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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 01. November 2016, 16:29:05 
 
Am 12. Februar, es ist 10.45 Uhr, erscheinen Martin und
Lars auf der örtlichen Wache.

Martin erzählt, seine Freundin Simone sei verschwunden,
auf die Beamten wirkt er sehr besorgt in diesen Stunden.
Am Vorabend seien sie gegen 23 Uhr zurück auf dem
Campingplatz gewesen, hätten alle vier
zusammengesessen und noch ein wenig geplaudert.

Seine Schwester Monika und er hätten bald ein wenig
gestritten über eine Familiensache in Deutschland. Leute, könnt ihr nicht
aufhören, wir sind im Urlaub, das habe Simone noch gesagt, sie
gehe lieber ein paar Minuten spazieren.

Das habe ihn nicht weiter gewundert, erzählt Martin; schließlich hätten sie
sich nach dem tagelangen Regen alle eingepfercht gefühlt in
ihrem Van.

Als Simone nicht zurückgekommen sei, hätten sie
nach ihr Ausschau gehalten, auf dem Campingplatz und in der
Stadt, vergebens. Auch im Krankenhaus sei sie nicht.

Die Suche nach Simone Strobel beginnt. Freiwillige und
Polizisten durchkämmen die Entwässerungsgräben beim
Campingplatz und das umliegende Gebiet in einem Radius
von einem Kilometer. Martin Scheffler ist das zu wenig, er
bittet die Polizei mehrmals, Suchhunde einzusetzen.
Um zehn Uhr abends befragt die Polizei den Freund der
Vermissten erneut.

Sie will wissen, ob Simone und er Streit gehabt hätten.

Martin weist das von sich. Wir haben eine sehr, sehr
schöne Beziehung gehabt, erklärt er in etwas
unbeholfenem Englisch.

Wir sind nicht nur ein Liebespaar, wir sind auch
richtig gute Freunde, wir kennen uns seit sechseinhalb
Jahren.

Von unserem ersten Date an wurde die ganze Sache
schnell zu einer Geschichte wie aus einem Liebesfilm.

AM ANDEREN ENDE DER WELT, auf
einem Bauernhof in der Ortschaft Rieden bei
Würzburg, ist es fünf Uhr morgens am 13. Februar
2005, als das Telefon klingelt. Simones Vater Gustav geht
schlaftrunken an den Apparat.

Martins Stimme, aufgeregt:
Es ist was passiert. Was ganz Schlimmes. Die Simone ist weg.

Wie, weg?
Sie ist weggegangen und nicht wieder aufgetaucht.
Simone ist zuverlässig, sie verschwindet nicht einfach.

Habt ihr euch gestritten?

Nein.

Zwei Tage nach dem Anruf fliegt Simones Bruder
Alexander nach Australien, um nach seiner Schwester zu suchen.
Es ist Donnerstag, der 17. Februar, fünf Tage nach der
Vermisstenmeldung, als die Polizei in Lismore eine Frauenleiche entdeckt.

Sie liegt, entkleidet und von Zweigen verborgen, unter
einer kleinen Palme auf dem umzäunten Gelände des
„Continental Sports Music and Recreation Club", der hier seine
Bocciabahnen hat.

Der Fundort ist nur 90 Meter entfernt von
der Stelle, an der Simone und ihre Freunde gezeltet hatten.
Einen Tag später meldet sich Martin Scheffler bei einem
Reporter des Lokalblatts von Lismore, er platzt fast vor
Wut auf die Polizei, und das soll in der Zeitung stehen.

Die Beamten hätten seineVermisstenmeldung nicht ernst
genommen und zu spät einen Suchhund eingesetzt, sagt er, sie hätten
sich verhalten wie „kindergarden cops".

Auch die Ergebnisse der Spurensicherung scheinen auf
den ersten Blick bescheiden. Nichts weist auf ein Sexualdelikt
hin, nichts auf Gewalteinwirkung oder einen Kampf - ein
Ergebnis, das Autopsien in Australien und in Deutschland
bestätigen werden.

Das einzige verwertbare Indiz scheint
ein blondes Haar zu sein. Es hängt am Maschendrahtzaun des
Continental Clubs, am Rande eines Lochs, durch das
Simones Körper getragen worden sein muss.

Doch dem Haar fehlt die Wurzel, eine DNA-Untersuchung ist nicht möglich, ohne
damit das womöglich einzige zielführende Beweismittel für
immer zu vernichten.

Martin Scheffler stellt vor dem Maschendrahtzaun Kerzen
auf und hält eine kleine Zeremonie ab, Simone sei ein
Engelauf Erden gewesen, sagt er.

Jeder könne nun ihren hell leuchtenden
Stern sehen. Das Monster, das ihr das angetan habe,
müsse bestraft werden.

Ein paar Wochen später kommen zur Beerdigung in Simon
es Heimatdorf bei Würzburg so viele Menschen, dass vor
der Kirche Lautsprecher aufgestellt werden müssen. Auch
Martin Scheffler, seine Schwester und Lars Berg sind da,
die australische Polizei hat sie trotz der Ermittlungen
zurückreisen lassen.

Zwischen den Familien Strobel und Scheffler hat die
Tragödie von Lismore ein Band geknüpft, die Mütter gehen
zusammen auf Pilgerfahrt.

Euch wurde die Tochter
genommen,
aber es fühlt sich auch für uns so an, als hätten wir ein
Kind verloren, sagen die Schefflers. Simone sei mehr als
die Freundin ihres Sohns gewesen, ein Mitglied der Familie.

Die beiden Paare sprechen von Simone, die immer da war,
wenn jemand Hilfe brauchte.

Und von Martin, der immer so gesellig
und freundlich war, den die Strobels so gern an ihrem
Esstisch sitzen hatten.

Und der seit Simones Tod so anders wirke, so verstört und ernst.


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 01. November 2016, 16:43:22 
 
Martin findet keinen Platz in der Schicksalsgemeinschaft
der Familien Strobel und Scheffler. Er kommt nicht zu den
Strobels auf den Hof, mag nicht mehr sprechen über die
furchtbare Nacht von Lismore. Als die Kriminalpolizei ihn
befragt, macht er nur die gleichen spärlichen Angaben wie
in Australien.

Auch Martins Schwester Monika redet kaum über das
Geschehene.

Sie hat sich angefreundet mit Simones Schwester
Christina. Und anfangs, wenn Christina fragt nach Simones
letzten Stunden, dann beginnt Monika zu sprechen, aber
schon nach wenigen Sätzen kommen Schlucken und
Tränen und Stocken.
Und schließlich wieder Schweigen.

Christina beschließt, ihre Freundin nicht mehr zu quälen.
Und auch die beiden Ehepaare schaffen zwischen sich
eine Pufferzone, unsichtbar und unbenannt.

Die Schefflers meiden es, über die Tragödie zu reden, die sie verbindet;
und die Strobels umschiffen vor lauter Rücksicht das Thema wie
Kapitäne Untiefen im Meer.

Warum reden eure Kinder nicht mit uns, fragen die
Strobels zwar einmal. Aber sie ahnen, dass sich auch im Haus der
Freunde eine Decke der Sprachlosigkeit über die Familie
gelegt hat.

Unsere Kinder haben das Schlimmste mitgemacht,
sagen die Schefflers ihnen.

Sie sind traumatisiert. Sie haben mit Simones Tod nichts
zu tun, sie können euch nicht helfen,
es bricht alles nur wieder auf.

Und die Strobels haben Verständnis. Wahrscheinlich, so
glauben sie, braucht es nur
Zeit, bis Martin und Monika über alles sprechen können.

Die Strobels haben auch Verständnis dafür, dass Martin
und Monika zweieinhalb Jahre später nicht nach Lismore
fliegen wollen, als sie von der dortigen Staatsanwaltschaft
zu einer Anhörung eingeladen werden.

Martin, erfahren sie von dessen Eltern, habe erklärt, er
könne nach allem, was passiert sei, nicht mehr nach Australien reisen.
Nicht, nachdem er am eigenen Leib erfahren habe, wie die australische
Polizei ermittele.

Nur Lars Berg erklärt sich bereit, nach
Lismore zu reisen, um die Fragen der Staatsanwaltschaft
zu beantworten.

ES IST DER 10. JULI 2007, ein kalter
Wintertag in Lismore, Reporter von australischen
Zeitungen und Fernsehsendern belagern das
Gerichtsgebäude.

Als Zeuge der Anhörung tritt Detective Inspector Wayne
George Hayes aus Sydney auf,
ein erfahrener Ermittler in den Fünfzigern, er leitet das
zuständige Team der Mordkommission des Staates New South Wales.

Die Kellner im „ Gollan Hotel" hätten an jenem Abend
Simone und Martin in einer Auseinandersetzung gesehen,
danach sei es auch zwischen Monika und Martin zu einem
lautstarken Streit gekommen. Gegen 23 Uhr habe man die
Gruppe aufgefordert, den Pub zu verlassen.

Ärger gab es auch draußen, als die Deutschen dabei
ertappt wurden, wie sie sich mit vollen Biergläsern
davonmachen wollten.

