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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 02. April 2016, 23:34:46 
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Die Tote am Stinkberg

Ein Leichenfund bei der Abfalldeponie Riet in Oberwinterthur gibt der Polizei ein grosses Rätsel auf. Die Spurensicherer finden kaum Blut, obwohl Ursula F. durch gewaltige Hiebe auf den Kopf getötet wurde.

Am 4. Oktober 2005 fährt ein Werkarbeiter gegen 9  Uhr mit dem Traktor die Deponiestrasse entlang. Sie führt zur Abfalldeponie Riet, im Volksmund Stinkberg genannt. Er entdeckt eine Handtasche am Strassenrand, hält an und steigt aus – dann sieht er sie: Auf dem nassen Boden im Unterholz liegt eine zierliche blonde Frau. Sie trägt hellbraune Stiefeletten, blaue Jeans, einen dunkelroten Rollkragenpullover und eine hellbeige Jacke. Erst auf den zweiten Blick wird dem Arbeiter klar, dass die Frau im schmalen Birkenwäldchen tot ist. Ihr Kopf ist zerschmettert.

Einen Raubmord schliesst die Kantonspolizei Zürich schnell aus. In der Handtasche ist das Portemonnaie des Opfers mit sämtlichen Papieren. Am folgenden Tag gibt die Polizei die Identität des Opfers bekannt: Ursula F., 53-jährig, Deutsche. Die Frau war alleinstehend und wohnte in der deutschen Gemeinde Überlingen am Bodensee. Bruchstückweise gelangen in den nächsten Wochen und Monaten Details aus dem Leben der gelernten Hauswirtschaftsgehilfin ans Tageslicht: Die Frau war seit Jahren schwer drogensüchtig und verkehrte in Winterthur am Rondell beim Stadtgarten, wo sich damals Drögeler und Randständige trafen. Als sie ermordet wurde, stand sie unter Methadon, einem Heroin-Ersatzstoff.

Kein typischer Junkie

Ursula F. entsprach nicht dem Bild des ungepflegten Junkies. Laut Bekannten war sie sehr ordentlich, staubsaugte ihre Zimmer zweimal täglich und lebte zurückgezogen in einer Wohnung ihrer inzwischen verstorbenen Eltern. Mit den Nachbarn hatte sie kaum Kontakt. Die letzten Jahre vor ihrem Tod arbeitete sie teilzeitlich in der Altenpflege in Überlingen. Nett und hilfsbereit sei sie gewesen, erinnert sich eine ehemalige Mitarbeiterin. In der idyllisch gelegenen 22'000-­Einwohner-Gemeinde mit der mittelalterlichen Altstadt wussten nur wenige von ihrer Drogensucht. Den Stoff beschaffte sich die 53-Jährige stets in Winterthur am Rondell.

Eines ist für die Polizei rasch klar: Der Leichenfundort am Stinkberg war nicht der Tatort. In der Erde finden die Spurensicherer kaum Blut, obwohl die zierliche Frau durch die gewaltigen Hiebe auf den Kopf viel Blut verloren hatte. Ihre Leiche war vermutlich mit einem Auto zu dem schmalen Birkenwäldchen an der Deponiestrasse nahe der Autobahnausfahrt Oberwinterthur transportiert worden.

Ex-Freund als Mörder vermutet

Die Polizei rekonstruiert den letzten Tag der Verstorbenen. Am Nachmittag des 3. Oktober 2005 verliess Ursula F. ihre Wohnung nahe den Bahngeleisen in Überlingen und fuhr mit dem Ortsbus nach Meersburg am Bodensee. Um 17.45 Uhr sah sie der Buschauffeur. Die Polizei vermutet, dass die Frau mit der Fähre nach Konstanz/Kreuzlingen fuhr und von dort im Zug weiter nach Winterthur. Für diese Version gibt es aber keine Zeugen, die Polizei findet bei der Toten auch kein Bahnbillett. Sicher ist: Am späten Abend um 22.55 Uhr versuchte Ursula F. einen Bekannten anzurufen. Die letzte Ver­bindung ihres Handys mit einer Antenne war circa drei Kilometer vom Lei­chenfundort in Oberwinterthur entfernt.

