann, er habe Peggy aufgelauert unterhalb des Marktplatzes, wollte sie warnen, damit sie ihn nicht verriet. Weil er sie ein paar Tage zuvor sexuell missbraucht hatte. Da sei die Peggy losgerannt, einen einsamen, schmalen Weg zwischen Schrebergärten hindurch, rüber zum Wald am steilen Schlossberg. Sei gestolpert, habe sich das Knie aufgeschlagen, sei weitergerannt und habe geschrien, dass sie ihn verraten würde, als er sie unter der Schlossmauer einholte. Er habe ihr Mund und Nase zugedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte, habe dann erst mal eine geraucht.

Dann war Ruhe. Für die Polizei, die auf der Suche nach dem Kind schon eine Soko verschlissen hatte und unter ungeheurem Erfolgsdruck stand. Und für Ulvi, den geistig Zurückgebliebenen, der die Verhöre nicht mehr ertragen mochte.

Doch Ulvi K. widerrief das Geständnis. Das Gericht verurteilte ihn im April 2004 dennoch wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil er laut Gutachten solche Geschichten nicht erfinden könne und weil er ein Motiv hatte. Was der Justiz fehlte, waren Beweise und eine Leiche.

Kein Haar, keine Faser, keinen Blutstropfen gab es von Peggy, weder im Wald noch auf Ulvis Klamotten.

Verurteilter Ulvi K.: Dünne Beweise
DDP

Verurteilter Ulvi K.: Dünne Beweise
Beweise und das Kind, beides wollen die Lichtenberger nun selbst finden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) Ende Februar das Urteil gegen Ulvi bestätigte. Der Richterspruch brachte neues Leben in die Bürgerinitiative (BI) in Lichtenberg, die, sagt Sprecher Norbert Rank, vor allem ein Ziel hat: "Die Wahrheit muss her." Und die Wahrheit bedeutet für die Gruppe von rund zwei Dutzend Aktiven, darunter selbst Peggys Großeltern, dass es der Ulvi nicht gewesen sein kann. Der Ulvi, ein tapsiger Bär, der niemandem etwas zuleide tut.

Gegründet wurde die Pro-Ulvi-Initiative von Gudrun Rödel. Die Frau lebt in Münchberg, gut 30 Kilometer von Lichtenberg entfernt - doch der Fall geht ihr nah: Auch sie hat ein geistig behindertes Kind. Sie nahm Kontakt auf zu Ulvis Mutter Elsa K., die BI wurde gegründet.

Rank, 40, Finanzbeamter und Jugendleiter beim TSV Lichtenberg, müsste der Fall Peggy eigentlich nicht kümmern, doch auch er macht mit im Kampf um Ulvi. Denn zwei Tage nach dem Verschwinden der Kleinen hatte er eine auffällige Begegnung: Im Nachbarort gabelte er im strömenden Regen ein Brüderpaar aus Lichtenberg auf, morgens kurz nach 9 Uhr. Der jüngere, sagt Rank, hätte in die Schule gehört, der große zur Arbeit. Der sei übrigens sehr verstört gewesen. Rank grübelte lange, was die beiden wohl dort zu suchen hatten, meldete die Sache aber erst später bei der Soko Peggy.

Die Jungen indes schilderten die Begegnung ganz anders. Es sei Abend gewesen, sie hätten ein Fitnessstudio besucht. Seinen Angaben, sagt Rank, hätten die Beamten danach kaum mehr Gewicht beigemessen. Damals begann der Familienvater, die Zeugenaussagen im Fall Peggy zu sammeln.

Die Angaben der Schulkinder, die Peggy am 7. Mai auf dem Heimweg begleiteten und Ulvi K., der angeblich gewartet haben soll, gar nicht sahen; der Freunde, die das Mädchen noch am Nachmittag, als es längst tot gewesen sein müsste, auf der Straße getroffen haben wollen; eines Jugendlichen, der versicherte, er habe Peggy mit einem Roller mit blauen Rädern noch am Abend des 7. Mai aus dem Ort hinausfahren sehen.

Von Kindern, die von einem fremden Auto berichteten, das den Marktplatz abgefahren sei. Von Spaziergängern, die am 8. Mai eine südländische Frau mit einem blonden Mädchen zwischen den abgelegenen Gärten antrafen. Von einem Rentner, der aussagte, Ulvi habe bei ihm zwei Stunden Holz aufgeschichtet, just zu der Zeit, zu der er Peggy verfolgt haben müsste.

Berichte von einem Mitarbeiter der Stadt, der mit der Polizei am Tag des Verschwindens den Schlossberg abschritt und am vermeintlichen Tatort weder Tritt- noch Schleifspuren sah, erschienen den Lichtenbergern merkwürdig; Polizeihunde, die an dieser Stelle keine Witterung aufnahmen. Ein Stein, an dem sich Peggy das Knie gestoßen haben soll und der bei der Ortsbegehung durch das Gericht plötzlich verschwunden war. Die Andeutung des ehemaligen Soko-Leiters Herbert Manhart vor Journalisten, er habe zu dem Fall seine eigene Meinung, aber die sage er nicht.

Und schließlich der Roller, der nochmals wichtig wurde. Denn die Beamten hatten die Aussage des Jugendlichen verworfen, weil Peggys Roller zu Hause im Flur stand und silberne Räder hat. Doch dann kehrte eine Lichtenberger Familie aus dem Urlaub zurück und fand einen fremden Kinderroller mit blauen Rädern vor ihrer Türe abgestellt. Der Vater meldete den Fund bei Polizei und Stadtverwaltung, nach einem Jahr Verwahrungsfrist erhielt er das Spielzeug zurück, es schien für die Ermittlung nicht von Bedeutung. "Das ist ein Skandal", sagt Rank, und offenbar teilen diese Sicht viele in der kleinen Stadt. Sie fühlen sich von der Polizei nicht ernst genommen, ihre Aussagen erscheinen wertlos, weil sie alle als parteiisch gelten.

"Große Teile der Bevölkerung sind der Meinung, dass es der Ulvi nicht gewesen ist", sagt Bürgermeister Denzler; freilich, Beweise habe man auch nicht, aber die Leute seien irgendwie beleidigt, "weil man ihre Zeugenaussagen nicht glauben will". Beleidigt fühlen sich die Bürger auch durch Äußerungen der Bundesfamilienministerin. Renate Schmidt hatte sich in der Talkshow bei Johannes B. Kerner über "eine Mauer des Schweigens" erregt, die die Lichtenberger aufbauten, um Ulvi K. zu beschützen.

Die Stadtspitze protestierte umgehend, und Schmidt versprach, sich in Lichtenberg den Argumenten zu stellen. "Gekommen", sagt Rank, "ist sie bis heute nicht."

Momentan sind Politiker für die Mitglieder der Ulvi-Fraktion in Lichtenberg auch nicht wichtig. Mit Spenden haben sie zunächst die Revision beim BGH ermöglicht, jetzt machen sie sich selbst auf die Suche. Angespornt von der zornigen Bemerkung eines Schuljungen, der im Streit plötzlich gerufen haben soll, er wisse ganz genau, wo die Peggy sei, die sei mit einem Mann mit schwarzen Hosen weggegangen, und jetzt liege sie in einem Loch, wo mal Wasser ist und mal keins.

Den Träger der schwarzen Hosen glauben die Sympathisanten der Bürgerinitiative genau zu kennen, einen jungen Mann, um den die Peggy "herumgehüpft ist wie ein junger Hund" und den sie wohl gemeint habe, wenn sie zu Hause von ihrem geheimnisvollen "großen Freund" erzählte. Die Polizei freilich überprüfte auch diese Spur - vergebens.

Da ließ die BI einen Bagger anrollen und grub im Wald hinter dem Badesee, wo sich im Winter in großen Erdkuhlen Teiche bilden, die im Sommer austrocknen. Doch gefunden hat man wieder nichts.

"Wir werden sie finden", sagt Rank, "das glaube ich ganz fest. Und dann wird es neue Spuren geben." Momentan konzentrieren sich die Nachforschungen der Lichtenberger auf die Türkei, die Heimat des damaligen Lebensgefährten von Peggys Mutter. Der wurde nach dem Verschwinden der Kleinen von der Polizei belauscht, als er eine Bekannte am Telefon fragte, was ihm wohl passieren könne, wenn er ein Mädchen in die Türkei entführe.

Der Mann hat ein lückenloses Alibi und ist für die Ermittler deshalb nicht mehr verdächtig. Doch es gibt eine geheimnisvolle E-Mail aus einem Internet-Café an der türkischen Südküste, in der behauptet wird, Peggy werde dort in einem Bergdorf versteckt. Spuren genug, denen die bayerischen Privatfahnder noch nachgehen müssen. Vorsorglich haben sie einen Zwickauer Rechtsanwalt mit einer Verfassungsbeschwerde beauftragt.

Hilfe, sagt Rank, brauche man bei der Suche nach Peggy von niemandem. Auch nicht von dem Münchner Detektiv, der bereits in Lichtenberg aufgetaucht ist und Tipps geben wollte. "Der weiß ja lang nicht so viel wie wir, nein, das machen wir lieber allein."

http://www.spiegel.de/jahreschronik/a-389270.html

#17 RE: Presseartikel von 01.12.2012 19:58

Eine Aufstellung Spiegel online:

Der Fall Peggy K.

Alle Artikel und Hintergründe:

18.07.2012

Verschwundenes Mädchen Fatale Lügen im Fall Peggy Knobloch

Von Conny Neumann
Der Fall Peggy Knobloch: "Sein Alibi ist lückenlos"
Fotos
DPA/ Polizei

Peggy Knobloch verschwand am helllichten Tag in einem Dorf in Franken, ein behinderter Mann wurde wegen Mordes verurteilt. Nun könnte sich der Fall als Justizirrtum entpuppen. Laut einer ARD-Dokumentation fußte die Anklage womöglich auf einer Falschaussage.
Info

München - Es gibt ein Grab auf dem Friedhof in Nordhalben, doch das Grab ist leer. Ein kleines Mädchen aus dem fränkischen Lichtenberg ist verschwunden, doch es gibt keine Leiche. Es gibt einen angeblichen Täter, doch es gibt keine Tatzeugen. Es gibt eine Verurteilung zu lebenslanger Haft, doch die Hauptaussage, die zu diesem Urteil führte, scheint gelogen.

Seit Peggy Knobloch am 7. Mai 2001 verschwand, fragen sich die Menschen in Lichtenberg, was wirklich geschah an diesem Nachmittag. Die Fragen verstummten nicht, als der geistig behinderte Ulvi K. wegen Mordes verurteilt wurde.

Nun gibt die Dokumentation "Mord ohne Leiche" des Bayerischen Fernsehens, die an diesem Mittwoch in der ARD gesendet wird, eine frappierende Antwort: Zumindest geschah wohl nicht das, was in den Akten der bayerischen Ermittler und im Urteil des Landgerichts Hof steht. Der Fall Peggy könnte nach elf Jahren zu einem Polizei- und Justizskandal werden.