Alle gaben die Gläser zurück, nur Martin weigerte
sich, er habe schließlich bezahlt, außerdem brüllte er
einige Beleidigungen in Richtung Kellner.

Ein paar Meter weiter machte der Türsteher des
„Metropole Hotels" Bekanntschaft
mit Martin Scheffler. Als er ihn nicht reinlassen wollte,
warf der junge Mann mit wiisten Beschimpfungen um sich.

Die Auswertung der Überwachungskameras in der
Umgebung lege nahe, erklärt Hayes, dass die Gruppe kurz vor halb
zwölf den Campingplatz erreicht habe.

Die vier seien begleitet worden von einem Japaner namens Gun,
den Simone und Martin schon früher auf ihrer Reise kennengelernt hatten.

Zufälligerweise übernachtete er an diesem Abend auch auf
dem Campingplatz, nur wenige Meter entfernt von den
Deutschen in einem Zelt.

Gäste des Campingplatzes, fährt Hayes fort, beschwerten
sich in dieser Nacht über einen lauten Streit und darüber,
dass jemand Didgeridoo spielte.

Die Zeitangaben der Zeugen
unterscheiden sich, viele wurden aus dem Schlaf gerissen
und schauten nicht auf die Uhr, aber man könne davon
ausgehen, dass die Auseinandersetzung um 23.30 Uhr
herum begann.

Zuletzt gesehen wurde Simone gegen 0.45 Uhr. Zu diesem
Zeitpunkt, sagte eine Zeugin, habe Simone vor dem Van
mit Monika und einem asiatisch aussehenden Mann zusammen
gesessen.

Als sie sich bei ihnen über die Ruhestörung beschwerte,
hätte sie gedacht: Die hocken da wie Zombies, so
breit sind die. Zehn Minuten später hätte sie alle vier
Deutschen noch einmal gesehen, als diese sich zur Nacht fertig
machten.

Etwa gegen zwei Uhr will ein Zeuge, der weiter entfernt
von den Deutschen übernachtete, eine Frau brüllen
gehört haben. Es sei aus der Richtung des Kreisels
gekommen, der den Campingplatz von den Bocciafeldern des
Continental Clubs trenne.

Hayes trägt auch den Bericht eines Profilers vor, der die
Theorie vertritt, dass Simone den Campingplatz
wahrscheinlich gar nicht verlassen hat.

Ihr Mörder habe keine Gewalt angewandt, bevor er sie erstickte.

Es sei deshalb anzunehmen, dass sie den Täter kannte, und wenig plausibel, dass
sie irgendwo auf der Straße auf einen Fremden getroffen
sei.

Bei Mordfällen gebe es im Wesentlichen drei Arten, eine
Leiche zu beseitigen: achtlos ablegen, zur Schau stellen
oder verbergen.

Ein Täter würde eine Leiche meist achtlos
ablegen,
wenn er hastig und unbedacht handele. Er würde den
Körper zur Schau stellen, wenn es ihm darum gehe, das
Opfer noch posthum zu bestrafen oder zu degradieren.

Und häufig werde eine Leiche verborgen, um eine
emotionale Distanz zwischen sich selbst und der Tat zu schaffen - und um
einen Zeitvorsprung zu gewinnen.

Simone Strobels Körper, referiert Hayes, sei ganz
offensichtlich sorgsam verborgen worden.

Vom Campingplatz aus habe man eine Abkürzung zum Ablageort von Simon es Leiche
nehmen können, zwischen Bäumen hindurch und über den
durchhängenden Maschendrahtzaun des Campingplatzes, dann
über die Straße und den unbeleuchteten Pfad hoch, der am
Continental Club entlangfuhrt.

Da an Simones Füßen kein Schmutz zu finden war, sei sie
wahrscheinlich getragen worden,
nicht gezogen.

Hautabschürfungen deuteten außerdem
darauf hin, dass sie unbekleidet und mit dem Gesicht nach
unten durch das Loch im Zaun des Continental Clubs
gehoben worden sei.

Das, so Haynes, hätten zwei Personen bewerkstelligen
können, aber auch eine allein. Ausgezogen habe man sie
wahrscheinlich, weil ihre Kleidung leicht zu sehen
gewesen wäre, oder vielleicht, um eine Sexualstraftat
vorzutäuschen.

Man habe geringe Spuren von Cannabis in ihrem Blut
gefunden, außerdem Alkohol.

Da der Körper keine Anzeichen von Gewalt aufgewiesen
habe, seien die Ermittler davon überzeugt,
dass Simone Strobel mit einem Kissen oder einer
Plastiktüte erstickt worden sei, referiert Hayes am Ende seiner
Befragung.

Von der Anhörung in Australien haben sich die Strobels
zunächst nicht viel erhofft.

Seit zweieinhalb Jahren
müssen sie immer wieder die Erfahrung machen, dass Aufmerk- -
samkeit nicht bedeutet, dass es mit der Aufklärung des
Mordes an ihrer Tochter vorangeht.

Die sensationslüsternen Schlagzeilen in den Zeitungen, die
immer gleichen Fragen der Polizei und all die Verdachtsmomente.

Nur die Beweise,sie bleiben aus.

Und mit jedem Fehlschlag lastet die
Ungewissheit nur noch schwerer auf den Strobels.

Dabei ist es nicht so, dass es im Frühjahr 2005 in Lismore
an Tatverdächtigen gemangelt hätte.

Die Ermittlungen der australischen Polizei hatten sich am Anfang auf drei
Personenkreise konzentriert:
die Freunde von Simone Strobel, Campinggäste sowie Einwohner von Lismore
und Aborigines aus der Umgebung, die schon einmal wegen
Gewalttätigkeit aufgefallen waren.

Der Platz am Continental Club, auf dessen Gelände die
Polizei Simon es Leichnam fand, ist ein Treffpunkt der
Trinkerszene.

Dort waren auch einige Männer in der Nacht gesehen
worden, in der Simone verschwand, zwei von ihnen
als gewalttätig bei der Polizei bekannt.

Den einen fragt die Polizei: Was haben Sie getan, als Sie
erfuhren, dass eine Leiche gefunden wurde?

Ich hab meine Taschen genommen und zugesehen, dass
ich Land gewinne, antwortet er. Seine Kleidung wird von
der Polizei auf Spuren untersucht - ohne Ergebnis. Auch gegen
den anderen finden sich keine Beweise.

Ein Mann hat einem Zeugen erzählt, er brauche dessen
Hilfe, er müsse eine Leiche beseitigen.

Aber die Polizei findet heraus, dass der Mann in jener Nacht in einer anderen
Stadt in einem Krankenhaus behandelt wurde.

Ein weiterer Mann gesteht, Simone vergewaltigt und
getötet zu haben,
zusammen mit einem Komplizen.

Doch seine Erzählungen stimmen mit der Rekonstruktion der Tat nicht überein.

Mehr Ermittlungsarbeit verwendet die Polizei auf einen
Camper, der sein kleines, silbernes Zelt am anderen Ende
der Rasenfläche aufgestellt hatte, auf der Simone und ihre
Freunde übernachteten.
Wenn Simone den Campingplatz durch den Eingang hätte
verlassen wollen,
dann wäre sie an diesem Zelt vorbeigekommen.

Der Bewohner, ein durchtrainierter Kampfsportler,
ist im Lismore Caravan Park untergetaucht,
um seine Haftstrafe wegen häuslicher Gewalt nicht
antreten zu müssen.

Der Polizei erzählt er, er habe die
ganze Nacht im Zelt verbracht, sie seien zu viert gewesen,
hätten einen Rum-Mix getrunken, insgesamt wohl 16 Dosen.
Und gekifft. Eine Aborigine-Frau habe bei ihm geschlafen,
kein Sex, damit man ihn nicht missverstehe.

Verdächtig macht er sich, weil er mit seinem Zelt einen
Tag nach der Entdeckung von Simones Leiche umzieht, an
einen Ort, von dem aus man den Fundort gut im Blick
Und zwei Zeugen berichten, er habe vor ihnen geprahlt:

Die Nazi-Schlampe verdient, was mit ihr passiert ist. Ich habe
sie umgebracht, und ich werde alle Nazi-Schlampen
umbringen, die sollen in ihrem Land bleiben.


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 01. November 2016, 16:43:41 
 
Gegenüber der Polizei streitet der Camper ab, so etwas
gesagt zu haben. Aber auch ein Kellner im „Gollan Hotel"
hateine merkwürdige Beobachtung gemacht:
Er sagt aus, dass er den Mann einige Wochen zuvor hinter dem Pub gesehen
habe.

Er sei völlig entrückt gewesen und habe vor sich
hingefaselt:
Ich habe eine Machete, und ich suche jemanden
zum Aufschlitzen!

All diesen bizarren und furchteinflößenden Hinweisen
auf den Mann mit dem Silberzelt sind die Ermittler
sorgfältig nachgegangen, haben belastende Zeugen vernommen,
aber auch entlastende. Am Ende kommen sie zu dem
Schluss, dass der merkwürdige Kampfsportler als
Mordverdächtiger ausscheidet.