Noch am Tag des Leichenfunds verhaftet die Polizei einen 40-jährigen Mann, ihren Ex-Freund. Einige Tage später erhält die Polizei zwei anonyme Schreiben, die beide den Ex-Freund als «Mörder» bezichtigen. Der Ostschweizer ist der Polizei als drogen- und alkoholabhängiger Mann bekannt. Wie seine Freundin verkehrte er am Winterthurer Rondell. Der 40-Jährige streitet die Tat ab und wird in Untersuchungshaft gesetzt. Knapp drei Wochen später entlässt ihn die Staatsanwaltschaft, weil sie ihm die Tat nicht nachweisen kann.

Auf eine zweite heisse Spur verweisen Taschentücher, welche die Polizei bei der Toten findet. An ihnen haften DNA-Spuren einer Frau aus der Ostschweiz. Die Frau und ihr Ehemann gehörten zum Umfeld der Ermordeten. In der Mordnacht versuchte Ursula F., den Ehemann auf dem Handy zu erreichen. Das Telefonat um 22.55 Uhr war ihr letzter Anruf. Ursula F. hatte Teilzeit in der Pension des Ostschweizer Ehepaars gearbeitet. Anfang Dezember 2005 verhaftet die Polizei die Schweizer Eheleute, die dann etliche Monate in Untersuchungshaft verbringen. Die Staatsanwaltschaft muss das Ehepaar aber wieder auf freien Fuss setzen, weil sie ihnen den Mord nicht anlasten kann.

Eine dritte Mordtheorie skizziert ein von der Zürcher Polizei beigezogener externer Kriminalpsychologe und Pro­filer. Er vermutet ein «gruppendynamisches Tötungsdelikt mit mehreren Tatbeteiligten», wenn er sagt: «Der Schädel wurde mit grosser Wucht zertrümmert; es muss ein grosser Hass geherrscht haben.» Die Art und Weise, wie die 53-Jährige am Fundort hingelegt wurde, habe eine Symbolik, die auf ein Beziehungsdelikt hinweise. Bei der Toten fand die Polizei eine Handschaufel mit ihrer DNA. Wollte sie mit der Schaufel Drogen vergraben? Hatte sie ein krummes Ding gedreht oder jemanden verpfiffen? Hatte sie Feinde in der Drogenszene?

«Ursel hatte zwei Gesichter»

Ein Bekannter der Getöteten demontiert das Bild der anständigen und freundlichen Drogensüchtigen. «Die Ursel hatte zwei Gesichter. Sie konnte scheissfreundlich sein, aber auch unglaublich brutal.» Geistig und verbal sei sie allen überlegen gewesen, und sie habe ihr Umfeld stets manipuliert, um das zu bekommen, was sie wollte. Immer wieder musste die Polizei ausrücken, weil Ursula F. oder Nachbarn die Notfallnummer wählten. Aus Angst, ihr damaliger gewalttätiger und x-mal vorbestrafter Freund könnte sie totschlagen. Obwohl der 13 Jahre jüngere Mann ihr physisch überlegen war, habe sie ihn in der Hand gehabt, sagt der Bekannte: «Die Ursel konnte die Leute zur Weissglut treiben.» Der Bekannte vermutet, dass beide gedealt haben und sie das Geld verwaltete. Das Paar ging schliesslich getrennte Wege.

Ursula F. begann ihre Drogenlaufbahn schon sehr früh – mit 12, 13 Jahren, verlautet aus dem Umfeld der Familie. Mit 18 Jahren kam sie in München erstmals mit harten Drogen in Kontakt. Als Jugendliche machte sie eine Entziehungskur nach der anderen. Mit dem Methadon-Programm kehrte in den letzten Jahren vor ihrem Tod etwas Ruhe in ihr Leben ein. Sie hatte über ein Integrationsprojekt den Sprung in die Arbeitswelt als Pflegerin alter Menschen geschafft. Trotzdem fuhr sie immer wieder in die Schweiz nach Winterthur, um sich dort Drogen zu beschaffen und einen Kick zu besorgen.

