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Foren-Übersicht » Doppelmorde - Göhrde (Niedersachsen)




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 Betreff des Beitrags: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:44:57 
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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:48:40 
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Die Göhrde-Morde im Staatsforst Göhrde in Niedersachsen sind zwei Doppelmorde, die im Sommer 1989 in ganz Westdeutschland großes Aufsehen erregten und heute als spektakuläre Kriminalfälle gelten. Innerhalb weniger Wochen wurden zwei Paare im selben Waldgebiet der Göhrde von wahrscheinlich demselben Täter ermordet. Der zweite Doppelmord fand statt, während die Kriminalpolizei nur wenige hundert Meter entfernt Spuren des ersten Verbrechens sicherte. Das Waldgebiet wurde danach über Jahre hinweg von Spaziergängern und Ausflüglern gemieden. Die Taten sind nach wie vor nicht aufgeklärt.

Erster Doppelmord


Der Tatort ist grün gekennzeichnet. Die ersten Opfer kamen aus Hamburg-Bergedorf, ihr Wagen wurde in Winsen gefunden. Das zweite Paar kam aus Hannover bzw. Uelzen; sein Fahrzeug wurde in Bad Bevensen aufgefunden.

Am 21. Mai 1989 fuhr ein Ehepaar aus Hamburg-Bergedorf in die Göhrde, um dort spazieren zu gehen. Es wird vermutet, dass die 45 Jahre alte Frau und ihr 51 Jahre alter Ehemann eine Lichtung im Jagen 147 aufsuchten, um sich dort zu sonnen oder zu picknicken. Das Ehepaar wurde dort umgebracht, aber nicht am Tatort belassen. Der Täter brachte seine Opfer in eine nahe gelegene Senke und versteckte sie dort. Die Opfer waren entkleidet. Ob sie sich vor dem Mord selbst auszogen oder vom Täter entkleidet wurden, blieb unklar. Der Täter entwendete den Opfern ein Fernglas der Marke Steiner und einen Picknickkorb und nahm die Autoschlüssel des Paares an sich. Mit dessen Honda Civic flüchtete der Täter aus der Göhrde und ließ den Wagen 300 Meter vom Bahnhof in Winsen an der Luhe, einer kleinen Stadt im Hamburger Speckgürtel, stehen. Das Ehepaar war unterdessen als vermisst gemeldet worden. Erst sieben Wochen später, am 12. Juli 1989, entdeckten drei Blaubeersammler die Leichen der Opfer. Sie waren aufgrund der damaligen hohen Temperaturen erheblich verwest, mumifiziert und durch Tierfraß größtenteils skelettiert.

Die genaue Todesursache konnte wegen des Zustandes der beiden Leichen weder am Tatort noch durch die spätere Obduktion geklärt werden. Fest stand allerdings, dass Suizid oder Unfall ausschieden und dass der Tod durch ein Verbrechen eingetreten war. Aufgrund des Spurenbildes standen Erschießen, Erwürgen und Erschlagen als mögliche Ursachen im Raum. Der Ehemann wies eine Verletzung an seinem Kehlkopf auf. Jedoch konnte nicht festgestellt werden, ob es sich um Strangulationsmerkmale oder um Verletzungen durch futtersuchende, trampelnde Wildschweine handelte.

Nachdem die drei Blaubeersammler die beiden Leichen entdeckt hatten, suchten sie den Revierförster auf, um die Polizei benachrichtigen zu lassen. Auf dem Weg dorthin begegnete ihnen ein braunhaariger, kräftig gebauter, etwa 40 Jahre alter Mann mit einem Beutel in der Hand. Die Kriminalpolizei nimmt an, dass es sich hierbei um den Täter handelte, der sich genau an diesem Tag und zu dieser Zeit in der Göhrde weitere Opfer suchte.

Zweiter Doppelmord

Am 12. Juli 1989, dem Tag der Entdeckung des ersten Doppelmordes fuhren eine 46 Jahre alte Hausfrau aus Uelzen und ein 43 Jahre alter Handelsvertreter aus Hannover gemeinsam in die Göhrde. Es handelte sich um ein Liebespaar, das nach dem Mittagessen aus dem nahegelegenen Bad Bevensen kam und offenbar einen Ausflug machte. Beide waren anderweitig verheiratet. Sie hatten sich während einer Kur kennengelernt, ihre jeweiligen Ehepartner wussten nichts von ihrer Beziehung. Sie parkten an einer kleinen Nebenstraße nahe dem Forsthaus Röthen und gingen mehr als zwei Kilometer in den Forst hinein. Dort, im Waldabschnitt Jagen 138, trafen sie auf den Täter, der sie offenbar mit einer Schusswaffe bedrohte und sie teilweise mit Leukoplastband an den Händen und Füßen fesselte. Beide mussten sich mit dem Gesicht nach unten legen. Der Täter strangulierte das männliche Opfer und tötete es von hinten durch Kopfschüsse mit einer Kleinkaliberwaffe 5,6 Millimeter. Dem weiblichen Opfer zertrümmerte der Täter den Schädel. Anschließend entwendete er dem männlichen Opfer eine Polaroid-Sofortbildkamera und die Autoschlüssel seines Toyota Tercel, mit dem er aus der Göhrde flüchtete. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der Täter mit diesem Fahrzeug noch etwa eine Woche umherfuhr, bevor er es in der Nähe der Kurklinik in Bad Bevensen abstellte.

Zwei Wochen später, am 27. Juli 1989, entdeckten Polizeibeamte der eingesetzten Einsatzhundertschaften im Rahmen einer flächendeckenden Spurensuche für den ersten Doppelmord zufällig die beiden Opfer des zweiten Doppelmordes. Der Todeszeitpunkt konnte sicher auf den 12. Juli 1989 datiert werden, den Tag, an dem die Polizei ihre Ermittlungen am Fundort des ersten ermordeten Paares aufnahm. Der Tatort lag nur etwa 800 Meter vom Auffindeort der Opfer des ersten Doppelmordes entfernt. Den Rekonstruktionen der Ermittler zufolge beging der Täter den zweiten Doppelmord zu einer Zeit, als die Kriminalpolizei am Fundort der ersten zwei Opfer war und ihre Ermittlungen aufnahm. Spätere Tests ergaben, dass Schüsse trotz der geringen Entfernung nicht zu hören gewesen wären, weil sowohl der Fundort der Leichen des ersten Doppelmordes als auch der Tatort des zweiten Doppelmordes in Senken lagen.

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6hrde-Morde

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:52:45 
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Parallelen

Die Parallelen der beiden Taten lagen darin, dass jeweils ein Paar mittleren Alters ermordet wurde und dass sich die Tatorte im selben Waldgebiet des riesigen Forstes befanden. Darüber hinaus entwendete der Täter den Opfern in beiden Fällen auffällige technische Gegenstände, obgleich es sich den Ermittlungen zufolge um keine klassischen Raubmorde handelte. Der Täter nahm beiden Opferpaaren die Autoschlüssel ab, um mit den Fahrzeugen aus der Göhrde zu entkommen. In beiden Fällen ließ er die Fahrzeuge in nahegelegenen Kleinstädten mit Bahnanschluss stehen. Beide Städte liegen an der Bahnstrecke Hannover–Hamburg. Diese Parallelen veranlassten die Ermittler zur Annahme, dass es sich um denselben Täter handele. Es wird vermutet, dass er sich der Gegenstände, die er in beiden Fällen an sich genommen hatte, entledigte, nachdem die beiden Doppelmorde in den Medien für ein außerordentliches Interesse sorgten.

Folgen

Außer den gravierenden individuellen Auswirkungen bei den Angehörigen der Opfer hatten die beiden Doppelmorde auch wesentliche Folgen für die Göhrde: Sie versetzten die gesamte Region in Angst und Schrecken.[5] Sowohl in der Presse als auch im Fernsehen erhielt der Staatsforst die Bezeichnung „Totenwald“. Spaziergänger und Ausflügler mieden den Wald mit den berühmten Baumriesen über Jahre hinweg.