Zu viele können bestätigen, dass er während der
fraglichen Zeit mit ihnen zusammen war,
und es gibt keine Indizien, die auf seine Täterschaft
hinweisen würden.

2007 ist die Silberzelt-Spur so kalt, dass der Mann
nicht einmal mehr zur Anhörung nach Lismore eingeladen
wird.

Dort tritt der Ermittler Shane Diehm in den Zeugenstand.
Er verliest Einträge aus zwei Tagebüchern.

Eins stammt von Simone, eins von Martin Scheffler.

Simone schreibt am Donnerstag,
den 10. Februar 2005, einen Tag vor ihrem Verschwinden:

Die ganze Nacht hat es geregnet + der Morgen war
auch grau in grau. Nachdem ich Martin gebeten habe
Monika + mich zu ihm in den Van zu lassen,flippte er
total aus + es ist die „badeste" Vibration zwischen uns.
Solange wir hier in Australien sind -juck you!

So verbrachten wir den ganzen verregneten Tag getrennt,

Monika + ich im Van + die anderen im Zelt ... Martin hat
den ganzen Tag kein Wort gesprochen + mich hat es
sehr gewundert das er zum Schlafen in den Van kam -
aber auch da wurde kein Wort gesprochen!-shit one!

Martin schreibt am selben Tag:
Kein schöner Tag, eigentlich ein Scheißtag.
Simmi gingmir schon am Morgen auf die Nerven.

Ich war noch nicht mal wach! Es wird langsam wirklich zu viel, es
kann so nicht weiter gehen. Ich habe kaum ein Wort mit
Simmi gesprochen und war sehr introvertiert ... zu allem
Überfluss regnete es den ganzen Tag, so dass Lars und
ich im Zelt abhingen und die Mädels im Van! ... Dieser
Tag war ausgesprochen dumm ...

Für den 11. Februar findet sich in Simone Strobels
Tagebuch nur ein Satz:
Der heutige Tag begann genauso scheiße, wie der gestrige
begonnen hat!

DA S S D I E P O L I Z E I sich für das Verhältnis
von Simone und Martin interessiert, das
merken Simones Eltern schon lange vor den
Anhörungen von Lismore, eigentlich schon wenige Monate
nach Simones Tod.

Die Polizisten, die bei ihnen am Esstisch sitzen, stellen
immer wieder Fragen in diese Richtung.
Sie wollen nun mehr von den Eltern wissen - auch weil
Martin dazu übergegangen ist, überhaupt nichts mehr zu sagen.

Er hatte in Vernehmungen einräumen müssen, dass es Streit
gab zwischen ihm und Simone.

Bald darauf haben er und
seinAnwalt beschlossen, dass er schweigt.
Verteidigung durch Schweigen basiert auf dem Grundsatz:
Nemo tenetur se ipsum accusare - niemand ist
verpflichtet, sich selbst zu belasten. Dieser Grundsatz ist ein Recht mit
Verfassungsrang.

Das Schweigerecht soll dem schwachen
Einzelnen ein faires Verfahren gegen den Staat garantieren.
Es dürfen deshalb keinerlei negative Rückschlüsse daraus
gezogen
werden, wenn ein Angeklagter zum Tatvorwurf schweigt,
das ist die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs.
Die Strobels sitzen in ihrem Esszimmer, von den Fotos an
der Wand lächeln Simone und Martin auf sie hinab.

Die Polizei
darf ihnen nicht sagen, dass Martin einen Streit
eingeräumt hat. Und sie ziehen aus seinem Schweigen keine negativen
Schlüsse. Sie wissen ja, dass er nicht über das
Geschehene sprechen kann. Dass es ein Trauma ist.
Dass Martin Zeit braucht.

Und so wirkt es, als wollten sie
anreden gegen sein Verstummen, wenn sie den Polizisten
versichern:

Martin hat nichts mit all dem zu tun. Sie haben sich
geliebt.

Wir legen für ihn die Hand ins Feuer, es kann doch nicht
sein, dass er jetzt derart angegangen wird.

Als sie einige Monate nach Simones Tod im Radio hören,
dass Martin unter Verdacht stehe, weil er die Unwahrheit
gesagt habe, da arbeitet Herr Scheffler gerade im Stall und sackt
darauf beinahe ohnmächtig zusammen.

Auch Frau Scheffler und Monika setzen all die Gerüchte und die Kamerateams
vor ihrem Hof zu.
Sie nehmen psychologische Hilfe in Anspruch,
und Simones Vater leidet mit ihnen.

Die Schefflers, denkt er, müssen mit einem Verdacht
leben, den sie nicht widerlegen
können. Sie sind Opfer eines Irrtums von Justiz und
Presse. Denen geht es fast schlimmer als uns.

So schweißt der Druck von außen die beiden Familien noch
fester zusammen.

Es ist, als brauchten sie einander wie eine Medizin gegen
das Schweigen der Kinder.
Für die Schefflers ist die Freundschaft zu den Strobels wie
eine Bestätigung der Unschuld ihres Sohns.

Und die Strobels verknüpfen mit ihr die Hoffnung auf
Worte,
die die letzten Stunden ihrer Tochter begreifbar machen
würden.

Es ist der zweite Tag der Anhörung in Lismore, als Lars
Berg gehört werden soll, und die Stimme der Staatsanwältin
klingt harsch: Ich denke, Sie sind den ganzen langen Weg von
Deutschland nach Australien gekommen, um uns bei
dieser Anhörung zu helfen und heute die Wahrheit zu sagen? -

Yep, sagt Lars Berg. Er erzählt auf Nachfragen der
Staatsanwältin,
wie Monika und er in Brisbane zu Simone und Martin
stießen, wie sie gemeinsam die Küste entlang reisten, rauf
zum Great Barrier Reef und durch einige Nationalparks,
schöne drei Wochen, kein Streit, und wenn es mal
Meinungsverschiedenheiten
gab, dann höchstens darüber, was sie essen wollten.

Doch irgendetwas, erzählt Lars, muss zwischen Simone
und Martin vorgefallen sein, am Mittwoch, dem 9. Februar.

Seit Donnerstagmorgen hätten sie kaum noch miteinander
gesprochen.

Und dann habe es Streit gegeben, weil Simone und
Monika im Van sitzen, Martin aber darin schlafen wollte.
Martin sei dann ausgerastet, wie er, Lars, es noch nie
erlebt habe.

Die Anhörung verläuft zäh, die Staatsanwältin muss häufig
nachhaken, Lars Berg antwortet knapp, seine Antworten
bleiben vage. Am Freitag habe Martin immer noch nicht
viel gesprochen, er habe ihn gefragt, was los sei zwischen ihm
und Simone, aber Martin habe nicht darüber reden wollen.

Am Nachmittag hätten Martin und er dann jeder vier oder
fünf Bier getrunken und gekifft. Es sei seine Idee gewesen,
abends zu viert noch einmal in den Pub zu gehen, weil er
glaubte, dass ein paar Gläser den Freunden helfen würden,
sich auszusprechen.

Doch je mehr Martin getrunken habe,
desto weniger sei mit ihm zu reden gewesen.

Später auf demCampingplatz habe sich der Streit sogar
noch hochgeschaukelt.

Immer wenn Simone etwas sagte oder Monika
einschreiten wollte, wurde Martin nur noch wütender, erzählt Lars.

Er selbst habe das aber nur am Rande mitbekommen, weil
Gun, ein japanischer Tourist, ihm zu dieser Zeit das
Didgeridoo Spielen beigebracht habe. Einige Leute hätten sich dann über
den Lärm beschwert, und irgendwann sei Gun in seinem
Zelt verschwunden.

Kurz davor oder danach müsse auch
Simone gegangen sein.

Können Sie sich noch an Schimpfworte erinnern, die
Martin in jener Nacht äußerte?

Lars überlegt eine Weile. Schlampe. Blöde Kuh, das habe
Martin aus dem Van heraus geschrien.

Nachdem Simone eine Weile verschwunden war, habe er
Monika vorgeschlagen, nach ihr zu suchen.

Martin wollte im Van warten, sagt Lars, falls Simone wiederkomme oder
anriefe.

Monika und er hätten sich dann aufgeteilt, seien in der
Umgebung des Campingplatzes auf die Suche gegangen
und nach 15 oder 30 Minuten zurückgekehrt.

Dann seien sie noch einmal losgezogen, diesmal Richtung
Stadtzentrum.

Als sie wieder eintrafen, habe Martin noch immer im Van gelegen,
in Boxershorts und T-Shirt, eine Decke über den Beinen.
Macht euch keine Sorgen, sie kommt schon wieder, habe
er gesagt. Sie seien dann schlafen gegangen.

Halten Sie es für möglich, dass Martin Simone im Van
versteckte?

Nein. Das hätten wir bemerkt.

Haben Sie in Guns Zelt nachgesehen?

Ja. Das hatten Monika und er getan. Gun war allein und
schlief.

Am nächsten Morgen seien Monika und er schon gegen
sieben Uhr aui den Beinen gewesen.

Als sie zum Vangingen,
trafen sie Martin, er war nun beunruhigt, wollte zur Polizei
gehen.