Am 17. November 2005 wird der Fall der ermordeten Deutschen in der Sendung «Aktenzeichen XY … ungelöst» im ZDF vorgestellt. Die Polizei sucht in der Sendung einen wichtigen Zeugen: Einer Bekannten hatte Ursula F. erzählt, sie wolle mit einem Schweizer im Wohnmobil nach Spanien reisen. Aber auch die Lösung dieses Rätsels bringt die Polizei nicht weiter. Der gesuchte Mann – es war ein Deutscher und kein Schweizer – kannte Ursula F. von früher. Kurz vor der Tat waren sie im September zusammen im Wohnmobil nach Frankreich gefahren. Aber nach vier Tagen kehrten die beiden bereits wieder zurück: «Es war mir zu viel geworden mit ihr», sagte der Mann.

Nach der Sendung meldet sich eine Zuschauerin telefonisch bei der Polizei und bringt einen neuen Verdächtigen ins Spiel – ihren eigenen Ex-Freund. Dieser habe sie gezwungen, sich in der Nähe des Leichenfundortes zu prostituieren. Er sei ein Waffennarr und äusserst brutal. Die Polizei verhaftet den Mann, doch auch diese Spur bringt die Ermittlungen nicht weiter.

Mögliche Mitwisser in Gefahr

Anlässlich des zweiten Jahrestags des Tötungsdelikts bittet die Kantonspolizei Zürich erneut Zeugen, sich zu melden. Diesmal konzentriert sie sich explizit auf die dritte Mordtheorie, die von einem gruppendynamischen Tötungsdelikt ausgeht. Die Polizei warnt mögliche Mitwisser oder Beteiligte, dass auch sie sich in Gefahr befinden könnten und rät ihnen, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Doch der Zeugenaufruf bleibt ebenso erfolglos wie die anderen zuvor.

Die Kantonspolizei Zürich hat, oft zusammen mit den deutschen Kollegen, rund 100 Personen als Verdächtige überprüft oder als Zeugen oder Auskunftspersonen befragt. Doch sie kommt nicht weiter. Auch die hohe Belohnung von 10'000 Franken bringt keine brauchbaren Hinweise. Der Mordfall bleibt ungelöst.

Ursula F. ist im Friedhof Überlingen beigesetzt. Eine unauffällige Namenstafel aus Marmor ziert ihr Urnengrab.

Hinweise zum Fall nimmt die Kantonspolizei Zürich (044 247 22 11) entgegen. (Tages-Anzeiger)
(Erstellt: 27.12.2012, 07:05 Uhr)

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/reg ... 4593?track


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 Betreff des Beitrags: Re: Mord an Ursula Flügel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 02. April 2016, 23:37:44 
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31.03.2007 02:15

Mord im Jungwald

Der 3. Oktober 2005 war für Ursula Flügel der letzte Tag in ihrem erst 53-jährigen Leben. Am anderen Morgen fanden Arbeiter die Überlingerin mit eingeschlagenem Schädel im Unterholz eines Jungwaldes, einen Steinwurf entfernt von der Mülldeponie des Kreises Oberwinterthur im Kanton Zürich. Trotz intensivster Fahndung, im November 2005 war der Fall sogar in "Aktenzeichen XY ungelöst" zu sehen, fehlt von ihrem Mörder bis heute jede Spur. Die Akte bei der Kantonspolizei Zürich ist weiter offen.

