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 Betreff des Beitrags: Tatortfotografie damals + heute
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:09:48 
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Frühe Polizeifotografie : So schaut uns das Verbrechen an
09.10.2007

Sozialgeschichte in Bildern: Es ist ein ungewöhnlicher Zugang zur Nachkriegszeit, den eine Mannheimer Ausstellung von Polizeifotos über Unfälle und Verbrechen bietet.

„Ohne Einblick in die Polizeiarbeit ist das alles schwer zu verstehen.“ Der freundliche Uniformierte, der die Besucher in den ersten Stock des Mannheimer Polizeipräsidiums begleitet, ist skeptisch, was die Lesbarkeit der Bilder angeht, die etwas verloren vor seinem Dienstzimmer hängen. Dort wird ein kleiner Teil der Ausstellung „Spurensuche“ gezeigt, die sich mit Mannheimer Polizeifotografie zwischen den Jahren 1946 und 1971 beschäftigt. Den Löwenanteil, Hunderte irritierende Schwarzweißabzüge, findet man einige Straßenzüge weiter in den Reiss-Engelhorn-Museen, wo Kurator Thomas Schirmböck sagt, er möchte diese Bilder gerade nicht in polizeilichen Kontexten gezeigt wissen.

Natürlich sind das alles Rätselbilder. Die Themenblöcke der Ausstellung lauten nüchtern „Mobilität“, „Elendsquartiere 1946“, „Häuser, Straßen und Plätze“, „Tatwerkzeuge und Spuren“, „Nummern und Zeichen“, „Nacht“, „Zaungäste“, „Opfer“, „Räume“. Das ist ein gezieltes Understatement, hinter dem sich Objekte und Sichtweisen verbergen, die den Beobachter vor unauflösbare Aufgaben stellen. Der kriminalistische Titel, der den Wunsch nach Tataufklärung in sich trägt, ist insofern gut gewählt.

Erdrückende Alltäglichkeit

Denn „Spurensuche“ zeigt Polizeifotografien, die auf den ersten Blick oft banale Straßenszenen, Gebäudefassaden und Wohnräume dokumentieren. Die Alltäglichkeit ist so erdrückend, dass man schließlich alle Versuche auf Ausforschung der Pointe aufgibt. Das wahre Thema der Fotografien aber benennen die knappen Untertitel der Bilder. Sie konfrontieren die eigenwillige und spröde Ästhetik der Fotografien mit einem substantivischen Stakkato der Lyrik des Verbrechens: „Porsche Targa Mord“ oder „Parkbank Lustmord Mordversuch“.

Irgendetwas muss auf all diesen Bildern geschehen sein: Das ist das gruselige Versprechen, das dem Beobachter eine metaphysische Seite dieser Polizeifotografien offenbart. Mitten in die Alltagswelt hinein erfolgte ein Einbruch des Verbrechens oder einer anderen Katastrophe, die die Szenerie schlagartig zum Dokumentationsobjekt aufwerteten. Selten sieht man es direkt, etwa beim „Polizistenmord“, den diversen verunglückten Verkehrsmitteln - Autos, Schiffe, Straßenbahnen und einem Panzer - oder dem traurigen „Opfer einer Engelmacherin“, entblößte Beine in einer Baugrube. Oft fotografierten die Polizeifotografen nur die unveränderten Schauplätze von vergangenen Straftaten, bei denen die Bilder wahrheitswidrig zu behaupten scheinen, sie würden den Zustand im Moment der Tat festfrieren. Doch Unglücke und Verbrechen geschehen unangekündigt, und das Bild folgt erst danach.