Wieso hat es dann mehr als drei Stunden gedauert, bis Sie
das taten?

Sie hätten geduscht, gepackt und den Van vor dem
Campingplatz abgestellt, um nicht für eine weitere Nacht zahlen
zu müssen, erzählt Lars. Sie wären auch zu einem
silbernen Zelt gegangen und h
tten den Besitzer gebeten,
hineinsehen zu dürfen.
Martin habe den Mann seltsam gefunden, er könne
sich heute aber nicht mehr erinnern, warum.

Die Staatsanwältin muss wieder und wieder nachfragen,
was genau die Freunde während dieser Stunden getan
haben.

Bis Lars schließlich damit herausrückt, dass Martin ihn
und Monika auf die Aussage bei der Polizei vorbereitet
habe.

Die beiden sollten nicht erzählen, wie viel sie alle
getrunken hatten, dass Joints geraucht wurden und dass man im -
Kifferdorf Nimbin gewesen war. Auch den Streit mit
Simone sollten sie verschweigen.

Und stattdessen behaupten,
Monika und Martin hätten eine kleine Familienauseinandersetzung
gehabt, worautbin Simone den Campingplatz durch den
Haupteingang verlassen habe.

Er selbst, sagt Lars, habe sie
jedoch nur bis zu den Toiletten gehen sehen.

Ja, er habe das alles seltsam gefunden, aber auch nicht
weiter wichtig, weil er dachte, dass Simone noch am Leben
gewesen sei und weil er natürlich keinen Ärger wegen seines
Drogenkonsums kriegen wollte.

Erst später in Deutschland habe er ein schlechtes
Gewissen bekommen und sich deshalb entschlossen, nun endlich die Wahrheit
zu erzählen.

Wer hat Ihrer Meinung nach Simone ermordet, fragt die
Staatsanwältin.

Ich weiß es nicht. Es kann sein, dass Martin etwas damit
zu tun hat, aber ich werde keine Aussage in diese
Richtung machen. Das ist nicht meine Aufgabe.

Die Staatsanwältin hakt nach: Ich frage Sie nach Ihrer
Meinung.

Ich habe nicht gesagt, es sei Ihre Aufgabe.

Ich kenne ihn schon Jahre, und wir waren Freunde

Ich glaube nicht, dass er so etwas tun würde, aber an
diesem Abend verhielt er sich auf eine Weise, die völlig neu für
mich war.

An den Tagen zuvor wollte die Staatsanwältin auch von
den anderen Zeugen wissen, wen sie für den Täter halten.
Detective Inspector Hayes hatte geantwortet: Ich glaube,
Martin Scheffler hat die Tat begangen.

Er hat Simone Strobel wahrscheinlich in einem Wutausbruch getötet.
Detective Seargent Diehm hatte erklärt: Ich glaube, Martin
Scheffler hat etwas mit dem Tod von Simone Strobel zu
tun.

Am Ende der Anhörung fliegt Lars Berg zurück nach
Deutschland, und bei Beobachtern des Prozesses bleibt
der Eindruck zurück, dass Berg zwar geredet, aber nicht das
Schweigen gebrochen hat, so vage und widersprüchlich
sind seine Aussagen.

Die Staatsanwältin in Australien muss feststellen,
dass zwar einige Verdachtsmomente gegen Martin
Scheffler zutage gekommen sind, aber keine Beweise.

Ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Polizei mit weiteren
Ermittlungen zu beauftragen.

In dieser Zeit spürt ein Reporter des „Daily Telegraph" aus
Sydney Martin Scheffler in Südafrika auf, wo er gerade als
Barmann und Surflehrer arbeitet.

Der Reporter notiert irritiert,
dass Scheffler einen Schrein für Simone im Wald
aufgestellt habe.

Als er ihn fragt, warum er nicht zu der Anhörung
nach Lismore geflogen sei, wird der Deutsche wütend.

Er habe
mit dem Mord nichts zu tun, man solle ihn in Ruhe lassen.
Außerdem sei der Tag zu schön, um an den Tod von
Simone zu denken. Das Zitat macht in Australien Schlagzeilen.

In Deutschland erleben die Eltern von Simone schon lange
keinen schönen Tag mehr. Kein Sonnenstrahl kann die
Gedanken an die verlorene Tochter verdrängen.

Gustav Strobel hatte noch zwei Tage vor Simon es
Verschwinden mit ihr telefoniert, über eine Stunde lang. Es geht mir gut. Alles
istso schön hier, Papa, du glaubst gar nicht, wie schön die
Welt ist, hatte sie ihm vorgeschwärmt.

Aus ihrem Tagebuch weiß er, dass es seiner Tochter da
schon nicht mehr gut ging.

Sie schreibt, es habe ihr Kraft gegeben, mit ihrem Vater zu
telefonieren.

Und es ist diese Zeile, die Gustav Strobel jeden Morgen
aufstehen lässt.

Doch diese gottverdammte Ungewissheit, was mit Simone
geschehen ist, sie zerreißt die Strobels. Und irgendwann,
in der Zeit nach der Anhörung in Lismore, keimt in ihnen
der Verdacht, dass es nicht nur das Trauma ist, das die
Scheffler-Kinder am Reden hindert.

Dass die beiden mehr wissen, als sie sagen wollen. Die
Strobels nehmen sich jetzt weniger zurück. Sie fragen nicht mehr nur vorsichtig.
Aber sie kommen nicht weiter.

Einmal begegnet Simones Bruder Alexander Monika
Scheffler auf dem Hof.

Monika, wir müssen darüber reden, was in Australien
passiert ist.
Da dreht sich Monika um, steigt schnell in ihr Auto und
braust davon.

Ein anderes Mal fährt Gustav Strobel mit seinem Schwager
zur Familie Scheffler. Monika, so erinnert er sich, kommt
rein, totenbleich.

Was wollt ihr denn?

Wir wollen reden.

Wieso?

Wir wollen wissen, was passiert ist an diesem
Freitagabend.

Ich sag nichts. Und wenn ihr mich foltert, sag ich auch
nichts.

Dann bricht sie in Tränen aus.

Simones Vater fährt auch zu Lars Berg. Bitte hilf uns, sagt
er. Du musst dich doch noch an mehr erinnern.

Nein, ich kann euch nicht helfen. Ich habe alles gesagt.
Er versucht es ein Jahr später noch einmal. Er hat so viele
Fragen, doch irgendwann sitzt Lars Berg nur noch stumm
da.

Hallo? Weißt du, um was es geht? Die Simone ist tot! Wir
sind nicht hier, um „ La Paloma" zu singen!

Puh, macht Berg.

Keine Antwort ist auch eine Antwort, sagt Strobel und
geht aus der Tür.

Wenn sie tatsächlich doch einmal reden können über das
Vorgefallene, die Schefflers und die Strobels, dann ist es,
als würden die Worte die immer gleichen Kreise um Simones
letzte Nacht ziehen, ohne dem Geschehen auch nur einen
Millimeter näherzukommen. So geschieht es auch, als sie
wieder einmal versuchen, Monika Fragen über jene Nacht
zu stellen.

Die weicht aus, erzählt, wie sehr der Tod von Simone
sie mitnehme. Sie leide, nicht nur seelisch, sondern
auch körperlich. Sie sei nicht zur Anhörung nach Brisbane
geflogen, weil sie Angst haben müsse, dass die dortige
Polizei sie für etwas belangen würde, das sie nicht getan habe.

Die Polizisten hätten immer wieder alles gegen sie
interpretiert, nur wegen ihrer schlampigen Ermittlungen.

Das alles mache sie so fertig, dass sie nachts wach liege.

So fertig,dass sie auch in Deutschland der Polizei lieber nichts mehr
sage.

An Martin schreibt Frau Strobel irgendwann E-Mails. Sie
fragt, ob er nicht reden wolle, sie fragt, ob die Familie
Simones Gitarre und andere Habseligkeiten zurückbekommen
könne.

In seiner letzten Antwort nennt Martin Simone nicht mehr
Simmi, sondern „ deine Tochter", da fasst er alle Fragen
längst als Anklage auf, er schreibt: Was soll das, es gibt nichts
zurück!

Nun lächelt von den Fotos im Wohnzimmer der Strobels
nur noch Simone.

Die Fotos, die sie mit Martin zeigen, ertragen
die Eltern nicht mehr. Das Band zwischen den Familien,
es spannt sich zum Zerreißen.

Und eines Tages wird Frau Strobel klar, dass sie sich schlecht fühlt, wann immer
sie die Schefflers besucht.

Dass sie es nicht mehr ertragen
kann, wie sich das Gesicht von Frau Scheffler verfinstert,
wenn sie darüber sprechen will, was in Australien passiert
ist.

Die Freundschaft, die wie eine Medizin gegen das
Schweigen sein sollte, sie ist für Frau Strobel zu einem Gift geworden.

Und auch für die Schefflers ist sie vergiftet, seit sie
merken,
dass der Würzburger Hauptkommissar Hans-Jürgen
Kämmer immer häufiger bei den Strobels auf dem Sofa
sitzt.

Kämmer, ein hartnäckiger Polizist, der noch immer
Simones Mörder sucht und auch gegen ihren Sohn ermittelt.