Ihre Drogensucht sah man der schlanken Frau mit den langen, blonden Haaren nicht auf den ersten Blick an. Ursula Flügel lebte in Überlingen allein stehend und zurückgezogen, hatte aber offenbar einige Bekannte in der Schweiz und Beziehungen dorthin. Schon zwei Tage vor ihrem Tod war sie im Kanton Zürich gewesen. Am 1. Oktober hatte sie gegen 18.30 Uhr in Kreuzlingen eine Bahnfahrkarte via Weinfelden nach Winterthur gelöst.

Als sie an jenem 3. Oktober 2005, dem Tag der deutschen Einheit, ihre Überlinger Wohnung in der Oberen Bahnhofstraße verließ, wollte sie im Nachbarland einen Mann besuchen, mit dem sie einen gemeinsamen Urlaub plante. Mit einem Wohnmobil sollte es zu zweit nach Spanien gehen. Das jedenfalls hatte sie erzählt gehabt, wie Zeugen der Polizei später zu Protokoll gaben.

Unauffällig angezogen bestieg Ursula Flügel am Abend des 3. Oktober in Überlingen den Bus. Sie trug Bluejeans, dazu einen roten Rollkragenpulli, darüber eine hellbeige Windjacke, an den Füßen braune Stiefeletten. In diesen Kleidern wurde sie im Bus nach Meersburg gegen 17.45 Uhr das letzte Mal lebend gesehen. Dann verliert sich ihre Spur. Offenbar wollte sie mit der Fähre nach Konstanz. Am anderen Morgen um 9 Uhr machten Arbeiten dann in einer Waldschonung in der Nähe des Autobahnanschlusses bei der Mülldeponie Oberwinterthur die schreckliche Entdeckung. Hier lag die Leiche von Ursula Flügel. Die Frau war gestorben an "massiven Kopfverletzungen", die zweifelsfrei auf eine Straftat schließen ließen. Vieles deutet darauf hin, dass sie von jemandem getötet wurde, mit dem sie in irgendeiner Beziehung stand. Ein Raubmord durch einen Täter, dem sie zufällig über den Weg lief, ist unwahrscheinlich. In Ursula Flügels Umhängetasche fand die Polizei sämtliche Papiere und ihren Geldbeutel. Noch am Tag, an dem die Leiche entdeckt wurde, verhaftete die Polizei einen 40-jährigen Ostschweizer, gegen den sich der Tatverdacht aber nicht erhärtete.

Durch die Sendung Aktenzeichen XY ungelöst am 17. November 2005 hoffte die Kantonspolizei Zürich insbesondere, Zeugen zu finden, die die Frau auf der Fähre oder später in der Schweiz gesehen haben. Obwohl das Fahndungs-TV in Deutschland, der Schweiz und Österreich ausgestrahlt wird, brachte es den Ermittlern keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Indes wurden gute zwei Wochen später, am 5. Dezember, eine 54-jährige Frau und ein 61-jähriger Mann, beide Schweizer, verhaftet, die schon vorher im Fokus der Polizei gewesen waren. Sie gehörten zum Umfeld des Opfers. Doch auch der Tatverdacht gegen sie zerstreute sich wieder.

Die Kantonspolizei Zürich beschäftigen weiterhin wichtige offene Fragen. Sie sucht immer noch Zeugen, die die Ursula Flügel am Abend ihres letzten Lebenstages, jenes 3. Oktobers 2005, auf der Fähre oder danach in Konstanz oder in der Schweiz gesehen haben. Auf Hinweise, die zum Täter führen, ist eine Belohnung von 10000 Schweizer Franken ausgesetzt.

http://www.suedkurier.de/region/bodense ... 95,2526654


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 Betreff des Beitrags: Re: Mord an Ursula Flügel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Samstag, 02. April 2016, 23:54:15 
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Ungelöste Mordfälle
Fall 4: Mord an Ursula F. (†53)

Wer warf die Leiche auf den Stinkberg?

Das Opfer führte ein Doppelleben, die Ermittler suchten ihre Mörder im Drogenmilieu. Und scheiterten.