Hundertschaften der Polizei, Spürhunde, Kriminalisten und Tornados der Bundeswehr suchten im Mai 2001 nach Peggy. Das Kind war nach der Schule wenige Meter vor seinem Elternhaus verschwunden. Man fand keine Faser, kein Haar, keinen Fußabdruck von ihr, auch nicht den Schulranzen - weder in Lichtenberg noch in den angrenzenden Wäldern.

Doch es gab Zeugen, die Peggy an diesem Tag noch gesehen hatten. Eine Schülerin, die gegen Mittag in einem Bus saß und das Kind beobachtete. Und zwei Jungen, die Peggy nach 15 Uhr vor der Bäckerei trafen. Sie sagten, das Mädchen sei dort in einen roten Mercedes mit tschechischem Kennzeichen gestiegen. Sie seien sich ganz sicher, sagten die Jungen der Polizei.

Die Spur des Autos verlor sich ebenso wie alle anderen Anhaltspunkte. Peggys Mutter lenkte den Verdacht auf den Nachbarsjungen Ulvi K. Der war damals 23 Jahre alt, er war geistig behindert, dick und schwerfällig und hatte den Verstand eines achtjährigen Kindes. Ulvi war das Gespött der Lichtenberger Kinder, er zog sich schon mal im Bushäuschen aus und spielte mit seinem Geschlechtsteil.

"Sein Alibi ist lückenlos"

Die Soko "Peggy" nahm Ulvi fest und brachte ihn in eine psychiatrische Klinik. Der Verdacht: Er habe das Mädchen umgebracht, um ein Sexualverbrechen zu vertuschen. Die Ermittlungen aber entlasteten Ulvi. Zuerst hatte er am Nachmittag einem Nachbarn Essen aus der Gaststätte seiner Eltern gebracht, danach war er bei einem Rentner zum Holzmachen. "Sein Alibi ist lückenlos", sagt Herbert Manhart, Leiter der Soko. Er wurde von dem Fall abgezogen.

Der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) setzte die Soko "Peggy II" ein. Die Fahndung hatte politische Brisanz bekommen. Es galt es als nicht hinnehmbar, dass ein Kind verschwindet, und die Tat nicht aufgeklärt werden kann.

Die Ermittler sollen den ebenfalls in der Klinik einsitzenden Betrüger Peter H. beauftragt haben, Ulvi auszuhorchen. "Sie sagten, wenn ich ihnen helfe, helfen sie mir auch. Dann gehen sie zum Staatsanwalt und versuchen, mich rauszuholen. Da habe ich das Spiel mitgemacht", sagt H. heute. Bald berichtete H. der Soko, Ulvi habe die Tat gestanden. Man begann den geistig Behinderten zu vernehmen, stundenlang, mehrfach ohne Anwalt. Die Beamten drohten mal mit Gefängnis, mal schenkten sie Ulvi Schokolade. Der stritt die Tat ab - auch als die Ermittler vorgetäuscht haben sollen, sie hätten Peggys Blut an seinem Overall gefunden.

Nach 40 Befragungen legte Ulvi ein Geständnis ab. Das zumindest steht in einem Gedächtnisprotokoll. Eine Tonbandaufnahme gibt es von der Aussage nicht. Es sei ausgerechnet in dem Moment kaputt gewesen, hieß es. Ulvi schilderte angeblich detailliert, wie er Peggy auf einem Pfad verfolgt habe. Sie sei gestolpert und habe sich ihr Knie an einem Stein aufgeschlagen. Er habe die Wunde versorgen wollen, Peggy habe geschrien, er habe ihr Mund und Nase zugedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte. Er habe die Leiche hinter eine Mauer getragen, sei dann zur Gaststätte gelaufen. Sein Vater habe das tote Kind mit dem Auto weggebracht.

Starke Zweifel an K.'s Geständnis

An der Version gab es starke Zweifel. Ulvi hätte nur etwa 30 Minuten gehabt. Im Auto der Familie K. fand sich keine Spur von Peggy. Die Suchtrupps schließlich hatten weder einen blutigen Stein noch Schleifspuren an der bezeichneten Stelle gesehen, die Spürhunde nicht angeschlagen.

Ulvi widerrief das Geständnis, doch er wurde angeklagt und verurteilt. In den Ermittlungsakten stand, die beiden Jungen aus Lichtenberg hätten ihre Aussage über den roten Mercedes zurückgezogen. Sie hätten Peggy doch nicht gesehen. Im Prozess bestätigte der Zeuge Peter H., Ulvi habe ihm die Tat gestanden.

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H. gibt heute an, alles erfunden zu haben. "Ich hab halt gedacht, wenn die dich rausholen, dann kannst du ja ein bisschen lügen, ist ja wurscht." Eigentlich sei alles falsch gewesen, was er behauptet habe, auch vor Gericht. Beamte hätten ihm gesagt, "dass ich aussagen soll, er hat sie umgebracht, gedrosselt, bis sie tot war." Das behauptet H. in der ARD-Doku.

Mittlerweile sagen die beiden Jugendlichen, sie hätten das rote Auto mit Peggy doch gesehen. Das würden sie auch vor Gericht bestätigen. Auch die Tatzeit ist wohl nicht haltbar. In den Akten fand sich der Fahrtenschreiber des Busses, von dem aus eine Schülerin Peggy gesehen hatte. Die Auswertung ergab, dass er zehn Minuten später als von der Polizei angegeben den Marktplatz passierte. Das aber würde die Zeit, die Ulvi für die Tat gehabt hätte, so weit einschränken, dass er als Täter nicht mehr in Frage käme.

Für Anwalt Michael Euler reichen die neuen Erkenntnisse, um beim Landgericht Bayreuth die Wiederaufnahme des Verfahrens zu beantragen. Die zuständige Staatsanwaltschaft wollte sich zu den neuen Aussagen der Zeugen nicht äußern.

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16.07.2012


VERBRECHEN
Lüge des Kronzeugen

Der Fall der verschwundenen Peggy Knobloch aus dem fränkischen Lichtenberg könnte sich zum Justiz- und Polizeiskandal ausweiten. 2001 war die damals neun Jahre alte Peggy auf dem Heimweg von der Schule spurlos verschwunden, ihre Leiche wurde nie entdeckt. Der geistig behinderte Ulvi Kulac wurde 2004 wegen Mordes verurteilt - sein Anwalt und eine Bürgerinitiative bemühen sich seit langem um eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Kulac die Tat womöglich nicht begangen hat. Über die Ergebnisse der Recherchen zeigt die ARD am Mittwochabend eine Dokumentation. Darin sagt der Kronzeuge Peter H., er habe seine belastende Aussage erfunden, weil man ihm die Freiheit versprochen habe. Ermittler der Soko "Peggy" hätten ihn als Informanten geworben, als er Patient in der Psychiatrie war, in die Kulac 2001 eingewiesen wurde.

Zwei weitere Zeugen korrigierten ihre Angaben und sagten, sie hätten Peggy am Tattag nach 15 Uhr in einen roten Mercedes steigen sehen. Laut Polizei war Peggy zu dieser Zeit längst tot. Die beiden Jugendlichen hatten dies kurz nach Peggys Verschwinden bei der Polizei gemeldet, ihre Aussage aber zurückgezogen. Sie hätten das aus Angst vor der Polizei getan, bestätigten sie nun Kulacs Anwalt Michael Euler. Zudem fanden Mitglieder der Bürgerinitiative in den Ermittlungsakten den Fahrtenschreiber eines Schulbusses. Eine darin sitzende Schülerin will Peggy auf dem Heimweg gesehen haben. Die Polizei hatte die Ankunftszeit des Busses früher angegeben, als der Fahrtenschreiber ausweist. Damit kann der bislang vom Gericht festgestellte Tathergang wohl nicht stimmen. Kulac hätte für die Tat dann nicht mehr genug Zeit gehabt.

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02.04.2012

Verschwundenes Mädchen Im Zweifel gegen Ulvi

Von Julia Jüttner, Münchberg
Der Fall Peggy Knobloch: "Der Dorfdepp soll es gewesen sein"
Fotos

Ulvi K. ist geistig behindert - und sitzt seit acht Jahren in Haft. Er soll im Mai 2001 im fränkischen Lichtenberg die neunjährige Peggy Knobloch getötet haben. Ihre Leiche wurde nie gefunden, ein Anwalt will den Fall neu aufrollen. Ist der 35-Jährige in Wahrheit unschuldig?

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Mehr auf SPIEGEL ONLINE

Fotostrecke: Der Fall Peggy Knobloch
Kriminalfall "Peggy" wird neu aufgerollt (07.08.2011)
Mordfall Peggy: Rätselhafte SMS (11.02.2006)
Vermisste Peggy: Eine Stadt und ihr Mörder
Verbrechen: Eine Stadt und ihr Mörder
Peggy-Mordprozess: Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt (30.04.2004)
Chronologie: Der mysteriöse Fall Peggy (30.04.2004)
Peggy-Prozess: Nebenklage fordert lebenslange Haft für Ulvi K. (26.04.2004)
Mordfall Peggy: Ankläger fordern lebenslange Haft (16.04.2004)
Verteidigung im Mordfall Peggy: Geständnis nur durch Trick erreicht (15.03.2004)
Mord-Prozess Peggy: Angeklagter voll aussagefähig (03.02.2004)
Peggy-Prozess: Geständnis soll erzwungen worden sein (22.10.2003)
Ortstermin: Tod in der "Schloßklause
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08.08.2011


JUSTIZ I
Eingeschüchterte Zeugen?

Der Fall der seit 2001 spurlos verschwundenen Peggy Knobloch aus Lichtenberg in Oberfranken könnte schon bald neu aufgerollt werden. Überraschend hat das Landgericht Bayreuth nun dem wegen Mordes verurteilten Ulvi K. den Frankfurter Rechtsanwalt Michael Euler als Pflichtverteidiger für ein Wiederaufnahmeverfahren beigeordnet. Strafrechtler werten dies als Indiz dafür, dass das Gericht hinreichende Erfolgsaussichten für eine Wiederaufnahme sieht. Euler strebt in Bayreuth eine neue Verhandlung des Mordfalls an. Die damals neunjährige Peggy war im Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Seither fehlt jede Spur von dem Kind. Das Landgericht Hof verurteilte 2004 den geistig zurückgebliebenen Ulvi K. aus der Nachbarschaft Peggys wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe. K. hatte nach stundenlangen Polizeiverhören ein Geständnis abgelegt, dies aber kurz danach widerrufen. Dennoch kam das Gericht zu dem Schluss, K. habe einen sexuellen Missbrauch des Mädchens vertuschen wollen. Eine Leiche wurde nie gefunden. Nach Peggys Verschwinden hatte es viele widersprüchliche Zeugenaussagen gegeben. Etliche Zeugen äußerten sich nun erneut. Sie behaupten heute, sie seien von den Ermittlern enttäuscht gewesen und hätten auch aus Angst keine weiteren Angaben gemacht. Ein Zeuge erklärte schon 2004, Ermittler hätten nach seinem Eindruck versucht, suggestiv auf ihn einzuwirken.