Maßnahmen

Die Polizei Niedersachsen bildete sofort nach Entdeckung der ersten Tat eine 40-köpfige Sonderkommission mit Kriminalbeamten aus der Region und aus Lüneburg. Die Sonderkommission legte 1.911 Spurenakten an und befragte annähernd 10.000 Menschen. Ein Phantombild wurde erstellt und veröffentlicht und eine Belohnung von 50.000 D-Mark ausgelobt. Im Dezember 1989 und noch einmal im Januar 1990 wurde der Fall in der Fernsehfahndungssendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ausgestrahlt, diese Fahndungssendungen führten aber nicht zum Erfolg.

Der Täter wurde infolge der weiteren Ermittlungen von Polizeipsychologen als brutal, aggressiv, gefühlskalt, Einzelgänger, sexuell gestört, psychisch krank, cholerisch, überkorrekt und introvertiert charakterisiert. Die Ermittler gingen davon aus, dass er Nichtraucher gewesen sei, sich seine Zeit habe selbst einteilen können und bei Abwesenheit vom Arbeitsplatz nicht vermisst würde.

Die Überprüfungen einer Reihe von Personen, beispielsweise der Patienten der geschlossenen Psychiatrie, die zu den Tatzeiten Ausgang hatten, sowie der Gäste und der Patienten der Pensionen, Hotels und Kurheime im nahen Bad Bevensen führten nicht weiter. Ebenso verlief die Überprüfung aller Halter der Autokennzeichen erfolglos, die zu den Tatzeiten in irgendeiner Weise behördlicherseits notiert worden waren.

Erste „heiße Spur“

Schon nach kurzer Zeit gab es eine „heiße Spur“. In Wales hatte sich im Juni 1989 ein ähnlicher Doppelmord ereignet: Das Ehepaar Dixon war während eines Campingausfluges auf dem Pembrokeshire Coast Path bei Littlehaven aus nächster Nähe erschossen worden. Die Leichen wurden abseits des Weges versteckt gefunden, die Hände des Ehemannes waren auf dem Rücken gefesselt. Zeugen war einen Tag vor den Doppelmorden ein etwa 40 Jahre alter Mann aufgefallen, seine Beschreibung war der des mutmaßlichen Göhrde-Mörders ähnlich. Die Zeugen berichteten außerdem von einem etwa 20 Jahre alten Begleiter mit deutschem oder niederländischem Akzent. In der Göhrde hatte die Polizei in der Nähe des ersten Tatortes eine niederländische Geldmünze gefunden. Alle Tatorte lagen in der Nähe eines Übungsplatzes britischer Truppen. Die Ermittlungen in Wales blieben zunächst ergebnislos, bis im Mai 2009 der 64 Jahre alte John Cooper in Untersuchungshaft genommen wurde, dessen DNA-Muster mit den am Tatort bei Littlehaven gefundenen Spuren übereinstimmt. Cooper, dem außerdem ein weiterer Doppelmord 1985 und eine Vergewaltigung 1996 zur Last gelegt wurden, erklärte sich „nicht schuldig“. Die Hauptverhandlung vor dem Swansea Crown Court endete nach zwei Monaten am 26. Mai 2011 mit einem Schuldspruch in allen Anklagepunkten und der Verurteilung Coopers zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sein Rechtsmittel gegen dieses Urteil wurde am 1. November 2012 letztinstanzlich verworfen. Eine Verbindung Coopers zu den Göhrde-Morden hat sich letztlich nicht ergeben.

Zweite „heiße Spur“

1993 hatte ein Zeuge vernommen, wie ein Mann seiner Frau im Streit gedroht habe, sie solle die Göhrde-Morde nicht vergessen, es könne ihr genauso ergehen, wenn sie ihn weiterhin mit einem anderen Mann betrüge. Der Zeuge meldete seine Beobachtungen an die Polizei. Die erste, oberflächliche Überprüfung war vielversprechend. Denn der Verdächtige hatte eine Waffenbesitzkarte über eine Kleinkaliberwaffe 5,6 Millimeter. Mit einer derartigen Waffe war das männliche Opfer des zweiten Doppelmordes erschossen worden. Darüber hinaus passte die äußere Erscheinung des Verdächtigen, wie braune Haare und Größe, zum angefertigten Phantombild. Schließlich kam der Verdächtige aus der Gegend und dürfte Ortskenntnisse gehabt haben. Die Ortskenntnisse waren für die Tat in einer derart abgelegenen Gegend wichtig gewesen. Nach einigen Monaten weiterer Ermittlungen beantragte der Staatsanwalt erfolgreich einen Durchsuchungsbeschluss beim zuständigen Amtsgericht. Die gründlich durchgeführte Hausdurchsuchung sowie die stundenlangen Vernehmungen des Verdächtigen und seiner Ehefrau führten nicht zum Erfolg, da sich keine belastenden Umstände ergaben. Im Gegenteil: Der Verdächtige konnte ein Alibi vorweisen, womit diese Spur ebenfalls nicht zur Tataufklärung führte.

http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6hrde-Morde

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:54:32 
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Erfolglosigkeit und jüngste Entwicklung

Die Sonderkommission wurde später aufgelöst. Ihr gelang es nicht, den Täter zu ermitteln. Der Leiter der damaligen Sonderkommission wurde bereits 1997 pensioniert. Danach arbeiteten noch immer zwei Kriminalbeamte aus der damaligen Sonderkommission sporadisch an dem Fall, und zwar ein Ermittler aus Lüchow und ein Ermittler aus Lüneburg. 2009 war nur noch der Kriminalbeamte aus Lüneburg nebenher mit dem Fall in der Weise betraut, mitunter noch auftretenden Hinweisen nachzugehen.

Im Juli 2009 gab es einen weiteren, möglicherweise letzten Ermittlungsansatz: Nach der Tat waren seinerzeit zwei Haare im Fahrzeug sichergestellt worden, die weder den Opfern noch deren Umfeld zuzuordnen waren. Die Kriminalpolizei wollte nunmehr mit Hilfe der mittlerweile vorangeschrittenen DNA-Analyse-Methode DNA-Muster aus den beiden Haaren isolieren und mit den beim Bundeskriminalamt gespeicherten Daten vergleichen. Das Problem der DNA-Analyse war, dass das DNA-Muster bei alten, ausgefallenen Haaren ohne Wurzel nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent komplett isoliert werden kann. Ein weiterer Versuch war nicht möglich, denn die Haare wurden bereits beim ersten Versuch vollständig zerstört.


http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6hrde-Morde

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:56:41 
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09.09.1996
Kriminalität
Das Phantom der Göhrde
Von Jürgs, Michael

Zwei mysteriöse Doppelmorde im niedersächsischen Staatsforst Göhrde innerhalb weniger Wochen im Sommer 1989 beschäftigen noch immer die Kriminalpolizei in Lüchow-Dannenberg. Sieben Jahre nach den Verbrechen sind sie für drei Polizeibeamte zum Fall ihres Lebens geworden, über den Mörder ist kaum etwas bekannt.

Es war ziemlich heiß an jenem Donnerstag und deshalb anstrengend, sich durch den dichten Forst einen Weg zu kämpfen, immer mit Blick auf den Boden, um bloß nichts zu übersehen. Die Polizisten wußten natürlich, wonach sie an diesem Tag im Staatsforst Göhrde zwischen Lüneburg und Dannenberg zu suchen hatten. Und sie wußten auch, daß die beiden Toten, deren Picknickkorb, Ausweise, Schlüssel, Fernglas sie finden sollten, brutal ermordet worden waren.

Für die Geschichte der Göhrde-Morde ist es unwichtig, wie die Polizisten hießen, denen plötzlich ein paar Meter links vom breiten Weg entfernt im Waldstück Jagen 147 Verwesungsgeruch in die Nase stieg. Wichtig ist, was sie entdeckten, und sie zumindest werden das nie vergessen. Im Innern einer Schonung, unter Tannenzweigen, lagen zwei Tote, ein Mann und eine Frau, und der Anblick der beiden Leichen war nicht schön.

Auch nicht so schön, daß man nur fünfzehn Tage nach der zufälligen Entdeckung eines ersten Doppelmordes kaum 800 Meter entfernt vom Fundort nun auf zwei weitere Opfer stieß. Immerhin waren sie im Gegensatz zu den ersten noch erkenntlich und bekleidet.