Michael Scherrer (50) ist ein hartnäckiger Ermittler. Jeden Fall, in dem es Tote gab, konnte der Staatsanwalt aus Zürich bisher aufklären - bis auf einen: den Mord an Ursula F. (†53).

Am Morgen des 4. Oktober 2005 machen Arbeiter der Deponie Oberwinterthur einen schrecklichen Fund: Auf dem Weg zur Znüni-Pause sehen sie im Gebüsch etwas, das aussieht wie ein menschlicher Körper. Einer der Männer denkt zunächst, da liege eine Schaufensterpuppe, die jemand in der Nacht achtlos entsorgt habe. Doch als er genauer hinsieht, realisiert er: Es ist die Leiche einer Frau - und sie ist übel zugerichtet. Ihr Schädel ist eingeschlagen und zertrümmert. Der Täter hat den toten Körper entsorgt wie ein Stück Abfall, etwa 100 Meter entfernt vom Eingang zur Mülldeponie, auch Stinkberg genannt. Bis heute ist die Tat ein einziges Rätsel.

Ursula F. führte ein Doppelleben: Sie war alleinstehend, lebte in Überlingen (D) am Bodensee, in einer Wohnung, die sie von ihren Eltern geerbt hatte. Ihr Geld verdiente sie als Putzfrau, unter anderem in einem Alters- und Pflegeheim. Die Bewohner dort haben sie als “nett und immer freundlich” in Erinnerung, Freunde beschreiben sie als “charmant und gewinnend”.

Was viele nicht wussten: Ursula F. war süchtig, nach Alkohol und Drogen, Kokain und Heroin. In Winterthur lebte sie ihre Sucht, verkehrte im Milieu und beschaffte sich ihre Drogen beim Rondell im Stadtgarten. Auch an diesem Abend fuhr sie mit dem Schiff über den Bodensee und dann weiter mit dem Zug nach Winterthur. Kurz darauf muss sie ihrem Mörder begegnet sein: Die Obduktion ergab, dass Ursula F. zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen umgebracht wurde. Aber von wem?

Videoreportage: «Kommt der Mörder aus dem Drogen-Millieu?»

Abrechnung im Drogen-Millieu?

Die Verdächtigen

Ursula F. verkehrte im Drogen-Millieu. Sie hatte ein Verhältnis mit einem Imbiss-Besitzer aus dem Raum Zürich.

Auch ihr Ex-Freund (40) verkehrt in der Szene, er war vorbestraft und galt als extrem gewalttätig. Bekannte bezeichnen die Beziehung als explosiv. Oft habe es Streit und tätliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden gegeben, so schlimm, dass Flügel selbst die Polizei rief. Ist er also der Mörder? Kurz nach der Tat tauchten anonyme Briefe auf, die den Mann beschuldigten. Die Polizei nahm ihn vorübergehend fest. Doch der Verdacht erhärtete sich nicht.

Die Ermittlungen zeigten, dass Ursula F. an jenem Abend den Kontakt zu einem weiteren Mann suchte: dem Besitzer einer Imbissbude im Raum Zürich, wo Flügel einige Zeit geputzt hatte. Mit dem damals 61Jährigen hatte sie ein Verhältnis, seine Frau (58) wusste davon, was immer wieder zu Streit führte. Um 22:55 Uhr wählte Ursula F. die Nummer des Mannes, doch er nahm nicht ab. Was wollte sie von ihm? Wollte sie ihn treffen? Und warum? Der Anruf war das letzte Lebenszeichen der Frau, gesendet wenige Kilometer vom Fundort der Leiche. Doch wo wurde Ursula F. umgebracht?

Am Strassengraben ins
Gebüsch geworfen

Der Tatort

Staatsanwalt Michael Scherrer: «Bei diesem Tötungsdelikt war unglaublich viel Wut, Hass und Gewalt im Spiel.»