DER SPIEGEL 32/2011
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11.02.2006

Mordfall Peggy Rätselhafte SMS

Im spektakulären Mordfall an der neunjährigen Peggy sind Details der Ermittlungen bekannt geworden, die für eine Wiederaufnahme des Verfahrens sprechen könnten. Eine Bürgerinitiative setzt sich dafür schon seit Jahren ein.
Info

Die damals neunjährige Peggy Knobloch war im Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden, drei Jahre später wurde nach langwierigen Ermittlungen der geistig behinderte Ulvi K. wegen Mordes an dem Mädchen verurteilt. Der 28-jährige K. bestreitet die Tat jedoch, Peggys Leiche wurde bislang nicht gefunden. Eine Bürgerinitiative, die von der Unschuld des Verurteilten überzeugt ist, fühlt sich nun durch Vermerke in den Ermittlungsakten bestärkt.

Bislang nicht gefunden: Neunjährige Peggy Knobloch
DPA

Bislang nicht gefunden: Neunjährige Peggy Knobloch
So registrierte die Polizei im Juni 2001, genau einen Monat nach dem angeblichen Mord, eine SMS von einem Handy, dessen Eigentümer in Peggys persönlichem Umfeld lebte. "Ich habe meine Mama schon lange nicht mehr gesehen", so die Nachricht an eine Bekannte der Familie. Die Ermittler nahmen seinerzeit an, dass Peggy Zugang zu dem Mobiltelefon hatte, kamen aber mit dieser Spur nicht weiter.

Mysteriös erscheinen auch Flecken auf einem T-Shirt, das Peggy kurz vor ihrem Verschwinden trug. Eine hohe Zahl von Spuren sprechen laut kriminaltechnischer Untersuchung "für einen intensiven Kontakt" mit dem Handy-Eigentümer und gelangten auf das T-Shirt, wie es in den Akten heißt, "in angezogenem Zustand". Der Handy-Inhaber versichert, nie mit diesen Erkenntnissen konfrontiert worden zu sein; er könne sich die Aktenvermerke nicht erklären. Die Staatsanwaltschaft Hof konnte bislang aus Termingründen keine Auskunft zu den Spuren geben.

Der geistig behinderte Ulvi K. hatte Monate nach Peggys Verschwinden nach der Tat ein Geständnis abgelegt. Er habe sie erstickt, damit sie nicht verrate, dass er sie sexuell missbraucht habe. Ulvi K. widerrief das Geständnis. Das Gericht verurteilte ihn im April 2004 dennoch wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil er laut Gutachten solche Geschichten nicht erfinden könne und weil er ein Motiv hatte. Was der Justiz fehlte, waren Beweise und eine Leiche.

Daraufhin hatte sich eine Bürgerinitiative für Ulvi K. formiert, der unter anderem Peggys Großeltern angehören. Die zwei Dutzend Lichtenberger wollen nun selbst Peggys Leiche finden und den Mörder überführen.

Conny Neumann

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26.03.2005


VERBRECHEN
Eine Stadt und ihr Mörder

Von Neumann, Conny

Vier Jahre nach der Tat wollen die Bürger von Lichtenberg Ulvi K. entlasten, der die verschwundene Peggy umgebracht haben soll. Akribisch sammeln sie Indizien gegen die Erkenntnisse der Polizei.

Wo ist das Mädchen?", fragt Hans Denzler, amtierender Bürgermeister in der nordbayerischen Stadt Lichtenberg. "Das ist für mich die alles entscheidende Frage: Wo ist sie geblieben? Wo ist die Leiche? Oder lebt sie am Ende noch?"

Es ist nicht so, dass Denzler diese Frage gern laut ausspricht. Er möchte am liebsten nicht reden über das Verbrechen, das am 7. Mai 2001 das Leben in dem 1200-Einwohner-Ort verändert hat. Das Verschwinden der kleinen Peggy Knobloch, damals neun Jahre alt, irgendwo zwischen Schule und Elternhaus am Marktplatz. Ein hübsches, blondes und vorwitziges Kind, plötzlich weg, samt seinem Schulranzen, fort von einem bis dahin friedlichen Fleckchen Erde. Fort von einem Ort, der seither nicht mehr zur Ruhe kommt.

Der entsetzlich litt unter dem Medienrummel nach der Entführung. Weil sich für Kamerateams und Boulevardblätter die Stadt als wahre Gruselkulisse präsentierte: hoch über dem Höllental gelegen, umgeben von einsamen Weihern, düsteren Wäldern und alten Bergwerksstollen. Oben auf dem Schlossplatz über der "Hölle" ein finsterer Dornröschen-Turm, Reste der einstigen Festung. Enge Straßen, verwinkelte Häuser und Trampelpfade zwischen den Gärten. Das ganze Verbrechen ein Mysterium wie aus einem Dürrenmatt-Plot.

Denzler redet lieber über das Vereinsleben in Lichtenberg. Wo die Menschen unglaublich engagiert sind im Sport, bei Festen, in der Nachbarschaftshilfe. Wo fast jeder ehrenamtlich anpackt, und mögen noch so viele Jobs wegbrechen in der abgelegenen Stadt nordwestlich von Hof. "Wir kämpfen hier", sagt Denzler, "wir Lichtenberger halten zusammen."

Jetzt kämpfen sie wieder, vielleicht mehr denn je, führen einen grotesken Kampf für den verurteilten Mörder von Peggy, für einen der Ihren, den debilen Gastwirtssohn Ulvi K., Intelligenzquotient unter 70.

Ulvi K., 27, hat ein Geständnis abgelegt. Monate nach der Tat, nach endlosen Verhören bei der Polizei, als sein Verteidiger längst weg war. Als er wieder in die Psychiatrie zurück sollte, weil die Ermittlungen ans Licht brachten, dass Ulvi Schüler sexuell belästigt hatte, dass er die Hosen runterließ im Bushäuschen, onanierte und zur Lachnummer der Kinder wurde.

Da erzählte der wuchtig gebaute junge Mann, er habe Peggy aufgelauert unterhalb des Marktplatzes, wollte sie warnen, damit sie ihn nicht verriet. Weil er sie ein paar Tage zuvor sexuell missbraucht hatte. Da sei die Peggy losgerannt, einen einsamen, schmalen Weg zwischen Schrebergärten hindurch, rüber zum Wald am steilen Schlossberg. Sei gestolpert, habe sich das Knie aufgeschlagen, sei weitergerannt und habe geschrien, dass sie ihn verraten würde, als er sie unter der Schlossmauer einholte. Er habe ihr Mund und Nase zugedrückt, bis sie sich nicht mehr rührte, habe dann erst mal eine geraucht.

Dann war Ruhe. Für die Polizei, die auf der Suche nach dem Kind schon eine Soko verschlissen hatte und unter ungeheurem Erfolgsdruck stand. Und für Ulvi, den geistig Zurückgebliebenen, der die Verhöre nicht mehr ertragen mochte.

Doch Ulvi K. widerrief das Geständnis. Das Gericht verurteilte ihn im April 2004 dennoch wegen Mordes zu lebenslanger Haft, weil er laut Gutachten solche Geschichten nicht erfinden könne und weil er ein Motiv hatte. Was der Justiz fehlte, waren Beweise und eine Leiche.

Kein Haar, keine Faser, keinen Blutstropfen gab es von Peggy, weder im Wald noch auf Ulvis Klamotten.

Beweise und das Kind, beides wollen die Lichtenberger nun selbst finden, nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) Ende Februar das Urteil gegen Ulvi bestätigte. Der Richterspruch brachte neues Leben in die Bürgerinitiative (BI) in Lichtenberg, die, sagt Sprecher Norbert Rank, vor allem ein Ziel hat: "Die Wahrheit muss her." Und die Wahrheit bedeutet für die Gruppe von rund zwei Dutzend Aktiven, darunter selbst Peggys Großeltern, dass es der Ulvi nicht gewesen sein kann. Der Ulvi, ein tapsiger Bär, der niemandem etwas zuleide tut.

Gegründet wurde die Pro-Ulvi-Initiative von Gudrun Rödel. Die

Frau lebt in Münchberg, gut 30 Kilometer von Lichtenberg entfernt - doch der Fall geht ihr nah: Auch sie hat ein geistig behindertes Kind. Sie nahm Kontakt auf zu Ulvis Mutter Elsa K., die BI wurde gegründet.

Rank, 40, Finanzbeamter und Jugendleiter beim TSV Lichtenberg, müsste der Fall Peggy eigentlich nicht kümmern, doch auch er macht mit im Kampf um Ulvi. Denn zwei Tage nach dem Verschwinden der Kleinen hatte er eine auffällige Begegnung: Im Nachbarort gabelte er im strömenden Regen ein Brüderpaar aus Lichtenberg auf, morgens kurz nach 9 Uhr. Der jüngere, sagt Rank, hätte in die Schule gehört, der große zur Arbeit. Der sei übrigens sehr verstört gewesen. Rank grübelte lange, was die beiden wohl dort zu suchen hatten, meldete die Sache aber erst später bei der Soko Peggy.

Die Jungen indes schilderten die Begegnung ganz anders. Es sei Abend gewesen, sie hätten ein Fitnessstudio besucht. Seinen Angaben, sagt Rank, hätten die Beamten danach kaum mehr Gewicht beigemessen. Damals begann der Familienvater, die Zeugenaussagen im Fall Peggy zu sammeln.

Die Angaben der Schulkinder, die Peggy am 7. Mai auf dem Heimweg begleiteten und Ulvi K., der angeblich gewartet haben soll, gar nicht sahen; der Freunde, die das Mädchen noch am Nachmittag, als es längst tot gewesen sein müsste, auf der Straße getroffen haben wollen; eines Jugendlichen, der versicherte, er habe Peggy mit einem Roller mit blauen Rädern noch am Abend des 7. Mai aus dem Ort hinausfahren sehen.

Von Kindern, die von einem fremden Auto berichteten, das den Marktplatz abgefahren sei. Von Spaziergängern, die am 8. Mai eine südländische Frau mit einem blonden Mädchen zwischen den abgelegenen Gärten antrafen. Von einem Rentner, der aussagte, Ulvi habe bei ihm zwei Stunden Holz aufgeschichtet, just zu der Zeit, zu der er Peggy verfolgt haben müsste.

Berichte von einem Mitarbeiter der Stadt, der mit der Polizei am Tag des Verschwindens den Schlossberg abschritt und am vermeintlichen Tatort weder Tritt- noch Schleifspuren sah, erschienen den Lichtenbergern merkwürdig; Polizeihunde, die an dieser Stelle keine Witterung aufnahmen. Ein Stein, an dem sich Peggy das Knie gestoßen haben soll und der bei der Ortsbegehung durch das Gericht plötzlich verschwunden war. Die Andeutung des ehemaligen Soko-Leiters Herbert Manhart vor Journalisten, er habe zu dem Fall seine eigene Meinung, aber die sage er nicht.

Und schließlich der Roller, der nochmals wichtig wurde. Denn die Beamten hatten die Aussage des Jugendlichen verworfen, weil Peggys Roller zu Hause im Flur stand und silberne Räder hat. Doch dann kehrte eine Lichtenberger Familie aus dem Urlaub zurück und fand einen fremden Kinderroller mit blauen Rädern vor ihrer Türe abgestellt. Der Vater meldete den Fund bei Polizei und Stadtverwaltung, nach einem Jahr Verwahrungsfrist erhielt er das Spielzeug zurück, es schien für die Ermittlung nicht von Bedeutung. "Das ist ein Skandal", sagt Rank, und offenbar teilen diese Sicht viele in der kleinen Stadt. Sie fühlen sich von der Polizei nicht ernst genommen, ihre Aussagen erscheinen wertlos, weil sie alle als parteiisch gelten.

