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 Betreff des Beitrags: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 16. November 2013, 11:21:26 
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Registriert: Dienstag, 13. November 2012, 14:49:09
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Tötungsdelikt zum Nachteil von Angelika Steudle

Tatzeit: Tatort:
14.04.1986, 23.00 Uhr bis 15.04.1986 71106 Magstadt, Hölzer Tal, Gewann Seebrückle
Sachverhalt
Am 15.April 1986, ein Mittwoch, fand ein Spaziergänger in einem Waldstück im Hölzer Tal bei Magstadt eine weibliche Leiche, die wenig später als Angelika Steudle identifiziert werden konnte. Sie wurde von einem bislang noch unbekannten Täter erstochen.

Die junge Frau war den Ermittlungen der damaligen Böblinger Sonderkommission „Steudle“ zufolge als Anhalterin von Aalen-Unterkochen in Richtung Calw zu ihrem ehemaligen Freund unterwegs. Erst am Wochenende zuvor hatten beide sich getrennt, weswegen sie am Dienstag zu ihrem Ex-Freund nach Calw fahren wollte, der dort eine Berufausbildung machte. Eine Freundin meldete sie noch am Abend bei der Polizei als vermisst, weil sie sich Sorgen um sie machte.

Angelika Steudle wurde nachweislich von verschiedenen Autofahrern über Esslingen, Schwäbisch Gmünd, Schorndorf, Fellbach, Bad Cannstatt nach Ludwigsburg mitgenommen. Dort wurde sie zuletzt an der Bärenwiese lebend gesehen. Was danach geschah, ist bis heute nicht geklärt.



Hinweis:
Für Hinweise die zur Festnahme der Täter führen, ist eine Belohnung in Höhe von 1.500 Euro ausgesetzt. Diese Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört und wird unter Ausschluss des Rechtsweges vergeben.


Ausschreibende Dienststelle:

Informationen und Hinweise bitte an

Polizeidirektion Böblingen
Talstraße 50
71034 Böblingen

Telefon (07031) 13-2222
Fax (07031) 13-2209
oder direkt per E-Mail


http://www.polizei-bw.de/fahndung/personenfahndung/unbekannte_taeter/Seiten/20090916boeblingen.aspx

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 06. Mai 2014, 00:59:01 
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Zehn Hinweise im Mordfall Angelika Steudle

Günter Scheinpflug, 22.11.2011 14:11 Uhr

Foto: dapd

Böblingen - Nach der Ausstrahlung der TV-Sendung "Ungeklärte Morde - dem Täter auf der Spur" sind bis Dienstag zehn Hinweise bei der Polizeidirektion Böblingen eingegangen. Ein Anrufer hat sich aus Österreich gemeldet. Eine heiße Spur sei aber nicht darunter, erklärte der Polizeisprecher Uwe Vinçon, die Polizei werde die Hinweise in den nächsten Tagen überprüfen.

In dem Beitrag von RTL II sagte der Stellvertretende Böblinger Kripochef Heiko Falter, dass in der Famlie und im Freundeskreis auch heute nach 25 Jahren noch Fassungslosigkeit und Ohmnacht herrsche. Die Leiche der vergewaltigten und ermordeten jungen Frau aus Unterkochen bei Aalen war am 15. April 1986 im Hölzertal bei Magstadt von einem Spaziergänger gefunden worden. Die 17-Jährige hatte nach Calw zu ihrem Freund trampen wollen, der mit ihr Schluss gemacht hatte. "Sie hat von der großen Liebe geträumt\", vermutet Falter, "und wollte ihren Freund treffen."

Versehentlich auf dem Straßenstrich?

Die letzte Etappe ihrer Tramptour begann an der Bärenwiese in Ludwigsburg, wo sie ein Zeuge gegen 22 Uhr in einen weißen Mercedes hatte steigen sehen. "Sie hat damals wohl nicht gewusst, dass dort ein Straßenstrich war", erklärte Vinçon. Der Autofahrer habe wohl gedacht, dass es sich bei der 17-Jährigen um eine Prostituierte handele. Vermutlich dieser Mann habe sie mit mehreren Messerstichen direkt ins Herz getötet, nachdem er sich an ihr vergangen habe. "Der Täter muss gewusst haben, wie man schnell und präzise ein Leben auslöscht", sagte der Polizeisprecher.