Fast sechs Jahre vergingen, aber den Mörder hatten sie immer noch nicht, als die beiden Kriminaloberkommissare Dieter Weihser und Horst Göbel im Sommer vergangenen Jahres beauftragt wurden, sich noch einmal um den berühmten Fall zu kümmern, sozusagen von Anfang an, als seien die Morde erst gestern passiert. Ein Fall fast für zwei: den großen, bärenruhig-unerschütterlichen Dieter Weihser, nach Abitur, Bundeswehr und Fachstudium schon lange in dem Beruf, der ihn noch nie gelangweilt hat, und Horst Göbel, quirlig und wie immer auf der Lauer, der nur dann Anflüge von Depression zeigt, wenn sein Verein Werder Bremen verliert. Hätte es nicht sein können, daß ein anderer Blick andere Einblicke bringt? Deshalb haben sie neben ihren kriminalistischen Routineaufgaben noch einmal Tag für Tag die Akten genau gele-sen, die Zeugenaussagen, Ermittlungsergebnisse, aber nach einigen Monaten feststellen müssen, daß fast alle Spuren totermittelt waren, also ausrecherchiert mit negativem Ergebnis.

Genau eintausendneunhundertundelf Hinweise gab es im Laufe der Jahre, seitdem im Sommer 1989 in der Göhrde die vier Menschen entdeckt worden waren, deren Mörder kaum eine Spur hinterlassen hat. Man nannte schon bald den Wald den "Totenwald" und den Täter "Göhrde-Mörder", denn das war nicht nur richtig, sondern klang auch ganz gut, und der so informierte Bürger konnte sich deshalb schaurig fühlen, wenn er die B 216 zwischen Lüneburg und Dannenberg verließ und in den Wald der Toten einbog.

Daß man ihren Forst so nennt, hat die in der Göhrde nicht gefreut, deren Geschäft der Tourismus ist. Also wünschen sie sich heute, inzwischen sieben Jahre nach der Tat, daß man entweder den Mörder doch noch findet oder daß die ganze Geschichte bei denen von außerhalb, die so gern in der Göhrde bessere Luft schnappen wollen, endlich vergessen ist.

Finden wollen ihn Dieter Weihser, 45, und Horst Göbel, 40, auch - falls das nicht unmöglich ist, weil der Täter beispielsweise schon längst tot ist, was keiner ausschließen kann, denn man weiß ja fast nichts von ihm. Und was man über ihn weiß, mühsam zusammengefügt aus eben jenen eintausendneunhundertundelf Hinweisen, ist zwar neunzigprozentig wahrscheinlich, aber halt immer doch nur Annäherung.

Vergessen werden sie ihn aber selbst dann nicht, falls sie ihn nie finden. Das ist keine Frage der Ehre, das ginge ihnen ganz simpel gegen den Strich. Es ist nun mal ihr Beruf, dafür zu sorgen, daß Mörder nicht frei herumlaufen. Selbst in diesen Zeiten, da sogenannte Bullen entweder als Ausländer schlagende Dumpfköpfe vorgeführt werden oder als hilflos der Bürokratie ausgelieferte Zyniker oder als Büttel profilneurotischer Politiker, schlecht bezahlt und schlecht motiviert und besonders schlecht ausgestattet, retten sie ihr Selbstbewußtsein ohne große Worte in das Bewußtsein ihrer absoluten Professionalität. Das gibt ihnen innere Sicherheit, wenn über Innere Sicherheit debattiert wird.

Aber die Göhrde-Morde sind kein Fall wie die anderen, selbst wenn beide bemüht sind, professionell und kühl auch diese Taten als irgendwann zu lösende Aufgabe, also als Pflicht und nicht als Kür zu sehen. Es ist ja schließlich nicht so, daß man nichts anderes zu tun hätte: Dieter Weihser in Lüneburg untersucht Tötungs- und Waffendelikte, Brandstiftungen, Sittlichkeitsvergehen. Für Horst Göbel von der Kripo in Lüchow im Castor-Land, früher, vor der Einheit, am Arsch der Welt, heute mittendrin, sind es Autodiebstähle, Einbrüche und immer wieder Brände.

Daß die beiden ein Team in Sachen Göhrde geworden sind, ist Ergebnis verschiedener Polizeireformen und Zufall. Wer ist frei? Wer hat einen Bezug zur Gegend und zum Fall? Wer kann besonders gut ermitteln? Wer ist fähig zur Teamarbeit? Deshalb blieb ihnen der Fall erhalten, den ihr Kollege Horst Michaelis, 59, begonnen hat, der jetzt bald in Pension geht und den es nicht besonders freut, daß er den Mörder nicht mehr erwischte, der aber "seinen" Mörder nie vergessen hat.

Göbel und Weihser waren - mit 37 anderen Beamten - unter der Leitung von Horst Michaelis in der Sonderkommission damals in der heißen Phase nach der Entdeckung der Morde dabei; und sie wissen, wie wenig man hat an verwertbaren Indizien, aber die kennen sie auswendig.

Damit sie auch nichts vergessen, hat Michaelis zum Abschied aus der Mordkommission über 200 Seiten eines höchst subjektiven Sachstandsberichts geschrieben, sozusagen sein Vermächtnis für die Kollegen, die weitermachen.

"Damals", erzählt er, und er würde bestreiten, daß er dabei ein wenig wehmütig klingt, "dachte ich nur noch an den Göhrde-Mörder, und damals wohl habe ich mir angewöhnt, immer einen Zettel auf dem Nachttisch zu haben, damit ich auch nachts eine Ermittlungsidee aufschreiben konnte, die ich sonst am anderen Morgen vergessen hätte."

"Natürlich kümmern wir uns um andere Delikte auch", sagt Weihser, es gibt nicht einen Mann für einen Fall, das gibt es nur im Krimi oder für gewisse Zeitspannen in der Großstadt. Außerdem soll man bloß nicht glauben, sie hätten wenigstens während der ersten Monate intensiver Suche andauernd Columbo in der Provinz gespielt.

Eher langweilig notwendige Basisarbeit, ganz normale Ermittlungen halt: beispielsweise mit einer Phantomzeichnung in der Hand und fünf, sechs Hinweisen von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf, "an jedem Laternenpfahl geschnüffelt", wie Göbel sagt, und immer wieder abgehakt, nee, ist nichts, war falscher Alarm. Sie hoffen, daß vielleicht bei ganz anderen Ermittlungen, und nicht nur bei ihnen in Niedersachsen, plötzlich etwa ein olivfarbenes Fernglas Steiner Commander II 7X5o S auftaucht, das identisch ist mit dem, das dem Opfer im ersten Fall gehörte und nie gefunden wurde. Oder daß jemand eine Sofortbildkamera Image System der Marke Polaroid entdeckt, wie sie der andere Ermordete aus Jagen 147 besaß, denn auch die ist seit dem Mord verschwunden.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9089608.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:57:33 
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Die reinen Tatsachen der beiden Fälle kann man sich verhältnismäßig einfach merken, weil es so wenige sind. Das Ehepaar Ursula und Peter Reinold aus Hamburg ist zwar am 21. Mai 1989 ermordet worden, aber schon wie das geschah, ist nicht sicher, denn die Leichen waren "stark mumifiziert und größtenteils skelettiert", als sie von drei Blaubeersammlern am 12. Juli 1989 im Jagen 138 des Staatsforstes Göhrde entdeckt wurden.

Die alarmierten Kriminalbeamten wußten nach entsprechenden Untersuchungen zwar bald, daß der Fundort nicht der Tatort sein mußte -"wir haben den Boden bis in 30 Zentimeter Tiefe abgetragen, auch die Leichenteile auf eine Plane gelegt und alles auf der Suche nach Projektilen und so ausgekoffert, durchs Sieb geschüttelt", erinnert sich Michaelis.

Aber sie konnten angesichts der verwesten Leichen nicht mehr klären, ob das Ehepaar erschossen, erschlagen, stranguliert wurde, und das schafften die Gerichtsmediziner, die gleich mit am Fundort waren, auch später im Labor nicht. So ist zum Beispiel bis heute nicht sicher, ob die Verletzungen am Kehlkopf des 51jährigen Peter Reinold vom Mörder stammen, der ihn strangulierte, oder ob ein Wildschwein, von denen es hier im Wald viele gibt, draufgetreten ist.