"Große Teile der Bevölkerung sind der Meinung, dass es der Ulvi nicht gewesen ist", sagt Bürgermeister Denzler; freilich, Beweise habe man auch nicht, aber die Leute seien irgendwie beleidigt, "weil man ihre Zeugenaussagen nicht glauben will". Beleidigt fühlen sich die Bürger auch durch Äußerungen der Bundesfamilienministerin. Renate Schmidt hatte sich in der Talkshow bei Johannes B. Kerner über "eine Mauer des Schweigens" erregt, die die Lichtenberger aufbauten, um Ulvi K. zu beschützen.

Die Stadtspitze protestierte umgehend, und Schmidt versprach, sich in Lichtenberg den Argumenten zu stellen. "Gekommen", sagt Rank, "ist sie bis heute nicht."

Momentan sind Politiker für die Mitglieder der Ulvi-Fraktion in Lichtenberg auch nicht wichtig. Mit Spenden haben sie zunächst die Revision beim BGH ermöglicht, jetzt machen sie sich selbst auf die Suche. Angespornt von der zornigen Bemerkung eines Schuljungen, der im Streit plötzlich gerufen haben soll, er wisse ganz genau, wo die Peggy sei, die sei mit einem Mann mit schwarzen Hosen weggegangen, und jetzt liege sie in einem Loch, wo mal Wasser ist und mal keins.

Den Träger der schwarzen Hosen glauben die Sympathisanten der Bürgerinitiative genau zu kennen, einen jungen Mann, um den die Peggy "herumgehüpft ist wie ein junger Hund" und den sie wohl gemeint habe, wenn sie zu Hause von ihrem geheimnisvollen "großen Freund" erzählte. Die Polizei freilich überprüfte auch diese Spur - vergebens.

Da ließ die BI einen Bagger anrollen und grub im Wald hinter dem Badesee, wo sich im Winter in großen Erdkuhlen Teiche bilden, die im Sommer austrocknen. Doch gefunden hat man wieder nichts.

"Wir werden sie finden", sagt Rank, "das glaube ich ganz fest. Und dann wird es neue Spuren geben." Momentan konzentrieren sich die Nachforschungen der Lichtenberger auf die Türkei, die Heimat des damaligen Lebensgefährten von Peggys Mutter. Der wurde nach dem Verschwinden der Kleinen von der Polizei belauscht, als er eine Bekannte am Telefon fragte, was ihm wohl passieren könne, wenn er ein Mädchen in die Türkei entführe.

Der Mann hat ein lückenloses Alibi und ist für die Ermittler deshalb nicht mehr verdächtig. Doch es gibt eine geheimnisvolle E-Mail aus einem Internet-Café an der türkischen Südküste, in der behauptet wird, Peggy werde dort in einem Bergdorf versteckt. Spuren genug, denen die bayerischen Privatfahnder noch nachgehen müssen. Vorsorglich haben sie einen Zwickauer Rechtsanwalt mit einer Verfassungsbeschwerde beauftragt.

Hilfe, sagt Rank, brauche man bei der Suche nach Peggy von niemandem. Auch nicht von dem Münchner Detektiv, der bereits in Lichtenberg aufgetaucht ist und Tipps geben wollte. "Der weiß ja lang nicht so viel wie wir, nein, das machen wir lieber allein." CONNY NEUMANN

DER SPIEGEL 13/2005

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03.05.2004


URTEIL
Ulvi K.

Ulvi K. , 26, ist vom Landgericht Hof wegen Mordes an der neunjährigen Peggy zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er soll das Kind am 7. Mai 2001 aus Angst vor Entdeckung von sexuellem Missbrauch erstickt haben. Das Gericht ordnete seine Unterbringung in der Psychiatrie an. K. hatte nach falschen Vorhalten der Kripo gestanden - kein Grund für das Gericht, das später widerrufene Geständnis des geistig Behinderten nicht zu verwerten. Bis heute wurde keine Leiche gefunden.

DER SPIEGEL 19/2004

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30.04.2004

Chronologie Der mysteriöse Fall Peggy

Seit drei Jahren ist Peggy Knobloch aus Lichtenberg spurlos verschwunden. Sie soll ermordet worden sein, aber ihre Leiche hat die Polizei nie gefunden - trotz intensiver Suche. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Chronologie der Ereignisse.
Info


Peggy Knobloch: Die Neunjährige verschwand im Mai 2001
DPA

Peggy Knobloch: Die Neunjährige verschwand im Mai 2001
7. Mai 2001:

Peggy wird auf dem Heimweg von der Schule zum letzten Mal gesehen. Ihre Mutter gibt am Abend eine Vermisstenanzeige auf.

Kurz nach dem Verschwinden: Es gibt Hinweise, dass der türkische Stiefvater das Mädchen in die Türkei verschleppt hat. Die Suche wird schließlich nach mehreren Monaten erfolglos abgebrochen. Im September 2001 erklärt die Kripo, es gebe nur ganz vage Hinweise, die aber keine Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen enthielten.

Mai 2001: Wochenlange Suchaktionen der Polizei bleiben ohne Erfolg. Die Fahnder setzen unter anderem Tornados der Bundeswehr ein.

August 2001: Der 23 Jahre alte Gastwirtssohn Ulvi K. wird festgenommen. Er gesteht, Peggy und drei weitere Kindern sexuell missbraucht zu haben. Für den mutmaßlichen Zeitpunkt des Mordes an Peggy hat der geistig zurückgebliebene Mann ein Alibi.

22. Oktober 2002: Die Behörden präsentieren den mittlerweile 24-Jährigen als mutmaßlichen Mörder der verschwundenen Schülerin.

28. Februar 2003: Die Staatsanwaltschaft in Hof erhebt Anklage gegen Ulvi K.: Der Klage lautet auf Mord.

7. Oktober 2003: Der Prozess vor dem Landgericht Hof beginnt.

Monatelang suchen Hundertschaften nach dem Kind - ohne Erfolg
DPA

Monatelang suchen Hundertschaften nach dem Kind - ohne Erfolg
28. Oktober 2003: Nach fünf von 16 geplanten Verhandlungstagen platzt der Prozess - die Strafkammer war nicht richtig besetzt.

11. November 2003: Das Verfahren beginnt erneut.

14. April 2004: Ein Zeuge, der behauptet hatte, er habe Peggy in einem Bordell im tschechischen Cheb gesehen, erscheint nicht zu seiner geplanten Vernehmung vor dem Landgericht Hof.

16. April 2004: Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrem Plädoyer eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Staatsanwalt Gerhard Heindl betont, wiederholte Aussagen von Zeugen, das Mädchen befinde sich in der Türkei, hätten sich nach Nachforschungen als haltlos erwiesen. Der Vertreter der Nebenklage schließt sich am 26. April der Strafmaßforderung der Staatsanwaltschaft an.

28. April 2004: Die Verteidigung plädiert auf Freispruch. "Dieser Angeklagte soll den perfekten Mord begangen haben? Ich kann das nicht glauben", sagt sein Verteidiger.

30. April 2004: Das Landgericht Hof verurteilt den Angeklagten zu einer lebenslangen Haftstrafe und Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt.

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0.04.2004

Peggy-Mordprozess Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt

Das Hofer Landgericht hat den geistig zurückgebliebenen Ulvi K. im Prozess um die Ermordung der neunjährigen Peggy zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht ordnete zugleich die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.
Info


Ulvi K. im Gerichtssaal: Lebenslange Haft und Unterbringung in der Psychiatrie
DDP

Ulvi K. im Gerichtssaal: Lebenslange Haft und Unterbringung in der Psychiatrie

Hof - Der 26-jährige Hilfskellner hat nach Überzeugung des Gerichts vor rund drei Jahren die damals neunjährige Peggy Knobloch aus dem oberfränkischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule ermordet. Der Vorsitzende Richter Georg Hornig sagte, der 26-Jährige werde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, weil die Gefahr bestehe, dass er weitere Taten begehe.

"Die Kammer ist überzeugt, dass er die Tat begangen hat", sagte der Vorsitzende Richter in seiner mehr als einstündigen Urteilsbegründung. K. habe Peggy erwürgt, weil er Angst gehabt habe, sie könne eine vorangegangene Vergewaltigung verraten. Erst habe er sich entschuldigen wollen. Als Peggy aber von ihm davon gelaufen sei, habe er den Entschluss gefasst, das Mädchen zu töten, sagte Hornig.

Als besonders überzeugend wertete das Gericht die plastische Schilderung des Angeklagten von dem mutmaßlichen Geschehen am 7. Mai 2001. Ulvi K. habe beschrieben, wie Peggy über einen Stein gestolpert sei, wie er sie an einem Treppenabsatz einholte, mit welcher Hand er ihr den Mund zuhielt. "Der Stein gehört zum Kerngeschehen gar nicht dazu, die Erfindung solcher Details ist sehr unwahrscheinlich", sagte Hornig.

Der Verteidiger habe vergeblich versucht, den Angeklagten als Märchenerzähler darzustellen, der sich regelmäßig Geschichten ausdenke. Der Richter stufte das Geständnis des Angeklagten, das er später widerrufen hatte, trotzdem als glaubwürdig ein. Es sei rechtmäßig zu Stande gekommen. Gegen die Vernehmungsmethoden der Polizei sei nichts einzuwenden gewesen.

Von der Leiche des Kindes fehlt bis heute jede Spur. In dem auf Indizien gestützten Prozess hatte die Verteidigung auf Freispruch plädiert - es gebe keine Beweise, keine Zeugen und keine Leiche.

Der Angeklagte hatte in der Hauptverhandlung ausgesagt, er habe das Geständnis nur abgelegt, weil er "seine Ruhe haben" wollte. Das sei aber nur eine Schutzbehauptung. Der Richter betonte: "Der Angeklagte hatte das passende Motiv."

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8.04.2004

Peggy-Prozess Ein geistig Behinderter und ein perfekter Mord

Im Mordprozess um die seit drei Jahren verschollene Peggy hat die Verteidigung des Angeklagten einen Freispruch gefordert. Dass der geistig Behinderte die Tat gestanden habe, sei kein Beweis für seine Schuld. In Lichtenberg sei Ulvi K. für seine Phantasiegeschichten bekannt.
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Ulvi K.: Der perfekte Mord?
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Ulvi K.: Der perfekte Mord?

Hof - "Es gibt erhebliche Zweifel, dass der Angeklagte Ulvi K. die Tat begangen hat", sagte Rechtsanwalt Wolfgang Schwemmer heute vor dem Landgericht Hof. Sein Mandant soll das Kind ermordet haben, um so einen Missbrauch zu vertuschen, so die Theorie der Staatsanwaltschaft. Trotz intensivster Suche gebe es weder eine einzige Spur, noch sei ein Leichnam gefunden worden, sagte Schwemmer. Jedes Jahr verschwinden nach Schätzungen des Bundeskriminalamts rund 900 Kinder spurlos. "Dieser Angeklagte soll den perfekten Mord begangen haben? Ich kann das nicht glauben", sagte der Verteidiger.