Gabi Strobel weiß keinen anderen Weg mehr. Sie schreibt
einen Brief mit Fragen an Martin. Herr Scheffler öffnet die
Tür, als sie ihn überreichen will.

Was ist das?

Ein Brief an Martin. Wir wollen doch nur wissen, was
passiert ist.

Dann zeigt ihn doch an, ruft Herr Scheffler ihr hinterher.
So endet die Freundschaft zwischen den Familien
Scheffler und Strobel.

Sie hätten wohl nicht mehr viel über die Nacht erfahren,
in der ihre Tochter starb, wenn Virginia Peters nicht
gewesen wäre.

Virginia Peters, eine zierliche Australierin in den
Fünfzigern, sitzt heute in ihrem Haus in Sydney, sie spricht
ein wenig zurückhaltend, doch man merkt schnell, dass
offene Worte eher ihrem Naturell entsprechen. Sie würde gern
mehr erzählen, doch Martin Scheffler hat sie verklagt, ihre
Anwälte raten ihr, jedes Wort zu wägen.

Die Autorin fährt in jenen Tagen im Februar 2005 durch
Lismore, erzählt sie, da sieht sie die Plakate: Have you
seen Simone?, steht auf ihnen.

Und es ist dieser rätselhafte Blick der hübschen, jungen
Frau auf dem Foto darunter, der Virginia Peters in seinen Bann zieht:
Was ist nur diesem Mädchen geschehen?

Virginia Peters liest alles, was sie über den Fall in die
Finger bekommt, sitzt 2007 bei der Anhörung in Lismore unter
den Zuhörern.

Irgendwann reift in ihr der Entschluss,
ein Buch über Simon es Tod zu schreiben. Sie studiert die
Ermittlungsakten, spricht mit Kommissaren, Profilern und Psychologen.

Sie fliegt mehrmals zu den Strobels, besucht mit
ihnen die Schefflers und versucht vergebens, aus Monika
und Lars mehr über jene Nacht herauszubekommen.

Ihr gelingt aber das, was bisher keinem gelungen ist: Sie
trifft Martin Scheffler zu einem Gespräch.

Es ist Anfang 2011, Martin hat eine Australierin geheiratet,
ihren Namen angenommen, und er, der immer sagte, er
könne nie wieder nach Australien reisen, lebt nun in Perth.

Es ist wohl der Druck der Familie seiner Frau, die um ihren
Ruf fürchtet, der Martin Scheffler Viriginia Peters empfangen
lässt.

Simone und er hätten keinen großen Streit gehabt, erzählt
er der Autorin, sie hätten beide nur geschmollt und keine
Gelegenheit zur Aussprache gefunden, weil Monika und
Lars Berg bei ihnen waren.

An eine Auseinandersetzung im „Gollan Hotel" würde er
sich nicht erinnern.

Auf dem Campingplatz hätten seine Schwester und Simone
einen Streit angefangen, und Simone sei weggegangen.

Es könne sein, dass er ihr hinterhergerufen habe: Geh doch
weg, du blöde Kuh.

Und das täte ihm heute ungeheuer leid.

Warum hat er Lars und Monika gebeten, der Polizei nichts
von dem Streit zu erzählen, fragt Virginia Peters damals.

Damit die Polizei Simones Verschwinden nicht abtun könne,
sagt Martin Scheffler, damit die Ermittlungen so schnell
wie möglich beginnen würden.

Doch die australische Polizei habe schlampig gearbeitet,
sich auf ihn eingeschossen.

Dabei hätte man sich zum Beispiel
den Mann in dem silbernen Zelt genauer ansehen müssen.

Was, wenn Simone mit ihm im Zelt saß, nur wenige Meter
von ihrem Van entfernt, und er ihr eine Überdosis an K.-
o.Tropfen gab, fragte Martin Scheffler.

In Simones Körper wurden allerdings keine Rückstände
davon gefunden, sodass der Obduktionsbericht einen solchen Tathergang
ausschließt.

Am Ende des Gesprächs, so beschreibt es Peters in ihrem
Buch, habe Martin Scheffler gesagt: Ich bin unschuldig, ich
habe es nicht getan. Wo sind meine Menschenrechte?

Wo ist unser Justizsystem? Jemand ist unschuldig, solange
nichts anderes bewiesen ist.

Und wo ist irgendein stichhaltiger Beweis?

Viriginia Peters' Buch endet mit dem Satz, dass all die
Hinweise und Fakten, die sie gesammelt habe, Verdachtsmomente
nähren würden, dass Martin Scheffler Simone ermordet
haben könnte - so wie es im Übrigen ja auch die Polizei
sehe.

Als sie damals bei ihm war, schreibt sie, habe sie
schließlich sogar so etwas wie Mitleid empfunden, weil er unter all
den Anschuldigungen stehe und keinen Ausweg finde.

Dieses Gefühl ist verflogen, nachdem er sie verklagt hat.
Peters sagt: Ich habe immer gehofft, dass mein Buch zu einer
neuen Anhörung führt. Ironischerweise muss nun ich vor Gericht
darüber reden, was passiert ist.

Martin Scheffler schweigt noch immer.

Sein Würzburger Anwalt Peter Auffermann erklärt auf
Nachfrage, dass sein Mandant ihm nicht die Erlaubnis erteilt
habe, Erklärungen abzugeben. Und es sei das gute Recht
seines Mandanten zu schweigen.

Nur so viel könne er sagen:
Die Ermittlungen in Australien seien damals unvollständig
gewesen, es sei anderen Tatverdächtigen nicht sorgfältig
genug nachgegangen worden, und er habe keine
Erkenntnisse, dass sein Mandant verantwortlich für den Tod von
Simone Strobel sei.

Die Würzburger Polizei hat Zeugen und mögliche
Verdächtige in Australien, Japan und England befragt.

Im elften Jahr des Todes von Simone Strobel sind die Ermittler
überzeugt, dass einer, zwei oder alle drei von Simones
Freunden etwas verschweigen über die Nacht vom 11. auf
den 12. Februar 2005.

Auch weil inzwischen genetische Spuren an einem
Palmenblatt ausgewertet werden konnten, das Simones Körper am
Fundort bedeckte.

Deutsche Wissenschaftler stellten darauf
DNA-Spuren sicher, die zu Martin oder Monika Scheffler
passen, die aber keine eindeutige Identifizierung zulassen.

Außerdem könnten sie vom Täter stammen, aber auch von
einem Polizisten auf das Palmenblatt übertragen worden
sein.

Aufällig ist allerdings, dass keine anderen Spuren
aufdem Blatt gefunden wurden.

Vielleicht klärt die Wissenschaft diesen Fall irgendwann
einmal auf.

Vielleicht spricht da, wo Menschen schweigen,
ein Palmblatt oder das wurzellose Haar vom
Maschendrahtzaun, das bis heute nicht untersucht werden konnte.

Es kann allerdings auch sein, dass die letzten Stunden der
Simone Strobel für immer im Dunkeln bleiben.

Wenn nicht doch noch jemand einlenkt.

Und spricht.

Hinweise an die Kriminalpolizei Würzburg
Telefon 0931/457- 1 7 32

Dieser Aritkel wurde aus STERN CRIME 05 entnommen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 27. Dezember 2016, 13:11:23 
 
Der ungeklärte Mordfall der Simone Strobel

Es sollte die Reise ihres Lebens werden - ein Jahr Australien. Zusammen mit dem langjährigen Freund und einem weiteren Pärchen.

Doch für Simone Strobel endete der Traum mit dem Tod. Die 25-Jährige wurde vermutlich erstickt. Die Umstände sind mysteriös, widersprüchlich und noch immer ungeklärt. Warum schweigen die Freunde über die Todesnacht?

Simone Strobels Eltern leben seit elf Jahren in Ungewissheit. Was ist ihrer Tochter in jener Nacht vom 11. auf den 12. Februar 2005 zugestoßen? Damals verschwand die 25-Jährige von einem Campingplatz im australischen Lismore zunächst spurlos.

Fünf Tage später fand man ihre Leiche – ganz in der Nähe. Nackt, abgedeckt mit Palmenzweigen. Sie war bereits stark verwest, wahrscheinlich ist Simone Strobel erstickt worden. "Ich verstehe nicht, und das ist es, was mich so aufwühlt, wie man sie so entsorgt hat, so entehrt hat. Das ist unfassbar", sagt ihr Vater Gustav Strobel.

Simone war mit ihrem langjährigen Freund Tobias, dessen Schwester und einem Studienkollegen in Australien unterwegs. Work-and-Travel, ein Jahr lang wollten sie diesen Traum leben, bevor sie ins richtige Erwachsenenleben starten. Simone und Tobias waren schon sechs Jahre ein Paar, sie arbeitete als Erzieherin in ihrem Geburtsort Rieden bei Würzburg. Die Reise begann für Simone und Tobias im August 2004.