Immerhin hatten sie am Abend dieses Tages, an dem die Toten gefunden wurden, eine erste mögliche Täterbeschreibung. Den Beerensammlern war auf ihrem Weg zum Revierförster, wo sie ihren grausigen Fund melden wollten, ein Mann aufgefallen: kräftig, braunes Haar, einen dunklen Beutel in der Hand, der nicht leer gewesen ist. Viel mehr wußten sie nicht zu berichten, zu groß war der Schock. Aber es reichte später für ein erstes Phantombild.

Vom ebenfalls grauenvollen Sterben des anderen Paares - kein Ehepaar, sondern ein Liebespaar mit einem jeweils ahnungslosen Partner - ahnen die Ermittler ein bißchen mehr, weil die beiden vor ihrer völligen Verwesung gefunden wurden: Kopfschuß, schwere Strangulierungen, Schädelbrüche.

Geschehen ist die Tat genau zu der Zeit, an dem Tag, als die ersten beiden Opfer entdeckt wurden, was sich rekonstruieren ließ. Falls er sie erschossen haben sollte, das haben sie getestet an den beiden Fundorten, hätte man den Schuß von Jagen 147 in der Senke von Jagen 138 nicht hören können, wo gerade die Untersuchungen des ersten Mordes begonnen hatten. Und daß der, den sie seitdem jagen, zum Beispiel die Funksignale und das Piepen ihrer Walkie-talkies gehört und deshalb schnell entschlossen gemordet hat, ist auch nur eine Vermutung.

Entweder, sagen Weihser und Göbel, hat der Mörder eine schwere Macke und in seinem gerade ausgelösten Vernichtungswillen gar nicht mitbekommen, daß nur ein paar hundert Meter von ihm entfernt die Polizei seine ersten Opfer untersuchte. Oder aber er ist so kaltblütig, daß ihm das einen besonderen Kick gab und er die Tat dennoch beging, sogar die Frau noch mit Leukoplast an den Füssen fesselte, allerdings keine Zeit mehr hatte, diese Ermordeten so sorgfältig zu verstecken wie die anderen.

Unentdeckt raus aus dem Wald, und mehr als zwei Kilometer sind es ja nicht bis zur Hauptstraße, kam er mit einem eigentlich nicht ganz unauffälligen Toyota Tercel. Daß der am Rande der kleinen Straße hinter dem Forsthaus Röthen an der Schneise stand und er ihn bei seinem Einsatz dort gesehen hatte, fiel einem Beamten erst auf, als er in seinem Urlaub in der Zeitung das Foto des Pkw sah.

Gemeldet hat er sich nach seiner Rückkehr, da war es dann natürlich zu spät, aber auch hier kann man eigentlich keinem einen Vorwurf machen: Der zweite Mord war ja noch nicht entdeckt, als die Polizisten in den Wald gingen, um nach Spuren des ersten Mordes zu suchen. Also war das Auto am Waldesrand ein Auto wie jedes andere auch. Und nicht das Auto, mit dem Ingrid Warmbier und Bernd-Michael Köpping in den Wald fuhren, wo möglicherweise irgendwo auf einem Hochsitz der Mörder saß und sie beobachtete, als sie ausstiegen und in den Forst gingen.

Der muß Köpping nach der Tat den Schlüssel abgenommen haben und mit seinem Auto geflüchtet sein. Wie man später ermittelte, ist er noch etwa eine Woche damit herumgefahren, bevor er ihn in der Nähe der Kurklinik Bad Bevensen abstellte und abschloß. So wie er auch kaltblütig den Honda der Reinolds als Fluchtwagen benutzte und 300 Meter entfernt vom Bahnhof Winsen (Luhe) parkte.

Der Hochsitz, auf dem der Mörder vielleicht saß, liegt heute zerbrochen am Fuße einer Fichte, die inzwischen gewachsen ist. Nichts ist mehr, wie es damals war. Im Forsthaus Röthen wohnt eine andere Familie, die Leute, die da im Sommer 1989 lebten, sind fortgezogen, nicht nur aus Furcht, sondern auch, weil der Förster, das ist kein Geheimnis in der Gegend, damals zu denen gehörte, die man überprüfte.

Zwar gab es nach den Ermittlungen keinen Anhaltspunkt für einen begründeten Verdacht gegen ihn, aber das bedeutet gar nichts in der Göhrde. Denn unter den eintausendneunhundertundelf Hinweisen waren auch ein paar ganz üble Denunziationen.

"Weil grundsätzlich nichts unmöglich ist, auch wenn es noch so schwachsinnig klingt", sagt Weihser, "mußten wir uns auch um solche Hinweise kümmern." Einfach um ganz sicher zu sein, daß wirklich nichts dran ist.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9089608.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:58:20 
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Gefühle wie Frust oder Resignation erlauben sich Göbel und Weihser aber nicht. Obwohl das verständlich wäre, denn die vielen Hinweise führten lediglich zu drei Männern, bei denen die Ermittlungen einen so konkreten Verdacht ergaben, daß der jeweilige Verdächtige der Mörder hätte sein können, also der Amtsrichter aufgrund der zusammengetragenen Indizien bereit war, einen Durchsuchungsbeschluß auszustellen.

Bei einem, und das war immerhin erst vier Jahre nach der Tat, klang ein Hinweis aus der Nachbarschaft nicht so beknackt wie die Briefe des Rentners aus Dingsda, der immer Mörder mit genauer Adresse samt nicht so höflicher Bitte um Überweisung der ausgelobten 50 000 Mark Finderlohn durchgab, wenn er wieder mal Stimmen aus dem Jenseits gehört hatte.

Diesmal war es richtiges Diesseits, eine mögliche Affäre, wie sie in Niedersachsen ja häufiger vorkommt. Zufällig hatte jemand die Drohung eines Gehörnten belauscht, die Gattin solle mal die Göhrde-Morde nicht vergessen, so könne es auch ihr ergehen, wenn sie es weiterhin so triebe wie bisher: Ein Anruf kurz nach der Tagesschau bei der örtlichen Polizeidienststelle in Sachen Göhrde, bald sei doch wieder wie beim ersten Mord Vollmond und Mai, und man habe da einen speziellen Verdacht. Ein wacher Diensthabender auf diesem Revier, der diesen seltsamen und endlich mal nicht anonymen Hinweis an die richtigen Leute weitergab. Ein erstes Treffen mit dem Anrufer und die plötzlich greifbare Möglichkeit, der Mann, den der im Auge hat, der könnte es sein: Im Besitz eines Kleinkalibergewehrs war er, 5,6 Millimeter, und mit einem solchen war höchstwahrscheinlich Bernd-Michael Köpping erschossen worden.

Das Foto in der Akte auf dem Paßamt, das sich die Beamten anschauten, glich einer auf Zeugenaussagen beruhenden Phantomzeichnung, braunhaarig der Mann, fliehende Stirn, die üblichen stechenden Augen. Die Größe kam auch etwa hin, 175 bis 180 cm, und am wichtigsten: Der Verdächtige kannte sich in der Göhrde aus - denn ohne genaue Ortskenntnis hätte der Mörder dort nie zuschlagen können.

So einfach mal zu ihm hinfahren und guten Tag, wir kommen von der Kriminalpolizei, und wo waren Sie eigentlich am 21.5.89 und am 12.7.89, geht natürlich nicht. Worüber zum Beispiel soll man ihn belehren - über seine Rechte als Zeuge oder über seine Rechte als Beschuldigter? Klingt banal, aber ein guter Anwalt dreht aus dem Unterschied dann den Strick, mit dem er einen vor Gericht in Verfahrensfehlern fesselt.

Und wie vermeiden, daß der Verdächtige von den Recherchen erfährt? Man kann ja nicht so nebenbei im Bekanntenkreis oder beim Schlachter oder in der Kneipe herumfragen, denn die Gefahr ist zu groß, daß sich einer verplaudert, Mensch, sach mal, neulich haben sich zwei Kriminalbeamte nach dir erkundigt ... Also einen ganz großen Kreis um den Verdächtigen ziehen und sehr vorsichtig in diesem Kreis herumschnüffeln und unauffällig observieren und die winzigsten Hinweise sammeln.

Nach fünf Monaten endlich hat Dieter Weihser genug zusammen, um in seinem Bericht an den zuständigen Staatsanwalt dem zu empfehlen, einen Durchsuchungsbeschluß zu beantragen. Der Jurist ist von den Argumenten der Ermittler überzeugt und stellt beim Amtsrichter den entsprechenden Antrag.