Kriminaltechniker mit Spezialbildung

Bei den Polizeifotografen handelte es sich früher um Kriminaltechniker mit einer speziellen Fortbildung. Die Bilder wurden mit Platten- oder Mittelformatkameras aufgenommen, auf Barytpapier abgezogen und zeichnen sich durch hohe handwerkliche Qualität aus. Das änderte sich zu Beginn der siebziger Jahre, als man auf Plastikpapier umstellte. Deshalb nimmt die Ausstellung hier eine Zäsur vor und endet mitten in der Zeitgeschichte. Ein anderer Grund ist, dass Polizei und Kurator eine zeitliche Distanz zu Tätern, Opfern und Zeugen wünschten. So bleiben auch alle Datierungen im Ungefähren.

Darin zeigt sich der Wunsch, eine Direktheit abzumildern, die diesen Motiven innewohnt. Sie sind nicht für uns aufgenommen worden und zeigen orthogonale Schüsse auf privateste Lebensumstände. Auch wenn die Aufgabe der Polizeifotografen strikt auf dokumentarische Zwecke für die Verbrechensaufklärung und auch Wohlfahrtspflege begrenzt war, so muss man ihren Sichtweisen heute eine hintergründige Ästhetik zubilligen. Das gilt nicht nur für die offenkundigen kompositorischen Ansprüche, sondern mehr noch für den insgesamt lakonischen Stil, den die Mannheimer Ausstellungsmacher gekonnt inszeniert haben. Diese kriminalistische Sachlichkeit teilt uns eine Weltsicht anonym bleibender Beamter von hoher Abstraktheit und mit Hang zum Unpersönlichen mit.

Sehr konkrete Zeichen

Hinzu kommt noch eine weitere Ebene. Die Tatortbilder sprechen zu ihrem Beobachter oft auch in sehr konkreten Zeichen. Das beginnt bei Kreidespuren und Zifferblättern, die in die Landschaft plaziert wurden, und gipfelt in der signalroten Tusche, die die Polizei nachträglich aufs Bild aufgetragen hat. So mäandern Linien, Pfeile und Striche durch unsere Welt und verweisen auf eine höhere Wirklichkeit, die es zu ergründen gilt.

Es hat lange gedauert, bis der Ausstellungsbetrieb ein Interesse an Polizeifotografie entwickelte. Die Mannheimer Spurensuche ist sogar die erste Ausstellung, die sich mit deutscher historischer Polizeifotografie beschäftigt. Sie konzentriert sich auf Sozialgeschichte und ist deshalb auch von regionalhistorischem Interesse, weil sie intime Blicke auf die Mannheimer Nachkriegszeit ermöglicht. Gerade der 1946 erfolgte Auftrag der Stadtverwaltung an die Polizeifotografen, die Elendsquartiere in völlig zerstörten Stadtteilen aufzunehmen, schuf als Sozialreportage einen bleibenden Fundus.

Gruppenbild mit Politessen

Ebenso sind die Blicke der Polizeifotografen auf den eigenen Betrieb historische Dokumente der Institutionengeschichte. „Gruppenbild mit Politessen“, „Reiter- und Diensthundestaffel“ oder „Morgendliche Dienstbesprechung mit den Alliierten“ zeigt die Polizei, wie sie sich selbst sah, allerdings in gestellten und stets aufgeräumten Lebenslagen. Das war bei den Kriminalbildern anders. Da liegt schon mal das Beil neben der Frauenleiche auf dem blutverschmierten Bett, daneben die aufgeschlagene Zeitung von 1957 mit der Schlagzeile „Signale aus dem Weltall“. Freilich war die angebliche Tatwaffe nachträglich dorthin gelegt worden - der Täter wollte die Polizei in die Irre führen, nachdem es deutsch-amerikanischen Streit über den Sputnik-Schock gegeben hatte. Überführt wurde er trotzdem. Was ihn verriet? Darüber erfährt man nichts.