"Es ist was ganz, ganz Schlimmes passiert"

Simone führte regelmäßig Tagebuch, sie schrieb: "Es ähnelt dem Paradies auf Erden. Es ist hier einfach unbeschreiblich schön." Als Tobias' Schwester und der Studienfreund in Australien nach einigen Wochen zu ihnen stießen, reisten die Vier in einem gemieteten Van gemeinsam weiter, ein Zwischenstopp führte sie nach Lismore. Dann erhielten Simones Eltern daheim in Rieden einen Anruf: "Es war der Tobias dran, der sagte: Gustl, es ist was ganz, ganz Schlimmes passiert! Die Simone ist weg!", erzählt Gustav Strobel.

Zuvor hatte Tobias seine Freundin bei der Polizei in Lismore als vermisst gemeldet. Dort gab er an, er habe in der Nacht eine Diskussion mit seiner Schwester gehabt. Daraufhin sei Simone wütend geworden und einfach weggegangen. Wohin, wisse er nicht. Die Polizei suchte tagelang nach der 25-Jährigen – bis sie schließlich nur 90 Meter vom Campingplatz entfernt gefunden wurde. "Morgens rief mich von der Verwandtschaft jemand an und fragte: 'Habt ihr schon gelesen? Im Internet steht, sie haben eine Leiche gefunden in der Nähe.'", erinnert sich der Vater.

Einiges deutet auf eine Beziehungstat hin

Die Polizei ermittelte in alle Richtungen, vernahm zahlreiche Zeugen, die Simone und ihre Begleiter in der besagten Nacht noch gesehen hatten. Zuletzt wurden sie in einem Hotel beobachtet, in dem sich auch eine Kneipe befindet. Das Personal berichtete, dass es einen Streit zwischen dem Paar beobachtet habe und die Gruppe sogar gebeten habe, die Kneipe zu verlassen. Bilder einer Überwachungskamera nahmen eine offensichtliche Diskussion der Gruppe auf. Das waren die letzten Bilder von Simone Strobel.

Bei der Polizei konnte sich Tobias E. an jenen Streit nicht mehr erinnern, sagte aus, sie hätten eine gute Beziehung gehabt, Simone sei glücklich gewesen. Simones Tagebucheinträge aus dieser Zeit zeichnen jedoch ein anderes Bild. Einen Tag vor ihrem Verschwinden notierte sie: Nachdem ich Toby gebeten habe, mich und Katy zu ihm in den Van zu lassen, flippte er total aus, und es ist die "badeste Vibration" zwischen uns, solange wir hier in Australien sind. Einen Tag später, ihr letzter Eintrag: Der heutige Tag begann genauso scheiße, wie der gestrige Tag aufgehört hat!

Die Polizei vermutet inzwischen, dass es sich bei Simones vermeintlicher Ermordung um eine Beziehungstat handelt.

Können Sie etwas zur Aufklärung beitragen?

Haben Sie oder jemand den Sie kennen im Gespräch mit anderen Personen in den zurückliegenden Jahren irgendetwas erfahren, das bei der Aufklärung des Verbrechens von Bedeutung sein könnte?

Hinweise nimmt nach wie vor jede Polizeidienststelle, insbesondere aber die Kriminalpolizei Würzburg entgegen unter der Telefonnummer:
0931 / 457 17 32
oder per E-Mail

Für den entscheidenden Hinweis ist weiterhin eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt.
Reisebegleiter verweigern Aussage

Simones Bruder war nach der Todesnachricht direkt nach Australien gereist und erinnert sich an die Worte von Tobias, der gesagt hat: "'Alexander, wir haben keinen Streit gehabt! Wir hatten so eine schöne Zeit, die ganze Zeit.' Diese Unterhaltung hat sich bei mir eingebrannt", so Alexander Strobel. Auch Gabi und Gustav Strobel konnten und wollten lange Zeit nicht glauben, dass der Freund ihrer Tochter etwas mit dem Tod ihrer Simone zu tun haben könnte.

Sie hielten engen Kontakt zu Tobias E. und seiner Familie, fragten immer wieder nach den Umständen jener Nacht. Doch mehr Details kamen erst ans Licht, als der mitgereiste Studienkollege zweieinhalb Jahre nach Simones Tod gegenüber der Polizei einräumte, dass Tobias E. ihn damals aufgefordert habe, nichts von einem Streit zwischen ihm und Simone zu erzählen.

An Simones Leiche befanden sich DNA-Spuren, die jedoch bis heute nicht eindeutig identifizierbar sind.

Fest steht, dass der Fundort nicht der Tatort ist.

Stattdessen war ihr Körper sorgsam abgelegt worden. Auch das spräche für eine Verbindung zwischen Täter und Opfer. Sowohl die Ermittler in Australien als auch die Kriminalpolizei in Würzburg kamen zu dem Ergebnis: "Irgendetwas ist zwischen Tobias und Simone passiert. Und es endete für Simone tödlich. Und darin, dass sie dann an den Bäumen dort versteckt wurde", so Dave Mackie von der Polizei Lismore. Karl-Heinz Schmitt, der Pressesprecher der Polizei Würzburg erklärt: "Unser Haupttatverdächtiger ist der Freund von Simone Strobel. Er hatte auch auf die beiden anderen eingewirkt, bei der Polizei falsche Aussagen zu machen. Und ich denke, wer so etwas macht, der hat irgendetwas zu verbergen." Die Indizien jedoch reichen bis heute nicht für einen Haftbefehl oder eine Anklage aus – vor allem, weil alle drei Reisebegleiter von Simone seit mehreren Jahren alle weiteren Aussagen verweigern.

Ein Aufruf an diejenigen, die mehr wissen…

Simone Strobel ist nun elf Jahre tot. Noch immer sind die Ermittlungen nicht abgeschlossen. Allerdings ist die Polizei davon überzeugt, dass jemand unter Simones Freunden oder alle mehr über die Nacht des 11. Februar 2005 wissen, als sie bisher gesagt haben. Deshalb haben auch Simones Eltern die Hoffnung nicht verloren, dass der schreckliche Tod ihrer Tochter noch aufgeklärt werden kann, so Gabi Strobel: "Es ist einfach nur ein Aufruf an die, die mehr wissen, was an diesem Abend passiert ist und uns erlösen von dieser Qual des Nachdenkens und des Grübelns."

http://www.stern.de/tv/ungeklaerter-mor ... 35472.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 12. Februar 2017, 23:06:27 
 
Fall Simone Strobel
Ermittler durchsuchen Wohnung des ehemaligen Freundes
Vor zwölf Jahren ist Simone Strobel aus Rieden in Australien einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Nun hat die australische Polizei die Wohnung ihres damaligen Freundes durchsucht. Er lebt dort zusammen mit seiner australischen Ehefrau.

Stand: 10.02.2017 |
Wie die Tageszeitung "Nothern Star" aus Lismore heute meldet, haben australische Polizisten ein Büro und das am Strand von Perth gelegene Haus des Ex-Freundes der Unterfränkin durchsucht. Dem Bericht zufolge wurde dort unter anderem ein hundert Seiten starkes Dokument sichergestellt. Der Zeitung zufolge handelt es sich dabei um den Briefwechsel mit seiner neuen Partnerin über das Verschwinden von Simone Strobel am 11. Februar 2005.

Neue Beweismittel aufgetaucht?
Das Ergebnis der Hausdurchsuchung könnte möglicherweise zu neuen Erkenntnissen führen. Ausgelöst hat es der Hauptverdächtige selber: Er war gerichtlich gegen die Veröffentlichung des Buches einer australischen Autorin zum Tod von Simone Strobel vorgegangen, weil er sich dadurch verleumdet sieht. Seinen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen das Buch hatte ein australisches Gericht jedoch abgelehnt.

Eine Schuld könne dem Ex-Freund aus dem Landkreis Main-Spessart zwar nicht nachgewiesen werden, doch ergebe sich aus den Ermittlungen der begründete Verdacht, dass er mit Simones Tod zu tun habe. Strobels damaliger Partner hatte sich im Zuge des Prozesses gegen die Autorin geweigert, den Briefwechsel mit seiner australischen Frau vorzulegen. Ob die privaten Dokumente nun für den Verleumdungsprozess verwendet werden dürfen, muss ein Gericht erst noch entscheiden. Bis dahin bleibt der Briefwechsel unter Verschluss.

Hintergrund
Die damals 25-jährige Simone Strobel war am Abend des 11. Februars auf einem Campingplatz im australischen Lismore aus dem Wohnmobil verschwunden, das sie sich mit ihrem damaligen Freund teilte. Erst am 17. Februar war die bereits in Verwesung begriffene Leiche der jungen Frau in der Nähe des Campingplatzes entdeckt worden.

Trotz intensiver und aufwändiger Ermittlungen konnte der gewaltsame Tod von Simone Strobel bis heute noch nicht endgültig geklärt werden. Von der Staatsanwaltschaft Würzburg wurde ein Ermittlungsverfahren gegen ihren Ex-Freund eingeleitet, sowie gegen ein Paar aus Deutschland, das die beiden zur Tatzeit in Australien besucht hatte. 2014 hatte das Landeskriminalamt eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt; ohne Erfolg.

http://www.br.de/nachrichten/unterfrank ... g-100.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 12. Februar 2017, 23:08:00 
 
RIEDEN
Hausdurchsuchung im Fall Simone Strobel
Manfred Schweidler

10. Februar 2017
08:59 Uhr
Aktualisiert am:
10. Februar 2017
17:45 Uhr

Jahrelang haben die Ermittlungen im Fall Simone Strobel, der in Australien getöteten jungen Frau aus Unterfranken, geruht. Kurz vor dem zwölften Jahrestag ihres Todes an diesem Samstag aber hat die australische Polizei das Strandhaus ihres damaligen Freundes in einer vornehmen Gegend in Perth durchsucht.