Auch das Geständis - das Uli K. ablegte, dann aber widerrief - sei wertlos: Der Angeklagte, dessen Verstand laut Gutachten an Schwachsinn grenzt, sei für sein Fabulieren und seine Phantasiegeschichten in Lichtenberg bekannt, sagte der Anwalt: "In der Ortschaft glaubt ihm niemand."

Zudem beruhe das Geständnis "auf Täuschung und der Ausnutzung der Abwesenheit des Verteidigers". Der geistig Behinderte habe gar nicht verstanden, was bei der Vernehmung mit ihm geschehe. Er habe einfach erzählt, was die Ermittler hören wollten. Zudem habe die Polizei den Angeklagten nachweislich fehlerhaft über seine Rechte belehrt, weshalb die Aussagen rechtlich nicht verwertbar seien.

Die Staatsanwaltschaft hat zuvor eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes gefordert. Das Urteil soll am Freitag fallen.

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26.04.2004

Peggy-Prozess Nebenklage fordert lebenslange Haft für Ulvi K.

Im Verfahren um den mutmaßlichen Mord an der seit drei Jahren verschwundenen Peggy Knobloch forderte heute auch der Anwalt der Mutter eine lebenslange Haftstrafe für den geistig behinderten Hilfskellner Ulvi K.
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Der mutmaßliche Mörder: Ulvi K. soll Peggy vor rund drei Jahren erstickt haben
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Der mutmaßliche Mörder: Ulvi K. soll Peggy vor rund drei Jahren erstickt haben

Hof/Saale - "Er hat den Mord begangen und ist dafür zu bestrafen", plädierte Rechtsanwalt Udo Freier heute vor dem Landgericht Hof. Damit schloss er sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

Mit Blick auf den Angeklagten Ulvi K. fragte Freier: "Wissen Sie eigentlich, welchen Leidensweg sie meiner Mandantin auferlegt haben? Ihr Leidensweg ist auch am Freitag nach der Urteilsverkündung nicht zu Ende." Noch immer könne sie nicht richtig trauern, da von Peggys Leiche jede Spur fehlt.

Ulvi K. hatte in einer früheren Vernehmung bestätigt, dass sein Vater die Leiche beseitigt habe, das Geständnis dann aber widerrufen. Dennoch halten die Ankläger diese Aussage für glaubwürdig. Es könne nur "reales Empfinden" gewesen sein, das Ulvi K. in seinem Geständnis schilderte.

Zugegeben hat der Angeklagte bisher den zwölffachen sexuellen Missbrauch von Kindern und den dreifachen Versuch. Rechtsanwältin Karola Böhm, die zwei von den missbrauchten Kindern vertritt, wirft in Bezug auf diese Taten den Ermittlern Versäumnisse vor. Der 26-Jährige hatte sich bereits ein Jahr vor der mutmaßlichen Tat selbst angezeigt, wurde aber wegen Schuldunfähigkeit wieder laufen gelassen.

Auch den Eltern von Ulvi K. machte Böhm schwere Vorwürfe. Sie hätten dem Treiben ihres Sohnes tatenlos zugesehen.

Anwalt Freier übte zusätzlich harte Kritik an der Bevölkerung Lichtenbergs und bezichtigte die Einwohner der "Gefühlskälte". Hätten sie die zahlreichen Missbrauchsfälle rechtzeitig angezeigt, so wäre der Mord an Peggy vielleicht zu verhindern gewesen, sagte Freier.

Ulvi K. wird verdächtigt die damals neunjährige Peggy am 7. Mai 2001 erstickt zu haben, um eine vorangegangene Vergewaltigung zu vertuschen.

Das Urteil soll am Freitag, den 30. April verkündet werden.

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14.04.2004

Aussage Zeuge will Peggy im Kinderbordell gesehen haben

Am Anfang schien der Fall völlig klar: Ulvi K., der geistig behinderte Gastwirtssohn, hatte die neunjährige Peggy erdrosselt, um einen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. Der 26-Jährige hatte nach langen Verhören gestanden. Doch jetzt mehren sich die Zweifel an der Version des Staatsanwaltes.
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Vermisste Peggy: Prostituierte im tschechischen Bordell?
DPA

Vermisste Peggy: Prostituierte im tschechischen Bordell?

Hof - Die Anklage ist sich nach wie vor sicher: Der geistig behinderte Ulvi K. hat Peggy am 7. Mai 2001 abgefangen, um mit ihr über den vorhergehenden Missbrauch zu sprechen und sie davon zu überzeugen, ihn nicht an seine Eltern zu verraten. Doch Peggy habe geschrien und sei weggelaufen. Dann habe K. Panik bekommen und das Mädchen erstickt.

Mehrere Zeugenaussagen indes sprechen gegen diese Variante, die das Verschwinden Peggys zu erklären sucht. So hat ein Zeuge gegenüber dem Gericht behauptet, die dann Zwölfjährige sei ihm Anfang 2004 in einem Bordell im tschechischen Cheb für 50 Euro angeboten worden. Der wohnsitzlose Mann erschien aber nicht zu seiner heute geplanten Vernehmung vor dem Landgericht Hof .

Auch ein Nachbarjunge aus Peggys Heimatdorf Lichtenberg will das Mädchen nach dem angeblichen Todeszeitpunkt gesehen haben - sie sei ihm gegen 16 Uhr in einer Bäckerei begegnet. Die Staatsanwaltschaft aber geht davon aus, dass Peggy zwischen 13.15 und 13.30 Uhr getötet wurde.

Ulvi K. hatte die Tat erst nach langen Verhören gestanden, seine Verteidiger sagen: nur unter Druck. Die ermittelnden Beamten hätten dem geistig Zurückgebliebenen gedroht und ihm Versprechungen gemacht. So soll einer der Polizisten dem Mordverdächtigen erzählt haben, er müsse nicht ins Gefängnis, wenn er den Mord gestehe. K. gestand - widerrief seine Aussage aber kurz darauf wieder.

Angeklagter Ulvi K.: Tat gestanden, dann widerrufen
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Angeklagter Ulvi K.: Tat gestanden, dann widerrufen

So bleiben die Zweifel. Trotzdem hat das Landgericht heute die Beweisaufnahme abgeschlossen, auch die Verteidiger erklärten, sie wollten den Prozess nicht durch neue Beweisanträge verzögern. Die Anwälte von Ulvi K. kritisierten jedoch, dass Ermittlungen über eine mögliche Entführung Peggys nur oberflächlich durchgeführt worden seien. Erst am Dienstag hatte ein Kriminalbeamter ausgesagt, in den vergangenen Monaten hätten sich Hinweise verdichtet, dass das Mädchen in die Türkei verschleppt worden sein könnte. Vor Ort hätten die deutschen Polizisten aber keine Anhaltspunkte finden können.

Das Gericht wird deshalb wohl am 30. April zu einem Urteil kommen. Peggys Mutter hofft drei Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter, "dass bis zum Ende des Prozesses noch rauskommt, wo sie ist". Die Leiche des Mädchens konnte bis heute nicht gefunden werden.

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15.03.2004

Verteidigung im Mordfall Peggy Geständnis nur durch Trick erreicht

Der Fall Peggy bleibt mysteriös: ein Mordprozess ohne Leiche, Zeugen, die das Mädchen lebend gesehen haben wollen, und ein Geständnis, das zurückgezogen wurde. Heute warf die Verteidigung der Polizei vor, sie habe den Angeklagten nur durch einen Trick dazu gebracht, den Mord zu gestehen.
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Peggy Knobloch: Seit drei Jahren verschwunden
DPA

Peggy Knobloch: Seit drei Jahren verschwunden

Hof - Lebt sie oder lebt sie nicht? Ist sie in der Türkei oder ist sie es nicht? Was ist wirklich am 7. Mai 2001 geschehen, an dem Tag, an dem Peggy verschwand?

Viele Fragen und kaum Antworten - der Prozess um die seit rund drei Jahren verschwundene Peggy Knobloch zieht sich hin. Auch die nun ins Verfahren eingebrachten abgehörten Telefongespräche des mutmaßlichen Täters, des geistig zurückgebliebenen Ulvi K., 26, und seiner Familie brachten nur wenig Licht ins Dunkel.

Dass die Leiche noch immer nicht gefunden wurde, erschwert die Suche nach der Wahrheit. Angeblich hat Ulvi K. die damals Neunjährige mit bloßen Händen erstickt, um eine vorangegangene Vergewaltigung zu vertuschen. Dann habe ihm sein Vater beim Beseitigen der Leiche geholfen. So lautete das Geständnis des mutmaßlichen Täters, das er aber mittlerweile widerrufen hat. Seine Begründung: "Ich wollte einfach meine Ruhe."

Heute warfen die Anwälte des Angeklagten der Polizei vor, sie hätten den Angeklagten mit einem Täuschungsmanöver zu einem Geständnis bewogen. Beamte hätten dem Gastwirtssohn eröffnet, man habe Blutspuren an seiner blauen Arbeitsjacke entdeckt. Das bestätigten heute übereinstimmend zwei Polizisten. Tatsächlich habe der Gerichtsmediziner aber nur vom Verdacht von Blutanhaftungen gesprochen.

Allerdings belastet auch die Aussage eines Kripo-Beamten den Angeklagten. Während der vermutlich letzten Tage von Peggy hatte Ulvi K. einer Therapeutin des Bezirkskrankenhauses Bayreuth erzählt, dass das Mädchen ihn am 3. Mai 2001 zum Sex aufgefordert habe. Sie sei immer "am freizügigsten gewesen" und wäre auch schon von ihrem Stiefvater und von seinem Vater missbraucht worden. "Sie war das gewöhnt", soll der mutmaßliche Täter gegenüber der Angestellten behauptet haben, so der Beamte.

Die Verteidigung hofft nun, dass die Spur, die in die Türkei führt, neue Erkenntnisse bringt. Demnach könnte Peggy von Angehörigen ihres türkischen Stiefvaters an den Bosporus entführt worden sein. Dafür spricht, dass der damalige Lebensgefährte von Peggys Mutter kein wasserdichtes Alibi hat. Ein Zeuge will das Mädchen außerdem im vergangenen November an der südtürkischen Küste gesehen haben. Eine Überprüfung der Passagierlisten von deutschen Flügen in die Türkei steht noch aus.

Peggys Mutter, 31, hat das Warten aufgegeben. "Ich habe gehofft, dass er redet", sagt sie über den Nachbarn. Ulvi K. hat jedoch nur die sexuellen Übergriffe auf Kinder zugegeben. "Wichtig ist, dass er weg ist und kleinen Kindern kein Leid mehr zufügen kann", sagt Susanne Knobloch.

Das Urteil wird für Ende April erwartet.
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20.02.2004

Mordprozess Zeuge will Peggy in der Türkei gesehen haben

Im Fall Peggy scheint eine überraschende Wende möglich: Ein Zeuge will das Kind erst vor wenigen Monaten gesehen haben. Das Mädchen wird seit knapp drei Jahren vermisst, ein geistig behinderter Mann soll es im Mai 2001 ermordet haben.
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Vermisste Peggy: Angeblich in der Türkei gesehen worden
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Vermisste Peggy: Angeblich in der Türkei gesehen worden

Hof - Der Zeuge will die vermisste Peggy erst im November in der Türkei gesehen haben. Der Mann habe sich wegen der Medienberichterstattung in den vergangenen Wochen bei den Behörden gemeldet, teilte das Landgericht Hof heute mit. Nun soll der Zeuge am 5. März in dem Mordprozess aussagen.