Die Ausstellung erzählt - abgesehen vom legendären Mannheimer Postraub im Jahr 1949 - keine Geschichten, sie bettet die Bilder nicht in die historischen Kriminalfälle ein, denen sie entstammen. Sie hat nicht einmal Interesse an ihrer Entstehung, ihren Funktionen und ihren Wirkungen. Nichts erfährt man über ihren Beweiswert und über ihre Leistungen im Ermittlungsverfahren - ob sie in späteren Prozessen den Ausschlag zur Verurteilung oder zum Freispruch gaben. Die Ausstellung meidet deshalb alle polizeilichen Kontexte und folgt allein ästhetischen und sozialgeschichtlichen Interessen. Darin liegt ihr Reiz und ihr Problem: Die Bilder dürften alles sein, nur das nicht, wozu sie aufgenommen wurden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine
faz.net


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:16:51 
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Derringer, Tödlicher Unfall, Mannheim. SW-Fotografie; frühe 1960er Jahre.

Der distanzierte Blick: Spurensuche – Polizeifotografie Mannheim 1946-1971 (aktualisiert)
18.01.2008

Der lakonische Dokumentarismus, die Alltäglichkeit des Grauens, die Banalität des Bösen – das ist hier das Besondere

Polizeifotografie ist seit der Wiederentdeckung des Schweizer Polizeifotografen Arnold Odermatt auch ein Thema der Fotokunst. Ein halbes Jahrhundert fotografierte Odermatt Verkehrsunfälle mit seiner Rolleiflex – Bilder, die nun, später Ruhm, zu Kunst erklärt wurden und in Ausstellungen wie der venezianischen Biennale und vielen Publikationen zu bestaunen waren.

Verkehrsunfälle, Spurensicherung, auch Blut und Tod – all das gab es natürlich auch in der bundesdeutschen Polizeifotografie. Die Mannheimer Ausstellung „Spurensuche“, noch bis zum 6. April zu sehen, versammelt Exponate, die zwischen 1946 und 1971 in Mannheim und Umgebung entstanden sind. Zu sehen sind Tatorte, Orte des Dramas und der Drastik, die in der fotografischen Inszenierung jedoch auf sonderbare Weise leer und leidenschaftslos wirken.

Es ist der distanzierte, kriminal-statistische Blick, der den von den Fotografen der Mannheimer Polizeidirektion angefertigten Bildern einen besonderen Reiz gibt. Wir sehen Orte des Leidens, der körperlichen Versehrung, intimste Blicke in Wohnräume und Häuser, ins Leben der Menschen: Blicke, so kalt wie Eis.

Der lakonische Dokumentarismus, die Alltäglichkeit des Grauens, die Banalität des Bösen – das ist hier das Besondere. Aber so ist es ja auch. In den Alltag, ins Leben hinein trifft der Schlag. Ein Unfall. Ein Verbrechen. Die Verkehrskreuzung, die Parkbank, das unaufgeräumte Zimmer mit der aufgeschlagenen Zeitung, alles sieht ganz normal aus. Und manchmal ist es nur ein Blutfleck, der erzählt, dass hier gar nichts normal ist.

Häufig sind neben Tatwaffen auch Leichen zu sehen, wie etwa auf dem in den späten vierziger Jahren entstandenen, bestürzenden Bild einer Frau, die Opfer einer Engelmacherin geworden ist: In einer Baugrube liegt die anonyme Tote, nur ihre nackten Beine sind zu erkennen. Auf besonders drastische Weise wird hier deutlich, dass viele der gezeigten Bilder nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Wir sehen Bilder, die wir eigentlich nicht sehen sollten, weil sie Privatestes, den Tod nämlich, in die Öffentlichkeit zerren. Der jetzt erschienene Katalog präsentiert eine Auswahl der Bilder und führt in das Thema ein.