Sie beschlagnahmte nach Informationen der Redaktion dabei ein etwa 100 Seiten umfassendes Dokument, in dem sich der Tatverdächtige zu dem Fall äußern soll. Offen ist, ob das Dokument für die Ermittlung genutzt werden kann.

Die aus Rieden im Landkreis Würzburg stammende Simone Strobel war im Februar 2005 mit ihrem Freund Tobias, dessen Schwester und einem weiteren Mitreisenden auf einer einjährigen Reise durch Australien. In Lismore war die 25-Jährige von ihren Freunden als vermisst gemeldet worden: Angeblich hatte sie in der Nacht des 11. Februar 2005 nach einem Wortwechsel das Wohnmobil verlassen und war in die Nacht hinaus gestürmt. Die Ermittlern bezweifeln das.

Leiche wurde auf einem Sportgelände entdeckt
Simone Strobel war intensiv gesucht und ihre Leiche sechs Tage später auf einem nur 100 Meter entfernten Sportgelände entdeckt worden, versteckt unter Palmzweigen. Den Ermittlungen zufolge war sie wohl mit einem Kissen oder einer Plastiktüte erstickt worden. Ins Visier der Ermittler geriet der Freund. Er bestritt allerdings vehement, mit dem Tod Simones zu tun zu haben.



Mitreisende angestiftet, einen Streit zu verschweigen?
Tobias M. soll Details der Beziehung verschwiegen, die Polizei in die Irre geführt und auch die Mitreisenden dazu angestiftet haben, einen Streit mit Simone zu verschweigen. Die Indizien reichten für eine Anklage nicht aus. Sowohl Ermittler als auch Simones Angehörige in Rieden registrierten indes mit Befremden, dass sich Tobias M. in keiner Weise an der Aufklärung des Verbrechens an seiner Freundin beteiligte. Vielmehr war er nach Südafrika gegangen und arbeitete dort als Surflehrer. Heute lebt Tobias M. (nach einer schlagzeilenträchtigen Hochzeit in seinem Heimatort im Landkreis Main-Spessart) mit seiner australischen Frau Samantha in deren Heimat in Perth. Er betont auch zwölf Jahre nach Simones Tod seine Unschuld und schweigt.


Allerdings: In einem Verleumdungsprozess, den er in Australien nun selbst angestoßen hat, müsste er sein Schweigen brechen und erklären, was aus seiner Sicht in der Nacht von Simones Tod geschehen ist. Auf diese Erklärung warten nicht nur die Ermittler gespannt: Nach zwölf Jahren quälender Ungewissheit hoffen Simones Eltern Gaby und Gustl Strobel noch immer, dass aufgeklärt wird, wie ihre Tochter im fernen Australien zu Tode kam, und dass ihr damaliger Freund aktiv dazu beiträgt. „Warum schweigt gerade er, wenn er nichts damit zu tun hat?“ fragt Gustl Strobel. „Tobias wäre es Simone schuldig. Es wäre das Mindeste, zur Aufklärung beizutragen.“ Das Schweigen „versteht kein Mensch“, so Simones Vater. „Solange das nicht geklärt ist, haben wir als Eltern keine Ruhe.“

Detailreiches Buch zu Simones Tod
Mit neuen polizeilichen Maßnahmen in Perth war gerechnet worden: Die Existenz umfangreicher Schriftstücke bei Tobias M. war im Zusammenhang mit dem Verleumdungs-Prozess bekannt geworden, den er gegen die Autorin Virginia Peters führt. Sie hatte 2014 ein detailreiches Buch über Simones Tod geschrieben. Tobias M. sah sich darin zu Unrecht verantwortlich gemacht für den Tod seiner damaligen Freundin. In Vorgesprächen zu dem Prozess hatte er zuletzt die Aushändigung der Dokumente, die die Autorin erwähnt hatte, an den Obersten Gerichtshof von West Australien verweigert. Sie gehörten zu seiner schützenswerten Privatsphäre, so seine Argumentation. Über die Durchsuchung an diesem Dienstag berichtete exklusiv der Lismore Northern Star, die Zeitung aus der Stadt, in der Simone Strobel 2005 tot aufgefunden worden war.

Von der Polizeiaktion hatten im Vorfeld auch die hiesige Ermittlungsbehörde gewusst, die den Fall weiter federführend bearbeitet. Die Akte sei nicht geschlossen, Tobias M. und die beiden Mitreisenden gälten nach wie vor als verdächtig, sagt Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen in Würzburg. Peter Auffermann, der hiesige Anwalt von Tobias M., sagte auf Anfrage, sein Mandant werde sich nicht äußern. Es habe erhebliche Ermittlungsfehler in den ersten Tagen nach Simones Tod in Australien gegeben, die eine Aufklärung nun erschwerten.

Durchsucht wurden das Strandhaus in Perth, in dem M. mit seiner Frau wohnt, sowie ein Büro in der Innenstadt. Die Dokumente könnten „für die Ermittlung von Interesse sein“, bestätigte Detectiv Sergeant David Mackie, der die Durchsuchung leitete. Die Dokumente seien beschlagnahmt, aber versiegelt worden, weil M.s Verteidiger darauf bestanden habe. Ob man sie verwenden dürfe, müsse nun ein Gericht entscheiden.

http://www.mainpost.de/regional/wuerzbu ... 36,9499005


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 28. Februar 2017, 09:34:16 
 
RIEDEN/PERTH
Hat Simone Strobels Ex-Freund Angst vor den eigenen Worten?
Manfred Schweidler
Manfred Schweidler
27. Februar 2017
18:20 Uhr
Aktualisiert am:
27. Februar 2017
19:23 Uhr


Seit zwölf Jahren schwebt ein furchtbarer Verdacht wie ein Damoklesschwert über Tobias M.: Hat der junge Mann aus dem Landkreis Main-Spessart auf der gemeinsamen Reise durch Australien 2005 seine Freundin Simone Strobel aus Rieden (Lkr. Würzburg) getötet? Oder wird er zu Unrecht beschuldigt?

Ermittler in Australien und Würzburg sind davon überzeugt, dass er mit Simones Tod zu tun hat. Sie listen eine Reihe von Fakten dafür auf. Doch alle Indizien reichen für einen Anklage bisher nicht aus. Tobias sagt nur, er sei unschuldig – aber er liefert seit zwölf Jahren keine Erklärung darüber hinaus.

Führen die 100 Seiten zur Wahrheit?
Er schweigt gegenüber Simones Eltern Gabi und Gustl Strobel, gegenüber den Ermittlern in Würzburg und Australien, auch gegenüber Journalisten, die ihm Gelegenheit geben, seine Sicht der Dinge zu schildern. Er weigerte sich, 2007 zu einer offiziellen Anhörung über den Stand der Ermittlungen nach Australien zurückzukommen und auszusagen.

Aber zwölf Jahre später könnte seine Version der Ereignisse doch noch publik werden – wenn Ermittler ein 100-Seiten Dokument auswerten dürfen, das sie vor kurzem beschlagnahmten. Der heute in Australien verheiratete Unterfranke hat nämlich mit seiner juristisch geschulten Frau schon vor sechs Jahren insgeheim den Indizien, die gegen ihn sprechen, seine Sicht der Dinge entgegen gestellt – in einem Dokument von 100 Seiten.

Völlig neu ist die Existenz der Verteidigungsschrift nicht. 2011 hatte Tobias die australische Autorin Virginia Peters zum Interview empfangen. Die recherchierte da schon länger für ein Buch zum Tod Simone Strobels mit dem Titel „Haben Sie Simone gesehen?“

Das einzige Interview
Im Unterschied zu Tobias hatte sie die Anhörung zu den Untersuchungen zu Simones Tod 2007 besucht. Sie flog nach Europa, sprach mit Angehörigen, Ermittlern, Journalisten - und schaffte es schließlich mit großer Überzeugungskraft, dass auch Tobias sie empfing. In ihrem 2014 erschienen Buch kann man auf mehreren Seiten lesen: Er tat sich im Gespräch mit ihr schwer, sich an Einzelheiten der sechs Jahre zurück liegenden Ereignisse zu erinnern. Also stützte er sich in dem stundenlangen Gespräch auf das 100 Seiten umfassende Dokument, das seine Version der Ereignisse in Lismore 2005 auflistet.