Die Hausdurchsuchung bei dem Krankenpfleger dauert einen ganzen Tag, nicht nur die üblichen Schubladen werden geöffnet, auch die Asche im Herd untersucht, sogar Dielenbretter des Bauernhauses werden aufgestemmt und anschließend sorgfältig wieder vernagelt.

Die Vernehmung des Verdächtigen beginnt um 11.46 Uhr und endet um 17.20 Uhr, parallel dazu wird die Ehefrau verhört. Doch beide Gespräche bringen keine neuen Hinweise, im Hause des Verdächtigen wird nichts Verdächtiges entdeckt, die Untersuchung seines Autos ergibt nicht eine einzige Faser, die zur Kleidung oder den Resten der Kleidung der Opfer passen würde oder zu denen, die man in den Pkw der Opfer gefunden hat. Das Alibi des überprüften Mannes ist wasserdicht, die Spur ist totermittelt, die Akte kann geschlossen werden. Wieder nichts.

Dabei paßte anfangs vieles von dem wenigen, was die Fahnder über ihren Täter wissen: Er muß sich gut auskennen im Staatsforst Göhrde. Er muß Autorität ausgestrahlt haben, sonst hätte er sich den beiden Paaren nicht so einfach nähern können. Und er muß vor allem groß und kräftig sein, sonst hätte er die Leichen nicht unter Zweige und in die Schonung zerren können. Solche starken Typen braucht man zum Beispiel als Krankenpfleger in geschlossenen Anstalten.

Das Phantom der Göhrde ist möglicherweise ein Frauenhasser, der durch die Paare erregt wurde, auf jeden Fall hat er eine sexuelle Störung, die plötzlich im Jagen 147 ausgelöst wurde. Er ist brutal, er ist aggressiv, er ist ein Einzelgänger, er kann sich seine Zeit selbst einteilen, wird also nirgends am Arbeitsplatz vermißt, falls er mal nicht da ist. Er ist Nichtraucher, denn in den Autos der Opfer, die er fuhr, wurden keine Kippen gefunden - was natürlich auch die Vorsichtsmaßnahme eines in Wahrheit kettenrauchenden Mörders gewesen sein kann. Und angesichts der Brutalität der Morde muß man davon ausgehen, daß er sexuell gestört ist, psychisch krank.

Der von der Mordkommission beauftragte Psychologe umschreibt das in seinem natürlich auch nur auf Vermutungen beruhenden Täterprofil mit "sexuellen Entwicklungsdefiziten" und dem daher kommenden Drang des Mörders, seine "sexuellen Impulse durch Aggressivität auszuleben".

Wenn sich mal ein Hinweis vielversprechend las, haben die Beamten das, was sie ermittelt hatten, verglichen mit dem Psychogramm des Psychologen und mit ihren wenigen Zeugenaussagen: cholerisch ist der Verdächtige, brutal, überkorrekt, introvertiert et cetera. Wenn es viele Übereinstimmungen gab, die alle auf den paßten, den sie im Visier hatten, kam kurzfristig Hoffnung auf, daß sie ihn endlich wirklich hatten. Kurzfristig.

Logisch, daß man sich in geschlossenen Anstalten nach möglichen Patienten, und mitunter auch nach ihren Wärtern - aber immer streng im Rahmen des Datenschutzes - erkundigte, die dem Täterprofil entsprachen und in den fraglichen Wochen vielleicht Ausgang gehabt hatten.

Logisch, daß man sich im nahen Kurort Bad Bevensen in den Kliniken und Pensionen und Hotels und Kurheimen umschaute, denn wer von seinen physischen Beschwerden dort einigermaßen geheilt war, fuhr gern mal in die Göhrde, und nicht immer allein. Kann es sein, daß der Mörder eine Art Kurschatten-Meise hatte, daß er physisch gesund, aber psychisch gestört war, weil ihm seine Frau bei einer Kur abhanden, also in andere Hände gekommen war? Auch Ermittlungen in diese Richtung blieben ohne Ergebnis.

Und alle fremden Autokennzeichen, die man aufgeschrieben hat - was nichts Besonderes war in der Gegend, wo jeder Fahrer mit auswärtigem Nummernschild dem Staatsschutz von wegen Gorleben verdächtig schien -, sind per Computer personifiziert worden, aber alle Halter hatten ein Alibi.

Auch den seltsamen verlotterten bärtigen Typ im Forst, den sie nach einem Tip gesucht hatten, haben sie gefunden. Aber es war nur ein Obdachloser, der damals den Sommer im Wald verbrachte statt unter irgendeiner Brücke in der Großstadt.

Nichts, nichts, nichts. "Der Mörder hätte genausogut wie ein Mafioso von irgendwoher einfliegen, den Mord begehen und am anderen Morgen wieder verschwinden können", sagt Göbel, und Weihser untermauert den Satz des Kollegen mit der Faustregel, daß die meisten Morde aufgrund persönlicher Beziehungen begangen werden und oft in den ersten 48 Stunden nach der Tat aufgeklärt sind. "Bei unserem Fall", meint er lapidar, "haben wir aber die ersten Leichen erst sieben Wochen nach der Tat gefunden, und wir können eigentlich davon ausgehen, daß die Begegnungen zwischen Mörder und Opfern Zufallsbegegnungen waren. Es hätte auch andere treffen können." Nicht einmal ein paar andere kleinere noch unaufgeklärte Fälle haben sich nebenbei lösen lassen, wie es eigentlich bei jeder großen Aktion passiert.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9089608.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 29. Oktober 2013, 18:59:34 
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Der erste Doppelmord aus Versehen, weil der betrogene Ehemann der zweiten Ermordeten einen Killer beauftragt hatte und der sich das falsche Paar ausgesucht hat? Nein, so was gibt es nicht einmal im Vorabendprogramm, daß ein braver Bürger aus Uelzen nach St. Pauli fährt und dort zielstrebig einen Mörder dingt. Aber selbst diese Theorie wurde überprüft.

Der Ehemann übrigens ist inzwischen verstorben, und mit der Tochter der Ermordeten haben die Beamten selten Kontakt. Mit den Kindern der Reinolds dagegen sprechen sie regelmäßig und halten sie über das wenige auf dem laufenden, was hin und wieder in diesem Fall passiert. Der Anruf eines Beamten von einer ganz anderen Dienststelle zum Beispiel, der bei einer Diebstahlsermittlung ein Fernglas konfisziert hat ... ob sich der Kollege Weihser das mal ansehen möchte? Könnte doch sein, daß es in seinen Fall paßt.

Warum das Phantom der Göhrde seit sieben Jahren nicht mehr gemordet hat? "Da gibt es mehrere Möglichkeiten", sagt Horst Göbel, "er kann zum Beispiel längst schon tot sein." "Oder er ist ausgewandert", sagt Weihser, "das ist ja nicht auszuschließen." Oder er ist in einer Anstalt, wo er eigentlich hingehört. Oder ist weit weggezogen und nie mehr straffällig geworden. Oder er verhält sich wie das Chamäleon, das sich stets seiner Umgebung anpaßt und dadurch unauffällig bleibt.

Denn es gibt noch eine Alternative, die Göbel und Weihser immer wieder diskutieren. "Es könnte sein, daß wir dem Mörder schon begegnet sind, daß er unter denen ist, die wir schon überprüft haben. Und daß er Angst hat, weil er merkte, wie dicht wir an ihm dran waren." Daß sie ihn wahrscheinlich sofort kriegen, falls er wieder mordet, weil sie inzwischen so lange mit einer theoretischen Vorstellung von ihm gelebt haben, daß sie ihn praktisch an seiner Handschrift wiedererkennen würden, sagen sie lieber nicht. Um diesen Preis wollen sie ihn nicht haben.

Zwei, drei Spurenelemente haben sie noch in der Hinterhand, von denen außer ihnen, ihren Vorgesetzten und ihrem ehemaligen Chef Horst Michaelis keiner etwas weiß. Das soll auch so bleiben, denn wenn sie ihn einmal haben werden, sind das die Indizien, die den Täter überführen. Alles scheint zur Zeit zwar ausrecherchiert, zu Tode ermittelt, aber wie das so ist: Morgen könnte es passieren oder übermorgen, daß plötzlich etwas nicht mehr in den Rahmen paßt und damit das ganze Bild neu aufgebaut werden müßte.