Die Tatwaffe, ein mindestens elf Zentimeter langes und zwölf Millimeter breites, einseitig geschliffenes Messer, ist nicht gefunden worden. Die Maße waren auf Grund der Schnitttiefe ermittelt worden. "Vielleicht hat der Täter später irgend jemand etwas erzählt", vermutet Falter. Aus diesem möglichen Personenkreis erhofft sich die Polizei Hinweise unter der Telefonnummer 0 70 31 / 13 22 22.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 4749c.html

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Meistens belehrt erst der Verlust uns ueber den Wert der Dinge - Arthur Schopenhauer


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 30. März 2016, 22:15:35 
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Beiträge: 799
Lokales vom 23.09.2011

Kreis Böblingen: Die Mörder von Angelika Steudle, Maria Klumpp, Siegfried Binder und Brigitta Jacobi wurden nie erwischt

Vier Morde geben Rätsel auf

Vor Millionenpublikum hat Moderator Rudi Cerne in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ am Mittwoch vom Geständnis des Mannes berichtet, der vor elf Jahren den elfjährigen Tobias in Weil im Schönbuch brutal ermordet haben soll (die SZ/BZ berichtete). „Mörder haben eigentlich keine Chance, ungestraft davonzukommen“, sagt Böblingens Pressesprecher Eckhard Salo. Und doch gibt es im Kreis Böblingen vier Mordfälle, die der Kripo auch nach Jahren immer noch Rätsel aufgeben.

Die Akten liegen längst bei der Staatsanwaltschaft. „Abgeschlossen sind die Ermittlungen deshalb aber nicht. Jeder Fall hat bei uns einen Paten, der sämtliche Kopien zwar nicht oben auf seinem Schreibtisch, aber trotzdem immer griffbereit hat“, sagt Eckhard Salo.

Rätselhafter Stein

Manchmal werden diese Akten von einem Moment auf den anderen wieder brandaktuell – zum Beispiel im Mordfall Angelika Steudle (Bild: Polizei) in Magstadt. Am 15. April 1986 macht ein Spaziergänger gegen 16 Uhr einen grausigen Fund im Hölzertal. Er entdeckt die Leiche der 17-Jährigen im Wald, einzelne Kleidungsstücke liegen neben ihr.

Die Jugendliche wurde missbraucht und zwischen 23.30 Uhr und 3 Uhr morgens mit drei Messerstichen umgebracht. Eckhard Salo ist als Ermittler vor Ort. Er erinnert sich: „Wir fanden die Visitenkarte eines Mannes und waren deshalb einigermaßen hoffnungsfroh, den Fall lösen zu können.“ Die Beamten finden außerdem eine unbekannte DNA-Spur. „Leider keine gute“, sagt Eckhard Salo. Sofort geht die Soko „Steudle“ ans Werk und zeichnet den Weg des Mädchens nach.

Sie ist als Tramperin von Aalen nach Calw unterwegs, will zu ihrem Freund, der dort eine Ausbildung macht und der sie kurz zuvor verlassen hat. Sie wird von verschiedenen Autofahrern über Essingen, Schwäbisch Gmünd, Schorndorf, Fellbach und Bad Cannstatt nach Ludwigsburg mitgenommen. Dort wird sie zum letzten Mal gesehen, als sie in einen Mercedes einsteigt. Die Ludwigsburger Polizei lässt 2000 Halter dieses Typs vorfahren.

Auch die Visitenkarte bringt die Polizei nicht weiter. Sie gehört dem Mann, der Angelika Steudle von Aalen nach Essingen mitgenommen hatte. Eckhard Salo: „Er sagte, dass das Mädchen einen extrem niedergeschlagenen Eindruck gemacht hatte und bot ihr seine Hilfe an.“ Ansonsten gibt es keine brauchbaren Spuren. Die Tatwaffe bleibt verschwunden. Im Magstadter Wald gibt es nicht einmal brauchbare Reifenspuren.