(Fotos im Link)
https://www.photoscala.de/2008/01/18/de ... ualisiert/


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:23:18 
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SPURENSUCHE
POLIZEIFOTOGRAFIE IN MANNHEIM 1946-1971

Polizeifotografie ist ein Ausstellungsthema, das uns in Museen gewöhnlich nicht begegnet und in dieser Form normalerweise auch nicht öffentlich zugänglich ist. Mit der Ausstellung Spurensuche bietet ZEPHYR- Raum für Fotografie! erstmals in Deutschland die Möglichkeit, sich mit den Dokumenten der Polizeifotografen aus den Jahren 1946 - 1971 auseinander zu setzen. Die Bilder, die von den Fotografen der Mannheimer Polizeidirektion seit dem Ende des zweiten Weltkriegs angefertigt wurden, tragen eine Besonderheit in sich: Ihre Fotografen hatten nicht die Intention, mit Leidenschaft „schöne“ Bilder anzufertigen, vielmehr stand das Dokumentarische im Vordergrund. Ihr Ziel war es, Bilder vorzulegen, die es bei späterer Betrachtung ermöglichten, die Gegebenheiten vor Ort exakt zu definieren. Diese Orte sind Tat- und Unfallorte, dies ist für uns heute nicht immer zu erkennen, so lakonisch und reduziert erscheinen die Fotografien. Dass dabei den Fotografen historisch und soziologisch bedeutsame Aufnahmen gelangen, die darüber hinaus auch künstlerische Impulse spüren lassen, war bei ihrer Entstehung nicht vorhersehbar.

Die Bilder versetzen uns in die glückliche Lage miterleben zu können, wie sich Straßen, Plätze und Stadtviertel, aber auch die Mobilität und die persönliche Lebenssituation in Mannheim, analog zur Entwicklung im Nachkriegs-Deutschland, entwickelten. Alltagsleben wird in ungeschönter Direktheit sichtbar - egal ob ein Weihnachtsfest in einer Kaschemme, ein Aufenthaltsraum am Mannheimer Hafen oder Notsiedlungen in den Vororten. Wir sehen, was der Wiederaufbau leistete, ahnen die privaten Lebensverhältnisse der Mannheimerinnen und Mannheimer und gewinnen einen ganz neuen Einblick in eine gar nicht so ferne Vergangenheit. Die Vielzahl der erhaltenen Aufnahmen fügt sich zu einem spannenden und vielfältigen Mosaik aus Beobachtungen und Ansichten, wie sie vorher noch nie zu sehen waren.

Der Katalog zur Ausstellung ist in unserem Shop erhältlich.

Bild

weitere Fotos im Link
http://zephyr-mannheim.com/spurensuche/


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:31:28 
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Wer Interesse hat:

Das Buch zur Mannheimer Ausstellung

https://www.froelichundkaufmann.de/buec ... -1971.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:40:21 
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Ein weiteres Buch zum Thema:

Tatorte und Täter - Polizeifotografie in Wien
von Walter Mentzel

Der technische Fortschritt ermöglichte es Ende des 19. Jahrhunderts der Polizei, die Fotografie zur Spurensicherung und Tatortaufnahme einzusetzen. Die Bildmotive dieses Bandes sind nicht nur Opfer und Täter, sondern auch das soziale Umfeld und politische und gesellschaftliche Ereignisse mit möglicherweise kriminellen Folgen.

https://www.rhenania-buchversand.de/app ... orld--.htm


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 15:44:01 
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Tatortfotografen: Die den Tod festhalten
03.10.2013

Wenn Sven Pählke durch den Sucher seiner Kamera blickt, sieht er Leichen, Waffen, Drogen. Pählke dokumentiert das Grauen, er ist Tatortfotograf bei der Polizei. Mit Yahoo sprach er über die schlimmsten Fälle, über die Ausbildung zum Polizeifotografen und darüber, was ihn noch mehr entsetzt als der dauernde Umgang mit dem Tod.