"In Troja zum Beispiel", sagt Dieter Weihser, "ist alles erforscht, wie man weiß. Doch könnte es sein, daß ein Archäologe zufällig eine Scherbe unter all den Scherben entdeckt, die da einfach nicht hingehört. Und dann würde er sich die Frage stellen, wie die da hinkommt, und es begänne eine ganz neue Geschichte."

Göbel und Weihser wollen den Kerl erwischen, aber wenn es am Schluß nicht sie sind, die ihn festnehmen, sondern ihre Kollegen, ist ihnen das auch egal. Sie waren schließlich dabei, und es zählt der Wunsch, am Schluß bei den Siegern zu sein. Sie wollen dem Mörder ins Gesicht sehen, und sie wollen wissen, warum er es tat. Und falls sie den Göhrde-Mörder doch nie fangen? Da bleibt allenfalls grimmige Genugtuung, daß er unter seiner Schuld leidet, Tag für Tag. Daß er weiß, er wird gejagt, und daß er Angst hat, erwischt zu werden, Tag für Tag. Daß er bei jedem vor seinem Haus parkenden fremden Auto in Panik gerät und bei jeder zufälligen Begegnung mit einem Polizisten schwitzt. Daß er sich nie bei ihnen, seinen Jägern, freisprechen kann, bevor er schuldig gesprochen wird.

Was natürlich alles nur gilt für den Fall, daß der Göhrde-Mörder das hat, was man Gewissen nennt. Und das weiß nun wirklich niemand.

Michael Jürgs


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9089608.html

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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Dienstag, 20. Mai 2014, 09:06:09 
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Die Welt kompakt 20.05.14

Rätsel um den "Göhrde-Mörder"

25 Jahre nach dem brutalen Tod von zwei Paaren fehlt vom Täter noch jede Spur
Von Ludger Fertmann

Der 21. Mai 1989 ist ein sommerlicher Tag – und ein historischer. Denn in der Göhrde, einem Staatsforst im Landkreis-Lüchow-Dannenberg, beginnt an diesem Tag einer der spektakulärsten und vor allem rätselhaftesten Kriminalfälle in der Geschichte der Bundesrepublik. Ein bis heute Unbekannter ermordet an diesem Tag im prächtigen Mischwald ein Ehepaar aus Hamburg-Bergedorf.

Erst am 12. Juli entdecken Blaubeerensammler die Leichen. Auf dem Weg zur Polizei treffen sie noch im Wald einen braunhaarigen, etwa 40 Jahre alten Mann, von dem die Polizei bis heute annimmt, dass er der Täter war. Er hat, so die Überzeugung der Polizei, genau an diesem Maitag ein zweites Paar ermordet, ein Liebespaar, dass sich in der Kur kennengelernt hat, er 43 Jahre alt aus Hannover, sie 46 Jahre alt aus Uelzen. Die Polizei findet diese Leichen am 27. Juli 1989 im Rahmen einer Spurensuche im Zusammenhang mit dem ersten Doppelmord – keine 800 Meter entfernt vom ersten Fundort.

Nach Rekonstruktion der Polizei erschießt der Täter den Mann mit einer Kleinkaliberwaffe, während am ersten Fundort Beamte schon Spuren suchen. An Schüsse aber kann sich kein Polizist erinnern. Der Frau zertrümmert der Unbekannte den Schädel. In beiden Fällen ging er äußerst brutal und offenkundig zielgerichtet vor, auch wenn bei dem ersten Doppelmord wegen des hohen Verwesungsgrads durch den heißen Frühsommer offen bleibt, ob die Opfer erschlagen, erschossen oder stranguliert wurden. Sicher ist sich die Polizei aber, dass es kein Unfall oder Selbstmord war, sondern ein Verbrechen.

Die Leichen des Ehepaares waren entkleidet, im zweiten Fall waren die Opfer mindestens teilweise mit Leukoplast gefesselt. Wer in den Archiven blättert, im Internet surft, der stößt immer wieder auf neue Varianten über den Zustand der Leichen und die Art der Verletzungen, die anzunehmende Todesursache und weitere Details. Dies hat auch damit zu tun, dass die Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg bis heute aus gutem Grund mit Details geizt.

Sollte doch noch ein Verdächtiger gefunden werden, kann das sogenannte Täterwissen entscheidend sein, um ihn zu überführen. Dabei geht es um Details der Taten, die nie den Weg in die Massenmedien gefunden haben, und die also außer den Beamten nur ein Täter haben kann. Über die Beweggründe des Täters ist nicht nur wegen der Brutalität beider Doppelmorde gerätselt worden, sondern auch wegen seiner Dreistigkeit. Die zweite Doppeltat geschah schließlich im gleichen Waldstück, während die Beamten nur wenige Hundert Meter weiter aktiv waren.

Den Wagen der ersten Opfer parkte er Tage nach der Tat in der Nähe des Bahnhofs von Winsen. Und auch den Personenwagen der beiden späteren Opfer hat er offenkundig noch eine Woche gefahren, bevor er ihn in Bad Bevensen stehen ließ. Beide Fundorte der Autos liegen in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke Hannover – Hamburg. Ob der Mann nun gefühlskalt, oder geisteskrank war, ob er ein Einzelgänger ist und blieb, es sind bis heute nur Mutmaßungen möglich.

Die Taten wurden abgeglichen mit den Patienten von Landeskrankenhäusern, auch die Gäste aller in der Nähe liegenden Hotels und Pensionen wurden unter die Lupe genommen. Ohne Erfolg. Und auch die erste heiße Spur brachte nichts: Im britischen Wales starb im Juni 1989 das Ehepaar Dixon unter ähnlich brutalen Umständen, die ersten Beschreibungen von Zeugen wiesen ein deutliche Ähnlichkeit zum Phantombild aus Deutschland auf.

Erst 2009 konnte die Polizei in England einen Verdächtigen anhand von DNA-Spuren festnehmen, der dann auch rechtskräftig verurteilt wurde. Aber es gab keine verwertbaren Anhaltspunkte, dass er auch der "Göhrde-Märder" war. 1989 und noch einmal 1990 wurde der Fall in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY…ungelöst" thematisiert. Fast 2000 Spurenakten hat die Polizei im Laufe der Jahre abgearbeitet, bis heute werden die umfangreichen Akten immer wieder in die Hand genommen. Die meisten Beamten allerdings, die sich Jahrzehnte immer wieder in den Fall verbissen haben, sind inzwischen in Pension. Aufhören, so versichert es zum traurigen Jubiläum Kai Richter, Pressesprecher der Polizeidirektion, wird man nicht: "Wir geben die Hoffnung nicht auf, ihn doch noch zu fassen". Die Polizeiinspektion steht auch noch im Kontakt mit der Tochter eines der Opfer.

Und dann gibt es da noch eine Chance, auch nach 25 Jahren auf eine heiße Spur zu stoßen. Teil der Spurenakte sind zwei Haare, die in einem der beiden gestohlenen Wagen sichergestellt wurden und weder den Opfern noch ihrem Umfeld zugeordnet werden konnten. Polizeisprecher Richter will sich nicht festlegen, aber "vielleicht schon in naher Zukunft" will die Polizei diese Haare in einem österreichischen Institut analysieren lassen, das darauf spezialisiert ist, die DNA auch in Haaren ohne Wurzeln zu bestimmen. Im Tatjahr 1989 stand die DNA-Analyse noch ganz am Anfang, aber inzwischen gibt es Hunderttausende von DNA-Proben in der Datenbank der deutschen Polizei.

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/h ... erder.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 27. Mai 2016, 18:22:22 
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LÜNEBURG Ist der Gärtner der Göhrde-Mörder?


1989 wurden zwei ermordete Paare der östlich von Lüneburg gelegenen Göhrde entdeckt. Im gleichen Jahr verschwand eine 41-jährige Frau in der Region. Jahrzehnte später hat die Polizei einen möglichen Verdächtigen – der seit 23 Jahren tot ist.

LÜNEBURG
Ein 1993 gestorbener Friedhofsgärtner könnte für mehrere Morde in der Region Lüneburg verantwortlich sein. Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem spurlosen Verschwinden einer 41-jährigen Frau bei Lüneburg konzentrieren sich neue Ermittlungen auf den Mann. Untersucht werden auch Verbindungen zu weiteren Tötungsdelikten in der Region. Der als Täter verdächtigte Mann beging 1993 Selbstmord, als er wegen anderer Vorwürfe im Gefängnis saß.

