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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Mittwoch, 16. Mai 2018, 16:48:42 
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Zweiter Prozess im Freiburger Missbrauchsfall

Gutachter rät zu Therapie für den Angeklagten

Im Prozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes bei Freiburg plädiert der psychiatrische Gutachter für eine Therapie des Angeklagten. Er müsse dauerhaft betreut werden.

Nach der Vergewaltigung eines Jungen durch einen Soldaten hat ein psychiatrischer Gutachter für den Mann eine Therapie vorgeschlagen. Der 50-Jährige müsse dauerhaft betreut werden, sagte der Sachverständige Hartmut Pleines am Dienstag vor dem Landgericht Freiburg. Es handele sich bei dem Deutschen um einen Pädophilen, es bestehe ein Rückfallrisiko. Dieses sei jedoch nicht so gravierend, dass Sicherungsverwahrung gerechtfertigt wäre. Auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus komme nicht in Betracht.

Plädoyers ohne Öffentlichkeit – Urteil am Mittwoch öffentlich

Das Landgericht will am Mittwoch um 15:00 Uhr das Urteil verkünden. Hierzu seien Publikum und Presse zugelassen, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Bürgelin. Die Plädoyers wurden am Dienstag hinter verschlossenen Türen gehalten. Als Grund nannte das Gericht Persönlichkeitsrechte des Angeklagten.

Die Staatsanwältin forderte nach eigenen Angaben zwölf Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung, der Verteidiger vier Jahre Haft ohne Sicherungsverwahrung. Die Anwältin der Nebenklage, die das Opfer vertritt, plädierte auf elf Jahre Gefängnis, Sicherungsverwahrung und 12.500 Euro Schmerzensgeld für den Jungen.

"Verstörende und abstoßende Taten" – "Abnorme Sexualität"

Es handele sich um "verstörende und abstoßende Taten", sagte der Gutachter. Der Bundeswehrsoldat habe eine "abnorme Sexualität". Mit einer Therapie könne es gelingen, sie in den Griff zu bekommen. Eine psychische Erkrankung gebe es nicht, der Mann sei voll schuldfähig.

Gutachter: Für Ersttäter sei keine Sicherungsverwahrung angedacht

Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung, wie sie die Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Nebenklage fordern, seien nicht gegeben, sagte Pleines. Der Mann habe von der Justiz 2007 zwar einen Strafbefehl wegen des Besitzes von Kinderpornografie erhalten. An Kindern vergangen habe er sich aber vor den Taten in Staufen nicht. Für solche Ersttäter sei Sicherungsverwahrung nicht gedacht.

Festgenommen wurde der Soldat im vergangenen Oktober in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade in Illkirch-Graffenstaden bei Straßburg im Elsass. Er sitzt seither, wie alle Verdächtigen, in Untersuchungshaft. Nach Angaben des Heeres ist er vorläufig des Dienstes enthoben und darf keine Uniform mehr tragen.

Staatsanwältin Nikola Novak sagte, es gebe zwar Hinweise auf mögliche weitere Taten. Beweisen ließen sich diese jedoch nicht. Der Soldat hat zugegeben, den aus Staufen bei Freiburg stammenden Jungen im vergangenen Jahr zweimal gemeinsam mit der Mutter (48) und deren Lebensgefährten (39) vergewaltigt und Geld gezahlt dafür zu haben.

Lebensgefährte der Mutter nannte Gründe für Missbrauch

Der 39-jährige Lebensgefährte der Mutter – beide sind die Hauptangeklagten – sagte am Montag vor dem Landgericht Freiburg aus, allerdings zunächst als Zeuge. Dabei nannte er erstmals seine Motive: Er habe das Kind nach eigenen Worten aus sexuellen und finanziellen Gründen anderen Peinigern überlassen. Bereits in einem ersten Prozess vor einem Monat in Freiburg hatte der Mann die Taten gestanden, nun nannte er erstmals nähere Details und machte Angaben zu seinem Motiv. Die Mutter des Kindes sei ihm "hörig" gewesen, so habe er ungehindert handeln können. Nach seiner Festnahme habe er sich entschieden zu kooperieren. Er habe alle Täter genannt.

Insgesamt acht Prozesse in diesem Fall

Der neunjährige Junge wurde den Angaben zufolge von seiner Mutter und deren Lebensgefährten mehr als zwei Jahre lang Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen. Es gibt insgesamt acht Tatverdächtige, jeder von ihnen ist einzeln angeklagt. Weitere Prozesse folgen. Die Mutter und ihr Lebensgefährte müssen sich Justizangaben zufolge vom 11. Juni an in Freiburg vor Gericht verantworten.

STAND: 15.5.2018, 17:27 Uhr

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wue ... g-100.html


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