Den Tod dokumentiert Sven Pählke auf den Speicherkarten seiner Spiegelreflexkamera. Er ist Tatortfotograf beim Berliner Landeskriminalamt, kriminaltechnischer Fotograf steht auf seiner Visitenkarte. Noch bevor die Spurensicherung einen Tatort untersuchen darf, packt Pählke seine Kamera aus. Er macht Übersichtsbilder und dokumentiert Spuren sowie die Lage der Spuren zueinander. Auf den Fotos kann man später genau sehen, wo die Leiche lag, wie es in der Wohnung beim Eintreffen der Polizisten aussah. Das Ziel: „Jeder, der nicht am Tatort war, muss sich aufgrund der Fotos ein Bild vom Tatort machen können“, sagt er. Die Aufnahmen müssen gerichtsverwertbar sein. Der fürchterliche Geruch, mit dem er vor Ort zu kämpfen hat, lässt sich auf den Bildern meist nicht mal erahnen.

Leichen in Großaufnahme

Am Tatort darf Pählke nichts verändern. Sind die Vorhänge zugezogen, muss er selbst Licht setzen. Nach ihm beginnen die Kollegen der Spurensicherung ihre Arbeit und teilen dem Fotografen dann ihre gesonderten Bildwünsche mit. Die Leiche noch einmal von ganz nah. Das Messer, wie es im Toten steckt. Klitzekleine Spuren am Tatort. Daneben wird ein Maßstab gelegt, damit man später die Größe der Motive richtig einordnen kann. Pählke fotografiert auch in der Rechtsmedizin, zum Bespiel besondere Verletzungen, und bei Obduktionen.

Tatortfotograf: Seine schrecklichsten Fälle

Manche Fälle stechen selbst in diesem Beruf heraus. Als im Mai 2013 zwei Hubschrauber der Berliner Polizei am Olympiastadion kollidierten und ein Pilot starb, musste Pählke den toten Kollegen fotografieren. „Dieses Bild des toten Piloten mit den tödlichen Verletzungen vom Unfall blieb lange in meinem Kopf“, sagt er. Gruselig war auch das Verbrechen, das als „Alba-Mord“ bekannt wurde. Ein Gabelstaplerfahrer hatte im Januar 2010 eine Kollegin während der Nachtschicht auf einem Recyclinghof der Firma Alba gewürgt und geschlagen, geknebelt und vergewaltigt, mit einem Messer erstochen und in einem Müllcontainer versteckt. Pählke, die Kamera um den Hals, war dabei, als die Leiche gefunden wurde, verwickelt in lange Metallspäne.

„Man sieht alles, was sich Menschen gegenseitig antun können“

Als Tatortfotograf sieht er die gesamte Bandbreite von Grauen und Brutalität. „Man sieht alles, was sich Menschen gegenseitig antun können. Schlimmer geht es gar nicht“, sagt Pählke. Es helfe, die Kamera zwischen sich und den Leichen zu haben und sich auf ein gutes Arbeitsergebnis zu konzentrieren, meint er. Auf sich achten sollte man, empfiehlt er, die Arbeit nicht zu nahe an sich heran lassen. „Ich sehe das so, dass ich mit meiner Arbeit etwas dazu beitrage, um das Verbrechen aufzuklären.“ Doch es sind nicht die Bilder der Toten, die ihn verfolgen. „Ich finde es schlimm, zu sehen, wozu die Menschen heutzutage fähig sind“, so der Fachmann. Die Gewaltbereitschaft sei nach seinem Empfinden gestiegen. Es würde grundlos getötet, sagt er, wegen eines falschen Blicks. Die Aufträge werden den Polizeifotografen jedenfalls nicht so schnell ausgehen.

https://de.nachrichten.yahoo.com/tatort ... 23842.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 16:50:33 
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Kriminalaufnahmen - Dokumentation und Beweissicherung
26.08.2005

Fotografien sind ein zentrales Hilfsmittel der Strafverfolgungsbehörden; sie dienen der Dokumentation und der Beweissicherung bei Kriminaltatbeständen. Aufnahmen des Los Angeles Police Department sind derzeit im Kunsthaus Zürich ausgestellt. Auch die Zürcher Kriminalpolizei wird von einem Fotodienst unterstützt.