Keine Klarheit über Peggys Schicksal brachten andere Zeugenvernehmung am 17. Prozesstag. Zwei Lichtenberger gaben an, Peggy am 7. Mai 2001 gegen 13.15 Uhr mit ihrem Schulranzen auf dem Heimweg von der Schule gesehen zu haben. Angaben, wonach Peggy noch fünf Tage später in Pforzheim gesehen worden sein soll, erhärteten sich dagegen nicht: Die Schwägerin des damaligen Lebensgefährten von Peggys Mutter, die das Kind nach einer Zeugenaussage begleitet haben soll, bestritt dies. Sie sei niemals in Pforzheim gewesen, vielmehr habe sie an diesem Tag in einem Friseursalon gearbeitet.

Angeklagter Ulvi K.: Geständnis widerrufen
REUTERS

Angeklagter Ulvi K.: Geständnis widerrufen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem geistig behinderten Bauernsohn Ulvi K. vor, er habe Peggy im Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule getötet. Laut Anklage wollte er mit der Tat einen vier Tage zurückliegenden sexuellen Missbrauch an der Neunjährigen verdecken. K. hatte ein zunächst abgelegtes Geständnis später widerrufen.

Bereits kurz nach dem Verschwinden von Peggy hatte es Hinweise gegeben, dass der türkische Stiefvater das Mädchen in die Türkei verschleppt habe. Die Suche war aber nach mehreren Monaten erfolglos abgebrochen worden. Im September 2001 hatte die Kripo erklärt, es gebe nur ganz vage Hinweise, die aber keine Anhaltspunkte für weitere Ermittlungen enthielten.
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Weitere Artikel:

Mord-Prozess Peggy: Angeklagter voll aussagefähig
SPIEGEL ONLINE - 03.02.2004

Im Peggy-Prozess widersprachen psychiatrische Gutachter heute der gestrigen Aussage eines Arztes, nach der der Angeklagte mit einem Intelligenzqotienten von 85 bis 90 recht intelligent sei. Der IQ von Ulvi K. liege zwar niedriger als zuvor dargestellt - dennoch sei er voll aussagefähig. mehr...
Prozess im Mordfall Peggy: Familie des Angeklagten schweigt
SPIEGEL ONLINE - 02.02.2004

Im Prozess um die Ermordung der neunjährigen Peggy verweigern die Eltern und die Halbschwester des Angeklagten ihre Aussage. Die Mutter des Beschuldigten hatte ihrem Sohn in einer vorherigen Vernehmung ein Alibi verschafft, will nun aber keine Angaben mehr zu dem Fall machen. Damit ist wieder vieles offen. mehr...
Peggy-Prozess: Staatsanwalt und Verteidiger streiten über Geständnis
SPIEGEL ONLINE - 25.11.2003

Im Prozess um den Mord an der neunjährigen Peggy haben sich Staatsanwalt Heindl und die Verteidiger des Angeklagten Ulvi K. heftig gestritten. Grund: Die Verteidigung glaubt, das Geständnis ihres Mandanten sei unter Druck zu Stande gekommen. mehr...
Peggy-Mord-Prozess: Ich hatte ein blödes Gefühl
SPIEGEL ONLINE - 14.11.2003

Im Mordprozess um die neunjährige Peggy hat die Mutter des verschwundenen Mädchens den Angeklagten belastet. Sie habe ihrer Tochter den Kontakt zu dem geistig Behinderten verboten. In den Tagen vor ihrem Verschwinden sei das Kind verändert gewesen. mehr...
Peggy-Prozess: Angeklagter soll öffentlich zum Mordvorwurf aussagen
SPIEGEL ONLINE - 12.11.2003

Ulvi K., dem die Staatswanwaltschaft Hof den Mord an der neunjährigen Peggy zur Last legt, soll öffentlich zum Mordvorwurf befragt werden. Die Befragung über den mehrfachen sexuellen Missbrauch an Kindern findet dagegen hinter verschlossenen Türen statt. mehr...
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Quelle: http://www.spiegel.de/thema/der_fall_peg...erarchiv-2.html

#18 RE: Presseartikel von 02.12.2012 19:55

8. August 2012 11:45 Fall Peggy Zweifel? Dieses Gericht hatte keine



So viele Zeugen, und alle sollen sich geirrt haben? Man kann sich, wenn man dieses Urteil liest, des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Gericht schon mit einer ziemlich fest gefügten Überzeugung in die Verhandlung gegangen ist, und dass es eine deutliche Tendenz zeigte, alles zu glauben, was zu dieser Überzeugung passt, und alles zu verwerfen, was nicht dazu passt.
Andere Gerichte entscheiden in vergleichbaren Fällen anders.
Zum Beispiel das Landgericht Saarbrücken im Fall Pascal - eine Geschichte, die einige Parallelen zum Fall Peggy aufweist. Auch der fünfjährige Pascal verschwand spurlos, bis heute wurde keine Leiche gefunden. Hier gab es gleich mehrere Angeklagte, allesamt geistig auf ähnlichem Niveau wie Ulvi Kulac, die detaillierte Geständnisse ablegten, sie sogar vor Gericht wiederholten, und erst im Laufe des sehr langen Verfahrens widerriefen. Sie wurden alle freigesprochen - nicht, weil das Gericht von ihrer Unschuld überzeugt war, sondern weil es die widerrufenen Geständnisse nicht für ausreichend beweiskräftig hielt. Der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" gilt eben nur, wenn das Gericht tatsächlich Zweifel hat. Das Landgericht in Hof war offensichtlich fest entschlossen, keine Zweifel zu haben.

Bei den Lichtenbergern und ihren Unterstützern, die an Ulvis Unschuld glauben, kann man ähnliche Tendenzen beobachten, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Sie blenden alles aus, was für Ulvis Täterschaft spricht, und sammeln mit großem Eifer alles, was Zweifel an seiner Schuld weckt.

Aber eine Wiederaufnahme des Verfahrens lässt sich mit Zweifeln allein nicht erkämpfen. Dazu bedarf es Tatsachen, und nicht nur das: Das Gesetz verlangt "neue Tatsachen oder Beweismittel, die (. . .) geeignet sind, die Freisprechung des Angeklagten zu begründen". "Neue" Tatsachen heißt: Tatsachen, die nicht Gegenstand der Hauptverhandlung waren und deshalb bei der Entscheidung nicht berücksichtigt werden konnten. Gibt es solche Tatsachen?

Eine gibt es auf jeden Fall: Der Zeuge Peter H., der im Prozess gegen Ulvi ausgesagt hatte, der Angeklagte habe ihm die Tat gestanden, hat seine Aussage widerrufen. Peter H. saß zusammen mit Ulvi im Bezirkskrankenhaus Bayreuth ein. Im September 2010, also mehr als sechs Jahre nach dem Urteil, gab Peter H. eine eidesstattliche Versicherung ab, dass er damals gelogen hatte.



Ulvi habe ihm die Tat nicht gestanden. Er sei von der Polizei bedrängt worden, eine entsprechende Aussage zu machen. Man habe ihm dafür die Freiheit versprochen. Die Staatsanwaltschaft prüfte, ob das Verfahren gegen Ulvi von Amts wegen wieder aufgenommen werden müsse und kam zu dem Schluss: Es muss nicht. Denn die Aussage von Peter H. habe bei der Urteilsberatung nur eine ganz untergeordnete Rolle gespielt. Ulvi wäre ohne Zweifel auch ohne den Zeugen H. verurteilt worden.

Ulvis Rechtsanwalt Euler sieht das anders: Niemand, sagt er, könne wissen, wie die Aussage des Peter H. das Bewusstsein der Richter geprägt habe: "Die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass diese Aussage nicht kausal für das Urteil war. Das kann sie nicht."

Zweiter Ansatzpunkt für ein Wiederaufnahmeverfahren: Die vielen Zeugen, die Peggy noch nach ihrer angeblichen Ermordung gesehen haben wollen. Der Reihe nach zerpflückt Euler die Begründungen der Richter, warum sie diesen Zeugen nicht glauben wollten:

Patrick G., der Peggy mit einem silberblauen Roller gesehen hatte - bei den Akten sei ein Foto von Peggys Roller, und dieser sei tatsächlich silberblau, nicht silbern, wie Peggys Mutter angegeben hatte: "Sie hat insoweit falsch ausgesagt", sagt Euler.

Robert W., der angeblich zu Peggys Mutter gesagt hatte, er sei Peggy nicht begegnet: Hier handele es sich offensichtlich um eine Verwechslung. Peggys Mutter habe in Wirklichkeit nicht Robert W., sondern einen anderen Jungen befragt, beide würden das heute bezeugen.

Die beiden Buben, die Peggy in der Bäckerei gesehen haben wollten: Die Bäckereiverkäuferin werde bei einer neuerlichen Vernehmung sicher nicht ausschließen können, dass sie die Kinder vielleicht doch nicht bemerkt habe, wenn sie sich selbst gerade in der Backstube aufhielt.

Aber ob das alles als "neue Tatsachen" zählt? Oder doch nur als neue Interpretation längst bekannter Tatsachen?

Einen Pfeil hat Rechtsanwalt Euler noch im Köcher, und der könnte sich als der schärfste erweisen: Zwei Buben, damals neun Jahre alt, die angaben, sie hätten beobachtet, wie Peggy gegen 15 Uhr vor der Bäckerei in einen roten Mercedes mit tschechischem Kennzeichen stieg. Ein Mann habe am Steuer gesessen, auf dem Rücksitz habe noch ein anderes, etwa zehn Jahre altes Mädchen gesessen.

Jörg D. und Steffen R. machten diese Aussage wenige Tage nach Peggys Verschwinden. Aber vier Wochen später, am 11. Juni, hält die Polizei in zwei Aktenvermerken fest: Jörg D. und Steffen R. seien jeweils im Beisein ihrer Mutter erneut befragt worden und hätten erklärt, sie hätten sich das alles nur "irgendwie zusammengereimt", das sei in der Schule so erzählt worden, sie hätten Peggy an diesem Nachmittag überhaupt nicht gesehen.

Damit war der Fall für die Polizei erledigt. In der Urteilsbegründung des Landgerichts werden diese beiden Jungen mit keiner Silbe erwähnt.