Ein Jahr lang ermittelt die Soko, dann geht der Fall ans Dezernat Tötungsdelikte, bis die Polizei merkt, dass sie in der Sackgasse steckt. 23 Jahre später wird der Fall wieder aufgerollt. 2009 wird wenige Tage nach dem Todestag ein Granitstein am Fundort der Leiche mit seltsamen Schriftzeichen entdeckt. Doch auch diese Hoffnung zerschlägt sich: „Eine Frau hatte ihn zufällig dort abgelegt. Der Stein hat absolut nichts mit der Tat zu tun“, sagt heute der Kripo-Pate des Mordfalls.

Geldbörse fehlt

Jede Menge potenzielle Zeugen gibt es zum Mordfall Maria Klumpp. Am 18. Dezember 1988 wird die 83-Jährige um 18.30 Uhr mit dem eigenen Halstuch erdrosselt in ihrer Wohnung in der Neuköllner Straße in Leonberg gefunden. Sie lebte so gut wie ohne Kontakt zu ihren Nachbarn in der 13. Etage des 20-stöckigen Hauses gegenüber des Leocenters. Am Vortag wurde sie zuletzt um 20.30 Uhr lebend gesehen.

Die rote Geldbörse der Rentnerin fehlt. Ansonsten: „Keine Spuren, keine Fingerabdrücke, null Anhaltspunkte“, erinnert sich Eckhard Salo. Es dauert Tage, bis alle Bewohner des Hochhauses befragt sind. Heute liegt die Akte in der Schublade. Eckhard Salo: „So wie bei allen Mordfällen wird sie immer mal wieder rausgeholt. Außerdem kommt täglich das Bundeskriminalblatt des BKA, in dem es deutschlandweit Informationen zu schweren Taten gibt.“ Sollten einem Beamten Parallelen oder andere Verbindungen auffallen, wird der Fall wieder aufgerollt.

Nackt auf dem Handtuch

Rätselhaft ist auch der Mordfall Siegfried Binder. Am 25. August 1991 finden Spaziergänger den Toten um 13 Uhr auf einem Waldweg bei den Hinterlinger Seen in Sindelfingen nahe der alten B14. Er liegt dort schon zwei Tage lang nackt auf seinem Handtuch, von einem stumpfen Gegenstand erschlagen. Kein Geldbeutel, kein Ausweis. Eckhard Salo: „Es war schwierig, ihn erst einmal zu identifizieren.“ Neben Siegfried Binder liegt sein Fahrrad mit dem Aufkleber des Händlers. Über dessen Verkaufsliste finden sie die Adresse des Sindelfingers.

18 Beamte ermitteln monatelang in der Sonderkommission, erkundigen sich im Bekanntenkreis und bei seiner Arbeitsstelle beim Sindelfinger Friedhofsamt, auch im Verein, wo der 35-Jährige sehr aktiv war. Ohne Erfolg. Es gibt keine Augenzeugen, und die Mordwaffe bleibt verschwunden.

Augenzeugen

Dafür gibt es für den Mord an Brigitta Jacobi gleich vier Augenzeugen. Am Freitag, den 14. Juli 1995 wird die 35-Jährige in Sindelfingen erstochen. Um 23.28 Uhr stempelt sie an ihrer Arbeitsstelle bei einem Hersteller für Damenmode aus, macht sich auf den Heimweg  nach  Stuttgart,  läuft  Richtung S-Bahn und wird in der Tilsiter Straße überfallen. Der Täter sticht über 20-mal zu.

Zwei US-Amerikaner, die zu Besuch in Deutschland sind, beobachten, wie die Frau attackiert wird. Sie vermuten, dass es nur um einen Streit geht, fahren vorbei, wenden dann aber und kommen zurück. Jetzt begreifen die Männer, dass vor ihren Augen ein Verbrechen geschieht. Sie sehen den Täter, der in einen hellen, zweitürigen Kombi ohne Fenster im hinteren Bereich einsteigt. Einer der Männer holt Hilfe.