Im vergangenen Jahr sei eine neue Ermittlungsgruppe zu dem Fall der 1989 verschwundenen Frau eingerichtet worden, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion Lüneburg, Wiebke Hennig. Der Mann sei schon früher verdächtig gewesen, mit dem spurlosen Verschwinden der 41-Jährigen aus Brietlingen-Moorburg in Verbindung zu stehen. „Dieser Tatverdacht konnte inzwischen durch die aktuellen Ermittlungen weiter erhärtet werden“, sagte Hennig.

Auch Verbindungen zu weiteren Tötungsdelikten in der Region werden derzeit untersucht. „Ein möglicher Zusammenhang mit den Göhrdemorden wird mit überprüft“, sagte die Sprecherin der Polizeidirektion.

In der östlich von Lüneburg gelegenen Göhrde waren 1989 zwei ermordete Paare entdeckt worden, die Taten blieben bislang ungeklärt. „Die Polizei hat in Lüneburg im Januar eine neue Ermittlungsgruppe mit Blick auf die Göhrdemorde eingerichtet“, sagte Sprecher Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg. Die Hamburger „Morgenpost“ hatte zuvor über einen möglichen Zusammenhang dieser und weiterer Morde mit dem Verschwinden der 41-Jährigen berichtet.

http://www.nwzonline.de/panorama/ist-de ... 29497.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 14. Juni 2017, 15:28:51 
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TAT IN NIEDERSACHSEN
Mord an vier Menschen: Neue Spur nach mehr als 25 Jahren?


Hannover. Mehr als 25 Jahre nach dem Mord an vier Menschen in einem Wald im Kreis Lüchow-Dannenberg gibt es möglicherweise eine neue Spur zum Täter.
Im östlich von Lüneburg gelegenen Waldgebiet Göhrde waren 1989 zwei getötete Paare entdeckt worden, die Taten blieben bislang ungeklärt.

Wie die „Bild“ am Mittwoch berichtete, entdeckten Ermittler in der Wohnung einer im Mai 2015 ermordeten Unternehmerin in Hannover eine DNA-Spur, die zu Spuren am Tatort der Göhrdemorde von 1989 passt. Ein Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg sagte: „Die Bewertung der Spurenlage dauert gegenwärtig an.“ Unter Verweis auf das laufende Verfahren könnten keine weiteren Angaben gemacht werden.

Neue Methoden könnten Erfolg bringen
Die Göhrdemorde werden seit 2015 von einer eigenen Ermittlungsgruppe in Lüneburg erneut untersucht. Wie die Zeitung berichtete, wurden vor einigen Monaten alte Beweisstücke ans LKA nach Hannover geschickt, um mit neuesten Methoden die DNA des Täters zu ermitteln. „Vier Beamte sind derzeit mit den Göhrdemorden befasst“, sagte der Polizeisprecher.

Für den Mord an der Unternehmerin in Hannover wurde 2015 ein damals 27-Jähriger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Mann hatte nach der Tat EC-Karten und den Sportwagen des Opfers mitgenommen.


https://www.noz.de/deutschland-welt/nie ... -25-jahren


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 14. Juni 2017, 17:50:42 
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Hannover
Neue Spur zu Göhrde-Morden - wird das Rätsel nach 28 Jahren aufgeklärt?
Vor 28 Jahren schockten die sogenannten Göhrde-Morde die Republik. Jetzt haben die Ermittler möglicherweise eine neue Spur - sie führen zu einem weiteren Mordfall.

Sommer 1989: Binnen weniger Wochen werden zwei Paare im Staatsforst Göhrde im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen brutal ermordet - wahrscheinlich vom selben Täter. Zwei Besonderheiten prägten den Fall: Zum einen geschah der zweite Mord an dem Tag, an dem die Polizei nur wenige Hundert Meter von dessen Tatort entfernt die Leichen der ersten Tat entdeckte. Zum anderen gehen die Ermittler davon aus, dass drei Waldbesucher dem Täter in der Göhrde begegneten, ohne es zu wissen. Dennoch: Beide Morde sind bis heute nicht aufgeklärt. Das könnte sich allerdings jetzt ändern.

DNA-Spuren von Göhrde-Mord an anderem Tatort

Wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) berichtet, gibt es eine mysteriöse Wendung in dem Fall: DNA-Spuren, die bei einem der Göhrde-Morde sichergestellt wurden, sind demnach in der Hannoveraner Wohnung einer vor rund zwei Jahren ermordeten Frau entdeckt worden. Wem diese zugeordnet werden können, sei derzeit unklar. Laut "Bild"-Zeitung wurden jetzt Bekannte der Getöteten zur Speichelprobe gebeten.

Blick in den Göhrde-Wald nahe Hamburg

Bei dem Opfer handelte es sich um eine 49-Jährige, die im Mai 2015 im Zooviertel der niedersächsischen Landeshauptstadt beraubt und ermordet wurde. Ein halbes Jahr später wurde ein 27-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt - er kommt allein wegen seines Alters ganz sicher nicht als Göhrde-Mörder in Frage.

Möglicherweise haben sich aber auch Fehler bei der Auswertung der DNA-Spuren eingeschlichen. So wurde beispielsweise die Ermordung des Mädchens Peggy 2001 irrtümlich mit dem NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt in Verbindung gebracht worden, weil Spuren verunreinigt worden sind.
Die Ermittler hoffen jetzt dennoch, dass mit den neuen Spuren die Morde in dem niedersächsischen Wald nach 28 Jahren aufklärt werden können. Vier Beamte seien zurzeit mit den Göhrde-Morden befasst, zitiert die HAZ einen Polizeisprecher.

http://www.stern.de/panorama/stern-crim ... e=standard


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Donnerstag, 15. Juni 2017, 20:57:17 
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DNA-Spuren führen nach Hannover
Gibt es eine Wende bei den Göhrde-Morden?
Vor 28 Jahren wurden zwei Paare in Göhrde in der Lüneburger Heide ermordet, der Fall ist bis heute ungeklärt. Doch jetzt führen DNA-Spuren nach Hannover - ausgerechnet zu einem weiteren Mord.

Artikel veröffentlicht: Mittwoch, 14.06.2017 08:54 Uhr
Artikel aktualisiert: Mittwoch, 14.06.2017 21:26 Uhr

„Wildwestmanier“ bei Papenburg in Misburg?
Führen DNA-Spuren im Mordfall der 49-Jährigen Andrea K. zu den Göhrde-Morden?

Quelle: Elsner/dpa/Montage/Archiv Führen DNA-Spuren im Mordfall der 49-Jährigen Andrea K. zu den Göhrde-Morden?

Hannover. Die Spur zur Aufklärung von zwei spektakulären Verbrechen in Niedersachsen vor 28 Jahren führt möglicherweise nach Hannover. Ermittler der Polizei in Lüneburg prüfen nach HAZ-Informationen Zusammenhänge zwischen den sogenannten Göhrde-Morden aus dem Jahr 1989 und einem Mord im hannoverschen Zooviertel von 2015.

Die Unternehmerin Andrea K. war vor gut zwei Jahren tot in ihrer Wohnung in der Mars-La-Tour-Straße gefunden worden. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass die 49-Jährige Opfer eines Raubmörders geworden war. Für die Tat wurde der damals 27 Jahre alte Florian K. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

In der Wohnung der Unternehmerin hatte die Kriminalpolizei an einer Weinflasche genetische Spuren sichergestellt, die nicht vom Mörder der Unternehmerin stammten. Nach HAZ-Informationen stammen sie aber mit den DNA-Spuren überein, die 1989 bei den Göhrde-Morden gesichert werden konnten.


Die Polizei hat eine 49 Jahre alte Frau tot im Mai 2015 in ihrer Wohnung an der Mars-La-Tour-Straße im Zooviertel entdeckt. Eine Obduktion ergab, dass die Frau umgebracht wurde.


1989 waren zwei Liebespaare, ein Hamburger Ehepaar und ein Mann aus Ronnenberg und dessen Geliebte, im Waldgebiet Göhrde bei Lüchow-Dannenberg umgebracht worden. Die Staatsanwaltschaft in Lüneburg wollte sich zum aktuellen Stand der Ermittlungen nicht äußern. „Wir geben erst dann eine Erklärung ab, wenn uns konkrete Ermittlungsergebnisse vorliegen“, sagte Behördensprecherin Wiebke Bethke der HAZ.