Staatsanwalt Michael Scherrer ist sicher, dass Flügel nicht dort umgebracht wurde, wo ihre Leiche gefunden wurde. “Sie hat durch die Schläge auf ihren Kopf enorm viel Blut verloren”, so Scherrer, “etwa drei bis vier Liter”. Doch im Erdreich am Fundort der Leiche fanden die Ermittler praktisch kein Blut. “Die Frau muss an einem anderen Ort getötet worden und dann in einem Fahrzeug zur Deponie gebracht worden sein.” Auffallend: Der oder die Täter gaben sich keinerlei Mühe, die Leiche zu verstecken - sondern warfen sie einfach am Rand der Strasse ins Gebüsch.

Den Mord verübten sie mit unvorstellbarer Brutalität. „Bei diesem Tötungsdelikt war unglaublich viel Wut, Hass und Gewalt im Spiel”, sagt Staatsanwalt Scherrer. “Es war ein Übermass an Tötungsenergie da.“ Ermordet wurde Ursula F. mit einem stumpfen Gegenstand. “Etwa mit einem Holz, einem Ast oder mit einem Baseballschläger.“

Neben der Toten fand die Polizei eine kleine Gartenschaufel, so wie sie Dealer oft benutzen, wenn sie in öffentlichen Parks nach verstecktem Stoff graben. Wem gehörte die Schaufel? Wurde Ursula F. Opfer einer Abrechnung im Drogenmilieu? Hatte sie jemanden verpfiffen? Oder sich nicht an bestimmte Abmachungen gehalten? War es eine Zufallstat? Oder doch eine Rachetat - und damit ein Beziehungsdelikt? Für Michael Scherrer ist das wahrscheinlicher.

Die Ermittler durchleuchteten das Umfeld von Ursula F.. Ihren Ex-Freund, den Mann, den sie anzurufen versuchte, seine Frau. „Doch alle stritten eine Beteiligung an der Tat kategorisch ab.“ Lange hoffte Scherrer, die Täter durch eine Blutspur überführen zu können. Schliesslich hatte Ursula F. viel Blut verloren, irgendwo müssten Reste davon zu finden sein, im Auto, in dem die Leiche transportiert wurde, in den Wohnungen der Verdächtigen. Spezialisten des kriminaltechnischen Dienstes durchsuchten minutiös Wohnungen, Gärten, Toiletten, Abflussrohre und Fahrzeuge. Doch sie finden den Täter nicht.

Staatsanwalt Scherrer ist ratlos: „Hätte ich nur einen einzigen, klaren Hinweis auf die Täterschaft gehabt, hätte ich Anklage erhoben.“ Doch im Fall der Toten vom Stinkberg musste selbst er kapitulieren.




http://php.blick.ch/red/ipad/html/mordf ... nkberg.php


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 Betreff des Beitrags: Re: Mord an Ursula Flügel
 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 03. April 2016, 00:03:48 
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http://www.blick.ch/news/ungeloeste-mor ... 63548.html


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 29. Juli 2018, 13:42:09 
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Das Opfer Ursula Flügel



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Hier fand man die Leiche: Ein Birkenwäldchen an der Deponiestrasse in Oberwinterthur

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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 29. Juli 2018, 13:43:10 
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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 29. Juli 2018, 16:57:34 
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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 29. Juli 2018, 17:07:09 
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Winterthur

Tötungsdelikt im Fixer-Milieu bis heute ungeklärt

Heute vor zehn Jahren wurde beim Rietberg in Oberwinterthur die Leiche einer drogensüchtigen Frau gefunden. Das Verbrechen bleibt trotz mehrerer Verhaftungen nebulös.

Die Deponie Riet, gleich neben dem historischen Abfallhügel «Stinkberg», ist eine der ungemütlichsten und rauhesten Gegenden der Stadt. In der Einsamkeit einer Oktobernacht trug sich hier vor zehn Jahren ein brutales Verbrechen zu. Das Opfer war Ursula Flügel, eine damals 53-jährige heroinabhängige Frau aus Deutschland. Sie wurde am Morgen des 4. Oktober von einem Arbeiter leblos im Strassengraben gefunden.