Weitere Zeugen tauchen mit einem roten BMW auf und schätzen die Situation falsch ein, vermuten einen Verkehrsunfall und fahren zu einer Telefonzelle, um einen Krankenwagen zu rufen. Auch sie machen eine Beobachtung, die für die Polizei bedeutend ist. Als sie an der vermeintlichen Unfallstelle vorbeikommen, sehen sie am Straßenrand einen schwarzen Honda CRX. Als sie zurückkommen, ist dieser weg. Dieser könnte einem weiteren Zeugen gehören.

Die Landespolizeidirektion Stuttgart bildet die Soko „Tilsit“, die nach drei Monaten in Ermittlungsgruppen aufgeteilt wird, sucht nach Spuren und befragt vor allem die Teilnehmer einer Vertretertagung der Firma Herbalife, die am nächsten Tag in der Nähe stattfindet. Auch hier bleibt die Tatwaffe verschwunden. „Bis heute gab es keinen konkreten Tatverdacht“, sagt der Stuttgarter Polizeisprecher Frank Buth.

Seit 1986 gab es im Landkreis Böblingen 26 vollendete Mordfälle.

Polizisten bei der Spurensuche nach dem Mord an Brigitta Jacobi am 14. Juli 1995 in der Tilsiter Straße in Sindelfingen. Bild: Stampe/A

Von unserem Redakteur Jürgen Wegner

http://www.szbz.de/nachrichten/artikel/ ... 23-9-2011/


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 30. März 2016, 22:19:45 
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Registriert: Dienstag, 19. Mai 2015, 22:37:53
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Serienmörder-Prozess: "Wie kann man fünf Frauen töten und einfach weiterleben?"

Von Julia Jüttner, Aachen

Mehr als 20 Jahre lang soll er ein entsetzliches Geheimnis gehütet haben: Egidius S. steht wegen fünffachen Mordes vor dem Aachener Landgericht. Der 51-Jährige soll zwischen 1983 und 1990 fünf Anhalterinnen erdrosselt haben. Eine DNA-Spur überführte ihn. Er streitet alles ab.

Aachen - Dieser Prozess wird das Doppelleben eines Biedermannes enttarnen: Egidius S. betritt schüchtern den Schwurgerichtssaal des Aachener Landgerichts, erträgt stoisch das Blitzlichtgewitter, blickt ruhig in die Kameras.

Der gebürtige Nordrhein-Westfale, 1,90 Meter groß, grau melierter Vollbart, akkurater Seitenscheitel, soll zwischen 1983 und 1990 fünf Anhalterinnen im Alter von 15 bis 31 Jahren ermordet haben.

Damals war der heute kräftige Mann sportlich und durchtrainiert. Mit seinem Ford Cabrio oder seinem Mercedes soll er sich vorsätzlich auf die Suche nach Opfern gemacht haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft immer nach dem gleichen Schema: Er lauerte den Frauen in der Aachener Region auf, wenn sie einsam am Straßenrand standen und eine Mitfahrgelegenheit suchten. Handschellen, einen Strick oder Damenstrumpfhose und Folterutensilien hatte er griffbereit im Wagen.

Anstatt die Tramperinnen nach Hause zu fahren, fuhr er laut Anklage mit ihnen an einen abgelegenen Ort, fesselte sie und versuchte, sie zu vergewaltigen. Bei vier von ihnen, sagt die Staatsanwaltschaft, gelang es ihm, er erwürgte oder erdrosselte die Frauen. Ihre nackten Leichen verscharrte er im Wald oder entsorgte sie wie Müll. Der unbekannte Serienmörder beunruhigte damals die Bevölkerung. Die brutalen Gewaltverbrechen wurden als "Disco-" bzw. "Anhaltermorde" bekannt. Die Boulevardpresse nannte ihn den "Würger von Aachen".