Schon Jahre vorher in Südafrika habe er begonnen, insgeheim an seiner Verteidigung zu arbeiten, erzählte er. „Meine Frau und ich beschlossen, dass ich aktive Schritte unternehmen sollte, um meinen Namen reinzuwaschen,“ erklärte er dem Obersten Gerichtshof von West Australien. Denn inzwischen geht Tobias juristisch gegen das Buch vor, das – wie die Polizei in Lismore, der Richter der Anhörung von 2007, die Würzburger Kripo und Staatsanwaltschaft sowie Simones Eltern – den Verdacht äußert: Tobias weiß über den Tod Simones mehr, als er sagt.

Richter Kenneth Martin entschied laut australischen Medienberichten: Die Indizien rechtfertigen es, Tobias als Verdächtigen zu bezeichnen. Er verweigerte eine einstweilige Verfügung gegen den Tenor des Buches.

Klein beigeben oder klagen
Nun hat Tobias M. zwei Alternativen: klein beigeben und mit dem Verdacht leben – oder einen Verleumdungs-Prozess führen. Sein Risiko: Wenn er all die Indizien für falsch hält, die im Buch gegen ihn sprechen, müsste er mit einer eigenen Version gegenhalten. Das hieße: sein Schweigen brechen und endlich sagen, was aus seiner Sicht passiert ist, in jener Nacht des 11. Februar 2005 auf dem Campingplatz in Lismore. Darauf hoffen Simones Eltern Gabi und Gustl Strobel seit Jahren.

Die Autorin Virginia Peters will sich mit Blick auf die laufenden Gespräche vor Gericht derzeit nicht äußern. Sie verweist auf das Buch, in dem seitenweise von der Verteidigungsschrift die Rede ist. Das Gericht würde jene 100 Seiten gerne ins Verfahren einführen – und die neue Familie von Tobias kündigte gar an, er werde selbst in naher Zukunft an die Öffentlichkeit gehen. Doch davon ist inzwischen nicht mehr die Rede.

Tobias verweigert jetzt die Herausgabe der Dokumente. „Ich fürchte, ich könnte mich damit selbst belasten,“ argumentierte er laut der Tageszeitung „The Australian“ vor Gericht: „Ich fürchte, dass ich angeklagt werden darf in einem Fall, der auf Indizien aufgebaut ist.“ Er habe das Recht, sich nicht selbst zu belasten. Daher verweigere er die Herausgabe des 100-Seiten-Dokuments.

Kein Kommentar zu Durchsuchung
Dies hat in Würzburg und Australien Ermittler hellhörig gemacht, die nach wie vor Simones Tod aufklären wollen. Deshalb wurde Anfang Februar das Strandhaus von Tobias und ein Büro in Perth nach den Dokumenten durchsucht.

Grundlage war laut australischen Medien „ein auswärtiger Durchsuchungsbeschluss“. Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen, der in Würzburg die Ermittlungen leitet, sagte auf Anfrage: Die Akte sei zum Tod von Simone Strobel nicht geschlossen und Tobias der Verdächtige. Er wisse von dem 100-Seiten-Dokument, aber es gebe kein aktuelles Rechtshilfeersuchen aus Würzburg.

Anwalt Peter Auffermann vertritt hier die Rechte von Tobias. Er hatte bereits vor geraumer Zeit bei der Staatsanwaltschaft angeregt, die Ermittlungen gegen Tobias zu beenden. Er sagte auf unsere Anfrage: Sein Mandant werde sich derzeit zum Fall nicht äußern.

Ermittler sind erstaunt
Die Ermittler dürfen die beschlagnahmten Dokumente einstweilen nicht auswerten, bis ein Gericht entschieden hat. Sie sind unter Verschluss. Fallen sie unter die schutzwürdige Privatsphäre von Tobias, unterliegen sie einem Verwertungsverbot. „Aber wir wundern uns, warum er plötzlich fürchtet, sich durch ein Dokument zu belasten, das er zu seiner Entlastung geschrieben hat,“ sagt kopfschüttelnd ein Ermittler.

Simones Eltern hoffen noch immer, die Wahrheit über den Tod ihrer Tochter zu erfahren: „Solange das nicht geklärt wird, ist es gut, dass immer wieder öffentlich daran erinnert wird,“ sagt Simones Vater Gustl Strobel.

http://www.mainpost.de/regional/wuerzbu ... mpaign=RSS


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 26. Mai 2017, 19:32:44 
 
RIEDEN
Simone Strobel: Ex-Freund kann Buch nicht stoppen
Manfred Schweidler

26. Mai 2017
18:55 Uhr
Aktualisiert am:
26. Mai 2017
19:22 Uhr


Tobias M. muss auch künftig mit dem Verdacht leben, vor zwölf Jahren seine Freundin Simone Strobel in Australien getötet zu haben. Mit der Klage gegen ein Buch, das diesen Verdacht nährt, scheiterte er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof von Westaustralien. M. wurde von Richter Kenneth Martin verurteilt, der Autorin Virginia Peters 120 000 australische Dollar an Gerichtskosten zu zahlen.

M. war zu der von ihm selbst in Gang gesetzten Verhandlung ohne seinen bisherigen Anwalt erschienen, berichten australische Zeitungen. Dort erklärte er: Er könne den Fall nicht weiter führen, er habe kein Geld mehr. In dem jahrelangen Verleumdungsverfahren hat der aus dem Landkreis Main-Spessart stammende Tobias wohl das Vertrauen seiner australischen Familie in seine Unschuld verloren. Denn „Familie und Freunde“ hatten dem Surflehrer bisher die Eine-Million-Dollar-Klage finanziert, wie er berichtete.

Leiden an der Ungewissheit
In Australien und Unterfranken sorgt der Fall seit Jahren für großes Mitgefühl – vor allem deshalb, weil es viel Verständnis für Simones Eltern Gabi und Gustl Strobel in Rieden (Lkr. Würzburg) gibt. Die leiden unter der Ungewissheit, wie ihre Tochter ums Leben kam – und fragen sich, warum Simones langjähriger Freund Tobias sich weigert, an der Aufklärung mitzuwirken.

2005 war die Kindergärtnerin bei einer einjährigen Rundreise durch Australien mit ihrem Freund, dessen Schwester und einem Bekannten bis nach Lismore gekommen. Sie verschwand in der Nacht des 12. Februar unter ungeklärten Umständen vom Campingplatz. Fünf Tage später wurde sie tot nur 80 Meter entfernt gefunden, versteckt unter Palmzweigen. Sie war erstickt worden.

Ihr Freund verstrickte sich in Widersprüche, wurde von der Polizei mit Unwahrheiten erwischt. Er verweigerte von da an jede Zusammenarbeit. Er zog sich nach Südafrika zurück und weigerte sich später, nach Australien zurückzukommen, als in einer Anhörung die Ermittlungsergebnisse erörtert wurden.

Immer stärker wurde der Verdacht, Tobias könne mit dem Tod seiner Freundin zu tun haben. Er selbst beteuert seine Unschuld. In Ermittlungen der Würzburger Staatsanwaltschaft und Kripo wird er bis heute als Hauptverdächtiger geführt, wie dieser Redaktion am Freitag bestätigt wurde. Inzwischen ist Tobias in Australien mit der Tochter eines wohlhabenden Zahnarztes in Perth verheiratet und hat den Nachnamen dieser Familie angenommen.

Die Autorin Virginia Peters griff den Verdacht auf, er könnte Simone umgebracht haben. Peters war (neben seiner heutigen Familie) die einzige, mit der M. über den Fall während ihrer jahrelangen Recherchen sprach. Aber als 2014 ihr Buch „Haben Sie Simone gesehen?“ den Verdacht thematisierte, klagte er vor dem Obersten Gerichtshof von Westaustralien gegen Autorin und Verlag um eine Million australischer Dollar wegen Verleumdung.

Hoffen auf interne Dokumente
Kriminalbeamte wie Hans-Jürgen Kämmer in Würzburg hatten gespannt auf M.'s Auftritt vor Gericht gewartet: Wenn – wie der Verdächtige behauptete – in dem Buch (wie in den Ermittlungen) alles falsch geschildert wurde, hätte er in einem von ihm selbst angestoßenen Prozess endlich schildern dürfen und müssen, was sich aus seiner Sicht vor zwölf Jahren in Lismore ereignet hatte.

Daraus wird nun nichts. Doch die Polizei hofft nun, Zugang zu 100 Seiten interner Dokumente M.'s zu bekommen, die im Prozess zur Sprache kamen. Als sich der Kläger weigerte, sie auszuhändigen, waren sie beschlagnahmt, aber versiegelt worden.

Auf 100 Seiten hatten er und seine Frau offenbar bereits vor Jahren Verteidigungsstrategien und sein Aussageverhalten zum Tod Simones diskutiert. Diese 100 Seiten würden Ermittler gerne lesen, weil M. über den Fall bis heute schweigt.

Autorin Peters zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Verfahrens. Es sei „ein Mammut-Kampf“ gewesen, gegen M., aber auch gegen die veralteten australischen Gesetze wegen Verleumdung.

M. äußerte sich auf wiederholte Anfrage über seinen Würzburger Anwalt Peter Auffermann nicht, auch nicht auf dreimalige direkte Frage dieser Redaktion bei seinen Aufenthalten in Deutschland.

http://www.mainpost.de/regional/wuerzbu ... mpaign=RSS


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