«Nachdem ein Mann und eine Frau ein Downtown-Kaffee in Los Angeles verlassen hatten, wurden sie entführt und um 38 Dollar beraubt. In der darauf folgenden Schiesserei wurde ein 41-jähriger Wachmann einer privaten Detektivfirma getötet, weil er versucht hatte, in den Raubüberfall einzugreifen.» So lautet die Legende einer Aufnahme, die ein Fotograf der Polizei von Los Angeles von einer Handtasche machte, die nach dem Raubüberfall ein Einschussloch aufwies. - Dieses und rund hundert andere Bilder aus dem Fotoarchiv des Los Angeles Police Department sind derzeit im Kunsthaus Zürich zu sehen. Die Fotografien, ein wichtiges Hilfsmittel der Strafverfolgungsbehörden, stammen aus den Jahren 1920 bis 1950.

Situation am Tatort ist nicht wiederholbar

Im Team des Kriminalfotodiensts der Kantonspolizei (Kapo) Zürich haben die meisten die Ausstellung gesehen. An der Wand hängt ein Ausstellungsplakat. Zwischen den Fotos im Museum und den eigenen sei kein grosser Unterschied auszumachen, lautet die Meinung der Zürcher Kriminalfotografen. «Auch wir haben Hunderte von Negativen, aus denen man eine solche Ausstellung zusammenstellen könnte», meint etwa der Gruppenchef, Franz Freundorfer. Seit der Dienst existiere, sei kein einziges Negativ weggeworfen worden. Diejenigen mit Jahrgang 1980 und älter werden im Staatsarchiv aufbewahrt, die jüngeren Negative lagern in den Schubladen des Kriminalfotodiensts. Seit dem Jahr 2000 wird nur noch digital fotografiert. Ein Kriminalfotograf macht jedoch nicht nur Fotoaufnahmen. So erstellt er mit Hilfe eines computerunterstützten Zeichnungsprogramms detailgetreue Pläne des Tatorts, in denen die Position des Opfers, des Täters und allfälliger Tatspuren akribisch eingezeichnet ist. Wenn kein Kapitalverbrechen vorliegt, ist er auch für die Sicherung von Faser-, Schmauch- oder DNA-Spuren zuständig. Bei Kapitalverbrechen wird diese Arbeit vom Kriminaltechnischen Dienst ausgeführt.

Ein Kriminalfotograf muss von jeder Situation ein brauchbares Bild machen. Doch, wie Freundorfer zu bedenken gibt: «Die Situation am Tatort ist nicht wiederholbar.» Da gelte es, beim Fotografieren ruhig Blut zu bewahren und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Kriminalfotografen sind ausgebildete Polizisten mit mehrjähriger Berufserfahrung, die ein polizeiliches und kriminaltechnisches Denken mitbringen. Keiner im Team war früher Fotograf. Da verstehe es sich von selbst, so der Gruppenchef, dass Polizeiaufnahmen in erster Linie technische und nicht künstlerische Aufnahmen seien. Er ist überzeugt, dass auch bei den Fotografien aus Los Angeles der kriminaltechnische und nicht der ästhetische Aspekt im Vordergrund stehe.

Vom Hochbauzeichner zum Polizisten

Franz Freundorfer war früher Hochbauzeichner. Er kam 1975 zur Kantonspolizei, weil er nicht weitere zwanzig oder dreissig Jahre am Reissbrett stehen wollte. Ihn reizte die Arbeit bei der Polizei, die er sich abwechslungsreich und interessant vorstellte. Nach der Grundausbildung bei der Kapo war er fünf Jahre bei der Autobahnpolizei tätig, anschliessend acht Jahre auf dem Bezirkspolizeiposten Dietikon. Während zwölf Jahren war Freundorfer Diensthundeführer. Schon immer hatte er in der Freizeit fotografiert, und so wechselte er 1991 zum Kriminalfotodienst. Der 53-Jährige schätzt dort die Kombination von Front- und Büroarbeit. Am Schweizerischen Polizeiinstitut in Neuenburg und an internen Weiterbildungskursen gibt er sein Fachwissen an angehende Polizeifotografen weiter.