Egidius S. selbst muss sich in den vergangenen Jahrzehnten sicher gefühlt haben. Warum sonst hätte der ehemalige Versicherungsvertreter im März 2007 eine Speichelprobe abgegeben? Wegen eines banalen Diebstahls von Altmetallen im Raum Heinsberg war er gefasst worden. Freiwillig hatte er eine DNA-Probe abgegeben - und die Folgen scheinbar unterschätzt. Der Abgleich mit der DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamtes war ein Volltreffer. Seine Gendaten stammen mit Tatort-Spuren aus einem der Morde überein, die erst im Jahr 2003 in die Datenbank aufgenommen worden waren.

"Ich habe mit den Vorwürfen nichts zu tun", schreibt S.

Kurz nach seiner Festnahme gesteht Egidius S. im Verhör den Mord, bei dem seine DNA-Spuren sichergestellt worden waren. Einen Tag später auch die weiteren vier.

Dabei soll er Wissen offenbart haben, das nur der Mörder gehabt haben kann, sagen die Ermittler.

Im Januar 2008 widerruft S. jenes Geständnis jedoch. "Ich habe mit den Anklagevorwürfen nichts zu tun", erklärte der Familienvater in einem Brief an den Vorsitzenden Richter Gerd Nohl. Seinem Verteidiger Rainer Dietz zufolge habe es bei den Verhören "Unregelmäßigkeiten" gegeben.

"Mein Mandant hat Neigungen zu Sado-Maso-Sex-Praktiken", sagt Dietz SPIEGEL ONLINE. "Dabei ist er immer der Sklave und möchte bestraft werden." Die krude Theorie des Strafverteidigers: Ein Masochist kann keine sadistischen Taten begehen. Auch sei noch zu klären, inwieweit ihn seine Veranlagungen zu einem Geständnis veranlasst haben. Außerdem: "Mein Mandant hat seinen Neigungen in der JVA genüge getan. Es wird Zeit, dass er wieder freikommt."

Eine Ohrfeige für die Angehörigen der fünf Opfer, die als Nebenkläger in dem Prozess auftreten. "Ich ringe nach Worten", sagt ein Verwandter und wischt sich die Tränen fort.

Seine Frau hält zu S. - er galt als fürsorglicher Familienvater

Nebenklage-Vertreter Sven Peitzner sieht es nüchtern-professionell. "Es ist das gute Recht des Verteidigers, alles für seinen Mandanten zu versuchen. Ich erinnere an Friedrich Dürrenmatts 'Das Versprechen': Es wäre also nichts Neues, wenn ein Täter ein Ventil für sein gewohntes Leben sucht", sagt er SPIEGEL ONLINE. Hinweise, dass Egidius S. bei den Verhören unter Druck gesetzt worden sei, habe er keine, so Peitzner.

Der Polizei gelang es mehr als 20 Jahre nicht, den Mörder der Anhalterinnen zu fassen. Sieben Jahre lang konnte Egidius S. aus dem nordrhein-westfälischen Niederkrüchten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft unentdeckt morden und sich hinter der Fassade eines Biedermannes verstecken: Der gelernte Krankenpfleger arbeitete bis Ende der Neunziger als Versicherungsmakler.

Immer wieder versuchte er, sich selbständig zu machen. Er lebte in einem modernen Bungalow in Brüggen, spielte Tennis, fuhr teure Autos und eine Harley-Davidson. Irgendwann liefen die Geschäfte schlecht. Der Familienvater, in dritter Ehe verheiratet, musste sein Haus versteigern. Am Tiefpunkt seiner Karriere endete abrupt die Mordserie.

Mit seiner dritten Frau hat er einen achtjährigen Sohn. Den goldenen Ehering trägt er noch immer an der rechten Hand. Nach Angaben seines Verteidigers hält seine Frau trotz der Vorwürfe zu ihm. Er galt als fürsorglicher Ehemann und liebevoller Vater.