Von wem die DNA-Spuren stammen, ist bislang vollkommen unklar. Das deutet darauf hin, dass der Täter bislang polizeilich nicht durch eine gravierende Straftat aufgefallen ist, denn sonst lägen beispielsweise seine Fingerabdrücke den Behörden vor. Sollte sich die Spur erhärten lassen, würde das aber auch bedeutet, dass die Unternehmerin mit dem Göhrde-Mörder bekannt gewesen ist.

Die alleinstehende Andrea K. hat offenbar ein Doppelleben geführt. Während ihre Nachbarn sie vor allem als Karrierefrau wahrnahmen, die viel arbeitete und selten zu Hause war, hatte Andrea K. nach Informationen der HAZ auch eine andere Seite. Sie unterhielt Profile auf einschlägigen Internetseiten und soll so nach flüchtigen Bekanntschaften gesucht haben. Möglicherweise traf sie dabei auf den Göhrde-Mörder.


An der Aufklärung einiger Morde und anderer Verbrechen arbeitet die Polizei Hannover teilweise seit Jahren und ist dennoch nicht weiter gekommen. Eine Übersicht.


Die Doppelmorde von 1989 lagen zeitlich nur wenige Wochen auseinander. Die Taten sind bis heute ungeklärt. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei die Ermittlungen wieder aufgenommen – auch, weil verschiedene Beweismittel von damals mit moderner Kriminaltechnik noch einmal auf Spuren untersucht werden sollten. „Vier Beamte sind derzeit mit den Göhrde-Morden befasst“, sagte der Polizeisprecher.

Noch ist unklar, wann die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen vom Tatort in Hannover vorliegen werden und wann sich die Staatsanwaltschaft dazu äußern wird. Ein Sprecher der Polizeidirektion Lüneburg sagte: „Die Bewertung der Spurenlage dauert gegenwärtig an.“

Tobias Morchner

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stad ... h-Hannover


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 Betreff des Beitrags: Re: Presseberichte
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Freitag, 30. Juni 2017, 12:36:35 
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Polizei prüft alte Spuren mit neuer Technik

27.06.2017

1989 erschütterten zwei Doppelmorde das Wendland. Die Göhrde-Morde sind bis heute ungeklärt.

Von Björn Vogt


Göhrde l Die Doppelmorde in der Göhrde im Jahr 1989, einem weitläufigen Wald im benachbarten Wendland, gehören zu den umheimlichsten ungelösten Kriminalfällen der Bundesrepublik Deutschland. Die Polizei verfolgt aktuell eine neue heiße Spur. In einer dreiteiligen Serie blickt die Volksstimme auf die neuesten Spuren und einen Verdächtigen, der bereits tot ist.

Einen außergewöhnlich heißen Maitag vor 28 Jahren nutzt das Hamburger Ehepaar Reinold, um einen Ausflug in die Göhrde zu machen. Dieser größte zusammenhängende Mischwald Norddeutschlands liegt im benachbarten Lüchow-Dannenberg.

Ursula und Peter Reinold suchen eine Lichtung auf, um sich zu sonnen. Hier werden sie wenig später brutal umgebracht. Von wem, ist bis heute rätselhaft. Fest steht nur: Der (oder die) Mörder schleppte seine Opfer anschließend in eine nahegelegene Senke. Erst sieben Wochen später entdeckten Blaubeersammler die Leichen, inzwischen größtenteils skelettiert.

Die genaue Todesursache konnte auch eine Obduktion nicht klären. Nachdem die Blaubeersammler die Leichen entdeckt hatten, begegnete ihnen ein braunhaariger, kräftig gebauter, um die 40 Jahre alter Mann mit einem Beutel in der Hand.

Die Kriminalpolizei nimmt bis heute an, dass es sich um den Täter handelte, der sich genau an diesem Tag weitere Opfer suchte. Und fand.

Denn am 12. Juli 1989, dem Tag der Entdeckung des ersten Doppelmordes, fuhren eine Hausfrau aus Uelzen und ein Handelsvertreter aus Hannover gemeinsam in die Göhrde. Ein heimliches Liebespaar, das einen Ausflug machte. Sie hatten sich während einer Kur kennengelernt, ihre Ehepartner wussten nichts von der Beziehung.

Wagen des Opfers in Bad Bevensen entdeckt

Sie parkten nahe dem Forsthaus Röthen und gingen zu Fuß in die Göhrde. Im Waldabschnitt Jagen 138 trafen sie auf den Täter, der sie mit Leukoplastband an Händen und Füßen fesselte. Beide mussten sich mit dem Gesicht nach unten legen. Der Täter würgte den Mann und tötete ihn von hinten durch Kopfschüsse mit einer Kleinkaliberwaffe. Der Frau zertrümmerte er den Schädel. Anschließend flüchtete er mit dem Toyota des Mannes. Der Mörder fuhr noch etwa eine Woche mit dem Wagen, ehe er ihn in Bad Bevensen abstellte. Zwei Wochen später entdeckten Polizeibeamte bei einer Flächensuche die beiden Opfer des zweiten Doppelmordes.

Der Todeszeitpunkt konnte sicher auf den 12. Juli 1989 datiert werden, exakt den Tag, an dem die Polizei ihre Ermittlungen am Fundort des ersten ermordeten Paares aufnahm. Der Tatort lag nur etwa 800 Meter entfernt von den ersten beiden Opfern. Der Täter beging den zweiten Doppelmord zu einer Zeit, als die Kriminalpolizei am Fundort der ersten Opfer ermittelte.

Schüsse waren nicht zu hören

Tests ergaben, dass Schüsse trotz der geringen Entfernung nicht zu hören gewesen wären, weil sowohl der Fundort der Leichen des ersten Doppelmordes als auch der Tatort des zweiten Doppelmordes in Senken lagen.

Trotz tausender Hinweise und zwei heißer Spuren konnte der Mörder bis heute nicht gefasst werden.

2016 tauchte dann nach vielen untätigen Jahren ein möglicher Verdächtiger auf: Der von der Presse schnell „blonde Bestie von Brietlingen“ getaufte Friedhofsgärtner aus der Nähe von Lüneburg. Und ganz aktuell verfolgt die Polizei eine neue, möglicherweise heiße Spur.

Bekanntschaften übers Internet

Der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ und der Bild-Zeitung zufolge wurde im Jahr 2015 nach dem Mord an der Unternehmerin Andrea K. im Zooviertel der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover eine DNA-Probe sichergestellt. Dieses genetische Material passte jedoch nicht zu dem damals Hauptverdächtigen Florian K. Der 27-jährige wurde später für die Tat zu lebenslanger Haft verurteilt.

Was die Ermittler wirklich verblüffte, war ein Querverweis: Es gebe eine Übereinstimmung mit DNA-Spuren, die 1989 bei den Göhrde-Morden gesichert worden waren, schreibt die Bild-Zeitung.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg wollte der Volksstimme gegenüber dieses nicht bestätigen.

Die Staatsanwaltschaft wird erst eine Erklärung abgeben, wenn konkrete Ermittlungsergebnisse vorliegen, heißt es. Von wem das fremde DNA-Material stammt, ist zur Zeit völlig unklar. Offenbar, so spekuliert die Hannoversche Allgemeine, „sei die Person aber bisher nicht durch schwere Straftaten aufgefallen“, da die Polizei sonst möglicherweise schon über Vergleichsmaterial verfügen würde.

Auch ist den Ermittlern bisher nicht klar, in welcher Beziehung der unbekannte Besucher zu der ermordeten 49-jährigen Andrea K. stand. Denn die Ermittlungen in dem Fall hatten Pikantes zutage gefördert: Die Unternehmerin soll auf verschiedenen Internetseiten nach Bekanntschaften gesucht haben.

Dabei, so die Vermutung, könnte sie auf den Göhrde-Mörder gestoßen sein. Nach Angaben der Polizei Lüneburg sind zur Zeit vier Beamte mit den Göhrde-Morden beschäftigt: Sie untersuchen unter anderem die Beweismittel, die noch vorhanden sind, erneut mit modernster Kriminaltechnik.

http://www.volksstimme.de/lokal/salzwed ... er-technik


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