Der Kriminalfotodienst ist rund um die Uhr besetzt. Ausgerückt wird bei Kapitalverbrechen, Suizid und anderen aussergewöhnlichen Todesfällen, grösseren Sachbeschädigungen wie Bränden, bei Rekonstruktionen des Tathergangs und bei Hausdurchsuchungen. Und wenn nach einem Tötungsdelikt das Opfer im Gerichtsmedizinischen Institut seziert wird, ist auch dort ein Fotograf dabei. «Das kann vier bis fünf Stunden dauern», erklärt Freundorfer. Er betrachtet das Ganze als Gelegenheit, Einblick in den menschlichen Körper zu bekommen, was anderen nicht möglich ist.

Wie geht man damit um, immer wieder mit den gewalttätigen, schrecklichen, abstossenden Seiten des Menschen konfrontiert zu sein? «Es kommt auf die Tagesform an», meint Freundorfer nach kurzem Überlegen. Man entwickle mit der Zeit eine Art Selbstschutz. Und natürlich gebe es auch hier eine gewisse Routine. Am Tatort könne so schnell der Eindruck entstehen, Kriminalfotografen seien kalte, gefühllose Menschen. Auch wenn ganz klar die Arbeit im Vordergrund stehe, heisse das nicht, dass keine Emotionen vorhanden seien: «Ein Polizist ist keine Maschine.» Wie das Erlebte und Gesehene verarbeitet werde, müsse jeder selbst wissen. Wichtig sei ein gutes soziales Umfeld - und die Kollegialität im Team, wie Freundorfer betont. Und wer will, kann die Hilfe des Polizeipsychologen oder eines privaten Psychologen auf Kosten der Polizei in Anspruch nehmen. - Tatortfotografie und Aufnahmen im Gerichtsmedizinischen Institut bilden nur einen kleinen Teil der Arbeit eines Kriminalfotografen: Im Atelier werden Fotos gemacht von Opfern und Tätern, von Waffen oder Deliktsgut. Auch diese Aufnahmen dienen der Beweissicherung und der Dokumentation. Fotografiert wird zudem für die Öffentlichkeitsarbeit oder zu Schulungszwecken. Das Herstellen von Arrestanten-Aufnahmen ist an den Erkennungsdienst ausgelagert worden.

Gegen 300 Dokumentationen pro Jahr

Das Endprodukt der Arbeit des Kriminalfotografen ist eine Dokumentation mit Bildern und Plänen des Tatorts, mit Aufnahmen von Opfer, Täter, Werkzeug. Jährlich werden zwischen 200 und 300 solcher Dokumentationen erstellt. Auftraggeber ist jeweils der Untersuchungsrichter. Je mehr Spuren vorhanden sind, desto umfangreicher wird die Dokumentation. Wurde ein Opfer auf offener Strasse niedergeschossen, gibt es nicht viel zu fotografieren. Hingegen füllt ein Mordfall in einer Dreizimmerwohnung voller Blutspuren rund zwei Bundesordner.

In seiner Freizeit fotografiert Franz Freundorfer nicht mehr so viel wie früher. Wie er sagt, hat er eine gewissen Sättigung erreicht. Und schaut er noch Krimis? «Ja, dann lache ich meistens, wenn die Polizisten den Fall innert 55 Minuten klären, ohne eine Zeile zu schreiben, und der Detektiv immer einen Parkplatz vor dem Tatort findet!»

Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich «The Art of the Archive» mit Fotografien aus dem Los Angeles Police Department ist noch bis zum 18. September zu sehen.