Was sich in der Tatnacht genau abspielte, weiss die Polizei bis heute nicht. Klar ist: Ursula Flügel wurde an einem anderen Ort in der Nähe getötet, und dann zur Deponie gebracht. Dort traktierten mehrere Personen die leblose Frau am Kopf. Die Rechtsmediziner stellten später fest, dass die Getötete eine annähernd lebensbedrohliche Methadon-Dosis intus hatte.

Mindestens zwei Täter

Die zuständigen Ermittler der Kantonspolizei gingen nicht von an Anfang an von mehreren Tätern aus. Dies ergab erst die Analyse eines Kriminalpsychologen. Dieser sah klare Anzeichen eines «gruppendynamischen Delikts». Man spricht deshalb heute von mindestens zwei Tätern, und man vermutet sie im näheren Bekanntenkreis des Opfers.

Doch alle Ermittlungen in diese Richtung brachten keine brauchbaren Ergebnisse. Die Kantonspolizei liess zwar nacheinander sieben Personen verhaften, doch musste sie alle kurze Zeit später wieder auf freien Fuss setzen. Die meisten von ihnen waren indes mit der Drogenszene verbandelt, welche sich damals beim Musikpavillon am Winterthur Stadtpark traf.

Vielleicht war auch Ursula Flügel kurz vor ihrem gewaltsamen Tod noch im «Fixer-Pavillon». Sie lebte zwar im deutschen Überlingen am Bodensee, doch regelmässig reiste sie mit Bus, Fähre und Zug nach Winterthur, um sich neuen Stoff zu besorgen.

Beobachtet und gefilmt

Dies tat sie auch am Abend des 3. Oktober 2005. Zeugen haben sie auf der Fähre von Meersburg nach Kreuzlingen beobachtet. Und am dortigen Bahnhof wurde sie vor dem Einsteigen in den Zug nach Winterthur von einer Überwachungskamera gefilmt. Was Ursula Flügel danach tat, mit wem sie sprach und wen sie traf, ist unklar. Nur ein weiteres Detail ist der Polizei bekannt. Kurz vor ihrem Tod, um 22.55 Uhr abends, versuchte sie von ihrem Handy aus einen Bekannten anzurufen. Der Anruf wurde nur wenige Kilometer von der Deponie Riet entfernt registriert. Der Bekannte war ebenfalls einer der kurzzeitig Verhafteten.

Gartenschaufel am Fundort

Auch Monate und Jahre nach der Tat präsentiert sich dieser Kriminalfall noch immer als äusserst lückenhaftes Puzzle. Ursula Flügel, die in Deutschland als Reinigungsangestellte tätig war, fiel nie strafrechtlich auf. Ob sie im Drogenmilieu eine andere Rolle spielte als jene der einfachen Konsumentin, weiss man ebenfalls nicht. Die Beamten fanden in der Nähe des Fundorts eine kleine Gartenschaufel, die man dazu verwenden könnte, ein Erdloch für Drogen auszuheben. Inwiefern dies etwas mit dem Tötungsdelikt an der Frau zu tun hat, bleibt aber Mutmassung.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat das Verfahren bereits nach einem halben Jahr eingestellt. Bei der Kantonspolizei ist die Akte auch zehn Jahre danach noch immer offen. Ob in der letzten Zeit noch aktiv ermittelt wurde, sagen die Beamten nicht. Klar ist aber, dass mehrere Personen frei herumlaufen, die an der Tötung beteiligt waren oder Kenntnis von den Umständen der Gewalttat haben. ()

Erstellt: 04.10.2015, 14:19 Uhr

https://www.landbote.ch/winterthur/stan ... y/22740549


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 Ungelesener Beitrag Verfasst: Sonntag, 29. Juli 2018, 17:08:18 
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Ursula Flügel wäre heute 63 Jahre alt. Vor zehn Jahren fand man ihre Leiche bei der Deponie an der Stadtgrenze von Winterthur.


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