Diese Aktenvermerke, sagt Euler, seien aber falsch: "Ich habe mit den Müttern gesprochen, die wussten nichts von diesem Widerruf. Sie waren nicht mit bei der Polizei." Die beiden Buben, inzwischen junge Männer, hätten ihm erzählt, sie seien damals alleine bei der Polizei gewesen. Man habe ihnen vorgehalten, man wisse, dass sie gelogen hätten, der jeweils andere habe schon alles gestanden. Daraufhin hätten sie Angst bekommen und so ausgesagt, wie die Polizei das gewollt habe. Aber die Wahrheit sei, dass sie Peggy tatsächlich an jenem Nachmittag beobachtet hätten, wie sie in das rote Auto einstieg.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/fall-p...eit-1.1443538-5

#19 RE: Presseartikel von eugene1975 13.12.2012 00:00

Berliner TZ Das Sex-Monster von Lichtenberg
Er lauert immer auf dem Schulweg Polizei sucht einen Serien-Täter, der bereits 8 andere Kinder missbraucht hat
Claudia Keikus, Mike Wilms

Berlin/Halle - Ein Sex-Täter, der es immer wieder tut. Der kleine Mädchen nimmt und für seine grenzenlose Gier gebraucht, ihre Seelen zerstört. Das ist der Mann, der die süße Svenja (6) in Lichtenberg geschändet hat. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass es sich bei ihm um die gefährliche "Bestie von Halle" handelt. Ein gewissenloser Serientäter, dem mindestens acht Mädchen zum Opfer fielen.

Er lauert, greift sich seine jungen Opfer immer nach Schulschluss und verschwindet wieder. Für Monate oder sogar Jahre. Schon seit 1992 sucht die Polizei diesen Mann. Obwohl es genetische Spuren (Speichel, Sperma, Hautfetzen) an den Körpern seiner Opfer gibt, konnte die ,Soko Schulweg' aus Halle den Sex-Täter nicht finden. Es gibt keine Zeichnung. Weil die Mädchen zu geschockt sind, um das Gesicht ihres Schänders zu beschreiben. Die "Bestie von Halle" ist wie ein Phantom.

Nach der Vergewaltigung von Svenja (6, Name geändert) im Stadtpark Lichtenberg ist die Ermittlungsgruppe in Sachsen-Anhalt überzeugt, dass dieser Täter auch ihr Mann ist. Die Berliner Polizei sieht dagegen bislang keine Zusammenhänge. Trotz der Tatsache, dass dieser Vergewaltiger bereits 2006 in Pankow zugeschlagen hatte. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit Berlin. Es gibt zahlreiche Parallelen, die uns aufhorchen lassen", darauf beharrt Oberstaatsanwalt Peter Vogt. Der Pädophile aus Halle und der Täter aus Berlin, beide sind etwa 30 bis 50 Jahre alt, haben kurze dunkle Haare. Und sie schlagen immer mittags auf dem Schulweg zu.

Erstes Opfer wurde 1992 ein Schulmädchen aus Jena. Sie war 17 Jahre alt, sah jedoch deutlich jünger aus. Etwas später schnappte sich die Bestie eine 14-Jährige in Halle. Dann wurde es viele Jahre ruhig um den Mann. "Möglich ist, dass er zwischenzeitlich im Ausland oder sogar im Gefängnis war", sagt ein Fahnder. Bis er 2001 plötzlich erneut zuschlug.

Aber erst nachdem der Täter vor zwei Jahren ein Schulmädchen (9) auf dem Jüdischen Friedhof von Halle vergewaltigt hat, erkannte die Polizei die Serie. Denn in allen Fällen stimmen die Beschreibungen und DNA-Spuren überein. "Der Massen-Gentests läuft seit 2006, ist in der dritten Phase", sagt ein Polizeisprecher. 5200 Männer aus Halle und Umgebung haben eine Speichelprobe abgegeben. Dort vermuten die Ermittler den Lebensmittelpunkt des Täters. Wie viele Männer noch zum Test einbestellt werden, ist unklar. Der Sprecher: "Die Kriterien werden von Phase zu Phase erweitert."

Bei Svenja entdeckten die Rechtsmediziner auch eindeutige Täter-DNA. Der Abgleich mit den Proben aus Halle steht aber noch aus. Svenja wäre das jüngste Opfer der "Bestie von Halle".

#20 RE: Presseartikel von Christine 10.03.2013 09:37

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Fall Peggy: Wiederaufnahmeverfahren angestrebt

Lichtenberg (dapd-bay). Der Fall der seit Mai 2001 spurlos verschwundenen Peggy aus dem oberfränkischen Lichtenberg (Landkreis Hof) wird möglicherweise neu aufgerollt. Der Anwalt des 2004 wegen Mordes an dem damals neunjährigen Mädchen zu lebenslanger Haft verurteilten Ulvi K. wolle noch in diesem Monat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens stellen, berichtete der "Bayerische Rundfunk" heute unter Berufung auf Kreise der Bürgerbewegung, die sich für Ulvi K.s Freilassung einsetzt.

Den Angaben zufolge hat der Pflichtverteidiger des geistig behinderten Ulvi K. auf mehreren hundert Seiten dargelegt, warum der Fall neu verhandelt werden muss. Er soll darin unter anderem anführen, dass im Strafprozess 2003 Zeugen nicht gehört worden seien, die das Mädchen noch nach der vom Gericht bestimmten Tatzeit leben gesehen haben wollen. Peggys Leiche wurde bis heute nicht gefunden.

Als möglichen Termin für den Wiederaufnahmeantrag wurde der 21. März genannt.

09.03.2013 Ta


http://www.e110.de/index.cfm?event=page....kcid=1&id=63123

#21 RE: Presseartikel von 10.03.2013 09:46

Mordfall Peggy Wiederaufnahme-Antrag noch im März

Im Fall der verschwundenen Peggy aus Lichtenberg (Lkr. Hof) will der Anwalt von Ulvi Kulac offenbar schon bald einen Wiederaufnahme-Antrag einreichen. Das erfuhr der Bayerische Rundfunk aus Kreisen der Bürgerinitiative. Stand: 09.03.2013


Der Rechtsanwalt des verurteilten Ulvi Kulac will den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens noch im März einreichen, verlautete aus dem Umfeld der Bürgerinitiative, die sich für Ulvis Freilassung einsetzt.

Als möglicher Termin wurde der 21. März genannt.

Den Angaben zufolge hat der Pflichtverteidiger auf mehreren Hundert Seiten dargelegt, weshalb der Fall aus seiner Sicht neu aufgerollt werden muss. der 35 Jahre alte Ulvi Kulac hat einen Intelligenzquotienten von 67 und ist damit laut Gutachten auf dem geistigen Stand eines zehnjährigen Kindes.

Neue Zeugen, neue Beweise

Zur Begründung führt der Rechtsanwalt an, im Strafprozess 2003 seien wichtige Zeugen nicht gehört worden. Diese wollen Peggy noch nach der vom Gericht festgestellten Tatzeit lebend gesehen haben. Außerdem werde Ulvi Kulac durch die Auswertung des Fahrtenschreibers eines Linienbusses entlastet, so der Anwalt.
Mehrere Anläufe für Wiederaufnahme


Ein Zeuge hat inzwischen zugegeben, Ulvi damals zu Unrecht belastet zu haben.

In der Vergangenheit hatte Ulvi Kulacs Anwalt immer wieder angekündigt, einen Antrag auf Wiederaufnahme einzureichen. Diesmal, so heißt es, soll es aber wirklich so weit sein.
Mordprozess ohne Leiche

Die damals neunjährige Peggy Knobloch war am 7. Mai 2001 spurlos verschwunden. Rasch geriet Ulvi Kulac unter Verdacht, das Mädchen ermordet zu haben, um einen vorangegangenen sexuellen Missbrauch zu vertuschen. 2004 verurteilte das Landgericht Hof Ulvi Kulac wegen Mordes an Peggy zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Ein Jahr später bestätigte der Bundesgerichtshof das Urteil. Ulvi Kulac ist derzeit im Bezirkskrankenhaus Bayreuth untergebracht. Peggys Leiche wurde nie gefunden.


http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelle...fcfe8e1005.html

#22 RE: Presseartikel von Christine 17.03.2013 10:44

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VOR 12 JAHREN VERSCHWAND SIE SPURLOS
Lebt Peggy noch?
Jetzt wendet sich ihre beste Freundin an die Öffentlichkeit. Sie ist überzeugt, dass ein Falscher als Mörder eingesperrt ist

17.03.2013 - 00:01 Uhr

Von:Jürgen Damsch
Den 26. April 2001 wird Sarah K., 21, nie vergessen.
Es ist ein Donnerstag, sie ist damals neun Jahre alt, spielt mit ihrer besten Freundin Peggy im Garten des Ferienhauses der Familie im bayerischen Lichtenberg.
Die Mädchen müssen sich voneinander verabschieden, Sarah fährt mit ihrer Familie zurück nach Berlin. Die Sonne scheint, es ist warm, ein schöner Frühlingstag. Die Mädchen haben eine Kinder-Kaffeetafel angerichtet und neben sich auf kleine Gartenstühle ihre Kuscheltiere gesetzt.
Am Nachmittag nimmt Sarah ihre Freundin in den Arm. Es soll ein Abschied für ein paar Wochen sein, nur bis zu den nächsten Ferien.

Nur wenige Monate nach diesem gemeinsamen Foto verschwindet Peggy (Kreis) spurlos
Doch Sarah sieht Peggy schon 10 Tage später wieder – im Fernsehen! Die Nachrichtensendungen berichten vom Verschwinden des fröhlichen, blonden Mädchens mit den auffallend blauen Augen.
Sarah erinnert sich: „Als ich Peggys Gesicht im Fernsehen sah, konnte ich es erst gar nicht glauben. Ich habe mir große Sorgen gemacht und angefangen zu weinen.“
In Lichtenberg läuft am selben Tag eine große Suchaktion an.
Hunderte Freiwillige, Polizisten, Feuerwehrleute, Hundestaffeln, Taucher suchen in dem 1000-Einwohner-Dorf nach dem Mädchen – nichts! Die „SoKo Peggy“ fahndet monatelang nach dem blonden Mädchen. 4500 Spuren arbeiten die Beamten ab. Auch eine ausgesetzte Belohnung in Höhe von 55?000 Mark bringt keine heiße Spur.
Trotzdem wird im September der 23-jährige Ulvi S. festgenommen. Er ist der Sohn eines türkischen Gastwirtpaares. Er ist geistig behindert, hat einen IQ von 67. Er gilt als gutmütiger Dorftrottel. Doch es wird auch immer wieder über ihn getuschelt: Er soll sich mehrfach kleinen Kindern unsittlich genähert haben. Auch Peggy?
Immer wieder wird der junge Mann von Spezialisten verhört, die Protokolle füllen mehr als 900 Seiten. Fast ein Jahr nach seiner Festnahme gesteht er schließlich die Tat. Er habe sich an Peggy vergangen, am Tattag habe er sich bei ihr entschuldigen wollen. Dann sei die Situation eskaliert. Er habe das Mädchen gewürgt, bis es nicht mehr atmete, den Körper will er im Wald versteckt haben.
Doch obwohl die Leiche nie gefunden wird, und Ulvi sein Geständnis später widerruft, wird er am 20. April 2004 vom Landgericht Hof wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und in die Psychiatrie eingeliefert.
Bis heute bestreitet er die Tat. Inzwischen sitzt er seit mehr als zehn Jahren hinter Gittern – unschuldig? In seiner Heimat hat sich eine Bürgerinitiative für ihn gegründet, die mehr als 1600 Unterstützer zählt.