Artikel von 2005
https://www.nzz.ch/articleD1T1B-1.166117


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 17:17:30 
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Historische Kameras, mit denen Täter und Spuren aufgenommen wurden, zeigt das Kriminalpanoptikum Aschersleben.

Viele Bilder zum Anklicken:
http://www.kriminalpanoptikum.de/krimin ... n-bildern/


Entdecken Sie Kriminalgeschichte

Im 2003 sanierten Stadtgefängnis werden Tatwerkzeuge, Schlagstöcke, eine Fesselsammlung mit Hand- und Fußfesseln und Folterinstrumente aus dem Mittelalter, aber auch Uniformen und Ausrüstungsgegenstände der nationalen und internationalen Polizei ausgestellt. Eine eingerichtete Gefängniszelle, ein Verbrecheralbum sowie Bilder und Requisiten der Kriminalfotografie und der Daktyloskopie werden ebenfalls gezeigt. Kuriose Kriminalfälle und Geschichten rund um das Gefängnismilieu werden anschaulich und verständlich dargestellt.

Führungen mit Sherlock Holmes zeigen Tricks und Kniffe. Der klar kombinierende Detektiv hilft dabei, den Jargon der Verbrecherwelt zu entschlüsseln und lässt zum Spaß schon mal die Handschellen klicken.


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 08. Februar 2018, 18:34:38 
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Bild

Polizeihistorische Sammlung

Die Polizeihistorische Sammlung zeichnet in einer Ausstellung acht Jahrhunderte Berliner Polizeigeschichte nach.

Diese besondere Einrichtung polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit bietet einen Gang durch acht Jahrhunderte Berliner Polizeigeschichte unter Begleitung sachkundiger Mitarbeiter. Es wird Interessantes über den polizeilichen Arbeitsalltag in Vergangenheit und Gegenwart vermittelt, sowie Uniformen, Waffen und Arbeitsmittel der Polizei gezeigt, genauso wie Tatwerkzeuge aus diversen Kriminalfällen.

Polizeihistorische Präsenzbibliothek und Fotosammlung

Die ständige Ausstellung im Berliner Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke wird durch Sonderausstellungen zu speziellen Themen ergänzt. Diverse Dokumente und andere Schriftunterlagen, eine polizeihistorische Präsenzbibliothek und eine Fotosammlung dienen als Arbeitsgrundlage für wissenschaftliche Forschungen und polizeihistorische Dokumentationen.

https://www.berlin.de/museum/3109830-29 ... mlung.html

Ein paar Bilder der Ausstellung
https://www.radiomuseum.org/museum/d/po ... rlin/.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Tatortfotografie damals + heute
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 08. August 2018, 23:50:22 
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03.08.18

100 JAHRE ALT UND NACHKOLORIERT
Tatort-Fotos aus New York
lassen uns erschaudern


Der französische Grafiker Frédéric Duriez (52) hat die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Polizeifotografen Arthur Fellig (1899 – 1968, genannt Weegee) durch Zufall gefunden und sorgfältig nachkoloriert.

Fellig hatte eine neue Art der Tatort-Fotografie perfektioniert, bei der die Kamera auf einem mannshohen, dreibeinigen Stativ mit der Linse nach unten installiert ist. So erzeugte er Fotos aus der Vogelperspektive, die den Ermittlern einen echten Überblick verschafften – und uns heute noch erschaudern lassen. ....

(Achtung, im Link werden Leichenfotos gezeigt)
https://www.bild.de/news/ausland/news-a ... .bild.html

Arthur Fellig

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Arthur_Fellig


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 Betreff des Beitrags: Re: Tatortfotografie damals + heute
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 09. August 2018, 09:23:00 
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Registriert: Dienstag, 13. November 2012, 14:49:09
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Die Fotos hat er aber sehr gut hinbekommen.

Wahnsinn, was alles machbar ist.

_________________
Admin und Foren Moderatorin
Hinweise zu den eingestellten Fällen bitte an die zuständige Polizeidienststelle


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