Als er im August 2007 von der Kripo in seinem Haus in Elmpt bei Viersen am Niederrhein wegen Mordverdachts in fünf Fällen verhaftet wird, ist sein Umfeld schwer erschüttert. "Die Familie ist aus allen Wolken gefallen", sagt Verteidiger Dietz. "Seine Eltern und seine Frau sind fassungslos. Keiner traut ihm solch eine Tat zu." Niemand vermutet hinter dem Biedermann einen brutalen, systematisch vorgehenden Serienkiller.

Er fesselte seine Opfer und vergewaltigte sie brutal

Der erste Mord, der Egidius S. zugeschrieben wird, ereignet sich im Juli 1983 in der Nähe von Alsdorf. Die 18-jährige Marion G. steigt an einer Bushaltestelle in das Cabrio des Täters. Als er sie angreift, wehrt sie sich mit ganzer Kraft. In Todesangst zertritt sie die Windschutzscheibe. Sie kann zwar eine Vergewaltigung verhindern, doch sie muss sterben, so rekonstruiert es die Polizei, weil sie dem Täter droht, ihn anzuzeigen. Sie wird mit einem Strick erdrosselt. Ihre gefesselte, nackte Leiche in einem Angelweiher gefunden.

Im Februar 1984 überfällt Egidius S. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die 15 Jahre alte Andrea W. in der Nähe von Würselen, als sie gewohnheitsmäßig nach einem Besuch in einer Diskothek nach Hause trampt. Er vergewaltigt die Schülerin, bevor er sie erwürgt und ihren toten Körper an einem Feldweg wegschmeißt.

Am 31. August 1984 steigt die 17-jährige Angelika S. auf dem Heimweg von der Diskothek "Rockfabrik" an der B 221 nahe Geilenkirchen in den Wagen ihres Mörders. Die Leiche der Schülerin, nur mit einem BH und Strümpfen bekleidet, wird in einem Waldstück entdeckt.

Im Oktober 1987 wird die 18-jährige Marion L. in Aachen verschleppt und getötet. Auch sie hatte an einer Bushaltestelle gestanden. Sie wird brutal vergewaltigt und getötet. Eine Stunde fährt ihr Mörder mit der Leiche im Kofferraum über Land, bis er einen Ablegeort gefunden hat. Ihren entblößten Körper deckt er mit Laub zu.

"Jetzt will ich endlich wissen, wie dieser Mann tickt"

Am 16. Juni 1990 verschwindet Sabine N. bei Niederkrüchten auf dem Heimweg von der Diskothek "Inside". Egidius S. soll die 31-Jährige in seinen Mercedes gezerrt, vergewaltigt und erdrosselt haben. "Sie hatte solche Angst, dass sie keine Gegenwehr leistete", sagt Staatsanwalt Ralf Bücker. Ihre skelettierte Leiche finden Spaziergänger in einem Wald bei Wegberg.

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Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte Egidius S. "von Anfang an vor, sexuelle Handlungen vorzunehmen und die Opfer zu töten". "Der Angeklagte hat besondere Schwere der Schuld auf sich geladen", so Bücker nach Verlesen der Anklageschrift.

Die Opfer hatten helle, dunkle, lange, kurze, lockige oder glatte Haare - einen festen Frauentyp habe der Täter nicht präferiert, sagen die Ermittler. Wahllos muss er sich Opfer auf der Straße gesucht haben.

Für die Angehörigen beginnt mit dem Prozess ein neuer, schwerer Abschnitt nach jahrzehntelangem Kummer. "16 Jahre lang wusste ich nicht, wer meine Mutter getötet hat und warum", sagt Robert N. SPIEGEL ONLINE. Der 29-Jährige war elf Jahre, als er erfuhr, dass seine Mutter ermordet wurde. "Jetzt will ich endlich wissen, wie dieser Mann tickt. Wie kann man fünf Frauen töten und nach dem Motto 'Friede, Freude, Eierkuchen' einfach weiterleben?"

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/s ... 47754.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 30. März 2016, 22:24:06 
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Registriert: Dienstag, 19. Mai 2015, 22:37:53
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Aktenzeichen xy vom 12.4.1985 Mord an Angelika

https://www.youtube.com/watch?v=ycGVLZs ... r_embedded


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