Sein Rechtsanwalt Michael Euler aus Frankfurt will jetzt einen 950 Seiten umfassenden Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens beim Landgericht Bayreuth einreichen. Euler: „Die Verurteilung meines Mandanten ist ein Skandal! Belastendes wurde zum Teil konstruiert, Entlastendes ignoriert. Ein geistig Behinderter soll angeblich das perfekte Verbrechen begangen haben. Das ist völlig absurd!“

BILD am SONNTAG liegt der Wiederaufnahmeantrag vor. Er listet formale Fehler und Versäumnisse auf – und die Aussage der besten Freundin:

? Im Geständnis beschreibt Ulvi detailliert die angebliche Tat, nennt Ablageort der Leiche und markante Wegmerkmale am Tatort. Doch weder die Leiche noch verwertbare Spuren konnten dort gefunden werden.

? Das Geständnis erreichten die Polizisten mit psychologischem Druck und der falschen Behauptung, sie hätten Blut an Ulvis Jacke gefunden. Eine illegale Vernehmungsmethode.

? Im Gegensatz zu den anderen Verhören wurde sein Geständnis nicht auf Tonband aufgezeichnet.

? Ein psychologischer Gutachter kam zu dem Schluss, dass sich Ulvi sein Geständnis nicht ausgedacht haben könne. Was der Experte nicht wusste: Es gab schon vor der Vernehmung eine polizeiliche „Tathergangshypothese“, die dem späteren Geständnis auffällig gleicht. Ergebnisse anderer Gutachter wurden ignoriert.

? Der Hauptbelastungszeuge Peter H., ein Kleinkrimineller, war von der Polizei zu Ulvi in die Zelle gelegt worden, um ihm ein Geständnis zu entlocken. Angeblich mit Erfolg. Als die Verjährungsfrist ablief, gab er zu, sich das Geständnis auf Drängen der Polizei ausgedacht zu haben, um Hafterleichterungen zu erreichen.

? Mehrere Zeugen, die Peggy unabhängig voneinander noch nach der angeblichen Tatzeit lebend gesehen haben wollen, wurden vom Gericht als unglaubwürdig abgetan.

? Inzwischen gibt es zwei neue Zeugen. Übereinstimmend beschreiben sie, wie Peggy in Lichtenberg in einen roten Mercedes eingestiegen sei – und zwar erst am Nachmittag. Zu dieser Zeit war Peggy nach dem vom Gericht rekonstruierten Tathergang längst tot.

? Nach Auswertungen des Fahrtenschreibers hat ein Mädchen in einem Schulbus Peggy noch um 13.25 Uhr in Lichtenberg gesehen. Ab 14 Uhr hat Ulvi allerdings ein Alibi, er hätte für die Tat und die Beseitigung der Leiche nicht genug Zeit gehabt.

? Die beste Freundin Sarah sagt aus, noch drei oder vier Monate nach der Tat einen Anruf von Peggy bekommen zu haben: „Sie sagte, es gehe ihr gut, aber sie wüsste nicht, wo sie sei. Dann brach das Gespräch abrupt ab.“
Sarah glaubt bis heute, dass Peggy noch am Leben ist. BILD am SONNTAG sagte sie: „Ich bin mir ganz sicher, dass der Ulvi die Peggy nicht ermordet hat.“
Auch nach zwölf Jahren hat sie ihre beste Freundin nicht vergessen. „Oft frage ich mich, über was wir heute wohl reden und worüber wir lachen würden.“ Die Hoffnung auf ein Wiedersehen hat sie noch nicht aufgegeben.
Die Staatsanwaltschaft Bayreuth muss entscheiden, ob der Wiederaufnahme stattgegeben wird. Dann würde es zu einem neuen Prozess kommen.


http://www.bild.de/news/inland/vermisste...?wtmc=os.nl.ndt


Fotos sind ebenfalls unter dem o. g. Link zu sehen

#23 RE: Presseartikel von Christine 17.03.2013 14:50

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Ein Artikel in Focus Online von heute (lässt sich leider nicht kopieren)


http://www.focus.de/panorama/welt/tid-30...aid_941871.html


http://www.focus.de/panorama/welt/tid-30...aid_941878.html

#24 RE: Presseartikel von Christel 17.03.2013 20:47

Mord ohne Leiche nach 12 Jahren wieder aktuell
Der Tag, an dem
Peggy (9) verschwand

17.03.2013 - 18:13 Uhr

Berlin – Schulmädchen Peggy Knobloch verschwand vor zwölf Jahren in Bayern auf dem Nachhauseweg. Sie war neun Jahre alt, als sie angeblich von dem geistig behinderten Ulvi K. (damals 23) ermordet wurde. Er widerrief sein Geständnis, die Polizei fand keine Leiche – trotzdem wurde K. zu lebenslanger Haft verurteilt.

Jetzt will sein Anwalt den Fall wieder aufrollen und einen 950 Seiten langen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens beim Landgericht Bayreuth einreichen. „Die Verurteilung meines Mandanten ist ein Skandal! Belastendes wurde zum Teil konstruiert, Entlastendes ignoriert. Ein geistig Behinderter soll angeblich das perfekte Verbrechen begangen haben. Das ist völlig absurd!“

Der Fall bleibt rätselhaft – BILD.de beschreibt den Tag, an dem die kleine Peggy für immer verschwand.

? Es ist Montag, der 7. Mai 2001: Peggy und eine Freundin haben Schulschluss. Beide verlassen die Volksschule Lichtenberg, die Sonne scheint, die Mädchen gehen zu Fuß – sie haben den gleichen Heimweg.

? Beide tragen Frühlingsjacken, ihre Schulsachen haben sie in großen Ranzen verstaut. Peggy, damals neun Jahre alt, trägt die Haare an diesem Tag zu einem Zopf gebunden.

? Vor der Wohnung der Freundin unterhalten sich die Mädchen noch ein wenig. Es wird das letzte Mal gewesen sein.

? Peggy geht danach allein weiter. Ihre Wohnung liegt noch eine Minute Fußweg entfernt.

? Peggy biegt in die Nailaer Straße ein, eine Frau wird der Polizei später bestätigen, das Mädchen dort gesehen zu haben.

? Um 13.15 Uhr dann das letzte bekannte Lebenszeichen von Peggy: Kurz vor ihrer Haustür wird sie von einem Mädchen erkannt, das im Bus vorbeifährt.

Peggy bleibt verschwunden

Am 8. Mai 2001 beginnt die bis dahin größte Suchaktion in der Geschichte der Polizei. Hundertschaften durchkämmen Wälder, durchsuchen Höhlen. Tornados der Luftwaffe überfliegen Lichtenberg und die Region, ausgerüstet mit Wärmebild-Kameras. Peggy wird nicht gefunden – bis heute fehlt von dem Mädchen jede Spur.

Hauptverdächtiger Ulvi K. doch nicht der Mörder?

Die Polizei nimmt Ulvi K. im September 2001 fest. Er ist geistig behindert, hat einen IQ von 67 und gilt er als gutmütiger Dorftrottel. Doch immer wieder wird auch über ihn getuschelt, er soll sich kleinen Mädchen unsittlich genähert haben.

Fast ein Jahr nach seiner Festnahme gesteht Ulvi K. die Tat. Er habe sich an Peggy vergangen, wollte sich am Tag danach bei ihr entschuldigen. Dann sei die Situation eskaliert. Ulvi K. sagte der Polizei damals, er habe das Mädchen gewürgt, bis es tot war.

Peggys leblosen Körper soll er in den Wald gebracht haben. Ulvi K. beschreibt der Polizei den Ort, nennt Merkmale des angeblichen Tatortes. Doch weder Peggys Leiche noch andere Anhaltspunkte wurden jemals gefunden!

Später widerruft K. sein Geständnis. Trotzdem wird er am 20. April 2004 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Mittlerweile gibt es Zweifel daran, dass Ulvi K. wirklich der Mörder von Peggy ist. Auf diesen Zweifeln und zahlreichen Ungereimtheiten beruht der Antrag von Anwalt Michael Euler aus Frankfurt. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft Bayreuth entscheiden, ob sie den Fall wieder aufrollt.

http://www.bild.de/news/inland/news-inla...45196.bild.html

#25 RE: Presseartikel von Christine 18.03.2013 13:20

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MORD OHNE LEICHE – WIRD DER FALL NEU AUFGEROLLT?
Jetzt spricht die Mutter der vermissten Peggy

WAS WURDE AUS PEGGY?

Seit 12 Jahren wird die Tochter von Susanne Knobloch vermisst. Mit BILD.de sprach sie über eine mögliche Wiederaufnahme des Falls

18.03.2013 - 12:20 Uhr
Von JÖRG VÖLKERLING
Bayreuth – Was wurde aus der kleinen Peggy, die vor zwölf Jahren spurlos aus Lichtenberg (Bayern) verschwand? Jetzt spricht ihre Mutter Susanne Knobloch (41, Altenpflegerin) bei BILD.de. Sie glaubt, dass der verurteilte Ulvi K. der Mörder ihrer Tochter ist – und möchte endlich wissen, wo die Peggys Leiche ist...
Ulvi K.s Rechtsanwalt Michael Euler will derweil die Unschuld seines Mandanten beweisen und die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen.
Für Susanne Knobloch ein Albtraum. „Das hat meine Anwältin doch schon durch. Fünf Umzugskartons voller Akten! Mein Kind ist tot. Deshalb habe ich auch das leere Grab für sie errichten lassen.“
Für sie steht fest, dass der Mörder bereits gefunden wurde: „Ulvi sitzt nicht unschuldig hinter Gittern. Er hat den Missbrauch von Kindern, auch von Peggy, gestanden. Deshalb ist er in der Psychiatrie untergebracht. Von seiner lebenslangen Haftstrafe hat er bis heute keinen Tag verbüßt – und wird es wohl auch nie tun.“
Die Mutter will jetzt wissen, was aus ihrer Tochter geworden ist, „dann könnte sie endlich richtig begraben werden“, sagt Susanne Knobloch.
MEHR ZU PEGGY

SEIT 2001 VERSCHWUNDEN
Lebt Peggy noch?
Vor 12 Jahren verschwand Peggy Knobloch (9). Ihre Freundin wendet sich jetzt an die Öffentlichkeit, glaubt, Peggy könnte noch leben.

MORD OHNE LEICHE Der Tag, an dem Peggy (9) verschwand
Sarah K. (heute 21), Peggys Freundin aus Kindertagen, sagte in BILD am SONNTAG, dass sie von Peggy noch Monate nach deren Verschwinden angerufen worden sei.
Für Knobloch ist diese späte Aussage von K. nicht nachvollziehbar: „Von dem angeblichen Anruf Monate nach ihrem Verschwinden höre ich jetzt das erste Mal. Wenn es so war, warum hat sie mich denn damals nicht verständigt? Diese Aussage kommt mir doch sehr seltsam vor.“
Lange hatte Susanne Knobloch Angst, dass ihrer anderen Tochter auch etwas zustoßen könnte: „Doch Peggys Verschwinden hat sie zu einer starken Persönlichkeit gemacht“, sagte Knobloch über ihre zweite Tochter.
Und wie hat die Mutter den Verlust verkraftet? „Wie es mir damit geht, das interessiert niemanden.“



http://www.bild.de/news/inland/news-inla...48200.bild.html

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